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Französische Pressestimmen zur Kabinettskris« in i," Frankreich.

Paris, 11. April. Zum Sturz des Kabinetts »erriet schreibt derTemps ", das Ministerium »erriet scheiterte an einem Sonderübel, dessen plötzliche Entscheidung das Ende herbeigesübrt habe und infolge eines ' 'ückliegenden Fehlers, der es verurteilte. Das Eoliderübel war die Staatsanleihe der Bank von Frank­reich, die seit mehreren Monaten die Bank von Franreich . veranlaßt batte, die Grenze des Notenumlaufs zu über- toreiten. Es war, was niemals eine" Regierung vor der Negierung öerrrlot übernommen bat. Der zurück­liegende Fehler war, daß nach der Abstimmung vom 11. Mai man ein Wablgebtlde in eine politische Organi­sation umwandelt«, durch die man Frankreich regieren wolle.

Das2ournalde»Debats" schreibt, wenn das Parlament und da« Volk sich nicht gegen die schweren Fehler aufgelehnt hätten, die begangen worden seien, wären wir reif geworden für die erniedrigendste Abhän­gigkeit. Der Senat bat Frankreich befreit. Alle unsere Bemühungen müssen nun daraus gerichtet fein, zu er­fahren, welchen Gebrauch unsere Regierung von dieser wiedereroberten Freiheit machen wird. Das zurück- eciretcne Ministerium läßt eine kritische innen- und außenpolitische Lage zurück. Dem Ministerium von mor­gen fällt eine große Revarationsmisston zu. Wenn es von Anbeginn an für die großen nationalen Interessen rintritt und wenn es die diplomatischen und finanziellen Fragen über alles stellt, dann wird es die gesamte Mentliche Meinung für sich haben. Unter den augen- bicklichen Umständen, die durch die Präsidentschafts­wahlen in Deutschland und durch die Frage des Noten­umlaufs in Frankreich charakterisiert werden, gebe es tzicht den geringsten Platz für persönliche Angelegen­heiten oder für sonstige kleine politische Berechnungen. Frankreich braucht eine Regierung der nationalen Ver­teidigung. Es wünsche zur Regelung seiner Angelegen­heiten die befähigtsten, die energischsten Persönlichkeiten und die, die am geeignetsten seien, die Ordnung und den Frieden wiederberzustellen,' die, die in der Lage seien, das Vertrauen wiederherzustellen, mit anderen Worten, die (tarnten Köpfe und die besten Herzen.

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' London, 11. April. Zum Rücktritt der Regierung Herriot, der in der Presse Lroßes Aufsehen erregt, schreibt die ,M ot« ging P o st", der Rachfolger Herriots sei nicht 0« beneiden. Was auch immer geschehe, sehe es danach aus, als ob die Mittelklasse, die noch immer das politische Rückgrat Frankreichs bilde, wieder zu leiden haben werde. Sie politische Sage Frankreichs fei äußerst ungewiß. Es sei jedoch zu hoffen, daß keine «rnsten Schwankungen in der Außenpolitik stattfinden werden. WaS Europa augenblicklich brauche, fei eine gewisse Kontinuität in den auswärtigen Ve- -iehungen aller seiner ^Regierungen.

Das ArbeiterblattD a i l y H e r a l b" sieht in dem Rücktritt HerriotS einen neuen Triumph der Reaktion in Europa. Herriot fei geschlagen worden, weil die französsischen Rentner und Kapita­listen immer noch hoffen, den Folgen der rachsüchtigen Politik zu entgehen, die sie seit 1918 unterstützt hätten. DieTimes" schreibt: Durch die Enthüllungen wurde fengesiellt. daß die Methoden der Bank von Frankreich nicht einwandfrei waren. Wenn man die von der Dank getroffenen Verfügungen nicht rasch auf eine gesetzliche Grundlage bringe, so werde dem französischen Kredit ein Schaden, zugefügt werden, der nicht wieder gut zu machen ist. Die finanziellen Kreise des Auslandes haben, sich durch die Fiktion, daß in Frankreich keine Inflation stattgefunden habe, nicht täuschen lassen, wob! aber leide das französische Volk. Man mutz ernstlich hoffen, daß trotz der durch diese Enthüllungen veranlaßten Erschütterungen bas französische Volk nicht bas Vertrauen zu seinen Führern verliert, sondern sich einig um sie schart, um eine Katastrophe abzuwenden. ®J e Sage i st ernst. Auch die Anstrengungen des fähigsten Finanzministers werden vergeblich fein, wenn er nicht eine angemessene Unterstützung findet. Er wird die Ausgaben rücksichtslos vermindern und die Steuern erhöhen muffen. Er kann keinen Erfolg haben, wenn er nicht Maßnahmen ergreift, die populär sind.

Paris, 11. April. In den Wandelgängen der Kammer wird die durch die Demmission HerriotS her­beigeführte Sage lebhaft besprochen. Rach dem von Havas verbreiteten Stimmungsbild scheint man allseits den Wunsch zu hegen, einen Konflikt zwischen Kammer und Senat zu vermeiden. Diese Ansicht trete ins­besondere bei der radikalen Gkuppe zutage und aus bietem Grunde fei auch von jeder Kollekttvbemon« stration der Gruppe der Kammermehrheit, wie sie testern abend als möglich hingestellt wurde, abgesehen wrden. Das bedeute jedoch keinesfalls, baß man die Dande, die seit dem Mai 1924 die Radikalen und die Sozialisten miteinander verbänden, zerreißen oder auch nur lockern wolle. Aber man fei der Ansicht, baß der Block, den sie gebildet hätten, in genügender Weise feinen Zusammenhang und seine Macht be­wiesen habe als daß er unter den gegenwärtigen Um­ständen nötig hätte, die geringste Beunruhigung für die Zukunft an den Tag zu legen. Die Radikalen er­klärten, daß Kammerpräsident Painleve durch das Vertrauen, da» er der Mehrheit ein flöße, leichter als jeder andere die Schwierigkeiten der gegenwärtiges Stunde überwinden könne. Dies« Auffassung werde auch von einer beträchtlichen Anzahl sozialistischer Abgeordneter geteilt, die schon jetzt sich geneigt zeigten, mit Painlevs die Politik der Unterstützung sortzu» setzen, die sie mit Herriot verwirklicht haben. Die Sozialisten blieben aber jeder Teilnahme an der Re­gierung selbst abgeneigt. Unter diesen Umständen, und sofern in der Haltung der Sozialisten, nicht in die Regierung einzutteten, ein Umschwung nicht vorkomme, toürben die Versuche, die PainlevS unternehmen könne, um sie zu einer effektiven Mitarbeit zu bewegen.

Eine Ofterhotfchaft Hm-enbmss

Mr die Heiligkeit -es Rechts

Berlin, 11. April. Vaterländisch gefinnnte Deutsche aus allen deutschen Gauen und Stämme« haben mir das höchste Amt im Reiche angetragen. Ich folge diesem Rufe nach ernster Prüfung in Treue zum Vaterlande Mein Leben liegt klar vor aller Welt. Zch glaube auch in schweren Zeiten meine Pflicht getan zu haben. Wenn diefe Pflicht mir nun gebtetet, auf dem Boden der Berfas, sung ohne Ansehen der Partei, Person, Herkunft und des Berufsstandes als Reichspräsident zu wir« ken, so soll es an mir nicht fehlen. Als Soldat hatte ich immer nur die ganze Nation im Auge und nicht Parteien. Sie sind in einem parlamentarisch re­gierten Staate notwendig, aber das Staatsober, Haupt mutz über ihnen stehen und unabhängig von ihnen für jede« Deutschen walten. Den Glau, ben an da» deutsche Volk und den Bei, stand Gottes habe ich nie verloren. Ich bin aber nicht mehr jung genug, um an einen plötz­lichen Umschwung der Dinge zuglau, ben. Kein Krieg und kein Aufstand im Znner« kann unsere gefesselte und leider durch Zwietracht gespaltet Ration befreien. Es bedarf langer, ruhi­ger Arbeit, es bedarf vor allem einer Säuberung unseres Staatswesens von denen, die aus der Poli, tik ein Geschäft machten. Ohne Reinheit des öffentlichen Lebens und Ordn« ng kann kein Staatswees« gedeihen. Der Reichspräsident ist besonders dazu berufen, die Heiligkeit des Rechts hochzuhalten. Wie der erste Präsident auch als Hü­ter der Verfasiung feine Herkunft aus der sozialisti­schen Arbeiterschaft nie verleugnet hat, so wird auch mir niemand zumuten können, datz ich jemalsmeinepolitischeUeber- zeugung aufgebe. Gleich dem von mir hoch- geschätzten Dr. Jarres erachte auch ich in jetziger Zeit nicht die Staatsform, sondern den Geist für entscheidend, der die Staatsform beseelt. Ich reiche jedem Deutschen die Hand, der national denkt, die Würde des deutschen Namens nach innen und nach autzen wahrt und den konfessionellen und soziale« Frieden will, und bitte ihn: Hilf auch Du mit zur Auferstehung ««sere« ö eiter, iajtbe«! ...... . v

. 1 v. Hindenburg.

D u i s 6 u t g, 11. April. Dr. Iarres hat an seine Wähler eine Wähler eine Osterbotschaft er­gehen lasten, in der es zum Schluß heißt: Jede am 29. März für mich abgegebene Stimme gehört nun­mehr Hindenburg.

Die Kandidatur Hinde«b«rg» und das Ausland.

Newhork, 11. April. Der Berliner Kor­respondent des International New« Service S. D. Weher kabelt seinen Blättern eine Unterredung mit Tirpitz. Dieser erklärt u. a.t Was daß deutsche Volk verlangt, da- ist; Schluß mit der Herrschaft der Parteipolitik und an der Spitze des Staates ein Mann, der über den Par­teien steht. Die Wahl Hlndenhurg« wird den Frieden Im Lande, dl« Aufrechtorhaltung von Ge­setz und Ordnung gewährleisten. Dieser Gesichts­punkt dürfte gerade für Amerika wichtig fein, in seiner Bedeutung für die Durchführung de» DaweS- Planes. Ich gestehe Ihnen ganz offen, datz ich persönlich den DaweS-Plan nicht für durchführbar halte. Immerhin haben wir unfern guten Willen damit gezeigt ,datz wir ihn annahmen und bisher erfüllt haben. Hindenburg wird der Garant dieses guten Willen» sein, denn gewih zweifelt niemand, datz er ein Mann von Wort ist, der, wenn er einmal ja gesagt hat, seine ganze gewaltige Energie daransetzen wird, feierlich -gegebene Ver­sprechen einzulösen.

Die bayrische« Demokraten für Hindenburg.

München, 11. April. Daß der Name Hin­denburg auch im demokratischen Lager mag­netische Zugkraft hat, geht daran» hervor, daß der Ehrenvorsitzende der Demokrattschen Landespartei Bayern», Geh. Studien­rat Dr. H a m m e r s ch m l d t, in einer öffent­lichen Erklärung für Hindenburg eintritt. Ge­heimrat Dr. Hammerschmidt erklärt u. a. folgen­des:

Die Leitung der Demokratischen Partei hat sich für die Kandidatur Marx entschieden. Sie fordert also ihre Anhänger auf, Zentrum zu wählen und dieSozialdemokratiezuunt erstützen. T^i» ist mehr, al« man einem alten S16 eral e n zumuten kann. Marx wird al» Reichspräsident gerade In wichtigen Fragen auf den Willen der Sozialdemokraten zuachten haben, weil sie ihm zu seiner Wahl die meisten Stimmen zu­führen. Damit wird deren politischer Einfluß nicht nur andauern, sondern eher noch wachsen. Das halte ich aber so lange für verhängnisvoll, als sich die Sozialdemokratie nicht vom Internationalismus und vom Klassenkampf ausdrücklich losgesagt hat. Daß sie ihre wirtschaftlichen Pläne nicht durchfüh­ren kann, hat sie, wenn auch nicht eingestanden, so doch eingesehen.

Warum stellt die Demokratische Partei trotz man­cher Warnung diese Zumutung an ihre Mitglieder? In erster Linie, wie immer betont wird, der repu­blikanischen Verfassung zuliebe. Da diese aber kei­neswegs die vordringlichste Frage bar« stellt, so ist sie wieder einmal jene starrsin­nige Betonung der Form anstatt des Inhalts, die unser Volk oft in entscheidender Zeit um Klärung und Erfolg gebracht hat.

Ich habe meine politische Anschauung nie ver­hehlt oder gar aufgegeben und werde Ihr daher auch für die Zukunft treubleiben: darum kann ich die Aufforderung der Bartel, durch meine Wahl­stimme Zentrum und Sozialdemokratie zu fördern, nicht hinnehmcn, Schweigen könnte als Billi­gung aufgefaßt werden."

Die heutige Landesvorstaudssitzung des Bay-" rischen Bauern- und M i t i e l st and S b u n- des bestätigte den Beschluß vom 6. April ds. Js. und empfiehl den Anhängern des Bundes, am 26. April ihre Stimme für Marx abzugeben, ohne damit auf sie einen Gewissens­zwang auSüben zu wollen.

Das Ende einer Lüge.

Newhork, 11. April. Die Angriffe der Newhorker Hetzpresse auf Hin denburg veranlaßten den deutsch-amerikanischen Journalisten Viereck, sich direkt an Kaiser Wilhelm mit des, Frage zu wenden, ob Hindenburg seine Reichs- Präsidentschaftskandidatur auf Befehl des Kaisers angenommen habe, nachdem Admiral Tirpitz den Kaiser von der Notwendigkeit seiner Zustimmung zur Kandidatur Hindenburg» überzeugt habe. Der Kaiser ließ durch den Obersten v. Kleist durch Kabel antworten, daß diese Geschichte ein absolutes Märchen sei. Seine Majestät habe keine Mitteilung irgendwelcher Art von Feldmar­schall Hindenburg über seine Kandidatur erhalten. Jbmlrat Tirpitz sei nicht in Doorn gewesen. Der Kaiser habe seine Informationen über die Präsi­dentenwahl In Deutschland ausschließlich aus der Presse. Seine Majestät stände in keiner Verbin- bung mit irgendwelchen politischen Kreisen in Deutschland oder mit Parteiführern. Der Kaiser habe es sich ein für allemal zum Grundsatz gemacht, sichnichtininternedeutscheAngelegen- h e i t e n z u mischen, solange er in Doorn wohne.

vergeblich bleiben. Für den Fall, daß Painleve die Kabinettsbildung angebvten werden und er sie über­nehmen würde, fei man der Ansicht, bah er außer der Ministerbräslbentfchast noch das Portefeuille des Kriegsminister« übernehmen werde, das er schon 1917 tnnegehabt habe. In den Wandelgängen der Kammer beschäftigte man sich besonders mit der Frage der Verteilung der Porteseuills für das Außen- und Finanzministerium. Für den ersteren Posten nenne man Vriand, dessen Mitarbeit, wie behauptet wirb, sich Pailev^ wegen feiner großen Erfahrungen in diplomatischen Verhandlungen zu sichern wünsche. Für den zweiten Posten perde Paul Doumer genannt, der im Jahre 1920/21 Finanzminister gewesen ist und an den interalliierten Konferenzen beteiligt war. Es werde ferner erklärt, daß de Mouzie das Justiz­ministerium übernehmen würde und daß mehrere an­dere Mitglied«: des Kabinetts Herriot, so besonders der Minister für die Befreiten Gebiete Dalbiez und der Kolonialminister Daladier von Pailevs gebeten würben, ihre gegenwärtigen Posten zu behalten. Als Innenminister würden u. a. die Rainen des Senators Sarraut und des ebenfalls der demokratischen Sinken angehörenden Schramek. Ferner nenne man als even­tuelle Mitarbeiter des Ministerpräsidenten die Abg. Diolette, Milhaud-Laval, Daniel Vincent und Henri Simon. Alle diese Kombinationen seien allerdings umso mehr verfrüht, al« zu der Stunde, wo man le mache, man noch nicht einmal wisse, ob die Wahl des Präsidenten der Republik auf Painlevä falle.

Paris, 11. April. Kammerpräsident Pain­leve hat heute abend mit Driand. de Monzie, ®ar- rau t, Malvy, Violette, Ehaumet und anderen Parla­

mentariern verhandelt. Einem Vertreter der Havas- agentur gab Painleve auf die Frage, ob er gegebenen« fall« die Regierung übernehmen würde, folgende Ant­wort: Mein Widerstand gegen die Anregung, die Re­gierung zu übernehmen, besteht noch. Ich bin der An­sicht, baß ich nicht der Mann der Situation bin. Rach meiner Ansicht muh an die Spitze des neuen Kabinetts rin linksstehender Senator treten, der sowohl in der Kammer als im Senat Sympathie genieße und der während der Schlacht nicht in der ersten Reihe ge­standen hat. Alles, was ich weiß, ist, daß die Be­ratungen heute im Elysee sehr zahlreich gewesen sind und daß sich verschiedene Meinungsverschieden­heiten kundgetan haben.

Paris, 11. April. Der Präsident der Republik hat heute abend die Besprechungen mit den Parlamen­tariern über die durch die Demission Herriots ge­schaffene Sage fortgesetzt. In» Augenblick glaubt man nicht, bah er noch weitere Persönlichkeiten berufen wird. Am späten nachmittag empfing er der Reihe nach die Abgeordneten Dariac, Briand, Loucheur, Bon­cour und den Senator Sarraut.

Paris, 11. April. Die Havasagentur berichtet, zu Beginn i>e» Nachmittag» habe man den klaren Ein­druck, daß Präsident Doumergue alle Anstren­gungen mache, um die Ministerkrise rasch zu beenden. Der Senatspräsident habe sich heute nachmittag da- »auf beschränkt, hem Präsidenten der Republik gegen­über zu betonen, daß in der gestern vom Senat ange- nommencn Tagesordnung besoiroers her Gedanke oer Einigkeit der Republikaner, des Friedens des Innern und der nationalen Eintracht hervorgehoben worden fei Kammerpräsident Painleve habe daran er­innert; daß dem Kabinett Herriot, bevor es im Senat

i« die Minderheit gesetzt wurde, die Kammer ihr Ver­trauen ausgesprochen habe. Wenn da» Mißverständnis, da» zwischen den beroen Parlamenten entstanden z, sein scheine, andauer^ wäre bte$ außerordentlich be­dauerlich, besonders, wenn man nicht der oft zum Aus­druck gebrachten Auffassung der aus dem allgemeinen Stimmrecht hervorgegangenen Parlamentsmitgliedern Rechnung trage. Der Vorsitzende der Finanzkommission des Senats, Senator MillwS-Lacroix, und der Vor­sitzende der Finanzkommission der Kammer, Abg. Au- riol, seien vom Präsidenten der Republik aufgefordert Wochen, im besonderen ihre Auffassung über die ft- nanzielle Lage und über die Mittel, die dazu geeignet sieen, ihr zu begegnen, bekannt zu geben . Im Ver­lauf deS Nachmittag- weche der Präsident der Ro< publik die politische Sage, die durch die Krise entstandet ist, prüfen. Er werde die Vorsitzenden der Fraktion« der Kammer und des Senats empfangen, so u. a. die Senatoren Bienvenu-Martin, Chaumet und Cberon so­wie die Abgeochneten Flandin von der D-mokratijch- republikanischen Vereinigung, Morel von der Sozialisti­sch-republikanischen Partei und Leon Blum von Der Sozialistischen Partei. ES fet auch wahrscheinlich, daß der Präsident der Republik noch andere politisch« Per­sönlichkeiten in das Elysee berufen werde, so z. B. Briand, Paul Boncour, Steeg und Moris-Sarraut. Erst wenn diese Besprechungen beendet seien, könne man den ersten Eindruck über die Entwicklung der Ministerkrise gewinnen. Schon jetzt aber würden in den Wandelgängen der Kammer einige Namen ganz besonders genannt, die für die Nachfolge Herriots in Frage kämen. Es seien dies die Abgg. Painleve und Briand, sowie die Senatoren Moris-Sarraut und Steeg.

Briand mit der Negier»ngsbildu«g beauitragt.

Paris, 12. April. Der Präsident der Republik hat dem Abgeordneten Aristide Briand die Kabinetts­bildung angetragen.

Briands Verhandlungen mit dem Linkskartell.

Paris, 13. April. Briand, ben der Präsi­den der Republik gefielen hat, die Bildung des Mi­nisteriums zu übernehme«, erklärte ausdrücklich, daß er ben Auftrag nur burchführen könne, wenn es ihm ermöglicht werbe, sich auf bie Mehrheit z« stützen, bie sich aus bet Wahl vom 11. Mai ergab. Aus biesem Grunde perhanbelte Brianb sofort, «ach, bei« er das Ely: verlassen hatte, mit H e r r i o t al­bern ehemaligen Borsitzenben bet rabikalen Partei.

Unmittelbar nach der Besprechung äußerte Bri­and den Wunsch, baldigst mit dem Vorstand K -s« dikalen und sozialistischen Kammerfraktion r. rhan« dein zu. können. Um drei Uhr nachmittags begann die Beratung Briands mit dem Vorstand der so- V ' schenKammerfraktion. Die Konfe­renz war um 4 Uhr 40 beendet. Havas zufolge er­klärte Briand, dah er entschlossen sei, sich nur auf die Mehrheit vom 11. Mai zu stützen, deren Ele­mente restlos die Verantwortung für die neue Re­gierung übernehmen müßten. Vriand erbat also nicht nur die Unterstützung der sozialistischen Partei, sondern rollte auch die Frage ihrer Beteiligung am Kabinett auf. Die Vertreter der Kammerfraktion antworteten, datz sie kein Mantzat hätten, auf diese beiden Fragen zu antworten, datz sie vielmehr ver­pflichtet seien, dem Nationalrat der Partei, also dem erweiterten Vorstand, die Entscheidung hier­über zu überlassen. Dieser ist auf Dienstag zusam­menberufen.

Nach Beendigung der Konferenz mit den So­zialisten besprach sich Briand mit dem Vorstand der radikalen Kammerfraktron. In den Wandelgängen der Kammer wird erzählt, im Laufe dieser Beratung solle weniger vom politischen Pro­gramm der neuen Regierung, als von deren Zusam­mensetzung die Rede gewesen sein, da sich über erste­res mühelos eine Einigung erzielen lassen werde. Briand erklärte, Painlevä hätte sich mit der Unter­stützung der Sozialisten begnügen können, er aber müsse ihre direkte Mitarbeit verlangen. Im Falle, datz der Präsident der Republik die von Briand ein« geleitete Politik billigt, wird also angesichts der Einbrufung des Nationalrats der sozialistischen Partei auf Dienstag die Lösung der Kabinettskrise um zwei Tage hinausgeschoben.

Um 7 Uhr begab sich Briand ins Elysee und be­richtete dem Präsidenten der Republik über die Ver­handlungen, die er im Laufe des Nachmittags ge« fiihrt hatte. Die Unterredung dauerte ungefähr 30 Minuten. Beim Verlassen des Elysäes erklärte Briand den Journalisten, bei der augenblicklichen ernsten Lage könne er nur ein Ministerium bilden, worin jede der Gruppen des Kartells der Linken, also auch die Sozialisten, vertreten seien. Morgen Vormittag werde er die finanzielle und wirtschaft­liche Lag« prüfen: er hoffe, dem Präsidenten als­dann gute Nachrichten überbringen zu können. Unter den gegenwärtigen Umständen lei es unmög­lich, ein Ministerium zu bilden, bevor man nicht alle Fragen erschöpft und sich einer sicheren dauerhaften Mitarbeit versichert habe.

Nachdem Briand das Elysee verlassen hatte, be­gab er sich zum Kammerpräsidenten P a i n l e v ch mit dem er wiederum eine längere Unterredung hatte, der die Abgeordneten Loucheur und D a n i e l o u beiwohnten. Briand erstattete Be­richt über die Verhandlungen, die er mit den Par­teiführern der Kammer und des Senats nachmit­tags geführt hatte. Er bestand wiederum darauf, datz Painleve nach feiner Ansicht das Mandat zur Regierungsbildung annehmen solle: Painleve sei nach Lage der Dinge der geeignetste Politiker, der auf die Unterstützung der Sozialisten rechnen könne. Painleve, der für die Vertrauenskundgebuna dankte, erklärte jedoch, er müsse bei seiner Weige­rung bleiben. Auch die sozialistischen Abgeordneten Leon Blum, Boncour, Varenne verhandelten gestern abend mit Painlevch namentlich über die Möglichkeit der Beteiligung von Sozalistcn an bei