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jjlt. $i Nsrburg a. L. Moistas, des 6. Svrll 60. Saks. 1921

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Weiser für (bas Mer kurWische) Sberhesjm - Amtliches BerkimbiWWsblatt beS Kreises Marburg

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Unter btt roten Mm

Der Abschluß des schwarz-roten Wahlbündnisses verursacht im Zentrum einige Beklemmungen. Man hört es nicht gerne, daß das Zentrum sich , unter das rote Joch gebeugt hat. DieKöln. Volkszeitung" überschreibt deshalb ihren Artikel: Die Mittelparteien nominieren Marx!" Ein köst­licher Wißt Sehr richtig schreibt dieKöln. Ztg." dazu:Die Parteien, mit denen das Zentrum sich verbündet, müssen unter* alten Umständen immer Mittelparleien sein. Das ist eine neue Form des alten Bcrsucks, die Fiktion des Grundsatzes weder rechts noch links aufrechtzuerhalten. Die Fortsetz­ung dieses Versuchs ist aber angesichts der neue­sten Ereignisse mehr als kühn. Die Wahl Brauns Zum preußischen Ministerpräsidenten soll zwar nach derKölnischen Volkszeitung" (Nr. 252 lediglich in der Linie der Politik liegen, die das Zentrum in Preußen stets für richtig gehalten kabe. Es ist doch noch gar nicht lange her, daß das Zentrum in Preußen den Grundsatz hatte wenigstens gab es ihn von sich, s l e h n e d i e Weimarer Koalition ebenso bestimmt ab wie den Bürgerblock."

Auf der demokratischen Linken ist einige Skep­sis vorhanden.- DieFranks. Ztg." schreibt:Ge­ivisse Schwierigkeiten sind offenbar dadurch ent­standen, daß es vielen demokratischen Wählern schwer wird, für einen Zentrumsmann zu stim­men, und daß Herr Marx als langjähriger Führer gerade der Schulpolitik des Zentrums auf ganz besondere Bedenken stößt." Die Parteileitung müsse versuchen,eine gewisse Sicherheit dafür zu erhalten, daß Herr Marx das Amt des Reichs­präsidenten nicht zur einseitigen Förderung kleri­kaler Kulturpolitik ausnutzen werde."

Dieser Kandidatur Marx gibt die Tatsache das Gepräge, daß zwei Drittel ihrer Wähler Sozial­demokraten sein müssen. Und deshalb sind alle Verschleierungsversuche aussichtslos. Die Sozial­demokratie aber sagt mit brutaler Offenheit, was man will.

DerVorwärts" fckreibt:Otto Braun zum preußischen Ministerpräsidenten wiedergewählt, Wilhelm Marx als gemeinsamer Kamvfkandidat gegen Jarres aufgestellt und ein Weg, ein Ziel: Nieder mit dem Rechtskurs! Der Beschluß unsrer Partei, die c'.nigunfl mit Zen­trum und Demokraten auf die Kandidatur Marx äu vollziehen, auch er ist aus dem Willen ge- voren: Nieder mit dem Rechtskurs! Setzt die rraktionäre kommunistische Garde ihr staatszerrüttendes Spiel fort, dann gibt es nur eins: Landtagsauflösung! Parole: Nieder mit hem Rechtskurs! Politik treiben heißt, ein Ziel mit den Mitteln zu verfolgen, die Erfolg ver- wrechen. Das Ziel ist: Nieder mit dem Rechts­kurs! Stehen die Dinge so, dann kann es für den Manu und für die Frau aus den breiten Masten Kes Volkes überhaupt keine Frage mehr geben, auf welch-r Seite sie mitzukämpfen haben: Nieder ihit dem Rechtskurs! Die Varole: Zwei Lager!

Hebet dem einen Lager weht die Fahne unsrer Partei.

Wo unfere Fahne weht, da m-rssen wir Kämpfen! Wo unsere Fahne weht, da muß bet Sieg sein! Nieder mit dem Rechtskurs!''

Das ist eindeutig.

Proklamation des Reichsblocks am Mittwoch.

Berlin, 4. April. Der Reichsblock teilt mit: Die Verhandlungen des Reichsblocks führten zu dem einmütigen Beschluß, mit aller Kraft gegen die von der Weimarer Koalition ausgestellte Kandidatur Marx den Kampf geschl 0 s- s e n auszunehmen. Die endgültige Proklamation des Neichsblocks wird am Mittwoch erfolgen, ba die maßgebenden Organe einiger Parteien erst am Dienstag ihre Beschlüsse fassen können.

Marx Kandidat de» Bolksblockc».

Berlin, 4. April. In einer Besprechung der Vertreter der im Bolksblock zusammengeschlos- seneii Parteien erklärte sich der Reichskanzler a. D. Marx zur Annahme der Reichspräsident- schaftskandidatur bereit, indem er unter anderem er­klärte:

Tie höchste Pflicht des Mannes» den das deutsche Volk als seinen Vertrauensmann zu dem hohen Amt des Reichspräsidenten beruft, ist der Schutz und die Wahrung der Verfassung, aus der ihm seine Rechte und Pflichten erwachsen. In freiem Entschlüsse bekannte sich das deutsche Volk zum Volksstaate und zur Republik. Aufgabe des Staatsoberhauptes muß es sein, diesen Willen zu achten und zu sichern. Auf diesen Grundfesten der Verfassung soll sich in Freiheit und gegenseitiger Duldung unser nationales, wirtschaftliches und kul­turelles Leben entfalten. Solange ich politisch tätig bin, war es immer mein Ziel und mein Streben, unser so tief zerrissenes Volk zu gemeinsamer Ar­beit am Wohle des Vaterlandes zusammenzusiih- teu Dem Ziele, daß sich das deutsche Volk als i unlösliche Schlcksalsgemeinschaft einmal erkennen, . fühlen und betätigen wird, werden wir näher kom- ,wen, je mehr er uns gelingt, unser ganzes öffent­liches Leben mit wahrhaft demokratischer Gesinnung und sozialem Geiste zu durchdringen. Mein gan- ^zes Leben hindurch habe ich mich um die Wahrung und die Pflege der hohen Güter christlicher und deutscher Kultur bemüht. Gerade auS dieser Ar- beit heraus wuchs in mir die Erkenntnis, wie ßjt jede echte Ueberzeugung Achtung verdient und

ß ein ruhige» Zusammenleben nur verbürgt wer­

den kann, wenn der Staat die Gewissensfreiheit seiner Bürger gewährleistet und wenn das Volks­leben von gegenseitiger Rücksichtnahme und Duld­samkeit erfüllt ist. In diesem Geiste zu wirken, wird mir stet» eine der vornehmsten Pflichten sein. Wie ich die Ziele und die Wege der deutschen Außen­politik sehe, darüber habe ich durch meine Arbeit im Dienste de» Reiches volle Klarheit geschaffen. Das deutsche Volk will eine Verständigung im im Geiste der Gerechtigkeit und wahrhafter Welt- befiedrung, ein Ziel, das nur erreicht werden kann, wenn da» Recht der Völker auf Freiheit und Selbstbestimmung gewahrt bleibt. Darum müssen wir alles daran setzen, daß der Bevölkerung der noch besetzten Gebiete die endliche Freiheit wird und daß allen unseren Volksgenossen das Recht der staatlichen Selbstbestimmung zugestanden wird, das die anderen Völker für sich in Anspruch neh­men."

München, 4. April. Rach einer Blättermel­dung gibtH tt le r die Parole aus, daß die National­sozialisten auf keinen Fall einem bürgerlichen Kan­didaten ihre^ Stimme geben dürften. Ob Luden» dorff wieder aufgestellt wird, läßt dieser Aufruf offen.

Hindenburg lehnt ab.

Berlin, 6. April. Wie die Montagsblätter melden, hat Generalfeldmarschall v. Hindenburg Vie ihm vom Reichsblock angebotene Kandidatur für die Reichspräsidentschaft aus persönlichen und sach­lichen Gründen abgelehnt. Er hat sich mit aller Entschiedenheit für die Kandidatur ZarreS eingesetzt und den Reichsblock ersucht, wie bisher alle Kräfte zusammenzuhalten.

LautMontag" undZeit" wird die Nominie­rung von Dr. Jarres durch den Reichsblock am Mittwoch nur noch eine Formsache sein. Der Wahl­kampf des Reichsdlocks für Dr. Jarres wird vor­aussichtlich schon heute oder morgen ausgenommen werden.

Der Wahlkampf von den Republikanern in Berlin euSfsnet.

Berlin, 6. April. Eine von mehreren tau­send Personen besuchte öffentliche Kundgebung des Reichsbanners nahe dem Zoologischen Garten, bei der Bundespräsident Hör sing eine Ansprache hielt, leitete gestern den PräsidentschastSwahlkampf für den zweiten Wahlgang in Berlin ein. . Wie derMontigmorgen" erfahren haben will, beab­sichtigen d:t .publikanischen Parteien nicht, einen gemeinsamen Wahlaufruf herauSzugeben, vielmehr wird jede der drei Parteien eine eigene Kundge­bung erlassen.

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Sklltzcktt Reichstes

Die Osterpans«.

Der Reichstag und das Preutzenhaus sind in die Osterferien gegangen, die wegen der Reichsoräst» dentenwahl gleich bis rum 28. Avril dauern sollen. Das ist reichlich lange, wird aber erträglich sein, wenn wenig­stens die Ausschüsse in der Zwischenzeit ihre wichtigen Arbeiten fördern. Die Vollversammlungen hatten ja in den letzten Tagen unr wenige Aufgaben von Bedeutung in lösen. Wenn im Landtag die Notverordnungen und i.-t Reichstag die GrundschulvorlagS durchgingen, ohne dck< dort die Rechte und hier die Linke ihre bisherige Obstruktion fortsetzrn, so kann man daraus aus eine ge­wisse Kampfmüdigkeit schließen. Di« Möglichkeit von Neuwahlen in Preußen beschäftigt viele Köpfe und Rechenstifte. Die Begeisterung dafür ist nirgends sehr grob. Ein stillschweigendes Uebrreinkommen aller Par­teien bat schließlich dazu geführt, erst den 28. Avril ab- zuwarten. Deshalb kommt der Präsidentenwahl eine außerordentlick politische Bedeutung weit über den Rah­nen der Personenfrage hinaus zu..

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4 7. Sitzung am 4. April.

Auf der Tagesordnung steht zunächst der Bericht deS Ausschusses für die besetzten Gebiete über die Hilfsmaßnahmen für bas besetzte Gebiet.

Der Berichterstatter, Abg. von Guerard (-3-) gibt unter Kundgebungen der Teilnahme des Hauses eine Schilderung der schwierigen Lage, in der sich die Bevölkerung des besetzten Gebietes befindet. Die Zahl der unterstützten Erwerbslosen beträgt noch mehr als das Dreifache, die Zahl der ausgesteuerten Er­werbslosen, die keine Unterstützung mehr beziehen, mehr als bas Doppelt« der entsprechenden Zahlen im unbesetzten Gebiet. Die Wohnungsnot ist im besetzten Gebiet besonders schwer. Di« bisherigen Hilfsmaß­nahmen waren durchaus ungenügend. Der Ausschuß Beantragt eine Entschließung, in der die beschleunigte Auszahlung der für Hilfsmaßnahmen zugunsten des besetzten Gebietes ausgesetzten Gelder bis zum Be­trage von insgesamt 75 Millionen Mark verlangt wird.

Die Entschließung wird ohn« Debatte angenommen.

Dom Haushaltsausschuß wird dann die Novelle zur Beamteubefoldung vorgelegt, die Notstandsmaßnahmen für die Beamten bringt. Der Ausschuß ersucht in einer Entschließung die Negierung, schleunigst zu prüfen, ob und auf welcher Grundlage die Deamtenbezüge erhöht werden können und darüber dem Reichstag Bericht zu erstatten.

Ein sozialdemokratischer Antrag verlangt die Er­höhung des Teuerungszuschlages für di« ersten sechs Besoldungsgruppen von 12\, auf 20 Prozent.

2lbg. Schuld (Dem.) unterstützt die Forderung beS sozialdemokratischen Antrages und verlangt in einer Entschließung die Ausdehnung des Teuerungszuschlags auf die Ruhegehalts- und Wartegeldempfänger.

Damit schließ die Aussprache. Der sozialdemo­kratische Antrag auf Erhöhung des Teuerungszuschlags wird gegen die Stimmen der Sozialdemokraten, Kom­munisten und Demokraten abgelehnt. Ebenso die Ent­schließung de- Abg. Schuld. Der Gesetzentwurf wird

nach den Anträgen d«S Ausschusses in allen drei Lesungen angenommen.

Präsident 26be unterbricht dann hi« sachliche Beratung durch die Mitteilung von dem neuen schweren Unglück auf bet Zeche Matthias Sinnes Nr. 2. (Die Abgeordneten haben sich zum Zeichen der Teilnahme von den Plätzen erhoben.)

Der Präsident schließt seine Red«, in der er die Trauer des Reichstages betonte, mit dem Satz: Wir müssen an bl« Aufsichtsbehörden die Bitt« richten, daß sie mit peinlichster Aufmerksamkeit bi« Durch­führung der VorbengungS- und Schutzmaßnahmen prüft, damit «S unS erspart wirb, daß immer aufs neue so schwere Unglücksfälle die deutsche Arbeiterschaft heimsuchen.

Auf der Tagesordnung folgt dann die Weiterbe­ratung der Anträge über Wohnungswesen und Mieter­schutz.

Abg. Steininger (Dntl.) spricht die Erwartung aus, baß die Regierung wenigsten» bis zum 30. April mit einer Dorlag« herauskommen werd«.

2lbg. Winnefeld (D.Dpt.) beklagt den Zwie­spalt zwischen Mietern und Vermietern und erklärt, die Dolkspartel wolle keineswegs den Mieterschutz beseitigen.

Abg. Eichhorn (Komm.) begründet einen Antrag, der die sofortige Rückgängigmachung der zum 1. April 1925 angeordneten Erhöhung der Miete verlangt. Der Redner protestiett auch gegen den Abbau deS Mieter­schutzes.

Abg. Bühl (Dem.) hält die Beibehaltung deS Mieterschutzes für notwendig, besonders im Interesse der Kleingewerbetreibenden. Schon jetzt würden diese Gewerbetreibenden oft zum Abschluß von Mietver­trägen genötigt mit weit höheren Mieten, alS sie vor dem Kriege bestanden. Die berechtigten Interessen der Hausbesitzer müßten gewahrt werden. Aber eS könne nicht zugelassen werben, daß die Hausbesihervrgani- fationen die Mieten weit über den Friedensstand steigern.

Abg. Lucke (W. Dgg.): Unter der Wohnungs­gesetzgebung nach der Revolution fei bi« Anregung zum Wohnungsbau systematisch erstickt worden. Wenn Man den Hausbesitzern die nötige Bewegungsfreiheit lasse, werde die Wohnungsfrage auch für die Mieter am besten gelöst werden.

Abg. Schirmer-Franken (Bayr. Dpt.) wider­spricht der Ansicht des DorrednerS daß die ZwangS- Ztvirtfchaft die alleinige Ursache der Wohnungsnot sei. Die Bahr. DolkSpartei stimme dem AuSschußantrag zu.

Damit schließt die Aussprache. Der Aasfchußantrag wird angenommen. Er verlangt unter anderem, bis spätestens 30. April 1925 die Dorlegung von Gesetz­würfen zur Abänderung deS ReichsmietengeseheS, des Mietschutz- und des WohnungsmangelSgesetzeS.

Hm 3.15 Uhr vertagt sich daS Haus auf Dienstag, den 28. April.

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Berlin, 4. März. Der HaushaltsauS- schutz des Reichstags genehmigt« heute den Haus­halt de» Rechnungshöfe» und vertagte sich sodann auf den 15. April.

Berlin, 4. April. Der GeschäftSord- nungsausschuß des Reichstages versagte die beantragte Aufhebung der Immunität bezüglich der Einleitung von Privatklageverfahren gegen die Ab­geordneten Buchmann (Komm.) und Sollmann (Soz.) wegen Beleidigung. Die Strafverfolgung der Abgeordneten Diettlch-rFanken (Völl.), Bertz (Komm.) und Dr. Leber (Soz.) wurden nicht ge­nehmigt. Einem kommunistischen Anträge ent­sprechend beschloß ferner der Ausschuß die Einstel­lung des Strafverfahren- gegen den Abgeordneten Scholem (Komm.) wegen Beleidigung zu verlangen.

Berlin, 4. April. Der preußische Minister­präsident Braun hat bereits heute die Leitung der Staatsgeschäfte Übernommen. Er hat heute vormit­tag mit den bisherigen Ministern ein K a b i n e t ts- rat abgehalten, in dem laufende Geschäfte er­ledigt wurden. Nach der Kabinettssitzung hat der Ministerpräsident an der Sitzung des Interfraktio­nellen Ausschusses teilgenommen. Nach diesen Be­sprechungen dürfte der Ministerpräsident dem Land­tagspräsidenten die formelle Neuernennung der bisherigen Mlittst er mittetlen.

Berlin, 4. April. Der Interfraktio­nelle Ausschuß des Preußischen Landtages hielt heute eine kurze Beratung über die Geschäfts­lage ab. Es herrschte unter den Fraktionen volle Einmütigkeit in der Beurteilung der Lage. Am 28. April soll sich daS Kabinett Braun dem Land­tag vorstellen. Es wird sich, wie In parlamenta­rischen Kreisen verlautet, voraussichtlich nur in der Spitze vom Kabinett Marx unterscheiden.

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Sie NmmznSte der sranMchm Rrotermis

Die Finanzschwierigkeiten drohen dem Kabinett Her- riot Über den Kopf zu wachsen. Ob Herriot einen Aus­weg finden wird, ist in den letzten Tagen auch den­jenigen äweifelbaft geworden, die bisher unentwegt an dem Nachfolger des Herrn Poincare festgehalten haben. Sn demFigaro" sind die Schwierigkeiten zutreffend in ein paar Zeilen dargelegt worden. Entweder, so schrieb das Blatt, müssen wir unsere Bedürfnisse einschränken, d. 6. die Regierung muß ihre Ausgaben kürzen. Oder aber wir müssen die Kredite einschränken, d. b. die Tä­tigkeit von vandel und Gewerbe lähmen. Oder aber wir müsirn den Notenumlauf vermehren, d .b. die fran­zösische Währung von neuem in Gefahr bringen.

Die französisch« Regierung hat sich unverkennbare Mühe gegeben, den Etat durch die Beschränkung der Ausgaben ins Gleichgewicht »u bringen. Der Finanz­ausschuß des Senates bat an dem Haurbaltsolan, wie er von der Kammer überwiesen worden ist, außcrorbent- lich kräftige Abstriche vorgenommen. Die Ausgaben, di«

et abgesetzt bat, belaufen sich auf insgesamt 1,8 Milli- atben Francs. Herriot bat vas nicht al» eine Kamst- ansage betrachtet, sondern In Gegenwart des Finanz» Ministers Glementel mit den Vertretern seiner Kammer. Mehrheit beraten. Die Folge war, daß Glementel dem Senatsausschuß miüellte, die Regierung sei mit Abstri­chen im Gesamtbeträge von 675 Millionen Franken ein­verstanden. Die Regierung bat also die Hälfte der Ab­striche geschluckt.

Das Kabinett Herriot sucht offenbar in der Finanz, frage jeden Konflikt zu vermeiden. Herriot bat dem Senat wissen lasten, daß er in der Frage der französischen Botschaft beim Vatikan die Vertrauensfrage stellen werde, daß er aber die Beschlüsse des Senate» in Finanz, angelegenhelten nicht als eine Kabinettsfrage betrachte. Freilich bringt ibn dieses Entgegenkommen auf der aw dem Seite in einen unverkennbaren Gegensatz mit der sozialistischen Kammerttaktion. Die Sozialisten bestehen unbedingt auf gewissen Ausgabeposten, die Besoldungs- und sozialen Zwecken dienen und an die die Senatskom­mission in erster Linie gerührt bat. DerQuotidien" bat denn auch schon gegen dieunverschämte Haltung" des Senatsausschusses protestiert und erklärt, es dürfe im Haushaltsplan kein wesentlicher Posten fallen ge- lassen werden. Es zeigt sich also in der Tat, daß di« Einschränkung der Ausgaben, selbst wenn die Regierung sie durchsetzen will, ihre großen Schwierigkeiten bat.

Es ist verständlich, daß das Kabinett sick' nach einem andern Ausweg umgetan hat, um nicht zwischen dem Senatsausschuß und der sozialistischen Kammerfraktion zwischen zwei Feuer zu geraten. Mit andern Worten: Man hat sich die Frage vorgelegt, ob sich die Finanznoi nicht durch die Erböhung des Notenumlaufes abbelfen laste. Diese Frage liegt auch deshalb nabe, weit die Grenze des Notenumlaufs zweifellos zu niedrig gewogen ist Sie ist auf 41 Milliarden festgelegt. Inzwischen aber hat sich der Franken weitet entwertet, die Preise sind gestiegen und infolgedesten ist auch das Bedürfnis nach Zahlungsmitteln gewachsen. Es kommt hinzu, ba! die eingewurzelte Gewohnheit der französischen Landbe­völkerung, bares Geld zu Hamstern, trotz der Entwertung des Franken, weiter besteht. Man nimmt an, daß von den 41 Milliarden, die int Umlaufe sein wollen, minde­stens 6 im bäuerlichen Schrank oder unter der Bett- Matratze ruhen und damit dem Verkehr entzogen sind. Auch eine andere Gewohnheit bat sich gebalten: Der Franzose ist der schlechte Steuerzahler geblieben, der er bisher schon immer gewesen ist. Die Geldnot der Re­gierung wird dadurch natürlich erheblich gesteigert. S>« trat bei der letzten Gehaltszahlung an die Beamten in geradezu peinlicher Weise zutage.

Die Regierung hat bisher gezögert, neue Banknoten drucken zu lasten. Es fragt sich aber, ob sie diesem Zwang überhaupt noch entgehen kann, wenn anders sie ihre Zahlungsfähigkeit überhaupt aufrecht erhalten will. Mau zweifelt deshalb auch kaum noch an bet Wahrbeit von Gerüchten, bie schon seit einigen Tagen umlaufen unb bie bavon wissen wollen, baß bie Regierung sich in bei Kammer bie Ermächtigung geben lassen werbe, neue Banknoten im Werte von 5 Milliarden Franks in Um­lauf zu setzen. Und was ist die Folge? Der Franks be- sinnt von neuem zu fallen. Er hat sich im Laufe des SDiotmtes März auf 89 Franks für das englische Pfund eingestellt. Am 1. Avril stieg er rasch auf 91,40 und man rechnet damit, »daß der Fall sich fortsetzen wird. Also auch hier sofort wieder eine Schwierigkeit, wenn man nach einem nabeliegenden Abbilfsmittel greift.

Es ist schwer lu sagen, wie Herriot sich aus den Schwierigkeiten herausbelfeu wird. Sein Finanzministcr weiß nicht mehr aus noch ein und sein Unlerrichtsmini- ster hat einen schweren Konflikt mit bet Stubentensch Ut der Sorbonne. Der Senat macht Schwierigkeiten und die sozialistische Kammerfraktion verfolgt die Entwick­lung mit offenkundigem Mißbehagen. Die französisch« Oeffentlichkeit ist in dem Punkte der Frankenwäbrung besonders empfindlich. Im Grunde genommen ist Poin- core gefallen, weil er den Franken nicht mehr zu halten vermochte. Wenn Herriot sich in diesem Punkte eben» follsals unfähig erweist, und die gegenwärtig« Lag« falls als unfähig erweist, und die gegenwärtige Lage totes nicht entgehen.

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Paris, 5. April. Die Berickte der Morgen­presse über die Stellungnahme der Regierungs- Parteien zu den Finanzplänen derRegie. tung lassen die Lage ungeklärt erscheinen. Bei der gestrigen Demarche der demokratischen Lin- ken des Senats, also der radikalen Fraktion, bei Herriot hat dieser offenbar erklärt, er werde sich erst äußern können, wenn das Ministerium sich für bestimmte Finanzpläne entschieden habe. Es scheint, da die Fraktionsdelegierten zum Aus­druck gebracht haben, daß man nicht nur gegen eine Kapitalabgabe, sondern auch gegen eine Kapi­talsteuer sei. Die Haltung der Kammerfraktion der Linken scheint sich im Laufe des gestrigen Tages nicht geändert zu haben. Im Lause der Unterred­ung, die Herriot mit Loucheur chatte, ist dessen Opposition gegen die jetzt bekannt gewordenen Pläne Ser Regierung zutage getreten.

Zweifelhaft bleibt auch die Haltung der sozia­listischen Republikaner, also der Fraktion Briand, und nach gewissen Gerüchten auch die der großen radikalen Kammerfraktion. Inzwi­schen hat der neue Finanzminister de Monzie seine Tätigkeit ausgenommen. Er hatte gestern längere Unterredungen mit dem Direktor der Banque de France und den Direktoren der Groß­banken, nach demEcho be Paris" auch mit Catl- laux.

DerMatin" glaubt zu wissen, daß der Finanz­minister de Monzie sich überhaupt noch zu keinem bestimmten Plan bekannt habe. Als Clemente! demissionierte, hätten drei Projekte bestanden. Das eine habe die Tabak-, Alkohol- und Einkommensteuer bettoffen. Diesem Projekt habe Clemente! den Vorzug ge­geben; das zweite Projekt, das noch kaum in sei­nen Umrissen vorhanden gewesen sei, habe eine Kapitalabgabe vorgesehen, zu welchem Mit­tel (Elemente! nicht habe greifen wollen. Das britte Projekt endlich habe eine A u s g a o e v o n Banknoten vorgesehen, die zur kaufmanm« Ehen Diskontierung bestimmt gewesen seien.

eber dies Projekt sei bas Kabinett sich einig ge­wesen. Dir können sagen, fährt betMotin" fort,