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Marburg n. L, Somietttag, ben 26. Mr)

Anzeiger für WS früher kurheffischef SverWen - Amtliches Berkündigungsblatt öeS Kreises

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Jarres über die Ver^ckunsspolitik

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unvermeidlich erscheinende StaatSform aufzwingen lassen. E» schien ihm aber denkbar, daß es im Interesse de« Vaterlandes wichtiger sein könnte, wenn man sie auf dem Wege der Verhandlung herbeiführe. Die Parteien dieser Männer soNten sich wirklich schämen, gegen andere Vorwürfe zu erheben wegen einer Politik, die jedenfalls nicht von Schwäche und Verzweiflung beeinflußt war. Ich bin in der Notwehr gezwungen, den wirklichen Sachverhalt klarzustellen. Nur ein Gedanke tröstet mich bei diesem traurigen Schauspiel, an dem nur der Feind Gefallen haben kann, baß nach meiner Ueberzeugung der Kampf um Ruhr und Rhein gewonnen ist. Wir dürfen un» aller­dings nicht in Sicherheit wiegen, denn der Feind hat seine jahrtausend alten Hoffnungen keineswegs schon

Erfolg bemüht, dem abzuhelfen und einen Utber- Hang herbeizuführen, der für das besetzte Gebiet erträglich war. ES handelte sich in der verzweifelten Sage, in der das deutsche Volk nach dem Abbruch »es passiven Widerstandes war, nicht nur um die Leistungen, die Hauptfrage war eine hochpolitische. Er ging darum, die Zusammengehörigkeit »eS besetzten Gebiete» mit den Ländern «nd dem Reich zu sichern. Ich habe damals eine starke Politik empfohlen und vorgeschlagen, zunächst die Verständigung mit den EinbruchSmäch- trn noch einmal zu versuchen. Sollte die aber ab- Helehnt werden, so gab es meiner Ueberzeugung «ar noch eine Lösung, die, den EtnbruchSmächien Gegenüber uns so lange von dem FriedenSver- ! liege entbunden zu erklären, als nicht Vertrags- und dSlkerrechtmätzige Zustände im besetzten Gebiet wie- tzerhergestellt werde». Ach wollte mit dieser Opfer Mld Nerven erfordernden Politik, die sich auf den von englischer Seite anerkannten Vertragsbruch der Gegenseite stützte, eine internationale Ein­mischung herbeiführen. Tatsächlich ist ja auch die Bereinigung des Ruhrkonflikts auf diesem Wege erfolgt. Wegen diese» Vorschlags werde ich im Wlchlkampf persönlich angegriffen. ES wird mir tzie Preisgabe de» besetzten Gebietes vorgeworfen, während ich es für das «eich und die Länder dauernd sichern wollte. Daß mein Plan gar nicht so verwegen war, ergibt sich daraus, daß er von besonnenen Politikern aus fast allen Ländern gebilligt wurde. Bei der maßgebenden Besprechung in der Reichs- Anzlei erklärte damals der bayrische Gesandte, daß er völlig meiner Meinung beitrete, und daß dies euch der Auffassung der bayrischen Regierung ent­spreche. Bon anderer Seite sind damals allerdings

ungerechte Borwurf gemacht würde. Trotzdem kann man das herzliche Bedauern Dr. Adenauers wohl wohl verstehen: jedermann weiß, wie tief er gerade für seine Person in die damaligen Erörterungen und Verhandlungen über eine wirkliche VersackungS- polttik verstrickt gewesen ist. Wo» Dr. Jarre» jetzt in München darüber mitgeteilt Hal, entspricht voll­kommen den Tatsachen, und die Erwiderung Ade­nauer» mit dem Hinweis auf eine Aufklärung In späterer Zeit ist ein böse» BerlegenheitS- Wenn er und Dr. Falk den Stand-

Kölner Rede nun wieder seinerseitsaus ganzem und tiefem Herzen" bedauert, daß Dr. Jarre» sich seiner Haut wehrt. Man kann nicht umhin, die» zum mindesten al» eine Dreistigkeit zu bezeichnen. Wenn H je offen vor aller Welt klargelegen hat, wer bet Angreifer und wer der Angegriffene war, bann ist e« hier ber Fall. Sobald der Name Jarre» genannt wurde, stürzte sich die Links- und Zen­trumspresse mit Geheul auf dieVersackungSpoli- tlk". Da« geschah, obwohl Dr. Jarre» vorher dem Demokraten Dr. Falk erklärt hatte, er werde selbst verständlich antworten müssen, wenn ihm dieser

Es ist selbstverständlich, daß wir für die Be­freiung des besetzten Gebietes eintreten. Nicht irgendeine Provinz oder irgend ein Land, sondern »as gesamte Reich und daS gesamte Volk werden »ie Lasten des verlorenen Krieges tragen. ES war eine verhängnisvolle Entscheidung für die damalige «eichsregierung (Hilferding), die die Leistungen an i- das besetzte Gebiet etaftellte. Mit der Stunde mei­ne» Eintritts in die Regierung habe ich mich mit

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Zn dem widerwärtigen und außenpolitisch zwei- felloS schädlichen Streit um dieBersackungSpolitik" hat Dr. Jarre» an Dr. Adenauer auf dessen An­frage ein Telegramm gerichtet, worin er fein tiefe« Bedauern darüber auSspricht, daß ohne seine Schuld diese Dinge in den Wahlkampf gezerrt sind, und die Schuld daran den Zeitungen der Linken und be» Zentrums zuschiebt. Dr. Adenauer hat in seiner

München, 24. Mär». Reben der kurzen An- Brache, die et an die bayrische bürgerliche Presse Gehalten (Wir haben gestern darüber berichtet. Die «eb.), stellte sich Dr. Jarres auch in ber Oeffent- sichkeit »en Münchnern als Kanbtbat des Reichs- GlockS vor. In breC großen Sälen, bie alle über­füllt waren, rebete Dr. JarreS. Tausende konn­ten keinen Einlaß bekommen und bereiteten ihm bei Ankunft und Abfahrt stürmische Huldigungen. Nach einleitenden Dankesworten für die herzliche Be- zrüßung betonte Jarre» in seinen Ausführungen zunächst, »ah Nord und Süd für immer zu­sammen g e h »r te n. Bor allem müßten wir zu- rück zu Vismarik. Würdig und aufrecht müßten aus nationalen Stünden unsre Interessen im AuSlandc vertreten werden. Wenn jetzt von der franzö­sischen Presse aus durchsichtigen Gründen betont würde, daß ein Präsidentschaftskandidat der Lin- |e« im AnSlande ein größeres Entgegenkommen finden würde als ein Vertreter der nationalen Einheitsfront, dann müßte einmal hier vor aller Welt die Frage gesteNt werden: Warum hat denn Frankreich den linksgerichteten Politikern, die in »en vergangenen Jahren bei uns am Ruder waren, dieses Entgegenkommen vorenthalten? Warum hat e», wenn es ihm wirklich ernst war, mit seinen Versprechungen von diesen günstigen Gelegenheiten keinen Gebrauch gemacht? Deutschland will ehr- sich den Frieden, aber einen Frieden, der dem deut- hhen Volke die LebenSmöglichkeiten läßt.

Wir seien bereit, die übernommenen Berpflich tungen nach dem Maße unserer wirtschaftlichen Kraft innezuhalten unter der Voraussetzung und nur un- ter der Voraussetzung, daß sich auch die Gegner en die von ihnen eingegangenen Verträge halten nb ba tzmit bet Uebernohme schwerer Lasten d I e Wiedergewinnung ber Freiheit und »eS 3 elbstbestimmungsrechts unseres deut­schen Volke« verknüpft ist. BefreiungSpolittk, aber nicht Erfüllungspolitik.

Marschall Hindenburg sich von neuem zu bicfec Kandidatur bekennt und baß ber Nationalver­band Deutscher Offizierefede Saminelkandldatur aus rechtsstehenden Kreisen im vaterländische» Sinne schädlich" nennt. Wenn trotzdem ©enenri Ludendorff mit Pauken und Trompeten durch» fallen will, so bestätigt er nur, daß er absolut ke^ Politiker ist. Eine Stilfrage war es auch, ob Die Kandidaten selbst in vielen öffentlichen Dersamm» langen sprechen sollten. Die Herren Braun und. Marr haben ganz oder fast ganz darauf verzich­tet, was aber wohl auf die Einsicht zuruckzusub» ren ist, daß sie für die endgültige Wahl dock nicht in Betracht kommen. Die©ermania schreibt zehnmal so viel gegen Jarres als für Marx. Da­gegen machen bie Demokraten mit ihrem Hell« na cf) ein großes Brimborium, schwärmen von fei­nem Geist «schweigen aber schamhaft übet fein Buch von Liebesleben) und empfehlen chn al» Sammelkandidaten für den zweiten Aufguß. Er muß denn au* immerfort reden und gerat dab« in Verflachung hinein. In dem enelhaften Kampf um bieVersackungspolitik" ift* bie Linke au» dem Angriff in die Verteidigung gedrängt worden.

Je näher der Wahltag rückt, umso heftiger wird von der Gegenseite der Kampf gegen die Person Dr. gar res geführt. Da der gegnerischen Presse jegliches positive und sachliche Material zur Be­kämpfung des ihr allein gefährlich erscheinenden überparteilichen Kandidaten fehlt, so greift sitz immer wieder in den reichen Schatz ihrer Ersi», dungsgabe und lügt dabei das Blaue vom ytm» mel herunter. Typisch dafür ist bieBossischsti Z e i t u n g", die mit ihrer Phantasie auch noch geistreicheln versucht, indem sie von Herrn Dta Jarres als demKandidaten in der Vitrine , spricht, derauf Empfängen bei Tee und Kuchvll herumgereicht" und im übrigenber Oeffentltdy, keit vorenthalten" werde. Demgegenüber reiste« die anderen Kandidaten im Lande herum unW stellten sich zur öffentlichen Diskussion. DieBos«, fische Zeitung" weiß natürlich sehr gut, daß alle«, das Schwindel ist. Denn in wie vielen offen»« lieben Versammlungen hat Dr. Jarres nicht bes; reit» seine Ziele und Auffassungen dargelegt. SV weiß auch genau, daß der Kandidat der Sozial« demokratie Otto Braun überhaupt nicht rede« wird. Denn dies hat derVorwärts" ja mitg»

CheeFssiheßtBaterlMh ras find die leuchtMöen Sterne unseres

oufgegebcn.

Dr. Jarre« entwickelte nun feine Gedanken vom nationalen, christlichen unb sozialen Staat unb sagte zum Schluß:Der Gedanke unserer überparteilichen Kandidatur hat doch einen tiefen Eindruck im deutschen Volke erweckt. Jetzt ist nicht Zett für die Parteien, jetzt ist nur Zeit zu fühlen: Für da» einige große deutsche Vaterlandk"

Jarres in Stuttgart.

fk. .Stut tgart, 28. März. Auf Peranlas- smig des Reichsblock» für bie Präsibentfchastr- wahl sprach gestern bet Reichspräsidentschasts- hanbibat Oberbürgermeister Dr. Jarres. Er führte u.a. aus: Durch den Kampf um Rhern unb Ruhr habe bas deutsche Volk wieder Ver­trauen zu fi*Y> selbst und die Achtung der Welt gewonnen. Wenn man jetzt seine Tätigkeit her- untersetzt und ihn als Rheinländer zweiter Klasse hinstelle, so wehre er sich dagegen. Bei Aufgabe des passiven Widerstandes habe er eine starke deutsche Politik verlangt unb vorgeschlagen zu verlangen, baß auch wir solange vom Friebens- vertrag entbunden fein sollen, bis die Ruhrern- bZecher die vertragsmäßigen unb völkerrechtlichen Zustände wieder hergestellt hätten. Das sei keine katastrophale Politik. Damals habe man mit weit katastrophaleren Gedanken gespielt, nämlich mit dem Feinde zu verhandeln, um einen auto­nomen Rheinstaat zu errichten. Wir müssen auf allen Gebieten einenationaleAußenp»M» t i k treiben, aber keine nationalistische, unter Ab- lehnung des Pazifismus und des Internationalen Gedankens. Mit den neuen Verhältnissen sind wir nicht zufrieden, aber trotzdem müssen wir Achtung vor den grundlegenden Verfassungsbe­stimmungen von Weimar Haden, die nur auf ver­fassungsmäßigem Wege geändert werden dürfen.

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Dr. Karl Faerrs

Mr. 4 »et Stimmlifte)

Stmtnlitrtritg m» Lüsen

Das deutsche Volk soll zum ersten Mal einen Reichspräsidenten wählen, und aller Anfang ist schwer. Es fehlt uns bie Erfahrung, uns fehlt bet Stil. Ist es angängig, einen Mann, ber für sieben Jahre das Reich nach außen repräsentieren soll, vor der Wahl mit Schmutz zu bewerfen? Der Amerikaner antwortet unbedenklich: ja. Aber die Dev.timen besitzen nicht die Gabe des Angelsach­sen, mit Skepsis alles Gedruckte und alle Wahl­reden auszunehmen und hinterher schnell den ganzen Krieg zu vergessen. Deshalb entsprach unferm Empfinden die Mahnung des Dr. Jar­res: Laßt uns den Wahlkamps ritterlich führen! Doch wie kann man das, wenn die Gegner schmutzige Waffen gebrauchen? Die ohnmächtige Wut wegen bet eigenen Zersplitterung unb ber Festigkeit des Reichsblocks entlädt sich in Schimpf­reden und in Lügen. Wohl noch nie im Wahl­kampf dieDementierspritze" eine st wichtige Waffe gewesen wie diesmal. Täglich tauchen drei neue Behauptungen auf? täglich sechs Dementis. Das Schlimme ober Gute; wie man will ist nur, daß bie Gegner meist aneinanber votbei- reben. Der eine Teil bet Presie bringt bie eine Hälfte des Materials unb bet anbere Teil bie andere Hälfte. So wird das Volk in mehrere Gruppen zerrissen, die einander nicht mehr ver­stehen. Und das ist das Traurigste an der Sache.

Wir halten nach den bisherigen Erfahrungen die zwei Wahlgänge bei der Reichspräsidenten- wahl für falsch. Zeit und Kraft und Geld werden unnütz verpulvert. Würde gleich im ersten Wahl­gang ber Kandidat siegen, der bie meisten Stim­men hat, bann wären bie Parteien gezwungen, sich sofort über Sammelkandidaten zu einigen, so­fern sie überhaupt an ber Entscheidung teilnehmen wollen. Dieses Stimmenins Unreine" für aus­sichtslose Zähl- und Splitterkanbidaten ist ein grober Unfug unb des Zieles, ein Staatsober­haupt zu küren, nicht roürbig. Man wird auch sehr schwer zwischen dem ersten und zweiten Wahlgang die Wähler auf neue Kandidaten um­stellen können. Deshalb ist es sehr verständlich und verständig, daß der Reichsblock er­klärt, unter allen Umständen an Dr. Jarres fest halten zu wollen, daß Feld-

Vorschläge gemacht worden, deren Ausführung In der Tat eine Versackung des Rhein- und Ruhrge- biet» bedeutet hätten. In Barmen erklärte Ende Oktober 1923 Oberbürgermeister Adenauer, ein Führer des rheinischen Zentrum», e» sei notwendig, mit den Franzosen zu verhandeln. Die gelindeste Lösung, die man finden könne, dürfte die Abtren- nung der Rheinprovin, von Preußen sein. Er bezweifle aber, daß da» noch möglich sei. Man müßte sich daher auch mit dem Gedanken vertraut machen, daß unter Umständen auch eine Abtrennung vom Reich in Frage komme. Er wisse, daß e, auf diesem Wege möglich sein werde, da« Reich vom Versailler Vertrag zu befreien und auch da» besetzte Gebiet von der Besatzung freizumachen oder ihm doch wesentliche Erleichterungen zu er- wirken. Der Führer der rheinischen Demokraten, Justizrat Falk, trat für seine Person im allge­meinen den Ausführungen Adenauers bei. Wir soNten uns allerdings feiner Meinung nach dir ihm gestammel. ------ . -

.nnermetdlick» erickeinende Staatsform aufzwingen punkt vertreten hoben, daß man die Loslösung de» Rheinland« sich förmlich aufzwingen lassen müsse, so war da» doch nur ein taktischer Kniff. Es ist sehr verständlich, daß Herr Marx in seiner ein­zigen Kandidatenrede zu Köln über alle diese Dinge schnell hinweggeglttten ist und dringend gebeten hat, nur das Einigende zu betonen. An Dr. Jarres und den Seinen hat e» gewiß nicht gelegen, wenn dagegen in so gröblicher Weise gesündigt worden ist. Sie haben sich wirklich in der Notwehr be­funden, wie JarreS in München sagte. Recht be­merkenswert war übrigens auch seine Mitteilung, sein damaliger Plan, den Versailler Vertrag zerrissen zu erklären, die volle Zustimmung Bayerischen Regierung gefunden habe.

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