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Anrelger für fdaö Mer kwWWe) Sberheffen - Amtliches NerkünLigwrgsblatt -es Kreises Marburg
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Run doch Hindenburg?
r Die Anhänger der Kandidatur Hindenburg haben Wh die erste Absage des Feldmarschalls nicht ab« ttmfen hassen sondern ihren Plan weiter mit großer Energie verfolgt. Eine große Rolle spielt dabei die Laherische Dolkspartei. Sie befindet sich wbst in cLiter peinlichen Lage, da sie die Kandidatur Parres von Anfang an voreilig schroff abgelehnt hat Wrd für den mit den Sozialisten liierten Herrn Marx Mcht einkreten kann. Aus dieser Verlegenheit soll Ke Kandidatur Hindenburg sie befreien. Und die Aus- «cht daß ihre Stimmen zu denen des Reichsblocks hin- Mkommen wurden, bestimmt die Mehrheit der Deutsch- Mtionalen und einen Teil der nationalen Verbände, Wenfalls mit aller Kraft diese Lösung zu betreiben, Mn könnte fast sagen: zu erzwingen. An den Eindruck, |en dieses Schwanken und Streiten macht, scheint nie« «and zu denken, auch nicht an die Ausnutzung einer Ibtöen Situation durch die Gegner im In- und Aus- gande. Das aber ist die erste Frage des Soldaten wie des iPolitikers: was wird der Gegner tun? Eine andere Wlitärische Lehre, die ebenfalls in entscheidenden Au» »nblicken der Politik gilt, lehrt, daß Untätigkeit schäd- Istcher sein kann als ein Fehlgreifen in der Wahl der Mittel. Wir möchten nicht den Vorsitzenden des Sieichsbürgerrats und seine Organe verantwortlich Machen für die eingetretene Verzögerung und Ver- Wirrung. Sie sind ja nur die Vermittlungsstelle, Mährend die Entscheidung bei den Parteien ruht. Mele Köpfe, viele' Wime — das ist ein deutsche» Erb«- test. Selbstverständlich' sehen die Anhänger der Kan« iKbtitur Hindenburg Sen Feldmarschall nicht als den (.Militaristen" oder den Monarchisten an. sondern als len großen deutschen Mann, der sich über die Parteien Wstellt, und nach dem Zusammenbruch zunächst auch |^r Republik gedient hat, um die Reste des alten Deeres zu retten, weil er das Vaterland höher stellte iüs die Staatsform. Aber kann man diese Auffassung Mch den Gegnern aufzwingen? Der »Temps" droht Hereiis, mit einem Deutschland unter Hindenburg werde Man nie wieder in offener, ehrlicher Weise verhandeln »niten. Das braucht uns nicht zu schrecken, aber zeigt, welche Minen die Gegner springen lassen Mollen.
Berlin, 7. April. Wie das Rachrichtenbüro des Gereins deutscher Zeitungsverleger erfährt, haben heute vormittag der Parteivvrstand der Deutschnationalen .Gvtksparkei und die Vertreter der Landesverbände in einer gemeinsamen Sitzung beschlossen, die Kandi- I a t u r H i n d e n b u r g zu fordern. Eine Abordnung der Deutschnationalen hat sich zu weiterer Fühlungnahme zum Parteivorstand der Deutschen Volkspartei begeben.
t Großadmiral von Tirpitz ist nach Hannover greift, um noch einmal mit dem Generalfeldmarschall ücksprache zu nehmen. Sollte Hindenburg bei seiner Wefmenben Haltung bleiben, so würde sich die deutsch- nationale Volkspartei,, wie wir hören, für JlarreS ein« letzen. Die endgültige Entscheidung über die Kandidatur des Aeichsblocks wird erst am Mittwoch fallen,
i Die Bayrische Bottspartei für Hindenburg.
f München,. 7. April. Der Landesausschuß der Gayrischen Volkspnttdi faßte, folgendeir Befchchrh: '"Vt Kandesausschuß empfiehlt, den Angehörigen de y pischen Volksparttzst die Kandidatur- Hin. . n - bürg zu unterstützen. Sollt» aber diese Kandidatur nicht zustandekommen, so wird den Wählern fccr Bayrischen Volkspartei die Abstimmung für die Präsidentenwahl freigegeben.
i fk. Berlin, Z. April. Den Blättern zufolge -teilte der Löbellausschutz mit, daß dem Reichsblock Mach keine offizielle Mitteilung der Ablehnung Hindenburgs zugegangen fei. Der Reichsblock habe ein Telegramm aus Hannover erhalten, daß sich Hindenburg feine Entscheidung bis heu'e vorbehalten habe. Die Kandidatenfrags dürfte dem „Lokal«!"eiger" zufolge in der heutigen Sitzung des Löbellauss huffes um 10 Uhr vormittags fasten.
Die Wirtschaftspartei für Hindenburg.
ff. Berlin. 8. Avril. Der Reichsausschuß der Wirtschaft spartei hat gestern einstimmig be- khlosjen, an der Kandidatur Hindenburg lest zuhalten.
Ei« Ehrcnzeugnis für Dr. Jarres.
Köln'. 7. April. Dr. Adenauer und Dr. Jarres find in Gegenwart der Borsitzenden der rheinischen .Zentrumspartei und der Arbeitsgemeinschaft des rhein. Provinziallandtage» zu einer ein- ßchende» Aussprache über die in der letzten Zeit zutage getretenen Meinungsverschiedenheiten betreffe, rd die Rheinlandpolitik im Jahre 1923 zusammngetreten. Insbesondere wurden die Vorgänge in Barmen und Hagen am 24. und 25. Oktbr. erörtert. Eine Einigung über den Wortlaut der damals gemachten Aeuherungen wurde dabei nicht erzielt. Beide Herren erklären aber ausdrücklich, daß die bei den Verhandlungen in Barmen vnd Hagen geäuherten Gedanken dem Beweggründe entsprungen sind, das Rheinland dem Reiche zu erhalte». Die von Dr. Jarres seinerzeit vorgeschla- gene Lösung kann vom Zentrumsstandpuakt aus nach wie vor sachlich nicht gebilligt werden. Es wird aber anerkannt, daß Herr Dr. Jarres die Rheinland« niemals ver- l'acken kaffen wollte.
Dr. Aden»» er und Dr. Za re» haben M verpflichtet, jede Erörterung dieser Stage abzubrechen, und sie ersuchen hiermit die ihnen nahestehende Presse und ihre politischen Lrcunde. ihnen darin zu folgte.
Dr. Jarres und Dr. Adenauer haben ht Gegenwart des Vorsitzenden der rheinischen Zentrumspartei eine Aussprache über die „Versackungspolitik" gehabt und sich gegenseitig bestätigt, daß sie damal» das Rheinland beim Reich erhalten wollten. Jede weitere Erörterung über dieses Thema soll nun unterbleiben. Mit dem Friedensschluß würden wir durchaus einverstanden sein, wenn nicht die Gegenseite gleich wieder das Gefechtsfeld verschöbe. Es wird so dargeftellt, als ob das Zentrum Herrn Jar. res doch nicht recht verzeihen könnte, Herr Adenauer aber keine Absolution nötig habe. Wir meinen: er hat sie sehr nötig. Und die „Vossische Zeitung" hält dem Dr. Jarres vor, er habe in Hamburg die Herren Adenauer und Falk angegriffen. Dies geschah doch nur in der Abwehr perfidester Vorwürfe. Das verschweigt man.
Bom Linksblock.
Die »Germania" entrüstet sich über die Behauptung, die Sozialdemokratie habe die Bedingung gestellt, daß bei einer Wahl von Marx auch da» Kabinett Luther gestürzt werden müsse, und erklärte dann im Ramen der Zentrumspartei, die Sozialdemokratie habe eine solche Bedingung niemals gestellt. Der »Vorwärts" druckt diese Verteidigung der Sozialdemokraten ab und bemerkt dazu:
Wir stimmen der Germania zu. Die Lüge ist auch zu dumm erfunden. Man schüttelt doch nicht einen Daum, dessen wurmstichige Früchte das nächste Säuseln des Windes herabwirftl
Die Sozialdemokratie ist demnach der Ansicht, daß eine Bedingung überflüssig wäre. 3a die Dementis.
Das stanMW SanlttuagSvrogwmm
Paris, 7. April. Rach Beendigung des Minister» rateS hat Finanzminifter de M o n z i e der französischen Presse über die von ihm in der heutigen Vor« mittagssitzung eingebrachten einzelnen Sanierungsge« setze folgende Erklärung abgegeben: Der unterbreitete Gesetzentwurf zerfällt in fünf Teile. Der erste Teil beschäftigt sich mit der Erhöhung des Notenumlaufs von 41 auf 45 Milliarden und mit der Erhöhung der Vorschüsse der Banane de France an den Staat von 22 auf 26 Millarden, also um je 4 Milliarden Franken. Diese Erhöhung hätte zum einzigen Zweck, eine vorübergehende Lage zu regeln, die nach Ansicht der Regierung nicht mehr hätte andauern können.
Der zweite Teil ist die außerordentliche und kontrollierbare Abgabe von Vermögen, an der alle physischen und juristischen Personen teilzunehmen haben. GS handelt sich um die Zeichnung eines Rententitel» von 3 Prozent, der der Steuer unterworfen wird.
Der dritte Teil der Vorlage bestimmt, daß alle physischen Personen ein Zehntel ihre» Vermögens zu zeichnen haben. Dieses Vermögen wird durch Anwendung eines besonderen Koefsizienten besonders abgeschwätzt. Die Zahlung erfolgt zu je einem Zwanzigstel von drei zu drei Monaten. Eine Befreiung von der Abgabe findet nur statt für die Arbeitslöhne.
Der vierte Teil bestimmt, wie bereit» berichtet wurde, daß der, der sich nicht freiwillig einschätzen will, ein» amtlich» Einschätzung seines Vermögens beantragen to»« die erfolgt nach den Bestimmungen, die für die Nachlässe in Frankreich Gültigkeit haben.
Der fünfte Teil endlich enthält gewisse gesetzliche Vorschriften über die Verwendung des Ertrages von der Vermögensabgabe, insbesondere im Hinblick auf die Amortisation der schwebenden Schuld.
Finanzminister de Monzke sagte den Journalisten, der Grundsatz der von ihm vorgeschlagenen Anleihe sei. das Maximum an Leistungen mit einem Minimum von Zwang zu erreichen.
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Pa ris, 7. ?pril. Die heutige Kammerfitzung fand unter ungeheurem Andrang des Publikums statt. Die Tribünen waren überfüllt. Zu Beginn der Sitzung brachte Kriegsminister General Rollet den Gesetzentwurf über die Reform des französischen Heeres, über dessen Inhalt bereits berichtet wurde, ein. Hierauf legte Finanzminister de Monzie seinen Antrag zwecks Sanierung der Finanzen auf ben Tisch des Hauses nieder und erklärte, er verlange, daß der Gesetzentwurf sofort der Finanzkommission unterbreitet werde, die, wie er wisse, noch heute in die Beratung eintreten und ihren Berich» fertigstellen wolle. Da der eingebrachte Gesetzentwurf eine gewiße Beunruhigung in die öffentliche Meinung'getragen habe, so daß es notwendig sei, dieser entgegenzutreten, verlange er, daß die Sitzung am Mittwoch nachmittag für die Diskussion des eingebrachten Gesetzes bestimmt werde. Die Kammer hat ohne Widerspruch diesen Antrag angenommen.
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Die 6l»trungSftngt
Chamberlain über b!e europäische Lage.
London, 7. April. Der Staatssekretär de» Aeußern, Austen Chamberlain, sagte in einer Rede in seinem Wahlkreis Birmingham, was heute im Innern und nach außen notwendig fei, sei, daß Frieden und Zusammenschluß anstelle- der alten Fehden treten müsse. Man müsse versuchen, die Welt wieder auf den Weg der Wohlfahrt zu bringen, die Nationen seien heute noch durch den großen Krieg erregt. Ihr Verbrauch sei kleiner als vor dem Kriege. Chamberlain trat für die nationale Einigkeit in der Außenpolitik ein und sagte, fcr Jahre nach der Unterzeichnung der Frie- densvcrt. herrsche noch immer keine Atmosphäre de» Friedens in Europa, und es herrsche eine große Furcht vor einem neuen Kriege. Wenn dieser auch nicht mehr zu seiner, Chamberlains, Zeit kommen werde. Wenn mau diese Befürchtungen nicht
zerstreuen könne, so steuere Europa, da» werde jeden Tag klarer, einer neuen Katastrophe entgegen. Hinsichtlich der Fragen der Sicherheit, Schiedsgerichtsbarkeit und Abrüstung, auf die das Protokoll htnztele, erscheinen der britischen Regierung, wie vorher schon der Bereinigten Staaten und anderen Großmächten, da ßgewisse Fragen für die Nationen zu wichtig seien, als daß sie zustimmen könnten, sie einem Schiedsgericht zu überweisen. Wenn sie es tun sollten, könnte die Zeit kommen, wo eine Nation vorschnell gemachte Versprechungen vielleicht nicht erfüllen könne. Die Regierung erhebe keine Einwendungen gegen den Zweck des Protokolls, sondern gegen bi« vorgeschlagenen Methoden. Die Vervielfältigung der Sanktionen scheine heute die fundamentale Stellung de» Völkerbundes als Werkzeug des Friedens zu gefährden. Er fühlte, daß die Sicherheitsfrage durch Unterzeichnung des Protokol» nicht gelöst werde. Man könne keine Sicherheit erlangen durch Bündnisse mit Freunden von gestern gegen Feinde von gestern. Wenn Friedensverträge geändert werden sollten, würden sie geändert werden nur tat Laufe der Jahre, wenn alle in Betracht kommenden Parteien der Ansicht seien, daß eine Aenderung wünschenswert sei.
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fk. Paris, 8. Avril. Herriot bat gestern den Ant- wortei'.twurf auf die deutschen Anregungen betreffend den Abschluß eine» Sicherheitspaktes mit Anmerkungen versehen an seinen Versasier zurückgegeben. Rach dem „Matin" wird noch eine zweite Korrektur mit weiteren Abänderungen erfolgen, so daß die französische Antwort den Alliierten zur Kenntnis unterbreitet wird, was die französisch« Antwort nach Berlin etwas hinausfchieben könnte.
Die dentfch-französifche« »irtschaftSverhaudlnng-u.
fk. Paris, 8. April. Sn den deutsch-französischen Wirtschaftsverhandlungen waren ht der letzten Zeit erneut Schwierigkeiten entstanden, und zwar dadurch, daß die Delegationen über die Bedeutung eines Teils der am 28. Februar getroffenen Abmachungen nicht einig waren. Beide Delegationen haben zwar ihren grundsätzlichen Standpunkt aufrechterhalten, eS ist aber nach langwierigen Verhandlungen ein Weg dafür gefunden worden, trotz dieser Meinungsverschiedenheiten die praktischen Arbeiten fortzusehen. Während der Osterseiertage finden keine Delegationsfitzungen statt. Ministerialbirekior Posse wird sich in dieser Zett nach Berlin begeben. Die Sitzungen einiger Unterkommissionen werden in den nächsten Tagen fortgesetzt werden.
U* die Reparattonsabsabe.
London, 7. Avril. Im Unterhaus bracht« heute Lord Churchill die bereit» früher im Wortlaut gemeldete Entschließung über die Abänderung in der Methode der Einziebung der 26vrozentigen Revarations- abgabe ein. Churchill führt« u. a. aus, die Revarations- einziehungsakte fei das h a u v i f ä ch l i ch e. fo gut wie einzig wirksame Mittel, das bis fetzt gefunden worden sei. um Eroßbritannnien feinen Anteil an den deutschen Reparationszahlungen zu sichern. Die Akte habe den zunehmenden Strom von Reparationszahlungen bewirkt, die den ratenweisen Zahlungen der britischen Schuld an Amerika gegenübergestellt werden könnten. Jeglicher Vorschlag, eine andere Methode an die Stelle dieses zweckmäßigen Verfahrens zu setzen, müße vom Unterhaus sehr sorgfältig geprüft werden und sei auch von der Regierung sehr genau erwogen worden.
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Aus den MterfuchungSwsMffen
Berlin, 7. April. Preußischer Untersuchungsausschuß für die Vorgänge bei der Landespfand- briefanftalt. Zu Beginn der heutigen Sitzung wird in die Vernehmung des Oberregierungsrats Dr. Peters eingetreten, welcher Aussage machen soll, über das durch Vermittlung der Reichspost an die Esiener Volksbank gegebene Darlehen von einer Million Mark. Der Zeuge erklärt, daß er einen Auftrag des Wohlfahrtsministers nicht gehabt habe, aber es fei sonst von vielen Seiten in Vermittlungsangelegenheiten an ihn herangetreten worden. Die Essener Volksbank war die Bank des Deutschen Ee- werkschaftsbundes. Weder Minister Hoefle noch Minister Hirtsiefer hätten eine Anweisung gegeben, daß di« eine Million gegeben werden sollt«.
Es entwickelt sich dann eine lebhafte Fragestellung.
Den Ausschuß behandelte dann nochmals die Angelegenheit Ritsch. Im Zusammenhang damit wird beschlossen, die Rechtsanwälte Dr. Salomon und Dr. Auerbach als Zeugen zu vernehmen.
Die weiteren Verhandlungen wenden sich hierauf der Verwendung der an v. Etzdorf gegebenen Gelder zu. v. Etzdorf legt dazu eine Aufstellung vor, aus der hervorgeht, daß erhebliche Aufwendungen für Autoreifen nach Frankfurt a. M. und der Schweiz, Haushalt, Miete, Gäste ufw. gemacht wurden, die mit dem Geld« der Pfandbriefanstalt bestritten wurden. Nachgewiesen wird v. Etzdorf eine Gesamtsumme von 89 540 JL Es wird dann Zeug« Rechtsanwalt Salomon-Berlin in Sachen der Verhaftung des Herrn Ritsch vernommen. Er schildert, daß er auf Veranlassung von Herbert Eann mit der Begründung bet Nichtbezahlung einer Geldforde- runa die Verhaftung erwirkt hat.
Dann macht Vorsitzender ßeineit die Mitteilung, der stellvertretende Landgerichtspräfident habe wissen lassen, daß der Untersuchungsrichter die in Haft befindlichen v. Earlowitz und Herbert Cann dem Ausschuß nicht zur Verfügung stellen wollte.
Zeuge Salomon erklärt dann weiter, er habe niemals an einer Honorarbesprechung mtt Herbert Tann teilgenommen.
E» tritt darauf ein« Mittagspause ein.
Die Nachmittagsverhandlung wird zuerst mtf einer weiteren Fragestellung an Herrn v. Etzdorf fortgesetzt. Auf Befragen erklärt v. Etzdorf, mit seinen Gästen fei er verschiedentlich in den beste« Hotels Berlins zusammengekommen, um Geschäft» zu besprechen. Diese Zusammenkünfte hätten v» trächtliche Ausgaben verursacht.
Rach dem Bericht des Abg. Riedel (Dem.) bleibt noch eine Differenz von 487 305 aufzuklären. Abg. Riedel (Dem.) erklärt, daß der Ausschuß nicht weiter kommen könne, wenn von den Zeugen nam. hafte Summen verschwiegen werden, di« fi« sic vor dem Untersuchungsrichter aber zugeben.
Zeuge v. Karstedt äußert sich dann über ben Aufwand, den v. Earlowitz getrieben habe. Dies« habe im Mai 1924 sich eine Freundin angeschafft, t« deren Hörigkeit er vollkommen geriet, sodaß er ah ganz anderer Mensch erschien.
Der Ausschuß beschließt dann, die Vernehmung der Herren v. Earlowitz und Herbert Cann durch den Vorsitzenden Leinert und den Berichterstatt« Riedel im Untersuchungsgefängnis Moabit vorzu* nehmen und damit die Beweisaufnahme zn schließen.
Geheimrat Rehring erklärt tat Anschluß noch, datz er im Juli 1924 niemals über die persönliche Verwendung der Gelder mit v. Karstedt gesprochen habe. Sonst bitte er zu bckenken, unter welch schwierigen Verhältnissen damals die Lettung bei Landespfandbriefanstalt übernommen routb* Gegen Herrn v. Zitzewitz sei bei Vorwurf zu et* heben, daß er teste Warnung gegen seinen Schwia» gersohn, v. Earlowitz, habe ergehen lassen. 6t (Nehring) habe aus rein sachliche» Motiven gw handelt und niemals persönlich« Vorteile im Äugt gehabt.
Um %5 Uhr wird di« öffentliche Sitzung ge* schlossen. In vertraulicher Sitzung wird über die Vereidigung der Zeugen beraten. Die nächst» Sitzung findet am 28. April statt.
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Der ReiMmmtt'Sut
Wie wir berichteten, hat die Ortsgruppe Unna des Reichsbanners an den Abg. Wallraf einen unglaublich unverschämten Brief gesandt, der daS Begleitschreiben zu einem an Wallraf von gleicher Stelle übersandten Zylinder darstellte, W8 Wallraf an den BeisetzungungSfeterltchketten ffli Ebert angeblich im Schkapphut teilgenommen habet soll. Exz. Wallraf hat den Zylinder mit ein« entsprechenden Richtigstellung der verleumderischen Behauptungen der Ortsgruppe Unna an den Bundespräsidenten des Reichsbanners, Hvrflng, weitergeleitet. Hörsing hat nun am 4. April in einem Briefe, der ganz Hörsing ist, folgendermaßen daraus geantwortet:
„Euer Hochwohlgeboren beehren wir uns mitzuteilen, daß wir das geschätzt« Schreiben von» 17. V.Mts., sowie das Postpaket mit dem bekannten, jetzt bereits berühmt gewordenen Zhlinderhut, bet ihnen aus Unna von unserm dortigen Ortsverein zugegangen ist, erhalten haben. Wenn Sie in Ihrem Schreiben sagen, da tzSie diesen Hut an unseren unterzeichneten Vorsitzenden schicken mit der Voraussetzung, datz beim Bundesvorstand des Reichsbanners „die Wirklich großen Köpfe sitzen", fr nehmen wir dankend davon Kenntnis, datz SK eine solch hohe MHtung vor unferm Bundesvorstank haben. Wir werden nicht verfehlen, uns dessen würdig zu zeigen. Leiden haben wir allen Pov* standsrnitglledern den Hut zur Anprobe noch nicht übergeben können, werden Ihnen aber, falls ®lt ein Interesse daran haben, mitteilen, wieviel Vorstandsmitgliedern er der Kopfgrötze nach paßt. Unser« Ortsverein in Unna, der Ihnen den Hut übersandt hat, haben wir die allerblttersten Vorwürfe gemacht, nicht, weil er Jlmen den Hut geschickt btt, sondern weil er einen Hut von einer solchen Größe (Nr. 60) wählte. Unsere Kameraden aut Unna mußten wissen, au» Ihrer Tätigkeit al» al» Staatssekretär — trotz de» Titel» Exzellenz —> und aus Ihrem Auftreten als Zeuge vor Gericht int Rothardt-Prozetz, daß Sie einen so großen Kopf nicht besitzen. Jeder Zweifel mußt« aber für jeden geschwunden sein, der Sie al» Reichstag»* Präsidenten beobachttt hat, wobei Ihre Hllfloslg* kett zur Genüge bewies, datz auf Ihren Kops ein Zhlinderhut von höchstens Nr. 52, wenn nicht gat 50, In Frage kommt. Wir betrachten e» al» ein Zeichen beginnender Selbsterkenntnis, wenn Sie den Hut Nr. 60 nicht annehmen und bur chdie Veröffentlichung eines Begleitbriefes an mich öffentlich bekannten, baß Sie keinen großen Kopf besitze» unb beshalb auch keinen großen Hut verdienen. Mit vorzüglicher Hochachtung und kräftigem Frei Hell gez. Hörsing."
Hierauf hat ExzeNenz Wallraf am 6. A.»rll geantwortet:
„Euer Hochwohlgeboren beehre ich mich auf bat heute mir zugehende Schreiben vom 4. Aprll folgende» ergebenst zu erwidern: Daß die wirklich großen Köpfe über und int Reichsbanner walten, wird durch Inhalt und Form Ihre» gefl. Schrei* -ms ed-.lso wie durch die Tatsache abschließend bestätigt, baß zur Fertigstellung dieser Antwort auf mein Schreiben vom 17. v. Mts. ein« Frist von reichlich zwei Wochen benötigt wurde. Euer Hochwohlgeboren Wertschätzung meiner Person ehrt mich sehr, Ihre Erinnerung Ist allerdings nicht ganz ungetrübt. Datz meine Ablehnung einer Verhandlung mit einem Aktlon»« AuSschuh eines streikenden Arbeiterrates im Januar 1918 seinerzeit von allen Parteien deS Reichstage» außerhalb ber Sozialdemokratie einmütig gebilligt wurde, ist anscheinend Ihrem Gedächt- nt» in gleichem Matze entschwunden, »ie die P«*