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Anzeiger für chas Mer kurhessische) Sberhessen - Amtliches Berkündigungsblatt -es Kreises Marburg
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Vor dem Streik zuverlässig ge- ohne Resultat die Belegschaft eine Bewegung
Republikschutzgesetzes und des noch nicht möglich.
der Angestellten- und Invalidenversicherung die stungen verbessern.
Abg. Schneider -Berlin (Dem.) stellt fest, die Rot der Rentner gebieterisch eine Erhöhung Renten verlange.
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Paris, 17. März. Die Unterredung des tschechischen Außenministers Dr. Benesch mit Herriot, die sich an die Besprechung mit Chamberlain anschloh,
wird viel beachtet. Aach dem „Petit Journal" hat Dr. Denesch seine Ansichten über die deutschen Garantievertragsvorschläge entwickelt und ist mit einem neuen Plan hervorgetreten, der auf Gruppierung der zentral- und osteuropäischen Staaten zu einem besonderen Staatenbund abzielt. Dr. Denesch beabsichtigt, auf der Grundlage deS Genfer Protokolls und deS obligatorischen Schiedsspruches die Staaten Zentral- und Osteuropa gemeinsamen Verträgen zusammenzuschlietzen. Das allgemeine Genfer Protokoll soll zu einem regionalen Protokoll umgestaltet werden, in da- auch Oesterreich einbezogen werden soll. Wenn sich die Großmächte dann mit Deutschland verständigen, so werden in Europa zwei durch Garantien für sich abgetrennte Mächtegruppen bestehen, die beide Mitgliederstaaten des Völkerbundes enthalten. Die Vorschläge des tschechischen Außenministers haben auch nach den, „Petit Journal" daS Interesse Herriots erregt. Benesch beabsichtigt, im Laufe des nächsten MonatS nach Warschau zu reisen, um den tschechisch-polnischen Schiedsgerichtsvertrag, der der den Anfang zu dem Garantievertrag der beiden Nachbarstaaten Deutschlands bildet, zu unterzeichnen. Dr. Benesch gab irn übrigen zu verstehen, daß der deutsche Garantieverira^,^Vorschlag weitgehendste Beachtung verdient und daß die Alliierten eine präzisere Fassung der Vorschläge von der Reichsregierung erbitten sollten.
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3 6. Sitzung am 17. März.
Am Aegierungstisch Justizminister Dr. F renk en.
Dor Eintritt in die Tagesordnung erhebt Abg. Könen (Komm.) Einspruch gegen die Vorgänge in Halle und Neukölln, wo Arbeiterblut geflossen sei.
Gegen die sofortige Dehandlung dieses Antrages wird Widerspruch erhoben.
Es folgt die zweite Beratung des Gesetzentwurfes über Zufahsteigerung der Renten der Ange- st e l l t e n v e r s t ch e r u n g.
Abg. Lambach (Dntl.) lehnt die sozialdemokratischen Wünsche auf Beseitigung dieser Sonderversicherung ab.
Abg. Hoch (Soz.) will durch eine Berfchmelzung
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Magdeburg, 17. März. Frhr. von Forst- ner, der im letzten Kriegsjahre Korvettenkapitän auf dem Kreuzer „Königsberg" war, bekundet, daß der auf der Kieler Werft ausgebrochene Streit auch zu einer verstärkten Tätigkeit der englischen Flotte geführt und die Nnterseebootkriegführung um rund zwei Monate zurückgeworfen habe. Di« Kieler Werftarbeiter seien durch Weisung der Berliner sozialdemokratischen Parteileitung zur Beteiligung an dem Streik veranlaßt worden. Die verstärkte Tätigkeit der englischen Flotte habe in der Nacht zum 2. Februar bei den Minensuchbooten zu großen Verlusten geführt. MS nächster Zeug« wird Kapitän Mersmann vernommen, der wahrend des Krieges Kapitän zur See und Chef der Zentralabteilung bei der kaiserl. Werft in Kiel war. Er sagte aus, die Arbeiter der Torpedowerkstätten seien schon am 26. Januar in den Streik getreten. Nach Auskunft der Werftbeamten sei der Streik «US politischen Gründen auSgebrochen und bezweckte einen Frieden ohne Annexionen. Der Streik habe sich besonders in dem Torpedoressort bemerkbar gemacht, wo von den beschäftigten 6700 Arbeitern 4200 fehlten. Auch die elektrische Zentrale sei stillgelegt gewesen. Ob schon am 29. Jan. in Kiel bekannt war, dckß die Mehrheitssozialdemokratie in die Streikleitung eingetreten war, wisse er nicht. Am 30. Januar sei der unabhängig« Abgeordnete Henke in Kiel gewesen und habe zum
Unter Ablehnung an die Abänderungsanträge werden die Ausschußbeschlüsse in zweiter und dritter Lesung bestätigt. Die Deichsregierung wird aufgefordert, dem Reichstag unverzüglich einen Gesetzentwurf vorzulegen, der neben einer Erhöhung der Versicherungspflichtgrenze in der Angestelltenverficherung eine entsprechende Erhöhung der Leistungen vorsieht.
Das Haus setzt nunmehr die zweite Beratung des Reichshaushaltsplanes beim Reichsjustizministerium fort.
Abg. Brodaus (Dem.): Die Aufhebung des
Der amtliche Stimmzettel.
Der Reichsrat trat gestern zu einer kurzen öffentliche» Vollsitzung zusammen, um eine Novelle zur Reichsstimmordnung zu verabschieden. Die Vorlage zieht die Folgerungen aus dem vor einigen Tagen im Reichstag verabschiedeten Gesetz über die Wahl des Reichspräsidenten, bringt also die Einführung des amtlichen Stimmzettels auch für die Reichspräsidentenwahl. U. a. wird folgender Absatz neu in die Reich-stimmordnung eingefügt:
„Bei Reichspräsidentenwahlen müssen die Stimmzettel alle zugelassenen Wahlvorschläge mit Vor- und Zunahme, Stand oder Beruf und Wohnort deS Anwärters enthalten. Die Reihenfolge richtet sich nach dem Alphabet. Daran schließt sich ein freies Feld an, In das der Stimmberechtigte einen anderen Anwärter etntragen kann, wenn er keinem der Vorgeschlagenen seine Stimme geben will."
Die Wahlvorschläge müssen spätestens am zehnten Tage vor der Wahl beim Reichswahlletter eingereicht sein. Der Wahlvorschlag muß einen Vertrauensmann und einen Stellvertreter bezeichnen, bie bevollmächtigt sind, dein Reichswahlleiter Er- klärungen abzugeben. Der Reichsrat stimmte der Vorlage zu.
«ine vAkische Zählkanbibatnr.
München, 17. März. Wie die Deutsch- natronale Korrespondenz erfährt, entschloß sich Hit- ler für die Reichspräsidentenwahl eine nationalsozialistische Eonderkandidatur aufzustellen. Diese Kandidatur soll nur die Bedeutung einer parteipolitischen Zählkandidatur haben, um die Stimmen- zahl zu prüfen, die der Partei für die endgültige Entscheidung zur Verfügung stehen.
Di« Deutsch-Hannoveraner für Held.
Hannover, 17. März. Die Deutsch-Hanno- verlche Partei fordert durch einen in der „Hannoverschen Landeszeitung" veröffentlichten Aufruf ihre Parteianhänger auf, bei der Wahl zum Reichspräsidenten am 29. März geschloffen für den Mi- nisterpräsidenten Held als den noch kn letzter Stunde aufgestellten einzigen föderalistischen Kandidaten zu stimmen.
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Der nächste Zeuge, der 74 jährige ehemalig« Werftoberinspektor R i ch o w aus Kiel, war zur Zeit des Januarstreiks auf der dortigen Werst im Fahr»
Abg. Dr. Pfleger (Bahr. Vpt.) bittet, den deutschen Juristen die Möglichkeit zu bieten, durch Studienreisen im Auslande sich über ausländisches Recht zu unterrichten. Die Emmingersche Justizverordnung war notwendig, um unsere Rechtspflege vor dem drohenden Zusammenbruch zu bewahren. Der Redner warnt ferner vor einer Erleichterung der Ehescheidungsgesetze. Lebhaft zu begrüßen fei die gemeinsame Arbeit beim Strafgesetzbuch mit Oesterreich. Dadurch werde eine Brücke zwischen den beiden Ländern geschlagen. Die Aufwertung dürfe kein Almosen werden.
Abg. Dr. Frick-München (Rat.-Soz.) führt Beschwerde über die Unterdrückung der deutsch-völkischen Bewegung durch den preußischen Minister Severing und die bayerische Regierung.
Abg. Lohmann - Altona (Dntl.) bringt Gehaltswünsche der Justizbeamten vor. Der Redner warnt davor, die Politik in die Rechtspflege hineinzutragen.
Abg. Lucke (Wirtsch. Vgg.) bemängelt die ile&er- zahl der Gesetze und Verordnungen, unter denen sich niemand mehr zurechtfinde.
Abg. S ch rö der- Mecklenburg (Nat.-Soz.) bringt Wünsche der Rechtsanwälte vor. Der Redner spricht sich gegen jede Erleichterung der Ehescheidung und für eine weitere Verbindung mit Oesterreich aus.
Damit ist die allgemeine Aussprache erledigt. Das Haus vertagt sich auf Mittwoch 2 Uhr mit der Tagesordnung : Kleine Vorlagen, Einzelberatung zum Justizetat, kommunistische Anträge über die Vorgänge in Halle.
Schluß 7.45 Uhr.
Aus harren im Streik aufgefordert. ei die ganze Belegschaft äußerst vesen. Mit dem Streikabbruch habe man das Gefühl gehabt, daß bei nächster Gelegenheit wieder in eintreten würde.
Dir deutsch-französischen Wirtschaftsverhandlungen.
Paris, 17 März. Heute nachmittag um Vs* Uhr hat eine Vollsitzung der deutschen und französischen Handeldelegation stattgefunden. Es würbe in der heutigen Sitzung das Arbeitsprogramm be- prochen und zur Vereinfachung der Arbeiten be» chloffen, zuerst über die Listen in llnterkommistonen zu beraten. Der Vorsitzende der deutschen Unter- kommission ist Ministerialdirektor Mathis vom Reichssinanzministerum. Die eingesetzte Unter» kommission wird bereits morgen ihre erste Sitzunj abhalten.
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Der Zweihänder mann.
Man kann zwar die Bänder von zwei Korps tragen, weil man ihnen nacheinander angehört hat, «der man kann nicht zu gleicher Zeit in zweien Bursche feilt. Und ebenso ist es gut möglich, erst Ministerpräsident und dann Reichspräsident zu werden, jedoch unmöglich, beide Aemter zu bereinigen. Herr Marx scheint das nicht einzusehen. Er kandidiert für bie RKchspräsidentschaft itnb verhandelt zugleich in seiner Eigenschaft als gewählter preußischer Ministerpräsident in aller Ruhe weiter über die Möglichkeiten einer haltbaren Kabinettsbildung. Womit ist es ihm nun eigentlich ernst? Sol! man glauben, daß er für den 29. März nur als Mhlkandidat des Zentrums gilt und daß für den zweiten Wahlgang ein noch zuverlässigerer Republikaner, etwa Dr. Wirth, als schwarz-rot-goldner Sammelheros auftauchen wird? Oder will sich Herr Marx in Preußen nur für alle Fälle einen Posten «servieren? Er betreibt die Besprechungen unter den Parteien mit einer Engelsgeduld, die böswillige Lungen als Verschleppungsabsicht mißdeuten, und hat bereits den Plan, am Mittwoch entweder die fimc Kabinettsvorstellung ober eine Neuwahl deS Ministerpräsidenten zu veranstalten, umgeworfen. Man kann sich daher nicht darüber wundern, daß die Marteien, die außerhalb der Linkskoalition stehen, Allmählich den Eindruck haben, von Herrn Marx «ls Hampelmann benutzt zu werden und demselben switgeteilt haben, sie sähen keinen praktischen Sinn !in Verhandlungen mit einem Reichspräsidentschaftskandidaten über die preußische Kabinettsbildung. .Die Mängel des durch die Verfassung in Preußen eingeführten Systems treten immer deutlicher herber. Die Wahl des Ministerpräsidenten durch den Landtag wird zur Faree gemacht, wenn sie mit ^relativer Mehrheit erfolgt, die nachher nicht in der Lage ist, ein stabiles Kabinett auf die Beine zu stellen. Die Parteien werden sich endlich dazu entschließen müssen, die Hauptverhandlungen über die Zusammensetzung der neuen Regierung vor die Kahl des Ministerpräsidenten zu legen und diesem daii» nur die Einzelausführung zu überlassen.
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und unseren Generalvikaren vor, bi« Beteiligung an derselben ausnahmsweise zu gestatten."
So ist denn der Kampf auf bet ganzen Linie eni< brannt. Als vorläufige Maßnahme ist für Colmar, wo die Pariser Verfügung zuerst zur Durchführunx gelangen soll, ein dreitägiger Streik angeorbnet, dessen Fortsetzung und Verschärfung in Form bei Ausdehnung als Steuerstreik usw. in Aussicht genommen ist, falls die Regierung nicht nachgibt. Di« Preffe steht in ihrer überwiegenden Mehrheit auf feiten der Kirche. In schärfster Form nimmt das Organ des Dr. Haegy, der „Elsäffer Kurier" Stellung. In einem Aufsatz „Der Staatsstreich gegen unsere elsässische Schule" heißt es unter anderem: „Mit Füßen getreten werden die Versprechungen, die in feierlicher Weise dem elsässischen Volke gegeben worden sind im Namen Frankreichs. Es ist gekommen, was die Pessimisten seit Zähren vorausgesehen haben: das elsässische Volk ist belogen und betrogen. Wir erleben es heute an dem, was den Vätern und Müttern unsres Volke» am heiligsten ist, an dem vergewaltigten Recht der Eltern auf die Erziehung ihrer Kinder. Kein Mensch fragt die Eltern, was für Schulen sie wünschen. Kein Mensch würdigt eines Blickes die mit der Unterschrift der Mehrheit der gläubigen Bevölkerung unserer Städte bedeckten Petitionen. Dafür haben sie nur Hohngelächter, die Leute, die mit der Faust unser Elsaß regieren. All das rächt sich einmal!"
Diese Sprache läßt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Wenn man heute in Elsaß-Loth» ringen von einem Kulturkämpfe spricht, so geschieht das bereits in umfaffenderen Sinne als die an sich nur aufs kirchliche eingestellte Bedeutung diese» Wortes es vermuten läßt. Elsaß-Lothringen kämpft gegen den Zentralisi.rungswillen von Paris für die eigenwüchsige alte und — deutsche Kultur seine» Landes.
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Nach kurzer Erholungs- ober Agitationspause ist ber Reichstag am Dienstag wieder zufammenge- kommcn, um feine laufenden Arbeiten fortzusetzen. Zu einer großen Sitzung soll es aber erst am Donnerstag kommen, wenn die Beratung des Haushalts des Außenministeriums beginnt. Bis dahin ist der Etat des Reichsjustiz- ministcriums zu erledigen, aber dazwischen auch noch andere dringende Angelegenheiten. Am Dienstag begann das Haus mit einer Ehrung für die ver. siorbene Zentrumsabgeordnete Frau Dransfeld, die eine der ältesten und sympathischsten weiblichen Abgeordneten war. Dann versuchten natürlich die Konnnunisten, die Toten von Halle und Berlin, die He auf dem Gewissen haben, auch noch in einer Ertradebatte auszuschlachten. Als sich dagegen telbstverständlich Widerspruch erhob, vollführten sie Sen vorgeschriebenen Lärm. Bei der Erledigung der Vorlage über die Zusatzrenten in der Ange- stellteiiversicherung wiederholte sich der alte Streit um die Vereinigung der Angestelltenversicherung mrt der Arbeiterversicherung. Man begnügte sich aber schließlich damit, die Ausschußanträge anzunehmen und die grundsätzlichen Auseinander- setzungen zu vertagen.
Der Schulstreik im Elsaß.
ff. Paris, 17. März. „Echo be Paris" gibt bie Zabl der in den Kalmarer Schulen nicht erschienene« Kinder mit 60 Prozent für die Stadt und 90—100 Prozent für das flache Land an.
Weiter wird zu diesem Schulstreik gemeldet, daß bi« Beteiligung am Streik am stärksten im Unterelsah war. wo in Weißenburg 90 Prozent, in Hagenau 75 Prozent der Schulkinder dem Unterricht fernblieben. Sm Straßburger bischöflichen Gymnasium streikt bas gesamte Lebrpersoual, so daß die zum Unterricht erschienene« Schüler nachbause zurückkebren mußten. Sn Mülbausen, wo in einigen Schulen bis zu 50 Prozent der Schulkinder streiken, hatten sich vor den Schulgebäuden zahlreiche Mütter aufgestellt und bedrohten die Kinder, di« die Schule besuchen wollten, so daß diese wieder um« kehren mußten.
ff Colmar, 18. März. Nach den amtliche« Ziffern betrug die Streikbeteiligung in Colmar am 2. Tage etwa 26 Prozent der gesamten Schulkinder.
ein preußisches Staunten Wett?
ftie Rechtsparteien gegen eine Kabinettsbildung durch Marx.
Berlin, 17. März. Die Fraktionsvertreter Her Deutfchnationalen, der Deutschen Volkspartei, »er Wirtschaftlichen Vereinigung und der Nationalsozialistischen Freiyeitspartei faßten heute nach- Hnittag einen gleichlautenden Beschluß, der eine Labinettsbildung durch Marx ab« ehnt, da dieser Kandidat für die Reichspräsi- tzentschast sei. Der Beschluß wurde dem Ministerpräsidenten Dr. Marx mit dem Hinzufügen mitgeteilt, daß auch die genannten Fraktionen selbst tzweifellos die Haltung ihrer Vertreter vollinhaltlich billigen würden. In einer interfraktionellen Besprechung am Nachmittag berichtete Dr. Marx über die ablehnende Haltung der Rechtsparteien tzur Kabinettsbildung. Da er nunmehr erst mit der Neichspatteileitung des Zentrums verhandeln müsse, könne er die Regierung bis Mittwoch nicht Klden.
Wie wir fernejr erfahren, steht man in weiten Kreisen der deutschen Rechtsparteien dem Gedanken eines Beamtenkabinetts keinesfalls ablehnend gegenüber. Die Bedenken Nieser Parteien drehen sich lediglich um die Person Hes Herrn Marx, die aus den oben angedeuteten .Bründen offenbar abgelehnt wird. Dagegen scheint -bei der Rechten große Stimmung vorhanden zu lein, unter einem anderen Ministerpräsi- jde n t en das Beamtenkabinett, wie es Herr Marx ' bestrebt, Wirklichkeit werden zu lasse«.
Berlin, 17. März. In einer interfraktionellen Sitzung berichtete Ministcrpräsideni Marx ' fiber die ablehnende Haltung der Rechtsparteien 'Rur Kabinettsbildung. Die Ablehnung fei mit Gründen belegt worden, die im Reiche lügen. Er 'Müßte nun erst mit der Reichsparteileitung des 'Zentrums verhandeln, mit deren Zustimmung er ausgestellt worden fei. Unter den obwaltenden Umständen könne er eine Regierung nicht bilden.
8>k „Oberhetzijche Zeitung erscheint sechsmal wöchentlich. — Bezugspreis monatlich 2 Mark ausschließlich Zustellungsge- Der Anzeigenpreis beträgt für den 10 gesp. Zeilenmillimeter 0,08 ffiolbmatt Kleine Bar-Anzeigen 0.06 TM. Amtliche und
»ihr. Durch die Posi S^o Mk.- Für ausfallende Nummern infolge Streik» oder elewentarcr Ereignisse kein Ersatz.-Lerlaa auswärtige Anzeigen 0,10 Eoldmark. Bei schwierigem Satz, sowie b. PlatzoorschriftenSO«/, Aufschlag Sammelanzetgen 100-/.
MNl Dr.E. Hitzeroth.— Druck derUniv.-Vuchdruckeie, von Joh.Aug. Koch, Markt 21/23. — Fernsprecher: Nr. 55, Nr. 666. und Ausschlag. Reklamen 0,35 Eoldm. Jeder Rabatt gilt al, Barrabatt. Ziel 5 Tage. Belege werden berechnet, ebenso Au,-
Powcheakonto: Nr <>Ula Amt Frankfurt a. Main. ' kunst durch die Geschäftsstelle und Zusendung der Angebote. Erfüllungsort Marburg. 1 G.»Mk. Dollar
Deutschland soll die Form seines Angebots ändern.
Paris, 17. März. Der „Times"-Berichterstatter in Paris glaubt aus den offiziellen Erklärungen über das Gespräch zwischen Herriot und Chamberlain folgende Schlußfolgerungen zu können:
1. Es fei klar, daß Herriot einem Pakte mit Deutschland nicht abgeneigt sei. Seine Bedingung ist offenbar bie. daß Polen nicht einem unbilligen Druck seitens Deutschlands ausgeliefert werden dürfe.
2. Es ist ein Lebereinkoimnen dahin erzielt worden, daß die Frage des Paktes zwischen den Alliierten auf der einen Seite und Deutschland auf der anderen Seite diskutiert werden müsse. Diese Diskussion soll aber nicht früher beginnen, als bis die Alliierten ein völliges Einvernehmen untereinander erzielt haben. Es ist deshalb in absehbarer Zukunft keine Konferenz in Ausgenommen. Dieser Pakt könne aber auf keinen Fall wirksam werden, bevor nicht Deutschland Mitglied des Völkerbundes ist. Wenn Deutschland in den Völkerbund ewtgetreten ist, dann wird es das Recht haben, sich aus Art. 19 der Völkerbundsfatzung zu berufen, der eine Aenderung bestehender Verträge vorsieht, falls diese unhaltbar geworden sind. Das, so wird behauptet, deckt tatsächlich den Sinn des deutschen Vorschlags, insoweit er die deutsche Ostgrenze zum Gegenstand eines Schiedsgerichtes machen will. Deutschland mutz deshalb die Form seines Angebotes ändern und die deutsche Re- gterung würde Gelegenheit haben, eine Formel zu ftnßen, die so beschaffen ist, daß ein llebereinkommen erzielt werden kann.
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.Belogen und Betrogen '
Der We^enspunkt aller mit Elsaß-Lothringen, unseren ehemaligen Reichslanden, in Beziehung tehenden Schwierigkeiten ist seit jeher die betonte Eigenwilligkeit der Elsäffer und Lothringer gewesen. Der gemeindeutsche Partikularismus ist in diesem Lande der allemannischen Hartköpfe seit je. her ins Blut geschossen. Die Schwierigkeit, ein sol- wes Land, das eine wechselvolle Geschichte hinter sich hat und an der Kampfscheide zweier Völker uegt, dem Eesamtstaate reibungslos einzugliedern, hat auch vor dem Kriege bereits die Berliner Regierung ständig in Sorgen gehalten. Immerhin darf gesagt werden, und im Elsaß hört man diese Ansicht heute schon recht deutlich, daß Deutschland sich wenigstens bemüht hat, diesem deutschen Land« Ü^recht zu werden. Eigene Stadthalterschaft, zum Schluß sogar völlige Selbstverwaltung mit gesetzgebender Kammer, weitgehende Rücksichtnahme auch auf die kirchliche Eigenart des Landes waren das Kennzeichen der reichsdeutschen Zeit. Trotzdem rrffen auch damals die Mißverständniffe auf beiden «eiten nicht ab.
Seit der „Wiedervereinigung" mit dem sogenannten „Mutterlande" Frankreich hat sich Elsaß- Lothringen, in Departements aufgeteilt, die völlige Beseitigung aller Selbstverwaltungseinrichtungen gefallen laffen müffen. Man kennt, wie Herriot es immer wieder betont hat, nur ein Frankreich. Maif will nichts von „Privilegien" wiffen, wie der fran« Eiche Ministerpräsident eben erst wieder bei der Einweihung des Denkmals für Jaures erklärt hat. Zum System des einigen Frankreich gehört die Laienschule. Der Uebergang zu dieser Schule soll die Eimultanschule sein. Auf einen Wink der Pariser Regierung hin haben nunmehr die Ee. meinderäte größerer Orte, soweit sie politisch links gerichtet sind, von der Regierung die Ermächtigung zur Simultanisierung der Volksschule verlangt. Es handelt sich vorläufig um Straßburg, Colmar, <->chiltigheim und Jllkirih-Graffenstaden. Der französische Ministerpräsident, der auf den gewaltigen Proteststurm seine Ankündigung vom 1. Juli 1924 nicht wahr gemacht hatte, hat nunmehr die Wünsche der linksgerichteten Eemeinderäte berücksichtigt. Die Folge dieses Schrittes ist ein Erlaß be» Straßburger Bischoffs, in welchem zum Schulstreik aufgerufen wird. In dem Erlaß heißt es: „Jedes Kind, daß diese Schulen besucht, darf nicht zur feierlichen ersten Kommunion zugelassen werden. Wenn in äußerst seltenen Fällen Ausnahmen gemacht werben müßten, so behalten wir uns selbst
Rt.65
Marburg a. L Mittwoch, beo 18. Mörz
«». Mrs. 1925