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Marburg a. 8» StrnStag, den 24. März

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60. Mrg. 1925

Anzeiger für As Mer kurWWe) SberWen - Amtliches Verkündigungsbintt des Kreises Marburg

Dl^^b«rhePfcheZeltung^eOcheln^echmna^wSL«ntllck^^kezugsvrel^«Etli^^^Mar^m>»MteßllchZu^llunqsq«»^Der Anzeigenvreis beträgt für den 10 gefp. Zellenmillimeter 0.0S Sotbmart Kleine Bar-Anzeigen 0.06 TM. Amtliche unk dühr. Durch die Post 2,25 Mk. — Für ausfallende Nummern infolge Streik, oder elementarer Ereigniffe kein Ersatz. — Verlag auswärtige Anzeigen 0,10 Toi»mark. Bei ichwierigem Satz, iowie b. PlatzoorfchriftenbO"/, Aufschlag. Sammelanzeigen 100°/, «n D»l. Hitzeroth.—Druck derUnio.-Buckdruckerei von Joh. Bug. Koch, Markt 21/23.—Fernfprecher: Ät. 55, Rr. 666. und Auffchiag. Reklamen 0,35 Goldm. Jeder Rabatt gilt al, Barrabatt. Ziel 5 Tage. Belege werben berechnet, ebenio Au,«

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Hamburg, 23. März. Am Sonntag sprach hier Dr. Jarre», begrüßt von dem minutenlan­gen Jubel der ungeheuren Menschenmenge, in einer zweiten Versammlung und führt« dabei ungefähr folgende» au«:

Wenn ..wir unser Volk einer neuen Zukunft «nigegenführen wollen, und da« ist die nationale Aufgabe, in deren Dienst wir unsre ganz« Kraft zu stellen haben, dann müssen wir

zurück zu Bismarck.

«Bit kämpfen für die Erneuerung des .Staate« auf nationaler, christli- cher und sozialer Grundlage. Der Ge­danke der sozialistischen Internationale hat sich als Utopie erwiesen. Die Frage Repu­blik oder Monarchie steht heute nicht zur Entschei­dung. Angesicht« der Rot unsrer Zeit stehen an­dere Aufgaben im Vordergrund. Wir achten die Fahne der Verfassung, fordern aber für un» da« Mcht, unsere alten Farben Schwarz -Welß- M o t, die Symbole einer glücklichen Vergangenheit, ungehindert zu zeigen.

Dr. Jarres kam dann auf die von linksstehen­den Kreisen gegen ihn gerichteten Angriffe über

di« Bersackungspolitik

zu sprechen: „Als der passive Widerstand aufgegeben werden mußte, haben die verantwortlichen Män­ner des Reiches und ^zs RuhrgebieteS sich zu­sammengesetzt, um diejenige Lösung zu finden, die für das Vaterland die beste sei. Bei diesen Ber- ! Handlungen habe ich mit Nachdruck den Gedanken in den Vordergrund gestellt, daß jeder die Verpflich­tung habe, die ihm richtig erscheinende Lösung vorzuschlagen, daß aber der Lösungsweg einmütig und unter freier Verantwortung gefunden wer­den müsse und daß es bei diesem Suchen nach dem richtigen Wege Gradunterschiede de» nationalen Empfindens nicht geben dürfe. In den linksstehen­den Kreisen wurde damals die Auffassung vertreten, man solle dem Verlangen Poinearös entsprechen und einseitig den deutschen Widerstand aufgeben kn der Erwartung, daß dann die Einbruchsmächte sich zurückziehen und den alten Zustand alsbald totester Herstellen würden. Für mich und meine Freunde war eS klar, daß diese Nachgiebigkeit nicht zum Ziele führen würde, daß sie vielmehr neue und unendliche Qualen über Deutschland brin­gen müsse.

DaS Ziel der französischen Politik ging ja offenbar dahin, die Bevölkerung deS be­setzten Gebietes auch in ihren gutgesinnten Kreisen, die von dem verbrecherischen Separatismus nichts Wissen wollten, auf dem Wege der Freiwilligkeit zu der Staatsumformung zu bringen, die Frankreich aus politischer Klugheit im Gewaltwege zu er­ringen sich nicht getraute. So standen wir vor den ungeheuren Gefahren, daß einmal die finan­zielle Unmöglichkeit, von Reichs wegen die not­wendigen Gelder auf die Dauer in das besetzte Gebiet zu schicken, auf der anderen Seite die Ver­zweiflung der Bevölkerung zur Trennung des Rheinlande» von Deutschland führen könnte. Dem konnte meiner Meinung nach nur durch eine starke politische Tat entgegengewirkt werden. Aus eigener nationaler Kraft hatten wir uns im Abwehrkampf bei- Einbruchsmächte nicht erwehren können; so mußte aus internationalem Wege die Lösung ge­sunden werden. Die geeignete Grundlage dazu bot uns die von Deutschland leider viel zu wenig auS- geisertete Curzon-Note der englischen Regierung vom August 1923, in der der Ruhreinmarsch offen und kratz als Bruch des Versailler Vertrags erklärt wurde. Unter Berufung hier­auf hatten wir nach meiner Ansicht den Besetzungs­mächten Belgien und Frankreich bekannt zu geben, daß wir uns so lange diesen Mächten gegenüber von dem Friedensvertrag entbunden halten, als nicht wieder Vertrags- und völkerrechtsmäßige Zustände im besetzten Gebiet hergestellt seien. Ich war mir klar darüber, daß dieser Schritt schwere Opfer für das besetzte und unbesetzte Gebiet bringen werde, halte aber auch heute noch da», was dann gekom­men wäre, nicht für schlimmer, al? wa« auf dem sogenannten VerständigungSwege über un« gekom­men ist. Diese von mir vertretene Politik hatte mir einet Preisgabe des besetzten Gebiet» nichts zu tun. So peinlich e# mir ist, so darf doch bei den gehässigen Angriffen, die jetzt wegen der damaligen Rheinpolittk gegen mich und meine Freunde erhoben werden, nicht weiter verschwiegen werden, daß matzgebeuve Führer de« rheinischen Zentrums und der rheinischem Demokratie, auS deren Kreisen die Angriffe gegen mich kommen, da­mals in der kritischsten Zeit sich nicht gescheut haben, als den einzige« noch verbleibenden LSsungsweg Berhandlungen mit dem Feinde vorzuschlagen, bei denen die Zugehörigkeit des Rheinlandes z« Län­dern und zum Reich preisgegebe« und ein selbst­ständiger Staat außerhalb des Reiche« vertrags­mäßig -»gestanden werden sollt«.

Die Rervenkrise der damaligen furchtbaren Lage ist Gott sei Dank glücklich überwunden. DaS ist das Verdienst der Reichsregierung, die damals die Werben behielt, mit starker Hand die Verhältnisse im Reich« ordnete, die neue Währung schuf und da­mit das Vertrauen in die Lebenskraft de» Reiche» auch im Rheinlands wieder festigte. Widerwärtig ist es, wie jetzt aus allen demagogischen Gründen ehrlich gemeinte und von starkem Geiste getragene Politik verzerrt wird, ein echt deutsches Partei- ichauiptei. das «ur dem Feind« und seinen noch

Bismarck!

immer nicht aufgegebenen Pläne» nützen kann. Po­litische Ehre verbot uns .weiter zu schweigen. Der Kampf um den Rhein ist nach unsrer Ueberzeu- gung zugunsten Deutschlands entschieden. Aber wir dürfen uns nicht in Sicherheit wiegen. So wie die deutsche Einheit nach BiSmarck» Worten unter dem Gewehranschlag von ganz Europa zustande gekom­men ist, so werden wir auch in Zukunft gezwungen - sein, unsere Einheit und unser Leben-recht al- Volk „toujour» en vedette" zu verteidigen.

Wir haben aus außen- und innenpolitischen Gründen keine Freude an dem Streit darüber, was eigentlich „Versackungspolitik" war und wer dafür im Herbst 1923 eingetreten ist. Nachdem aber die Linke und das Zentrum den Wahlkampf gegen den Präsidentschaftskandidaten Dr. Jarres allein mit diesem Vorwurf zu führen begonnen haben, blieb auf der Gegenseite nicht» anderes übrig, als auf ine Erörterung jener verschollenen Vorgänge einzugehen. Man vergißt ja in einer so ereignisreichen, so schweren Zeit unglaublich schnell die Zustände und die Stimmungen, in denen man noch vor kurzem gelebt hat. Wer kann sich noch gefühlsmäßig vollkommen in die Lage zurückversetzen, in der sich Deutschland beim Nie­derbrechen de» passiven Widerstande» an der Ruhr und beim Zerfall der Markwährung befand? Wer von uns allen hat damals geglaubt, daß es in verhältnismäßig so kurzer Zeit gelingen würde, das Reich wieder finanziell auf feste Fuß« zu stel­len und di« Mark neu zu stabilisieren? Pläne aller Ari wurden damals hundertfach geschmiedet, und es waren sehr verzweifelte darunter. Was man unter „Versackungspolitik" verstand, war der Gedanke, da» Rhein- und Ruhrgebiet vorläufig zu einem selbständigen Staatsgebilde werden zu lassen mtb die Verantwortung für die finanzielle Rettung dieses Gebietes den Besetzungsmächten zuZuschieben. Hierfür sind, wie Dr. Jarres in sei­ner Hamburger Rede angedeutet hat, Männer ver­schiedener Parteien eingetreten, darunter der zum Zentrum gehörige Präsident des preußischen Staatsrates Dr. Adenauer und der rheinische Demokratenführer, jetziger Landtagsabgeordneter Falk. Ihnen soll hinterher kein Vorwurf daraus gemacht werden, daß sie keinen anderen Ausweg sahen. Was Dr. Jarres wollte, war ganz etwas anderes: unter Berufung auf die Curzon-Note vonl August 1923 den Versailler Vertrag durch den Ruhreinbruch für zerrisien zu erklären, bis das Recht wieder hergestellt sei.

Rechenkünste.

Ullsteins „B. Z. am Mittag" stellt an Hand der Zahlen von der letzten Reichstagswahl eine Be­rechnung darüber an, wieviel Stimmen die sieben Kandidaten für die Reichspräsidentschaft wohl am 29. März bekommen werden. Natürlich werden die Ziffern für Braun, Marx und Hellbach nach oben abgerundet guf 8, 4v« und 2 Millionen, die für Dr. Jarres nach unter gedrückt auf „besten­falls 10 Millionen"; Thälmann wird auf 2y:, Held auf ly3 und Ludendorff auf 800 000 bis 1 Million geschätzt. Um mit der letzten Zahl an^ufangen: die ganze „nationalsozialistische Freiheitsbewegung" hatte am 7. Dezember etwas übet 900 000 Stim­men, hoch treten jetzt bekanntlich bie norddeut­schen Völkischen für Jarres unb nur bie Httleria- ner für Ludenborff ein. Aber auch sonst dürften sich mancye überraschende Verschiebungen in den Wahlziffern Herausstellen, da es sich am 29. März nicht um die Parteien handelt, sondern um Per­sönlichkeiten, von denen der Sarnmelkandidat Dr. Jarres geradezu als Fahnenträger des Kampfes gegen das überwuchernde Parteiwesen gelten kann. Das Hauptproblem des ersten Wahlgan­ges wird zweifellos die Wahlbeteiligung fein. Ans den Kreisen des linksstehenden Bürgertums und der Arbeiterschaft hört man vielfach, b tz es gar» nicht lohne, am 29. März zur Wahlurne zu gehen, weil von ihren Kanbibaten ja boch keiner durch- hommen könne unb weil es unter allen Umftänben zum zweiten Gang am 26. April kommen werbe. Die „B. Z."-Rechnung, wonach Dr. Jarres höch­stens auf ein Drittel bet abgegebenen Stimmen zu zählen hätte, kann jene Neigung ber Wahlent­haltung nur bestärken. Wir haben beshalb nichts dagegen einzuwenben — sofern nur bte Anhänger ber Kcmbibatur Jarres sich nicht von ber Wahl­müdigkeit anstecken lasten! Sie find bie einzigen, bie auf einen Ueberrasckungssieg hoffen können. Aber auch wenn ber nicht zu erzielen ist, so wirb boch eine über Erwarten hohe Zahl ber Jarres- Stimmen eine magneti^- Anziehungskraft auf bie Lauen unb Schwankenben ausüben. Darum gilt für alle hinter bem Reichsblock Stehenden bas Gebot: Eilt zur Urne schon am 29. März unb macht bie Rechenkünste ber Linke« zuschanden!

Lnvcnvorfs so« verzichte«.

München, 2.3. März. Dr« zuerst aus Berlin verbreitete Nachricht, daß norddeutsche völkisch« Kreise auf Ludendvrff einwirken werden, von seiner Kandidatur zurückzutreten, wird in hiesigen völ­kischen Kreisen bestätigt. Jedenfalk« wird eine Entscheidung erst fallen, wenn Ludendorff aus Ber­lin und Hitler aus Weimar zurückgekehrt sind, koas heute abend erst der Fall sein wird, da Luden­dorf ohne Uebereinstimmung mit Hitler den er­warteten Schritt kaum tun wird.

ff. München, 24. März. Zu dem Bestreben ber Völkischen in Aorddeutfchl->nd, Ludendorfs zu

einem Verzicht auf ein« Kandidatur für ben Reichs­präsidenten zu bewegen, ist der .Völkische Äurrier“ in der Lage, zu versichern, daß General Ludendorst nicht daran denke, auf die einmal ausgesprochen« Kan­didatur zu verzichten. ES handelt« sich bet ben dies­bezüglichen Meldungen um ein reines Wahlmanöver.

Keine Sonderkanvidatur Lebe.

Leipzig, 23. März. Senat-Präsident Dr. Lobe erläßt eine Erklärung, daß er für die deutsche Auf­wertung»- und Aufbaupartet zur RelchSprSslden- tenwahl nicht kandidiert habe. SS sei Wohl der Wunsch dafür laut geworden, aber seine Aufnahme al» Kandidat in bte amtliche Wahlliste fei nicht erfolgt. Schon au» technischen Gründen habe er die genannte Partei gebeten, von der Aufstellung seine« Person abzusehen.

Zusammenstöße »wische« Sozialdemokraten und Kommunisten.

Berlin, 28. Mär^ Wie der „Dorwärt," meldet, kam ee gestern in Walsum ht ein:r von den Sozial­demokraten einberufenen Wahlversammlung gu Zusam­menstößen mit ben anwesenden Kommunisten, bei denen viele Personen schwer verletzt wurden. Der so­zialdemokratische Landtagsabg. Schluchtmann, der in bet Versammlung sprechen wollte, wurde durch einen '-"-rstich verletzt. Das Versammlungslokal bildete ein Trümmerfeld. Nicht ein Tisch ober Stuhl ist ganz geblieben.

Ernste Mahnung!

E» wirb, rote wir von mehreren Seiten erfahren heben, die Nachricht herumgetragen: „Belm ersten Wahlgang am 29. März kommt es la gar nicht darauf an, daß eine Entscheidung fällt. Sie wird ja doch erst beim »weiten Wahlgang (am 28. Avril voraussichtlich! erfolgen. Alfa strenge sich niemand an. Es schadet nicht viel, wenn man zu Sause bleibt." Das Ist höchst bedauerlich und grundvetkehrl. Es schädigt die große, heilige valerländilche Sache und zwar um so mehr, als eine tfef bedauerliche, leider eckt deutsche Z^oUctetung herrscht: acht Kadidaten, darunter vier vom rechten Flügel! Das ist zu viel! Daher können solche Andeu­tungen nur von der Gegenseite au» gehen, um brühen Wahlgleichgültigkeit zu erzeugen unb somit bte eigene Sache zu fördern. Gerade das Gegenteil ist der Fall! Kein vaterländisch gestnnter Mann und keine vaterländisch gesinnte Frau darf fehlen am 29. März. Es kommt auf iebe Stimme schon beim ersten Wawlgang an. Alle» an Bord bas erste Mal und, wenn nölig wirb, au* ba» »weite «all

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Sie eithtrungSfraet

Die deutschen Vorschläge.

London, 23. März. Dem diplomatisch« Be­richterstatter des „Daily Telegraph" zufolge verlautet, van allen britischen Ministern Werb« ben brutschen Vorschlägen, sowohl an sich al« auch Wegen beS Geistes der Versöhnung, ber sie, tote angenommen werbe, veranlaßt habe, bte größte Bedeutung beige» messen. Es werbe jetzt Deutschland bie Absicht zuge- chrieben, ben letzten seiner Cinwänbe gegen bie Mit­gliedschaft des Völkerbundes, nämlich gegen bte volle Annahme der in Qlzt. 16 ber Dölkerbunbsfatzung ent­haltenen Verpflichtungen, fallen zu lasten. Anderer- eitS habe Herriot den britischen Standpunkt ange­nommen. dast Deutschland Aufnahme in ben Völkerbund nnb bet Abschluß des geplanten Paktes gleichzeitig von statten gehen solle. Trotz ber allgemeinen An­näherung in ben grunbsätzlichen Punkten blieben in» besten bie Schwierigkeiten von Einzelheiten bettächtlich.

London, 23. März. Auch bie heutige Presse beschäftigt sich eingehenb mit ber Frage des Sicher­heitspaktes, jedoch hauptsächlich in Telegrammen aus Paris, in denen vor allem bet Besuch beFleurianS in Paris besprochen wird. Der Pariser Berichterstatter der .Daily Mail" will wissen, Fleurian zufolge fei das britische Kabinett bereit, einen Veun-Mächte-Pakt zu erwägen, der anher Polen unb bie Tschechoslowakei auch Südflawien unb Rumänien umfassen würde unb anrege, daß bie deutschen Vorrschläge als Derhand- iungsgrundlage zwischen ben alliierten Regierungen benutzt werben.

fk. London, 24. März. Wie „Times" aus Washington meldet, hat das Staatsparlament noch keine Schritte bezüglich der europäischen Sicher­heitsverhandlungen unternommen. Es fei wahr­scheinlich, daß Coolidge in dieser Woche beginnen werde, die Stellung der Entwickelung und Mög­lichkeiten zu erwägen und Vorschläge für eine Flottenabrustungskonferenz zu machen. Es seien bisher noch keine Schritte erfolgt.

Eine Aeußerung Prof. Baschs.

fk. Paris, 24. März. Prof. Viktor Basch spricht sich in der heutigen „Ere Nouvelle" gegen den Plan aus, die Kontrolle des Völkerbundes zu verschärfen. Er schreibt: Deutschland habe das Recht zu fordern, daß die Frage oer Kölner Zone geregelt werde, und daß es fortfahre zu fragen, welche Verfehlungen ihm bei der Entwaffnung zum Vorwurf gemacht werden und was man noch von ihm fordere. Hierüber müsie sich vor allem Frankreich und Deutschland verständigen und öiese müßten auch gleichzeitig bestimmen, ob nicht die Kölner Hone geräumt wird, und ob die Alliier­ten über diese eine ständige Kontrolle ausüben können. Deutschland sei verpflichtet, die Kon­trolle zu erdulden die gesetzlich sei. aber Frank, reich habe nicht das Recht, ein Uebermaß von Vor- :cc-rsmaßregeln zu fordern, die ihm der Vertrag nicht zuweist.

Rncktrittsobsichte« Koch«.

ßon b o n, 22. März. »Sunday Times" berichten aus Parts, Marschall Fach sei über ben Auftrag, nochmals Stellung zum De richt ber Entwasfnrmgs-

kommlstion zu nehmen, sehr ungehalten, weil be» Auftrag ganz bestimmte Richtlinien für bte Stellung­nahme enthalte. Dach ber Auffassung bes Blatte« ist mit bem Rücktritt Marschall Fachs zu rechnen.

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StimWichm Im ölten

3« maßgebenden deutschen politischen Kreisen bringt man den Vorgängen jenseits der deutschen Grenzen im Osten größte Aufmerksamkeit entgegen. Das Ausweichen des Völkerhundrate» vor einet klaren Entscheidung in der Danziger Frage, ferner die Unterredungen des pol­nischen Außenminister» in Paris haben auf die volnisch« Politik offenbar eine Einwirkung gehabt, die jede, wahren Friedensfreund mit Besorgnis erfüllen muß. Man verhehlt sich nicht, daß bie in Polen veranstaltete« Kundgebungen gegen die angeblichen Erenzberichtigungs» absichten Deutschland» von bestimmter Stelle aus diri­giert werden, weist aber habet darauf hin, daß dies« Demonstrationen weniger den Charakter von Proteste» gegen angebliche deutsch« Absichten als trtelmeht ben au»» gesprochenen Annektionsahsichte« gegenüber Ostpreußen, Oberschiesten und Danzig haben. Den in den letzten Ta» gen wiederholt ausgetauchten Gerüchten über polnisch« Truppenkonzentratton« in Pommerellen und im pol­nischen Korridor bat man bisher skeptisch gegenüber, gestanden. Nachdem aber diese Nachrichten in hnmei bestimmterer Form u. a. auch in der englischen Press« auftauchten, siebt man sich hier veranlaßt, diesen Nach­richten größere Beachtung zu schenken. Wenn man hie« dabei auch der Auffassung ist, daß Polen sich kaum obn« weiteres zu militärischen Erenzoutschen hlnrelßen lassen wirb, so Ist doch die Befürchtung nicht ganz unbegründet, daß die unter dem Namen „Gesellschaft der Aufständi- schen" zusommengeschlosienen polnischen Insurgenten unb Chauvinisten vor einem ähnlichen Sanbstrrich wie einerjeit gegen Wilna nicht zurückschrecken. Diese Be­fürchtung gewinnnt dadurch an Boden, als bte besonder« auf dem Lande veranstalteten polnischen Demonstratio­nen durchweg von diesen Aufständischen ausgeben, di« auch mit ihren Forderungen auf Danzig, Ostpreußen uni Oberschlesien keineswegs zurückhalten.

Deutscherseits ist auf diese Vorgänge und ihre Be» gleitumftänbe in geeigneter Weise hingewiesen worben. Die Tatsache, daß sich jetzt ber „Manchester Guarblan" mit bieser Angelegenheit offenbar inspiriert befaßte unb bähet bie brutsche Auffassung sowohl in ber Frage der deutschen Ostgrenze wie auch in der außerordentlich krie­gerischen Haltung Polens zum Ausdruck bringt, läßt er­kennen, daß man sich zum mindesten in England mit dieser Angelegenheit ebenfalls aufmerksam beschäftigt.

Die ganze Angelegenheit gewinnt noch eine besonder« Bedeutung dadurch, daß ber brutsche Botschafter in Lon- bon ein« längere Unterhaltung mit Chamberlain fibei bie brutsch«« Sicherheitsvorschläge hatte, bie in erst« Linie etnm Sicherbeitspakt zwischen Deutschland, Eng- land, Frankreich, Belgien und Italien ht ber Frage ber brutschen Westgrenze zur Voraussetzung haben. Di« französische Regierung wünscht bekanntlich, baß »um mitt» besten Polen diesem Dakt zur Sicherung auch der polni­schen Grenzen angeschlossen werde. Inwieweit Chamber­lain sich ber französischen Forberung angeschlossen bat, ist nicht bekannt geworben. Die „Times" glaubt aber zu wissen, baß jetzt bas deutsche Angebot in seiner ursprüng­lichen Form daraufhin burchstubiert werden würbe, in» wiefern es mit bem Vertrage von Versailles überein« Simmt nnb inwieweit es bavon abwetcht. Dadurch wär­en sich eine ganze Reihe von Fragen ergeben, über bte von Deutschland nähere Auskunft eingezogen werben soll. Angeblich soll bamit verbinbett werben, daß ein« Ver­zögerung des Eintritts Deutschlands in ben Völkerbund tewa bie sofortige Regelung ber Sicherheitsfrage weitet binaussch'ebt.

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Fehreubach und Ebler von Brau« als Zeuge«.

Magdeburg, 23. März. Al« erster Zeuge wirb Reichstagsabgeordneter unb früherer Reichs­kanzler Fehrenbach vernommen, der u. a. er­klärte: Ich hielt Ebert für einen durchaus zuver­lässigen und pattiottschen Mann und bht fest davon überzeugt bi» zur heutigen Stunde! Er gab mir nicht einmal Gelegenheit, an seiner vaterlän­dischen Gesinnung zu zweifeln. Ebert war kein Revolutionär. In jener Woche, als bte Revolution ausbrach, hatten wie eine interfraktionelle Sitzung, In der <>ln Mitglied — e« war nicht Ebert — der S. P. D. in interessanter Wels« über bte Stellung der Sozialdemokratie zur Monarchie sich äußerte. Er sagte: „Wir sind Sozialdemokraten und sind Sozia- Ilften, aber Republik steht nicht in unfernt Pro­gramm. Wir können unsre wesentlichen Ziel« auch in ber Monarchie erreichen. Wir sind Demokraten unb al- solche tragen wlr der Tatsache Rechnung, daß bie Mehrheit be« deutschen Volke« monarchistisch gesinnt ist. Bon einem weiteren Regiment Wil­helms II. ober be« Kronprinzen kann feine Siebe sein. Aber wir sind bereit, den ältesten Sohn des Kronprinzen unter der Vormundschaft der Re- gentschaft als Kaiser anzuerkennen." Da» war bie Meinung der S. P. D.-Führer. Am Dienstag oder Mittwoch der Woche kam dann Ebert zu mit unb unterrichtete mich barüber, tote ec Im Osten und Norden In zwei großen Gewerkschaftsversamm­lungen die Arbeiter von dem revolutionären ®e* danken abzubringen versuchte.

Der nächste Zeuge, Generalmajor a. D. Edle» bon Braun, war im letzten Krleg»jahr im Krieg»« amt mit der Bearbeitung der Rückstellungen be» schäfttgt. Er erklärte, anfang» Januar 1918 fei de» damalige Abgeordnete Bauer zu ihm gekommen, um ihn zu bitten, den ältesten verwundeten Sohn des Slbgeordneten Ebert von der Front zurückzu» ziehen, nachdem bereit» zwei Söhne Ebert» gefal­len waren. Auf die Aufforderung, Ebert möge sich selbst an die Dienststelle des Zeugen wenden, er­klärte Bauer, er glaube nicht, daß sich Ebert zu Rückstellungsgesuchen für seinen Sohn herbeilassen toürbe. Der Zeuge habe bann die Angelegenheit bem orbentllchen Geschäftsgang überlassen. Mit Ebert selbst habe er nie über die Rückstellung be» Sohges gesprochen. Oberregierungsrat Kauf»