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Anzeiger für (das Mer kurhMW SberheW - AmMes BerkündlgungMaN des Krelles Marbnrg

Der NegierWgskurS in Eowjetrußlanö

Die dtutsch-frauzörische« WirtschastSverhaubkuuge«.

Paris, 30. März. Heute fand im Handels- Ministerium eine Vollsitzung der beiden Delegationen statt, bei der vereinbarungsgemäß die Listen der gegen­seitigen Zugeständnisse überreicht wurden. Die deutsche Delegation hat zwei Listen überreicht: Eine Liste 2l, in der die Ausnahmen von der Meis begünstigung für di« Dauer deS Provisoriums au geführt sind, und eine Liste B, die die Zollbedingungen und Zollherabsetzungen enthält. Französischer­sei tS wurden drei Listen überreicht, deren Auf­stellung zwischen den Delegationen im Februar verein­bart worden war und zwar eine Liste A mit den Waren, für die Deutschland den Minimaltarif erhält, eine Liste D, die die Waren enthält, für die Deutsch­land den Mintmaltarif erst bekommt, wenn die Kammer einen entsprechenden Gesetzentwurf angenommen hat und biS dahin «inen «ntsprechenden Zwischentarif Vor­sicht, und schltehlich «in« Liste 6. aus der die Waren

ff. Berlin, 31. Dez. Der „Vorwärts" be­tont heute nochmals, daß er es ebenso wie die „Germania" für unbedingt notwendig hält, für den zweiten wahlgang eine Einheitskandidatur aller aufrichtigen Republikaner aufzustellen. Laut „Ger­mania" tritt der ReichSparteivorstand der deutschen Zentrumspartei heute Vormittag 12 Uhr zu einer Sitzung mit der Tagesordnung Reichspräsidenteil- wahl zusammen. Zwei Stunden früher wird sich der ReichSauSschuß des Reichsblockes versammeln, um sich mit der Frage der Kandidatenaufstellung für den »w«iten Wahlgang zu beschäftige».

Die L«erifche Bolkroartei fü» eine bLraerliche Sammelkandioatur.

fk. M st n ch e n, 31. März. In ibrem Kommentar »u dem AussaÄ des ersten Wahlgangs der Reichsorafi- dentenwahl schreibt die Bayerisch« Volksoariei-Korre- svondenr n. ».: Er eibt nur eine Lösung, und diese heiße bürserliche Sammelkandidatur. Man muffe dort aniangen, wo man ausgehört habe, als die beinahe geitmgene Einigung sämtlicher bürgerlichen bürgerlichen Kräfte an der Taktik der unentwegten Zarresleut« scheiterte. Es werd« schwer sein, das Zen­trum »u einer gemeinsamen Schlachtsront zu bringen, doch werde sich die Bayerische Dolksvartei vorbeoaltlos in den Dienst der Einigungsidee stellen. Es liege im Wesen dieser Idee, daß die Sache über die Person gestellt werden müsse. m ,

ff. Bamberg, 30. März. I» einer Wahlversamm­lung der Bayerischen Volkspartei teilte der Vorsitzende der Reichstaasiraktion der Bayerischen Volksvartei Domfaviiular Dr. Leicht mit, daß die Partei im zweiten Wahlgang nicht für Jarres stimmen werde, doch werde sie für eine« andere« Sammelkandidaten sofort zu '•«ten sei«.

Reue fnmzMcht NerWügr

Paris, 29. März. Dom Quai d'Orsay wird amt­lich mitgeteilt, daß die beiden Direktoren der Politischen Abteilung, L a r a ch e und D e r g e r y , mit Dorbe­reitungen für die Antwortnote beschäftigt sind, die den Abschluß eines Dündnisses zum Zweck eines gegenseitigen Garantievertrages zwischen Deutschland, England. Frankreich und "Selten im Auge habe. Dieser Note gingen av-sührüche Besprechungen zwischen dem französi­schen Botschafter in Berlin, 6e Margerie, und dem Außenminister Dr. Stresemann voran. Die Antwortnote wird vor ihrer Absendung an Deutschland den übrigen alliierten Regierungen, und zwar England. Belgien und Italien, vorgelegt. Die Verhandlungen zwischen bett Alliierten gehen '.munter* b.ochen weiter. Rom und Brüssel haben ihre An­sichten bereits bekanntgegeben. Die deutschen Vorschläge sollen nicht a priori zurück- gewiesen, sondern vor Beginn einer Di s­kussion genau präzisiert werden. 3n die­sem Sinne wird auch die Antwort an die Reichsre­gierung gehalten werden. Sie wird Deutschland er­suchen. genauere Feststellungen und Aufilärungen zu finden, da man es bisher nur mit Anregungen von deutscher Seite zu tun habe. Die Antwortnote wird in kürzester Frist fertig fein.

Eine neue Hetzr^e Poincarvs.

Paris, 29. März. Poi ncore hielt in seiner Vaterstadt Bar le Duc anläßlich der Enthüllung eines Kriegerdenkmals eine scharfe Rede gegen den ge­planten Abschluß eines Garantieabkom- mens unter Teilnahme Deutschlands. *®r erflärte u. a.: in dem Moment, wo die interalliierte Militär» kontrollkommissivn feststellt, daß Deutschland seinen Ab- rüstungsverpflichtungen nicht nachkomme, unternehme das Deutsche Reich einen Feldzug gegen den Versailler Vertrag. Das Schlagwort der deutschen Parteien tst die Rückforderung der der an Polen angeschlossenen und von Polen bewohnten Gebiete. Wenn Frankreich und seine Verbündeten diesen Forderungen nachgäben, wenn sie den wachsenden deutschen Appetit mit teil­weisen Zugeständnissen zst sättigen glauben, so tragen sie nur zur Wiederherstellung Groh- Deutschlands bei, von dem Stresemann kürzlich Stresemann gesprochen hat. Ein Faustschlag gegen Polen wäre ein Vorspiel zum Faust­schlag gegen Frankreich. Ein neuer (Garantie- vertrag mit Deutschland sei sinnlos. Die neue Unter­zeichnung könnte den alten Vertrag nur schwächen. Dieses Beginnen würde zu einer neuen Teilung Polens führen. Frankreich sei nicht bereit, seine Streitkräfte zu vermindern, auch nicht für deutsche Scheingarantien. Alle innerpolittschen Streitigkeiten seien aufzugeben für eine einheitliche und zielsichere Außenpolitik.

mtb. Auf dem soeben abgeschlossenen Parteitag der Russischen Kommunistischen Partei \in Moskau machte der derzeitige Leiter der Dowjetpolitik, Stalm, Erklärungen, die für den gegenwärtigen politischen Kur» SowjetruhlandS außerordentlich kennzeichnend sind. Stalin verurteilte aufs entschiedenste jene Mit­glieder der Regierungspartei, die von einem „Po­litischen Rep" schwärmen (Rep ist bekanntlich di« Ab­kürzung für die von Lenin vor 2 Jahren eingeführte, nach seinem Tode aber wieder liquidierte „Reue Oeko« nomische Politik", die dem privatwirtschaftlichen Prinzip eine gewisse Handlungsfreiheit eintäumte, mit .po­litischem Rep" meint Stalin also die polittsche Analogie dazu, d. h. Konzessionen an das demokratische Prinzip (d. Red.). Stalin lehnt derartige Konzessionen glatt­weg ab. Die Vorherrschaft der Kommunistischen Partei dürfe nicht angetastet werden und die Frage sei nur. mit wessen Hilfe diese Herrschaft aufrecht erhalten werden könne. In diesem Zusammenhänge macht Stalin Aeuherungen. die namentlich durch ihre nüch­terne Resignation bemerkenswert sind. .Die direkt« Hilfe, deren wir ejtzt bedürfen, kann uns das Pro­letariat der anderen Länder nicht leisten", erklärte er, ebenso täuschte die Hoffnung auf die Aufstände in oet Kolonien (der europäischen Länder), die aber in Wahr­heit .nur äußerst langsam in Bewegung kommen i gescheitert ist auch die Hoffnung auf einen Konflikt zwischen den kapitalistischen Staaten: ganz im Gegen­teil: die Spannung nimmt ab und eS bestehe kein An­laß, „von heute auf morgen einen bewaffneten Zu­sammenstoß zwischen den Kapitalisten", der für di« Stärkung der Sowjetmacht so sehr nötig wäre, zu erwarten. Aus alledem ergab sich die Notwendigkeit, eine Stütze beim russischen Bauerntum zu suchen. . ...

.Mele Genossen", fuhr Stalin fort, „begreifen nicht di« "Wichtigkeit dieser Frage und sagen: unsere Führ« in Moskau haben es sich zur Mode gemacht, vom Bauerntum zu reden, allein dies sei noch nicht ernst zu nehmen, es sei nur eine Diplomatie, es werde nur geredet, damit es das Ausland hört ._. . SmI glaube, daß in diesem Unverständnis die größte Ge­fahr steckt. Enweder werden die Genossen den ganzen Ernst der Lage begreifen und daraus die nötigen Schlüsse ziehen — oder die Genossen werden es nicht begreifen — dann droht uns ein Zusammenbruch d« Sowjetmacht. Wögen die Genossen garnicht denken, daß ich jemand nur erschrecken will. Die Lage tw die: entweder werden wir als Partei uns von partei­losen Arbeitern und Bauern kritisieren lasfen — ob« die Arttik wirb sich in Aufständen Lust machen. War denn der Aufstand in Georgien teilte Kritik?

Neuwahlen in Mutzen?

fk. Berli», 31. MSn. 3» der heutige« Sitz««, des Preußische« Landtags, auf deren Tagesordnung die Wahl de» Ministerpräsidenten steht, bemerkt da, „»et. liner Tageblatt", daß nach dem Erfolg der drei rep«. blikanische« Parteien in Preuße« bei dem erste« Wahl- gang der Reichsvräfidenteuwahl weniger denn te ein Stund bafflt vorhanden sei, von der bisherigen Regie, rungskoalition abzugehen und ein Beamtenkabinett zu bilden. Da, Blatt glaubt, daß die sofortige Auflösung des Landtags und die Ausschreibung von Renwablen für den 26. Avril, dem Tage des zweiten Präfident- chaftswahlgange», die Folge des Wahlresnltates fein werde.

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Der Reichstag wird nun in dieser Woche ein paar Sitzungen abbalten und sich dann gleich wieder bis nach der Reichsoräsidentenwabl vertagen. Bei dem rtestgen Beratungsstoff, der ihm vorliegt, ist da, bedauerlich und vielleicht ein Gründ mehr, die Frage zu erwägen, ob nicht ein Wahlgang für die Präsidentenwahl genügen würde. Der Preußische Landtag kann am Dienstag noch keinesfalls den Ministervrästdenten wäh­len, da die Vorberdingung dazu fehlt, nämlich die Eini­gung einer Mehrheit von Parteien. Die Regierungs­krise wird zum mindesten solange dauern, bis man weiß, ob Herr Marr der Sammelkandidat der Linken für die Reichsvräsidentschaft wird Oder wird man stch zur Landtagsauflösung entschließen? Sie ist von den Deutschnationalen beantragt, und die „D. L. Z." fordert sie jetzt auch energisch. Zugleich aber rechnet das „Ber­liner Tageblatt" aus, daß die Weimarer Koalition am Sonntag eine sichere Mehrheit erhalten hätte, wenn die vreußischen Landtagswablen mit der Reichspräsidenten- wabl verbunden worden wären. Alle diese Berechnun­gen haben freilich den Haken, daß sie unberücksichtigt lassen, wieviel Wähler von rechts nicht für Jarres ge­stimmt haben, weil er ihnen noch zu weit links steht. Neuwahlen in Preußen könnten also wieder eine lieber» raschung bringen, doch würden auch wir von ihnen keine wesentlich« Befferung der Lage erwarten.

Die Kölner Zone.

London, 30. März. In Erwiderung auf verschiedene Anfragen im Unterhaus erklärte Austen Chamberlain, daß die Regierung nicht in der Lage sei, ein ungefähres Datum für die Zurückziehung der britischen Truppen aus der Kölner Zone anzugeben. Sobald die Regierung Aufschluß hätte über die Verstöße Deutschlands, derentwegen die Räumung Kölns hinausgeschoben wurde, würde das Parlament davon tn Kenntnis gesetzt werden.

Einigung mit England über die Reparationsabgabe.

Berlin, 28. März. Wie wir erfahren, ist di« Londoner Meldung über ein Abkommen betreffend die 26prozentige Exportabgabe im großen und gan­zen richtig. DaS Abkommen, durch da» die Auf­hebung der Sonderabgabe geregelt wird, hat auch schon die Zustimmung des Transferkomitees gefun- den. ES fehlt nut noch die Billigung der Verein- barung durch die Reparationskommission, die sich am 30. März damit befassen dürfte. _

Das Zustandekommen dieses Abkommens wird in Berliner Kreisen als ein bedeutsames Faktum auf dem Wege der deutsch-englischen Wirtschastsverstan- diaungen gewertet. Die 26prozentige ReparationS- abgabe ist das letzte Hemmnis gewesen, das deut­scherseits der Ratifizierung des vor einigen Monaten zustandegekommenen deutsch-englischen Handelsver­trages bisher entgegenstand. Der Zustimmung de» TranSferkomitee dürfte mau deshalb umso eher ge­wiß sein, als der Reparationsagent selbst die An­regung zu der nunmehr getroffenen Verständigung gegeben hat. Der deutsch-englische Handelsvertrag wird aller Voraussicht nach noch in dieser Tagungs- reriode des Reichstages ratifiziert werden können.

verzeichnet sind, für bi« Deutschland aufgrund des etzt geltenden Minimaltarif- Zollsätze zwischen dem Generaltarif und dem Minimaltarif bekomme« soll.

Der erst« flüchtige Eindruck der ftanzöfifchen Liste, ergibt schon, daß noch große Schwierigkeiten zu über- winden fein werden, bis die Verhandlungen zu eine« beide Teile befitebigenHen Abschluß gelangen.

(frans übet bett Sicherheitspakt. • _

sk.London 31. März. Kriegsminister Evan­sagte gestern in einer Rede in Reading, er wünsche >en Frieden und die Abrüstung auf dem Konti, nent. Es liege in Englands eigenem Interesse. Frankreich ein Gefühl der Sicherheit zu vermtt. ein. Deutschland habe zum ersten Male eine Bereitwilligkeit erklärt, die westlichen Eren, zen anzunehmen und einen Pakt abzuschnehen, in dem es auf jeden Versuch, eine Abänderung dieser Crenzen durch einen Krieg h^rbeizuführen, ver­zichtet. Es scheine, als ob man an der Schwell« einer neuen Entwicklung stehe; es lasse ftd) abet noch nicht sagen, wie sich die Lage entwickeln werde. Rur so viel kann gesagt werden daß gut« Hoffnungen auf wesentliche Fortschritte tn de? Richtung auf den Frieden bestünden.

simastreuen Mitte gesondert vor, im V^'ten Waylgang müssen sie vereint schlagen. Der Rechts Parteikandidatur Jarres muß im zwetten Wahl­tang ein verfassungstreuer Volkskandtdat gegen übergestellt werden.

Die „Vossische Zeitung" fdjreibt: Dte drei republikanischen Parteien, gegen die sichder gemeinsame Ansturm von rechts ncytete, sind mcht geschwächt, sondern gestärkt aus der Schlacht her­vorgegangen. Sie brauchen nur noch ihre ge­trennten Kolonnen zusammenzuschsießen, um oen Erfolg von gestern zu einem überwaltrgenden Siege zu gestalten.

Das „Berl. Tageblatt« errechnet daß. wenn gestern gleichzeitig..sur den p^ußrschen Landtag gewählt worden wäre, die jetzigen Regte- rungsparteien in Preußen, Demokraten, Sozial­demokraten und Zentrum, eine Mehrheit von rund einer Million Stimmen über den Reichs­block, Bayrische Volkspartei, Ludendorff und Kommunisten erlangt hätten.

Der „Vorwärts" spricht sich gleichfalls für eine republikanische Sammelkandidatur aus und erklärt, daß die Sozialdemokratie offenkundig be­reit fei, im entscheidenden Wahlgang dem republi­kanischen Gedanken zum Sieg zu verhelfen. Der Satz- Der Präsidentschaftswahlkampf geht um die Republik! muffe für die Verhandlungen, die der Kandidatenaufstellung zum zweiten Wahlgang vorangehen, die Grundlage sein.

Auslandsstimme«.

Die gesamte PariserAbendpress e unter- sucht eingehend die Bedeutung des Wahlergeb­nisses und seine Tragweite für die innere und auswärtige Politik Deutschlands. Der „T e m p s stellt fest, daß das Resultat im allgemeinen etne Bestätigung der letzten Reichstags- wählen bedeute. Was zunächst auffalle, sei die Tatsache, daß sich alle Parteien der Rechten, mit Ausnahme der kleinen Gruppe der Völkischen, auf den Namen Jarres geeinigt haben. Weiterhin Höften die Wahlen den Beweis erbracht, daß eine Mehrheit für die Verteidigung der revubsikam- schen Verfassung von Weimar im deutschen Volke vorhanden sei. (?) Die Frage sei, wie sich die Verhältnisse bei der zweiten Wahl entwickeln wur­den. Jarres könnte nicht mehr auf großen Stim­menzuwachs rechnen, da die Parteien der Rechten im Gegensatz zu denen der Linksparteien bereits im ersten Wahlgang alle Kräfte eingesetzt hätten. Für die Linksparteien bestehe jedoch die Schwre- rigkeit, sich auf einen gemeinsamen Kandidaten zu einigen. Es sei wahrscheinlich, daß die Sozml- demokraten es ablehnen würden, für Marx zu stimmen, noch weniger wahrscheinlich Jet eine Wahl Hellpachs, da sich die Demokratische Partei im Rückgang befinde und da in diesem Falle zu befürchten wäre, daß zahlreiche sozialtstifche Wäh­ler zu den Kommunisten abschwenken wurden. Andererseits sei es überaus zweifelhaft, ob die vier Millionen Katholiken für einen Sozialdemo­kraten stimmen würden.

Di» Schweizer Presse begleitet die einzel­nen Resultate des gestrigen Wahlganges von ihrer anders gearteten politischen Einstellung aus mit entsprechenden Kommentaren, die dahin ausmin- qen, daß bei dem zweiten Wahlgang eine Al­lianz der republikanischen Parteien zustande kommen möge. Sowohl die „Baller Nachrichten" wie das „Journal de Genäves be­tonen, daß dann der Block der Rechtsparteien ge­schlagen werden würde.

Von der italienischen Presse wird der Ausgang der Wahlen in Deutschland mit Interesse und mit einer teils gefühlsmäßigen, teils poutftck eingestellten Anteilnahme besprochen. Der „Eor- riere della Sera" hat festgestellt, daß ine Wahlen in Deutschland vollkommen unbeeinflußt von der Regierung vor sich gehen würden, ein Zustand, der in den lateinischen Ländern in solcher Freiheit nicht vorhanden wäre.

fiatbtlänge w der Nmsitzentenwatzl

Noch einige Ergebnisse.

Wahlkreis 2 (Berlin).

Braun 442 447, Held 1723, Sellvach 160 714, Jarres 472837, Ludendorff 5385, Marr 63709, Thälmann 1186097, »ersvlittert 299.

Wahlrei» 4 (Potsdam I).

I Braun 289 630. Held 1830, Oellvach 58 938. Jarres »394 970, Ludendorff 5292, Marx 26 194, Tbalma.m 84 287, sonstige 688.

Wahlkreis 5 (Frankfurt «. O.).

Braun 226 582, Held 1901, Sellvach 27 641, Jarres ;437 633, Ludendorff 6644, Marx 51267, Tbalmann 123 277

Wahlkreis 7 (Breslau).

Braun 214 386, Held 813, Sellvach 29 544, Jarres : 245 308, Ludendorff 5342, Marx 170 084, Thälmann ) i3 408

Wahlkreis 20 (Köln-Aachen).

i Braun 142 960, Held 3059, Sellvach 25 659, Jarres ■141797, Ludendorff 5830, Marx 435 476, Thälmann

U 845.

Wahlkreis 22 (Düsseldorf-Ost).

Broun 160 313, Seid 2126, Sellvach 24 569, Jarres 296 495, Ludendorff 7280, Marx 227 044, Thälmann 152 039 (210 301).

Wahlkreis 29 (Leipzig).

Braun 274 232, Held 1699, Sellvach 44 234, Jarres 266 633, Ludendorff 4210, Marx 6410, Thälmann 67 320.

Wahlkreis 35 (Mecklenburg).

Braun 155 076, Held 1522, Sellvach 15 364, Jarres 210 649, Ludendorff 5107, Marx 3589, Tbalmann 14 499, sonstige 886.

Man schreibt uns aus Berlin:

Am spaßhaftesten ist wohl der Jubel der gro­ßen Berliner Demokratenpresse darüber, daß — die anderen republikanischen Parteien gut abge- schnitten haben. Von Herrn Hellpach spricht man nicht mehr. Um so lauter wird der Ruf erhoben: nun Linksblock gegen Iarresblock! Man rechnet auf dem Papier aus, daß die 11,2 Millionen der Weimarer unbedingt über die 10,3 Millionen des Reichsblocks und selbst über die 11,6 Millionen aller „Rechtsparteien" siegen müßten, wenn man einen geeigneten republikanischen Sammelkandi­daten ausstellte. Ja, wenn! Aber da beginnen schon die Schwierigkeiten. Die „Germania", die sich der schwarz-rot-goldenen Parole anschließt, deutet auf Herrn Marx hin. Wird er der Sam­melkandidat der Linken werden? Der „Vorwärts" betont zwar, nachdem er die Sonderkandidatur Braun verteidigt hat, erneut die Bereitwilligkeit der Sozialdemokraten, „int entscheidenden Wahl­gang dem republikanischen Gedanken zum l ege Ku verhelfen", doch läßt er die Frage offen, wer der Sammelkandidat sein soll und wie energisch die Sozialisten bei seiner Auswahl ein Wort mit­tzusprechen gedenken. Den Anspruch darauf wird ihnen ja niemand abstreiten können. Auf der "anderen Seite tritt bereits die „D. A. Z." offen für eine neue Sammelkandidatur aller bürgerlichen Parteien ein, also für das Fallenlassen des Dr. Jarres im zweiten Wahlgang. Auch die Erklärung »es Herrn Leicht, daß die Bayrische Volkspartei dicht Herrn Jarres, wohl aber einen anderen Lammelkmididaten unterstützen würde, zielt in jene Richtung. Die Linke ist offenbar besorgt wegen der Möglichkeit des Wiederaustauchenscher Kandidatur Geßler und will durch großes Geschrei jbie Parteileitung des Zentrums und der Demo­kraten von etwaigen neuen Sammelverhandlun- gen mit dem Reichsblock abhalten.

Deutsche Presseftimmen.

Berlin, 30. März. Während die deutsch­nationalen und volksparteilichen Blätter ihre Zu­friedenheit über den Ausfall der gestrigen .Wahl zum Ausdruck bringen, und erklären, daß die auf Jarres entfallene Stimmenzahl alle ge- hcgten Erwartungen erfüllt habe, sprechen die Blätter der Weimarer Koalition von einem Sieg der republikanischen Parteien.

Die „Kreuzzeitung" sagt: Die Kandida- tur Jarres war deshalb von Erfolg, weil dieser schmarz-weiß-rote Einheitskandidat von der Mehrheit der Wähler als die einzige überpartei­liche Persönlichkeit anerkannt wurde. Er habe daher nach wie vor die meiste Anwartschaft au den Reichsprasidentenposten.

Tie „Deutsche Zeitung" tritt gleichfalls für die Aufstellung von Jarres im zweiten Wahl­gang ein und erklärt, selbst für den Fall, daß der Reichsblock allein bleiben sollte, fei er unbedingt stärker als er es wäre, wenn er entweder einen mißtraurssch betrachteten anderen Kandidaten aufftcllen oder sonstige Zugeständnisse nach links machen würbe.

Auch die volksparteiliche „3eit" betont, es ver­stehe sich von selbst, daß Jarres auch im zweiten Wahlgang Träger der überparteilichen Kandida­tur fein werde. Ein Mann, der wie er in einem persönlichen Siegeszug ohnegleichen übet zehn Millionen Stimmen auf sich vereinigte, ein solcher Mann sei im zweiten Wahlgang selbstverständlich der einzig mögliche Kandidat des Reichsblocks. Das Bloit teilt mit, daß der Reicheausschuß des Reichsblocks am morgigen Dienstag zusammentre- teu werde, um Jarres als Kandidaten für den end­gültigen Wahlgang aufzustellen.

Die „Germania“ schreibt über das Ergeb­nis der Wahlen: Der deutsche Gesundungsprozeß fand darin Ausdruck, daß die verfassungstreuen Parteien der Mitte zusammen erheblich mehr Stimmen aufbrachten, als die im Reicksblock vereinigten offenen und versteckten Derfassungs-

wnii.a. Postlchecklonto: Hit 5015 Amt Frankfurt a. Mai«. _____———————————