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Anzeiger für (das früher kurWWe) SSerWen - Slmiw ZerkündigimgZblatt des Kreises Marburg

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Mardurg c. L, Mllllvv», etn 25. zrbriM ff

Mm gegen Daren

1 Sex tleineiige Reichskanzler M a rx hat auf der Uagu«I des westfälischen ZentrumSauSschuffeS in Hannu schweres Geschütz aufgefahren, um seine Siebe $a 6ebering zu verteidigen. Au» innen« und autzenpolitischen Gründen könne man keinen Jesseren Preußischen Innenminister finden. „Du sprichst von Zeiten, die vergangen sind." Früher imponierten wohl solche Andeutungen; aber in» zwischen hat man erkannt, daß gar manche Befürch­tung und auch manche Hoffnung illusorisch war. keveringS Polizeiherrschaft in Preußen hat nicht verhindert, daß die Entente die Schupo al» mili- tarifiert bezeichnet und ihre Umorganisation for­dere. Und im Innern müssen wir einmal dahin tmnmex, daß die Polizei auch ohne sozialistische Leitung el5 zuverlässig gelten darf. Sonst geraten tvir ja immer tiefer hinein in den Sumpf. — Aber auf die Westfalen scheint Herr Marx doch mit seinen Andeutungen Eindruck gemacht zu haben. Sie lehn- tfii da» Warten auf den Beschluß de» landwirt- phoftkichen Beirats ab und beschlossen eine Ber- dmueuSkunvgebung für Herrn Marx und die Land- tagssraktion. Damit ist jedoch noch keinesweg» das Schicksal der Opposition besiegelt. Vielmehr hat fich den ausgeschlossenen Abgeordneten v. Papen »nd Loenartz Herr Baumann, der ebenfalls bei der Abstimmung fehlte, solidarisch erklärt, und der land­wirtschaftliche Beirat der rheinischen Zentrumspartei hat sich mit Entschiedenheit auf die Seite der ge­maßregelten Abgeordneten gestellt. Von den west- fLüschen Landwirten ist wohl dieselbe Stellung­nahme zu erwarten. So klein die Zahl der Abge­ordneten auch ist, die aus ihrer Abneigung gegen lie Intimität mit Heilmann und Genossen die Kouseqenzen zu ziehen wagen, so genügen diese wenigen Stimmen doch, um der Linkskoalition das Negieren unmöglich zu machen. Der Sieg des Herr» Marx in Hamm war ein Pyrrhussieg.

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Ner RMsvrtsiwnt erkrankt

Ganz plötzlich, wie es bei den Blinödarmentzün- Junge» meist der Fall ist. hat Reichspräsident Ebert stch za einer schweren Operation entschließen müssen. Giese scheint gut verlaufen zu sein, sodaß eine baldige Heilung zu erwarten ist. Dlinddarmoperativnen wer- Den ja in sehr großer Zahl auSgeführt und gelten als Nicht gefährlich, wenn der Arzt rechtzeitig einschreitet und der Patient sonst über eine gute Konstitution ver« figl. Herr Ebert ist aber auch mit einem Gallenstein- «iden behaftet, das ihn in der letzten Zeit besonders geplagt hat und eigentlich schon einen längeren Ausent- .lolt im Sanatorium notwendig machte. Dom mensch- iBeben Standpunkt aus wird jedermann ihm die baldige Miederherstekkung wünschen. Das hohe Amt, das er iBtfleifiet, nötigt aber auch dazu, die politischen Folgen 'tiefer Krankheit zu streifen. Der Artikel 51 der Michsverfassung lautet: „Der Reichspräsident wird ■h« Fall seiner Verhinderung zunächst durch den Reichs­kanzler vertreten. Dauert die Verhinderung längere |S8eit, so ist die Vertretung durch ein Reichsgeseh jDu regeln.“ Auf Grund dieser Bestimmung hat Reichs- ^tmzler Dr. Lulher die Vertretung des Reichspräsi- ■fridcn übernommen. Die gewöhnliche Erholungszeit Jach einer Vlinddarmoperation, die 3—4 Wochen dau­ert, ist Wohl nicht als .längere Zeit" im Sinne der .Verfassung anzusehen. Wenn dagegen infolge des Hallensteinkeidens Komplikationen eintreten sollten, so Bunte die Frage der reichsgesehlichen Regelung der ikbertretung akut werden. 3m Mai soll ja auch be- jteits, die Wahl des Reichspräsidenten vollzogen werden. Fisher wurde zwar vielfach angenommen, aber es lag vvch keine sichere Destätigung dafür vor, daß Herr Mert aus die Wiederwahl verzichten wollte. 3eht dürfte diese Erklärung zu erwarten fein; und nie« .wand würde sagen können, daß Herr Ebert deshalb verzichte, weil er sich durch Politische Angriffe bedrückt fühle Ein häßlicher Wahlkampf wäre damit dem deutschen Volke erspart.

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Ais Munumgsvrvblm

Urberreichung des Kantrollberichts erst Anfang nächster Woche.

P a r i s, 24. Febr. „Journal des Debats" zu­folge wird das interalliierte Militärkomitee in Ver- faifles der Botschafterkonferenz seinen Bericht Iber den Stand der deutschen Entwaffnung erst Mn fang nächster Woche übermitteln. Auch britische Kabinett prüfe den Bericht auf dos .Genaueste, und gleicl^eitig fänden zwischen Paris «nd London diplomatische Verhandlungen statt, um «ine Formel zu finden, die den Deutschen die Mög- Mchkeit gebe, fich bei den von den Alliierten zu treffenden Entscheidungen Gehör zu verschaffen.

„Temps" meldet, daß auch mit der belgischen Regierung Verhandlungen ftattfinben, die zunächst Bur die Frage de» Verfahrens betreffen. Als Per. fammlungsvrt der interalliierten Konferenz werde jetzt Brüssel »orgeschlogen, da man annehme, bah dort di« Atmosphäre für eine Verständigung giinsti- Ser fei. Andererseits werde dagegen betont, daß in et zweiten Märzbäffte ober in der ersten April- ihäfte da« Kabinett Theunis schon als zurückgetreten svnzufehen fei, und bah es nicht unwahrscheinlich sei, tdaß die Konferenz in London zusammentreten 'werde.

ff. L o n d o n, 25. Febr. „Westminster Gazette" berichtet, daß Lord Dcforb und Asquith am Donnerst«- im Oberhaus die Veröffent. lichung des Berichts der interalliierten Militärtankrollkommission über die angeblichen deutschen Rüstungen fordern werden.

ft London, 25. Febr. Der Pariser Bericht- erstatter des „Daily Telegraf" schreibt, es bestehe fein Zweifel, daß die Stimmung gegen irgend eine Beteiligung der Deutschen an Erörterungen über die Räumung der Kölner Zone stch versteife. Da» Land fei entschieden dagegen, daß die französtsche Regierung mit der deutschen über die Räumunas- frage verhandle. Im Gegensatz hierzu meldet „Times" aus Paris, es scheine fetzt sicher zu fein, haft die französische Regierung bereit sei zuzu» stimmen, daß die Deutschen einoelaben werden mit den Alliierten zusammen zu treffen, wenn die letz­teren über die Form Beschluß gefaßt haben, welche sie ihrem Ersuchen an Deutschland, feine Abrüstun­gen zu vollenden, geben werden. „Times“ zufolge befindet sich der Bericht der interalliierten Militär- kontrollkommifston immer noch in den Händen des interalliierten Militärkomitees in Versailles.

Räumung erst Sude de» Jahres?

mtb. V r ü s l e l. 24. Februar. Hebet btt Stel­lung Belgien» zur EntwasfnungSsrag« weiß die »Stolle Beige" folgende» mitzuteilen: 8» steht noch nicht fest, ob der Dericht der Kontrvllkommillion veröffent­licht wird. Di« belgische Regierung ist der Meinung, daß die Veröffentlichung angebracht ist Ob eine interalliierte Konferenz über di« Entwafs- nungsfrag« beraten wird, weiß man noch nicht. Die Folge der Feststellungen de» Bericht» wird voraussicht­lich die Aufrechterhaltung der D« setzung bi« End« diese» Jahr«» sein. 3n diesem Sinne scheint der gegenwärtig« Stand d«r diplomati­schen Besprechungen bei allfettiger Zustimmung zu ver­laufen. Wenn «ine interalliierte Konferenz veran­staltet werden sollte, würde sie nicht vor ber zweiten Hälfte de« Mürz stattfrnden. da an der Tagung des Dölkerbundsrate» am 9. Mär, sowohl Shamberlain al« auch Hhman« teilnehmen werden. Jedenfalls würbe die Konferenz in London stattfinden.

eint englische Stimme.

London, 24. Febr. Unter der Ueberschrift „Auf Befehl Fochs" schreibt die „West- m i n st e r Gazette", zwei Monate seien es her. seitdem die Kölner Zone geräumt werden sollte, und in England hat außer einigen wenigen Be. amten niemand irgend einen Teil des Beweis­materials gesehen, auf Grund dessen die Regierung die Räumung des Brückenkopfes von Köln ablehne. Es fei klar, daß Marschall Fach und sein Komitee, bas schon längst hätte verschwinden müßen, nicht berechtigt seien, in eine Angelegenheit einzugreifen, die in erster Linie Großbritannien und Deutschland betreffe. Es sei an der Zeit, daß dieses Verfuhren beendet werde.

Der Kampf nm di« Ausluhrab«abe.

London, 24. Febr Der diplomatisch« Bericht ei(tatter de» „Daily lelegrapb“ schreibt, die vor kurzem zwischen dem britischen Schatzamt und dem Eeueral- aecnteii für die Revarationszablungen erzielt« oorlau» fige bedingte Vereinbarung über einen neuen modu- vivendi für die Einziehung der 2 6 o r o, e n t i g e n •lusfubrabgabe schein« infolge bet Einwände be- Transferausschusies oder der deutschen Regierung oder beider gescheitert »u sein. Es würde Besorgnis x>et- uilachen, wenn di« Ratifizrrung dc, anglo-deutsche • töandelsvertrages dadurch verzögert würde, da eine Frage nach britischer Ansicht mit dem Vertrag nicht fr« fammcnbänßcn.

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Sie

Bor der Unterzeichnnn» be» modus vivendi.

Paris, 24. Febr. Der „Avenir" versiechrt, da« die deutsch-franrösischen bandelsveriragsver- Handlungen in eine neu« Pbas« getreten finw Dr. Trendekenburg habe einen seiner Mitarbeiter na h Berlin entsandt, um die neuen französischen Vorschläge l.lanntzugeben. Dieser Gesandte werde bereits miede am Donnerstag mit der Antwort der Neichsregiermm in Paris zurückerwartet und diese Antwort werde eine An­nahme bedeuten Man glaube allo, daß der modus vivendi schon am k ommenden Freitag »nie! reich net werden könne.

Die letzte Soldsendnng Amerikas.

fk. Newyork, 25. Febr. Wie Router meldet, hat das Bankhau» Mo r g a n 2V> Millionen Dollar in Gold nach Berlin abgesandt. Dies fei der letzte Teil der 50 Millionen Dollar, die nach den Vereinbarungen über die letzen deutschen Anl'ihe von 110 Millionen Dollar abgesanbt werben sollten.

Ein« fadenscheinige ErNSrun» der Saarregierun«.

Mtb. Saarbrücken, 24. Febr Auf ber bevor­stehenden iiiäntaeung des Völkerbundsrate» wird auch die sattsam bekannte Schulpolitik der Saar-Regierung wieder eine gewisse Rolle svieleir. Die Rekiieruna-lom- misfion hat soeben ein# Erklärung in der Schulsraae veröffentlicht, d'rch die sie fich von dem Vorwurf reini­gen wll, daß sie die Anweisungen de» Pölkerhundsrats nicht befolgt habe. Es Heißt hier, daß es jedem Ange- stellten der sianzösifchen Gruden sreigestellt sei. ieia Kind in di« bestehenden öffentlichen deutschen Volk» schulen oder in die französischen Schulen zu schicken.

Zur Beurteilung dieser kademcheinigei, Erklärung muß man sich ins Gedächtnis luiücfrufen, daß nach der icsteir Entscheidung de» Völkerbundes zu erwarten war die Regierungs.'ümmisstLn würde all» Verordnungen, die in die Bevölkerung Beunruhigung getragen Hatten, zurvzunehmen. Sick?? deflen wird nun eine lendenlahme Erklärung verüstentlicht, de nicht den geringsten recht­lich-bindenden Ebarakter bat und die alle früheren Verordnungen bestehen laßt. Die Erklärung ist so zweideutig und dehnbar, daß, sobald die Regie- rungskommijsiou in ihrer gegenwärtigen Zusammen- sttzulig ihre Betätigung auf ein weitere» Jab» erlangt

hoben wirb, bet a 111 ft u t • in ber Schulpolitik fort- Befett werben kann.

Baustil beS RtichsdtrbandtS tat tmlsümi Steile

Sine Red« Dr. Luther».

Auf dem Bankett bei Reichsverbande» der deut­schen Presse führte In feiner Erwiderung Reichs­kanzler Dr. Luther au», die Regierung habe zum Volke einmal den juristischen Weg, der durch die öerfaffung gegeben fei, dann aber auch den Weg ber ganz unmittelbaren Berührung mit ber Wirklichkeit in Volk unb Sanb. In btefem Sinne sei feine Rundreise durch Deutschland in den letzten Wochen lehrreich gewesen. Sie habe ihm Gegen­sätze und Zusammenhänge gezeigt. Abschluß und Krönung dieser Rundreise sei der heutige Abend, an dem vor ihm die ganze deutsche Preffe ver­sammelt sei. Tie Presse, so führte der Reichskanz­ler au», ist die große Mittlerin zwischen Regie­rung und Volk. Ich bin gelegentlich gefragt wor­den: Wa» versteht Ihr eigentlich unter sachlicher Politik? Mit dem Worte „sachliche Politik" ist nicht» andere» gesagt, al» diese»: Wir wollen als Regierung den pflichtmäßigen Standpunkt jeder Re­gierung, die ohne irgendwelche Ablenkung nur auf da» ganze sieht, mit aller Kraft unb ohne Rück­sicht auf Parteistellungen burchzuführen versuchen. Unsre Politik ist eine Politik der Synthese, der Zu­sammenfassung unb damit der Gewinnung eines neuen Standpunkte» zum Weitervoranschreiten des Volke«. In den großen Fragen der Außenpoli­tik gibt es kaum Gegensätze, und in ihrer prak­tischen Entwicklung findet sich da« deutsche Volk in außenpolitischen Dingen zu großen allgemeinen Richtlinien immer wieder zusammen. Mir wollen alle al» Ziel da» eine deutsch« Baterland, ge­sund unb stark nach außen unb innen. Wir müssen es aufbauen unb wir wollen e» aufbauen unter Be­rücksichtigung unb unter Begründung auf die ge­schichtlich gegebenen Tatsachen, au» denen das deutsche Polk zusammengewachsen ist. Ein Gegen­satz in reiner Form ist nirgend» vorhanden, auch nicht zwischen Jndividuallsmu« und Sozialismus. E» gibt keinen Sozialisten, der nicht die starken Kräfte des Individualismus anroenben will, der nicht de» Tüchtigen an die Stelle führen will, toe er Wirten rann. Es gibt auch keinen Individua IrsmuS, der nicht weiß, daß klare Bande, die der sozialistische» Denkform entspringen, im Staatsgan­ze» lebendig werden müssen. Auch In den großen Gegensätzen ber Weltanschauung handelt es sich um ein Nebeneinandcrleben. Hier hat die Politik die Ausgabe, daß die Weltanschauungen miteinander in Friede» ringen können, jede um ihre innere Reife, und insbesondere im Wettbewerb zwischen den bei­de» christlichen Konfessionen muß dafür gesorgt wer­den, daß die gemeinsamen großen Gedanken des Christentums zu starker Auswirkung kommen. Die schwerste Ausgabe für die Presse, so führte der Reichskanzler weiter aus, liegt darin, in Fragen, wo wirklich in unserem Volke sich starke Gegensätze einander gegenüberstehen, auch dem Standpunkt des andere» die erforderliche Gerechtigkeit zuteil werden zu lassen. Di« doktrinäre Zuspitzung etwa zwischen Zentralismus und FörderalismuS steigert stet« den Gegensatz und hemmt die sachliche Ent­wicklung. Wir widerstreben solchen doktrinären Zn- spitzungen, unb ich habe neulich nach meinem Mün­chener Besuch mjt Behagen gelesen, daß man ganz zufrieden war mit dem, was ich gesagt habe, obwohl man nicht glaubte, mich als einen Föderalisten in Anspruch nehmen zu sollen. Die große Gefahr ist die, daß in den Parteiprogrammen die doktri­nären Zuspitzungen ein Uebermatz von Bedeutung gewinnen unb dah auf diese Weise Hypothesen aus einmal eine Macht werden, die nicht bindet, son- oern zersetzt. DaS ist im Parteidenken bis zu einem gewissen Grade unvermeidlich, wird aber bei uns durch die politische Einrichtung der Derhältilis- wahl unterstrichen, in der sich notgedrungen der Kampf um Grundsätze abspielen muh. In anderen abnormen Verhältnissen können sich die Parteien nicht mehr zu starkem Handeln entschließen, und dann entstehen jene Ermächtigungsgesetze, wie wir sie in zwei Beispielen vor uns gesehen haben. Daß diese Ermächrigungsgesetze in der Stunde der höchsten Not zustande kanten, war ein Beweis für die Kraft des Reichstages, aber auch dafür, daß unter Umständen das parteipolitische Leben des Volkes ausgeschaltet werden mutz. Die Ermächti­gungsgesetze waren auch nicht etwa eine Berleug- uung unsrer republikanischen Staatsform, und ich habe schon damals darauf hingewiesen, daß das Urb Mb aller Republiken, die alte römische Repu­blik, für die Ermächtigungsgesetze eine ganz stereo- type Formel hatte, nämlich videant consuleS. Was nun die großen Ausblicke und die großen Ziele angeht, so liegen sie immer darin, datz ein Leben wie unser jetziges, uns ununterbrochen vor neue Aufgaben stellt. Die Fortschritte der Technik haben eine ganz andere Gestaltung des sozialen Lebens hcrvorgerusen, und die sozialen Aufgaben sind un­geheuer. Andere große Fragen erwachsen aus den Forischritten des Verkehrs, dessen Entwicklung für die nächsten zehn Jahre gar nicht abgesehen werden kann und die die tiefsten Rückwirkungen auf die politischen Gestaltungen Deutschlands, Europas und vielleicht der ganzen Welt haben wird. Aber im Mittelpunkt steht die große Aufgabe, die uns nun einmal durch den unglücklichen AuSgang des Welt­krieges geworden ist: die uns damit geworden ist, daß wir auf ganz neuen Wegen einen Wiederaufstieg unseres Volkes durchführen müssen. Hier sind wir alle im Ziele einig: Wir wollen eilt starkes, wir

wollen ein gesunde» Deutschland, da» seinen Platz wieder in voller Gleichberechtigung und in voller Anerkennung tat Kreise der Völker «tnntmmt. De» Kanzler schloß mit einem von der Versammlung begeistert aufgenommenen Hoch auf da» deutsch« Vaterland, an da» sich der Gesang bei Deutsch landltede» anschloß.

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Ser Bw-eß gegen Ne Zeitliche Wo-

Leipzig, 24. Febr. Im Tscheka-Prvzeß kam «b wiederholt zu scharfen Auseinandersetzungen zwischen der Verteidigung und dem Vorsitzenden. Al« Rechts­anwalt Samter einen Antrag stellen wollt«, den der Borsitzend« ablehnte, da er ein« Kritik an der Der- handlungsweisr enthalte, widersetzte sich Samter den Anordnungen des Vorsitzenden wiederholt. Er fuhr fort feinen Antrag zu begründen und überreichte ihn auch dem Derichtsschreiber. Der Vorsitzende fordert« ihn darauf kraft seine« HauSrecht« auf, den Saal zu verlassen. Da Samter sich mehrmals weigerte, wurde er durch zwei Schutzpolizeibeamte au« dem Saale geführt.

In der Nachmittagssitzung gibt Rechtsanwalt Dr. Rosenfeld namens der Gesamtverteidigung eine Er- tlärung ab, ta der um Vertagung der Verhandlungen auf Donnerstag vormittag ersucht wird, da die Der- teidkgung. um die Angelegenheit au« der Welt zu schaffen, bei den zuständigen Stellen wegen der Vor­gänge am Dormittag vorstellig werben wolle. Rach i'/»stündiger Beratung wird ber Antrag der Verteidi­gung auf Aussetzung der Verhandlungen abgelehnt. Aus Antrag de« Rechtsanwalt« Dr. Reumann wird die Verhandlung bi« morgen vormittag unterbrochen, um inzwischen neue Offizialverteidiger zu bestellen

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Moskau nn» »er Leipziger Prozeß.

Die Leipziger Derhandiungen und da«, wa« bisher über die Tscheka bekannt geworden ist, sind für bi« Moskauer Zentrale Gegenstand bitteren Verdrusses. Zieht man es angesichts der zunehmenden Peinlichkeit der Lage in Leipzig neuerding« sogar vor, sich, tot« e« mit dem führenden Rechtsanwalt. Herrn Samter, der Fall war, hinauSwerfen zu lassen. SS ist daher verständlich, daß Stalin dem Salonbvlschewisten Wil­helm Herzog neuerdings empfiehlt, die deutsche Partei solle im gegebenen Rahmen aus lange Sicht arbeiten. Der Traum ber Weltrevolution, der in den günstigen Inflationszeiten der Verwirklichung nahe schien, ist ausgeträumt. Die Kommunisten stehen überall in be» Verteidigung. Die Tscheka wird auf einige Zeit wieder ihre eigenartige Tätigkeit auf das Sowjetparabie« al­lein beschranken müssen.

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Set BlmnotSkmidal

Krassin gegen Hcilmaun.

Die Hauptstütze der sozialistischen LandtagSfrak- tion In Preußen und damit der von Herrn Marx so hartnäckig betriebenen Linkskoalition ist unzwei­felhaft Herr Heitmann, der Generalbevollmächrtgt« Julius Barmats. Aber allgemach gehört wirklich eine Elefantenhaut dazu, um die Schläge zu er­tragen, dir Heilmann seinen Freunden versetzt. Mit welch verzweifeltem Pathos hat er In der letzten Landtagssitzung seine „Enthüllungen" über ander« Politiker hinausgeschleudert — und wie kläglich ist das Fiasko! Zu den sensationellsten Behauptungen des Generalbevollmächtigten gehörte die, daß Herr Krassin km Besitze eines Empfehlungsschreibens sei, worin Dr. Stresemann den Kommerzienrat Litwin zu Handelsgeschäften empfohlen habe. Dieser hat bereits ein Dementi erlassen: aber nun ist auch ein Dementi veröffentlicht worden, den Krassin an bett deutschen Botschafter in Moskau in dieser Ange­legenheit gerichtet hat. Darin bestreitet der Ruff« mit größter Entschiedenheit, an dieser „Verleum­dung des Herrn Reichsministers Dr. Stresemann" irgendwie beteiligt zu sein. Und der „Vorwärts" druckt das ab, ohne ein Wort hinzuzufügen. Herr Marx aber und die „Germania" erklären sich für moralisch verpflichtet, unentwegt an dem Treubünd# tti» mit der Sozialdemokratie festzuhalten.

Berlin, 24. Febr. Der preußische Landtags­abgeordnete H e i l m a n n behauptete in der Land­tagssitzung vom 20. Februar, daß Krassin int Besitz« eine» Empfehlungsschreibens sei, in dem Dr. Stre­semann den Kommerzienrat Litwin zu Handels­geschäften empfiehlt, und datz Krassin sich Zeugen gegenüber, die jederzeit erscheinen können, dahin ge- äutzert habe, Stresemann solle wenigstens sorgen, daß Rußland nicht wucherische und hetrüger'.sch« Geschäfte angeboten würden. Demgegenüber hat Litwin bereits erklärt, er habe niemal» ein Empfeh­lungsschreiben von Dr. Stresemann erbeten und infolgedessen niemal» ein solche» erhalten. Dr. Stresemann hat sich ferner durch den deutschen Bot» schafter in Moskau, Grafen Brockdorff-Rantzau, an den zurzeit in Mo-kau befindlichen Krassin gewand^ mit der Bitte, zu den Behauptungen Untann»' Stellung zu nehmen. Krassin hat daraufhin am 23.; Februar folgende» Schreiben an den deutschen Bot­schafter iw Moskau gerichtet: „Unter Bezug auf unsre heutige Unterredung beeile ich mich, Ihnen ganz ergebenst mitzuteilen, datz ich nie von Dr. Stresemann weder eine mündliche, noch eine schrift­liche Empfehlung für Litwin erhielt und datz bamit' die von dem sozialde akratischen Abgeordneten Heilmann mir in den Mund gelegte Aeutzemng betreffend den Kommerzienrat Litwin unb di« ba« mit im Zusammenhang stehende Verleumdung Dr. Stresemanns selbstverständlich niemals meinerseits getan wurde. Ich bebaute auf da» lebhafteste, daß mein Nam« in dieser Weife mißbraucht wurd« unb