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60. Sedrs. 1923

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Postfweckkont«: Nr 5U15 Amt Frankfurt a. Mai».

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t* Der »meigenotef« beträgt für Den 10 aelp. Zellenmillimeter 0,08 Goldmark. Kleine Bar-An,eiaen 0 96 EM. Amtliche nah

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Postscheckkont.. Nr ->01-, Amt Frankfurt a. Mai».__tunft durch die Eeschäit.itell. und Zniendnng der Angebote. EnÜllungson Rarbnrg. 1K", Ä

Ser künftige Reichsvmfidmt

Die sterbliche Hülle des Reichspräsidenten Fried­lich Ebert ist in Heidelberg, seiner Vaterstadt, der Wrde übergeben. Die Akten über sein Leben und jiine Amtsführung sind für immer geschlossen.

Das deutsche Volk steht vor einer Neuwahl Aines Präsidenten. Am Sonntag, den 29. März, ist Wahl. Wohl die wenigsten aller Wähler sind Sch über die Wichtigkeit des Amtes de» Reichspräsi­denten i» Klaren. Während in Frankreich der Präsident mehr im Hintergrund steht, obwohl sein Einfluß keineswegs aufgehoben ist, wie es sich ja bei dein Sturze Millerands und der Wahl Doumer- W»e» gezeigt hat, während in Amerika der Präsi­dent vollkommen unabhängig von den Parlamen­ten sei» Amt führt, geht die deutsche Verfassung Hierin einen Mittelweg. Bei uns ist der Reichs- »rästdcnt selbständig in seinen Entschließungen, nur t» der Exekutive ist er beschränkt durch da» Par- Hment. Die Artikel 41 ff. dos Reichsverfassung legen die Befugnisse des Reichspräsidenten fest. DaS Amt dauert nach Artikel 43 der Reichsverfassung ! Neben Jahre. Auf Antrag des Reichstags kann :«et Reichspräsident durch Volksabstimmung vorzeitig Sdgeseht werden. Die Ablehnung der Absetzung | durch die Volksabstimmung gilt als neue Wahl und hat die Auflösung des Reichstages zur Folge.

Aber Paragraphen stehen auf dem Papier, erst die Persönlichkeit gibt ihnen das Leben. Nur «nf >en Mann, der an der Spitze steht, kommt es an. Darum ist eS von größter Wichtigkeit, für die uüchsten stoben Jahre einen Mann zu wählen, der alle nötigen Kräfte für den Wiederaufbau unseres Vaterlandes in sich vereinigt. Ob ein Monarchist »der Republikaner an der Spitze steht, darum han- ! delt cs fich keineswegs. Die Staatsform ist und muß heute noch eine zweite Frage bleiben. In I erster Linie kommt der Staat. Auch kein Streit, ! »6 schwarz-weiß-rot oder schwarz-rot-gold, ist in die- fern Falle angebracht. In dem neuen Man» muß lebendig sein der große nationale Gedanke. Er sell durchdrungen sei» von heißer inniger Liebe zum deutschen Volkstum. Deutsche Kultur soll er erhalten und sie nicht mit fremdländischer durch- schen. Vor allem soll ihn Liebe zur großen deut- ßlheu Vergangenheit beseelen. Denn der Zett, als schwarz weitz-rot über uns wehte, die Kaiserkrone Wichnid über dem deutschen Volke stand, ein tap- frreS Heer und ein« starke Flotte noch Deutschlands Stolz und Zierde waren, der Zett brauchen wir uns wahrlich nicht zu schämen. Daß unser Vaterland bl Zukunft wieder zu dieser alten glorreichen Höhe «nporsteigen möge, das ist wohl aller national Lenkender sehnlichster Wunsch. Darum soll der neue Reichspräsident auch den festen Glauben an Mc deutsche Zukunft haben. Er darf nicht zwei­feln an der Kraft seine» Volkes. Daneben soll er r auch Sinn für nationale Würde haben.

Auf eigne Kraft, auf die Kraft seines Volles soll er sich verlassen und nicht auf die schönen Reden »«derer Böller, die doch bisher nie von der Tat begleitet waren. Daß die Lüge von der Kriegs­schuld Deutschlands wirklich eine Lüge, dafür ein- I«treten, mutz unbedingt von dem neuen Reichs- Cäsidenten verlangt werden. Alle» für sein Volk, bst fiter sein eigene» Wohl, mutz ewiger Seit» stern für ihn sein.

Weiter soll der Reichspräsident eine Führer- persönlichkeit fein; Bildung mutz ihm eigen sein und Leistungen in feinem bisherigen Berufe « er «nfweisen können. Bor allem aber braucht »User Boll eine sittlich einwandfreie Führerper- pnlichkctt. Früher war der Deutsche stolz auf sein - Beamtentum, und gottlob gibt e» auch heute noch eine große Zahl derer, die mit Pflichttreue ihr Amt bekleiden. Welche Beispiele von Korruption «nd Mangel an Moral hat aber gerade die letzte Zeit gezeigtl

Zuletzt endlich muß der Reichspräsident vor allem die Kraft haben, sich über die Parteien zu stellen and nicht einer bestimmten Schicht sich ver­pflichtet fühlen.

Tritt nun an die Spitze der deutschen Repu­blik ein Mann, der diese geschilderten Eigenschaf­ten in seiner Person vereinigt, dann steht e» gut em die Zukunft unsere» Volkes. Darum messe der Wähler, bevor er seine Stimme abgibt, «ach diesem Maßstab, dennhandeln sollst Du so, «ls hinge von Dir und Deinem Tun a l i e t u da» Schicksal ab der deutschen Dinge und di« Berant- »vrtung wär Dein."cht.

Die BSlkischeu für Jarres.

Berlin. 17, März. Das Organ der deutsch- völkischen Freiheitsbewegung stellt parteioffizrös fest, daß die dcutfchvölkische Freiheitsbewegung ge-> schlossen für die Kandidatur Jarres eintritt und an die Anfsiellung eines Sonderkandidaten nicht denkt.

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Rachkiänge zu drr Seufer Tagung

Da« Reich und der BSlkerbnud.

Das Organ des Außenminister» Dr. StresemannS dieZeit", behandelt die Note de» Völkerbundsrates und stellt fest, daß die Forderung Deutschland» nach einem ständigen Sitz im Völkerbundsrate nunmehr al» erfüllt angesehen werd.» könne. WaS die deut­schen Bedenken In Bezug auf die Teilnahme an Ctrafaktionen betreffe, so seien sie wohl herabge- Mtndert, aber es beständen angesichts der sehr kvmp- Üzterten Fassung der Ratsnote auch jetzt berechttgte Zweifel. Die Kernfrage sei, daß Deutschland nicht |u irgendwelchen Handlungen verleitet werden dürfe, die eine Kriegserklärung anderer Mächte

gegen Deutschland nach sich ziehen könnten. An­dererseits betont dieZeit", daß die Völkerbund», frage kein isolierte» Problem sei, sondern mit der allgemeinen SicherhettSfrage und nach französischer Auffassung sogar mit der Räumungsfrage zusam­menhänge. Da« Reichskabinett wird sich demnächst mit diesem ganzen Komplex von Fragen ausführ­lich zu beschäftigen haben.

fk. Berlin, 17. März. Außer dem .Jour­nal deS DebatS" lehnt auch derTempS" den Plan einer Entwaffnungskonferenz ab und fragt, welche vorläufigen Bürgschaften die Washingtoner Regie­rung bieten könne. Wenn Amerika und England nicht' zu dem Gedanken de» gegenseitigen Beistände« zurückkehren, kann man keine Bürgschaften entdecken. Die Verteidtgungsmittel Frankreichs herabzusetzen, ohne daß die Sicherheit vollkommen verbürgt ist, davon kann unter keinen Umständen die Rede fein.

Soolidge und Chamberlain.

Die Rede deS englische» Außenminister» in Genf hat ein besonder» lebhafte» und zustimmendes Echo jenseits des großen Wassers, in den Vereinigten Staaten, gefunden. Nordamerika hat seit jeher das Unglücksgebilde von Genf abgelehnt. Es ist der- stündlich, daß die Chamberlain-Rede, die, wen» auch nicht materiell, so doch moralisch dem VölkerbundS- gebilde in seiner augenblicklichen Form einen töd­lichen Stoß versetzt hat, gerade in Washington mit besonderer Genugtuung ausgenommen ist. Für da» Deutsche Reich bedeutet diese Entwicklung eine War­nung hinsichtlich der neuen Elntrittslockungen. ES liegt nahe, daß der neue Konferenzplan Coolid- ges, der Abrüstung zu Lande und zu Wasser er­strebt, in einem gewissen Inneren Zusammenhang mit der Erledigung deS Zweckpazifismus von Genf steht. Die Einladung nach Washington, die alle in letzter Zeit geschmiedeten Sonderpläne durch­kreuzt, und deren Absichten mit Amerikas Wirt­schaftsinteressen, dem Dawesplan usw. in Verbin­dung stehen, dürfte besonders in Paris mit recht ge­mischten Gefühlen ausgenommen werden.

fk. L o n d o n, T7. März. Der Pariser Korre­spondent desDaily Telegraph", Pertinar, schreibt über die Besprechungen Herriot», Chamberlains und BeneschS, der Bericht der Militärkontrollkommis­sion werde gegebenenfalls jetzt nicht veröffentlicht werden. Im Augenblick scheine auch keine Kon­ferenz der Alliierten unter Teilnahme von Deutsch- land in Aussicht zu fein. Die deutschen Vorschläge würde» auch weiterhin von der französischen und britischen Regierung geprüft werden, aber der ange­legte Pakt werde nicht abgeschlossen werden, ehe Deutschland nicht In bett Völkerbund eingetreten fei.

fk Paris, 17. März. Staatssekretär Cham­ber l a i n empfing gestern abend die Vertreter der englischen und amerikanischen Presse und erklärte über seine Unterredung mit Ministerpräsident Herriot. er habe mit Herriot über die deutschen An­regungen hinsichtlich der Sicherhettspakte, die Frage der Entwaffnung und über die Frage der Veröffentlichungdes Berichts des Generals Walch gesprochen.

Auf Anfragen erklärte er, er sei sehr optimistisch inbezug auf die Sicherheitsfrage. Man habe die deutschen Vorschläge ernsthaft geprüft, und man werde in dem auf diplomatischen Wege fort­zusetzenden Meinungsaustausch festzustellen suchen, welcher Vorteil aus diesen Vorschlägen zu ziehen sei. Hinsichtlich der zu beratenden Grenzen mach« die britische Regierung keine Ausnahmen, jedoch gebe es gewisie Grenzen, an deren Sicherung Eng­land mehr intereffiert sei als an anderen. Ueber die Veröffentlichung des Berichts des Generals Walch sei noch keine Entscheidung getroffen worden, da im Augenblick noch nicht feststehe, ob über die Entwaffnungsfrage eine interallierte Konferenz einberufen werde. Ueber den amerikanischen Plan, wegen Einberufung einer Entwaffnungs­konferenz könne er nichts sagen, da im Augen­blick nichts von einer Einladung bekannt sei. Er könne nur soviel erklären, dah er mit dem jetzigen Staatssekretär für auswärtige Angelegenheiten Kellogg vor feiner Abreise aus London hierüber gesprochen habe.

Ei« neue Abrüstungskonferenz.

P « ris, 16. März. DerMatin" veröffentlicht folgende Nachricht: Präsident Coolidgr habe offiziell beschlosien, die interessierten Mächte zu einer neuen Abrüstungskonferenz ein­zuladen. Der französische Botschafter in Washing­ton habe dem Quai d'Or'ay mitgeteilt, daß Staats­sekretär Kellogg gegenwärtig eine Note ausarbeite, die er bald nach Paris richten werden. Dieselbe Mitteilung werde auch den Regierungen in Lon­don, Rom und Brussel zugehen.

Präsident Coolidge habe den Vertretern der amerikanischen Presie erklärt, daß er den Augen­blick für die Verwirklichung seines Planes für außerordentlich günstig halte. In dieser Note, die Präsident Coolidge selbst mit Senator Borah, dem Vorsitzenden der Senatskommisilon für auswärtige Angelegenheiten, vorbereitete, und die Staats­sekretär Kellog zum Teil übernommen habe, nehme Präsident Coolidge ganz offen auf das kürzliche Begräbnis des Genfer Protokolls Be­zug. Er bestehe auf bei Notwendigkeit, daß nach dem Scheitern der juristischen und militärischen Sachverständigen des Völkerbundes der öffentlichen Meinung der ganzen Welt bewiesen werden müsie, daß die Regierungen, wie in der Vergangenheit, dem Ideale dec Abrüstung der Völker ergeben blieben. DerMatin" fügt hinzu, die Begrenzung

der Rüstungen zu Lande dürften entsprechend den Absichten Präsident Coolidge» ebenso im Laufe dieser Konferenz erörtert werden.

fk. London, 17. März. Der Newyorker Be­richterstatter de«Daily Chronicle" schreibt zu der elnguberufenbcn Abrüstungskonferenz: Nach Mit­teilung von gut informierter Seite sei Präsident Coolidge der Ansicht, daß die Frage der Landrüstun­gen in der Hauptsache eine europäische Angelegen­heit sei. Die Einladung würde nur an die großen Seemächte gerichtet werden. Der Newyorker Be­richterstatter derWestminster Gazette" meint, daß Deutschland, da e» entwaffnet sei, mit der bevor­stehenden Konferenz nicht» zu tun habe.

Zweifache Niederlage Herriot».

Paris, 16. März. Die Finanzkommission de« Senats hat in ihrer Damstag-Abendsitzung trotz der Erklärungen Herriot» mit 17 gegen 14 Stimmen gegen die Auflassung der Botschaft beim Vatikan und mit 17 gegen 8 Stimmen gegen die Spezial­kredite für eine Sondervertretung der elsah- lothringischen Interesse» beim Vatikan gestimmt.

Da» deutsch-französische Handelsvrooiforium.

Am 16. Mär, sind in Paris die Verhandlungen zwi­lchen der deutschen und der französischen Handelsdelega­tion wieder ausgenommen worden. Die deutschen Unterhändler batten nach langen Kämpfen endlich die Grundlage der gegenseitigen Gleichberechtigung erkämpft, auf der nun ein mehrmonatiges Handels- vrovilorium abgeschlossen werden soll, dessen baldiger Abschluß vom deutschen Standpunkt aus nur zu begrü­ßen wäre. Der augenblickliche vertragslose Zustand ist für beide Teile nur von Nachteil. Die deutschen Unter­händler werden darauf besteben müssen, daß der Grund­satz der beiderleitigen Eleichberechtignng im Proviso­rium auch tatsächlich berücksichtigt wird.

In diesem Handelsvroviforinm loll in erster Linie der Warenaustausch zwischen Deutschland und Ellaß- Potbringcn sowie dem Saargebiet geregelt werden. Gerade wegen der Einfuhr aus Elsaß-Lotbringen bat­ten sich die deutsch-französischen Verhandlungen lo lange hingezogen. Elsaß-Lotbringen, das wirtschaftlich zu Deutschland gebärt, wird nach wie vor auf die Ausfuhr nach Deutschland angewiesen sein, denn Frankreich selbst bat genug Terlllproduzenten. Für Deutschland wiederum ist es von Wichtigkeit, daß der deutschen Ans- fubrindustrie genügend Absatzmöglichkeiten gegeben werten. Solange die Bestimmungen des Verlailler Verirages hinsichtlich des Handelsverkehrs in Geltung waren, war Deutschland gezwungen, das festgesetzte Ausfubrkontingent von Textilien im Werte von 800 Millionen Goldmark aus dem Elsaß hereinzulassen. Nachdem diele Fessel gefallen ist, ist eine Herabsetzung 8er Zwangskontingenle überbauvt zu fordern. Die Franzolen erwarten zwar eine besondere Zollveraünsti- guna, doch haben die deutschen ilnterbändler eindeutig erklärt, daß höchstens eine Halbierung der Mindest­tarife stallllnden könnte. Voraussetzung hierfür muß aber fein, daß auch yranfrciib leinerfeits sich entgegen­kommend zeigt. Die wirtschaftliche Gesundung der deut- IckenJndustrie wird im wesentlichen von dem Derbalten Frankreichs uns gegenüber abbängen. H. T.

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Maliter Ml» über öle Abrüstung

Im Hamburger Uebersee-Klub hat der Reichs­wehrminister Dr. Geßler, der sich sonst so wenig vernehmen läßt, eine bedeutsame Rede Über die Fragen der Abrüstung und die Stellung der Reichswehr gehalten. Wirkungsvoll stellte er dem gigantischen. RüllungSsystem Frankreich» und feiner Volltik der Militärbünde Deutschland» vollständige Entwaffnung gegenüber. ES ist leider nur zu wahr, daß unsre Reichswehr nicht imstande ist, einen mo­dernen Krieg zu führen. Selbst ein enallscheS Mit­glied der Kontrollkommission hat ja erklärt, daß die Londoner Polizei dazu besser imstande sei. Wenn Dr. Geßler die Nachrichten Über Geheimrüstungen und verbotene Waffenfunde in Deutschland als Märchen und Fabeln bezeichnete, fo wollte er da­mit natürlich nicht einzelne kl^ne Verstöße abstrei­fen, sondern die offenkundige Tatsache hervor­heben, daß alles das nicht ausreicht, um die Kriegs­fähigkeit der Reichswehr irgendwie zu heben. Diese ist ja heute mehr denn je von der technischen Aus­rüstung abhängig, und ein Heer ohne schwere Ge­schütze, ohne Flieger, ohne Tank» und ohne Gas­waffen kann sich nicht einmal einer kleineren Armee, die hiermit ausgerüstet ist, entgegenstek- len. Mit Recht betonte ferner der Minister, daß man die Reichswehr nach der politifchen Seite hin vollkommen in Ruhe laffe und keinerlei Demon­strationen von ihr verlange. Die Erziehung im StaatSgedauken und in der Pflichterfüllung macht allein ein Heer fähig, jeder verfassungsmäßigen Re­gierung zu dienen.

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Ser zweite MbarttPrezetz

Otto Wels al» Zeuge.

Magdeburg, 16. Mar». Al» erster Zeuge wird wüte der Vorsitzende der Sozialdemokratischen Partei, Reichstagsabgeordneter Otto Wels, vernommen, ber erklärt, der Parteivorstand habe von Ansang bi« Ende des Krieges den Standpunkt eingenommen, daß die Streitorovaganda während des Krieges bekämpft werden müsse. Die Differenzen, die in der Partei we­sen der Stellungnabme zur Frage der Kriegskredite ausgebrochen seien, hätten ia zur Spaltung der Partei geführt, deren letzte Folge die Bildung der II. S. P. D. gewesen sei. Im weiteren- Verlauf seiner Vernehmung verweist Wels auf die von den Franzosen auf dem Ersten Internationalen Cozialistenkongreß in Vern 1919 beantragte Ausschließung und Brandmarkung Eberls, weil er von Anfang bis Ende des Krieges mit der kaiserlichen Regierung durch Dick und Dünn ge­gangen sei. Wels bebt weiter ausdrücklich hervor, daß die Sozialdemokratie niemals die Allein-

schuld Deutschland» am Kriege anettennenen werde.

Nach einer kurzen Pause wird Regierungsral Henninger al, Zeuge vernommen, der in der fra» lichen Zell beim Oberkommando in den Marken al, besonderer politischer Beamter tätig war. Zum Streck bekundet er. daß für den Fall eines solchen beschlösse, wurde, 10 Prozent der Streikenden Ins Feld iu schicken, außerdem ,ur Militarisierung einiger Betriebe über,», geben. Man habe nicht angenommen, d- die Mehr» beitssoriallsten sich an dem Streik beteiligen würden. Zu einer etwaigen Einziebu (r-fr-rf5 teilt der Zeug, mit, daß da» Auswärtige "r den Bescheid erteilt habe, Ebert au» politische» Gründen nicht einzuzieben

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Nrr Sreitß gegen öle .Deutsche Tscheka"

, 2 e t p z i g, 16. März. In der heutigen Verhand­lung brachte Rechtsanwalt Löwcntbal »ut Sprache, daß der Zeuge Koppenböier an Eerichtsstelle mit noch "i^t wmommenen Zeugen .namentlich Landgerichts­rat Bühner, gesprochen habe. Im Verlaufe der sehr erregten Auseinandersetzungen hierüber macht er de« Zeugen den Vorwurf der leichtfertigen Eibesverr l e tz u n g und dem Vorsitzenden den Vorwurf de« Ver, stoßes gegen die Strafprozeßordnung, da er die Pro» tokollierung der Aussage des Zeuge» Kopsen Höfer, Ix der eine leichtfertige Eidesverletzung erblickt wird, w# weigert.

_ Der Zeuge Gärtner Simmel, der in der bübische, Sacke Haller und Genossen, die morgen vor dem füd» deutschen Senat »ur Verbandlung kommt, in Unter» suchungsbaft ist. macht Aussagen Über die Tscheka» gruppe in Baden-Baden und über bt» Plan gegen ®n neral v Cecckt anläßlich de, Auf-,>!halt, in Baden- Vaden, der von den Stuttgarter Genossen angeregt worden sei.

Lebbafte» Interesse findet die Ausla«« de, Schuh­machers Friedrich Z i e t b k e in Temveidof. der Neu­manns illegaler Quartierwirt war. Neumann sei ihm m angetrunkenem Zustand im Streit einmal an dl« Keble gefahren und habe gesagt, auch er wolle eine, großen politischen Prozeß inszenieren und zwar au» Rache, weil er als Spitzel verdciibugt worden sei. Neu­mann erklärt, von einem politische» Prozeß nie ge» iorochen zu babeu. Er habe lediglich ca, Patteigericht berufen wollen, um diese Frage klären z>r lassen unM bie Urheber der Verleumdung fest,»stecken.

Die Rache für Halle".

Berlin, 17. März. 3m Verfolg der blutigen Zusammenstöße in Halle hatte die kommunistische Partei am Sonnabend durch Extrablatt Ihre Anhänger zu einer Demonstration für den gestrigen Sonntag mittag auf dem Dülvwplatz mit der DeviseGegen da« Blutbad in Halle" aufgefordert. Die Ber­liner Anhängerschaft leistete diesem Rufe jedoch nur i, geringem Umfange Folge. s

Die Polizei hatte im Hinblick auf den schwache» Besuch der Demonstration auf die Bereitstellung größerer Formationen verzichtet. ®te wenigen zur lleberwachung entsandten Polizeibeamten fanden feinen Anlaß »um Eingreifen. Sonntag nachmittag ist e« bann noch zu einem schweren Zusammenstoß zwischen Demonstranten und Polizei gekommen, wobei ein kom­munistischer Angreifer durch Bauchschuß foschwe« verletzt wurde, dah er auf dem Transport zum Krankenhaus verstarb.

Ein weitere« Opfer.

fk. Halle, 17. März. Die 3a§t der Todesopfer bet Schießerei im Bolkspark hat sich auf neun erhöht. Ein weiterer Fall ist hoffnungslos.

Einer Dlättermeldung auS Halle zufolge ist auf Anordnung deS preußischen Ministers deS Inner, die Leitung der Untersuchung über die Zusammen­stöße im Bolkspark dem Regierungspräsidenten Grütz- ner übertragen worden. Bisher haben die Ermitte­lungen noch keine völlige Klarheit ergeben, da bi« einzelnen Aussagen sich vielmehr widersprechen. Di« Obduktion der Leichen, von denen einzelne keinerlei Schußwunden aufweisen, ist gestern erfolgt Die Lei­chen werden wahrfcheinlich heute zur Bestattung frei­gegeben. Bisher find über 50 Verletzte fceigc eben worden.

De rTln, 16. März. 3m 3ntereffe der öffentliche, Sicherheit hat der stellvertretende Berliner Polizei­präsident die öffentlichen Kundgebungen deS Reich»« ban er» Schwarz-Rot-Gold und der Kommunistische Partei, die beide am Mittwoch abend im FriedrichS- >am stattfinden sollten, verboten.

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Skt RMsbammvwzeß

Schweidnitz, 16. Mär». Die »weite Verband» lnngswoche de« großen Prozesses beginnt mit einem schweren Tag für die Angeklagten de»Reichsbanners". Viele Zeugen bekunden, daß die Reichsbannerleute i, geradezu viehischer Weile alle, die mit Schwarz-weiß­rot auch nur andeutungsweise sympathisierten, übe» fielen. So bat man nach den Auslagen des Gasthof» besttzers D r e ß l e r den Postschaffner Sahn mit Stöcken und Fäusten blutig geschlagen, 6t» M »usamrnenbrach.

Dreßler sagte weiter au», daß der Breslauer Regie­rung Präsident am Sonnabend nachmittag dem sozia» listisi en Landrat von Striegau Schutzpolizei angeboten, der Genosse Daubentaler diese ober abgelebni hab«. Man wollte eben die Ordnung und Rübe nach eigenen Methoden gewährleisten. Als im Jahre 1924 der völlig unpolitische Schützenverein von Stttegau sein Schützen­fest hatte und einige Striegauer Bürger schwarz-weiß­rot flaggten, verlangten die Reichsbannertnivven bi« Einriebung der schworz-wciß-roten Fahnen. Der sozla» listische Landrat erreichte bann auch schließlich burch Jnanspnichnabme bcs Striegauer Polizeiverwalters bt« Beseitigung bcs schwarz-weiß-rotenAergernisses". Immer enger schließt sich ber Kreis namentlich um bt« als Rädelsführer auf bei Anklagebank sitzend«, Männer.