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Weiger für (das Mer kurheUche) SberhMn - Amttlches VerkündigungMatt des Kreises Marburg

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DK W M ReWvrAKMtN

Berli«, 3. April. Am Nachmittag sanden ßei Reichskanzler Dr. Luther Verhandlungen mit Simtlicheu bürgerlichen Fraktionsführern über ke Frage statt, ob die Aufstellung einer gemein­samen bürgerlichen Sammelkandidatur doch noch möglich sei.

Da» Ergebnis der Aussprache, die um j/»3 Ahr abgebrochen und um 4 Uhr fortgesetzt wurde, tzoar vorläufig rein negativ, denn das Zentrum £' b die Erklärung ab, datz es die Kandidatur ar proklamiere habe und nun davon >idjt mehr abgehen könne. Damit hat das Zen- feum zu verstehen gegeben, datz es im zwetten Wah'gang Marx entweder als Kandidaten für die Weimarer Koalition zur Verfügung stellt oder an mner Sonderkandidatur Marx ohne jede Aussicht jmf Erfolg festhült. Die Demokraten haben »ter schwierigen Lage in dieser Besprechung da- Mirch Rechnung getragen, datz sie eine bindende Urklärung, wie sie vom Zentr im abgegeben Dourde, vermieden haben.

i B e r l t n, 8. April, lieber die Besprechungen .her Parteiführer beim Reichskanzler erfährt man Mus parlamentarischen Kreisen, daß ein Vor- Dchlaa, der sich auf den stellvertretenden Reichs- »räsioenteu Dr. Simons bezog, zur Debatte Rand, und zwar sollte Dr. Simons nicht durch Mahl, sondern durch ein verfass ungsän- Herndes Initiativgesetz von allen Frak- jifonett des Reichstages mit Ausnahme der Kom- Munisten zuni Präsidenten ernannt werden. Bei sTblehnung dieses Verfahrens sollten sich alle Par- jttien einschließlich der Sozialdemokraten auf eine Kammelkandidatur Dr. Simons einigen.

(Dieser Nachricht muß man, nachdem bereits jAe Parteien gesprochen haben, mit großer Skepsis fegegnen.)

Berlin, 3. April. Der von einer Grippe jeiebergenefene Oberbürgermeister von Duisburg, Dr. Jarres, ist heute vormittag in Berlin ein- Mtroffen. DerBerl. Lokalanz." nimmt an, daß «unmehr die letzten entscheidenden Besprechungen Nt Weichsbloai über die Präsidentenwahl binnen hürzsster Frist stattfinden werden.

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Strett beim Kuhhandel.

Die demokratischen Pofauuenstötze können nicht tnriiber Hinwegtäuschen, daß die Einigung über Ae Bedingungen des Kuhhandels Marx-Braun Mur sehr .langsam und unter großen Schwierigkei- ßen von statten geht. Bemerkenswert ist dabei die ^Selbstverleugnung" man könnte auch sagen: Würdelosigkeit der meisten Demokratenb..:t- kr, die in schroffem Gegensatz steht zu der ge- «izten Sttmmung in der demokratischen Land- tegssraktton. Die Mosse-Preffe ist aufrichtig gr- «ig, über die Verstimmung zu berichten, während hie Ullstein-Organe auch hier ihrem Verzichtpro- gramm treu bleiben. Mit der Wahl Brauns zum Stinifterpräfibcnten die Ziffern sind zu beach­ten! ist die eine der sozialistischen Forderungen zerfällt. Ueber die Zahl der Genossen im neuen Kabinett Braun verlautet noch nichts. Eine andere Bedingung der Linken war: Marx sollSammel"- Landidat sein. Das Zentrum hatte nämlich den feinen Plan, diese Kandidatur als Parteikandida- l;r aufzuzieyen, die von den Sozialisten und den Demokraten unterstützt werde. Damit sollte vor teil ganz Naiven im Lande die schwarz-rote Block- jhildung, der Abmarsch des Zentrums nach links ein i»enig verschleiert werden. Auf diesen Leim aber fingen die Geschäftsfreunde nicht, sie wgllten nicht tut den kleinen Finger, sondern die ganze Hand. Das Zentrum hat sich gefügt und spricht jetzt auch »on derSammel"-Kandidatur Marx. Trotz all- tem bleibt es höchst zweifelhaft, ob alle sozial- hemakratischen Wähler- für den schwarzen Zen­trumsführer stimmen werden. Nicht nur ein Teil ter roten Presse, sondern auch die Parteiorgani­sation von Leipzig hat gegen den Verzicht auf die sozialdemokratische Reichspräfidentfchaftskandida- tur Einspruch erhoben und mit demLieferstreik" gegenüber Marx gedroht. Immerhin scheint nun eoci) das Tauschgeschäft Marx-Braun perfekt zu »erben. Dann wird sofort der Reichsblock mit der «euen Nominierung des Dr. Jarres herauskom- »en. Die bisherige Zurückhaltung galt ja nur ter Möglichkeit, baß sich vielleicht buch noch eine Annäherung aller bürgerlichen Parteien erzielen Letze. Der daneben irr gewissen Rechtskreisen «ufgetauchte Gedanke an eine Sainmelkandidatur Hindenburg wird von derKreuzzeitung" mit zu­treffenden Argumenten zurückgewiesen. Der Raine Hindenburg bars nicht in den Parteistreit hineingezogen werden.

Sozialdemokraten gegen Marx.

Leipzig, 3. April. Die Sozialdemo- tratische Partei von Groß-Leipzig hat folgende Entschließung gefaßt:

iDer Wahlkreis Leipzig hat bei den Wahlen ;«om 29. März die sozialdemokratischen Stimmen ,auf 41,25 Prozent der abgegebenen Stimmen zu Ite gern vermocht. Dies gelang durch den Ent- chlutz, einen eigenen sozialdemorkra- jtischen PrSstdentschastskandidaten Aufzustellen und die restlose Tätigkeit der Funk­tionäre. Aus dem Wahlergebnis war zu ersehen, daß das sozialistische Proletariat das unerschütter­liche Bollwerk der Republik geblieben ist. Eben deswegen protestieren die Leipziger u n 6 tl0n5r e gegen die Absicht, den soziali- pifchcn Prasidentsckastskandidaten fallen zu lassen. M Interest; der Republik fordert die Versamm­

lung von den Zentralinstanzen der Partei die Aufrechterhaltung der sozialdemo­kratischen Sammelkandidatur. Sie protestiert gegen das Bestreben bestimmter Grup­pen, die Partei vor vollendete Tatsachen zu stellen. Die Funktionäre erklären, falls die Parteiinstan- zen tm Gegensatz zur grundsätzlichen Einstellung der Leipziger Parteigenostenschatt auf die Auf­stellung einer eigenen Kandidatur verzichtet, s i ch die Entscheidung für ihre Haltung i m Wahlkam p f vorzubehalten."^-

Eiu« Warnung an da» Zentrum.

München, 3. Avril . DerBayrische Kurier", da» Organ der bayrischen Bollspartei, schreibt in einem ArtikelDie Schicksalsstunde des Zentrums" unter Warnungen am Schluffe:Geht da» Zentrum in der jetzigen Schicksalsstunde den Weg nach links, so wird es Ausgabe der Bayrischen Volkspartei sein, der Taffache eingedenk zu bleiben, datz die deutschen Katholiken nicht nur ihre Religion, son­dern auch ihre Weltanschauung verteidigen müssen und datz diese vielfache Verteidigung nur durch eine wirkliche Politik der Mitte erfolgt.

Höfles Wahlfond für das Zentrum.

Von unterrichteter Seite wird uns mitgeteilt, daß zwei Mitgliedern der Zentrums­partei seitens des Untersuchungsrichters kürz­lich die Genehmigung zu einem Besuch für den in Untersuchungshaft befindlichen Dr. Höfle ver­weigert worden ist. Auf eine Anfrage beim Iustizminister soll dieser Entscheid des Untersuch­ungsrichters mit dem Hinweis bestätigt worben fein, daß Höfle während feiner Mini­st e r z e i t einen Wahlfond der Zen­trumspartei von etwa 30 000 Htark ge­schaffen habe, über den man Näheres bisher nicht habe ermitteln können.

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NreuKiwer Landtag

Der Preußische Landtag hat gestern nachmittag mit 220 von 432 Stimmen den Sozialdemokraten Otto Braun zum preußischen Ministerpräsi­denten gewählt. Auf den Kandidaten der Rrchts- partsien, Dr. Peters, entfielen 170 Stimmen, auf den Kommunisten Pieck 40 Stimmen. Ein Stimmzettel war ungültig, einer u-rheschricbsn. Für Braun stimmten die Mitglieder der sozial- drmokrattschen, der demokratischen und der Zen- trumsfraktionrn mit Ausnahme von vier fehl n- den Abgeordneten. Die Verkündigung des Wahl­ergebnisses rief im Hause lebhafte Bewegung her­vor. Die Kommunisten tiefen:Auf wie lange?"

Nach Erledigung der Mnisterpräsidentenwahl beriet das Preutzenhau» in rascher Folge eine Reihe kleinerer Angelegenheiten. Dann trat man in die Fortsetzung der Aussprache über die Not­verordnungen ein. Sturmszenen gab es bei einer Rede des Demokraten Riedel. Dieser warf dem Redner der Deutfchnationalen Blasphemie vor, weil er Gottes Hilfe für den Sieg über die Linke angerufen habe. Der demokratische Redner rief der Rechten zu, ihr Gott habe bisher doch bei den Kommunisten gesessen. Auf diese Worte setzte ein tosender, minutenlang anhaltender Protest- sturm der Rechten ein. Man rief:Gottesläste­rung! Runter! Schluß!" Vizepräsident Garnich versuchte vergeblich, der Empörung Herr zu wer­den. Er mußte schließlich die Sitzung unterbre­chen. Nach ihrer Wiedereröffnung erklärte Vize­präsident Garnich, daß er die Worte Riedels lei­der nicht gehört habe. Er hätte sonst Riedel unter­brochen und ihn auf das Ungehörige feiner Aus- drucksweife hingewiefen. Auf diese Feststellung hin setzte nunmehr bei der Linken ein ernster Sturm ein. Die Mgeordneten der Sozialdemo­kraten und der Demokraten schlugen wütend auf die Pultdeckel und stürmten oenen die Abgeord­neten der Rechten vor. Die Mitglieder des Zen­trums verhielten sich fchweioend. Als Riedel feine Rede fortfetzen wollte, verließen die Deutscknatio- naten und ein großer Teil bei übrigen bürger­lichen Parteien den Saal.

WÄmiMckt in Frankel»

Stürzt Herriot?

Ueber Nacht haben sich bie Wolf n, die schon längst das Kabinett Herriot M>ro&fcn.- finster zufammenge- Zognc. Zu dem Konflikt zwischen dem Unterrichtsmi- rifter und der Pariser Universität sind die Viel sckltm- meren finanziellen Schwierigkeiten gekommen, die Poin- eures loichtserttge Rüstungspolattk verursacht bat, die aber *eht Nachfolger nun lösen sollte . Der sinkende Kur» oes Franken zwang die französisch: R:gierung da­zu, der Defizitwittschast zuleide zu g-ben, aber die Auf- gäbe war fast unlösbar, daß das Siegervolk die Not- wendigkett großer Mittel nicht einfeheu wollte. Der Finanzminister Elemente! versuchte e» mit firincn Mit­teln, aber d-ie Gouerrückstände nabmen b anastigende Dimensionen an . Sie bttrugeu bei ts im vongen Juli über 5 Milliarden Franst». Bei der AnfÄllung des neuen Etats zeigte sich die ganze Unanzmisrre Fmnk- reichs ,und zugleich begannen die amerikanischen und Gläubiger gegenüber den unentwegt weiter rüstenden Franzosen ungeduldig und ungemütlich zu werden. Tie langsam verfallene Währung erzeugte eine Zahlungs- Mittelnot ,brr nun Clemente! durch eine gewattige Neu­ausgabe von Papiergeld abhelftn wollte. E r behauptete zwar, bti Jet f ine Inflation, aber niemand glaubte j^>m, und im Senat erhob sich ein Sturm gegen d e Regierung.

Herriot eilte herbei und beruhigte das sonst so stille Oberhaus wieder ein wenig>och auf Kosten des Eianzministers ,ber sich desavouiert fühlte und sofort re Entlassung nahm, ßu Clementels Nachfolger lrrtz

Herriot den Senator de Monzie ernennen. In Paris rotrb aber vielfach angenommen, daß nun auch der Unterrichtsminister zurücktreten werde und dann das das ganze Kabinett sich nicht mehr halten könne. Wie man sieht ,s in deszunächst rein «nnerpolitische Fragen, dsie den neuen Kurs in Frankreich gefährden. Die An- greifet sind jedoch zum größten Teil dieselben, die auch die außenpolitische Haltung Herriots mit Mißtrauen ansehen, obwohl dieser wahrhaftig.sich jmmer mehr den Spuren Poincares genähert hat Will die Opposition darin noch weitergehen unb den militaristischen Im- verialismuS Frankreichs zu noch höherer Blüte treiben, ist überhaupt nicht* einzufeheir, wie eine solche Polrhl mtt der finanziellen Leistungsfähigkeit des Landes in Einklang Lebracht werden soll. Mit . großem Interesse und nicht.ganz ohne Schadenfreude blicken die Besiegten auf die Note der Sieger. Das System, einen wid.'rrecht- lich und wide rnatürlich /lufgeteilten Erdteil mit Gewo't in diesem Zustand zu erhalten, ist eben unbezahlbar.

Paris, 3. April. Hebet die Verhandlungen, die Ministerpräsident Herriot gestern abend von 9 Hbr 30 Min. bis nach Mitternacht mit den radikalen und sozialistischen Mitgliedern des Finanzausschusses der Kammer gehabt bat, glaubt Havas folgendes berichten zu können:

Es beißt, daß die sozialistischen Vertreter von neuem darauf bestanden hätten, von der Regierung zu erreichen, daß sie jede Maßnahme zur Vermehrung des Notenumlaufes ausgebe, und daß sie, um der gegenwärtigen Verlegenheit der Finanzverwaltung zu begegnen, eine Art Kapitalabgabe empfohlen hätten.

Einigen Vertretern der Preste batte der zurückgeblie­bene Finanzminister Elemente! über seine D e - Mission Mitteilungen gemacht. Im Kabinettstat am Mittwoch abend bade er die Ansicht vertreten, man müße, um den Gerüchten über eine beabsichtigte Inflation ent- gegenzutreten, ein vollständiges Kommunique über die Finanzlage ausgeben. Der Kabinettsrat habe aber be­schlossen, einen ziemlich vagen Wortlaut zu veröffent­lichen. Hätte er, Clementel, diese Erläuterungen nicht von selbst gegeben, so würden ihn einige Senatoren dazu gezwungen haben. Er habe den Charakter der Banknoten niemals aufgeben wollen, sondern noch präzisiert und un­terstrichen, daß man von allen Opfern verlange. Welche Opfer?

Seine Ansicht sei, die paar Milliarden, die notwendig Teten, durch Erhöhung der Einkommenssteuer, der Steuer für Alkohol und T"bak zu erlangen. Dos lei bester, als zu Abgaben zu greifen, die nur in einer Periode der Ent­spannung ausgenommen werden könnten. Alle Minister feien von der Notwendigkeit überzeugt gewesen, daß man die Finanzen durch Ausgabe von so gesicherten Finanz- noteu, wie er sie vorgeschlagen habe, sicher stellen könne. fn-rrJot sei während seiner, Clementels. Re^e, gestern h".' mittag in den Senat gekommen und habe sich er- ll-". n gezeigt. Er habe dann zum zweiten Mal das Wort ergriffen und Erläuterungen abgegeben und habe das Emvs'nden gehabt, daß diele von den ^enatsmi<glie- dern als loyal und klar bezeichnet wurden. Um so er­staun'er sei er gewesen, daß Herriot das Wort ergriffen habe um ibn wegen seiner Politik zy tadeln, weil er die Frage der Jnllation mit her Budgetfrage verknüpft habe. Trotz feiner Demission habe er Ministerpräsident Herriot mitteiken können, daß die Veroflichtungen Ende der Mo­nats vollkommen sickergestellt seien.

Paris, 3. April. DerTempS" glaubt zu näiftt, daß die Abgaben vom Kapital, die die Re­gierung verlange^ werde, zehn Prozent betragen soll, zahlbar in zehn Jahresraten mit der Möglich­keit einer rascheren Bezahlung.

Finanzminister de Moneie hat angekündigt, datz er den Finanzgesetzentwurf, auf den MinisterprSsi- dent Herriot gestern im Senat angespielt habe, am Montag dem Parlament vorlegen werde. Dieser Gesetzentwurf betreffe die zu ergreifenden Mittel, um die Bedürfniffe deS Schatzamtes ohne Neu- auSgabe von Banknoten zu sichern.

Die ftanzöfischen Schulde» an England.

London, 3. Avril. Reuter meldet aus Washington, E l e m enteis Pariser Rede bade in amtlichen Kreisen größtes Interesse erregt. Sie seien allerdings etwas verwundert über eine seiner Bemerkungen, die nach der nach Amerika gemeldeten Darstellung lautete: Wir sind auf dem Weg zu einer befriedigenden Verein­barung über die Schulden".

Frankreich habe bisher tatsächlich keinen endgültigen Plan vorgeschlagen. Die dauernde Verzögerung der Schuldenregelung habe neuerdings eine Bewegung het- norgetufen, die darauf ausgebt, daß Amerika die Schuldnerstaaten gut Regelung dieser Frage aufforbere.

London. 3. Avril. DerMorning Post" zufolge hatte die Delegation der Beamten des französischen Finanzmini^etiums unter Führung der Herren Dar­stand und Dover gestern nachmittag eine vorläufige Zu­sammenkunft mit Otto Niemeyer und anderen Vertre­tern des britl cken Schatzamtes. Es verlautet, daß in bet kommenben Woche eine Rebe von Konferenzen zur Pesyrechung bet Frage bet französischen Schulben statt- finoen werde.

Amerikas Forderungen.

Rewyork. 3. Avril. Die Associated ^- meldet aus Washington, daß infolge der andauernden Verzöge­rung Frankreichs filier die Fundierung seiner Kriegs- 'chäden an Amerika eine erneute Agitation eingesetzt b«be, um die amerikanische Regierung zu veranlasten. schritte zu unternehmen, um biete Angelegenheit zu be« chleunigen. Es sei in voliiischen Kreisen die Ansicht verbreitet, daß alsbald eine formelle Rote Amerikas an alle Schuldnernationen abnefanbt werde, in der diese aufgefordert werden sollen, Pläne für eine Umwand- luna der schwebenden Schulden in fundierte vorzu- legen.

Französische Justiz.

Mainz, 3. April. Bei einem im Januar au»« gebrochenen Streit zwischen einem Unteroffizier der Befatzung und einem Wirt schritt die Polizei ein. Der Unteroffizier leistete dem Verlangen der Polizei, auf die Wache zu folgen, Widerstand, worauf der Polizeiwachtmeister ihm Handfesseln anlegte. Das ranzösische Kriegsgericht verurteilte deshalb, wie derManzer Anzeiger" meldet, den Polizeiwache meister zu einem Jahr Gefängnis.

Rvlittsche Umschau

Was bereits vor bet ersten Präsidentenwahl als Mög­lichkeit ins Auge gefaßt wurde, nämlich ein Kuhhandel zwischen dem Reichsoräsidentenvosten und der Minister» Präsidentschaft in Preußen innerhalb der schwarz-rot- goldenen Linken, ist jetzt, sozusagen zwischen den Wablen. Wahrheit geworden. Mit andern Worten: Man verteil« die Posten so, daß das Zentrum den Reichsptäsidente» bekommt unb bafür Preußen ber Sozialdemokratie au» geliefert wird, genauer, Herrn Eevering mit seiner Polst ik, sämtlicke Verwaltungsposten möglichst Sozialdemo- ftaten zugeben. (Auch das Zentrum wirb, schon au» Paritötsrücksicht-n", einiges davon bekommen!) Man denke an Bebels Wort:Haben wir Preußen, fo haben wir alles." Danach handelt die Sozialdemokratie, und als das Zentrum kürzlich schwankend wurde, da bat man, imVorwärts" ». B., sofort seine Rechnung präsentiert. Er schrieb:Die Sozialdemokratie weiß, was sie will. Es scheint Parteien zu geben, die einigen Grund haben, si» darum zu beneiden", unbDer Sozialdemokratie muß die Rolle zufallen, die ihrer Stärke und ihrer Bedeutung entspricht" Die Sozialdemokratie wolle nicht nur di« Truppen stellen, während Zentrum unb Demokratie bi« Offiziere stellen. Das ist deutlich, und anscheinend hak bas Zentrum, wie nicht anders zu erwarten war, Preu­ßen dem Sozialismus geopfert. Einmal mußte es sich ta hei seinem Lavieren entscheiden, ob es rechts ober link» geben wollte, es hat sich für Links entschieden. Es sollt« aber ehrlich sein und nicht immer wieder so tun, als ob alle sogenanntenEinheitslandidaten" oderVolts» gcmeinschafts"-Kandidaturen an dem Widerstand der Rechten gescheitert seien, sie scheiterten regelmäßig am Zentrum, für das eben die Koalition mit den Deutsch- nationalen nicht tragbar ist, nut die mit den Sozialisten.

Ein Abgeordneter hat es ia kürzlich ausgesprochen: Von rechts fühlt das Zentrum die Konfession bedroht, von linksnur die Religion. Aber man sollte auch hie« ehrlich fein, daß dieses Kulturkampfgeschwätz nur dazu da ist, die Politik des Zentrums zu verschleiern. Di« katholische Konfession wird unseres Erachtens nur durch die Politik bedroht, die bas Zentrum treibt, bas sich mit betn boch auch vom Katholizismus (man benle nut an bie verschiebenen Verurteilungen leitens bes Heil. Stuhles!) scharf verurteilten Sozialismus verbünbet zum Nieberknüppeln bes Bürgertums! Das ist zwa» eine fekn gesponnene Politik auf lange Sicht!, aber in evangelischen Kreisen bat sie boch sehr auf» weckend gewirkt. Und auch in katholischen bürgerlichen Kreisen sielst man den Erfolg doch vielfach als ungewiß an, matt fürchtet, daß es auch dem katholischen Bürger­tum dabei schleckt ergeben kann.

Ein Gutes hat aber das Knbbanbelsgesckäft, bas fetzt in Preußen und im Reich von denHütern bet Verfassung" getrieben wirb: Es schafft Klarheit. Und sollten auch die Weimarer zunächst als Sieger au» dem Kampfe bervorgeben, der Gedanke bes einigen nationalen Bürgertums marschiert unb Nieberlagen können ibn nur festigen. Rechts ober links, bie Pa­role wird immer klarer, und was dazwischen laue und trübe Geschäfte machen will, wird ausgeschaltet ober al» bas erkannt, was es ist: Helfer ber Linken!

Was in diesen Tagen in Preußen vorging schlägt eben dem Parlamentarismus geradezu ins Gesicht. Das war die fünfte Wahl seit der Erneuerung des Parlaments im Dezember; aber auch wenn si« ernster gemeint ist als der Verlegenheitsspaß mit Dr. Hövker-Aschoff, so ist doch wiederum nicht einzusehen, wie dieser Gewählte mit diesem Landtag arbeiten könnte. Herr Braun bat es ja schon einmal vergeblich versucht und vom Hause einen Korb erhalten. Dann wurde zweimal Herr Marx gewählt, bet es zunächst auf bem Wege ber Weimarer Koalition ohne Erfolg, hier­auf aber in mehr überparteilicher Weise versuchte unb damit auch zum Ziel gekommen wäre, wenn er sich nicht gleichzeitig als Kandidat für bie Reichsoräsibentschaft hätte aufstellen lasten. Diese Versuche waten Schritt« bes Entgegenkommens gegenüber der Opposition zur Rechten: dementtprechend ist die Neuwahl Brauns ein« um so schärfere Kriegserklärung nach rechts hinüber, zu der fick das Zentrum jetzt entschlosten bat, um damit tie < Unterstützung ber Sozialdemokratie für bie Kandibatur Marr bet bet Reichsvrästdentenwabl zu erlaufen. ' llle preußischen Wähler müsten sich dieses Zusammenhanges vollkommen klar bewußt werden und daraus ihre Fol­gerungen sieben.

Jedenfalls kann das deutsche Volk schon beute sehen, was für es bei der Präsidentenwahl auf dem Spiel steht. Hoffentlich wird die Weimarer Verfastung auch In dem Punkte revidiert, datz für die Reichspräfidentenwahl die zwei Wahlgänge aufgehoben werden, sie geben nur der elenden und verabscheuenswerten Kuhbandelsvolitlk der Parteien ®c. .-genbeit. fick zu betätigen. Aus dem ersten Wablgang der Retchsvräfibenfenwabl lasten sich Schluste, wie wir bereits sagten, gar nicht sieben, auch das Aus­land tappt tm Dunkeln, während die einen einen Sieg bet Rechten hetauslesen, errechnen bie anbeten einen Sieg bet Linken, bet ihnen natürlich erwünscht kommt. Schon heute sehen ftanzösische Zeitungen bas Kabinett Luther wanken unb ben für Frankreich höchst erfreuliche^ Herrn Mar; an ber Spitze bes Reiches. Unsere demokratische Preste aber sieht auch schon in Preutzen einen schwarz-rot- goldenen Sieg, alles auf Grund von Rechenkunststückchen, die sich vielleicht beim Schlnhkampf als Niete heraus- teilen. Datz in Preutzen nunmehr Neuwahlen bald be» vorsteben .dürfte klar sein. Die Rechte bat sie nicht su fürchten. Die BarmatHöfleSeilmann unb Genosten haben ihr gut oorgeorbeltet, aber nicht nur das: bas Volk will Ätarbeit.

Die Kandidatenfrage zur Reichspräfidentenwabl ist endgiltig immer noch nicht entschieden. Bisher kennt man nur benSammelfanbibaten bes Äubbanbels bet Linken Marx. Es erübrigt sich besbalb zurzeit mehr zu agen, als daß es uns wenigstens sehr schwer fällt zu glauben, daß Herr Marx von Sozialisten und Demo­kraten ganz widerspruchslos gewählt wird. Das Volk ist doch keine Hammelherbe!

In der Außenpolitik ist eine gewisse Ruhe eingetreten. Die erste Aufregung tn Frankreich und Polen über die deutschen Cicherungsvorschläge hat sich gelegt, die Ver­handlungen zwischen Paris und London sind eifrig fort­gesetzt worben, und es werden jetzt bie Antworten an Deutschlanb ausgearbeitet. Ein Teil der ausländischen Preste mußte immer wieder von neuen Berliner Ergän- zungsvorschlägen zu erzählen, aber die Reichsregieruua bat das rundweg abgestritten. Nur die üblichen diplo­matischen Besprechungen hätten stattgefunden. Das v: schon deshalb sehr glaubhaft, weil die Bedenken gegen den Sicherbeitsvatt mir Garantie ber Grenzen im Westen sich allmählich iuuerbalb der deutschen Parteien eher ver» '