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Anzeiger für M früher kmheffifche) SberheUn - Amtliches MkündigungMatt des Kreises Marburg

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fit. 51

60. IM-. 1921

Zum Lo-e -es Reichspräsj-enten

Mi? schlichter Feierlichkeit ist am Sonnabend Abend die Leiche Friedrich Eberts von dem Sana« tortmn nach dem Palais des Reichspräsidenten Überführt worden, wo am Mittwoch Mittag die offizielle Trauerfeier stattfinden wird. Am Abend soll dann der Sarg nach Heidelberg, der Heimat­stadt Eberts, gebracht werden; die Stadt «hat ein Ehrengrab zur Verfügung gestellt. Die Bestattung findet auf Reichskosten statt. Die Parlamente wer­ben bi» zur Beisetzung keine Sitzung abhalten.

Eine nicht überschwängliche, aber höchst ehren­volle Würdigung hat das Reichskabinett dem ver­storbenen Reichspräsidenten durch eine Kundgeb­ung zuteil werden lassen, die von sämtlichen Mini­stern unterschrieben ist. DieKreuzzeitung" bringt weder den Wortlaut noch die Namen der Unter­zeichner. Andere deutschnationale Blätter sind dicht so kleinlich; und es scheint uns in der Tat hier em Fall gegeben zu sein, wo man den Mann von der Partei trennen darf und muß. Sagt doch auch derVorwärts", halb unfreiwillig, dem Ver- horbenew das höchste Lob, wenn er schreibt, das Pmt habe Ebert dem Parteileben entfremdet. Ge- Meinfter Haß sprüht dem Toten aus der Kommu- uistenpresse entgegen. DieRote Fahne" wagt es, Ebertbie Verkörperung des Verrats und der Konterrevolution" zu nennen. Auch das ist eine Unfreiwillige Ehrung. Der von der Linken geleug­nete Unterschied zwischen der Deutschen Volkspar­iei und den Deutschnationalen tritt an der Bahre Friedrich Eberts sehr deutlich in Erscheinung. Wäh­rend die Rechtspresse sich kühl verhält, lassen die Blätter, die der D. Volksp. nahestehen, dem dahin- gegangenen ersten Reichspräsidenten nach der per- wnlichen Seite hin volle Gerechtigkeit widerfahren. Auch die Reichstagsfraktion dieser Partei, gezeich­net Dr. Scholz und Brüninghaus, hat ein sehr war­mes Beileidstelegramm an den Reichskanzler ge­richtet. Der Paüeiführer und Reichsminister Dr. Strefemann veröffentlicht in der .Zeit" einen aus- führuchen Artikel zum Gedächtnis Friedr. Eberts, worin er diesen eine durch und durch vaterländische Statur nennt und ihm bescheinigt, daß er eben so unfähig gewesen sei, etwas wegen eines per.ön« sichen Vorteils zu tun, wie innerlich unfähig, Lan­desverrat zu begehen. Dr. Strefemann rechnet es Ebert-Hoch an, haft er das Deutschlandlied zum Nationallied gemacht, habe, und sagt:Liebe zum deutschen Vaterlande ist nicht das Vorrecht einer Anschauung oder einer Partei."

Die Frage, ob nach Artikel 48 der Reichsverfas­sung ein besonderes Reichsgesetz zur Einsetzung eines Stellvertreters des Reichspräsid' nten erlassen werden soll, scheint vom Reichskabinett bereits da- , )in entschieden zu sein, daß man die Neuwahl fq chnell wie irgend möglich vornimmt und bis dahin lie Stellvertretung des Reichspräsidenten dem Reichskanzler Dr. Luther belassen will. Dies ist a auch die einfachste Lösung, die nur dann zu Schwierigkeiten führen könnte, wenn das Kabi­nett Luther gestürzt würde. Aber das ist kaum zu befürchten.

Tee schnelle Tod des Reichspräsidenten Ebert chwingt dazu, die Neuwahl, die erst im Mai stati- jiitbem füllte, schon früher vorzunehmen. Die Ver­fassung enthält keine Bestimmung darüber, inner­halb welcher Frist dies geschehen mutz. Da zur Wahl de» Reichspräsidenten dieselben Vorbereitungen Nuslegung der Wählerlisten usw. zu treffen sind, wie zu einer Reichstagswahl, so wird man damit rechnen müssen, datz bis zum Wahltermin, den bet. Reichstag zu bestimmen hat, etwa fünf bis sechs Wochen vergehen werden. Dann hat noch das Wahl- prüfungSgericht das Wahlergebnis zu prüfen. Bis tzum Amtsantritt des neuen Reichspräsidenten dürf­ten also zwei Monate hingehen. Für die Frage der Stellvertretung ist es wichtig, ob man diesen Zwischenraum als einelängere Zeit" ansieht. Der Artikel 51 der Reichsverfassung lautet nämlich:

Der Reichspräsident wird im Falle feiner Ver­hinderung zunächst durch den Reichskanzler vertre­ten. Dauert die Verhinderung voraussichtlich längere Zeit, so ist die Vertretung durch ein ReichS- gesctz zu regeln.

Das gleiche gilt für den Fall einer vorzeitigen Erledigung der Präsidentschaft bis zur Durchfüh­rung der neuen Wahl."

Der zweite Absatz dürfte dahin auszulegeu sein, datz im Todesfall ebenfalls entweder die Vertretung durch den Reichskanzler für die ganze Dauer ober eine besondere Vertretung, di« durch Reichsgeseh »u regeln ist, eintreten soll. Zunächst hat Dr. /Luther nur di« vorläufige Vertretung übernommen? haS Reichskabinett wird sich auf ein Gutachten deS iNeichsjustizministeriumS hin darüber schlüssig wer- 'den, ob eS dem Reichstag ein« besondere gesetz­liche Regelung der Stellvertretung Vorschlägen will. In den Kreisen der Linken tritt man hierfür ein, Um schon durch die Bestimmung de» Stellvertreter» «inen Einfluß auf die Wahl auSzuüben. Man hat dabei Herrn Marx im Auge. Die anderen Par­teien waren bisher mit den Vorbereitungen für die Präsidentenwahl noch im Rückstände. Beachtens­wert scheint uns der Vorschlag zu sein, den ReichS- wehrminister Dr. Geßler als Kandidaten der bür­gerlichen Parteien aufzustellen, da er das Vertrauen weiter Kreise genießt und für die eranziehung der Deutschnationalen zur Regierung eingetreten ist; er gehört zwar noch der demokratischen Partei an, erfreut sich aber in dieser geringerer Beliebtheit,! als bei den Mittel- und Rechtsparteien, sowie bei den nationalen Organisationen. 1

Die Wahl deS Reichspräsidenten mutz an einem Sonntag stattfinden; sie ist unmittelbar und geheim. Wahlberechtigt ist, wer daS Wahlrecht zum Reichs­tag hat. Wählbar ist jeder Deutsche, der da» 85. Lebensjahr vollendet hat. Gewählt ist, wer mehr als die Hälfte aller gültigen Stimmen erhält. Er­gibt sich keine solche Mehrheit, so findet ein zwei­ter Wahlgang statt, bei dem gewählt ist, wer die meisten gültigen Stimmen erhalten hat. Es han­delt sich also nicht um eine Stichwahl, bei der sich nur zwei Kandidaten gegenüberstehen können, son­dern um einen zweiten Wahlgang. Hiernach ist es möglich, daß der gewählte Reichspräsident nur über einen Bruchteil der Stimmen der gesamten Wähler­schaft verfügt hat. Diese Bestimmung erfordert «ine besonder« Daktik der Parteien, die sich rechtzeitig zu gemeinsAmen Kandidaten zusammenfinden müssen.

Di« Kundgebung der Reichsregierung.

Am heutigen Tage ist der deutsche Reichspräsi­dent Friedrich Ebert aus dem Leben abbe­rufen worden. Tieferschüttert steht die deutsche Reichsregierung und mit ihr das deutsche Volk an der Bahre des deutschen Staatsoberhauptes. Mit Friedrich Ebert ist ein Mann dahingegangen, der unter Einsatz seiner starken Persönlichkeit erreichte, daß in den Wirren der Revolution die Einberufung der Nationalversammlung aus freier Wahl des deutschen Volkes beschlossen und durchgeführt und damtt dem deutschen Staatsleben wieder eine ge­setzliche Grundlage gegeben wurde. In schwerster Zeit hat er das Amt eines deutschen Reichspräsi­denten mit vorbildlicher Gewissenhaftigkeit und staatsmännischer Klugheit verwaltet und dabei in der Heimat wie im Auslande reiche Anerkennung erworben. In den außenpolitischen Wirrungen, die nach dem Kriegsende dem Deutschen Reiche er­wuchsen, nahm er die Verantwortung für die Ent- scheidung, die nach vielen Mißerfolgen endlich den Weg zum Wiederanstieg anbahnten, aus sich. Un­parteilichkeit und Gesetzlichkeit waren die Richt­linien feiner Amtsführung. Die Charaktereigen­schaften des Menschen Friedrich Ebert und die her­vorragende Begabung de» Staatsmannes, der an der Spitze des Deutschen Reiches gestanden hat, haben ihm bei all denen, die den Mann und fein Wirken kannten, Wertschätzung und Berehruya er­worben. Er hat dem deutschen Volke und dem deutschen Vaterlande in schwerster Zett als aufrech­ter Mann gedient.

Luther. Geßler. Brauns. Strefemann. Kanitz. Stingl. Schiele. Reuhau». Frenke«. Kröhne.

v. Schlieben.

Berlin, 28. Fede. Für di« Trau««» und vestat- tuugsseierlichkeitcn für den verstorbenen Reichspräfi- denten ist folgender Berl«uf in Ausficht genommen: Am Mittwoch den 4. Mär, findet im Sanft des Reichspräsi­denten, WUHelmstraß« 73, eint von der Reichsregierung veransto'tete offizielle Trauerfeier und anschließend daran eine militärisch« Trauervarnd« statt.

Wir verlautet, beabsichtigt der ReichstagsvrSstdent im Reichstag eine Traverfeie« zu veranstalten.

Am Mittwoch abend wird de« Tote »ach Seidelberg öbergefübrt, wo di« Beisetzung am Donnerstag vormit­tag in der von der Stabt Seidel berg zur Verfügung ge­stellten Ehrrngrabstätte erfolgt. Das Reichskabinett bat beschlosien, dem Reichstage vor,»schlage«, die Bestat­tung des Reichspräsidenten auf Reichskosten vorzu- nebme».

Der Tagesbefehl an See« und Marine.

Berlin, 28. Febr. Der Reichswehrminister bat folgenden Beiebl an die Reichswehr erlassen: Da» Sem.-oe Reich hat sein Oberhaupt durch jähen ~ob ver­loren. Die heutige Wehrmacht erweist ihrem toten Oberbefehlshaber den letzten Gruß in ehrfurchtsvoller Trauer. Seine Sinn und seine Tatkraft galten ihrem Wohl. Sein Name wird in ehrenvollem Angedenken bleiben. Zum äußeren Zeichen unserer Trauer ordne ich an: Die R«ichskrir«»flagge ist auf allen militari» 'chen Gebäuden und an Bord der Schiff« bis nach der Beisetzung Salbstock ru bisien. Es ist bis nach der Bei­setzung lein Spiel zu rühren. Spielen bei Totensedenk- feiern bleibt gestattet, gez. Reichswehrminister Getzrer.

Verordnung der preußischen Staalsregierung.

Berlin, 28. gebt. Der Amtliche Preußische Pressedienst teilt mit: Auf Grund des Artikels 48 Absatz 4 der Reichsverfassung wird anläßlich des Ablebens de, Reichspräsidenten fol­gendes angeordnet: O«ffentliche Musik sowie ös- entliche Lustbarkeiten mit Einschluß von Renrwer- tnstalfimsien, Schauspielvorstellungen und Licht» spielvorführungen sind am 28. Februar, am 1. März und am Tage der Beisetzung des Reichspräsidenten verdaten.

Die Preußische Staatsregierung.

De. Sucher stellvertveteuder Reichspräsident.

B e r l t ii, 28. Febr. Nach Mitteilungen an die Blätter M der Reichskanzler zur vorläu­figen Stellvertretung des Reichspräsiden­ten berufen worden. Ob dann alsbald ein Gesetz vorgelegt werden soll wegen einer längeren Stell­vertretung oder ob alsbald Neuwahlen angefetzt werden, wird noch erwogen. Im Reichstag wird voraussichtlich am Montag eine Trauerseie, abge­halten.

Der Nachruf des Reichskanzlers.

B e rl i n, 28. Febr. Bei Beginn der heute vor­mittag 11 Uhr einberufenen Kabinettssitz­ung richtete der Reichskanzler an die Mitglieder des Reichsministeriums, sowie den gleichfalls er­schienenen preußischen Ministerpräsidenten Marx folgende Worte:

,Deute vormittag 10,15 Uhr ist der Präsident des Deutschen Reiches, Herr Friedrich Ebert, lauft entschlafen. Auf den vorgestrigen Tag ern- ster Sorge, den wir mit Bangen verlebt haben, und auf den gestrigen Tag, der neue Hoffnungen brachte, ist nun doch der lebenvernichtende Aus- gang der Krankheit erfolgt. Ich bin gewiß, daß nicht nur das deutsche Volk, sondern weit darüber hinaus die zivilisierte Welt aufrichtigen Anteil an dem schweren Schicksal nimmt. Das Deutsche Reich verliert in Friedrich Ebert seinen ersten Reichsprä- fibenten. Von seinem Wirken für das deutsche Volk und von seiner Führerschaft in schwerster ge­schichtlicher Zeit zu sprechen, wird meine Aufgabe in einer späteren Stunde sein. Heute im Kreise der Reichsregierung bringe ich in verehrungsvoller Erinnerung an Friedrich Ebert zum Ausdruck, wie vortrefflich der Heimgegangene feines Amtes als Reichspräsident waltete und rote glücklich und er­folgreich die Zusammenarbeit zwischen Reichspräsi­dent und Reichsregierung sich durch seine Klug- heit und vaterländische Hingebung gestaltet hat.

Wir stehen erschüttert an der Bahre des Staats­oberhauptes, dessen große menschliche Eigenschaften so oft geholfen haben, sachlich schwierige Fragen zum Nutzen des deutschen Volkes zu lösen. Vie- len von denen, die in die Regierung des Reiches be­rufen worden sind, war er Freund geworden. In tiefer und aufrichtiger Trauer gedenken wir alle des Entschlafenen."

Di« offiziell« Trauerfeier.

Berlin, 1. gebt . Die Trauerfeier der Reichsregierung für den verstorbenen Reichspräsi­denten findet am Mittwoch, den 4. März, nach­mittags 3 Uhr, im Hause deS ksteichspräsidenten statt. Der Reichskanzler wird hlerbei die Gedenk-, rede halten. Im Anschluß an diese Feier erfolgt unter militärischer Trauerparade die Ueberführung zum Potsdamer Bahnhof. Der Weg de« Trauer­kondukts geht durch daS Brandenburger Tor um das Reichstagsgebäude herum. Dort findet vor dem auf der Rampe haltenden Leichenwagen eine Ab- schiedskundgebung deS Reichstages statt, dessen Prä­sident den letzten Gruß der deutschen Bolksver- trekung überbringen wird. Dieser Trauerakt wird zugleich großen Mengen der Bevölkerung Ge- legenheit geben, dem toten Reichspräsidenten die letzten Grüße darzubringen. Darauf wird der Zug den Weg durch die FriedenSalle« und di« Buda­pester Straß« nach dem Potsdamer Bahnhof fort» fetzen, dessen Portalfront einen würdigen Trauer­schmuck erhalten soll. Vom Potsdamer Bahnhof findet dann etwa 6.30 Uhr abend» die Ueberführung nach Heidelberg statt, wo Donner»tag vormittag die Beerdigung erfolgen wird.

Berliner vlätterstdnmen.

Die »Deutsche Zeitung", die »Deutsche Tageszeitung" und di«Kreuzzeitung" er­kennen bie hervorragenden Fähigkeiten b«S Derstor» benm an bl«Kreuzzeitung" nennt ihn ihren ge­fährlichsten und klügsten Gegner betonen jedoch, haft et in feiner über den Parteien stehenden Stel­lung nicht das ganze Doll, sondern nur die sozial» bemokratifchen Parteiinteressen vertreten habe. Die Deutsch« Tageszeitung" schreibt: Zweifellos hat er an staatspolitischem 0hm den Durchschnitt seiner Par­teigenossen wett überragt und nicht nur seine Hal­tung int Kampf gegen den revolutionären Radika­lismus, sondern auch fein staatSpolttifcheS Derständ» ni» bei manchen anderen Gelegenheiten können auch seine Gegner von der Rechten anerkennen, während des Verlauf» seiner ReichsprSfidentschast ist jedoch in seiner Haltung nut zu oft seine sozialdemokratische Gebundenheit sichtbar geworden. Eine Synthese zwischen den Dvkttien und den Interessen der Sozial­demokratie auf der einen und den ersten Triebkräften eines nationalen Staates auf der anderen Seite zu findert, ist ihm jedoch nicht gelungen.

DerVerl. Lokalanzeiger" erklärt: Wir wollen in dieser Stunde, in der daS Deutsche Reich chne Oberhaupt ist, nicht mit der Feststellung zurück­halten, datz Ebert, seitdem er am 11. 2. 1919 mitten im Bürgerkrieg aus dem Balkon de» Weimarer Stadt» theaters feine erste Red« als Reichspräsident hielt, i» allen seinen öffentlichen Kundgebungen al» ein von nationalem Empfinden erfüllter Mann gesprochen hat. Bezüglich der Finanzaffären, in deren Zusammen­hang auch der Dame Ebert genannt worden fei, stellt

Blatt fest, datz die bisherigen Untersuchungen die Persönliche Sauberkeit des Berstorbenen erwiesen haben. x

Die »Deutsche Allgemeine Zeitung" ur» kellt übet Me Verdienste Eberts wie folgt: Sein Ruhmestitel totrb es vor allem bleiben, daß er in der Zett höchster nationaler Rot unser brüchige- Staats« schiff, als es die Wogen deS Bolschewismus umbran­deten, mutig und zielbewußt durch alle Gefahren gesteuert hat. Dann kam die Zeit langsamen Er» polens und allmählichen Wiederaufbaus. Wie" da Ebert» kluger Rat und energischer Wille, den Tlnbe- teiligten nicht erkennbar, zum Besten deS deutschen Volles ht der Politik wirksam wurden, wird erst bie spätere Geschichtsschreibnng ht vollem Umfange wür­digen können.

®ie-3eit" sagt: Man kamt nicht bestreiten, datz der erste Präsident der deutschen Republll über seine Partei htnauSgewachsen ist. Unter feiner Präsident» <S<ift hat sich die Entwickelung von den stürmischen zügellosen Tagen der BollSbeauftragten bis zur inneren Vefestigung vollzogen, deren wir uns heule wieder erfreuen dürfen. Dabei mag Ebett zuweilen feilte innere Zuneigung zu feiner Partei nicht ganz ver­leugnet haben, aber auf der ganzen Linie der Snt» Wickelung liegt doch klar zutage, baß er fein Amt

al» Präsident im Sinne des Sachwalter« de» gesamten deutschen Volke» ausgesaht hat.

Die .Germania" schreibt: Sechs Jahre lang hat Ebert fein Amt geführt. Er hat in dieser Zett Dieselbe Klugheit und Geschicklichkeit bewiesen, bie» selbe Besonnenheit und vorsichtige Zurückhaltung, bi« ihm vorher bereits innerhalb der Führerschaft bei Sozialdemokratie das Höchstmaß von Autorität ge­sichert haben. Die zahlreichen Beweise persönliche« Anteilnahme, welche bie Diplomatie des Auslandes während der Krankheit deS Reichspräsidenten an den Tag gelegt hat, haben nicht nur Ebert selb't wohl­tuend berührt, sie sind auch vom ganzen tschen Volle auf DaS angenehmste empfunden wo '

DaS »Berl. Tageblatt" erklärt: Die Ge­schichte totrb, wenn man erst die Distanz zu all den verworrenen Vorgängen der Gegenwart gewönne» haben totrb, über Ebert dieS eine Urteil fällen» er war der Retter seines Vaterlandes.

Der »Vorwärts" betont: Eberts Vedeutung für die deutsche Ration und die deutsche RepubÄ ist für Jeden klar, den nicht Parteihaß verblendet. Er war der Repräfentant jener Kräfte, die nach dem Zusammenbruch im Kampf gegen bolschewistische und gegenrevolutionäre Strömung den Weg zur deutschen Demokratie gingen.

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De« Eindruck ht Amerika.

Wasbingto i, 28. Frbr. (Funksoruch.) Der Tod des Reichspräsidenten Ebert bat hier allgemein tiefe Trauer bervorgerusen. Staatssekretär S u g 6 e » erklärte, er habe die angenehmsten Erin­nerungen an den Verstorbenen, der ibn bei seinem Berliner Aufenthalt im vorigen Jahre empfangen habe. Er habe eine sehr hohe Meinung von den großen Fähigkeiten des Reichspräsidenten und von dem Anteil, den er an der Entwicklung der deutschen Der. olrati» ge­habt habe. Seit dem Kriege habe ihn kein Er»l:ms f« tief berührt, als dieses, das den groß-n Mann dahin­gerafft habe, der in Seiten außerordentlicher Guiroie» rigkeiten eine außergewöhnlich« Fähigkeit al» «rubrer bewiesen und der sich das Vertrauen des deutschen Volkes und die Achtung aller Völker gewonnen und er­halten Habe. Sein Tod" bedeute für di« Welt «ine» großen Verlust.

Pari», 1. März. Di« gestrig« Abendpresße, die mit einer AuSnaHnie der Rechten nahesteht, be­schäftigt sich mit dem Ableben bei Reichspräsiden­ten. Die gesamte Morgenpresse widmet dem ver­storbenen Reichspräsidenten Ebert Nachruf« und spricht sich sympathisch über den Dahtr.geschi«den«ir aus.

Bonbon, 28. Febr. Die Aachricht von dem Tob« des Reichspräsidenten Ebert, die bereit» in der elfte» Bormittagsstunde vorlag, traf hier vLMg unerwartet ein, da die letzten Berliner Meldungen in her Morgeir- Presse hoffnungsvoll gelautet hatten. Di« Fahne bee deutschen Botschaft wurde sofort auf halbmast ge­setzt. DaS Ereignis wirb auch in enclfc&en Kreise» al» in mehr als einer Richtung beklagenswert be­zeichnet. Sie Abendblätter, die daS Bildnis unk eine Lebensbeschreibung des Verstorbenen veröffent­lichen. gedenken in längeren Artikels der Tätigkeit des verstorbenen Reichspräsidenten.

Rom, 28. Febr. Die »Agenzia Stefanl" meldet» Anläßlich des Ablebens deS Reichspräsidenten hat bet König an Frau Ebert und an Den deutschen Reichs­kanzler Deileidstelegramme gesandt. Außerdem haß er verfügt, daß sein Oberhofmarschall sich zum deutsche» Botschafter begebe, um diesem sein Beileid zum AuS« druck zu bringen. Gleichzeitig hat der König ein# achttägige Hoftrauer angeordnet.

Auf Anordnung MusioliniS haben zum Zeichen der Trauer um den Tod Eberts alle öffentlichen bäude Italiens Halbmast geflaggt. Die italienische» Blatter widmen dem verstorbenen Reichspräsidenten lange ehrenvolle Rachruse.

ff. Berlin, 2. März. Bei Fra» Ebert und Im Büro deS Reichspräsidenten gehen stündlich in große, Anzahl Beileidstelegramme ein. Beileidstelegramm« sandten u. a.: der österreichische Bundeskanzler, der König von Italien, der König von Schweden, der König von Dänemark, die Präsidenten der portu­giesischen, litauischen, griechischen und mexikanische« Republik.

Neuwahl End« April?

Rach Art. 51 der Reichsversassung ist ein besondere». Reichsgeseh zur Einsetzung eines Vizepräsidenten de» Reiches nur dann notwendig, wenn bie Unterbrechung der Geschäftsführung längere Zell dauert. Wie dl» t i r wissen will, wird man diese Notwendigkeit ver­meiden und zwar dadurch, daß man die Neuwahl de» Reichspräsidenten in der kürzesten Frist ansetzt, di« di» wahltechnischen Vorbereitungen gestatten, d. h. eoent in der letzten Aprilwoche.

Dl« Todesursache.

Dl« behandelnden Beut« geben über den Krank« beit,verlauf und die Ursache des Todes de» Reichspräsidenten folgenden Bericht: Di« L uchfell- entzündung de» Reichspräsidenten, dl« durch den Durch­bruch de» brandigen Wurmfortsatzes des Blinddarms in di« Bauchhöhle entstanden war, war an sich im Ab­klingen begriffen, batte aber zu einer schweren Darm» lahmung geführt, die allen dagegen angewandten Mit­teln trotzte. Es gelang zwar gestern und vorgestern, di« Gase künstlich zu entleeren, doch blieb dies unvollkom­men. Nichtsdestoweniger blieb die Hoffnung bestehen, daß die Darmtatigkeit wieder in Gang käme und Eene» ung eintreten könnte. In der letzten Nacht trat gegen ' Uhr eine plötzliche Verschlimmerung ein, die zu einem chnellen Verfall der Kräfte und um 10% Uhr Sonn­abend früh zum Tode führte. Die mit Zustimmung der Familie des Reichspräsidenten von Geheimrat Lnbarsch ausgeführte Bauchsektion bestätigte, datz di- Darm- lähmung die Todesursache war. Der organische Befund ergab ferner chronische Entzündung der Gallenblase und Gallenstein«. Eiter oder sonstig« Flüssigkeit sand sich