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Weiger für (das Mer kurtzefMe) SberWen - AmiWes Berküadiguagsblatt des KreW Marburg

Marburg a. L, Sleasrag, den 7. Avril vsl x

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Dis Wahl -es NeiKsprasi-enten

Für Jarres.

i , ft. Berlin, 7. Avril. Die deutschnationalen Mit- liebet des preußischen Staatsrates haben sich einer Blättermeldung zufolge einstimmig für die Kandi­datur Jarres ausgesprochen.

Die Wahlagitation des Zentrums.

ft. Berlin, 7. April. Nach einer Mitteilung derGermania" wird der Volksblock-Kan­didat für den zweiten Wahlgang der Reichspräsi- 4>entenwahl Marx nach Ostern eine Rundreise durch Deutschland unternehmen. Er wird am 14. Dpril in Königsberg, am 15. April in Stettin, am 17. April in Berlin, am 19. April in Magdeburg, am 20. April in Hamm, am 22. April in Karlsruhe und am 23. April in Stuttgart sprechen. Das weitere Programm der Reise wird noch festgesetzt werden.

Die Zentrumspartei hat gestern einen Wahlauf­rufAn < ie deutschen Wähler" gerichtet.

Der Widerspruch im Zentrumslager.

Der Führer des Rheinischen Bauernvereins, Frhr. v. 2 oe, sprach am 3. April zu Rheinberg vor der Kreisbauernschaft Mörs. Er sagte unter an- derm:Auf dem Boden der christlichen Gesellschafts- chrdnung stehen ausgesprochenermatzen das Zen- itrum, die Bayrische Volkspartei, die Deutschnatio- jltale Volkspartei, die Wirtschaftspartei und die Deutsche Vokkspartei, während die Demokratie ein Mischprodukt des Linksliberalismus und der So­zialdemokratie mit ausgesprochenem jüdischen Ein- schlaif ist, und die Sozialisten antichristlich und klas- «ntämpferisch eingestellt find Wollen wir ernst­hafte Politik auf lange Sicht und nicht eine Politik treiben der Zufallskonstellation, wie sie sich aus den jeweiligen sachlichen oder persönlichen Reibun­gen des Augenblicks zwischen den Parteien ergibt, so rann nur die Zusammenfafiung dersenigen Par­teien in der Regierung in Frage kommen welche auf dem Boden der christlichen Gesellschaftsordnung stehen, was uns ja vor den Wahlen feierlichst versprochen worden war. Eine Regierungsbildung ohne eine gemeinsame sitt­liche Grundlage ist ein Verlegenheitsprodukt mit rein opportuniftisch-machtpolitjlchem Charakter und bleibt deshalb materialistisch und ohne moralische Bewertung "

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Ar erteWte MmsterM

Berlin, 6. April. Ministerpräsident Braun rrnailute Staatsminister Am Zehnhoff zum Staats- und Zustizminister, Staatsminister Seve- ring zum Innenminister, Staatsminister Hirt- Jiefer zum Minister für Bolkswohlfahrt, Staats- Minister Prof. Becker zum Minister für WiHen- fchaft, Kunst und. Volksbildung, Staatsminister Steiger zum Minister für Landwirtschaft, Do­mänen und Forsten, Staatsminister Dr. Häpker- Aschoff zum Finanzminister und Staatsminister Schreiber pm Minister für Handel und »erbe.

Zu halben Preisen.

Das Zentrum hat das Kabinett Brann-Sepering wiederhergestellt. Ter neu gewählte Herr Braun ernannte nun fein Ministerin», und siehe da: es ist dasselbe, das Herr Marx sich zusaminengestellt hatte. So groß ist die Sympathie zwischen den Beiden, der ja auch der Zentrumsführer bet seinem Abschied bc::i preußischen Staatsmüiisterium rüh­renden Ausdruck gegeben hatte. Scvering ist also wieder Minister des Innern, ob als Fachminister oder als Parteiminister, wird nicht gesagt. Aber die andern sind nicht "Genossen", sondern drei zählen zum Zentrum (am Zehnhoff» Hirtfiefer und Steiger), zwei zu den Demokraten (Höpker-Aschoff und Schreiber), und der Kultusminister Dr. Becker gilt als Fachmann. Im ersten Taumel nach dem 29. März hatten .'.och die Sozialdemokraten laut »Vorwärts" eine L. eiligung an der Regierung entsprechend ihrer Stimmenzahl verlangt. Das wäre die Mehrheit im Staatsministerium gewesen. Wie man sieht .haben sieS nun billiger gemacht. Das Zentrum hat ihnen nur den halben Preis bewilligt. Allein cs kommt nicht auf die Zahl, sondern auf die Bedeutung der Ministerposten an. Mit dem Präsidium und der inneren Verwaltung. also auch .der Polizei, haben die Sozialdemokraten Preußen fester als je in der Hand. Das Gegengewicht, das einst die volksparteilichen Minister bildeten, fehlt jetzt. Es kehlt freilich auch da« Vertrauens­votum des Landtags. Für drei Wochen ist dieser durch die Vertagung glücklich ausgeschaltet,' drei Wochen lang können sich die Mitglieder des Kabi­netts BraunSevering in ihrem Glanze sonne». Was aber wlrd dann werden?

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SmW Komps um die MM

Der Wahlsieg der Linken ist seinerzeit mehr aus einer Ablehnung Poincarös und feiner Regietungs- Methode als aus einheitlichem politischem Willen der Truppen heraus zu verstehen, die dann sich auf die Minifferpräsidentschaft bcs bisherigen Oppositions­führers und Oberbürgermeisters von Lyon geeinigt haben. Ohne die Unterstützung der Parteisozialisten war eine Mehrheitsbildung des bürgerlichen Radi­kalismus unmöglich. Die Bundesgenofsenschaft der Sozialisten konnte aber nur durch Vertretung einer Reihe von Forderungen erreicht werden, die zum Teil 6c. hinter dem bürgerlichen Radikalismus stehenden Kr-isen sehr unbsauern waren, zum Teil der in die Opposition gedrängten Rechten die Möglichkeit zu wirk­samste.' Agitation boten.

Verhältnismäßig am leichtesten hat man sich in Frankreich auch in den Rechtsgruppen mit der soge­nannten Schwenkung in der Außenpolitik abgefunden, die in Wirklichkeit nur eine Anpassung der Methoden an die Zeiterfordernisse war. Selbst in Frankreich hat man es einigermaßen satt, immer weiter Krieg zu spielen und mit Tanks und Bajonetten zu rasseln. Hertiois, noch dazu geschickt auf die seelische Einstel­lung in Deutschland berechnete Politik, die als prak­tisches Endergebnis neben manchen anderen Annehm­lichkeiten die Richträumung Kölns gehabt hat, und die in Oesturopa fest auf dem von Poincarö fundierten Boden der Militärbündnisse steht, hat bis in die Reihen der äußersten Rechten hinein Anerkennung gefunden, nachdem auch dem Bedürfnis nach rednerischer Hetze gegen Deutschland Genüge getan war.

Erheblich schwieriger hat sich die Durchführung der neuen Innenpolitik herausgestellt. Die Amnestierungen waren eine Geste, die man sich gefallen ließ. Als be­sonders schwer zu verdauender Brocken blieben für das Kabinett die Fragen der Botschaft beim Batikan und die Portemonnaie-Frage übrig. Die Linke hat sich zunächst damit einverstanden erklärt, daß die Frage der Kapitalbesteuerung zurückgestellt wurde, um nicht von vorherein edelste Leidenschaften in Wallung zu bringen. Als nun aber Herriot auch in der vatika­nischen Frage sich den Wünschen des rechten Flügels feiner Regierungsgruppe geneigter zeigte, als der linke Flügel es wünschte, als dir elsaß-lothringische Svnker- gesandtfchaft nur ein notdürftiges Feigenblatt für die Auflösung der vatikanischen Botschaft wurde, da be­gann die Linke unruhig zu werden. Sie verlangt«, die Durchlührung der zurückgestellten Kapitalbesteueumg. Die latente Krise wurde akut. Der Finanzminister Elemente! mußte dem mehr nach links neigenden de Monzie weichen. Run hat es den Anschein, als ob Herriot dem Drängen feiner sozialistischen Thron stützen folgend, noch über de Monzies vorsichtige« Finanz- reformprogramm hinausgehen will. Die Bermögens- abgabe soll der verschiedenen steuerlichen und wäh» rmigstechnischen Maßnahmen und neben der die Rat­losigkeit bezeugende Einberufung eines wirtschaftlichen ..Großen Rates von Frankreich", einem französischen Reichswirtschaftsrat, herlaufen. Herriot hat diesen Schritt mit lauten Fanfarenstößen von Fontainebleau aus begleitet. Seine dort gehaltene Finanzrede hört fich fast schon wie eine Wahlvorbereitungsrede an. Sie schiebt in betonter Form die Schuld der vorher­gehenden Regierung am Finanzelend in den Border- grund und sucht in" echt gallischer Redeweise diese Finanzfraae zu einer Ehrenfrage der Ration zu machen. In der Wählerschaft, die hinter den rechten Gruppen des Herriot-Kartells steht, macht sich eine spürbare Unruhe bemerkbar. Die mit überraschend starker Mehr­heit erfolgte Wahl MiilerandS in den Senat bedeutet nicht nur eine Stärkung der Opposition, sondern sie wird allgemein als ein beachtliches Stimmungszeichen aufgefaßt. Das Linkskartell dürfte feine Innere Halt­barkeit in dielen Tagen unter einer Belastung-Probe von beträchtlicher Stärke zu erweisen haben. Falls, wie man annimmt, mit einer Ablehnung der finan­ziellen Sanierungsvorschläge der Regierung im Senat zu rechnen ist, würde sich Herriot mit der Frage der Kammerauflösung und der Neuwahlen zu be» fallen haben.

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Einefreiwillige" Zwanqsabga-e.

Paris, 6. April. Finanzminifter de Mon- z i e bat Heute Vormittag den unter Hem Vorsiß des Minifterprästdenten Herriot versammelten Mini­stern und Unterstaatssekreätren seine Finanz- pläne unterbreitet. Es handelt sich nach der Ha- vasagentur um zwei verschiedene Maßnahmen. Ein­mal um die Erhöhung des Rote n u m - taufe von 41 auf 45 Milliarden. Am hicfttr W Gegenwert zu schaffen, soll, wie der ..Matin" bereits beute früh verkündet hat, eine freiwillige Vermögensabgabe von grundsätzlich 10 Mö­zen des Vermögens des Severzablers eiuaeführt werden. Die Abgabe fall auf Grund einer Art Ver­mögenserklärung, wie sie beim Todesfall erfolgen würde, vorgenommen werden. Diese Abgabe er­bringt 4 Prozent Zinsen, und all- Staatsnaviere werden zu ihrem Kurse mit einem kleinen Abschläge in Zablung genommen. Der Ertrag dieser onßer- ordentlichen Vermögensabgabe wird der zur Amor­tisierung der schwebendt.i Schuld eingerichteten Kaffe überwiesen. Der Finanzminister wird bereits morgen die Gesetzentwürfe der Kammer unterbrei­ten und bann ihre sofortige Diskussion fordern.

Auflösung der französischen Kammer?

Mtb. Berlin, 6. Avril. In kiesigen, mit den fran­zösischen politischen und Parteiverbältnisien gut ver­trauten Kreisen betrachtet man die Nachrichten Jibet eine mögliche Auslösung der Kammer mit grohre Eten» sis. Eine Auslösung der Kammer wäre in Frankreich etwas geradezu Ungeheuerliches. Seit dem 16. Mai 1876, als Mac Mabon als Präsident der Republik die Kammer auflöste, ist das französische Parlament nicht mehr außer der Reibe aufgelöst worden. Dieser Tag wurde in ganz Frankreich als ein Tag der Eeleßlosigkeit betrachtet. Man glaubt infolgedesien nicht, daß irgend eine französische Regierung das Odium auf sich laden würde, eine so außerordentliche Maßnahme wie die Kammerauflösung auf sich zu nehmen. Ganz abgeseben davon bedarf aber die Auflösung der Zustimmung des Senats, die vielleicht zu erreichen wäre, auf der anderen Seite aber auch die Zustimmung des Präsidenten der Revublik. Es wird für kaum denkbar gehalten, daß Dommergue dielen Schtttt unternehmen wird. Ange- ichts dic'er Sachlage erscheint die in der Preffe ver­breitete Auffassung über eine bevorstehende Auslösung der Kammer als nicht stichbaltig. Es dürfte sich besten­falls um von der extremen Linken ausgestreute Tendenz» uachrichten handeln. Die extreme Linke wünscht be» kannlich seit langem eine Vereinheitlichung des franzö- ischen parlamentarischen Systems, d. h. letzten Endes )ie Abschaffung des Senats und möglicherweise auch de»

Präsidenten der Revublik. Es ist möglich, daß die aus- gestreuten Gerüchte mit diesen Bestrebungen zulammen- bängen. Andererseits ist es natürlich nicht ausgeschlos­sen, daß auch Herriot mit einer Auflösung der Kammer gedroht hat, um der Opposition zu beweisen, wie ernst es ihm bei der Durchführung seiner Finanz- unb Steuer» plane ist.

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Sie MrrunMrage

Die Reichweite deS Sicherungsaugebote».

Von den verschiedensten Seiten ans macht sich das Bestreben geltend, in da? bon der deutschen Re­gierung angebotene Garantieabkommen möglichst viele Fragen der GebietSgliederung Hineinzubezie- hen. Eine Welle der Unsicherheit und zum Teil auch Erregung ist in die deutschen Jrredentage- biete geströmt. Im besonderen glaubt man vor einem neuen reichsdeutschen Verzicht in der öster­reichischen Anschlußfrage zu stehen. Benesch ist natürlich bestrebt, diese Auffassung seinerseits zu stützen und bestimmte Formulierungen mit Frank­reich zusammen vorzubreiten. In großdeutschen Kreisen Oesterreichs ist man sehr bestürzt über diese Gerüchte, die, das muß bald von der Reichsregierung unmißverständlich betont werden, eben nichts als Gerüchte sind. Das österreichische Fragengebiet ge­hört der allgemeinen Auffassung nach nicht zur Garantie der Westgrenze. Vollends gar ist nicht an einen reichsdeutschen Verzicht arf Südtirol zu den­ken, znmal ja die Südtiroler Frage staatsrechtlich zunächst eine österreichische Frage darstellt. Daß Sudetendeutschtum zur bekanntlich offenbleibenden Ostregulierung gehört, ist wohl ebenfalls selbstver­ständlich. Bezeichnender Weise verfolgt man auch in Dänemark im Hinblick auf Nordschleswig die Weiterentwicklung mit Interesse. Auch hier muß'der Vrotest gegen die bas Rechtsempfinden verletzende Form der Llbstimmungsreaelul^g bestehen bleiben.

Das franzökfsche Schuldenvroble«.

ff London. 7. Avril. . Daily Telegraf" zufolge bat in der letzten Works der Mefnnnasausfaufch smiWicn ben Sarfw<y:?tönbioen der Krüstchen und französischen Finanzministerien über die Fraas bei französilcksn Schulden die Tätliche enthüllt, daß augenblicklich -ine uni'herbrütfbnre Kluft zwischen den Ansichten der beiden Länder bestehe.

Um die Anerkennung Sawiefrvßlands.

London. 6. Avril. Die ..Daily Mait" meldet: Von der Somfetregierunq w"--d-n neue itnfnrmelle Schritte ergriffen, um die vollständige Anerkennung Vutzlands durch Großbritannien sicher zu fhtten. Die britisch- Reaierung lall angesichts der jünastsn politischen Schwenkung Moskaus ihre Bereittoillig- 'eit zu erkennen gegeben haben, diese Frage in wcnlwollende Erwägung zu ziehen. Die Sowjet- reaisrung bemühe sich ferner, in London eine An- ^ihe zu erhalten. Die britische Regierung fort keine Einwendungen erhoben haben, hat aber dargeteqt, baR-bte Garantie ber Regierung hinsichtlich bet An­leihe nicht gewährt werben könne.

Rakowski in London.

ff. London, 7. Avril.Daily News" zufolge ist Rakowski nach dreimonatiger Abwesenheit wieder in London eingetroffen.

9k MnmentWItn in Belgien Niederlage der Liberalen.

Brüssel, 6. April. Zu dem Wahlergebnis er­klärt der sozialistische Parteiführer Dandervelde, die bisherigen Nachrichten berechtigten zu der An­nahme, baß die Lage glänzend und ein großer Sieg der Sozialisten erwartbar fei. 3n jedem Wahlkreis hätten die Sozialisten Gewinne zu ver­zeichnen. Der Führer der Katholiken, R e n k i n . erklärte, daß dis bisherigen Ergebnisse große Verluste der Liberalen und Gewinne der Sozialisten besonders auch der Katholaken erkennen ließen. In Flandern, wo man unangenehme tteberraschungen befürchtete, bähen die Katholiken keinen Sitz verloren. In den Kreisen Roulers und Thielt haben sie wahrscheinlich ein Mandat gewonnen. In Ostflandern wurde wohl der llatus quo behauvtet, ebenso in der Provinz Ant­werpen. In Brüssel hat die katholische Partei noch nie so günstig abgelchnitten wie gestern. Alles in allem bedeute der Tag einen Sieg für die Katholiken und die Sozialisten. Die Parteien werden künftig einander gegenüberftehen.

Trüffel, 6. April. Nach den bisherigen Wahl- ergebntffen dürften die Sozialisten 7 bis 10 Sitze, die Katholiken 2 oder 3, die Frontparfei 1 und die Kom­munisten 1 Sih auf Kosten der liberalen Partei ge­wonnen haben.

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9er RMswirWaWst

Neuregelung Ver Diäten.

Den wenigen Lesern ist die Tätigkeit des Reichs­wirtschaftsrats bekannt, ber, wenigstens was seine Witglieberzahl anlangt, ein fast ebenso großes Parla­ment ist wie der Reichstag. In feinet Bedeutung steht er dem Reichstag dadurch zurück, daß seine Be- chlüffe nur den Charakter von Anregungen haben, während ber Reichstag gesetzgeberische Befugnisse hat. Die Zulammensetzung des Aeichswirtschaftsrats erfolgt nach teilt fachlichen, und nicht politischen Gesichtspunkten. Die Mitglieder, die alten Schichten der Wirtschaft entnommen sind, werden nicht gewählt, ondern vom Deichswirtlchaftsminister auf Vorschlag der Jnteressentengruppen berufen. Namhafte Persön­lichkeiten des öffentlichen Sehens gehören ihm an. Vor ihrer Minifterschuft teuren z. V. die Reichs­kanzler De. Luther und Can» Mitglieder deS

Reichswirtlchastsrats. Soeben wird bekannt, daß an­stelle von Dr. Luther als Arbeitgebetvertreter bet städtischen Betriebe bet bekannte Ober hüt germefRe* Boeß berufen worden ist. Auch bet Oberbürger­meister der Stadt SMn, Dr. Adenauer, ist foeber als Vertreter der Mieter in den vorläuftgen Reichs­wirtschaftsrat eingetreten. Dem Reich-Wirtschaft «rat fällt insbefondere die Aufgabe zu. alle Regieruna» Vorlagen, soweit sie wirtlchaftS-, finanz- ober fortab politischer Natur find, vorzubereiken unb zu begut­achten. Augenblicklich find die AusschüNe nrtt b» neuen Steuergesetzenttvürfen, mit den NufwertungS- vorlagen und mit den geplanten Aushebung bet nungszwangswittschaft beschäftigt. QI(Igemein wird an­erkannt, bah der Deichswirtfchafisrat bisher frucht­bringende Arbeit geleistet hat. Seine Tättgket! tvtrd allerdings dadurch sehr gelähmt, daß er nickt, tvft bereits erwähnt, legislative Q3efugni|le hat, fc-nbent baß der Reichstag jederzeit die Möglichkeit hat. all« Anregungen und Beschlüsse deS ReickSwtrtfckaft-ralt über den Hausen zu werfen. ®afc *ft auch b-rett« t fiert der Fall gewesen. Vorlagen, die ber '2#icbStotrt- Ichaftsrat auS rein sachlichen Erwägungen heran« all notwendig bezeichnet hat, hat der Reichstag au» eeta politischen Bedenken abgelehnt. Qlndj die ReichSre- gierung ist nicht verpflichtet, ber, Anregungen be« Reichswirtschaftsrats Folge zu geben. Dieker Zu­stand ist natürlich auf die Dauer unhaltbar und es wird fich nicht umgehen lassen, die verfaffuiigsmätzi» gen Kompetenzen des Reichstwitt|chastsrais alsbald erneut zu prüfen.

Als Vergütung für ihre Tätigkeit erhalten die Mitglieder Tagesgelder an den Tagen .an welchen Sitzungen stattftnden. Auch hier besteht ein Unter* schied gegenüber dem Reichstag und den übrigen Par­lamenten. Die Reichstags- unB Landtagsmttglisder er­halten bekanntlich, ohne Rücksicht auf die Zahl bet Sitzungen für die ganze Darier der Wahlperiote eine monatliche Paufchalentichädignng, die auaenbllckllch 618.74 Mark Beträgt. Die tägliche Entlckäbignaa beS Reickswirtschaftsrats betragt augenblicklich für die in Berlin wohnenden Mitglieder 15 Mark, für die übrigen Mitglieder 30 Mark. Die monattickei: Bezüge der Mitglieder des vorläufigen Reichswirtschaft-ratS dürfen die Höhe der monatlichen Anfwandsentfchäbig'.lng bei Reichstagsmitglieder nicht Überfchreiten. Der Vor- sitzende erhält noch eine besonders Zulage.

9er Prozeß »egen die9eul6he Ticketa"

Leipzig, 6. April. Die von Dr. Herzseld zur Entlastung des Angeklagten Maver beantragt« Ladung einiger Zeugen, die das Gericht für un­geeignet erhält, wird abgelchnt. Die Erklärung Mayers bstresfenb die BemerkungLazarusakftt' wirb als wahr unterstellt, baß ber Anaellagte Mar- gies am Falle Stinnes wegen Krankheit nicht be­teiligt sein konnte. Wisitere Anträge der Ver­teidigung auf AuSfetznnq der Verhandlung, um ich auf die durch die Anträge des Reichsanwalts hervogetretenen neuen rechtlichen Gesichtspunkte vor- - bereiten zu können, werden abgelehnt, da nach keiner Richtung hin neue Tatsachen zur Sprach« gekommen seien. '

In der Nachmittagssitzung des Tschekaprozeffeß begannen die Plaidoyers der Verteidiger. Rechts­anwalt S ch ü m i ch e n erklärte für den Angeklag­ten Diener, daß dessen Tätigkeit der Polizei be­kannt gewesen und infolgedessen nicht strafbar sei. Der Verteidiger Neumanns, Rechtsanwalt Gold» 'tcin, wendet sich dagegen, daß die Gruppe Neu­mann mit der russischen Tscheka gleichgestellt werde. Nenmann selbst halte er für völlig zurechnungs­fähig, dagegen sei er in bestimmten Augenblicken in« infolge seiner labilen Willensveranlagnng anders zu beurteilen als ein normaler Mensch.

Die Fortsetzung der BlaidoyerS findet am Dienstag vormittag 9 Uhr statt.

deutsches RM

Für die Not der Landwirtschaft.

Berlin, 4. April. Wie dem Amtlichen Preu­ßischen Pressedienst vom preußischen Landwirt- chaftsministerium mitgeteilt wird, hat die preu­ßische Staatsreqierung, da die Landwirte infolge der unaiinstigen Witterung im vorigen Fahre weder selbst einwandfreies Saatgut ernten konn­ten, noch in der Lage waren, sich durch den Ver­kauf anderer Wirt! aftserzeuo,nisse die Mittel zum Ankauf fremden Saatgutes zu besorgen, die Geldmittel beschaft, aus denen für die Laudwirt- chaft einwandfreies Saatgut unter Stundung des Kaufpreises bereitgestellt werden konnte. Die Mittel wurden nach Maßgabe des jeweils naüjge. wiesenen Bedürfnisses den Oberpräsidenten zui Verfügung gestellt, die sie im Einvernebmen mit der Landwirtschaftskammer nach den Richtlinien der Staatsregierung zu verwenden hatten. Be- dacht wurden nur solche Landwirte, die weder elbst geeignetes Snatgut ernteten, noch in der Lage waren, sich solches ohne Uebernabme brücken« der und den Weiterbestand der Wirtschaft geföbr« dender Verpflichtungen anderweitig zu beschaffen. Die Ausgaben hierfür betragen insgesamt 120 Millionen Mark, von denen die Staatsregierung 60 Millionen eigenen laufenden Mitteln entnom­men und der Vreußifchen Zentralgenoffenfchafts- kaffe zur Weitergabe unter eigener Rüchgg^ever- pflichtung übertragen hgt. Wahrend 40 Millionen von der Vreußifchen Etggtsbanß. 10 Millionen von der Preußenkaffe unb ie 5 Millionen von der Girozentrale und ber Landesbm kzentrale aufge­bracht würben. Der Zinsfuß beträgt 6 Prozent.j 1 Prozent davon ist zur Deckung der Unkosten!