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Anzeiger für (das früher farWte) SSEflen - Amtliches Berkimdigmgsblatt -es Kreiies Marburg

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»um Me des RMspWdenten

Ausländische Pressestimmen.

Berlin, 2. März. DieNew Vo11 Times" sagt in ihrem Gedenkartikel für den verstorbenen Reichs­präsidenten, er werde in der Geschichte als ein Mann fottleben, unter dem das besiegte deutsche Volk eine Krisis nach der anderen überstanden und schließlich die Hlfsnung auf bessere Tage erhalten habe.

DieWorld" sagt im Leitartikel: Wenige Män­ner starben zu einem so ungünstigen Zeitpunkt. Der einfache Sattlergehilfe war eine wertvolle Persönlich­kit für Europa. Die Geschichte Europas während der nächsten zehn Jahre dürkte durch seinen Tod stark be- rinslutzt »erden. Das amerikanische Volk fi-ambet der deutsche« Republik, deren Zukunft es grobes Interesse «-.tgegenbringt, in dieser schweren Zeit ihre Symvatbi-.

Vern, 2. März. Zum Tode des Reichspräsidenten Ebert schreibt dieNeue Zürcher Zeitung"' Deutschland habe einen seiner besten Männer verloren, der in seinem Alter als Staatsmann emvorgewachsen sei und auch im Auslände ungeteilte Achtung und Wür­digung gefunden habe. DieBasler Nachrich­ten" sagen: Nicht wissenschaftliche Bildung war es, son­dern innere Bildung, die auf keiner Unioers.tät erwor- hn werden kann, sondern angeboren ist und nur bei «enigen Anserwählten anzutreffen ist DasI c u- »al de Gencoe bezeichnet Reichspräsident Ebert «ls einen Ehrenmann im vollenoeten Sinne des Wo-- t>s. DieGazette de Lausanne" fielen1: ?lr -Hspräsldent Ebert sei ein ehrlicher Mann, ein klu- «e Beamter, ein tapferer, geschmeidiger Unterhändler rmd fes'»r Charakter gewesen. Wenn seine Por:ei- frntttbe einig blieben und i'ch von den Kommunister gil t betören lieben, so würde sich dre Zukunft Deutsch lm,ds so entwickeln, dab man sagen könne, Reich-rräsi- d>nt Ebert habe nicht umsonst gelebt und gekämpft. Sie katholisch und konservativenNe u e n Z ü r ch e ' Si a ch r i ch t e n" neunen beit verstorbenen Reichspräsi- dei ten einen aufrechten, ehrlichen, geraden u-d beschei- drnen Mensechn und bedeutenden Mann, dem Deutsch I nd in schwerstrr Stunde viel, sehr viel verdanke.

Beisetzung am Donnerstag.

Karlsruhe, 2. März, lieber die Beisetzung des Reichspräsidenten wird folgendes mitgeteilt: Der Sonderzug verläht am Mittwoch abend 6.33 Ahr Berlin und trifft Donnerstag früh um 9.3(h Ahr in Heidelberg ein. Am Bahnhof ist seitens der Stadtverwaltung ein entsprechender Empfang in Aussicht genommen. Der badische Landtag und die höheren Staatsbeamten begeben sich mittels Sonderzug nach Heidelberg. Acht Gendarmeriebe- emte der Polizeidirektton Heidelberg werden den Carg tragen. Abordnungen der deutschen Parla- wente und Regierungen werden dem Leichenwagen in Fuß folgen.

Berlin, 2. März. Zur Behebung vielfach auf- Etauefiter Zweifel wird vom Amtlichen Preußischen ressedienst mitgeteilt: Als Tag der Beiset- ßung des Reichspräsidenten im Sinne der Verordnung des preußische» StaatsmtntsteriumS vom f8. Februar gilt der Mittwoch, 4. März.

15 Minuten Arbeitsruhe am Donnerstag.

Berlin, 2. März. Die freigewerkschaftlichen Epitzenverbändc der Angestellten, Arbeiter und Be­amten erlassen einen Aufruf an die Gewerkschafts­mitglieder, in dem dazu aufgefordert wird, zur Stunde der Bestattung deS Reichspräsidenten am 6. März im ganzen Lande die Arbeit vormittags Von 1111.15 Uhr ruhen zu lassen.

Eine Friedrich-Ebrrt-Stiftuug.

Berlin, 2. März. Der sozialdemokratische Earteivorstand beschloß lautVorwärts" eine Fried- rich-Ebert-Stiftung int Sinne der Lebensarbeit des Entschlafenen zu errichten. Der Parteivorstand bittet im Einverständnis mit der Familie des Ver­storbenen, von Krattzspende» und der Entsendung dvn Deputationen afizusehen und die dafür vor- geseheneu Beträge der Stiftung zuzufahren.

Nürnberg, 2. März. DieFränkische Ta­gespost" schreibt unter der UeberschriftEin Ebert- Fonds". Die Beisetzung Eberts in Heidelberg wird »nzühlige Tausende zusammenrufen. Die Kranz- ßienben werden riesige sein. Ob das im Sinne Eberts gehandelt ist, sei dahingestellt. Wir glau­ben fiter in seinem Sinne zu reden, wenn wir an­regen, die Kränze auf eine Mindestzahl zu be­schränken. Nicht jede einzelne Ortsgruppe soll glauben, daß es die einzig mögliche Ehrung des Tote» ist, wenn man einen Kranz auf seinem Grabe niederlegen läßt. Wäre es nicht tausendmal besser, wenn das Geld im Sinne der Weltanschau­ung EbertS angewandt und ein Fonds gebildet würde, um aus dessen Vermögen junge Leute auszu­bilden und so dem fühlbaren Mangel an Kräften und Köpfen abzuhelfen? Jede Ortsgruppe und jede Organisation soll fiter den Grundstock legen »u einem Schatz, der unendliche Früchte tragen wird für den Sozialismus, für die Befrei- Ang der Menschheit. Damtt ehren wir unfern toten am besten.

fk, Berlin, 3. März. Zum Tode des Reichs- fträstdenten haben ferner Deiletdskundge» bungen gesandt: Die Regierungen von Portugal. Aegypten und San Marino, die Landesregierung von Lchaumburg-Lippe, die deutsch« Kolonie in Neapel, Bür ich. Moiland, Genua, Alexandria, daS Deutsche Institut für Altertumskunde in Kairo, der Aegtzptifche Bund und die amerikanische Handelskammer in Ber­lin, die Städte Saarbrücken. Dortmund, Bonn, Hage», Aemscheid, München-Gladbach, Hamborn, die Land­kreise Dortmund und Bochum, di« Landeshauptleute der preußischen Provinzen, das Messeamt Leipzig, der Deutsche Beamtenbund, der Deutsch« Richterbunü, der Deutsche Landwirteverband. die jüdische Gemeinde Ber­kin. der Berein Hamburger Reeder, die deutschen Passagiere der Olympic, Botschafter Solms-Tokio. Ltttjoff Nansen, Hermann Sudermann, Hritz v. Unruh,

Dr. Bornewasser, der Bischof von Trier Dr. Wernicke. Präsident des thüttngischen. Landtages, die Landtags­fraktion der Deutschen Volkspartei.

fk. Berlin. 3. März. Die Sozialdemokratische Partei veranstaltet am Mittwoch abend in verschiedenen Berliner Theatern Gedenkfeiern für Friedrich Ebert, bei denen außer führenden deutschen sozialdemokra­tischen Vertretern auch Vertreter Oesterreichs, Frank­reichs und Rußlands sprechen werden .

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ES rächt sich jetzt, daß die Parteien die Bor- besprechungen und Vorbereitungen für die Neu­wahl deS Reichspräsidenten immer wieder verschoben haben. Die Bemühungen der Rechts- und LinkS- radikalen, eine Wiederwahl Eberts zu verhindern, waren überflüssig, da dieser nicht wieder kandi­dieren wollte. Umsomehr Eifer hätte man schon längst darauf verwenden müssen, Klarheit über die Bedeutung der Präsidentenwahl in den eigenen Reihen und im ganzen Volke zu verbreiten. Der Tod EbertS hat ja die Wahl ,die am 26. April stattfinden dürfte, nur um wenige Wochen Ge- schleunig!, denn der neue Präsident, -der am l.Juli sein Amt antreten sollte, hätte im Mai gewählt lverden müssen. Aber die Parteien ftnfen zu tief in ihrem Kampf um die preußi'che Regie- rpugSbildung und verzankten sich, mit Hilfe der verschiedenen Enthüllungsaktionen, immer hoff­nungsloser, anstatt die Einigung im Hinblick auf die Wahl des ReichsvrSsidenten zu suchen. Diese ist für unS ja etwas Neues, und wir haben ihr bis­her wohl nicht eine so große Bedeutung beigelegt, wie man das im Auslande tut. ES ist jedoch un­zweifelhaft, daß gerade in der jetzigen Situation, wo man um die Räumung der Kölner Zone und des Ruhrgebiets, um die Entwaffnung Deutschlands und die Beruhigung Frankreichs durch einen Sicher- heitspaft leidenschaftlich ringt: unsere Präsidenten­wahl ein großer außenpolitischer Akt sein wird. Bei der Stellungnahme gegenüber dem toten Fried­rich Ebert hat sich ein sehr erheblicher Unterschied zwischen der Deutschen BolkSpartei und zum min­desten dem rechten Flügel der Deutschnationalen gezeigt, obwohl deren Minister Schiele und Neu­haus de» ehrenden Nachruf des Reichskabinetts mit­unterzeichnet haben. Es muß snh nun erweisen, ob diese Differenz weitere Folgen für die Kandi­datenaufstellung und die Lösung der preußischen Ne- gierungskrife haben wird.

Die ausländische Presse ist voll von Sympathie­kundgebungen für den verstorbenen Reichspräsiden­ten, und die Regierungen, auch die Könige, haben in der üblichen Weise ihr Beileid zu dem Tode des deutschen Staatsoberhauptes ausgesprochen. Gilt dies nur der Stellung Friedrich Eberts, so wird doch auch seine Person von einem großen Teil der fremden Presse über das gewöhnliche Matz hinaus gefeiert. Man denkt mit Recht daran, dah er an erster Stelle Deutschland und damit Europa vor dem Bolschewismus bewahrt hat. Aber man würdigt ihn auch als Vertreter der Republik und spricht die Befürchtung aus, daß nach seinem Schei­den ein gefährlicher innerer Streit in Deutschland ausbrechen könnte. Das Ausland ist ja im allge­meinen höchst primitiv In der Beurteilung der Ver­hältnisse bei uns: ble Link« gilt ihm als republi­kanisch und friedlich, die Rechte als monarchistisch und revanchelüstern. Daß man damit manchem nationaldenkenden Manne der Linken nicht zu­letzt dem verstorbenen Ebert durchaus unrecht tut, das verschlägt den Leuten da draußen nichts. Für sie ist es halt äm einfachsten und bequemsten, die ganze Lage in Deutschland und nun im beson­deren die Präsidentenwahl unter dem Gesichtspunkt Republik oder Monarchie?" anzusehen und jene zu begünstigen, diese zu fürchten. Man mutz dem Aus­lande zugute halten, daß eS in dieser falschen Beur­teilung der deutschen Verhältnisse bestärkt wird durch die deutsche Linkspresse, die den Popanz des Monarchismus braucht, em damit die Kinder zu schrecken .

Man könnte nun demgegenüber auf die unbe- Ireitijare Tatsache Hinweisen, daß eS seit jeher sehr kriegerische Republiken und sehr friedfertige Mo­narchien gegeben hat. Man könnte auch die Frage aufwerfen, wer denn schon etwas davon gehört habe, was für ein Programm die deutschen Monarchisten besitzen, aus welchen Monarchen für daS Reich sie sch geeinigt haben und wie das Problem der 22 Ländermonarchien geregelt ist. Aber mit alledem würde man in derWelt" voraussichtlich <gar feinen Eindruck machen. Die ist so leicht nicht von ihrer Primitivität zu heilen, und wir werden er­wägen müssen, wie weit wir auf sie Rücksicht nehmen können. Die Sache liegt doch wohl so: wenn wir Aussicht hätten, unS in absehbarer Zett über die Lösung de» monarchischen Problems hu Reich und in den Ländern so einigen zu können, daß die über­wiegende Mehrheit des Volkes dafür zu gewinnen wäre, loenn wir ferner irgend eine Möglichkeit ähen, während der nächsten Jahre wieder zu einer achtunggebietenden Weltmacht zu werden dann ollte nichts uns abhalten, dies bei der Wahl des neuen Reichspräsidenten zum Ausdruck zu bringen. Sind aber solche Voraussetzungen nicht gegeben und sie scheinen uns in der 'Tat zu fehlen dann wäre eine leere Demonstration sinnlos und schädlich. Dan« würden wir nur unfern Gegnern in der Welt eine bequeme Handhabe liefern, ihre bösen Absiichten gegen uns mit Furcht vor deutschen Revanchegelüsteu zu bemänteln, und würden die Neutralen" verwirren, auf deren Urteil es uns an- kommen mutz. Eine kraftlose Trotzgebärde hat immer etwas Lächerliches an sich.

Unter diesen Umständen müssen, wie un» scheint, die Parteien, die jetzt zusammen die ReichSregle- rung gebildet haben, darauf Wert legen, einen Reichspräsidenten an» Ruder zu bringen, der zwar fein Sozialist oder ausgesprochener Pazifist sein darf, vielmehr ein gut bürgerlicher und gut natio­naler Mann ist, der aber auch nicht den Verdacht auffommen läßt, als ob er innerhalb seiner Amts­zeit die Republik abschaffen ober aussichtslose krie­gerische Experimente unternehmen würde. Der Reichspräsident muß möglichst über den Parteien stehen.

Wenn sich ein Nachfolger für da» ReichSkanzler- amt finden läßt, wäre Dr. Luther ein durchaus guter Präsidentschaftskandidat. Wir wollen nicht für einen bestimmten Kandidaten ein treten, da nur bei einer Vereinbarung unter den Parteien eine glatt« verlaufende Wahl herauSkommen kann. Nur die Bedeutung dieser Wahl wollten wir aufzeigen.

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8t toi oft mott . . .

In Oesterreich, dem Lande der Sofzeremoniells, war und ist es auch beule noch Sitte, über die Nachfelgec- schaft eines Toten erst dann öffentlich zu svrechen. wenn die Leiche beigctetn ist. Bei uns hält:::-n sich nicht an den Brauch, wobei man sich freilich eb'alls c if eine royalistische Tradition berufen kann, auf das franzä üicheLe roi eft mort oioe le roi!" Wahrend ,ie Leiche des Reichsvräfldenten in seinem Arbeitszimmer aufgebabrt stebt und vor dem öauotcingang des schö­nen, oornefiF-n Palais, das dauernd von einer be- träch'Iichen Menschenmenge umlagert ist, der Blumen- strcmtz eines Fliegers auf einem scknvarzdravierten Poi...m"nt lieat, beschäftigt sich die Oeffentlichkeii be­reits mehr mit der Frone der Nock,folge. Die Par­teien haben freilich bisher noch nicht Stellung genom­men, und bisher in den Blättern steht, beruht we­niger auf Informationen, als auf dem ?"un5<fi, die Ent­scheidung zu beeinflussen. Die Sozialdemokratie, die keinesfalls darauf rechnen kann, wieder einen der Ihrigen zum Reichspräsidenten zu machen, wird sich vorüber sckchMm werden müllen, ob sie trotzdem einen Genossen, etwa Broun oder Loebe, für den ersten Wobl- oang als Kandidaten aufstellen oder "gleich sich mit den sogenannten republikanischen Parteien auf die Romini- rvng eines gemeinsamen Kadidaten einigen soll. Als sicher wird allgemein Marr genannt, doch liegt noch kein Beschluß darüber vor und auch keine Entscheidung, wer bann zum preußischen Ministerpräsidenten gewählt werden soll. Ernsthaft wird in der Mitte und auf der ''"echten der Gedanke erwogen, den Reichskanzler D-. Lulhs-r oder den ReilbsweHrminister Dr. Geßler "fs Kandidaten für die Re: ^Präsidentschaft oi'^ustel- ten. Man wird iedoch mindestens bis zi'm 9. März, wo her Parteivorstand der Deutschen Bolksvartei zusaiu- mentritt, warten müssen, ehe man Klarheit erhält

Sie Neuwahl.

fk. Berlin, 3. März. Mehrer« Walter befchSf- *iaen sich mit der Frage der Reuwabl des Reichs- "äfiheittcn.Lokalanzeiaer" und .Boss. Ztg." treten tebhast dafür ein, daß die technischen Dorbereitunnen fo beschleunigt werden, bah der erste Wahlgang be-- "eits am 29. März und der zweite, wenn einer notwendig fein sollte, am 26. April stattfinden solle.

fk. Berlin, 3. März. In einem Bericht der .Boss. Ztg." über die Sitzung des Parteiausschufses **er deutsch-demokratischen Partei am lMontag heißt es. ^ der Parteivorstand. Reichstagsabgeorbne^er Koch, erklärte, für die Aeichspräfidentenwahl müsse schnell und energisch ein Zusammengehen republi» ^"sscher Parteien angestrebt werden .die sich möglichst schon für den ersten Wahlgang auf den ge­meinsamen Kandidaten zu einigen hätten. Auch der .Vorwärts" erklärt es für selbstverständlich, daß die revublikanischen Parteien in irgend einer Form be- bestrebt sein müssen, bei der Reichspräsibentenwahl möglichst geschlossen aufzutreten.

DemLokalanz." zufolge sind auch im schwarz- iveißroten Lager Destrebungen im Gange, eine Eini­gung über einen Sammelkandidaten herbei- tufüfiten. Das Blatt glaubt, die A u s f i ch te n auf eine gemeinsam« schwarzweißrote Kandidatur gün» t i g beurteilen zu dürfen.

Wahl des preußische« MinisterprSsidenten am 10. März.

Berlin, 2. März. Der Preußische Land­lag wird nach einem Beschluß des Aeltesteurates am Dienstag Rachmittag 2 ilfir eine Sitzung abhalten, l>ie dem Gedächtnis des Reichspräsidenten gewidmet ist. Die Ansprache wird Landtgaspräsident Bartels halten, ^er Mittwoch soll sitzungsfrei bleiben. Aus der Tagesordnung der Sitzung am Dienstag nächster Woche t«ht die Wahl des Ministerpräsidenten.

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Irr Merk MstMeriKl

Rach den letzten Pariser Nachrichten ist Mar- mall Foch jetzt mit seinem Gutachten über den Be­richt der Z. M.-K.-K. fertig. Wiederum erfahren wir angeklagten Deutschen nur aus der fremden treffe einige Andeutungen darüber, was nun etstentlich der Reichswehrleitung vorgcworfen wird, -te Hauptpunkte wechseln von Tag zu Tage, aber nn stanzen schrumpfen Re immer mehr zusammen, -^ie Fragen der Organisation der Schutzpolizei und der Stellung des Oberbefehlshabers werden ja seit vielen Monaten zwischen der Entente und der Reichsregierung verhandelt. Die angebliche Neu­bildung des großen Eeneralstabes ist offenbar eine Verwechselung mit dem Truppengeneralstab, der allerdings bei uns vorhanden, aber auch uns nie verboten worden ist. lieber die Möglichkeiten, in Deutschland noch Kriegsmaterial herzustellen, kann man selfistverftändlich bis in alle Ewigkeit streiten. Tie Tatsache, daß die Anklagen nur Borwände sind,

um die Verzögerung der Räumung zu vertusche«, tritt immer deutlicher zutage.

Uebergabe de« Kontrollbericht« km französische« Autzenminifterium.

Part«, 2. März. Rach derInforma» t i o n" ist heute vormittag im Ministerium für auswärtige Angelegenheiten der Bericht de» Milt» tärkomitees in Versailles über die Entwaffnung Deutschland» übergeben worden.

ff. London, S. März. Wie Reuter erfährt, ist noch keine Entscheidung hinsichtlich bet Veröffent­lichung bes Berichts bet Kontrollkommission über bte beutsche Entwaffnung erfolgt. Es wird al« voreilig angesehen, wenn man diese Frage erörtern würde, bevor die Alliierten im Besitz der Emvsrhlungen des Versailler Mililärkomitee» sind. Was nun die sich wiederholenden Nachrichten über eine Neuorientie­rung bet britischen Politik gegenüber bee Frage bet Sicherheit Frankreichs angeht und hinsichtlich bet Melbung über irgendwelche neuen Vorschläge an Frankreich ober oon Frankreich über biete ober ander'. F agen, bte zu einer näheren Besprechung in Pari» ober Lcnbon in näherer Zukunft führen können, so wirb di« Loge als noch völlig ungeklärt bezeichnet. Ebenso sind au-' die Aussichten für eine Zusammenkunft Dettiots und Chamberlain, unoerSnbert. wenn es auch durchaus möglich ist. daß irgendeine Nach, richt aus Paris ober Versailles irgendetwas endgültiger veranlasien wird. Zur Zeit liegen noch keine Nachrich­ten über eine Konferenz der beiden Sfaatsmi.tister noc, und, soweit bisher etwas veranlaßt ist. wird bte bri­tische Abordnung für den Volkerbundsrat am Sonn­abend direkt nach Genf abreiten unb wenn nichts ba« 'wischen kommt, wird der britische Außenmi t. st mit dem gleichen Zuge fahren.

ff. London, 3. März. Ein Sonderkorrespondent derWestminster Gazette" schreibt: Die Kommen­tare F o ch s liegen vorläufig in noch nicht amt­licher Form vor. Die amtliche Auffassung sei. von einer Veröffentlichung des Berichts und der Kommen­tare afizusehen. Der Bericht sei außerordentlich lang und von sehr schwieriger technischer Natur unb in feinen Einzelheiten wesentlich für militärisch» Sach­kundige bestimmt. 3n amtlichen Kreisen werd« der Gedanke ausgesprochen, daß es keinen Zweck hätten eine Menge verwickelter Angelegenheiten zu veröffent­lichen, die nur von Technikern begriffen würden. Trotz­dem werde aber die Berölfentlichung befchlossen werden. Daily News" sagt in einem Leitartikel zu der Der- öffentlichung des Pariser BlatteSJournal" über den Bericht des Versailler Militärkomitees, wenn dies be­glaubigte Tattachen find, dann ist es klar, daß es di« deutsche Regierung m gewissen Einzelheiten unterlassen hat, die Abriistungsbestimmungen des Vertrages aus­zuführen und nun veranlaßt werden mutz, diesen Fehler in einer für die Alliierten annehmbaren Form wieder gut zu machen.

Df« tm Bericht festgestelltenTatsachen".

fk P a r i s, 3. März. Der Bericht des tnter« enterten Militärkontrollkomitees in Versailles um, faßt, wieMatin" von einer diesem Organ nahe­stehenden Seite erfährt, 11 Seiten. Es handelt sich, so berichtet das Blatt, bei diesem Bericht um keine« Kommentar, sondern um die in dem Bericht festge» legtenTatsachen". Der Ausschuß unter F o ch habe sich gehütet, irgendwelche Schluß« folgerungen aus dem vorliegenden Bericht zu ziehe» (?j. Das Komitee hab« in keiner Welse den Ent» scheidungen der Allierten vorgreifen wollen. Der Bericht stellt u. a. fest, daß wenn Deutschland am Ende 1918 täglich etwa 100 Kanonen hätte Her­stellen können, es nach Ansicht Fachs fetzt noch etwa SO Kanonen hat bauen können, dank der Fabriken die sich nicht umgestellt haben. Aus dem Berichi gehe weiter hervor, daß die Reichswehr doch nur eine Polizeitruppe sein sollte, aber in de« etzten Jahren zu einem Kriegsheer ausge. bildet worden sei, um in kürzester Frist anzu- greifen (?).

Es sei wahrscheinlich, daß die Botlchafter» Konferenz von Marschall Fach verlangen werde, daß er gewisse Punkte präzisiere irnd gewiss« Vorschläge unterbreite, wozu er bereit sei. Foch babe st-h bemüht, die Festst-lluna-n der Kontroll, kommission zu resümieren. Er wisse auch schon, roi« er die Kontrolle wirksam gestalten wolle und hat auf diesbezügliche Fragen geantwortet, daß die» viel einfacher sei, als man amrehme.

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England und Eurem

Politif der Isolier»»» «icht «ehr z-itgemäb".

Die Denkfchrift über die Ricktlinien bet englische» Außenpolitik hebt alle wesentlichen Faktoren hervor, die für die Sicherheit Großbritanniens notwendig er­achtet werden. Alle übrigen Ausführungen find nut tefunbärer Art. Chamberlain sagt, die Lage in Europa tei unsicher und voll von unverkennbarer Gefahren. Die einzige Möglichkeit britischer Politik sei bi«, auf die britisHen Interessen Rücksicht zu nehmen und mit­zuwirken, den Völkerbund in Zukunft zu einem Instru­ment im Dienst bes internationalen Friedens auszu­bauen. Es fei klar, daß bet von manchen Kövfen geprägte Politik der Isolierung nicht mehr zeitgemäß fei. Die Luftschiffahrt hat eine solche Entwicklung genommen, daß der Kanal kein Hindernis mehr darstelle und in militärischer Hinsicht bedeuttmgs- los sei. Es sei deshalb von größter Wichtigkeit, zu verhindern, bah irgend eine Wacht bes Kontinents die Kontrolle über die ganze Küstenlinie erhalte. Wenn Deutschland in Belgien oder Frankreich einfalt«, werbe eine Lage geschaffen, in der Großbritannien einem Luftangriff ausgesetzt sei. Deshalb sei es von Bedeutung, Frankreich und Belgien gegen die Mög­lichkeit eines solchen Ereignisses Garantien zu geben.