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Anzeiger für idas Mer kurheffischef SSerWen - Amtliches VerkündimmMlatt des KreAS Marburg
6tom Im PrruWKei, Sandlag
Ungewöhnlich turbelent setzte die Freitagssihung des Preußischen Landtags ein — die letzte Sitzung vor dem 31. März. Der im Aeltestenrat von der Linken durchgebrückte Beschluß, das Hau» bis nach der Reichs« Präsidentenwahl zu vertagen und sogar in dieser kurzen Zwischenzeit dem äleberioachungsauSschuß deS Landtags weitgehende Rechte zu übertragen, hatte auf der Rechten starke Empörung hervorgerufen, sie kam zum Ausdruck in den leidenschaftlichen Reden, mit denen die deutschnatipnalen Abgeordneten v. Osten, D. Winckler und Schlange vor Eintritt in die Tagesordnung gegen diese Verschleppung protestierten und eine Erklärung des »Ministerpräsidenten" Marr forderten. Dieser erschien dann auch bald, sagte aber nur einige formelle Sätze über das verfassungsmäßige Recht des zurückgeiretenen Ministeriums, die Geschäfte weiter zu führen, und die im LandeSinterefs« notwendige» Anordnungen zu treffen. Aber da» wollte man nicht wissen; darüber ist sich ja jedermann klar. Di« Recht« wünschte eine Besprechung ihre» Antrages, too*
2 7. Sitzung am 20. März.
Auf ber Tagesordnung steht zunächst die Fortsetzung der Besprechung über die Hallenser Vorgänge.
Vor der Tagesordnung beantragt zur Geschäftsordnung Abq. v. der Osten (Dtntl.) die Vorwegnahme des Antraaes seiner Fraktion über den Begriff eines Geschäftsministeriums und speziell den Begriff: Laufende Geschäfte. Das gegenwärtige, das Vertrauen des Landtages nicht besitzende Ministerium dürfe keine politischen Entscheidungen treffen, weil dadurch die Verfassung gefährdet würde. Die Dentschnationalen seien der Ansicht, daß daS preußische Voll dieses Spiele? r'cht herzlich müde sei tGrvße Unruhe in der Mitte und links).
Abg. Winckler (Dtntl.): Wir haben einen Antrag auf Auflösung des Landtages mit sofortiger Wirkung vorgelegt (stürmischer Beifall vechtSd Dem Ministerium fehlt jede verfassungsmäßige Grundlage. Es '.vilk sich aber künstlich an der Macht erhalten (Fortdauernd großer Lärm in der Mitte und linkst. Auch das ist ein verfassungswidriges Spiel. Wenn diese Regierung sich befugt hält, Vervrd- nuungen zu erlassen, so ist das mit den elementarsten Begriffen des politischen Anstandes nichts vereinbar (Andauernder Lärm in der Mitte und linkst. Der Ministerpräsident Marr hat sofort hierher^ zu kommen und um seines Namens willen zu erklären, ob er sich zu solchen Handlungen für b-lugt hält oder nicht! (Stürmischer Beifall rechts. Fortdauernder tosender Lärm im übrigen Hauset.
Abg. Riedel (Dem.): Die Mehrheit, dir am 20. Februar das Ministerium gestürzt hat, ist seitdem nicht in der Lage gewesen, aus ihren Reiben ein Ministerium zu bilden. Diese Mehrheit wird für die jetzigen Zustände verantwortlich sein (Lärm rechts).
Abg. Schlange-Schöningen (Dtntl.t: Herr Riedel ist in diesem Hause der Allerungeeignetste, über Verantwortung zu sprechen. Wochenlang haben wir dem Spiel ruhig zugesehen. Wenn die Weimarer Koalition es so weiter treibt, wird sie eines Tages als die Vernichterin der Verfassung dastehen. In llebereinstimmung mit den Parteien, mit denen wir zusammenwirken, werden wir es nicht weiter ruhig mit ansehen, daß mit ihrer Hilfe die Gesellschaft der Kutisker und Barmats den Sieg davonträgt. (Die letzten Sätze der Rede gehen in dem andauernd wüsten Lärm völlig verloren).
Ministerpräsident Marx ist inzwischen im Hause erschienen. Er erklärt ,daß nach Artikel 59 der Verfassung das geschäftsführende Ministerium die laufenden Geschäfte zu erledigen habe. Er habe dafür zu sorgen, daß der preußische Staat und das preußische Volk keinen Schaden erleide (Beifall in der Mitte. Unruh« rechts).
Abg. Dr. Winckler (Dtntl.) erklärt unter anhaltendem Lärm, die Erklärung de» Ministerpräsidenten fei überhaupt keine Antwort auf eine Präzis gestellte Frage. Sie sei zu verschwommen. Er beantragt Besprechung dieser Erklärung in Anwesenheit de» Ministerpräsidenten. (Ministerpräsident Marx hat inzwischen feinen Platz wieder verlassen).
Der Antrag auf Besprechung der Erklärung des Ministerpräsidenten über die Befugnis eines Geschäftsministeriums wird mit den Stimmen der Rechtsparteien und der Kommunisten angenommen.
Bet der Entscheidung Über den sozialdemokratischen Antrag auf Vertagung dieser Besprechung muß die Auszählung des Hauses stattfinden. Es wurden nur 185 Stimmen abgegeben. Das Haus ist beschlußunfähig.
Hierauf wird die Besprechung über die Vorgänge in Halle fortgesetzt. — Das HauS leert sich.
Abg. H e r r m a n n-BreSlau (Dem.) erklärt, die rasche Untersuchung der Vorgänge sei sehr zu begrüßen »damit einer Legendenbildung entgegengc- treten werde.
Abg. Ladcnborff (Wirtsch. Dgg.) erklärt, die Veranstalter hätten sich den Anordnungen der Polizei nicht gefügt, deshalb seien st« verantwortlich für die Vorgänge.
Abg. Stock (Aat.-Soz.) sieht in den Vorgängen in Halle die Auswirkungen der maßlosen und gewissenlosen Hetze der Kommunisten. Dir Onternationate erkämpfe nicht da» Menschenrecht, sondern zerstört bi«
SruWer ReiKAag
Notetat — Aufwertunasfrage.
39. Sitzung am 20. März.
Im Reichstag wurde heute der Notetat für 1925 endgültig angenommen.
Der Sozialdemokrat Dittmann erklärte, feine Fraktion fei nicht in der Lage, dem vorläufigen Haushaltsentwurf ihre Zustimmung zu geben. Die Vefamtpolitik des Kabinetts Luther richte sich je länger je mehr gegen die Interessen der werktätigen Bevölkerung, sei auf Minderung ihrer Rechts und ihres Einflusses gerichtet, und komme ihren Ansprüchen auf Kürzung der Arbeitszeit und Besserung der Lebenslage in keiner Weise entgegen. Der Deutschvölkische v. Gräfe stimmte dem Notetat zu, obwohl auch er Bedenken hat. Der Demokrat Koch-Weser erkannte ebenfalls die Notwendigkeit des Notetats an und stimmte ihm ru. Er erklärte außerdem, daß seine Fraktion das Mißtrauensvotum der Kommunisten ablehnen würde.
Der Notetat rourde bctratif in dritter Lesung end- gültig gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und der Kommunisten angenommen. Das koinmu- nistische Mißtrauensvotum gegen das Kabinett wurde in einfacher Abstimmung ebenfalls lediglich gegen Sozialdemokraten und Kommunisten abgelehnt.
Es folgte dann die zweite Beratung des Gesetzentwurfs über Verlängerung der Fristen der Dritten Steuernotverordnung in bezug auf die Aufwertung, die am 31. März dieses Jahres ablau- fen sollten, bis zum 30. Juni dieses Jahres. Er hob hervor, daß die Fristverlängerung notwendig geworden sei, weil das neue Aufivertungsgesetz nicht vor dem 1. April erledigt werden könne.
Eine längere Debatte entspann sich um die von dem Ausschuß eingefügrte Bestimmung: Der Wiederherstellung eines gelöschten Rechtes zum Zwecke der Aufwertung steht der öffentliche Glaube des Grundbuches insoweit nicht entgegen, als em nach (der Löschung eingetragenes Recht nach dem 1. April 1925 begründet worden ist."
Als Zentrumsrsdner äußerte der Abgeordnete Scheiter schwere Bedenken gegen die in dieser Be- stimmung liegende Kreditsperre. Er emvfahl die Zurückweisung der Angelegenheit an den Ausschuß.
Namens der Reichsregierung gab Reichssusiiz- ministec Dr. F r e n k e n folgende Erklärung ab: „Das Reichskabinett hat hinsichtlich des Aufwer- tnnasgefetzes inzwischen entscheidende Beschlüsse gefaßt. Der Gesetzentwurf wird noch vor der Reichspräsidentenwahl im Laufe der nächsten Woche den gesetzgebenden Körperschaften vorgelegt werden. Tie'Reichsregierung wird von sich aus in allernächster Zeit eine eingehende Darlegung der wichtigen und grundlegenden Bestimmungen des Entwurfs der Oeffentlichkeit unterbreiten."
Der Gesetzentwurf über Verlängerung der Fristen für die Anmeldung von Aufwertungsansprüchen bis 30. Juni wurde dann in zweiter und dritter Lesung angenommen.
Es entspann sich dann eine längere Debatte über die Vorgänge in Halle, worauf die Beratungen abgebrochen wurden.
?'ackste Sitzung: Sonnabend vorm. 11 Uhr.
Sir «chl brS RrWvräsidratrn
-garres auch für den zweiten Wahlgang aufgestellt.
fk. D e r N n. 21. März. Nach einer Mitteilung des Reichsblocks soll Iarr.es als Sammelkandl- dat der Rechtsparteien auch für einen etwaigen Zweiten Wahlgang aufgestellt werden.
fk. B e r l i n, 21. März. Wie man uns mitteilt, wird Marx im Wahlkampf um die Reichspräsidentenschaft nur in Köln sprechen.
Jarres in Breslau.
Oberbürgermeister Dr. Jarres sprach gestern nachm. in Breslau im großen Konzerthaussaal. Der Saal war überfüllt und die Versammlung gestaltete sich zu einer gewaltigen Kundgebung.
Wegen des ungeheuren Andranges mußte Dr. Jarres in einer zweiten öffentlichen Versammlung eine weitere Rede halten, die ebenfalls mit stürmischem Beifall ausgenommen wurde. Vor dem Versammftmgsgebäude fanden große Kundgebungen für Jarres statt.
lieber die Wahlrede Jarres' werden wir noch ausführlich berichten.
'■ieitnna“ eridieint sechsmal wöchentlich. — Bezugspreis monatlich 2 Mark ausschließlich Zustellung»!,«. /"''Tat* irk Slott 2.26 Mk. — Für ausfallende Nummern infolge Streiks oder elementarer Ereignisse ke,n Ersatz. — Verlag Dr E b »oltz-Druck der!lniv.-Buchdruckerei von Joh.Aug. Koch, Markt 21,23.- Fernsprecher: Rr. 55, Nr. 666. und 2.t.u. »ny ’ Postscheckkonto: Nr 5015 Amt Frankfurt a. Main.
nach ein in Liquidation befindliches Kabinett keine Entscheidungen von politischer Tragweite treffen soll, und beantragte die Besprechung der Marx-Erklärung. Diese wurde auch beschlossen, doch beantragte die Linke ihre Vertagung und sprengte, als hierüber abgestimmt wurde, die Sitzung, indem sie sich an der Abstimmung nicht beteiligte und auf diese Weife die .Beschluhun- fähigkeit des Hauses bewirkte. Das alles geschah unter außerordenllichem Lärm rechts wie links. And zum Schluß — nachdem die Tagesordnung mit der Debatte über Halle und mit den Beschlüssen über das Schul- -wesen in den besetzten Gebieten wie über die Auflösung der Lehrersimenare erledigt Ivar — gab es denselben Trick. Wiederuni war das HauS „beschlußunfähig", sodaß der sozialistische Präsident Bartels ohne weitere Debatte die nächste Sitzung auf den 31. März anberan- men konnte. Hier wurde ein Terror ausgeübt, der sich mit dem parlamentarischen Svstem schlechthin nicht mehr verträgt. Es ist richüg. daß auch die Parteien der anderen Seite von der Taktik der Stimmenthaltung zur Herbeiführung der Deschlußunfähigkeit Gebrauch gemacht haben, so noch am Donnerstag bei der erneuten Abstimmung über den Antrag, die bereits ab- gelaufene Wahlzeit der Provinz- und Kreistagsabgeordneten bis zum 1. November zu verlängern. Man kann im Zweifel darüber sein, ob die Opposition überhaupt von diesem Mittel Gebrauch machen soll, falls nicht ein ganz besonders wichtiger Fall vorliegt. Aber die Vergewaltigung am Freitag war viel schlimmer.
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Wurzeln des Volkstum». Das System Severing atme Darmat-Kutisker^eist. (Stürmische Unterbrechung bei den Doz.)
Abg .Schnatter (Komm.): Da» System Severing- Runge hat hier, trotz der gelegentlichen Seitenhiebe der Rationalsoztalisten, begeisterte Verteidiger gefunden.
Der Urantrag Pieck wird gegen die Antragsteller abgelehnt.
Den Kran trag des Zentrum» über die Reu- ordnung de» höheren Schulwesen« hat der Unterrichtsausschuß in folgender Fassung angenommen: DaS Staatsministerium wolle die Ausführung 6er Reuordnung des höheren Schulwesen- für daS besetzte Gebiet und daS besetzt gewesene Gebiet durch An- nähme von Ileberganasmaßnahmen erleichtern.
Darauf liegt ein gemeinsamer Ärantrag sämtlicher Parteien mit Ausnahme der Nationalsozialisten und Kommunisten folgenden Inhaltes vor: Das Staatsministerium wird ersucht, bei der Durchführung der Schulreform in dem besetzten Gebiet und besetzt gewesenen Gebiet festzuhalten a) an den bisherigen Vorschriften über die Klassenstärke, b) an der bisherigen Pflichtstunkenzahl der Lehrkräfte, c) an der Einrechnung deS wahlfreien Unterrichts in die Pflichtstundenzahl. Weiter sind an besonders geschädigten Schulen Förderkurse einzurichten.
Die Anträge werden angenommen.
Es folgt die zweite Beratung der Anträge der Sozialdemokraten, Kommunisten, Deutschnationalen und der. Deutschen Dolkspartei über den Abbau von Wahlbeamten. Eine Debatte findet nicht statt.
Heber den Antrag Hirsch (Soz.), wonach ein Abbau auch bei den Wahlbeaiuten nur unter der Bor» aussehung des § 21 der Preußischen Abbauvervrdnung zulässig ist, wird auf Antrag Eberbach (Dntl.) namentlich abgestimmt. Dabei stellt sich die Beschlußunfähigkeit des Hauses heraus. Es sind nur 169 Stimmen abgegeben worden.
Präsident Bartels: Das HauS ist nicht beschlußfähig. Ich hebe damit die Sitzung auf und sehe die nächste Sitzung auf Dienstag, den 31. März 1925 an.
In der allgemeinen Aufregung, deren sich das ganze Haus bemächtigt, geht die Dersiinbung der Tagesordnung unter.
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Ser Mite «MmMrezetz
Magdeburg, 20. März. Als erster Zeuge mir1! der Mechaniker Kiefer vernommen, der zur Zeit des Streiks in den Goerz-Werken in der Mühlenstraße in Berlin arbeitete, lieber bett Streikbeginn erklärte der Zeuge nicht» aussagen zu können. lieber die Vorgänge in der Versammlung in Treptow bekundet er, er habe nichts gesehen, daß dem ersten Redner Ebert ein Zettel hinaufgereicht w.rdett sei. Auf die Frage des Vorsitzenden, ob dem Redner zugerufen wurde, wie es mit den Ge- stelluugsbefehlen stehe, antwortet der Zeuge, er könne sich nicht erinnern. Der nächste Zeuge, Tischler Fritz Kin ter, arbeitete 1918 mit Syrig zusammen in Johannistal in demselben Raum, lieber die Treptower Versammlung sagt er aus, Ebert habe weniger über den Streik, als über die politische Lage gesprochen. Ebert habe gesagt: Wir müssen unsre im Felde stehenden Kameraden ebenso mit Munition versorgen, wie in den feindlichen Ländern die Soldaten mit Munition versorgt werden. Ain Schlüsse feiner Rede habe er gesagt, daß den Gestellungsbefehlen selbstverständlich Folge geleistet werden müsse. Der nächste Zeuge, Tischler E i t n e r, äußert sich in ähnlichem Sinne. Auch er betont .daß Eberts Aeußerungen in der Versammlung großen Unwillen hervorgerufen hätten. Er selbst habe „Verräter" <; nfen, ein Kollege von ihm „Hallunke".
Auch die nächsten Zeugen, Verwaltungsamtmann Lorenz und Maler Budde, sagen im wesentlichen ähnliches über die Treptower Versammlung aus. Der Zeuge Budde erklärt z. B. auf das bestimmteste, es fei ganz ausgeschlossen, daß Ebert zur Nichtbefolgung' der Gestellungsbefehle aufgefordert habe. Der Generalstaatsanwalt beantragt die Ladung des Meisters Brückner, unter dem Ortzel während des Januarstreiks gearbeitet bat. Dessen Aussagen würden ergeben, daß Ortzel den Streik, also auch die Treptower Versammlung, nicht mitgemacht hat.
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Str NrM gegen die .Deutsche Mela"
Leipzig, 30. März. Die Frau Brechenbacher, die dem Angeklagten König Geld und Lebensmittel ins Gefängnis gebracht hat, bestreitet, diese von der Polizei erhalten zu haben. Sodann wendet sich die Zeugeilvernehmung wieder der Rolle des Angeklageten Skoblewsky zu. Der Zeuge Tänzer, der Schwiegersohn der Frau Hoffmann, bekundet, daß Skoblewesky unter dem Namen Hermann im Herbst 1923 als Untermieter zu seinen Eltern gezogen fei. Darüber, ob Skoblewsky viel in der russischen Botschaft verkehrt habe, kann der Zeuge nichts aussagen. Er habe ihm nichts Schlechtes zugetraut. Unter allgemeiner Beachtung werden sodann die Sachen Skoblewskis, die in die Wohnung Tänzers geschafft wurden, auf dem Richtertisch auSgebreitet. Es handelt sich um Kleidungsstücke, Wollsachen, Schlittschuhe und Wäsche. Auf Befragen des Vorsitzenden erklärt Skoblelvski, der während der ganzen Verhandlung völlig uninteressiert schien, einen Pyjama für fein Eigentum.
Berlin, 20. März. Der Barmat-Uittersu- chungSausschuß des Reichstages hat sich bis nach Ostern vertagt und tritt wieder am 15. April zusammen.
Politische Wandlungen
Unser innerpalitische» Leben ist mehr und mehl zwiespältig geworden. Man hat das deutliche Gefühl, als ob e» in den Kampf der Wende eingrtreten wäre. Zwar, politisches Leben ist immer zwiespältig. Es kämpfen immer Anschauungen gegen Anschauungen, und eine wirkliche „Volksgemeinschaft" wird auch in den einigsten Staaaten, abgesehen von gewissen Grundrichtungen, immer eine Phrase bleiben. Doch jetzt bat man das Gefühl, als ob bei uns zwei Grundrichtungen um die Herrschaft kämpften. Al» im Sabre 1918 unter der Last von fünf Kriegsiabren und unter dem Einfluß einer radikalen Propaganda, die Re sich geschickt zunutze machte, Deutschland »ufammenhrach, da war in Deutschland die Lage eigentlich völlig eindeutig. In Weimar konnte eine Verfassung aufgestellt werden, von der man mit Recht sagte, daß Re die demokratischste und radikalst« der Welt sei. Ob da» ein Vorzug war, wollen wir biet nicht untersuchen. Aber jedenfalls glaubten die Väter dieser Verfassung, daß Re damit den parlamentarisch-demokratischen Sozialismus ein- für allemal in Deutschland herrschend gemacht batten. Sie haben Rch getäuscht. Denn nicht zuletzt unter dem Druck von außen hat Rch im Volke eine fühlbare Wandlung vollzogen. Auck> haben die rechtsstehenden Parteien, die früher den Staat mehr oder minder beherrschten, verstanden, Rch de« Apparat des Parlamentarismus zunutze lu machen, f» daß heute die Wahlen zeitweilig ein Bild zeigen, das man Rch vor Jahren noch nicht hätte vorstellen können.
Man muß Rch zurückversetzen in die Tage des Waffen- stillstandes, in die Tage, wo auf den Marktplätzen der Städte Maschinengewehre aufgefahren waren, Bürger von Soldateuräten mit de« Tode bedroht wurden, die rote Fahne aus öffentlichen Gebäuden webte. Damals war es, daß (und das ist immer bezeichnend) Rch auch Literatur und Kunst der neuen Bewegung angenommen hatten. Zeitungen und Zeitschriften schossen nur so aus dem Bode» und verkündeten das Evangelium der allgemeinen Menschenliebe. Schon die Namen: „Die Erde", „Dir rote Erde" „Das Tribunal" waren Programm. Und die eigentlich revolutionäre Kunst des Ex- viehionismu5, sieht man von ihrer tieferen kunstgeschichtlichen Bedeutung ab, stellte Rch voll und ganz in den Dienst der Sache. In diesen Tagen konnte man in Berlin eine Ausstellung sehen, deren Kunst wesentlich in Karikaturen des früheren Militärs bestand, in der Religion, Sitte und Staatsgewalt in der unerhörtesten Weise karrikiert und verhöhnt wurden. Man braucht die Frage nur zu stellen, ob das beute alles noch möglich wäre, um den Unterschied zu sehen. Kunst und Literatur von beute schreien geradezu nach neuer Gesetzlichkeit. Und Machwerke wie Franks „Der Mensch ist gut" 'qber die Uebersebungen von einem französischen Weltverbesserer Barbusse, die damals bei dem „aufbrechenden Frühling" t)cr- zlungen wurden, würden heute ganz gewiß tau« noch gelesen werden, sicher nur ein Lächeln über solch Verstiegenheiten erwecken.
Im eigentlich Politischen denke man an die Versuch» Erzbergers, durch ein raffiniertes Steuersystem die Ungleichheiten des Besitzes möglichst schnell und schmerzhaft auszugleichen. Man denke vor allem an die Versuch« der nunmehr herrschenden Sozialdemokratie, ihr Programm in die Wirklichkeit überzufübren. Was ist von den Sozialisierungskommissionen, die damals auf« tauchten, geblieben? Nichts. Und wenn man boshaft sein wollte, könnte man feststellen, daß die Untersuchungsausschüsse diese Früchte der Revolution, bte bfe geistige Ueberlegenheit der eigentlich revolutionären Parteien gegenüber den alten so recht sinnfällig »um Ausdruck bringe» sollten, beute gerade diesen Parteien sehr schwer im Magen liegen, denn sie sind ein Instrument geworden, das sich »egen die Väter selbst richtet. Nun haben die Parteien der Linken versucht, ihrem politischen Leben eine tiefe« Grundlage tu geben. Wenn die Gründung des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold überhaupt einen Sinn bat, so kann es nur der sein, daß den eigentlich revublikanisch-reoolutionären Parteien ein gemeinsamer Weltanschauungsboden gegeben wird. Gewisse Anschauungen der Linken über Demokratie, Parlamentarismus und Revublikanertum sollen zusammen- gefaßt werden, um die Stoßkraft gegen die erwachte Rechte zu erhöhen. Man durfte erwarten, daß bei bet Präsidentenwahl sich dieser Wille »um ersten Ma! in einem gemeinsamen Kandidaten ausdrücken würde, denn gerade die Reichspräsidentenwahl bat ia mit dem eigentlich Parteipolitischen nichts zu tun. E s i st nicht geschehe». Und zwar deshalb nicht, weil die Sozialdemokratie versagte und mit einem eigenen Kandidaten vorging. Das aber mußte sie tun aus ganz einfachem Selbsterhaltungstrieb, denn ihre politische Position bat sich auch geändert. Roch 1918 war Ebert der gegebene und kaum umstrittene Kandidat für den Präsidenien- posten. für alle Parteien, die damals uneingeschränkt bei richten, beute ist es anders geworden. Wenn die sozialistische Kandidat auch nicht eine reine Zählnkandidaiur ist, so dürfte doch im In- und Ausland« kaum eine andere Kandidatur als eine Kandidatur der Rechten als die bedeulungsoollste und wesentlichste anseseben werden. Sicher eine Aenderung von grundlegender Bedeutung. Einen gemeinsamkn Kandidaten etwa aus dem linken Zentrum konnte die Sozialdemokratie ihren Anhängern nicht zumute» Es wäre als Zeichen der Schwäche gewertet worden
Der wesentlichste Grund für alle diese Wandlunge« liegt zweifellos außenpolitisch in dem Druck .bei Feindmächte. Wenn ihre Feinschaft nur dem alten Deutschland galt, warum haben sie der Demokratie nicht die geringste Konzession gemacht ? Im Gegenteil. Bis weit in die Reiben der Sozialdemokratie und Kommunisten Hinein ist vielleicht 90 Prozent des ganzen deutschen Volkes der Ansicht, daß das Unterwerfen unter den Willen des Auslandes die Ansprüche bort bis ins lln» ermessene gesteigert Hat Jnnerpolitiich ist der wesent- lichstc Faktor aber der, daß die Sozialdemokratie ooini versagt Hat. Sie stand vor einer schweren Aufgabe, eie sollte ihr Programm in die Wirklichkeit umsetzen in dem Zeitpunkte, wo der nationale Kapitalismus vernichtet oder unterhöhlt war, wo der internationale Kavitalis- mus aber so frech und so siegcssicher sein Haupt erhob, da» nur ein Blinder an dieser Erscheinung penibel« geben konnte. Wir wallen gar nicht mal von der V.r- annung des deutschen Volles reden. Ein Sozialist wir», das nie zugeben. Er wird immer noch einen entdecken, ocr mehr bat als der andere, und der Sozialismus r>t recht Amtlich die Politik oder die Religion des Neides. Ader da» die Zeiten für Marrfche Ideen nicht gut waren darf man dem Feblfchlagen des Sozialismus til wirtschairlicher Beziehung wohl yigutebringen. DeNtz Sozialismus fehlten auch die Köpf«. Vielleicht mit der