Einzelbild herunterladen
 

Marburg o. L, Comwbrnd, den 14. Mürz

- ;V:i

M

M 3r.

'M

Xiw M M

--*, -E

Meiser für (das Mer kurheUche) SSerWen - AmMhsS VerklmMimMM des KreAS MMöurg

\Jgmn: ----....... ..... ---- H!!! 1-0 _M_JJLlLll_l_r_IMMW -I» Wil Will II 1^

Die .Obc-deBBche «»"»«," »rickeint sechsmal o>6*#ntttdi. - ¥«jupwteH monatlich S Mark aiislchllMick Zaltellaaqsa^ ihühr. Tu* >k t'oft LL-> Llk. - Für oussovende Nummern iefolge Streik, »der elementarer Creiantll« kein Ersatz - Äerlaq «Dr.C. H«»,rathTruck derUniv.-isu«i druckerei von Jod. Sua. Koä,, Markt 2tkLL-Fernsprecher: Nr. 55, 9fr. 666. and Postscheckkonto: 9tt 5015 8mt Frankfurt e. Main.

Der An,eigenvrei, beträgt fiir den ta aelp. Zeileamilliineter 0.0R (Soldmark. Klein« var«An»el«n 0.06 TM. Amtlich« und au«r»Srtige Aare tarn 0,10 Kolk mark. Bet ichmtertge« Satz, sowie b. Pla«vorschrifteaSO*l, Aufschlag. Sammelanzeigea Ausschlag Reklamen 0,35 ltzoldm. Jeder Rabatt gilt al, Barrabatt. Ziel 5 Tag«. Belege werden berechnet, ebenio Aus­kunft durch di» Seschäst.stelle und Zusendung der Angebote. EriüLuagsorl Marburg. 1 S^Mk. lb|u Dollar

Ak BW »es ReMvrMentm

Die auf die Kandidatur Jarres vereinigten Parteien und Verbünde haben sich gestern zu einem Rcichsblock r di e Du rchführu ng der W a h l zusammengejchlossen. Im Gegensatz zu den Meldungen der Zentrumspresse, und der demokrati- lchen Presse ist in dem Ausschuß unter Vorsitz des vtaatsniinisters von L o e b e l l nochmals fcstgcstellt worden, datz die Wirtschaftspartei die Kan­didatur Jarres restlos unter stützt und daß chie Bayerische Volkspartei, die Deutschhannoversche Partei und der Bayerische Bauernbund sich noch nicht gegen bk Kandidatur Jarres ausgesprochen haben. Die Bayerische Volkspartei wi'd ihre Ent­scheidung erst am Sonnabend in einer Sitzung in München treffen. Nach den bisherige,! Erklärungen ist nicht damit zu rechnen, datz die Bäuerische Volks- oartci die Kandidatur Marx unterstützen wird und damit die Unterstützung der Kandidatur Jarres durch die Bayerische Volkspa'rtei wahr- icheinlich. Die Demokratische Partei hat Donners- «g abend nach dem Abbruch der Verhandlungen mit dem Loebll-Ausschutz einen eigenen Kan­didaten aufgefkellt, und zwar den badischen Staa.spräfidenten Professor D. Hellpach.

I

Die Bertreterversa m m l u ng des Reichs­landbundes hat am gestrigen Freitag in einer Sitzung zur Prästdentschaftswahl einstimmig folgend« Entschluß gefaßt:

Der Reichslandbund hat sich, bei den Verhand­lungen über die Präsiventschaftskandidakvr mit allem Nachdruck für einen gemeinsamen Kan­didaten aller bürgerlichen Parteien und Organi­sationen eingesetzt. Der Reichslandbund mutz mit Bedauern feststen, datz die Erreichung dieses Zieles an den Ueberwucherungen des Parteigeistes gescheitert ist. Für die vorliegende Präsidentschaftswahl schlägt der Reichs- laudbund seinen Mitgliedern vor, für die nationale Oamnielkandidatur des Herrn Dr. Jarres einzu­treten." »

Dr. Jarre« in Berlin.

Berlin, 1.3. SWärj. DemVolalan»el«er" jufdoe fft Dr. Jarres heute vormittag aus Duisburg in Ber- ito ein getrosten und bat in den Vormittagsstunden an den ALratnngen des Soebell-Au-schnfZs rrilgenomm-i. Der Ausschuß bat feine Arbeiten zur Vorbereitung des Sahlkammes ankaenommen und wird voraussichtlich im Lause des heutigen Tages einen 51 u f t e f für bi« Kan- didatur Jaeves veröffentlichen.

2cmLok^Anz." zufolge hat Dr. Iarres die «andidatur zrm, Reichspräsidenten nicht nur für den ersten, sondern auch für den zweiten Wahlgang angenommen, falls ein solcher notwen­dig sein sollte.

ch

Märbund, Saargrbiel un» Sanzi«

Vertagung des Genfer Protokoll«.

Genf, 13. März. Der Bölkerbundsrat hat die »,n Bensch vorgelegt« Resolution mit der Zurück­weisung de« Genfer Protokolls au die nächst« Volker» »l-udsversammknng angenommen.

Ebmnberlai« betonte, er nwlle bei seiner Zu- Kimmung zu der Resolution noch einmal aus» sprechen, datz die britische Regierung entschieden an bcu Grundsätzen des Schiedsverfahrens und der Ab­rüstung festhalte und datz sie lebhaft wünsche, zur Erlangung von Frieden und Sicherheit in der Welt beizutragen. Wenn wir genötigt sind, sagte Eham- berlain, das Protokoll zu verwerfen, so geschieht das aus der Auffassung heraus, datz unter den gegen­wärtigen Umstanden der Pakt zur Verwirklichung der so bedeutsamen Endziele nicht geeignet ist, die unterstützen sich gestern und heute alle Rationen, dir im Rate vertreten sind, von neuem verpflichtet Halen.

Di« bisherige Saarregiernag bletvt.

Genf, 13. März. Im Widerspruch zu einer Abmachung, di« der Rat vor drei Jahren darüber getroffen hatte, datz kein Mitglied der Saar« regierungskomMission mehr al« fünf Jahr« im Amt bleiben darf, beschloß der Rat gestern abend in einer geheimen Sitzung den seit 1920 amtierenden Präsi­denten der Regierungskommission Rault für ein weiteres Jahr in seinem Amt zu bestätigen. Auch die übrigen Mitglieder werden für ein weitere« Jahr in ihrem Amte belassen.

Untat diesen Umständen erklärte sich Frankreich mit dem von England unterstützten Vorschlag Schwebens einverstanden, das Amt des Präsidenten auf Grund eines jährlichen Turnus zu vergeben. In der Frage der Zurückziehung der französischen Trup. pen aus dem Saargebiet soll sich der Rat mit dem versprechen Frankreichs begnügt haben, im Laufe dieses Jahres einige hundert Mann au» dem Saat» gebiet abguberufen.

Dem von der schwedi'chen Reaierung gemachten Vorschlag auf Einrichtung eine» jährlichen Turnus für die Besetzung des Amtes des Präsidenten wird in der Weis« Rechnung getragen, datz Scialoja in seinem Bericht ausdrücklich erklärte, datz die noch­malige Wiederwahl die volle Handlungsfreiheit des Rates in keiner Weise präjudizieren kann, der in einem Jahre über die Zusammensetzung der Re- gierungskommisswn und die Bestimmung des Präst- benten zu entscheiden haben wird.

Kein Mitglied der Kommission darf legitimer- weisc darauf rechnen, datz sein Mandat von einem Jahr zum andern verlängert wird, denn di« durch

den Rat erfolgenden Ernennungen gelten jeweils für ein Jahr."

Der schwedische Außenminister Unden machte die Mitteilung, datz er mit dieser Formulierung einver- standen sei, und auf dem Antrag der schwedischen Regierung nicht weiter bestehe.

Es fiel auf, datz dieses Mal der Präsident der Saarregierungskommission, Rault, der im Verhand­lungssaale anwesend war, nicht, wie üblich, aufge­fordert wurde, am Ratstische Platz zu nehmen.

In bet heutigen Nachmittagssidung konnte man rum ersten Male animierte Debatten böten. Als erster Punkt wurde die Ftaae der französischen T r u v - uen im Eaargebiet und der saarländischen Gen­darmerie behandelt. Der Eeaenlat, »wischen den Par­teien besteht darin, bah bet ReaierungSDtäfident Rault erklärte, et brauche nach bem Abzug der französischen Truppen 3000 einheimische Gendarmen. Chamberlain 'elbst hat den Wunsch ausoeip rochen, bah die Räumung her Saat im Sinne be« Vertrages burch bie französi- !chen Truppen baldigst erfolgen sollte. Ihm gegenüber erklärte sich Rault bereit, bie Ansichten seiner Regierung hinsichtlich de» Bedarfs an Brachialgewakt nochmal» in Verhandlungen zu ziehen Den Saarländern scheinen die 1000 Gendarmen reichlich zu genügen. Die endgül­tige Entscheidung wird morgen auf Grund eines neuen italienischen Referaates fallen.

Den breiteste» Raum in der heutige Verhandlung nahm die Danjiger Rraoe ein Der Obetkom- missar Mar Tonnen, der Danziger Vräsident Sohrn und der polnische A"k>enministet Graf Sktzynfki nahmen am Beratungstifch Plot,, an dem auch der Sr>afenfommiRar, der schweizerische Oberst be Neunter berufen wurde. Ter «hanptbericht wurde vom Vertreter Spaniens erstattet Er weist auf das Gefährliche in der ständigen Spannung zwischen Danzig und Polen hin und warnt besonders vor einet sogenannten direkten Aktion. Ter Berichterstatter sprach sich nicht überall mit der wünschenswerten Deutlichkeit ans und et bat überhaupt unter Berufung auf bie Kompliziertheit des Falles um die Bewilligung, seinen Bericht erst bis zur Taauna not« legen zu dürfen. Für den Anaenhlick mühte iedoch aus» gesprochen werden, bah der Obetkommissar bevoOmäch- tigi werden sollte, festzustellen, oh eine direkte Aktion norlio"e ober nicht. Im Faste einer foMen Aktion darf der Oberkommisiar den Statu» yuo selbstverständlich heistellen. Beiden Parteien bleibe do» Berukungsrecht an den Rat gewährt.

In bet Frage der polnischen Eifenbahndirektion ist der Standpunkt der Freien Stadt anerkannt worden, bah nämlich Bolen kein Recht bat, in Danzig eine Eisenbahndirektion zu unterhalten. Hierzu ist die Zu­stimmung Danzigs erforderlich. In der Ftaae bet Auf- dlstlng gemistet' ebemotiser vreirhifchet S+aetooRtet zwischen der Danziger saasenverwaltung und der polni­schen Republik wurde entschieden, bah bie bisherige Auf- Teilung nicht als definitiv angesehen werden loste. Sie wird demnächst neuerlich geschehen, entweder auf Grund gegenseitiger Einigung ober auf Grund eines Schieds­gerichts.

In der Frage der Hokenvolizei wird der von Oberst Revnier ausaearbeiteie Vorschlag angenommen.

In der Frage bet Grundsätze für den 9thWu6 von Verträgen zwilchen Danzig und Bolen wurde Polen »er« nflichtet, den Tarifvertrag vom 22. Juli 1922 zu ratifi­zieren. In dieser einen Frage bat also bet Rat ben Standpunkt bet Stabt anerkannt.

In her Frage bes Postdienste» ist keine Entschei­dung getroffen worden. Tie Frage gelangt baldmög­lichst, allo innerhalb einiger Monate, vor das Haager Schiedsgericht. Der non Bolen auf eigene Faust eimte« 'vbrte derzeitige Zustand bleibt bis dgstlu aufrecht und iedenfalls auch der von polnischen Wlrlfchaftskrelfen ge- aen Danzig seit Monaten energisch durchgeführte Boykott.

Die nächste Sitzung findet Sonnabend 11.30 llhr por- mittag» statt. *

Nee zweite $tottortf<$ro$t6

Gcheibemann al» Zeuge.

Magdeburg, 13. März. Die heutigen Ber- hanblungen werben mit der Vernehmung be» Zeu­gen Weimann, früherer RedaktiouHsefretär im ,.9?ortoärt«", eingeleitet. Er bekundet, daß die Par­teileitung nur in di« Streikleitung eingetreten sei, um den Streik zu einem baldigen Ende zu füh­ren. lieber da» Verhältnis desVorwort»" zur Parteileitung sagte der Zeuge an», die Redakteure hätten selbst wissen müssen, wa» zu tun war: es hätte da einige Freiheit bestanden. Der Trev- totoer Versammlung habe er von Anfang an beb gewohnt, habe ganz nahe bei Ebert gestanden und alles sehr gut gehört. Ebert habe Tagesfragen besprochen, u. a. das preußische Wahlrecht und die ErnährungSkage. Auf Einzelheiten könne er sich nicht mehr besinnen. Wenn aber Ebert über die Gestellungsbefehle sich so geäußert hätte, wie er aus Aussagen in diesem Prozeß gehört habe, so wäre ihm daS unbedingt ausgefallen, weil eS der Stellung Eberts zur Frag« der Landesverteidigung widersprochen hätte.

ES folgte die Vernehmung des Oberbürgermei­ster» Scheidemann. Dieser bekundet, von dem Januarstreik in Deutschland erst gehört yt haben, als die Arbeiterdeputation in der Parteileitung er­schien und dringend ersuchte, in di« Streikleitung einzutreten. , Die Parteileitung habe ihre Zu­stimmung nur erteilt, nachdem die Mitarbeiter ben Eintritt Im Interesse be» Landes für bringend not­wendig erklärt hätten. Die Parteitnteressen hät­ten währeud der Kriegsdauer keine Rolle ge­spielt: man hätte sich ja auch mit der Parteispal­tung abgefunben.

Zeuge Scheibe mann sagt« weiter auS, Ebert und ich nahmen in dem Jcknuarstreik denselben Standpunkt ein, der immer für un» maßgebend war für das Interesse be» Lande». Noch am 22. Oktober 1918 äußerte sich Ebert tm Reichstag be­züglich her Pflicht der Landesverteidigung dahin, alles zur Muintionsöeschaffung Erforderliche zu tun. Auf Antrag bei Verteidigung wird dann ein Hand­

schreiben de» verstorbenen Reich-Präsidenten vom 22, Juni verlesen, worin Ebert dem scheidenden Reichskanzler Scheidemann feinen Dank aussvricht und dabei bte Wendung gebraucht, er habe Schul ter an Schulter mit Scheibemann während des Kriege» gegen die Gewalttätigkeiten be» alten Re­gime» bi» zu dessen Sturz gekämpft. Aus Befragen führt Scheidemann al» Beispiel für solche Gewalt­tätigkeiten den Fall de» Freiherrn v. Eckartstein an.

Magdeburg, 18. März. Zu einem Zwischen- fall, der für die weitere Prozehführung von gro­ßer Bedeuttmg fein kann, kam e« heute nach- mittag im Röthardt.Pro zeh, als vom Vor­sitzenden noch einmal die Frage aufgeworfen wurde, was denn Röthardt überhaupt behaupten und beweisen wolle. Rechtsanwalt Martin er­widerte, dah Röthardt kurz nachdem er ihm die Lerteidigung übertragen hatte, sich dahin geäußert habe, er habe gerade aus den Vorgängen, die zur Revolution führten, den Eindruck gewonnen, daß Ebert ein Landesverräter fei. Staatsanwalt Sorp: Die Verteidigung erklärte zu Beginn des Prozesses, es handele sich nicht um den Menschen Ebert, sondern um Ebert als Vorsitzenden der Sozialdemokratischen Partei. In dem Umfange, in dem jetzt Ihre Behauptung aufgestellt wird, würde sich die Tendenz des Prozesses nicht nur auf den Abgeordneten Ebert, sondern auf olle die­jenigen erstrecken, die durch den Sturz der da­maligen Negierung die Grundlage gelegt haben für die heute bestehende Staatsform. Wird diese Ansicht vom Gericht geteilt, so ergeben sich für das Gericht Konseguenzen, auf die ich im Augenblick nicht einoeben kann. Rechtsanwalt Cuetge« brunne: Wir wollen uns klar ausdrücken. Der Staatsanwalt droht uns mit dem Antrag der Ueberroeifung der Sacke an den Staatsgerichtshof. Der Vorsitzende rügt den Ausdruckdroht". Staatsanwalt Sorp faat, er behalte sich weitere Erklärungen vor. Das Gericht zieht sich zur Be­ratung zurück.

Nach längerer Beratung erklärte der Vor­sitzende, die Verteidiger hätten gebeten, bevor der Beschluß verkündet würde, nochmals in Verhand­lungen Darüber einzutreten. Nach längeren Aus- einaiiderfetzungen ivird mit der Vernehmung des Abg. Scheidemann fort gefaßten. In feiner weiteren Vernehmung bestätigt der Zeuge Scheide- monn, daß Ebert während des Krieges eine Reife nach der Schweiz unternommen habe. Doch habe er, Zeuge, deren Zweck nicht gekannt. Auf eine weitere Ftaae, ob es richtig sei, daß Müller-Fran­ken vor Kriegsausbruch nach Paris geschickt wurde, um sich mit den französischen Sozialisten darüber zu verständigen, ob die Kriegskredite ab- zulehnen seien, erklärt Scheidemann, daß Her­mann Müllet in Pari« versuchen sollte, daß die französischen Sozialisten auf ihre Regierung oahin einwitken sollten, einen Krieg zu verhindern. In folge der Ermordung des einflußreichen Iautes fei die Mission Müller eigentlich erledigt gewesen.

Der Vorsitzende der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion, Müllet- Franken, der dann als Zeuge vernommen wird, erklärt, daß von der Sozlaldenwkratischen Partei während des Krieges niemals Schritte unternommen worden seien, die die Landesverteidigung hätten schädigen können. Die große Mehrheit der Sozialdemokratie sei im­mer für die Bewilligung der Kriegskredite gewe­sen, vor allen Dingen Ebert, der nicht nur in der Oesfentlichkeit, sondern auch in der Fraktion in internen Patteibesprechungen sich immer wieder restlos auf den Boden der Berteidigung gestellt habe. Ebert fei auch immer ein Gegner von «tteik während des Krieges gewesen. Die Ver­handlungen wurden darauf auf morgen vormittag vertagt.

-----

Drr Snrmat-etontol

Derlin, 13. März. 3m Barmat-Kutisker--Unter­suchungs-Ausschuß k>e» Preußischen Landtags wird heute zunächst der Ministerrat tm ReichSwirischast»- minifteritim Staudinger vernommen. Er bekundet auf Desragen: Barmat war 1919 bei Minister Robert Schmidt zwei- bis dreimal. Der Minister richtete einen Brief an die holländisch« Sozialdemokratie, in dem der Besuch Bannats erwähnt wird. Der Minister äußert in dem Briefe, er freue sich, wenn die hollän­disch« Sozialdemokratie bei der Beschaffung von Lebens­rnitteln au» Holland ihre Änterstühung gewähre» werde: soweit dabei ausländische Valuta für Zahlungen ins Ausland nicht in Anspruch genommen werde, wie Genosse Darmat in Aussicht gestellt habe. Der Vor­sitzende verlieft eine amtliche Roliz des Reichswirt­schaftsministeriums, worin festgestellt wird, dah mit Barmat nicht teurer abgeschlossen wurde als mit an­deren Lieferanten. Aus eine Frage erklärt der Zeuge Staudinger, er fei einige Male von Darmat eingeladen worden. Deine Besuche bei Darmat hätten ober aus- schließlich den Eharakter außenpolitischer Informationen oehabt

Unregelmäßigkeiten bei der Drahtlosen Dienst A.-E.

Berlin, 12. März. In letzter Zeit hat sich die Oesfentlichkeit wiederholt mit der Gesellschaft ..Drahtloser Dienst A.-E. für Buch und Presse" in Berlin beschäftigt und ihre Grün« dungsvorgänge sowie ihre Tätigkeit einer scharfen Kritik unterzogen. Im besonderen richten sich die Angriffe gegen das frühere Vorstandsmitalied und jetzigen Prokuristen der Gesellschaft Ernst Heilmann, dem u. a. vorgeworfen wird, vor kurzem Aktien der Gesellschaft, die er aus Reichsmitteln erworben habe, als sein Eigentum an einen Verlag für 75 000 Mark veräußert zu haben. Um die gesamten mit der

Bildung und Tätigkeit der Gesellschaft zusammen« bangenden Fragen restlo« aufzuklären, hat der Reichsminister de» Innern, wie da» Nachrichten« büro des Vereins Deutscher Zeitungsverleger au» parlamentarischen Kreisen erfährt, besondere Sach­verständige mit der eingehenden und beschleuntgte« Nachprüfung der Angelegenheit beauftragt.

Mitislbe Umschau

Der Tod de» Reichspräsidenten hat Nachrufe ge» j«ltigt, die einen üblen Nachhall wecken. Man kann eststellen, daß die rechtsstehende Presse allgemein einen durchaus würdigen Ton angeschlagen hat, di- menschlich« sympatisch« Persönlichkeit Eberts wür­digte, ohne aus ihrer politischen Einstellung gegen Ne Partei, der er angehörte, ein Hchl zu machen. Ein Teil der Eroßstadtpresie bet Linken hat es da« gegen fettig gebracht, bei diesem Anlaß in geradezu unerhörter Weise den Tod des Reichs­präsidenten zu parteipolitischen Angriffen gegen feine politischen Gegner auszunutzen. Wenn davon gesprochen wird, daß Ebert den raubtiermätzigen. Angriffen seiner politischen Gegner auch menschlli^ erlegen sei usm., wobei sich derVorwärts" mit bent Berliner Tageblatt" unb betVoPschen Zeitung" bte Hanb reicht, so kann man diese Tonart nut aufs Tiefste b^miern. ^->»><-i^.r'ink t-v-Vch»« her Majestät des Todes, gleichgitig, um welche Person es sich hanbelt, hat immer etwas Erniedrigenbes.

Nun ist bem toten Reichspräsibenten eint Ehrung zuteil geworden, wie sie nach unserer Auf« saffung eigentlich selbstverständlich ist. Ein Volk ehrt sich nur selbst, wenn es den verfasiungsmätzigen Führer ehrt, gleichgültig, wie der Einzelne per« fönlich zu der Persönlichkeit steht. Es werden ober phantastische Ziffern verbreitet, was da» Leichenbegängnis Friedrich Eberts gekostet haben fall. Wenn auch hier mit fC ,v' 1 n

umgegangen wäre, wie es unseren zerrüttete» Finanzen nicht entspricht, so ist Kritik selbstverständ« lich am Platze. Aber man sollte doch betartige Dinge zu parteipolitischen Kämpfen nicht aus« schlachten, zumal es fa auf anbeten Gebieten Punkt» genug gibt, mit benen man bet Partei bes Gegner» zu Leibe gehen kann.

Eines muß babei allerdings gesagt wer­den: Die Sozialdemokratie hat gar keine Be­rechtigung, sich etwa über mangelnde Ehrfurcht vor dem verstorbenen Reichspräsidenten und seiner politischen Tat zu beklagen. ImTag" hat Dr. Hans Philipp die Nachrufe ausgegraben, die Blätter der Linken dem doch zweifellos wesentlich größeren ersten Reichskanzler Otto v. Bismarck nach, fangen. DieFrankfurter Zeitung" senkt da nur vor derhistorischen Größe" des Mannesgrüßend den Degen", dem Politiker v e r f a g t sie Huldigung und Anerkennung. Ob Friedrich Ebert oder Otto v. Bismarck der bedeutendere gewesen ist, hat (Sott sei Dank schließlich nicht dieFrankfurter Zeitung", sondern die Geschichte zu entscheiden. DerVor­wärts" aber leistete sich Folgendes, und es ist nütz­lich, wenn auch nicht angenehm, sich diese freund­lichen Worte nochmals einzuprägen. Er schreibt:

So wenig es für Bismarck moralische und kul­turelle gattoren gab, fe wenig gab es für ihn mo­ralische und kulturelle Ideal« . . . Der Besitz der Macht war ihm höchstes Mittel und höchstes Ziel... Acht Jahre im Sachsenwald begraben, hat er seinen politischen Tod um acht Jahre überlebt. Und diese acht Jahre hat er dazu benützt, seine ohnmächtige Rachsucht an seinen persönlichen Feinden zu stillen und die Legende seines Ruhms zu zerstören. Dir Bismarcklegende wird nicht zwei Menschenalter lang auf uns lasten wie die Napoleonslegende auf Frank­reich, allein froh wollen wir sein, wenn binnen eine» Menschenalters der Augiusstall ausgeräumt ist, den die Aera Bismarck mit dem Schmutz finanzi- ellerundpolitifcherKorruption berge­hoch angefüllt hat."

DieMünchener Post" schreibt:Man hatte sich in Frisdrichstuh zu einem Familienfest mit großer Esserei versammelt und verließ nach getaner Arbeit wohlgemut die Stätte. Selbst bet berühmte Leibarzt Bismarck«, Dt. Schweninget, bampst« ab."

Bei bem WorteKorruption" fällt einem ein, daß die Sozialdemokratie ja alle Ursache hat, heut- barüber etwas nachzudenken. Der Barmai-Skandaß wirst immer üblere Blasen, und immer mehr z:igß sich, wie tief die Führer bet Sozialbemokratie bat» matifiert sind. Dieselben Leute, bie ben Kapita­lismus wie bie Pest Haffen, finb bie Helfershelfe» von aus bem Osten zugebrachten Schiebern, bene» sie gegen bas ganze Volk ein Wohnungsrecht ein« räumen, benen sie Geschäfte zuschanzen, bie unsauber Rnb, unb beten Gastfreundschaft sie sich gern ge« fallen lassen, weil ja weil biefe Herten vorgeben, sie seien auch Genoffen. Das genügt. Man bentt an Bismarck, bem betVorwärts" bei seinem Tob» Korruption" votwats! >

Sieben bem Magbebutger Prozeß, bet zur Zeih In 2. Instanz wieder ausgenommen ist und Barmat läuft immer noch, als dritter im Bunde bet poli» tischen Auseinandersetzungen bet Prozeß gegen bi» Deutsche Tscheka". Man versteht, baß bet Äommiu nismu», unb insbesondere Moskau, mit dem Ver­lauf dieses Prozesses durchaus nicht zufrieden ist. Nach außen streitet man alles ab, was dabei heraus« kam, ober das Wort von dem Angeklagten Neu­mann, bet ein grandioserVertätet" sei, sag» jedem genug. Die Verhandlungen haben Jcbcn«. fall» bem beutschen Bürger gezeigt, baß bie lommu«