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Marburg o. L, Sonmrstag, den 26. Februar

60. Sahrg. 1921

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Di« ®Waffton über die durch die bevorstehende Ueberreichung der Kontrollbericht« aufgeworfenen Fragen geht in der ausländischen Presse in unver- »inderter Stärke weiter. Der Bericht selbst be­findet sich immer noch in den Händen de» Jnttr« »Mterten Militärkomitee» in Versailles, da» seine Prüfung wohl kaum vor Anfang nächster Woche abge- -eschlossen haben dürfte. Alsdann gelangt der Be­richt an die Botschafterkonferenz. E» ist sehr un­wahrscheinlich, daß diese irgend eine Entscheidung -her di« weitere Behandlung de» Bericht- und über die Folgerungen, die sich au» den Feststel­lungen de» Bericht» ergeben, treffen wird. Viel­mehr ist anzunehmen das entspricht insbeson­dere der englischen Auffassung daß die Dokumente von der Botsthafterkonferenz den alliiterten Re« ßierungen selbst zur weiteren Behandlung zugeleitet werden. Man weiß immer noch nicht, ob der Be­richt selbst veröffentlicht werden soll. In der englischen Presse macht sich eine immer mehr wachsende Stimmung für die Veröffentlichung be­merkbar. .Fstaily News" schreibt, daß die eng­lische Regierung, wenn sie weiterhin ihre Ver­brechen bezüglich der Räumung Köln» breche, ohne veweiSmaterial für Deutschlands Verzug beizu­dringen, die Mißbilligung der öffentlichen Mei­nung in allen Teilen der zivilisierten Welt erfah­ren werde.

Ob und wann eine Konferenz der Interalli­ierten StaatsmSMer stattsinden soll, ist gleichfalls »och völlig ungeklärt. Sehr beachtenswert scheint »ns eine Äeußernng derTimes" zu sein, die meint, irgendwelche Entscheidungen seien seitens der britt» lchen Regierung noch nicht getroffen; England werde «doch die Gelegenheit begrüßen, mit den Alli­ierten in einer Konferenz, die durch den Bericht und die Anempfehlungen des Militärkomitees aufgewor- Ienen Punkte zu erörtern und insbesondere die frage, welche Forderungen an Deutschland gestellt Werden sollen und in welcher Form. Man halte tfl für wahrscheinlich, daß Chamberlain eine kurze Präliminarbefprechung mit französischen StaatSmän- »erit auf dem Wege nach Genf haben werde. ES fei jedoch keine formelle Zusammenkunft vereinbart Worden. Es verlautet, daß in den inoffiziellen Besprechungen, die setzt im Gange seien,, die brlti» Idjc Ke-fl-ierung nldj.t Länfl.er darauf be­stehe, daß im voran» ein Zeitpunkt für die Räumung Köln» bestimmt werde.

Wenn die letztere Annahme derTimes" zutref­fen sollte, so können wir ohne weitere» annehmen, daß auch eine andere Meldung desselben Blatt», die dahin lautet, Frankreich habe seine Zu­stimmung zur Einladung Deutschland» gegeben, richtig ist. Denn dann hätte Frank­reich erreicht, was e» in den letzten Wochen noch an­gestrebt Hot, daß nämlich Deutschland auf dieser Konferenz noch Mitteilungen über die von den Alli­ierten gefaßten Beschlüsse gemacht werden. Frank­reich hat offenbar bereit» die Zustimmung Englands erreicht, daß Deutschland nicht als Gleichberechtigter an den Verhandlungen teilnimmt. Wenn Deutsch­land aber auch jetzt wiederum nicht volle Gewiß­heit darüber erhalten soll, wann die Alliierten end­lich ihre VertragSverpflichtungen einhakten wollen, dann hat natürlich auch,die Konferenz, mag sie nun in London, Paris oder Brüssel stattfinden, für uns teilt Interesse mehr. Die Zeit, da Deutschland nur als Angeklagter vor dem Forum der Entente er» schienen ist, ist endgültig vorbei.

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Die Frage der Neberreichung jener nachträglich ausgearbeiteten und von in keiner Weise zur Sache gehörenden allgemeinpolitischen Gründen bestimm­ten Rote, iu welcher die Kontrollkommission ihre Ansichten über Deutschlands angebliche Verfehlungen in der Entwaffnungsfrage niedergelegt hat, um da­mit die vertragswidrige Nichträumung der Kölner Zone zu begründen, beginnt allmählich eine Ver­höhnung von Vernunft und Billigkeit zu werden. Einig war man sich von vornherein, in England und Frankreich nur darüber, daß nicht geräumt wer­den sollte und daß diese Ntchträumung dann durch die Kontrollkommission begründet werden sollte. Das Material, das von der Kontrollkommission dann her- bcigeschafft ^reiben konnte, ist aber nach allem, was bisher darüber bekannt geworden ist, so brüchig, daß zwar nicht die in dieser Beziehung robusteren Fran­zosen, aber doch den Engländern schwere Bedenken über die Formulierung deS Materials aufgestiegen find. ES ist garnicht einmal möglich gewesen, die Rote auf dem üblichen Wege diplomatischer Füh­lungnahme herzustellen, weil die Ansichten über die aus der Note sich ergebenden Folgerungen durch­aus geteilt sind. Auch über die Gewichtigkeit der Gründe selbst scheint man durchaus noch nicht im reinen zu sein. So soll denn eine Konferenz ein» berufen werden, an der sich in erster Linie England, Frankreich und Belgien zu beteiligen haben. ES »egt nun natürlich mehr al» nahe, daß man zu dieser Konferenz auch Deutschland als den Nächst- betetltflten heranzieht. In England scheint auch Neigung zu einem solchen Vorgehen bestanden zu haben. Frankreich hat sich naturgemäß aufs äußerste gegen eine solche Lösung gesträubt, dieweil ja in Pari» der große Versöhnungspolitiker und Pazifist Herriot, der Freund und gepriesene Vorkämpfer auch der deutschen Versöhnungspolitiker, am Ruder ist. Dieser Zwist scheint nun auf eine Lösung hinauszu­laufen, wie wir sie, um den Forderungen der Welt­demokratie Genüge zu tun, auch schon in London erlebt haben. Deutschland wird zwar eingeladen, aber erst dann, wenn sich die Richter in eigener» Sack« über 16re Forderungen und Über die For­

mulierung der Beschwerden vöMg einig gewor- den sind. Deutschland wird dann vor den Richter­stuhl geladen und gefragt, ob e» die Forderungen annehmen will oder nicht. Ueber die Stichhal- tigkeit der Gründe, die zu diesen Forderungen ge­führt haben, wird man eine Aussprache sicherlich nicht zulassen. Und damit ist der Kern der ganzen RäurnungLfrage in einem Sinne erledigt, mit wel­chem sich Deutschland niemals wird einverstanden er­klären können. Daß die Verknüpfung der Räu- mungsfrage mit dem Sicherheitsproblem, wie sie von Frankreich angestrebt wurde, ausgeschaltet wird, ist zwar ein gewisser Trost für Deutschland, aber doch ein sehr magerer. Denn diese Ausschaltung ist rechtlich ja ein« vollkommene Selbstverständlichkeit.

Segen die Kontrolle de, Völkerbundes

London, 25. Febr Der diplomatische Korre­spondent de»Daily Telegraph" betont heute wie­derum, daß wenig Aussicht für ei ne Zu­sammenkunft zwischen zwischen Cham. berlainundHerriot aus der Reise Chamber­lains nach Eens bestehe. Der Korrespondent spricht von einer Konferenz in Brüssel, die. die Zustimmung der belgischen Regierung vorausgesetzt, bereits in der zweiten Märzhälfte stattfinden soll, um zu einer Klärung der Entwaffnungs- und der Kölner Frage zu gelangen. Die Konferenz hätte sich gleii^eitig aber auch mit dem Sicherheits­problem zu befassen. In England sei man einer solchen Konferenz günstig gesinnt. Man wolle aber da» Sicherheitsproblem von dem Ent- waffnung». und Räumungsproblem trennen.

Der Korrespondent betont ferner, daß der Plan einer permanenten Kontrollkommission unter der Aegide de» Bölkerbunde» nach dem Anfhören der Tätigkeit der gegenwärtigen Kontrollkommission keine Unterstützung finde. Man sei im Gegenteil der Ansicht, daß ein solches Vorgehen gegen Deutsch, land da» Deutsche Reich nur davon abhalten würde, dem BAkerbund beizutreten, weil dieser Plan mit den Bestimmungen de» Versailler Vertrages sich nicht vereinbaren ließe. Kein englisches Deke- gationsmitglied könne diesem Plan jemals zu- stimmen.

Es bestehe jedoch die Möglichkeit, daß der Völker­bundsrat in bezug auf das deutsche Memorandum über die Aufnahme Deutschlands in den Völkerbund dieses Memorandum auf der Bast» der Antwort der englischen Regierung an Berlin behandeln werde.

Der Korrespondent will weiter erfahren haben, daß die deut'che Regierung kürzlich den Wun ch ge­äußert habe, einen deutschen höheren Beamten als Verbindungsoffizier zwischen der Rheinlandiom- misston und den deutschen Behörden einzusetzen. London und Brüssel hätten diesem Vorschlag zuge­stimmt, aber von Paris au» sei Einspruch dagegen erhoben worden.

Keine Verzögerung" in der Veröffentlichung des Kontrollbericht».

London, 25. gebt. 3® Unterhaus richtete Thomson an den Staatssekretär für auswärtige Angelegenheiten die Frage, ob er bereit sei, mitzu­teilen. was der Grund für die Verzögerung der Veröffentlichung de, Bericht der inter­alliierten MilitärkontrollkomWisfion sei. Cham­berlain antwortete, die Frag« beruhe auf einem Mißverständnis I« Wahrheit liege keinerlei Berzögernng" hinsichtlich des Berichts vor, der sehr umfangreich sei und der bei dem interalliierten Militärkomitee in Versailles an das er gerichtet sei, erst am 18. 2. eingegangen sei. Dieses Komitee habe die Fragen des Berichts zn prüfen und seine Bemerkungen der Potschafterkonse- renz zu übermitteln, die an die alliierten Regierun­gen berichten werde. Die Frage der Beröfsevtlichung müsse von de» Alliierten in Verhandlungen ent« schieden werden. Ich wünsche, so sagte Chamberlain, jetzt keine Ansicht zu äußern und nur zu sagen, daß ich erkennen muß, daß bas Ziel der Alliierten da­rin bestehe» muß. ein, Erfüllung der;eni§e« Bestimmungen de, Versailler Vertrages zu »er­langen, »o» denen dieser Vertrag ausdriiZlich die Ermäßigung der Besatznugszeit der Kölner Zone abhängig macht. Wenn es so ist, so würde es scheinen, ob es geeignet sei ober überhaupt irgend­welche Veröffentlichungen davon abhängig sein müssen, ob bi, Veröffentlichung den Alliierten und ihren direkten Forderungen nnb Erfüllungen der Wünsche, bah« auch bei Kölner Zone eine Erleichte­rung gewähren würde.

ff. London, 26. Febr. Der diplomatische Be­richterstatter desDaily Telegraf" fdjieibt, der Gedanke eines englisch-französisch-belgischen Pak- tes ohne Deutschlands Beteiligung finde entschieden weniger Anhänger in ministeriellen Krei'en als der Gedanke eines gegenseitigen regionalen Abkommens zwischen diesen Mächten und Deutschland. Letzterer Pakt würde, wie seine Der- fechter sagen, dem Geiste des Völkerbundes entspre­chen und würde die Spaltung Europas in zwei rivalisierende Lager verhindern und zugleich be­wirken. daß Deutschland nicht in die Arme Sowiet- rußlnnds ober einer asiatischen Kombination getrie­ben werde. In französischen Kreisen werde Loucheurs Gedanke einer anatomen, neutralisierten we st- rheinischen Rheinlandrepublik innerhalb des Reiches bei gleichzeitiger Los­trennung von Preußen und unter Aufsicht des Völkerbundes weiterhin viel erörtert, als eine Art Pufferstaat zwischen Frankreich und Deutsch, land.

ff. Part,, 26 Febr. Bei einem Frühstück der englisch-amerikanischen Presse in Paris sagte Mi» nisterpräsident H e r r i o t u. a., er sei überzeugt, daß et seinen Verpflichtungen gegenüber der Demo» fratie nachgekommen fei. Das Londoner Abkom­men habe-die Cache gestärkt und er hoffe, daß da« Genfer Protokoll eine» Tage, der gesamten Welt die erfefinte Ruhe bringen werde. Hm Frank­reich die Wiederkehr der Ereignisse von 1914 zu et« sparen, werde et bet Frage der Sicherheit unb de» Frieden, dienen, andererseits aber nicht leugnen, daß Deutschland die übernommenen Ver­pflichtungen erfüllen müsse.

Die votfchofterkonferenz einberufen.

Pari», 25. Febr. Wie man erfährt, ist die Botfchafterkenferenz für »kicksten Freitag einberufen Word«, zur Deratunq der Kölner Frage. Man nimmt ^aher in unterrichtet»n Kreisen an, bass die M i 111 ft t kommifsion in Versailles bi» dahin ihr Gutachten erstattet haben totib.

Die Frage, ob Deutschland bei der Beratung de» Berichte» der Militftrkon trollkvm- Mission gehört werden soll oder nicht, anregt in immer stärkerem Masse den Widerstand berfran» iösisch en Presse. Eie ist einmütia in der Zurück­weisung de» Vorschlages. dass Deutschland etwa als "seil^»erechttater Partner betrachtet werden könne. Einer halbamtlichen HavaSmelduna zu'olge soll Deutsch­land zu der geplanten Abrüstungskonferenz nicht als gleichberechtigt zuaelassen werden.

«euer Schritt der deutschen Regierung?

"Pari», 25. Febr. Aach hier verbreiteren Rach- -ichten feil ein neuer Schritt der deutschen Regierung 'm Zusammenhang mit der SicherheitSfrage unmittel­bar bevorstehen oder be-esi» erfolgt sein. Es soll "ck> abermals um den Vorschlag eine» gegenseitigen Garantievakte» handeln, der sich im wesentlichen auf die deutsche Westorenze beschränkt und in bezug aus ">'e Otzg-en-e nur sehr unbestimmte Andeutungen macht. Bon den Südgren»en des Reichs soll in diesem Ent­wurf überhaupt nicht die Rede sein.

Eine Bestätigung dieser Meldung muss natürlich ab­gewartet werden. Dagegen steht mit Sicherheit fest, dgst auf französischer Seite ein neuer ® ar - 2 nt ievorfchkag-gusgear 6e it et wird, an dem -Marschall Foch in hervorragendem Matze beteiligt ist und der sich auf die bekannten Ansichten de» Generals in Bezug auf die Notwendigkeit starker französifcher Grenzpunkte stützen fall.

Da, Genfer Protokoll.

ff- London, 26. Febr. Im Unterhaus er­widerte Chamberlain auf eine Anfrage, daß der Staatssefretär des Aeußern beabsichtige, in bet nächsten Sitzung des Völkerbundsrates Abände­rungsanträge zum Genfer Protokoll oorzulegen.

Sir MMaftS>Strtzanö!ungm

Die deutsch-französischen Verhandlungen.

fk. Paris, 26. Febr. Die französische Delegation für die Wirtschaftsverhandlungen mit Deutschland ist gestern zu einer Sitzung zu­sammengetreten.

Ta» Hand-.lSvertra-wvakuum wub die elsaß-lothrin­gische Industrie.

Die lange vorhergesagten und von Frankreich be« "ürchttten Folgen de» vertragSlosen Zustande» sind nun für die elsaß-lothringische Ausfuhrindustrie, die "eit altersher auf den knutschen Markt angewiesen war und in Frankreich keinen Absatz gesunden hat, eingetreien. Die Zollschranken sind jetzt aufgerichtet, nachdem die Intervention verschiedener Industrieller beim sran-öfischen Ministerbräsidenten und bei der deutschen Delegation ohne Erfolg geblieben ist. Run versucht man mit trostreichen offiziösen Versicherungen und ZnknnftSversprechungen die wachsenden Sorgen deü Industrie und der an der Industrie unmittelbar beteiligten Bevölkerung zu zerstreuen. Die Industrie 'elbst ha« die Lage wesentlich realer betrachtet. Seit Anfang Dezember bereits rollten Züge über Züge au» dem Oberelsaff über die Grenze, um in Deutsch­land «tapellager elsatz-lothringischer Erzeugnisse zu errichten. Der Wagenvorrat der elsaß-lothringischen Bahnen, reichte, wie die Zeitschrift .Slfatz-Lothringen" mitteilt, nicht au», um den Güterverkehr zu bewältigen. Die Gesellschaft Paris-Lyon-Mitlelmeer fowie die Ost­bahn muhten auShelsen. Anfang Januar konnte Havas aus Stratzburg melden, daß die Straßen nach dem Rhein, besonders nach Kehl, mit Wagen voller Waren überfüllt feien. Um Störungen zu vermeiden, mutzte ein besonderer Ordnungsdienst eingerichtet werden. Reben Jndustrieerzeugnissen. besonder- Textilien, aber auch Automobilen wurden sogar Lebensmittel auS- neführt. Run aber ruht der Berkehr. Derschiedene Kammgarnspinnereien haben bereits den Betrieb ein­geschränkt, und Feierschichten eingelegt. Man schätzt 'en Ausfall für daS Oberrelsaß auf einige Millionen Goldfranken im Monat. Bei dem gleichzeitigen Stei­gen der Lebensmittelpreife bedeutet der Ausfall für bie Bevölkerung ehren hoffentlich eindrucksvollen An­schauungsunterricht hinsichtlich der wirtschaftlichen Der» bundenhelt deS Landes mit dem deutschen Reiche. Die kulturellen Lehren der .Befreiung", Entkirchlichung. Raub der Sprache und LandeSart, die politischen Lehren. Beseitigung der Selbstverwaltung und Autono­mie, sind wirksam vorangegangen. Richt ohne eine gewisse Schadenfreude wird man als Deutscher den .patriotischen", seil jeher französischen Vrotzindustriellen

den De Wendel und Genosse«, die Erfahrungen dies« Zeit gönnen.

Die engllfche Inbustriefchutzpolittk.

ff. London, 26. Febr. Im Oberhaus tritt« fierte Arnold die Pläne der Regierung zum Schutz der britischen Industrie. Die Politik der Arbeite« Partei in diesem Sinne sei eine klügere gewesen, aK di« Jndnstrieschutzpolitik der Regierung.

Sn Ausstand In ftnttflton

Bo» England inf$e«iertt

Nach Londoner unb Konstantinopeler Meldungen ifi unter den Kurde« unter Führung be» Scheich» Said ein Aufstand ausgebrochen der, wie e» beißt, nach Annabm« der Angorarcsi-rung ein Aufstand der Reaktion" bet Alliierten gegen bas republikanische Regime de- treuen Türkei fein soll. Sck»'^ S">b. bc als Gübret bet Nak- schibenbi-Derwische groben Einfluß auch in Persien und Buchara besitzt, werbe von Offizieren, die durch ihre Teil- nehme am Nestorianer-Aufstand kompromittiert waren, unterstützt. Ein Sobn Abdul Hamid» sei ebenfalls be­teiligt. Die aufständischen Kurden verlangen nach den vorliegenden Meldungen: Aufrichtung eine» Königreiche Kurdistan unter einem Sobne Abdul Hamid» al»- nies Wiederherstellung des Kalifats, Beobachtung del Scheriats unb der religiösen Gesetze, Unterbtütfung bet atheistischen Angoraregierung.

Die Gefahr wird von der Angoraregietung keines­wegs gering eingeschäht. Sie bat sofort über die fünf hauptsächlichsten kurdischen Vilaiets den Belage­rungszustand verhängt. Abgeordnete der National­versammlung schlugen sogar vor, den Belagetungsrustand auf alle von Korden bewohnte Gebiete bi» nuch Etzerum und auch auf Konstantinopel und Trwezunt , uszw dchnen.

Bei' diesen weilgehenden Meldungen mutz brachtet werden, daß sie zunächst nur aus.eng lischt n Quel- l e n stammen. England bat abe» zur Zett ein reass reges Interesse in jenen Gegenden, dir Nachbatgebietc von Mossul sind. In Mossul tagt zur Zeit die 'Iker- bundskommisston, die nach dem Lausanner Vertrag di« Grenze des "Irak bestimmen soll, wobei es l^upljächlich herauf ankommt, ob Mossul bei den Türken bleibt odei »um englischen Jrakgebiet geschlagen wird. Noch kuy vor Ausbruch der Unruhen erklärte Fetbi Bea m btf tiittischen Kammer:Mofkul ist ein integrierender uni untrennbarer Teil der Türkei.' Und der Hinweis daß alle Faktoren für den türkischen Anspruch auf Mos sul sprechen, weshalb die Türkei eine gerechte Entschei­dung der Kommission zu ihren Gunmen erwartet, wir» webl nickl ohne (utunti erfolgt sein. Es ist" datum nicht ut interessant, daß gerade in dieser Zeit, wo über dal Schicksal Mossuls entschieden werden soll, in den Rach- bargebieten Views Bi'aicls ein gegen die Ängoraregie» tuns gerichteter Aufstand ausbricht. Die Errichtung eines von bet Türkei unabhängigen kurdi n Staate# wurde die Zuweisung Mossuls an die Türkei völlig bim fällig machen. Nicht uninteressant ist auch die Tatsache daß jene kompromittierten Offiziere, die bei dem Auf­stand beteiligt sind, sich seinerzeit nach Mossul geflüchtet batten, wo sie bisbet verblieben waren, da He auf bet Vrosktiptionsliste jener stehen, betten die Rückkehr na§ der Türkei nicht mehr gestaltet würbe.

Die Geschichte der Türkei weist, selbem ihre Aus­lösung zu ben Programmvunlten bet englischen Politik im Orient steht, wiederhol» derartige, dem Anschein« nach innertürkische Ausitundsbewegn tgen auf, die eine Schwächung des türkischen Staates bc.rbeiführen i Men. Bis zum Weltkrieg wurden die Arm niet aufgcpnischt. Ihre vollständige Ausrottung war die Folge. Nach de« Krieg wurden die Griechen in Bcneg-.ing gebracht. Wa­rum sollten nicht die Kurden iettt Higlands Spiel spie­len helfen? Gingen die Auissv. te bet Armenier tatet dem Zeichen des Christentum;, so kl-nnte jetzt wohl der Altmobammedanismus gegen den republikanischen Tür- kenftaat aufgerufen werv-.w Alle» zum Seile des eng­lischen Petroleums.

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Stt Bamial-ekmidal

Berlin. 25. Febr. 3tu Preußischen Unter»

fuchungsausschutz für bie Darmaf-Kutisket-Afsäre wirb zunächst General a. D. v o n L i v o n i u s, der im Auffichtsrat unb Berater im Michael-Konzern tea^ vernommen. Er bekundet, datz anläßlich gefchäfd sicher Differenzen zwifchen Kutisker und dem Konzen die Staatsbank als Schiedsrichter auftrat und De. Helwig und Dr. Rühe als Schiedsrichter fungier! hätten. Während oder vor dem Schiedsgericht Wal von einer Honorierung der Schiedsrichter nicht btt Rede, aber jeder .der im Wirtschaftsleben sieht, tocifi» datz Schiedsgerichte honoriert werden und zwar verhält- nismätzig hoch. Ich schlug Michael einen Sah vott 20 000 Mark für jeden vor. Bei dem recht hohe» Objekt hätten sich bei genauer Ausrechnung ungesüh» 56 000 Mark Gebühren ergeben, da es in Grotz-Derli« üblich ist. in solchen Fällen einem Schiedsrichter di« zwei- bi» dreifachen Gebühren eines Anwalts in bee1 Berufungsinstanz zu gewähren. Ich habe den Schee den Herren überbracht. Damit war bie Sache erledigt Auf eine Frage des Dorfitzenden erklärt der Senge, er könne nicht sagen, ob die Staatsbank als Institut »um Schiedsrichter gewählt wurde, oder ob Rüh« und Helwig persönlich um die Tätigkeit ersucht wurden.

Abg. Badt (Svz.) fragt, ob es nach ben Dienst» vorfchriften der Staatsbank zulässig sei, daß Unter» beamte zu schiedsrichterlichen Diensten von höhere* Beamten in Anspruch genommen werben könnte«. Schröder erklärt dazu, er erfahre jetzt erst von diese* Inanspruchnahme von Unterbeamten. Sr werde nähere Erkundigungen einzlehen. Auf die Frage, ob dem Zeugen nicht bekannt war. datz Rühe und Helwig einen entscheidenden Einfluß auf die Kreditgewährung hatten, erklärt Livonius. für Michael hätten die Kredit« der Staatsbank zu jener Zeit gar keine Rolle gefpielt. Die Honorierung der beiden sei auch deswegen nicht besonders auffällig, weil in der Inflationszeit, wo die Beamten unmöglich mit dem kärglichen Eehalt auSkommen konnten, die Ministerien und Behörde« selbst verfügt hätten, man solle jetzt im Gegensatz )« bet Hebung bet Vorkriegszeit den Beamten leine