Ur. SS - Marburg a. L, Ssmettkog, drn iS. MSrz "eo.Sadrs.iSA
Anzeiger für (das früher kurheMA) SberWen - Amtliches BerküMnmgSblatt des KreAS Marburg
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Aarres vor feinen Mahlern
Berlin, 19. März . Zur Frage der Regierungsbildung in Preußen melden die Blätter, daß im Vordergründe der gestrigen interfraktionellen Verhandlungen der Plan eines Kabinetts gestanden habe, das sich lediglich aus Beamten zusammensetze, die den Parteien von den Sozialdemokraten bis zu den Deutschnationalen nahestehen. Die Verhandlungen, die gestern noch nicht zu einem Abschluß gelangten, sollen heute fortgesetzt werden. Ministerpräsident Marx wird sich laut „Germania" heute entscheiden, ob er an die Spitze eines solchen Kabinetts treten oder sein Mandat in die Hände des
Ludendorfi Präsidentschaftskandidat.
Berlin, 18. März. Die nationale Opposition der Freibeitsbewegung, bestehend au» der Nationalsozialistischen deutschen Arbeiterpartei, den völkischen Verbänden und Organisationen, bat am Mittwoch unter Führung Adolf Hitlers General Ludendorki als Reichs- präsidentschaftskandidaten ausgerufen. Ludendorff ist in Berlin eingetroffen.
Rheinlands zu Deutschland innerhalb de» Reichs- und StaatSgefüges zu erhalten und »u sichern . Die Versackungspolitiker saßen im anderen Lager. Ach hoffe, nicht genötigt zu werden, die Beweise dafür der Oeffentltchkeit unterbreiten zu müssen. Seit 1919 habe ich die gefährlichen Bestrebungen, welche auf eine Lockerung oder gar Lv- sung der alten staatsrechtlichen Bande zu Reich und Ländern gerichtet waren, mit Leidenschaft und glücklicherweise nicht ohne Erfolg bekämpft.
Im Kampfe um die Freiheit, die das Recht des Rheinlandes ist, kann es keiner ernster und stärker gewollt haben als ich. Ach halte fest an dem,waS ich als Reichsminister des Innern verantwortlich gesagt habe, daß die Verfassung auf der Bahn organischer Entwicklung weitergebildet werden muß. Wir sind keineswegs der Auffassung, daß eine Restauration der Zustände, wie sie vor 1914 waren, möglich oder auch nur wünschenswert wäre. Auch wir, die wir daS alte Deutschland in einem treuen und anhänglichen Gedächtnis bewahren, sind keineswegs blind gegen Fehler und Mängel der alten Zeit. Was sich in den Stürmen des Krieges und der Revolution als morsch erwiesen hat, kann nicht wiederkehren. Auf der andern Seite sind wir der Meinung, daß dieser alte Staat auch auf vielen Gebieten das Vorbild eines sozialen Volksstaates gewesen ist. Wir lehnen die Auffassung ab, als ob es bei dieser Wahl des Reichspräsidenten um eine Entscheidung über die Stteit- frage „Monarchie oder Republik" gehe. Letzten Endes darf nicht die Form des Staates ent scheiden, su.rdern sein Inhalt. Wir bringen der ver- fassung§mä'/.gen Fahne die schuldige Achtung entgegen, aber -ir fordern auch für uns das Recht, die alten Farben schwarz-weiß-rot, in denen sich uns die Symbole einer wirklichen und ruhmreichen Vergangenheit verkörpern, un gehindert zu ehren und hochzuhalten. Wir müssen zurück zu der Reinheit des öffentlichen Lebens in der Vergangenheit. Es bedarf der engen Zusammenarbeit aller Glaubensbekenntnisse. Sogar der Gedanke an einen wie immer gearteten Kulturkampf würde eine schwere Versündigung am deutschen Volke bedeuten. Die Grundpfeiler der deutschen Reichseinheit zu erhalten, zu sichern und auszubauen, ist höchstes Gebot. Es lebe das einige unteilbare deutsche Vaterland! (Stürmischer Beifall).
gleich nationale und demokratische Haltung bewahrt hat, die in keine Parteischablone paßt. Man darf nicht vergessen, daß die Kandidatur Gehler als Sammelkandidatur aller bürgerlichen Parteien vor allem durch die linksdemokrattsche Presse vereitelt worden ist, die durch Unterstreichen des „schwarz-rot-goldenen" Standpunktes Dr. Geßlers diesen Mann der Reckten verekeln wollte. Das geschah aber doch nicht, weil die Linke den Wehrminister für sich reklamierte, sondern weil er ihr wieder zu weit rechts stand und sich durch sein Eintreten für die Heranziehung der Deutschnationalen zur Regierung verdächtig gemacht hatte. Hiernach wäre es gewiß recht sonderbar, wenn die Links- dsmokraten und namentlich auch dis Sozialdemokraten, die stets gegen die Reichswehr wie gegen Gehler persönlich gehetzt haben, für ihn als Reichspräsidenten stimmen sollten.
Trotzdem mag es sein daß die Kandidatur des Herrn Marr für die Reichspräsidentschaft auch nur eine „Zwischenlösung" ist. Die Aussichten, ihn im zweiten Wahlgang durchzubringen, werden auf der Linken sehr niedrig eingeschätzt, oa der Zentrumsführer sich weder bei den Demokraten und Sozialdemokraten noch bei der Bayerischen Volkspartei, die man doch gar zu gerne gewinnen möchte, großer Sympathien erfreut. Wer soll dann aber Sammelkandidat gegen Jarres werden? Für Dr. Wirth wäre schon der rechte Flügel des Zentrums nicht zu haben, geschweige denn die Bayerische Volkspartei. Umgekehrt scheint eine Sammelkandidatur des bayerischen Ministerpräsidenten Held erst recht aussichtslos zu sein, wenn die Linke für sie ein« treten soll. Also woher nehmen und nicht stehlen? Man sieht hier recht deutlich, wie es mit der viel- gerühmten Einigkeit in der Linkskoalition bestellt ist. Es fehlt der deutschen Demokratie die kräftige Betonung des nationalen Gedankens. Dr Geß- ler könnte sie ihr geben, wenn er nicht selbst gerade deshalb so unbeliebt wäre auf der Linken. Ob er überhaupt eine Kandidatur annähme, die ihm nut von einem Teil der Parteien geboten würde?
V Berlin, 18. März. Der Reichsblock veranstaltete heute nachmittag im großen Saal der Phll- Jarmonte eine Delegiertenversammlung, die von Vertreter» aus dem ganzen Reiche besucht war, vor btt de» Kandidat de» R e i ch S b l o ck e s für die Präsidentenwahl, Oberbürgermeister Dr. JarreS, feine erste Wahlrede hielt. Schon lange vor Beginn »er Versammlung waren Saal und Tribüne über- nillt. Anwesend waren u. a. ReichSaußenminister Dr. Stresemann, Reichsinnenminister Dr. Schiele, General v. H u t i e r , führende Vertreter des Reichsbürgerrate» und der großen Parteien gniitb Wirtschaftsverbände, die dem Reichsblock ange- blossen sind. Der Präsident de» Reichsbürger, totes, v. Loebell, begrüßte die erschienenen Delegierten und stellte ihnen den Kandidaten des Reichs- ßlockes, Dr. Jarres, vor, der von der Versammlung mit stürmischem Beifall begrüßt wurde.'
Dr .JarreS führte u. a. folgende» aus: Sie werden e» mir nachempfinden, daß ich e» für eine Ehrenpflicht halte, der hohen Achtung Ausdruck zu Heben, welche ich unbeschadet der Verschiedenheit »nd der grundsätzlichen politischen Einstellung den, Mndenken des verstorbenen Präsidenten Ebert auf ferunb unsrer Zusammenarbeit in den Reichsacschäf- jtcn bewahren werde. Nur der Gedanke, dast nach M;rcr Ansicht durch meine Kandidatur das hohe Ziel Her Zusammenfassung aller den Staat bejahen» den nationalen Kräfte gefördert wird, hat Mich bewegen können, Ihrem ehrenvolle» Ruf zu folgen. Ich gestehe offen, daß ich die Kandidatur einer einzelnen Partei, wenn sie an mich herangetreten wäre, hätte ablehnen müssen, denn ich bin der Aufsagung ,da ßder Präsident des Reiches kldjt der Vertreter irgendeiner einseitigen Kartririchtung oder einseitiger Interessen sein jdarf. Der Wille zum Siegen innß uns in dem be- jdvtstehenden Kampfe, in dem nicht für eine Person, sondern für unsre politischen Ideale zu füh- xtn haben, beseelen.
Ich glaube, auf Ihr Einverständnis rechnen zu können, wenn ich beim Beginn unserer Arbeit die Forderung aufstelle: der Kampf um die Wahl des deutschen Reichspräsidenten muß ritterlich ge- ; ft Hot werden. Niemals werden wir den Widerstand gegen irgendwelche Lostrennungsbestrebungen unserer Gegner einstellen. Der Rhein muß deutsch »leiben. Wenn in diesen Tagen wiederum trotz oft« Eals erklärter Aufklärung und Richtigstellung mit in Schlagwort der „Versackungspolitik" gegen mich zearbeitet wird, so sage ich Ihnen, daß dieser Vor- feurf eine frivole persönliche Verleumdung und eine M'radezu lächerliche Verdrehung der geschichtlichen Dorgänge und Tatsachen darstellt. Ich darf von mir tagen, daß ich nach dem unglücklichen Ausgang des Krieges meine Lebensaufgabe gerade darin erblickt Habe, die uiiantastbare, Zugehörigkeit der
M McheMung
M l Der preußische Landtag, der am Mittwoch um kiihr feine Sitzung mit der Tagesordnung „Cnt- jpegennal)me einer Regierungserklärung" beginnen sollte, I)at sich zunächst auf drei Stunden vertagt, fcenn eine Regierung war noch nicht fertig, also natürlich auch keine Erklärung; und statt eines un- lrud)tbaren Streits über die Schuld an der Verschleppung der Krise wollte man lieber den Verbuch unternehmen, durch Verhandlungen unter den Marleien endlich über die Klippen hinwegzukom- jknen. Es hatten bereits am Vormittag Besprechungen über eine etwaige „Zwischenlösung" ftattge- ffunden, die darin bestehen soll, daß die Ministerien von den Staatssekretären geführt werden, bis sich Nach der Kandidatenaufstellung für den zweiten Wahlgang der Reichspräsidentenwahl oder gar erst nach dem 26. April die Lage völlig übersehen läßt. Pa6 wäre also ein Experiment lediglich zu dem tzwc-ck, für Herrn Marx den Posten des preußischen Minisierpräsidenten zu reservieren, falls er nicht Reichspräsident wird. Weshalb schafft man nicht sein Beamtenkabinett mit Verbindungsmännern zu möglichst viel Parteien, das sich ganz gut eine längere Zeit hindurch halten konnte, auch unter einem anderen Führer als Herrn Marx zu bilden per« f (möchte? Aber die Zsntrumsherren sind durch ihre vielfachen Verlegenheiten furchtbar empfindlich ge- ’iDorbin und suchen von ihrem „Prestige" wenigstens den letzten Rest zu retten.
Einigermaßen verständlich würde dies dann werden, wenn es sich als richtig herausstellte, was jetzt bereits deutlich gemunkelt wird: daß für den zweiten Wahlgang der republikanische Sammelkandi- ijbat n cht Herr Marx sein soll, sondern — Dr. G e ß- le r.^Unzweifelhast machen gewisse Kreise bereits für bieten Gedanken Propaganda. So bringt Frau v. Ohchmb, die wegen ihres temperamentvollen Eintretens für eine „Rechtskandidatur" Geßlers aus der D. V. P. ausgeschlossen werden sollte und gleichzeitig selbst ausgetreten ist, nun in der neuesten Nummer ihrer „A. B. Z." Die Bilder Dr. Geß- ! ters mit Hindenburg und mit Ebert und empfiehlt den Wehrininisier als den „tvahren Satnmelkandi- jbaten". Das kann, da der Reichsblock natürlich an | ?Dr. Jarres festhalten wird, nur bedeuten, daß Dr. Eeßler der gemeinsame Kandidat der schwarz-rot- fioloenen Parteien werden sollte. Man kann nicht eugnen: der Plan ist schlau, wenn es auch nicht 'einer gewissen Komik entbehrt, daß ein Kandidat tjerft von der einen dann von der anberen Seite f iienipsohlen wird. Herrn Geßler könnte man per- isönlich dafür ja nicht verantwortlich machen, da Vir sich um keine Kandidatur bemüht und eine zu
Landtagspräsidenten zurückgeben werde. Der „Co« kalanzeiger" nennt bereit» als Ministerpräsidenten- kandidaten für den letzteren Fall den Kammergerichtspräsidenten Tlgge», den früheren preutzi- schen Finanzminister Sä misch und der dem Zentrum nahestehenden Landeshauptmann der Rhein- Provinz, Horton.
Berlin, 18. März. Der Preußische Landtag, der heute nachmittag um 2 Uhr zu einer Sitzung zusammentrat, vertagte sich sofott auf Antrag des Abg. Dr. v. C a m p e sD. Vpt.) auf 5 Uhr, ohne in irgendwelche Verhandlung einzutreten.
Am Nachmittag traten Vertreter de, Zentrums, der Demokraten und Sozialdemokraten zu Besprechungen über die Lage zusammen. Ob es in oer Sitzung heute abend um 5 Uhr zur Entgegennahme der Regierungserklärung kommen wird, steht noch keineswegs fest, da die Regierungsbildung zurzeit noch nicht abgeschlossen ist.
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Präsident Bartels eröffnet die Sitzung um 5 Uhr 15 Minuten. Der erste Punkt der Tagesordnung: Entgegennahme der Regierungserklärung und in Verbindung damit die Beratung des Urantrags Winckler (Deutfchnat.) über die Tätigkeit eines Geschäftsministeriums wird auf Antrag von Campe (D. Vpt.) nach lebhafter Geschäftsordnungsdebatte unter der Voraussetzung, daß der Punkt am Donnerstag zur Verhandlung kommt, von der Tagesordnung abgesetzt.
Ein Antrag Pieck (Komm.), die Vorgänge in Halle zur Beratung zu stellen, verfällt der Ablehnung.
Das Haus tritt darauf in die Beratung des Provinziallandtags- und Kreistagswahlgesetzes ein, das ein neues System für die Wahlen zu diesen Körperschaften einführen will.
Nach kurzer Aussprache wird die Vorlage einem Ausschuß überwiesen.
Die nächste Sitzung findet Donnerstag um 12 Uhr statt. Tagesordnung: Entgegennahme der Regierungserklärung.
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Deutsch« Reichstag
3 7. Sitzung am 18. März.
Am Regierungstische Dr. v. 8 ch l i e b e n.
Auf per Tagesordnung steht die zweite Beratung des Gesetzentwurfes zur Aenderung des Be - soldungssperrgesetzes.
Abg. Allekotte (Z.) berichtet über die Verhandlungen des Haushaltsausschusses. Der Ausschuß habe beschlossen, daß das Desoldungssperrgeseh mit Wirkung vom 1. April 1926 außer Kraft tritt. Wenn die Länder und Gemeinden bereits zum 1. Januar 1926 oder zu einem früheren Zeitpunkte durch Einführung des Zuschlagsrechtes zur Einkommen- und Körperschaftssteuer große Selbständigkeit inbezug auf die Ausnutzung dieser Steuern erhalten, so tritt das Gesetz schon mit jenem früheren Zeitpunkt außer Kraft.
Abg. Aoßmann (Soz.) protestiert gegen die Verlängerung des Desoldungssperrgesetzes bis zum 1. April 1926.
Abg. Dietrich-Baden (Dem.) lehnt ebenfalls die Vorlage ab. Das Gesetz habe die Gemeinden nicht zur Sparsamkeit sondern zur schlechten Wirtschaft veranlaßt.
Die Vorlage wird darauf in zweiter Lesung gegen Demokraten, Sozialdemokraten, Kommunisten und Nationalsozialisten angenommen.
Sn der dritten Lesung werden die Einleitungsbestimmungen des Gesetzes angenommen.
E» folgt die zweite Beratung des Gesetze» über die vierteljährige Gehaltszahlung der Beamten. Danach soll die vierteljährige Gehaltszahlung der Beamten wieder eingeführt werden. Den Zeitpunkt der Wiedereinführung die Aeichsregierung mit Zustimmung des Reichsrats und des Ausschusses des Reichstages für den Reichshaushalt bestimmen. Hierbei kann bestimmt werden, daß die Vierteljahrsbezüge zu einem anderen Zeitpunkt als zu Beginn des Kalendervierteljahres gezahlt werden oder bah an Stelle der vierteljährigen zunächst eine zweimonatige Vorauszahlung erfolgt.
Die Vorlage wird in zweiter und dritter Lesung angenommen .
Dje zweite Lesung des Reich-Haushaltsplanes wird fortgesetzt und zwar mit der Einzelberatung beim Reichsjustizministerium.
Abg. Frau Dr. Stegmann (Soz.) spricht gegen den Gebärzwang. Es müsse unter gewissen Voraussetzungen den Aerzten gestattet fein, Eingriff« vorzunehmen.
Abg. Frau AgneS (Soz.) tritt für Erleichterung der Ehescheidung ein und bedauert die ablehnende Haltung des Justizministers. Gin« erzwungene Che sei nur eine Hölle.
Reichsjustizminister Dr. Frenken hält daran fest, daß er einer Erleichterung der Ehescheidung niemals zustimmen werd«. Sein Standpunkt stehe seit Jahrzehnten fest und werde unveränderlich bleiben, bis des Himmels Wille ander» über ihn verfüge. (Lärm links) Auch bezüglich der Abtreibung fei sein ablehnender Standpunkt ganz bestimmt und unveränderlich. Erneuter Lärm link»).
Abg. Brobauf (Rom.) hält bie schroffe ablehnende Haltung bes Ministers zur Erleichterung der Ehescheidung für äußerst bedauerlich.
Ein demokratischer Antrag auf Regelung des Zwangsvergletchsversahrens wird angenommen.
Darauf wird bie Einzelaussprache fortgesetzt.
Die Ausgaben für den Staatsgerichts. Hof werden gegen bie Rechtsparteien und die Kommunisten bewilligt.
Ein Antrag auf Ermäßigung der Patentgebühren wirb bann angenommen.
Damit ist die zweite Lesung bgs Iustizhaushal» tes erledigt.
Angenommen wird ein Gesetzentwurf zur Er» Weiterung und Ausdehnung der Fürsorge für er» roerbslofe Seeleute.
Abg. D. K u e l z (Dem.) berichtet bann übet Verhandlungen bes Wohnungsausschusses in Sa» chen bes Mieterschutzes. Der Redner gibt bann für feine Fraktion eine Erklärung ab, wonach bie befriedigende Lösung der Wohnungsfrage bas dringendste soziale Gebot der Gegenwart und der nächsten Zukunft sei. Pflicht der Reichsregie» ning sei es, schleunigst bie erforderlichen Gesetzentwürfe vorzi'legen. Auch bie Frage bes Sieblungs» und des Pachtschützwesens müsse schleunigst behandelt werben.
Ein Regierungsvertreter sagt Är gewünschte Statistik zu. Die Regierung werbe im Abbau bet Wohnungszwangswirtschaft fortfahren, soweit bas mit den Maßnahmen zur Linderung der Woh« nungsnot vereinbar sei. Sie werde sich mit den Ländern in Verbindung setzen und so schnell wie möglich die betreffenden Gesetzentwürfe vorleaen.
Darauf werden bie Beratungen abgebrochen. Das Haus vertagt sich auf Donnerstag 12 Uhr.
Der Arbeitsplan des Reichstages.
Berlin, 18. März. Nach den heute vom Aeltestenrat des Reichstages beschlossenen Dispost» tionen wirb sich berGes chäftsplan des Reichstages in ber nächsten Zeit wie folgt gestalten: In ber morgen um 12 Uhr beginnenben Sitzung soll bie zweite Lesung bes Notetats unb bie zweite und dritte Lesung des F i n a n z a u s g l e i ch s erledigt werden. Ferner ber Gesetzentwurf über die Verlängerung ber Fristen in ber brüten Steuernotoerorbnung, ber vom Bildungsausschutz eingebrachte Gesetzentwurf über ben Lehrgang bet Grunbschule unb eventuell auch bie Aenderung ber Unfallversicherung in zweiter und britter Lesung. Am Freitag soll auf Grund der Anträge ber Kommunisten unb Sozialdemokraten bie Vorgänge bei ber kommunistischen Versammlung in Halle besprochen werben. Am Sonnabend soll bie brüte Lesung des Notetats ftattfinben, ebenso des Grundschulgesetzes usw. Die nächste Woche unb ber Montag ber übernächsten Woche bleiben sitzungsfrei. Vom 31. März bis 4. April wirb ber Reichstag wieder Sitzungen abhalten und bann bie Osterpause beginnen, dich bis Ende ber Woche nach Ostern bauert.
Verlängerung der Aufwertungsanmeldefrist.
Berlin, 1«. März. Dem Reichstag ist vom Justizministerium ein Gesetzentwurf zugegangen, ber bie Fristen ber Dritten Steuernotoerordnung bis 30. Juni 1925 verlängern will. Ebenso soll bet Zeitpunkt bes Außerkrafttretens bes Gesetzes übet bie Aussetzung bes Verfahrens vor ben Gerichten ber Aufwertungsstellen auf ben 30. Juni festgesetzt werden. Begründet wird ber Gesetzentwurf bamit, baß bie in Aussicht genommene enbgültige Rege« lung ber Ausivertungsfrag? bis zum 31. März 1923 nicht erfolgen kann.
B e r l i n , 19. März. Wie die „Voss. Zlg." hört, sind die Besprechungen der Reichsregierung mit den Parteien aufgrund eines vom Reichsjustizministerium ausgearbeiteten Gesetzentwürfe» zur Regelung der Aufwertungsfrage so weit gediehen, daß mtt dem Abschluß der Verhandlungen vielleicht schon für heute gerechnet werden kann. In der Frag« der Hhporhekenaufwertung scheint, wie da» Blatt wissen will, eine Einigung auf eine Erhöhung der Aufwertungsrechte von 15 auf 25 Prozent bereits erreicht worden zu fein, während der Regelung der Anleihenaufwertung noch größere Schwierigkeiten entgegenständen. Das Blatt weist auch darauf hin, daß im Verlaus« der gestrigen Berliner Börse für Borkriegspfand- briefe der Hypothekenbanken sehr rege Kauflust herrschte.
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Sie Eichmmgsjmge
London, 19. März. Im Unterhaus wurde an den Staatsst. etär des Auswärtigen die Frage gerichtet, ob er dem Haufe Mitteilungen über ein jüngst erfolgte» deutsches Angebot betreffend einen westeuropäischen Sicherheitspakt machen könne. Chamberlain antwortete, das deutsche Angebot liege noch nicht in einer Form vor, in der es dem Hause übermittelt werden könne. Die wir ursprünglich im strengsten Vertrauen gemachten Mitteizmgen haben seitdem eine Erweiterung erfahren. Ich beabsichtige, die Angelegenheit in allgemeiner Form in der nächsten Woche zur Erörterung zu bringen. Der Meinungsaustausch, der bisher stattgefunden hat, ist noch nicht soweit fortgeschritten, daß ich in der Lage sein könnte, anzugeben, welche Form die deutsche Regierung endgültig ihren Anregungen geben wird. Ein zu große» Eingehen auf einzelne Punkte in diesem Augenblick könnt« den weiteren Verlauf der Verhandlungen, bi« jetzt no chin ihrem Anfangsstadium sind, gefährden.
Weiter irtlärte Chamberlain, der von seiner ®enfet Reise st ar erkältet zurückgekehrt ist. die Ergebnlff« btt Reise würden in der Debatte am nächsten Dienstag yit Sprache kommen. Auf eine Anfrage erwidert« i» lata, die Einwände der britischen Regierung gegen da» Protokoll seien so grundlegender Art, daß da» Protokoll nicht die beste Basis für weitere Verhandlungen zu bieten scheine. Da» Verfahren, da» nach Ansicht der britischen Regierung die Sicherheit, auf die das Protokoll hinziele, beste''. zu fördern schein«, fei in der Erklärung gekennzeichnet, di« er im Rame» der Regierung in Genf abgegeben hab«. Auf «tag Anfrage Kennworthps antwortet« Chamberlain, keine