Marburg o. t, Evmmdrnd, den 28. Februar
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Anzeiger für (das früher kurWische) SSerWea - AmMes Lerküa-wmgSblM des «reifes
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Deutscher Belkstrauertag
SuiifchllindS Tnmrtag
Do>i Gouverneur ». L>. Dr. HeinrichSchnee, k M. b. R.
f An dem heutigen Bolkstrauertage wenden sich die Oedanlen des ganze» deutschen Volkes auf die Gefallenen deS Weltkrieges. Wohl keiner ist unter uns vorhanden, der nicht unersetzliche Verluste an nahen Verwandten mrd Freunden zu beklagen hätte. Wir Vchenken ihrer In Wehmut und Trauer. Ottet über VaS persönliche Leid hinaus ragt daS Leid unseres Vaterlandes. Die Erinnerung an die Hunderttausend« ■»b Aberhunderttaufende von Volksgenossen, die in Mhendster Jugend oder in kräftigstem Mannesalter der männermordende Krieg dahingerafft hat. legt sich Lkhmend auf unsere Seele. Sie haben ihr Leben da- Hingegeben ftr daS Vaterland in der Verteidigung der Deutschen Freiheit und der deutschen Lande gegen den »mt allen Seiten andringenden Feind. Sie wollten die Erhaltung des großen mächtigen Deutschlands. MaS Ziel ist nicht erreicht. Am Ende des Weges, an dem in unabsehbaren Reihen die Gräber der Gefallenen kirgen, steht ein zufammengebrochenes, ohnmächtltzeS Deutschland, das rachsüchtige, habgierige Feinde her- Mmmelt, beraubt und geknebelt haben.
Sind die unerhörten Opfer vergeblich gewesen? War all der Heldenmut, waren alle die gewaltigen Leistungen wlserer tapferen Armeen und des deutschen Volkes umsonst? Rein und abermals nein! Die Gefallenen lab ihre Taten leben für uns fort. Jene haben höchste ««nfchliche Tugenden bewiesen, die Liebe zum Vaterland, die Hingabe der eigenen Persönlichkeit für die pcmeinsmne Sache, die Tapferkeit, die Standhaftigkeit. Ihre Taten reihen sich würdig denen an. die Dichter wtb Geschichtsschreiber aller Zeiten als bewundernswert ferpriclen haben. Es gibt nichts in der Weltgeschichte. fa8 sich dieseni gigantischen Ringen eines von allen Beite» von Feinden umgebenen Volkes gegen gewallte Aeberrnacht vergleichen ließe. Die ungeheure Große fett Leistung des deutschen Volkes, welches viereinhalb Jahre lang einer Welt von Feinden widerstanden hei, wird dadurch nicht vermindert, daß schließlich unter feem wachsenden Druck des feindlichen Uebergewichtes 6« Menschen und Kriegsmitteln sowie der Anter- «nährung infolge der Hungerblockade der Zusammen- btuch erfolgte. Anerreicht steht der Heldenmut da. welchen unsere Truppen in den mörderischen Kämpfen auf den europäischen Schlachtfeldern, in den See- Wfechten und Kreuz erfahr! en auf den von den feind- lifjen Flotten beherrschten Meeren und in der Kriegs- Wrung im akrilanikchen Busch bewiesen haben. Gewaltig ist die organisatorische Leistung, die in wirt- f-aftlicher Beziehung ebenso wie in militärischer im Liege vollbracht wurde, um die Kräfte des gesamten Volkes für die Verteidigung des deutschen Bodens und feer deutschen Stellung in der Welt einzusetzen. Me Großtaten deS deutschen Volkes werden trotz des un- WbLckliche» Ausganges des Krieges durch die Jahrhunderte leuchten, wenn längst von jenen Lügen kMre Spur mehr vorhanden fein wird, mit denen untere Heinde das Urteil der Welt verwirrt haben.
Es leben für uns aber auch fort die Ziele, welche feie gefallenen Helden im Herzen und vor Augen gehabt haben. Sie sind den Weg des Todes gegangen gsr Wahrung der höchsten Güter der Ration. Die Mmz überwiegende Wehrzahl von ihnen, davon können tetr überzeugt fein, ist dahingegangen im Glauben an feen Sieg der heiligen deutschen Sache. Ihnen ist es «spart geblieben, den Riederbruch zu erleben. Ihre Gaben und Kräfte muffen wir aber mit Schmerzen vermissen bei dem Wiederaufbau. Ans. die wir den Weltkrieg überdauert haben und unsere Jugend, denen, welche zu jung waren, um in die Wühle des Krieges ; Geworfen zu werden und den Rachgeborenen, ist die llufgabc zugefallen, jene Ziele zu verwirklichen.
Die Freiheit ist uns genommen durch den Versailler Oiktatsrieden. Es sind unS Fesseln angelegt in poli- : Wcher, militärischer und wirtschaftlicher Beziehung. Es . tfe uns das genommen worden, was Bismarck als das ! Erste und Rotwendigste für unser Volk bezeichnete: feie Fähigkeit, als große Ration unter den Völkern Europas frei atmen zu können. Ansere Ehre ist ange- tzostet worden durch einen Wust von Verleumdungen. ES ist unsere Politik zu Anrecht beschuldigt worden, absichtlich den Krieg herbeigetührt zu haben. Es find gegen nufere Truppen fälschlich Vorwürfe von Kriegsgreueln erhoben worden. Wir sind unter lügnerischen Vorwänden al« unwürdig zum Kolonisieren «klärt worden. Hafer Leben selbst 48 in feinen wirtschaftlichen Grundlagen dadurch gefährdet, daß große Gebiete mit Rahrungsmittel- und Rohstoffüberschuß von Veutschtanfe abgetrennt und daß unS unsere sämtlichen Kolonie» geraubt sind. Trotzdem wurden dem verstümmelten Deutschland, dem auch sonst durch die Gewaltpolitik seiner Gegner viele seiner früheren Hilfs» -uellen abgeschnitten sind, ungeheure Lasten auferlegt.
Es gilt für uns das freie, geachtete und mächtige Deutschland wieder herzustellen. Das ist eine gewaltige Aufgabe, deren Schwere in unserer jetzigen traurigen Lage blonder» deutlich hervvrtritt Dunkel umgibt »ns m der Gegenwart Steinig und dornenvoll liegt der Weg i» die Zukunft vor uns. Die Erscheinungen einer Fäulnis wi Korruption, wie wir sie in früheren besseren Tagen nicht gekannt haben, mögen wohl das Herz manches Patrioten mit bangem Zweifel über die Möglichkeit eines Wiederaufbaus erfüllen. ®er Kampf kann hi unfer« gegenwärtigen Lage nur mit geistigen Dassen geführt werden. Wie soll die- erfolgreich ge-
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„Einst, als wir über Weichsel, Donau, Rhein Auszogen in der Jugend Kraft und Fülle, Da schwuren wir: es mutz für Deutschland sein. Und rissen von den Fahnen stolz die Hülle." — Längst ward verhüllt der deutschen Farben Pracht, Und die da schwuren, liegen tief gebettet, Doch ihre Eide rufen durch die Nacht: Nun ist's an e u ch, daß Deutschland ihr errettet!
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Nicht die zerbrochenen Waffen in der Hand, Nicht durch den Tod, der u n s die Ruh gegeben, Ihr sollt erretten unser Vaterland
Durch euer Leben — ja, durch euer Leben! Zum Lebenskampf ruft euch die Totenschar;
2X19 nur allein heischt sie als T^aakesgabe, Daß ihr »St Zukunftsaugen ernst und klar —- Die Hand euch reicht an unferm Ehrengrabe.
„Und mit der Hand das Herz, das Bruderherz, Mag dann auch Deutschland heut im Staub noch liegen: Wir richten unsere Blicke sternenwärts, Und Not und Niedergang wird neues Siegen, Ja Steg, Sieg Sieg — bis Allen Heimatland Dies Deutschland ward, das uns zum Kampf entboten. Besiegt euch selbst! Reicht euch die Bruderhand! Das sei der Dank. — Ihn spendet diesen Toten."
Rudolf Herzog,
Der Dank an die Toten
Entblößt die Häupter . . . sprecht ein still Gebet Wir, die wir kamen, stehn auf heil'ger Erde Und stehen stumm, vom Geisterchor umweht, Am letzten Ziele menschlicher Beschwerde, An Totenhügeln. Schwert und Lanze ruht. Ein Flüstern nur, das uns ans Herz geglitten: „Uns ist so wohl, so selig wohl zumut.
Nun kämpft auch ihr, bis ihr das Ziel erstritten."
schoben .wenn der Geist silbst angekränkelt ist. wenn Sumpf und Morast sich ausdehnen, wo fleckenlose Reinheit vorhanden fein solltet
Der Blick auf unsere teuren Gefallenen mutz unS den Mut geben, die ungeheure Aufgabe auf uns zu nehmen. Richt nur, bah wir in ihrer Selbstaufopferung ein leuchtendes Vorbild haben, dem nachzueifern jeder Deutsche als Pflicht empfinden muh. Wir können vielmehr auch aus den Eigenschaften, die sie bewährt, au- den Taten, die sie ausgesührt haben, die Zuversicht schöpfen, bah wir in unS die Fähigkeiten -um Wiederaufstieg besitzen. Sie. die im Leben und durch ihren Tod baS Große vollbracht haben, waren doch Fleisch von unserem Fleisch und Geist von unserem Geist. Es waren nicht die zufälligen Fähigkeiten von Millionen einzelner Menschen, durch welche jene ßei*- stungen h» Kriege bewirkt sind. 66 waren vielmehr die Eigenschaften, physische, moralische und intellektuelle, welche in vielen Generationen im Zusammenleben unseres Volles sich entwickelt haben. Sie waren das Erbteil deS deutschen Volles. .Viele Geschlechter reihen sich dauernd an ihres Daseins unendliche Kette." Aber eS bleibt t» den Gliedern eines Dolles daS Gemeinsame, bas aus seinen Uranfängen herrührt und sich in seiner Lebensgemeinschaft und Kulturentwicklung sort- bildet .
®ht Vwll gleicht einem Baum, der alljährlich Blüten und Früchte treibt, während die Wurzeln und der Stamm mit seinen Verästelungen erhalten bleiben und jene immer wieder neu hervorbringen. So steht das deutsch« Doll da als ein Stamm, dem ein schwerer Sturm Blätter und Blüten geraubt und auch viele Aeste getnidt hat. Aber die Lebenskraft ist in dem Stamme noch vorhanden, wenn auch einzelne faule Stellen sich an seiner Rinde gezeigt haben. Er ist mit dem Erdreich fest verwurzelt, aus dein neue Säfte hervorsteigen. Der Stamm des deutschen Volkes ist im Innern gesund. Es ist der Stamm, der jene herrlichen Muten hervorgebracht hat, die der Sturm des Well- krieges hinwegraffle. Sie Erinnerung an die Toten des Welikrieges muh uns in dem Glauben festigen, daß das deutsche Doll die Fähigkeit besitzt, sich wieder zu neuer Größe aufzurichten.
©o ist der Dolkstrauertag nicht nur ein Tag trauern« ben Gedenkens an unsere dahingegangenen Lieben, an Deutschlands Söhne, die auf dem Felde der Ehre geblieben sind. Er ist uns auch ein Tag der Erhebung über die menschliche Gröhe, welche sie in ihren Eigenschaften. in ihren Leistungen und in ihrer Hingabe für &a« Vaterland bewiesen haben. Er muß unS aber auch fein ein Tag der Mahnung, den von ihnen verfolgten Zielen nachzustreben und zugleich ein Tag der Zuversicht für die Zukunft unseres Volkes.
Swtf Briefe und drei «ehren
Zum Bollstrauertag 1925.
Von Artur Braujewetter.
Zwei Briefe. Sie gehören zu den wenigen, die ich aufbewahrte. Fangen auch ihre Seiten schon an zu gilben? Weht der Hauch der Vergänglichkeit schon über sie dahin?
Aber ihr Inhalt hat Ewigkeitsatem. Der veraltet und vergilbt nicht. Er singt das alte Lied vom Sterben und Vergehen. Aber er erhebt sich über Beides. Das Stirb und Werde erfüllt ihn.
Der erste Brief. Ein junger Kompagnieführer aus dem Osten schrieb ihn:
„Das dritte Bataillon erhält den Auftrag, das Schlachtfeld zu säubern. Schwere, traurige Arbeit. Kein Auge bleibt trocken. Wir betten 30 Deutsche, 70 Russen in die Erde. Ich nehme einem Oberleutnant der Reserve, einem Bankbeamten aus dem Westen, den Brustbeutel ab. Da steckt das Bild sejner Frau mit ihren drei kleinen Kindern. Stumm, der Sprache nicht mehr mächtig, empfehlen wir den Toten der Gnade des Herrn. An einer anderen Stelle tue ich einen Schulkameraden, der mich vor drei Tagen freudig begrützte, in das Grab."
Der zweite Brief. Wieder schrieb ihn ein junger Kompagnieführer, der seine Mutter über den Tod des eben gefallenen Bruders trösten wollte:
„Vor allem tröste dich der liebe (Bott und der stolze Glaube, datz die Helden ja nun erhaben sitzen droben Im Ehrensaal des Himmelreiches, der Glaube, datz es mit dem leiblichen Hinschwinde» nicht au» ist, nie und nimmer, sondern die treuen, liebenden Seelen Nlle sich einst wiedervereinigen in ungeahnter, für uns unfatzbarer Herrlichkeit und Seligkeit. Ich habe diesen felsenfesten Glauben als die Weisheit und Güte de» unbegreiflichn, all« mächtigen Gottes, an die ewige Wiedergeburt im Kriege, jetzt, in Nacht und Feuer, so tief im Innersten gewonnen und verankert, datz kein Spott, keine Skepsis in späteren Friedenszeiten, wenn ich sie erleben sollte, mich darin erschüttern soll."
Er erlebte sie nicht. Wenige Wochen später fiel auch et.
Aus beiden Briefen spricht eine so junamänn» Ittfjc Energie und Entschiedenheit, eine so ernste ver. klärte, hoffnungsreiche Auftastung des Todes, datz sie uns viel zu sagen haben.
Zuerst: Es gibt etwas in uns das stärker ist als alles Misten und Erforschen, stärker auch al» alles Grübeln und Zwefteln: der echt menschliche, uns über uns Mber und alles Vergehen hinaus- weifende Lebenstrieb. Zn der Zeit zur Ewigkeit erwachen, das Vergängliche unter dem Eesichtspuntt der Ewigkeit sehen und tun, das Scheinbare und Gleichnisartige unseres ganzen Lebens durchschauen, dem die eigentliche Wirklichkeit, das wahre Sein erst folgen soll — das ist wohl der Zweck und Sinn unseres Daseins.
Das Zweite: es gibt etwas, das nie aufhört. Das ist die Liebe. Jeder Mensch ist entbehrlich und leicht ersetzbar. Rur der nicht, der geliebt hat und geliebt worden ist. Wo das Leben zwei Menschen durch ein tiefes, innerliches Zusammengebörigkeits« aefübl zu Einem gemacht, wo sie sich im Besten und Höchsten gefunden, da ist der Tod nicht der Ver> nichter, sondern das Gegenteil: das Licht, an dem die Ewigkeit der Liebe sich entzündet. Wer sein Vaterland so geliebt, datz er freudig und gern sein Leben ihm gegeben, der stirbt nicht. Der lebt in schöner Unvergänglichkeit Das haben unsere germanischen Vorfahren schon erkannt, wenn sie di« ruhmvoll Gefallenen als verklärte Helden nach Wallhall einziehen lietzen. Ein Vater und ein« Mutter, die ihren Sohn für das Vaterland dahingegeben. die haben ihn nie verloren. Sie besitzen ihn so fest und so innerlich wie nie zuvor.
Und das wisten sie. Der heutige Tag macht ee ihnen vollends klar. Und jedes Jahr mehr, das st« um ihn trauern.
Das Dritte: Datz ein langes Leben nicht bei Güter höchstes ist. Datz oft da» kürzeste Leben viel inhaltreicher und segensvoller sein kann, als di« Wallfahrt eines Methusalem. Wer lange lel< lebt lappe im Leide.
Sie aber, die jung gefallenen Helden, ste haben überwunden. Und der letzte Zweck des Leben« für uns alle ist wohl, datz wir überwinden lernen.
Die rechte Erkenntnis des Lebens und Sterben« allein kann unserem Dasein Mert und Inhalt leihen. Durch den Ernst und die Würde unserer Lebensführung. durch die Liebe und das Mitteiden zu denen, die mit uns die beschwerliche Bahn be» Lebens pilgern, bunt) unser Verstehen und Vergeben sollen wir die Gefallenen ehren und unvergeßlich in uns tragen.
Das sind die nie welkenden Kränze, die wir am Volkstrauertag auf ihre Gräber legen wollen.
Erschüttert steh' ich, weiß nicht, ob ich ste Bejammern, oder preisen soll ihr Los
An den 6r6tem
Wenn wir hinaus zu ihren Gräbern gehn. Zum Heer der stillen Kreuze rings am Wege, Wenn wir in Tränen vor dem Staub bet Bester Datz sich kein Trost auf unsre Schmerzen lege! sstehn^ Die tiefe Wunde brenne fort und fort.
Wir sind gezeichnet bis an unser End«.
Die Qual der schweren Stunden sei in unferm Wort Und weih' zu guten Werken unsre Hände.
Der Geist der Teuersten, der stumme, schreit: „Im Schrecken unsrer Schlachten rang ein Werdet Ihre Erben, die ihr bleiben durftet, seid bereitt Erlöst die heilige deutsche Erde!"
Kuno Bernhard.
öttnt »«rott
Schüchtern hüllen eure Gräber sacht tu WinterweG sich ein.
Dämmerstunde spinnt Erinnerung in den toten Abend« schein,
Diele Schwüre sind verklungen, viele Herzen schlug« hoch,
Diele« Höften ist zerronnen, unsre Racken beugt et» Joch.
Darum liegt ihr so verlassen, nur der Wind singt euch allein.
WaS die Heimat hat vergessen in der Zeit Flackerschei»
Hannes Vchmalf utz.