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] Ein Tag nach dem anderen vergeht, ohne >atz die Eammeikandidaten für den zweiten Gang >er Reichspräsidentenwahl nominiert werden. Finn kann nicht betupfen, daß dieses Zögern ergebend wirkt. Der Reichsblock hat feine Ent- cheidnng vertagt, aber auch die Parteien der Linien schieben die endgültigen Beschlüsse immer weiter hinaus. Die eine Gruppe wartet auf die andere, lind jede sagt höflich: „Bitte, nach Ihnen!" Auch diese Erfahrung scheint wieder zu bestätigen, daß die zwei Wablgänge ein überflüssiger und etwas unwürdiger Luxus sind. Es genügt wirklich, wenn das Volk einmal dieses Raten und Suchen, ranbehi und Markten über sich ergehen läßt! Der Rcichsblock hat keinen Anlaß, den Gegnern Heu Vorwurf zu erleichtern, daß er ein Zusammengehen aller vurKrsichen Parteien im zweiten LZahlgan'1 verhinL «t habe. Deshalb wartet er »--nächst tre Stellungnahme der Parteien ab. Das Zentrum tat derp-Lulten Schritt — aber nur halb. B)er ParteivorMW^Dot den Parteien die Sammel- fcanbibatur Marr als „Verha udlungsgrundlage" an. Ein boshafter Beurteiler könnte es so aus» legen,, daß sie die Frage enthielte: „Wer fordert eon uns am wenigsten und bietet uns am meisten?
Die Sozialdemokraten haben jedenfalls schon mit brutaler Offenheit ihre Forderung angemeldet: Preußen! Richt nur die Ministerpräsidentschast Otto Brauns, sondern darüber hinaus die Beherrschung der preußischen Regierung nach dem Klahsiab ihrer Stärke. Die Landtagsfraktion des Zentrums hat sich noch mehr an dieser Forderung qcstoßen als an der Ministerpräsidentschast Brauns. Der Aprilscherz mit dem „Ministerpräsi- benten“ Höpker-Aschoff kann noch ein paar Tage dauern. Denn auch die Sozialdemokraten ver- Nehen sich darauf, immer eine Instanz vor die Ludere zu schieben und ihr Ja zu der Präsident- schaftskandidatur Marx hinauszuzögern, bis der ..Sicherheitspakt" abgeschlossen ist. Der Parteivorstand hat sich „im Prinzip" für die Ausstellung einer republikanischen Sammelkandidatur ausgesprochen und beschlossen, mit den anderen Parteien darüber zu beraten. Aber es handelt sich hier nicht um das Prinzip, sondern um die.h a r- Te n Bedingungen.
Tas Zentrum ist dadurch Tn eine so peinliche Zwickmühle geraten, daß es Herrn Marx auf. stellen zu müssen glaubte. Denn gegenüber einer solchen Sammelkandidatur können die Sozial- dernokraten nicht nur mit einem Schein des Rechts sondern tatsächlich mit Recht sagen, daß sie ihre Wähler nur bann für sie an die Wahlurne bnn« een, wenn ihnen eine eklatante Gegenleistung ge- chiährt wird. Für eine Kandidatur Wirth zum Beispiel wäre solche Gegenforderung nicht bered), tipt gewesen — aber Herr Marx kann wohl wirk. Tidh nur durch Herrn Braun ausgewogen werden. .Hub mm fteyt das Zentrum vor der schweren Frage, ob cs sich diese Konzession leisten kann. Selbst wenn es den Sozialdemokraten noch einige Ministerposten im preußischen Kabinett abhandelt und diese sich wieder mit zwei ober drei Ministern außer dem Präsidenten Braun „begnügen", so > würde doch im ganzen Reich der Eindruck unverwischbar sein, daß da» Zentrum von neuem «hne Lot Preußen den Sozialdemokraten ausgeüefert habe. Denn die werden auf das Innenmirnste. 5ium als der Quelle der politischen Macht in Dreußen natürlich unter allen Umständen be. «ehen. Das wäre die ungeschminkte Kampfansage gegen rechts, und ein Wahlkampf in Preu- Aen, der bann unvermeidlich fein dürfte, würde Iller *Borau5p*t nach dem Zentrum und den gbemohraten- sehr bittere Lehren erteilen. Diese Leiden Parteien stimmen denn auch in den Ruf »er Sozialdemokraten nach Landtagsauflösung ^keineswegs ein, sondern wollen zum mindesten die -Katastrophe noch eine Weile hina.'.sschieben. Aber .wie soll das geschehen? Ein Königreich für eine rettende Idee!
'. Berlin, 1. April. Der sozialdemokra- stifche Parteivorstanb, der heute vormittag zu i Beratungen zusammengetreten war, hat sich, wie die '.Voss. Ztg." wissen will, ein Prinzip für die Aufstellung einer republikanischen Sammelkan- bidatur für den zweiten Wahlganz ausgesprochen und hat gleichzeitig beschlossen, mit den anderen Parteien der Weimarer Koalition über diese vammel- kanbidatur in Verhandlungen eiiQutreten. Da» Blatt i hält es nach diesem Beschluß für sicher, daß sich die drei republikanischen Parteien auf M a r f als Gammel» kandidalen einigen werden.
Bitte, nach Ment
[—1 Die preußische Regierungskrise wirb zu einer ^Posse herabgewürdigt. ist wohl noch nicht dage» [ wesen, daß man einen Ministerpräsidenten ohne jede i ernste Absicht wählt. Die Festsetzung der Minister- Präsidentenwahl auf Dienstag, 5 116t, war ja in der
! Annahme erfolgt, daß die Einigung auf die Kcmdida- . tut Braun glatt zustande kommen werde. Aber da i machte die Zentrumsfraktion, deren Vertreter in der Vorbesprechung keine Bedenken gegen Braun geäußert hatten, einen Strich durch die Rechnung. Sie scheute den Bvrwurf des »Kuhhandels" Marx-Braun.
Aber die Sozialdemokratie besteht aus diesem Handelt Der .Vorwärts" ist recht unwirsch über die Ortungen und Wirrungen deS DienStagS. verlangt die Gleichberechtigung für die Sozialdemokratie, eine .Kampfgemeinschaft gegen rechts" und al» ihr Wahrzeichen die Ministerpräsidentenschaft Otto Braun in
Preußen. Mit dieser robusten Aussprache besten. was ist, wird der „Vorwärts" dem Zentrum neue und schwere Verlegenheiten bereiten. Denn diese Partei will ja gerade ihren Abmarsch nach link» verschleiern und muh mit Sicherheit darauf rechnen, ihren rechten Flügel und jede Verbindung mit der Bayerischen Volkspartei sauf die sie großen Wert legt), zu verlieren, wenn sie eine offene .Kampfgemeinschaft" gegen rechts" abschließt. Hier ist der Punkt, wo au» der Komödie die Tragödie wird. Seit dem vorigen Mai. al» sich im Reichstag zum ersten Mal die Möglichkeit einer Koalition mit der Rechten zeigte, ist eS das heiße Bemühen des Herrn Mar» gewesen, bas Zentrum vor einer klaren Entscheidung für recht» oder link» zu bewahren. Rur deswegen mußte der Reichstag wieder aufgelöst, nur deswegen die preußische Regierungskrise so ungeheuerlich verschleppt werden. Jetzt aber erheben die Sozialdemokraten endlich doch drohend die Faust und fordern: wenn wir Mar» zum Reichspräsidenten wählen sollen, dann müßt ihr da» Steuer klar nach link» werfen und unS wieder in Preußen zur alten Macht verhelfen. Die Verlegenheit be» Zentrums ist riesengroß. Die .Germania" beeilt sich, zu versichern. daß die Nominierung de» Herrn Mar« für den zweiten Wahlgang noch nicht endgültig gewesen sei. sondern beim ReichSparteiauSschuß liege, der erst in den nächsten Tagen zusammentreten werde. Die Der- .öffentlichung de» Vorschlages des Parteivorstande» sei nur erfolgt, um dem Reichsblock jede Hoffnung auf ein Zusammengehen mit dem Zentrum zu nehmen. Das Volk aber sieht jetzt klar, daß in Berlin von dielen Parteien der .Verfassungstreue" nur ein Spiel mit seinen politischen Interessen geführt wird.
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Uns tat Parlamenten
Während in den Fraktion»; immern die größten politischen Fragen mit heißen Köpfen umstritten werden, geht eS in den Plenarsitzung»sälen sowohl de» preußischen Landtag» wie auch de» Reichstag« ruhig her. Allerlei Heinere Vorlagen werden In Preußen erledigt, da» ja keine Regierung hat, und im Reich stecken die großen Aufgaben der Steuerreform und der Aufwertung noch tief in den Ausschüssen. Da» Relch»tag»plenum hatte ent Mittwoch allerdings auch eine Frage von größerer allgemeiner Bedeutung zu beraten: die Vorlage über die Grundschule, wonach besonder» begabte Schüler schon nach drei statt nach vier Jahren in die höhere Schule Übergehen können. Die Osterferien stehen vor der Tür, aber die Linke hat sich von ihrem prinzipiellen Neidstandpunkt au» bi»het der Berab- schiedung der Vorlage widersetzt und sie mehrfach vereitelt, obwohl eine Mehrheit dafür vorhanden war. — J:n handelspolitischen Ausschuß ist am Mittwoch der deutsch-spanische Handelsvertrag von einer Mehrheit abgelehnt worden, die sich au» den deutsch- nationalen und au» den agrarischen Vertretern der anderen bürgerlichen Parteien zusammensetzte. Die Sozialdemokraten enthielten sich au» Bosheit der Stimme. In einer Entschließung werden neue Der- handlungen mit Spanien gefordert. Der AuSgang ist für die Regierung peinlich, wem» auch nicht politisch erschütternd.
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Deutscher Reich»tag.
Auf der Tagesordnung steht zunächst 6$t erste Beratung des Gesetzentwürfe» über Aenberungen in bet Unfallversicherung, Staatssekretär G eib leitet bie Verhandlungen ein. GS handele sich in der Hauptsache um einen Ausbau bet Leistungen. Besonder» die Sachleistungen werden in den Vordergrund gestellt, bet Unfallschutz wird verstärkt, bie Fürsorge ausgedehnt, die Wiederverwendung der Verletzten in bie Wege geleitet, auch vorbeugende Maßnahmen werden getroffen. Der Entwurf beseitigt da» Zulagewesen und stellt die alten Renten auf Reichsmark um. Der Entwurf zieht es auch vor, die Aufhebung der Unfallversicherung abzulehnen und Überweist e» einem kommenden besonderen Entwurf, der dem Reichstag bald zugehen soll, bie'e Frage zur Entscheidung zu bringen. Die Vorarbeiten sind bn Gange unb werden dem Reichstag so bald wie möglich vorgelegt werden.
2lbg. Janschekei (Soz.) will den Arbeitern den vollen Schaden ersetzen. Der Entwurf biete zwar einige Verbesserungen, diese sollen aber erkauft werden dadurch, baß die ttnfallschäden bis 20 Prozent überhaupt nicht entschädigt werden sollen. Die älnfall- sürsorge müsse zu einem festen Bestandteil der Llnfall- versicherung gemacht werden. Durch den vorliegenden Gesetzentwurf spare bie Wirtschaft jährlich 21 Millionen.
Abg. Andre (Z.) bedauert bie wenig zustimmende Haltung seine» Vorredners. Durch bie öffentlich rechtliche Unfallversicherung sei hoch ein erheblicher Fortschritt erzielt worden. Der Redner wünscht bie Einbeziehung bet sogenannten versicherungsfreien Berufe in bie Unfallversicherung. Der Hauptfortschritt beS Entwürfe» fei bie Aufnahme bet Berufsfürsorge in da» Gesetz. Die kleinen Denken mühten in ihrem Umfange wtederhergestellt werden. Im allgemeinen fei bie Vorlage eine gute Grundlage für bie Verhandlungen.
Abg. Dr. Moldenhauer (D.Dpt.) bezeichnet den Entwurf al» ein Zeichen deS ernsten Stre- b e u • des Reichsarbeitsministeriums, den schwierigen Verhältnissen der Wittschast Rechnung zu tragen, um in der Unfallversicherung bie aus der Inflationszeit herrührenden Mängel zu beseitigen. ES werde vor allem auf bie Einheitlichkeit be» Heilverfahrens Wert gelegt.
Abg. Rädel (Komm.) lehnt bie Vorlage al» völlig unzureichenb ab.
Abg. Ziegler (Dem.) begrüßt besonder» bie neuen Vorschriften zur Unfallverhütung. Das
Dortmunder Grubenunglück habe gezeigt, baß all bie schönen Änfallderhütungsvorfchriften unter Umständen nicht genügen. Der Weglall der sogenannten Reinen Rente sei nicht tragbar, sie müsse vielmehr aufgewertet werden. Dedenlllch sei auch bie Differenzierung bes IahreSarbeitsverbienstes.
Die Vorlage geht an ben sozialpolitischen Ausschuß.
In allen brei Lesungen angenommen wirb ein von den Abg. Dr. Decker- Hessen (D. Dpt.) und Dr. Le» june lDntl.) eingebrachter Gesetzentwurf, wonach bie Vorschriften be» Kapitalfluchtgesetzes unb bes Weinsteuergefetze» bis zur Regelung im Wege bet ordentlichen Gesetzgebung spätesten» bis zum 30. 6. 1925 in Kraft bleiben.
Die Anträge aller Patteien, bie bie Steuerung der Rot der stellenlosen Junglehrer und Iunglehrerinnen betreffen, werden ohne Aussprache dem DilbungsauSschuß überwiesen.
In -weiter unb dritter Beratung angenommen wird baS Handelsabkommen mit Guatemala.
Der Gesetzentwurf zur Aenderung be» Gesetzes über bie Erstattung von RechtSanwaltsge» bühren in Armensachen wird zur nochmaligen Beratung an den Rechtsausschuß zurückverwiesen.
GS folgt die zweite Beratung be» Gesetzentwurfes betreffenb ben Lehrga ng ber Grundschule. Das HauS wiederholt zunächst die Abstimmung über ben fozialdemkoratischen Antrag auf Zurückverweisung an den Ausschuß, weil sie bekanntlich in der letzten Sitzung wegen Beschluhunfähigkeit nicht vorgenommen werden konnte. Der Qlntrag wird abgelehnt. Darauf werden die Verhandlungen abgebrochen.
Mittwoch 2 Uhr: G r undsch ul g e s e h, Licht- spielgesetz, kleine Vorlagen.
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4 4. Sitzung vom Mittwoch, den 1.- April. Am Regierungstisch Reichswehrminister Geßler. Präsident Löbe eröffnet um 2.20 Uhr die Sitzung mit folgender Ansprache: Die erschütternde Nachricht von dem furchtbaren Unglücksfall, der so viele Angehörige der Reichswehr betroffen hat, bat sich leider bestätigt, lieber 70 Personen sind bei Ausübung ihrer llebungsaufgaben mit Ihrem Offizier in den Fluten der Weser ertrunken. und H besteht wenig Hoffnung, daß von den 78 Vermißten noch jemand gerettet werden könnte. Mit der Reichswehr trauert die deutsche Volksvertretung um die dielen noch so jungen Ovfer ihre» SoldatenberufS und spricht den Angehörigen den Kameraden und bet Heeresleitung ihre tiefe Teilnahme au» (Da» Hau» hat sich von den Plätzen erhoben).
Reichswehrminister Setz le t dankt dem Präsidenten für den Ausdruck der Teilnahme und ebenso dem Reichstag, der sich dieser Teilnahme angeschlossen habe. Verstärtt werde die Trauer noch durch einen neuen Unfall, der sich gestern bei der ReichSmarine ereignet bade, wobei zwei Heizer und zwei Arbeiter ihr Leben einbüßten und ebensoviel Personen verwundet wurden. Der Minister stellt über die beiden Unfälle baldige amtliche Berichte in Aussicht.
Präsident Löbe dankt dem Hause für die Trauerkundgebung.
Aus der Tagesordnung steht dann der Bericht des GeschäftSordnungSauSschusse» über die Anträge deS Landgericht» Magdeburg aus Erteilung der Genehmigung znt Betuehmung mehrerer Reichstagsabgeordneter tot Rothardtprozetz.
Die Genehmigung zur Vernehmung mehrerer Reichstagsabgeordneter wird nicht erteilt.
Darauf wird die zweite Lesung de» Sesetzent- Lwurse» betreffend den Lehrgang der Grund- schule fortgesetzt.
Abg. Seiffert (Wirtschp.) hält e« für erforderlich, daß die besseren begabten Schüler d'e Schule in einem kürzeren Zeitraum durchlaufen.
Abg. F l e i tz n e r (Soz.) sieht in dem vorliegenden Gesetzentwurf eine Durchbrechung der Grundschule. Man zerstöre damit die Einheitsschule und schaffe wieder Klassenvorrechte.
Ministerialrat Dr. Kostner vom preußischen Kultusministerium befürwortet eine Einigung in der Grundschulfrage. Man sollte weitere Beunruhigung von der Grundschule fernbalten, damit ihre fernere Entwicklung gesichert werde. E» sei auf die Dauer unerträglich, wenn die Grundschule alljährlich beunruhigt werde. Tie Grundschule sei auf vier Jahre festgelegt und müsse auch so bleiben. Der UnterrichtSausschutz des preußischen Landtag- habe alle Anträge auf Schaffung von Besondersbe- gabtenllassen und auf Zulassung zu den höheren und mittleren Schulen nach dreijähriger Grundschule abgelehnt (Hört, hört! links). Besondere Einrichtungen zugunsttn begabter Schüler seien int allgemeinen nicht nötig. Der Redner erhebt Bedenken gegen die von den Regierungsparteien beabsichtigte Regelung der Grundschule.
Der sozialdemokratische Antrag, der jede Verkürzung der Dauer de» Lehrganges bet Grundschule von mindesten» vier Jahresklassen für unstatthaft erklärt, wird abgelehnt. Ebenso der Antrag auf Einführung von sech» Iahresklassen.
Der grundlegende Paragraph 1 de» Grundschulgesetze» wird darauf in folgender Fassung angenommen: Der Lehrgang der Grundschule umfaßt vier Iahresklassen (Stufen). Im Einzelfalle können besonder» leistungsfähige Schüler nach Anhören des Grundschullehrer» unter Genehmigung der Schulaufsichtsbehörde schon nach dreijähriger Grund- schulpflichtzeit zur Aufnahme In eine mittlere oder höhere Schule zugelassen werden.
E» folgt die Beratung de» Gesetzentwürfe» wegen der Vereinbarung über die Erteilung von Rheinschiffahrt»patenten.
Abg. Dr. M o st (D. vp.) äußert Bedenken gegen die Vereinbarung, well bin örfordernisie an die
Rheinschiffahrt trotz der Schwierigkeit der Rhein« schiffahrt stark herabgesetzt werden. Dadurch werd« die Verkehr«sicherheit auf dem Rhein gefährdet. E« sei bedauerlich, daß diese Bestimmungen durch« geführt werden müßten auf ben Wunsch Frankreich«. Die deutsche Regierung habe sich jahrelang g« sträubt .diese Vereinbarung zu unterzeichnen.
Die Vorlage wurde in zweiter und dritter LesunG angenommen.
Da» Hau» vertagt sich auf Donnerstag 1 Uh« Grundschulgesetz und Mm nestle vor lag«.
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An» »en Ausschüssen.
Berlin, 1. April. Im HauShaltSauSschuß de» Reichstage» führte Minister Gtingl in feinem Bericht über die Anlage der Postgelder u. a. an», daß da» Postfinanzgesetz sich im allgemeinen bewährt habe. Die Gebühren der Post seien, an der Kaufkraft be» Gelbe» gemessen, unter den Frieden»« sätzen. Die Fernsprechgebühren seien zweimal er« mäßigt worden. Eine weitere Ermäßigung im Ort»« verkehr würde den Ausfall von 141 Millionen be« deuten, den die Post nicht tragen könne. Der TOU nister warnte dringend davor, die Post beim Kraftwagenverkehr auf unrentable Linien zu beschränken« Eine frühere Zustellung der ersten Post sei »fln« schenSwert. Die Sonntag«besteHung sei auf die Dauer nicht aufrecht zu halten. Die finanziellen Ersparnisse würden bei der Abschaffung der Sonn« tagsbestellung recht erheblich sein. Trotzdem fet mit einer solchen Abschaffung zurzeit nicht zu rech« nen. Der Minister ging dann ans Beamtenfrage« ein.
Berlin, 1. April. Der deutsch-spanisch» Handelsvertrag ist im Reichstag»au»fchutz mit 17 gegen 5 Stimmen bei 6 Stimmenthaltungen abgelehnt worden. Angenommen wurde eine Env schlietzung auf Einleitung neuer Verhandlungen. Gegen den Vertrag stimmten die Deutschnationalen, Kommunisten, die Bayrische Volkspartei und dl» Wirtschaftliche Vereinigung, während die übrig» Parteien nicht einheitlich stimmten. Für den Oe» trog stimmten zwei Vertreter des Zentrum» und dlt Demokraten.
Preußischer Landtag.
80. Sitzung vom 1. Avril 1925.
Präsident Bartel« eröffnet die Sitzung um 12116t 20 Min. unb gedenkt, während sich die Mitglieder be^ Hauses von den Plätzen erheben, des Unglück« bei der Re ichsweür. Er werde dem Reichsweb» Minister lind den Angehörigen da» Beileid des $>au(«t übermitteln.
Der Landtag genehmigt sodann ohne Aussprache den Ausschutzantrag, 20 Millionen zur Förde rüg des Wob- nungsbaue« für kinderreiche Familien tut Verfügung su stellen sowie den kommunistischen Antrag aus Beseitigung der llebelstände in der Strafanstalt (Festung) Gollnow in Pommern.
Das Saus tritt hierauf in die zweite Beratung bei Novelle, bie eine höhere Besteuerung des Wan< berlagergewerbes vorsteht. Die Vorlage wirl angenommen.
Die Vorlage wegen Bereitstellung weiterer Geldmittel für die Regelung der Hochwasser», Steig- unb Vorslutbehältniste an der obere nunb mittleren Ober hat ber Ausschuß mit der Aenderung zur Annahme empfohlen, bah statt 8,2 Millionen 8,7 Millionen bewilligt werben sollen. Rach kurzer Debatte wirb der Ausschußvorschlag in zweiter und anschließend auch i« dritter Lesung einstimmig angenommen.
Hieraus nimmt das Haus die namentliche Abstirn- mung über den sozialdemokratische Antrag betreffend den Abbau von Wahlheamten vor. Die Abstimmung ergibt diesmal die Annahme mit 212 gegen 41 Stimmen. Die Parteien bet Rechten haben sich an ber Abstimmung nicht beteiligt. Die übrigen Anträge bes Ausschußes hetreffenb die Einstellung des Perlonal- abbaues in Preußen, Aufhebung ber Besolbungssoerrs usw. gelangen ebenfalls zur Annahme.
Das Haus tritt hierauf ein in bie zweite Beratung bet Novelle zum Lchutzvollzeibeamtengesetz. Die Novelle bringt eine Reibe Aenberungen, bie sich nötig machen, um bie bestehenden gesetzlichen Bestim- mungen dem Reichsrahmengesetz anzuvassen. Am Ausschuß war man allgemein ber Ansicht, daß bas grund- legende Gesetz selbst burch ein ‘ neues Gesetz geändert werden mülle, da die bestehenden Bestimmungen all» große Mängel aufweisen.
Nach kurzer Debatte wird bie Beratung abgebrochen. Nächste Sitzung Donnerstag 12 Uhr: Gemeinsame Beratung der vom Staatsministerium mit Gesetzeskraft et- laisenen Verordnungen betreffend die Verlängerung bei Wahlbauer der Provinz i.al-Land- unb Kreis tage, betreffend die Verlsingerun gber Gültigkeit« bauer bes vorläufigen Grundvermögens st euer gesetze«, bett, die Neuregelung bet Gewerbe (teuer.
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Die Sozialdemokraten für eine republikanische Sammelkandidatur.
Berlin, 1. April. Der gestern zum preußischen Ministerpräsidenten gewählte Dr. H o e f e r - Aschoff hat, den Blättern zufolge, bisher noch keine Erklärung darüber abgegeben, ob er die Wahl anntmmt, oder nicht. In demokratischen Kreisen herrscht die Ansicht vor. daß er die Wahl ablehnen und daß eine neue Minis^erpräsibentenwahl noch in dieser Woche erfolgen werde. Die Wahl werde bann ohne Zweifel auf Otto "Staun fallen.
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Sicherheit und Abrüstung.
Da» diplomattsche Ballspiel geht weiter. Jede« Staatsmann jongliert mit bunten Kugeln, die in den verschiedenartigsten Farben glitzern, je nachdem man sie von der einen ober anderen Seite betrachtet. So viel scheint festzustehen, daß England auf einen Schwebezustand In den östlichen Arenzfragen großen
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Marburg a. L, SvamrStag, bro L AM
60. Mrs. 1923