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Anzeiger für (das früher kurheWchef Sberhefsen - Amtliches Derkünbigungsblatt des Kreises Marburg

n die Hände des Vorsitzenden und der Berichter­tatter gelegt wird. Schließlich werden auch noch

vorläufige allgemeine Richtlinien angenommen. Dann vertagt sich der Ausschuß aus den 2. April.

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Ju einer Rede, die

Hamburg, 23. März.

be­

kennte im Herbst erscheinen. Der femnim glaubte Rdjercit Lösung, leitete die Aera

deutsche Persönlichkeit dieses ßammelkandidaten auSgenutzt

1923 bereits als nicht mehr nötig damalige Reichskanzler Dr. Stre­un die Möglichkeit einer fried- trat Herrn Jarres entgegen und derVerständigung", die zu dein

einzigen nationalen werden soll.

:aft einstimmig die von dem Abg. Dr. Hertz in einem Arbeitsplan genannten Arbeitsantröge als

um über die Loslösung der Rheinlande vom Reich im Wege der Verständigung mit dem Feinde zu verhandeln. Der prominente Demokrat ist Justiz- rat Fa lck-Köln, der dem Vorstand der demokr. Landtagsfraktion in Preußen angehört. Er schloß sich den Ausführungen Adenauers im wesentlichen an und erläuterte sie dahin, daß der Vorschlag, die Bildung eines neuen Staates, d. h. eine Loslösung des Rheinländer vom Reich (also nicht nur von Preußen) de facto und de jure sei.

Welcher Wert also der perfiden Verdächtigung der Linkspresse gegenüber Dr. Jarres beizumessen ist, ergibt sich aus diesen Feststellungen von selbst.

Versammlung, die von Gegnern nicht war, verlief ohne jeden Zwischenfall.

i Oberbürgermeister Dr. JarreS gestern im großen Saal bei Sag biel hielt, ging der Redner u. a. näher auf den Ruhrkampf ein und betonte, daß er keinen andere« Lebensinhalt kenne, als die Freiheit des Rheins und die Freiheit des Landes. Als der Nuhrrampf damals aufgegeben werden mußte, da haben sich die führenden Männer zusammengesetzt, em eine Lösung zu suchen, wie sie für da» Vater­land am geeignetsten wäre. Auf der Linken sei He Auffassung vertreten worden, den passiven Wi­derstand aufzugeben in der Erwartung, daß sich dann die Einbruchsmächte zurückziehen würden, und der alte Zustand wiederhergestellt werden würde.

i Ich habe damals, sagte Dr. JarreS, diese Auffas- j, sang als Utopie bezeichnet und diese Auffassung hat sich dann auch später als richtig herausgestellt. Die französische Politik ging nur darauf au», auch die gut gesinnten Kreise des Rheinlande», ganz ^gesehen von den Separatisten, für eine Staats- »mformung zu gewinnen. Der Redner ging dann noch näher auf die damalige Situation im Ruhr-

ziehen sich die Mitteilungen, die dieser Tage über die Aeutzerungen eine? prominenten rheinischen Führers und eines ebenso bekannten rheinischen De­mokraten hinsichtlich der Errichtung eines besonderen Rheinsiaares gemacht worden sind, auf eine Tagung, die am 25 .Oktober in Hagen stattfand. E» nah­men daran teil Vertreter der besetzten Gebiete und Regierungsvertreter. Gegenstand der Besprechung war die durch den Abbruch des passiven Widerstän­de- geschaffene Lage. Ter Verlauf dieser Versamm­lung und die dort gemachten Ausführungen sind protokollarisch festgelegt. Bei dem prominenten Zen­trumsvertreter handelt cS sich um den derzeitigen Oberbürgermeister von Köln, Dr. Adenauer, der nicht nur im rheinischen Zentrum »sondern in der Zentrumspartei überhaupt eine führende Rolle spielt. Dr. Adenauer machte, wie nochmals fest- gestellt sei, den Vorschlag, die Spitzen der Parteien des beichten Gebietes mit Vollmachten zu versehen,

Dawesplan und zu kleinen Teilräumungen geführt hat. Poinrarö wurde durch Herriot erseht. Aber immer noch stehen bie Franzosen int 8tufr-rgebiet und die Engländer in Köln. Keineswegs sind wir schon dessen sicher, daß die ganze Verständigungspolitik nicht am Endever­sacken" wird. Erst eine spätere Zeit wird ent­scheiden können, ob der stark männliche Vorschlag des Br. JarreS nicht zugleich auch der klügere war. Aber ganz unerfindlich ist, wie eS gegen die echt

lampf ein und betonte, daß die Trennung von Deutschland seiner Ansicht nach nur durch eine starke ^Mische Kraft verhindert werden konnte. Die im als

Rr A» Md Bitten»

England verliert mit dem Tode des Lord Curzon einen Staatsmann, bei seinem Vaterlande in verschie­denen Stellungen grobe und wertvolle Dienste geleistet bat. Persönlich war Lord Curzon ein Mann der eng­lischen Tradition. Schon in bei Schule und mehr noch auf der Universität in Orford verriet der iunge Curzon durch seine Begabung und durch sein selbstbewußtes und sicheres Auftreten die künftige Fiibrernatur. Er bat sich indessen sein Leben lang nicht nur auf angeborene Ga­ben und die Tradition gestützt, sondern auch einen Ar- beitsfleitz gezeigt, wie er in dem England des Werk End und der langen Parlamentsserien zu den Selten- beiten gehören. Seine Vermögensverbältnisse hätten ibm wohl ein ruhiges und behagliches Dasein gestattet. Lord Curzon besaß nicht nur von vause aus, sondern auch von seiner ersten Heirat mit einer Amerikanerin ein sehr beträchtliches Vermögen. Trotzdem bat et es unter Verzicht auf ein genußreiches Privatleben mit dem Staatsdienste stet» sehr ernst genommen. Noch bis in die letzte Zeit pflegte Curzon bis nacht» 3 Uhr zu arbeiten

Da» Interesse für die Politik und das Staatsinter­esse hat bei Curzon eine offenbar vorhandene ange­borene Neigung zur Beschäftigung mit den schönen Kün­sten in dem Hintergrund gedrängt. Doch bat sich dieses Talent immerhin so weit entwickelt, daß Lord Curzon in der literarischen Produktion seines Landes einen ehrenvollen Platz elnnabm. Sein besonderes Interesse war von früher Jugend an auf den Orient gerichtet, den er auf vielen und langen Reisen eingehend kennen­lernte.

In seiner politischen Laufbahn war Curzon von gro­be« Erfolge begleitet. . Seine staatsnst mische Begabung

Jarres im 1. und 2. Wahlgang.

Berlin, 20. März. Vom Reichsblock wird mitgeteilt:Ein Berliner Mittagsblatt behauptet, daß die Kandidatur Ludendorff beim Reichsblock große Bestürzung hervorgerusen habe und wahrscheinlich den Anlaß zu einer Sammel­kandidatur im zweiten Wahlgang gehen werde. Ueber die Kandidatur Ludendorff haben im Reichs­block weder Beratungen noch irgendwelche Erör­terungen stattgefunden, nachdem, entsprechend dem den Parteien offiziell bekanntgegebenen Beschlüsse der deutsch-völkischen Freiheitsbe­wegung, sich deren sämtliche Organisationen hinter D r. Jarres gestellt haben. Auch die deutsch-völkische Jugendbewegung hat Dr. Jarres proklamiert, was u. a. in einem Aufruf nationaler Studentenverbände für Dr. Jarres zum: Ausdruck kommt. Einen Aufruf hat auch die deutsch-völkische Studentenbewegung unterschrieben, obwohl General Ludendorfs ihr Protektor ist. Die Kandidatur Suben« borff wird nach Ansicht des Reichsblock» nir­gends ernst genommen. Der Reichsblock hält nach wie vor daran fest, daß Dr. Jarres auch der Sammelkandidat in einem etwaigen zweiten Wahlgange ist."

Kundgebung der Frankfurter Rechtsparteien.

Frankfurt a. M., 22. März. Heute veran­staltete die Deutschnationale Volkspartei, die Deutsche Volkspartei und die Wirtschaftspartei eine gemeinsame Kundgebung zugunsten der Kandidatur Jarres, die von ungefähr 3000 Personen besucht war. Prof. Bredt - Marburg, der den Vorsitz führte, legte den Standpunkt der Wirtschaftspakte! dar. Landtagsabgeordneter Schulrat Schwarzhaupt-Frankfurt a. M. sprach für die Deutsche Volkspartei. Reichstaqsab- geordneter Geh. Oberregierunqsrat Dr. v. Dry- ander- Berlin für die Deutfchnationale Volks­partei. Pfarrer Karl Veidt fakte die Ausfüh-

Sie MmmMtagl

London, 21. März. Zu der Reife de» fran­zösischen Botschafters nach Paris schreibt dieTi­mes", es verlaute, daß die französische Regierung dringend wünsche, einen deutlichen Fingerzeig be­züglich der Hauptrtchtlinien der britischen Politik in der Frage der französischen Sicher­heit zu erhalten. Man glaube, Herriot fei der Ansicht, daß ihm. wenn er kein klares Bild der britischen Politik erlange, möglicherweise unange­nehme Angriffe seitens der Opposition drohen würden. DieTimes führt weiter aus, gegen­wärtig würden die deutschen Vorschläge von beiden Regierungen sorgfältig geprüft, zu­nächst um festzustellen, in welchen Punkten sie sich mit dem Versailler Vertrag deckten und in wel­chen sie sich davon unterschieden. Diese Prüfung werde voraussichtlich dazu führen, daß die deutsche Regierung um weitere Aufklärung über einige Punkte ersucht werden würde. Rach deren Eingang würden die beiden Regierungen ihre Ant­worten an Berlin entwerfen und danach streben, diese Antworten in ihren Hauptlinien in Üeberein- stimmung zu bringen. So werde es vermieden werden, daß die deutsche Regierung zögere, ihren Wunsch nach Aufnahme in den Völkerbund aus- zusvrechen, ferner daß die Bearbeitung der Sicher­heitsfrage durch die alliierten Regierungen im jetzigen Stadium behindert -erde.

London, 21. März. Der diplomatische Bericht­erstatter de» ,Daily Telegraph" sagt zur Sicher- heitSfrag». einstweilen bildeten bi« verschiedenen Ideen der Alliierten und Deutschland» noch ein schwer zu ordnende» Durcheinander, während gleichzeitig leben Augenblick die Möglichkeit bestehe, daß plötzlich Vor­schläge seitens Washingtons eingehen. Man habe gesagt, das Sicherheitsproblem werde in Europa geregelt werden müssen, bevor die europäischen Mächte zu einer von Amerika ausgehenden Konferenz gehen könnten. Es sei indessen nicht die britische Auffassung, den-' es sei denkbar, daß zwar nicht der Schlüssel, aber d^ch der Kompaß für die Regelung der Sicherheitsfrage in Europa ebenso wie bei dem Dawesplan in Washina- ton gefunden werden wird. Einstweilen steh« fest: 1. daß nirgends in den Kreisen der Alliierten der Gedanke eine» gegenseitigen Paktes zwischen den westlichen Alliierten Deutschlands ab gelehnt worden sei und 2. baß die Zulassung Deutschlands zum Völkerbund und der Abschluß eines gegen­seitigen Paktes überall äl» unzertrennlich mit einander verbunden betrachtet werden. Bezüglich des zweiten Punktes sei die Frage ausgeworfen worden, ob der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund nicht dem Abschluß eines Paktes vvrausgehen sollte, ein Ver­fahren. dem Berlin sich widersehe Man sei in London der Ansicht, daß irgendwelche Schwierigkeiten tn dieser Beziehung überwunden werden könnten, indem beide Operationen vollzogen würden, d. h. indem die Verhandlungen für einen Pakt vor Deutschlands Ein­tritt in den Völkerbund abgeschlossen werden, aber erst bindende Kraft nach Deutschlands Eintritt erlangen

Ferner bemerkt der Berichterstatter, nach den letzten Informationen aus Berlin würden bieSchiedsge­richt ^Vorschläge" wegen verschiedener Fragen, wie der deutsch-polnischen Grenze, nicht die Form eine» Er­suchens um eine juristische obligatorische Entscheidung annehmen, sondern auf der Einsetzung von Versöh­nungsausschüssen beruhen. Aus diesem Wege würden von Deutschland nur Lösungen durch gegenseitige Ver­einbarungen gefordert werden, was das Problem we­niger hoffnungslos machen würde, als es zuerst erschien. Aach einem Pariser Bericht habe der polnische Außen­minister ongedeutet. die polnischen Einwendungen gegen den gegenseitigen Pakt würden verringert werden, wenn Deutschland sich feierlich verpflichten würde, keine ge­waltsamen Aenderungen der deutsch-polni­schen Grenze zu versuchen und nicht zu versuchen, die Frage auf friedlichem Wege beim Völkerbund während der Dauer von 15 Jahren aufzuwerfen. Von nichtpolitischer Seite ist derselbe Gedanke mit einer Frist von 10 Jahren vorgebracht worden. Was den Plan des tschechoslowakischen Außenministers Benefch we­gen der Bildung eines westlichen und östlichen Paktes betreffe, so werde in britischen Kreisen zugegeben, baß er zu der Lösung beitragen könne. Allerdings würde Mallen der Bildung einer Donaukonföderation nicht zustimmen wollen. Der Berichterstatter bemerkt noch, die gestrige Reise des französischen Botschafters nach Paris steh« nicht im Zusammenhang mit seiner Unterredung mit Chamberlain am Tage vorher. Diese fei vielmehr bereits vor einer Woche festgesetzt worden.

StrfmhingSoolitit

Der Kamps um Jarre».

E» scheint, al» ob bie Linken nicht viel zum Ruhme ihrer diversen eigenen Kandidaten anzufüh­ren wissen; denn die Hauptkraft widmen sie den Angriffen gegen Dr. Jarre», den einzigen Sam- meltanbibaten, dessen große Gewinnaussichten sie k Mit einem Gemisch von Neid und Wut betrachten. : ;Bn der Form einer sensationellenEnthüllung" Meiden nun vomSozialdemokratischen Paria- mentSdienst" Teile von Briefen und Reden de» Dr. JarreS au» dem September 1923 veröffent- I licht. Und die Presse der Demokraten und deS -Zentrums tritt begeistert in diese ausgetretenen schmutzigen . Fußtapfen. Natürlich handelt eS sich um grobe Vertrauensbrüche so um ein amtliches Protokoll aus einer Kabinettssitzung und um * ®tnge, deren öffentliche Erörterung uh» außen­politisch schaden kann; aber darum kümmern sich | $o die Fanatiker des Parteihasses nicht, auch wenn sie sonst so Übertriebenes Gewicht auf den Ein­druck im Auslande legen. Und waS kommt bei dem ganzen Enthüllungsfeldzug, mit dem sie Herrn Jarres unmöglich machen wollen, heraus? Daß dieser im Herbst 1923 der Ansicht gewesen ist, man werde sich mit einem Poincarö niemals in ehr­licher Weise über die Räumung der besetzten Ge­biete verständigen können nnd sollte daher, wenn | er neue Rechtsbrüche begeht, beit Versailler Ver­trag für gebrochen erklären. Dr. JarreS nahm an, i daß nur ein solcher eklatanter Schritt bie öffeitt- Sche Meinung ber Welt aufrüttsin nnb gegen bie : französische Gewaltpolitik einnehmen würde. Diese . Ansicht war damals in den. mehr rechtsstehenden Kreisen weit verbreitet, und man wird ihnen Herrn JarreS schwerlich dadurch verleiden, daß man mit­teilt, er habe ebenso gedacht. Ganz im Gegenteil! Vebrigens hat selbst der sozialistische Regierungs­präsident GrÜhner In seinem Artikel:Hände weg l khi JarreS" gegen diese Art Polemik scharf Front »emacht und es als unerhört bezeichnet, den Pa­triotismus und die Liebe zum Rheinland bei JarreS irgendwie anzuzweifeln. : E» ist ja derselbe Streit zwischen den Neinsagern und den Jasagern, der der der Entscheidung über das Versailler Diktat deS öfteren die Deutschen entzweit. Allerdings hatten sich die Verhältnisse etwas verschoben. WaS Itii Sommer 1919 unbedingt richtig gewesen wäre,

rungen der drei Redner in einem Scklußmort zu­sammen und ickloß mit einem begeistert aufge­nommenen Hoch auf das deutsche Vaterland. Die besucht

London. 21. März. Zu der Verzögerung in der Ablieferung des Berichtes des ft omi« tees Fach an den Botschafterrat bemerkt der diplomatische Berichterstatter desDaily Tele­graph", sie sei darauf zurückzuführen, daß nach Ansicht der alliierten Regierungen aufs sorgfäl­tigste vorgeschrieben werden soll, worüber der Be­richt erstattet werden müsse. Vermutlich seien die Weisungen des Botschafterrates an Foch zu um­fassend gewesen. Vielleicht hätten sie nach Ansicht einiger Regierungen einen allzu politischen Cha­rakter gehabt.

Mm in ter snmMchm Rammet

Paris, 20. März. Sofort zu Beginn der heu. tigen Kammersitzung ergriff Herriot das Wort, um zum Manifest der Bischöfe Stellung zu nehmen. Herriot verteidigte sich gegen den Vor- wurf, in Frankreich einen Religionskrieg entfes­selt zu haben. Die Botschaft am Vatikan sei au» Gründen aufgehoben worden, die mit der Achtung des katholischen Glaubens nichts zu tun härten Niemand könne ihm beweisen, daß ec je einer katholischen Beamten belästigt habe. Er werde ir jedem Falle einschreiten, wenn ein Beamter am religiösen Gründen benachteiligt würde

Die Erklärung Herriots wurde von zahlreicher Zwischenrufen unterbrochen. Die Abgeordneten der Linken und Rechten beschimpften sich gegen, eitig. Herriot erklärte weiter, daß da» Manifest oer Bischöfe den Schlußpunkt einer Kam. pagne oar ft eite, d t e von Rom au« unterhalten werde. Der Ministerpräsident behandelte das Manifest im einzelnen i n> wies die darin enthaltenen Anschuldigungen zurück, insbesondere die Vorwürfe gegen die konfessions­lose Schule, die er als glorreichste Errungenschaft der Republik darstellte. Er anerkenne die Gröhe des Christentums, das die Menschenliebe und bie Barmherzigkeit gelehrt habe. Er wolle aber nicht« von einem Christentum der Bankier, wissen. Dieser AusdruckChristentum der Ban. Kiers" rief bei der Opposition einen wahren Ent- rüstungsfchrei bervor. Die Regierungsmehrheit brachte Herriot eine stürmische Ovation dar, wäh- rend die Opposition durch Auf- und Zuschlägen bet Pultbeckel Herriot am Reben verhinberte. Die Rechte unb bie Linke beschimpften einanber ge. genfeitig. Mehrere Abgeordnete der Rechten stürmten zu den Bänken der sozialistischen Abge­ordneten. Es kam zu einem allgemeinen Handgemenge, worauf der Kammerpräsident Painlevs die Sitzung auftjob.

Rach Wieberaufnahme bet Sitzung bestieg Her­riot von neuem bie Tribüne. Da er feine Rebe im gleichen Geiste fortsetzte, protestierte ber Abgeorb- nete Marquis be Ferronet. Er wanbte sich gegen Herriot mit großer Heftigkeit unb ersuchte ihn, ben AusdruckChristentum der Bankiers" zurück­zunehmen. Herriot setzte aber seine Ausführun­gen fori> ohne fid). durch Hie Zwischenrufe de« Marquis beirren zu lassen, worauf von neuem eine allgemeine Lärmfzene entstand. Ter Kam­merpräsident Painlevö teilte darauf mit, daß ei sich gezwungen sehe, gegen den Marquis deFer» ronet den vorübergehenden Ausschluh vorzue fcklagen. Diese Erklärung wird von heftigen Pro­testrufen der Minderheit ausgenommen. Der Ab­geordnete Ferronet bestieg die Rednertribüne, um sich zu verteidigen. Er wiederholte aber seine An­schuldigungen gegen Herriot, worauf die Kammer mit großer Mehrheit feinen Ausschluß be­schloß. Es verblieb somit dem Abgeordneten Ferronet nur noch übrig, den Sitzungssaal zu ver­lassen, wozu er sich auch anschickte. Seine poli­tischen Freunde aber verhinderten ihn daran unb protestierten laut gegen ben Beschluß. Der Kam- merpräsibent orbnet barauf bie Ausweisung bes Abgeordneten an. Der Präsibent ist beshalb wie­her genötigt, bie Sitzung zu unterbrechen. Die Rechte roenbet sich, ohne ben Saal zu verlassen, hauptsächlich gegen ben Abgeorbneten Loucheur, bessen Fraktion für bie Zensur gestimmt habe. Der Abgeorbnete Ferronet weigert sich, ben Saal zu verlassen. Als ber Abgeorbnete trotz wieber- holter Aufsorberung ben Saal nicht verläßt, er­scheint ein Ober ft, begleitet von fünf re - publi Kanischen ©arbiften, im Sitzungs­saal, um bie Ausweisung bes Abgeorbneten vor­zunehmen. In bem Augenblick, ba bie Garbe Republieaine ben Saat betritt, wirb sie von ben Freunben bes Abgeorbneten mit bem Rufe Vive larmee empfangen. Der Abgeorbnete Ferronet geht auf ben Obersten zu, brückt ihm bie Hanb unb verläßt mit ihm ben Sitzungssaal, während seine Freunde die Marsellaise anstimmen.

Die MrMKüdiirnngtN

Berlin, 21. März. Der Untersuchungsaus­schuß des Reichstages für die Ruhrentfchadigun- aen hat beute feine zweite Sitzung abgehalten. Der Vorsitzende macht von einem Briefwechsel mit berVossischen Zeitung" Mitteilung, in bem er ben Vorwurf ber Verschleppung ber Arbeit bes Ausschusses zurückweist. Bei ber Ausstellung bes Arbeitsplanes bes Ausschusses wirb festgestellt, baß bie Berichterstatter bann einig finb, baß nur Tatsachenmaterial, wie es ber Regierung vorliegl, bie Grunblage für bie Verhanblungen Kilben soll. Die Regierung würbe um Vorlegung eines Ent­wurfes zur allgemeinen Orientierung über bie ganze Materie ersucht. Der Berichterstatter Dr. Hertz (Soz.) legt einen vorläufigen Arbeitsplan vor. Dem Arbeitsplan Dr. Hertz wirb von ben Demokraten, bem Zentrum unb ber Deutschen Volkspartei zugestimmt, wobei jeboch von ben Abg. Ester jZentr.) unb Hugo (T). Volksp.) ver- langt wirb, baß zuerst bie Rechtsgrunblage geprüft werben soll. Die Deutsche Volksvartei bebält sich außerbem, wie auch bie Kommunisten, Ergänzun­gen zu bem Herrschen fertigen Arbeitsplan vor. Der beutschnationale Vertreter tritt bem Vorschlag ber Vertreter ber Deutschen Volkspartei bei.

Jin weiteren Verlauf ber Derhanblrmgen fetzte sich ber Abg. Dr. Hertz (Soz.) für feinen Arkeits- plan ein unb erklärte, ber Vorwurf, bie Rechts- grunblaqe verletzt zu haben, werbe ber Regierung nur in Bezug auf bie 706 Millionen Zahlungen für bie Mieumlieferungen gemacht. Daher müßten biefe grunblegenb für bie Arbeiten bes Ausschusses sein. Bon kommunistischer Seite wirb beantragt, in ben Arbeitsplan weiter bie Untersuchung über bie Verwenbung ber von ber Regierung gezahlten Beträge aufzunehmen, um zu beweisen, baß bie Beträge zu einem wesentlichen Teile nicht für bie richtigen Zwecke ausgegeben würben.

Der Vori'tzenbe empfiehlt barauf für bie Füh­rung ber Verhanblungen" folgenbe brei Probleme:

1. Wieviel tour.! gezahlt?

2. Slnb bie Zahlungen zu hoch gewesen?

3. Slnb Schüben überhaupt nicht vergütet worben?

Bei ben nun folgenben Abstimmungen wirb zu­nächst ein Antrag Dr. Breitscheibs angenom­men, baß zunäckft einmal bie im Arbeitsplan bes Abg. Dr. Hertz erwähnten Akten ber Reichsregie- rung bem Ausschuß vorgelegt unb geprüft werben sollen. Grundsätzlich angenommen wird ein Zen- trumsantrag, in der nächsten Sitzung den Regisru.ngsverireter zu hören, wobei die Entschei­dung über die Notwendigkeit diese» Vorschlages«

61«OixihefMche Zeitung" erscheint sechsmal wöchentlich. Bezugspreis monatlich 2 Mark ausschließlich Zu^ellungsqe- Der Bnzeigenvrei» beträgt für den 10 gefp. Zetlenmillimeter 0,08 Gold mark. Klein» Set-Änielge« 1106 SSt Amtliche utü

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Grundlage hierzu hätte die Note Curzon» ttugiift 1923 geboten, die den Ruhreinbruch Brttd) des Friedensvertrages bezeichnete.

So sitzen die ,,Versack,tttgspolitiker"?

Wie derDeutsche Zeitungsdienst" berichtet,

«t. 69

Marburg o. &, Mittag, ben K. Mürz

60. Sam. 1523