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Realismus m» Wahl
In seligen Friedenszetten war es im parteipolitischen Kampfe eins der wichtigsten Kampfmittel der Linken, die Nationalliberalen ein füt allemal mit der Schwerindustrie, die Konservativen ein für allemal mit der Landwirtschaft, d. h. genauer dem Groß grundbesitz gleichzufetzen. Das war damals schon ungeheuer dumm, denn es gab auch schon früher ungezählte Wähler, die aus politischem oder religiösem Idealismus, mit einem Wort aus Ueberzeugung rechtsstehende Parteien wählten, Parteien, die nicht wie die Linke blintz und gefühllos an den Sorgen der Landwirtschaft und der Industrie vorübergingen. Heute aber haben wir das freieste Wahlrecht der Welt, also von Wahlbeeinflussung kann weiß Gott nicht die Rede, sein, und nun bringen z. B. die Deutschnationalen, angeblich die Fortsetzung der früheren Konservativen, über 6 Millionen Wähler auf die Beine. Da» sind nun alles Agrarier, jedenfalls „Besitzende* nach dem Jargon der Linken? Wahrlich, man kann sagen: Nichts vergessen und nichts gelernt.
Wenn einer links wählt, dann ist er nach dem Jargon der „Frankfurter Zeitung" unter allen Umständen ein Geistiger (besser sagte man.Heistft ger"-Typus Berlin) und ein Idealist. Ueberhaupl sollte man mit diesem Getue von Geistigkeit etwa» vorsichtiger sein. Bismarck hat sicher selten ein philosophisches Buch gelesen, gewiß deins geschrie. den und doch war er Geist bis in die Fingerspitzen. Unsere Heutigen reden fortgesetzt von ihrem Geist, bloß wir resp. die Geschichte merkt nichts davon. Und der Geist der auf gedrucktem Papier weht, der muß doch erst in der Wirklich- keit sich zeigen. Man sollte auch von der Geistigkeit von Präsidentschaftskandidaten weniger Worte machen.
Man hat sich da ein System zurecht gelegt, da» durchaus nicht besser geworden ist dadurch, daß es geistlos seit Jahrzehnten gegen die Rechte angewandt wird. Als ob die über 6 Millionen Deutschnationalen lauter Halbidioten wären, di» nur durch- Rücksicht auf ihren Geldbeutel sich 311 Parteiinteressenten zusammenschließen. Von politischem Wollen, politischem Idealismus kein» Spur. Ach nein, so ist es nicht. Die gesamte nationale Jugendbewegung trügt mehr Mut, mehr Idealismus, mehr Bekennertum in sich, als der kommunale Freisinn früherer Jahre je gesehen hat. Die „Reaktion" sitzt heute wo anders. De» Fortschritt ist heute dort zu suchen, wo ein junge» Nationalgefühl eines erneuerten Deutschtums sich' in die Hohe ringt, nicht, wo mit greisenhaften Phrasen von Geistigkeit und Versöhnungsdusel ein Volk eingelullt werden soll, damit ihm ein für allemal das Selbstgefühl vergeht.
Man muß sich doch wundern, daß die Herren noch immer nicht zum Bewußtsein gekommen sind und ihre Methode ändern. So hat der Professor und Präsidentschaftskandidat Hellpach in der „Vossischen Zeitung" folgenden Satz geschrieben: „Nun aber soll das wirtschaftlich« Honorationentum an die Stelle des militärischen, bürokratischen und studierten treten. Verrät di« Selbstbezeichnung „Reichsblock" nicht allein schon diese Absicht und Einstellung? Das Reich sind di« Besitzenden — den übrigen bleibt die Mission, es zu bevölkern."
Nun, auch die Gegner von Jarres schätzen ihm 10 Millionen Stimmen zu. Das wären also alle« „Besitzende", Schwerindustrielle oder „Gekaufte". In Zeitungen der Linken, hinter denen, wie bekannt, wirklich die goldene Internationale steht, war allerdings zu lesen, daß die Industrie den Wahlkampf für Jarres bezahle. Leider ist dem nicht so. Aber was hätte das letzten Endes mit den mindestens 10—15 Millionen Wählern zu tun, die für Jarres eintreten werden. Welche geistige Arterienverkalkung verrät es, daß man auf der Linken durchaus nichts sehen will von dem nationalen Idealismus, der feit 1918 fortschreitend in die Höhe gekommen ist. Weshalb hat denn die Demokratie ihren gewaltigen Anhang von 1919 verloren? Weil sich ihre wirtschaftlichen Verheißungen nicht erfüllten? Ach nein! Auch die Rechte kann wirtschaftlich nicht hexen. Aber weil der nationale Gedanke, der wieder erwachte, bei der pazifistisch eingestellten Linken, die immer sich für das Nachgeben und, ja man muß es sagen, für Beachten des Auslandes einsetzte, nur Gegner fand. Welche Beleidigung des deutschen Volkes leistet man sich, wenn man glaubt, diese idealen Stimmen seien zu „kaufe n".
Und ist es nicht ein Zeichen von Idealismus, wenn man sieht, wie die Parteien der Rechten ihre Sonderwünsche zurückstellen, um einen gesamtnationalen Kandidaten zu küren, der allerdings eine Persönlichkeit ist, denn sonst müßte man ihm nicht mit solchen Mitteln zuleide gehen wollen, die nur nach Wahlpsychose schmecken. Da» deutsche Volk schreit nach Persönlichkeiten undj will aus der Kuhhandelspolitik der Parteien einmal endgültig heraus. Es will vorwärts und hat den Parteischwindel gründlich satt.
Noch eins aber: Die Geistigkeit der Demokratie und ihres Kandidaten hindert sie nicht, Verdächr tigungen auszusprechen wie die oben gemeldeten» Was sagt sie dazu, daß das Schleswiger Dänenblatt den dänisch gesinnten Schleswigern bi» Wahl von Marx, Hellpach ober Braun empfiehlt. Die Herren können sicher nichts dazu, es wäre als» unfair, ihnen das an die Rockschöße zu hängen, allerdings viel schlimmer als die oben gemeldet^ Kampfesweife wäre es auch nicht.
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Marburg a. L, Freitag, beo 27. Mörz
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S>t. Jarres in Karlsruhe.
Karlsruhe, 26. Mürz. Dr. Jarres ist heute nachmittag 3 Uhr, von Stuttgart kommend, in Karlsruhe eingetroffen. Am. Bahnhof wurde ihm ein begeisterter Empfang bereitet. Außer den Vertretern der Parteien und Verbünde, die dem Reichsblock angehören, hatte sich ein großes Publikum eingefunden, um Dr. Jarres zu sehen und zu begrüßen. Ab 4 Uhr sand ein Empfang statt, zu dem sich zahlreiche Persönlichkeiten aus allen Kreisen der Bürgerschaft angemeldet hatten. Am Abend wird Dr. Jarres in zwei großen öffentlichen Bersammlungcn sprechen.
Karlsruhe, 26. März. Sn seiner Ansprache sagte Dr .Hartes, er habe während seiner Besuche in den verschiedenen Städten an der unerwartet starken Beteiligung an den Wahlversammlungen des Reichs- blocks mit Genugtuung feststellen können, daß der Einigkeitsgedanke im deutschen Volke doch stärker sei, als es bei den widerlichen Parteistteitig- keiten scheinen möge.
DaS Anden ken der im Weltkriege für das Vaterland Gefallenen möge dem deutschen Volke stets die Notwendigkeit der Einigkeit und der sittlichen und geistigen Erneuerung des Landes vor Augen halten, die in vieler Hinsicht wichtiger sei als der wirtschaftliche Wiederaufbau. Davon, daß auch hierzu das Bestreben in allen Schichten des Volkes und in allen Teilen des Reiches vorhanden sei, habe er sich ebenfalls während der drei letzten Tage auf seinen Reifen überzeugen können.
Die geistige und sittliche Kraftquelle, die durch die Revolution verschüttet wurde, muh wieder zum Fließen gebracht werden: denn auch ein Volk lebt nicht nur von Brot allein. Auch der Reichspräsident soll ein Förderer des geistigen Deutschlands fein. Kunst und Wissenschaft sollen bei ihm eine allezeit offene Heimstätte finden.
Wenn wir auch ein armes Volk geworden sind, so müssen wir doch unsere Ehre daran setzen, der 'leiblichen und seelischen Rot aller Kriegsopfer nach Kräften zu steuern. Wir sind in unserer wirtschaftlichen Entwicklung um Jahrzehnte zurückgeworfen. Es wird einer langen mühevollen Wieder- ausbauarbeit bedürfen, um die zerrüttete Grundlage > unseres Volkswohlstandes wiederherzustcllen. Aber wichtiger noch als die Wiedergewinnung materieller Wohlfahrt ist die Aufgabe der geistigen und sittlichen Erneuerung unseres Volkes. In der Zeit größten wirtschaftlichen Aufschwunges hat Fürst Dülow anläßlich der Jubelfeier der Schlacht von Dennewitz im Sahre 1923 an das deutsche Volk die Mahnung gerichtet, in dem Streben zur Mehrung des äußeren Reichtums die sittlichen Güter des deutschen Volkes nicht aus den Augen zu verlieren.
Isr Rampf um Greußen
Dis Regierungskoalition in Preußen fährt fort, alle Grundsätze des parlamentarischen Systems mit Füßen zu treten und den Geist der Verfassung mit Verachtung zu strafen. Daß diese Parteien sich demokratisch nennen, trägt lediglich dazu bei, die Herausforderung zu verschärfen. Der ständige Ans- fthuß soll in Preußen dazu dienen, um im Notfälle das Plenum zu vertreten. Die Weimarer Koalition benutzt ihn in Preußen mit vollem Bewußtsein dazu, dar- Plenum auszuschalten und um seine verfassungsmäßigen Rechte zu betrügen. Im stündigen Ausschuß hat die Koalition die Mehrheit, da die Leutschvöliischen infolge mangelnder Franktions- stärke hier nicht vertreten sind, im Plenum ist sie in oer Minderheit. Aus diesem Grunde treibt sie mit dem Ausschuß einen geradezu sträflichen den Landtag beschlußunfähig geinacht, um das Ge- Mischrauch. Die Koalition hat Ende voriger Woche schästsministerium Marx weiter im Amte zu erhalten. Schon damals bestand die Absicht, die Geschäfte des Landtages durch den ständigen Ausschuß erlidigen zu lassen. Herr Marx, der als Zentrumskandidat für die Reichspräsidentschaft im Lande umherzieht, läßt seine Parteien ruhig gewähren, und macht sich deshalb des Mißbrauchs der Verfassung mit schuldig. Die Opposition hat es abgelehnt, dieses Spiel mitzumachen und gestern den Sitzungssaal des ständigen Ausschusses verlassen. Die innerpolitische Spannung in Preußen ist weiter gewachsen. Man kann der Koalition nur den Rat geben, das Spiel nicht so weit zu treiben, daß es für sie unmittelbar gefährlich werden muß.
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Schärfst« Rechtsovvofition im Ständigen Ausschuß.
3m Ständigen Ausschuß, der gestern vor- miitag zur Beratung insbesondere der von der Regierung eiiigebrachten Verordnung über die Grundsteuer und über die Gewerbesteuer zusammen- trat, gab der Redner der deutschnationalen Fraktion die folgende Erklärung ab:
Die deutschnationale Fraktion hält das Zusammentreten des Etadige« Ausschusses zur Verabschiedung der aus der Tagesordnung stehenden Notverordnungen für »erfassungswidrig und wird fBt den utall, bau diese Verordnungen trotzdem erlasse« werden sollten, die GLltigkeit derselben bei dem Staats- »erichtshof anfechten. Die deutschnationale Fraktion ist der Auffassung, daß es nicht in dem Aufgabenlreise eines geschäftsführen- ,den Ministeriums liegt, Gesetzesvorlagen von einschneidender politischer nnd wirtschaftlicher Bedeutung tu mache«. cae ist weiter der Auffassung, daß, wenn derartige Vorlagen überbauet gemacht werden sollten, ß« nur auf dem Wege der ordentlichen Gesetz-
*-•«6»«g gemacht werde» dürfen. Da» Slotverord-
wehe dem Volke, so rief er damals aus, bei dem die Reichtümer steigen, während die Menschen sinken. Sn der «Dorkriegs haben die Dynastien dieser Aufgabe vielfach in vorbildlicher Weise gedient. Die Länderregierungen haben heute die Aufgabe, das Werk fortzusetzen.
„tieberalt“, schloß Dr. Sarres, „erkannte man den starken deutschen Geist, den einheitlichen Willen, zu kämpfen und zu siegen. Daher soll auch für unseren guten Kampf die Losung gelten: Das ganze Deutschland soll es sein?"
Dr. Jarres, der gestern in Karlsruhe und Mannheim und heute in Frankfurt a. M. und Köln spricht, wird in Köln zum letzten Male über die Rheinlandpolitik im Oktober 1923 sprechen und eine Antwort an Dr. Adenauer und an den demokratischen Abgeordneten Dr. Falk erteilen. Die Reise von Dr. Jarres durch Slld- deutschland hat nach den beim Reichsblock vorliegenden Nachrichten die überraschende Tatsache ergeben, daß der Gedanke der Ueberparteilichkeit alle Bedenken beseitigt hat, die in gewissen bayerischen und süddeutschen Kreisen gegen eine Kandidatur von Dr. Jarres bestanden. Dr. Jarres ist in Stuttgart und in Karlsruhe mit größter Begeisterung ausgenommen worden; in Karlsruhe werden statt der ursprünglich vorgesehenen einen Versammlung zwei Versammlungen übgehalten werden müssen. Spät abends findet noch eine Kundgebung in Mannheim statt. Am Sonnabend wird Dr. Jarres von Köln nach Erfurt im Flugzeug reisen, von Erfurt wird er im Flugzeug weiter nach Leipzig fliegen, wo er am Abend die Schluß- Kundgebung für den ersten Wahlgang veranstalten wird.
Eine Rede Dr. Held».
fk. München, 27. März. In einer Versammlung der Bayerischen Volkspartei führte Ministerpräsident Dr. Held etwa folgendes aus: Der deutsche Reimspräsident muß von vornherein gewillt sein, außerhalb und über den Parteien für das deutsche Volk zu wirken. Das ist der Hauptgrund, warum ich einen persönlichen Eintritt in den Kampf um den Präpoentenstuhl ablehne. Das Ziel muß sein, eine einheitliche Kandidatur für den zweiten Wahlgang zu ermöglichen. Ich muß mit Bedauern feffstellen, daß gewisse Kreise meine Kandidatur dem übrigen Volke aufdrängen wollen.
Hellpach in Berlin.
fk. Berlin, 27. März. Der badische Staatspräsident Hellpach hielt gestern hier eine Rede, in der er sich über die auswärtige Politik äußerte.
nungsrecht des Art. 53 der Preußischen Verfassung ist ein Ausnahmerecht, das nur für gewiss-: Notfälle geschaffen worden ist, und dessen Ausdehnung im Wege der ertenfiven Iniervretation zu einer u n r u - lässigen Beschränkung des Landtags und des zur Mitwirkung bet der Gesetzgebung berufenen Staatsrats führt. Insbesondere erscheint es unzulässig, daß Gesetzesvorlagen, die den Landtag bereits beschäftigen, und die im Landtag nicht durchs« setzt werden können, unter Ausschaltung des Landtages im Wege der Notverordnungen erlassen werden. Die dentschnattonale Fraktion wird sich an den sachlichen Beuntungen der heutigen Sitzung n i ch t bete i l t g e n. Es wurde dazu beantragt, sämtliche Punkte der Tagesordnung von dieser «bin, setzen.
Als die Anträge der Rechten von der Mehrheit ab« gelehnt wurden, erklärten die Vertreter der Deutschnationalen. der Deutschen Volksvartei, Wirtschaftlichen Vereinigung und der S' ommunisten, daß sie di« Verhandlungen für verfassungswidrig betrachteten und deswegen an ihnen nicht teilnebmen würden. Die Oppositionsparteien verließen darauf dxn Saal.
e Der Ausschuß trat hierauf in die Tagesordnung ein. Sie Verordnung zur Grundsteuer, die ia bereits das Plenum eingehend beschäftigt >.at, wurde ohne Aussprache angenommen. Annahme fand sodann die zweite Erganzungsverordung zur Neuregelung der Gewerbesteuer. Der Ausschuß trat darauf in die Beratung der Verordnung über die Verlängerung der Mahlzeit der Provinziallandtage und der Kreistage ein. Der Ausschuß stimmte der Notver- o-dnung »u und brach sodann die Verhandlungen ab. Die weiteren Gegenstände der Tagesordnung sollen in der nächsten Sitzung, die für den heutigen Freitag 1 Uhr an gesetzt ist, zur Beratung kommen.
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Die SubmmMage
Ei« «eues deutsche» Memorandum?
London, 26. März. Der französische Botschafter de Fleuriau ist aus Paris zurückgekehrt. In politischen Kreisen besteht kein Zweifel darüber daß er mit umfassenden Vollmachten seiner Regierung ausgerüstet ist, auf Grund deren man einen detaillierten Meinungsaustausch der amtierten Regierungen erwartet. Zu einem offiziellen Notenwechsel über das deutsche Garantieangebot dürfte es jedoch vorläufig noch tticht kommen. Man verspricht sich von der Stellungnahme der alliierten Regierungen umsomehr ein erfolgreiches Ergebnis, als Gerüchte von einem zweiten deutschen Memorandum umgehen, das sich eingehend mit der Schiedsspruchfrage und denjenigen Fragen beschäftigen solle, die auf die deutsche West- und Ostgrenze Bezug haben. Als Grundlage dieser Vorschläge dürsten die zwischen Deutschland einer
seits und Schweden, Finnland und der Schweiz andererseits geschlossenen Schiedsgerichtsverträge gelten. Einige optimistische Presseäußerungen gingen heute morgen schon so weit, ein detailliertes Schema über die eventuellen Verhandlungen zu geben. So will der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph" wissen, daß drei Punkte zur Verhandlung kommen werden: 1. Diskussion über die nationale Unabhängigkeit der Staaten, 2. Diskussion über die territoriale Unverletzlichkeit, 3. Diskussion über die höchsten vitalen Staats- intereffen.
London, 27. März. Laut „Times" erklärte der hiesige französische Botschafter de Fleuriau auf dem gestrigen Frühstück den Vertretern der auswärtigen Presse: ES sei niemals so notwendig gewesen, die großen nationalen Fragen zu erörtern wie augenblicklich. Die Frage der Sicherheit fei brennend, mit anderen Worten, die Frage der Garantien, die der Welt den künftigen europäischen Frieden geben würde. Die letzte Zusammenkunft der Alliierten in Genf, die deutschen Vorschläge und die vorgestrigen Aeußerungen Chamberlains, alle diese Fragen müßten erörtert, kommentiert und geprüft werden .damit die Völker ihre Bedeutung für das große Problem des Friedens erkennen. Gewisse Teile der Welt seien stets kritische Punkte in Bezug auf die Aufrechterhaltung des Friedens gewesen, Gegenden, die immer der Boden der Feindseligkeiten in Europa und Asien waren.
Prag, 26. März. Der neue tschechische Gesandte in Berlin, Dr. Krofta, erklärte einem Mitarbeiter des „Prager Tageblatts", sein Ziel sei, zwischen Deutschland und der Tscheche! eine Atmosphäre völliger gegenseitiger Verständigung und gegenfeitigeu Vertrauens zu schaffen. Reale Konflikte zwischen beiden Ländern seien nicht vorhanden. Die Erörterung des französisch-deutschen Garantiepaktes erleichtere die Lage der Tscheche! merklich. Die positive Aufgabe der nationalen Minderheiten liege in der Herbeiführung des gegenseitigen Verständnisses zwischen den Nachbarstaaten. Für Oesterreich gebe es außer der Donauföderation und dem Anschluß an Deutschland noch andere Lösungen, lieber diese sprach sich der Gesandte jedoch nicht näher aus.
Am-entm« ruft:
„Wählt Fmres!"
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Berlin, 26. März. Sn einem Artikel der .Germania" vom 26. März wird ausgeführt, daß die durch Chamberlain verkündete englische Ablehnung des Paktes zu dreien in der französischen Rechtspresse äußerst mißbilligend beurteilt worden sei, da dieser Pakt, der Frankreich einseitig schützen würde, die einzige Form von Garantie darstellt, die den Kreisen um Poincare gefällt. Der neue Plan dagegen enthält auch die Sicherung Deutschlands. Die Erllärungen Dr. Stresemarms bezeichnen die Bedeutung der neuen Lage dahin, daß es sich nicht um einen einseitigen Bericht seitens Deutschland» handele. Die Rede des polnischen Außenministers bringt in dieser Hinsicht insofern eine Klärung, als darin die Schwierigkeiten, die noch zu überwinden sind, wo eine gewisse Anerkennung deutscher Ansprüche schon erreicht wird.
fk. London, 27. März. Der diplomatische Berichterstatter des ,^Daily Telegraph" schreibt, es verlaute, daß der französische Botschafter mit eingehenden Anweisungen über die deutschen Sicherheitsvorschläge aus Paris zurückkehre, die zum größten Teil Fragen Herriots au die deutsche Regierung enthaften.