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Marburg & l Montag, Mn 16. Mürz

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für WS früher kurhWW SberWen - Amtliches BerkündlgungSblatt des KlMS Marburg

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Jas Ende dkk Senser Sagung

Göks, 14. März. Vor deni Rat erschien heute 'gotintMag Benifelos, um die ablehnende pa Itttng der griechischen Regierung und des Griechischen Parlament» gegenüber den vom Böl» »erinindsrat im vorigen Herbst mit Bulgarien Hezw. Griechenland abgeschlossenen Protokollen hu tu Schutz der bulgarischen bezw. griechischen Minderheiten zu rechtfertigen. Der Bericht, in dem Lhmnberlain sich im Namen des Völkerbundsrates Mit entschiedenen Worten gegen die Haltung Grie» vnnlands verwahrt, schlägt eine schriftliche Zurück­weisung der von der griechischen Regierung in einer besondererl Note an den Völkerbund gemach- «n Ausführungen vor. Benifelos empfahl am Schlüsse seine» Darlegungen, unter einer vielfach mit Heiterkeit ausgenommenen Bemerkung dem Weneraksekretär des Völkerbundes künftig das jlvortProtokoll" für seine Abmachungen zu ver- Meiden, da dieses Wort dem Völkerbund anschei- »end kein Glück bring".

' Hieraus nahm C a c I a ma n o als Vertreter vriechenkmds am Ratstische Platz, um den Stand, tunkt seiner Regierung in der Frage der Auswei- ping des ökumenischen Patriarchen aus Konstantinopel und die Berufung seiner Regierung an den Völkerbundsrat zu begründen. Der Gene» kcvlsekretör des Völkerbundes, Sir Erik Drum- Mond, verlas einen Brief, in dem der türkische Vertreter, M u n i r B e y, die Mitteilung gemacht, fhah er von seiner Regierung in dieser Angelegen- Scit keinen Auftrag erhalten hat und deshalb an Mr Beratung des Rats nicht teilnehmen kann. Lhamberlain stellte fest, daß zwischen den Ausfüh- irüngen von Veniselos und Caclamanos, die beide mmerlich sehr nah verwandte Fragen vor dem Rat be'uaudelt haben, eine Anzahl von Widersprüchen vorhanden sei.

die

und Bulgarien hat der Völkerbund heute nach- mittag beschlossen:

I Nächste Session zu vertagen.

j 5. Polen aufzufordern, dem Generalsekretär »ine ausführliche Darlegung darüber zukommen zu «ssen, auf welche Argumente es seine Forderung Mn Teilnahme an den Arbeiten der ständigen be» nmteiiben Militärkommission de» Völkerbundes be« 'tziündet.

's Der Bericht der juristischen und militärischen kaciiveiständigen über den Ausbau des Kontroll- Schtes, der den Regierungen von Deutschland, -storreich, Ungarn und Bulgarien auf Grunv die« Entschließung mitgeteilt werden soll, ist bis zur ktuiidc noch nicht veröffentlicht worden.

1. Den Bericht der Gemischten Kommission der fr Mischen und militärischen Sachverständigen an« runehmen, der die Mittel und Wege festlegt, durch »c den Kontrollkommissionen eine vollkommen freie Durchführung ihrer Aufgaben gesichert wer» ♦en soll.

y 2. Den Generalsekretär des Völkerbundes zu

! (Beni, 14. März. Zu den verschiedenen Fra« neu über den Ausbau des Kontrollrechts de» Völ­kerbundes über Deutschland, Oesterreich, Ungarn

bitten, die Frage prüfen zu lassen, ob und inwie« Dcit das in diesem Reglement aufgestellte Softem ^gesetzgeberische Maßnahmen notwendig macht, die find) die dem Kontrollrecht unterworfenen Staa­ten einzusühren wären und dem Rat in dieser Frage einen Bericht vorzulegen.

3. Den Generalsekretär zu ermächtigen, schon iletzt den genannten vier Staaten, die sich zur Dul« LMUiig jeder Kontrolle verpflichtet haben, die Ent« fr Meldungen des Völkerbunvsrates über die Orga- kwfation des Kontrollrechte» und des Reglements hnitber mitzuteilen, damit diese Staaten in die I Lage kommen, ihrerseits die notwendigen Matznah- A men zu ergreifen, um dem Rat die Ausdehnung Vciuer in den Friedensverträgen niedergelegten rjdesugnisfen im Falle einer Kontrolle sicherzustellen, f f 4. Die weitere Prüfung eine» Kontrollsystems lMir die entmilitarisierte Ryeinlandzone aus

London, 14. März. Der Genfer Sonderbe- Hditeiifatter derDaily News" schreibt, es sei die teste Vereinbarung zwischen den Mitgliedern des Lölkerbundes privatim getroffen worden, daß, "»enn auch R a u l t für ein weitere» Jahr zum Pra« . «deuten der Regierungskommission des Saarge« Mts ernannt werde, der nächste Präsident LMnter keinen Umständen ein Fran- iofe fein solle. Darauf führt der Berichter» «atier die Zurückziehung des schwedischen Antra« «s zurück. Als wichtigstes Ergebnis des gestrigen «ages sieht der Berichterstatter die anscheinend »rtolgte Preisgabe des größten Teiles der Vor» Dchläge für die Völkerbundsuntersuchung der beut« Den Rüstungen an, wobei Großbritannien und IDchlveden den französischen Forderungen nach« iihrücklicken Widerstand entgegengesetzt hätten.

; London, 14. März. Die Union für demo­kratische Kontrolle hat in ihrer 10. Iah- «essitzuna eine Entschließung angenommen, die b e- > a u e r t, daß die britische Regierung der Wie - leternennung Raults zum Präsidenten er Saarkommission zugestimmt hat, trotz des iroteste» aller Klassen im Saargebiet, aus allen 'eilen Deutschlands und aus neutralen und alli- trten Ländern und die fordert, daß nach Ablauf Knes Jahres ein neutraler Vorsitzender gewählt wird.

L o n d o n, 14. März. Der Pariser Berickter- fatter der firnes" schreibt, auswärtige Beobachter Würden gut daran tun, die gestrigen Aeußerun- »e n d e r P a ri s e r P r e s s e zur Ablehnung des Wrotsiiolls durch England nicht allzu ernst zu neh- We». In einigen Tagen werde sicherlich die B e r-

An tas »enlsch» Volk

Berlin, 14. März. Der Reichsblock er« läßt einen Aufruf an da» deutsche Bolk für die Wahl von Dr. Jarre» zum Reich»präst- deuten. Der Aufruf trägt unter anderem die Unterschriften der Vorsitzenden de» Zentral» verband» der Landarbeiter und be» Jungdeutsch» landbunde», verschiedener Hochschulverbände, der vereinigten vaterländischen Verbände Deutschland», de» Deutschen OfftzierSbunde», de» Reichslandbun­des, de» Wehrwolf», de» RetchSverbande» deutscher BolkSschullehrerinnen, de» preußischen Verbände» der Hau»« und Grundbesitzervereine, de» Deutsch- nationalen HandlungSgehilfenverbandeS, de» deutsch- evangelischen Frauenbundes, de» Deutschen Hand- werkerbunde», de» Rattonalverbande» deutscher Offi­ziere, be» Reich»offtzier»bunbe», be» Generalfelb- marschall» v. Hindenburg und be» ehemaligen Reichs­kanzler» Dr. Michaeli».

Aufruf des ReichsRock» für Jarres.

Der Relchsblock für die Reichspräsidentrnwahl erläßt folgenden

Aufruf an das deutsche Voll:

Zum ersten Male werden die deutschen Wähler und Wählerinnen am 29. März an die Wahlurne gerufen, um für siebe« Jahre einen Reichspräsiden­ten zu wähle«.

Au diese« historischen Tage müsie« alle Grenzen der Partei, der Konfession unddesStandesf allen. Die Wähler sollen nur den besten und würdigste« Mann berufen. Deshalb haben sich die Vertreter der. jenigen Parteien, die fast die Mehrheit aller deut» scheu Wähler hinter sich wissen, gemeinsam mit Ver. tretern vaterländischer, wirtschaftlicher und kul­tureller Verbände zum Reich,block vereinigt. Sie haben sich nach reiflicher Erwägung entschlossen, dem deutsche« Bolk für die Wahl zum Reichspräsi­denten Herr« Oberbürgermeister Dr. Jarres ht Duisburg, vormaligen Reichsminister dr» Innern und Vizekanzler, zu empfehle«. Dabei war für den Reichsblock maßgebend, daß Herr Dr. Jarres eie Man« ist wn großer Erfahrung auf alle« Gebiete« de» issfenltichen Lebe«», ein lauterer Charakter, eiu Manu de» nationalen Fort­schritte» und krudeutscher christlicher Gefluuung, be» währt al« Borkämpfe» deutscher Frei­heit für Rhri« und Ruhr. Herr Dr. Jarres ver­einigt in sich die Eigenschafte« guter deutsche Art und leistet Gewähr für eine sachliche gerechte Führung der Geschäfte, für die Reinheit der Verwaltung in alle» Diugen. Er hat in schwerster Zeit seine Pers»« rücksichtslos für Staat und Volk eingesetzt. Gr hat al» Staatsmann die Einheit de» Reiches te vertrauensvoller gemein­same» Arbeit mit be« Regierungen alle» deutschen Länder gefestigt.

de«. Unser« Parole ist: die Ei«heit der Deutsche«, di. Reinheit de, äffeut- liche« Leb«»«, da» Staatswohl über de« Parteigeist!

Siu «eg «in Will«!

E« folgen bk Unterschriften.

Roch ein «euer Kauvtvat.

München, 14. März. Der Lande»au»schutz der bayrischen Volkspartei billigte einstimmig, wie der LandeSdienst de» Süddeutschen KorrespondenzbüroS erfährt, die Haltung der Unterhändler der Partei bei den Verhandlungen in Berlin zwecks Aufstel­lung eine» bürgerlichen Sammelkandidaten für da» Amt de» Reichspräsidenten. Er nahm mit Bedauern davon Kenntni», daß in letzter Stunde die aussichts­reichen Verhandlungen gescheitert sind. Da die jetzt aufgestellt«« Kandidaten im Gegensatz zu dem Gedanken der Sammellandidatur ständen, sehe sich der Lande»au»schuh der Bayrischen BolkSpartei nicht In der Lag«, den Wählern der Partei einen der bereit» bekannten Kandidaten zur Wahl zu empfehlen. Andererseits müsse auch eine Stimm­enthaltung vermieden werden, da diese Berringe- rung der abgegebenen Stimmen der Forderung einer Kandidatur ausgesprochen links gerichteter Gegner der Bayrischen BolkSpartei gleichkommen werde. Un­ter diesen Umständen beschloß der LandesauSschuß einstimmig, für die Reichspräsidentenwahl am 29. März al» Kandidaten den bayrischen Ministerpräsi­denten Held aufzustellen.

Kaudivatur Luveuvorsf»?

ft. Berlin, 16. März. Wie die Blätter mel­den, hat Hitler In einer Versammlung in Mün­chen die Kandidatur von JarreS abgelehnt. Die Kandidatur Ludendorff» steht unmittelbar bevor.

Berlin, .14. März. Der Stellvertreter des Reichspräsidenten, Dr. Simon», ist heut« nach­mittag zur Regelung der sich au» seiner Stellver­tretung beim Reichsgericht ergebenden Geschäfte nach Leipzig gereist. Er kehrt am Montag vormittag nach Bexlin zurück.

Wahlausschuß für He ReichSPrSsiventruwahl.

Marburg, a. b. L., 16. März. 2lm vergangenen Freitag versammelten sich Bet Freibhof Vertreter der Deuifchnationalen Dolkspartei. der Deutschen Volks- Partei, der Nationalsozialistischen Freiheitspartei und der Wirtschaftspartei, ferner der auf nationalem Boden stehenden Verbände, Organisationen und Vereine und bildeten einen nationalen Wahlausschuß für die Wahl deS Deichspräfidenten. Zum Vorsitzenden wurde Ober­

Di« Vereinigteu Partei«« und Brrbändc fordern alle deutschen graue« u«b Männer und die deutsche Jugend auf, für de« Kandidaten de« Reichsblocks zu werben. Ueberall sind Wahl- ausfchüsse zu bilde« und Gelder j« famm«-«. Bei stärkste» Anspannung alle« Kräfte kann der Sieg schon i« erste« Wahlgang errungen wer-

regierungsrat Harte ernannt. Dem engeren Aus­schuß gehören Vertreter bet vier Parteien an. dem weiteren Ausschuß solch« der nationalen Organisa­tionen. Die Geschäftsstelle ist im Fronhof, Am Grün 2lr. 1. Die Zeit der Eröffnung wirb noch bekannt ge­geben. Der Ausschuß hat seine Arbeiten bereits ausgenommen und wird im Nahmen de» Neichsblorks den Wahlkampf als einen einheitlichen in der gesamten nationalen Front führen. Für die Stadt Marburg sind zwei große Kundgebungen U den Stadtsälen geplant.

nun ft im französischen Volke die infolge der Rede Chamberlain» entstandene Erregung wieder dämpfen. Der grundsätzliche Unterschied zwischen dem Standpunkt Großbritanniens und Frankreichs könne nur durch guten Willen auf beiden Seiten mit der Zeit ausgeglichen werden.

London, 14. März. In einer Reutermeldung au» Genf heißt es, ee sei zu erwarten, daß eine ausgedehnte Propaganda geführt werde, um der Welt zu beweisen, daß es eine Gruppe von Mächten gebe, die besonders für bas Ideal des Schiedsgericht», de» Friedens und der Abrüstung eintrete und daß, wenn dieses Ideal nicht erreicht werde, die Schuld an Großbritannien Hege, indem es in der Praxis dem widerstrebe, was es in bet Theorie unterstütze.

Demgegenüber werde hier erklärt, daß Groß­britannien ein verständiges und einiges Europa wünsche und daß es stets für eine Verständigung zwischen Frankreich und Deutschland eingetreten sei. Von anderer Seite sei bemerkt worden, daß das Protokoll den Interessen gewisser Staaten diene, daß Großbritannen e» aber ablehne, weil es über Da« hinausgehe, was Großbritannien bei irgendeinem allgemeinen Sicherheitsplan anzubie- ten bereit sei.

Ma« Donald für das Genfer Protokoll.

ft L o nd o n, 16. März. Mac Donald verteidigte gestern i« einer Rede in Fufham energisch das Genfer Protokoll und griff die Haltung der briti­schen Regierung in dieser Frage an. Er sagte, die Sicherheit könne niemals durch militärische Pakte erreicht werden.

sk. Paris, 16. März. Der Londoner Bericht­erstatter des.Motin" berichtet von angeblichen Enthül­lungen über die Stellungnahme des englischen Kabi­netts zur Sicherhcitsfrage, in denen er behauptet, daß Staatssekretär Chamberlain 48 Stunden vor feiner Abreise nach Gens im englischen Kabinett eine ent­scheidende Niederlage erlitten habe und deshalb 5 rriot bei seiner ilnterteoung in Paris keine konkreten Vorschläge unterbreiten konnte.

ft London, 18. März. Wi« das arbeitet« blattDaily Heralb" meldet, ist der Sekretär der extremen Minderheitsbewegung der Arbeiterschaft Pallit am Sonnabend Abend von einer au» acht Manu bestehenden Bande vermutlich römische Faschisten vor der Reise nach Liverpool gewali- fam aus dem Eisenbahnzug geholt worden. In einem Auto wurde er 24 Stunden gefangen ge­halten, sodaß es ihm unmöglich war, an einer Kund, gebung in Liverpool teilzunehmen.

Schulstreik im Elsaß.

Mülhausen i. E., 15. März. Die Präfek­tur und bi« Bürgermeisterei haben burch Anschlag die Bevölkerung barauf hingewiesen, daß bte El­tern, bie ihr« Kinder am Montag nicht zur Schule schicken, gegen bie Vorschriften bezüglich be» float« sichen Schulzwanges verstoßen. In ben Kirchen find Plakate verteilt worben, bte zum Schulstreik aufforbern.

Der «ufstauv in Kurdistan.

ft- Lonbon, 16. März. Reuter melbet au» Konstantinopel, bet Minister be» Inneren erklärte In einer Untetrebung, bte Unterbrückung be» Auf- fianbe» bet Kurben würbe zwei bi» brei Monate bauern. Tie Aufstänbigeu schienen zu beabsichtigen, die Angriffe bet türkischen Truppen in ihren Stütz­punkten im Gebirge abzuwarten. Die National­versammlung bewilligte weiter« zehn Millionen zur Unterbrückung be» AufstanbeS.

Ta» «eite ägyptische Kabinett.

Kairo, 14. März. DaS neue Kabinett umfaßt u. a. folgenbe Mitglieder: Präsibium und AuSwärti- gesr Siwar Pascha, Inneres: Sibkh Pascha, Finan­zen: ber frühere Premierminister Jehia Ibrahim Pascha, Kriegt Mussa Fuab Pascha, Oeffentlicke Arbeiten: ber vormalige Minister Ismail Sirry Pascha, ber au» ber Partei Zaglul Pascha» ausge­treten ist.

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Staatsrat von Hippel (gestorben 1843) ist e» ge­wesen, der im Auftrag des Königs den Aufruf verfaßt hat. Kaurn jemals ist die hohe Aufgabe, schlicht, ergreifend, großzügig und wuchtig zu einem Volke zu reden, herrlicher gelöst worden. So gebührt dem Verfasser ein voller Ruhmesante'1 an der Erhebung Preußens.

In erschütternder Weise stellte er dem preußi. schen Volke noch einmal das alles vor die Seele, was es gelitten hatte:Der Friede, der die Hälft« meiner Untertanen mir entriß, gab uns feine Seg­nungen nicht. Er schlug uns tiefere Wunden als der Krieg selbst." Dann erinnerte der Aufruf an die große Vorzeit Preußens und an das Beispiel anderer Völker, wie der Spanier und Tiroler, blt für ihre Freiheit in den Krieg gezogen feien. Er mahnte daran, daß alle Opfer, die gefordert wer­den müßten,die heiligen Güter nicht aufrnUgen, für die wir sie hingeben, für die wir streiten und siegen müssen, wenn wir nicht aufhören wollen, Preußen und Deutsche zu sein." Nachdem bei Auf­ruf an bte unzertrennliche Einheit de« Volkes, bie Grundlage jeden Erfolges, gemahnt hatte, schloß er mit den mächtigen Worten:Es Ist der letzte entfcheioende Kampf, den wir bestehen für unsere Exstenz, unsere Unabhängigkeit, unse- ren Wohlstand. Keinen anderen Ausweg gibt es als einen ehrenvollen Frieden oder einen ruhm­vollen Untergang. Auch diesem würdet ihr ge­trost entgegengehen, weil ehrtos der Preuß« und der Deutsche nicht zu leben vermag. Allem wir dürfen mit Zuversicht vertrauen: Gott und unser fester Wille werden unserer gerechten Sache den Sieg verleihen, mit chm einen sicheren, glorreichen Frieden und die Wiederkehr einer glücklichen Zeit."

Der Eindruck des Ausrufe» war ein lies wirken, der. Er zeigte dem preußischen, von 1814 ab dem deutschen Volk den Weg zur Befreiung vom Frem­denjoch. Der Weg ging von der Katzbach uno do» Dennowitz über Leipzig und den Rhein nach Paris, bis der Schlachtenabend von Belle-Alliance Napo­leon nieberroarf.

Auch heute ergeht einAufruf a n bas deutsche Volk" an bie beutsche Volksseele: Kein gesprochener ober gebrückter Aufruf, aber ein solcher, ber nicht minder eindringlich und er­greifend mahnt. Er ist das eiserne Gebot unserer Zeit. Allerdings heute kann es sich nickt, wie im März 1813, um die Erhebung zum Befreiungskampf handeln. Dazu ist die Stunbtz noch nicht reif. Niemand kann sagen, wenn fie schlagen wird. Alles liegt unter dem Dunkel bet Zukunft verborgen. Aber es ist unwandelbar sicher, daß die großen sittlichen und unter» ländischen Wemrufe vom März 1818 in ungu minbertet Weise auch heute, gerabe heuty fortbestehen. Darum ist es so überaus wichtig baß wir uns, burch alle Schichtungen unseres Vol­kes hindurch, de»Aufrufes an mein Bolk" in zeitgemäßer, übertragener Bedeutung erinnern. Diese Mahnungen sind von unvergänglichem Wert. Sie lauten:Deutsche, begrabet untf vergesset ben inneren Hader, den verzehrenden Parteizwist und den vernichtenden Klassenkampf. Seid einig unb geschlossen, seid vaterländisch und nicht Vaterlands- los-international. Kehret zurück zu den alten Tu­genden deutscher Sittlichkeit. Dann werdet Ihr stark und mächtig werden. Euer Recht wird Euch werden, aber nur auf dem Boden eigen»»! Macht. Einheit aber ist Macht." F. I.

Der 17. März 1813 ist ber Mittelpunkt ber Zeit die, einem brausenden Frühlingssturm vetgleidj* bar, bet Erhebung Preußens unb in dessen späte» rer Gefolgschaft Deutschland» voranging. Seit Ende Januar 1813 befand sich König Friedrich Wilhelm HL von Preußen in Breslau, entrü<M der französischen Gewaltherrschaft, denn Napo­leons Heer stand noch an der Elbe, Bortruppen in Berlin und in allen preußischen Festungen recht« der Elbe. Die Berkandlungen mit Rußend übet den Zusammenschluß gegen Napoleon gingen hilf und her. Noch zögerte und schwankte wt König, denn die Macht Napoleons war gewaltig, bi« Rheinbunbsürsten hielten zu ihm, Rußland weit, Oesterreich lau, England zum Festlandskrieg nicht gewillt. Im Falle einer nochmaligen Nie­derlage wäre Preußen restlos vernichtet worden. Allein es siegte der Einfluß der Persönlich­keiten: Stein arbeitete im russischen Lager, Hardenberg beim König am Abschluß des Bünd­nisses mit Rußland und an der Kriegserklärung gegen Frankreich. Scharnhorst und ©neifcr.au, Blücher, Arndt fetzten ihren ganzen Einfluß ein. Ter König, pfh^tgetreu und gewissenhaft, ver­stand die Stimme der großen Volksbewegung, die, getragen von den Besten, mit unwidersteh­licher Gewalt durch Preußen ging. Er hatte dl« rechten Männer gewählt und ließ sie walten. Da» ist sein großes geschichtliches Verdienst.

Schlag aus Schlag! Nachdem am 28. Februar Hardenberg den Vertrag von Kalisch mit Rutz, land abgeschlossen hatts, folgte am 10. März, dem Geburtstage der Königin Luise, die Stiftung bet Eisernen Kreuzes, bann am 17. März ber entschei­dende Schritt zum Befreiungskriege, derAusruf an mein Volk", zusammen mit derAnsprache ass mein Heer", und mit dein Erlaß zur Bildung bet Landwehr und des Landsturms. Am gleichen Tag" zog Dorck in Berlin ein, am 27. März erging dr förmliche Kriegserklärung an Napoleon, um 2J, wurde zu Breslau das Schutz- und Trutzbünbni« zwischen Preußen und Rußland abgeschlossen.

Das ist, in großen Zügen zusammengefaßf, bi» geschichtliche Umrahmung bes im Kernpunkt bet Ganzen stehendenAufrufes an mein Volk".