Marburg o. L, Freitag, dm 20. Februar
eo.NAg.io«
Anzeiger für Ws früher kurheMA) MrWm - Amtliches Berküa-igmgSbW -es KreileS Marburg
ttl
an-
ff. Berlin, 20. Febr. Bei den Fraktionen
iWiderspruch und Sturm der Entrüstung ! Mitte und links).
in der
des der
Heutige Abstimmung es auf die einzelnen Stimme an« fcmmett wird. Es wird ausschließlich auf die Beübung beS Hauses ankommen, ob das Kabinett Marx Äte Mehrheit erhall oder in der Minderheit bleibt.
Vrubenkatastrvphen gewähren, solange es die Arbeits- Verhältnisse bet den Zechen den Bergleuten unmöglich machten, alle diese Vorschriften zu beachten. Das stark« Beladen der Kohlenwagen habe die Staubexplosions« gefahr gesteigert. Das jetzige Gedinge und Prämien- shstem steigerten weiter di« Llnfallgefahr.
Damit schließt di« Aussprach«. Aach Schlußworte» der Abg. Schütz (Komm.) und Imbusch (Zentr.' wird der sozialdemokratische Antrag bem Haushalts- auSschuß überwiesen.
Der GeschäftsordnungSausschuß beantragt die Ab- lchnung der kommunistischen Anträge. Einstellung b« gerichtlichen Verfolgung und Haftentlassung der kommunistischen Abg. Heckert und Pfeiffer, die als Mitglieder der kommunistischen Zentrale wegen Hochverrats verfolgt werben.
Abg. Dr. De la (Zentr.) gibt für di« Fraktionen bei Deutsc^iationalen BolkSpartei, der Zentrumspartei, der Deutschen und Bayrischen Bolksparteien und der Wirtschaftlichen Bereinigung eine Erklärung ab des Inhalts, die beiden Abg. Heckert und Pfeiffer würden schwerer Verbrechen bezichtigt. Darum mußten die genannter Parteien die Anträge auf Haftentlassung und Ein stellung des Verfahrens ablehnen.
Abg. Brodaus (Dem.) erklärt, auch die demokratisch« Fraktion werde für den Antrag des Se- schäftsordnungsausschufseS, also für die Genehmigung zur Strafverfolgung stimmen.
Abg. Henning (Rat.-Soz.) erklärt unter Entrüstungskundgebungen der Kommunisten, auch di« Aationalsozialisten würben dem GeschäftsvrdnungsauS- schuß zustimmen.
Abg. Münzenberg (Komm.) bekämpft den Antrag. Es handelt sich hier um einen politischen Ten-
29. Sitzung vom 19. Februar.
Der Reichstag genehmigte zunächst in dritter Be» °"akung endgültig den am-10. Februar d. 2s. unter-« .zeichneten Vertrag zwischen Deutschland und Litauen zur Ausführung der Konvention über baS Memelgebiet.
Zur Beratung kommen dann die Interpellationen über die Kontrolle der Sicherheit der Gruben, die anläßlich der jüngsten Grubenkatastrophe von verschiedenen Parteien eingebracht worden find.
Dbg. I m b u s ch (Zentr.) schildert dann den Verlauf der Grubenkatastrophe bet Dortmund und die Ein- richtringen der Unglückszeche. Wäre daS Unglück in der Frühschicht erfolgt, so würde eS die doppelte Zahl der Opfer gefordert haben. In der Aufklärung der Bergarbeiter über die Schlagwettergefahren müßte mehr geschehen.
Staatssekretär Geib vom Reichsarbeitsministerium: Di« aus öffentlichen und privaten in- und ausländischen Quellen geflossenen Gelder für' die Hinterbliebenen hätten den Betrag von l1/» Millionen Mark schon überschritten. Die Verhütung derartiger Unglücksfälle unterliege der Schuldigkeit der Landesbehörde, in diesem Falle deS Preußischen Handelsministeriums. An der Keberwachung der Sicherungseinrichtungen seien die Betriebsräte beteiligt. Ein besonderer Vorschlag des Preußischen Handelsministeriums sichere die ungestörte Tätigkeit der Betriebsräte auf diesem Gebiete zu.
Ministerialrat Hatzfeld vom Preußischen Handelsministerium: Die Wetterführung sei in Ordnung gewesen Auch die Berieselung habe funktioniert. Aber sie fei nach Ansicht von Fachleuten nicht als ein geeignetes Mittel zur Verhütung von Kohlenstaub- explosionen anzusehen. Die Verwaltung der Unglücks- zeche sei eine der ersten, die gerade jetzt dabei war, daS moderne Steinstaubverfahren etnzuführen. Ein endgültiges Urteil lasse sich über die letzte Ursache noch nicht oRgeben.
In der Besprechung der Interpellationen nimmt als erster Redner der Vorsitzende des Deutschen Berg» arbeiterverbandeS, Abg. H u S m a n n (Loz.) daS Wort.
begründet einen Antrag auf Bereitstellung von Mitteln für Einrichtungen zur Untersuchung und Verhütungen von Unfällen im Bergbau.
Abg. Winnf«ld (D.Dpt.) verliest ein« gemein- ferne Erklärung der beiden Rechtsparteien, der Bayrischen BolkSpartei und der Wirtschaftlichen Dereini- gvng, kn der den Opfern der Katastrophe und den Hinterbliebenen die Anteilnahme der Parteien ausgesprochen wirb. Die Erklärung lehnt es ab. vor der genauen Ermittlung der Ursache der letzten Katastrophe ein Urteil darüber zu fällen, oder Schlüsse daraus zu ziehen.
Abg. Ziegler (Dem.) ist der Meinung, baß alle schöne« SicherhettSvorschrifte» keinen Schutz gegen
l (Zurufe rechts). Ich habe mich bei der Kabinettsbildung von der Pflicht meinem Bolle gegenüber leiten lassen (Beifall in der Mitte). Mein Pflichtbewußtsein hat mich veranlaßt, da» Amt anzunehmen und den Versuch zu machen, der ewigen Krisenmacherei in Preußen ein Ende zu bereiten. Es ist endlich an der Zett, zur Arbeit zu kommen zum Wohle d«S Vaterlandes (Lebhafter Beifall in der Mitte).
Abg. Schlange -Schöningen (Dtntl.) erklärt, daß niemand in seiner Fraktion Herrn Marx persönlich den guten Willen abspreche. Aber dieser allein macht «• nicht. Ob sein Herz bei seinen Bemühungen, «in« attion8f< .1 Regierung zustande zu bringen, dabei ebenso nach recht» geschlagen hat, wie nach link», bezweifeln wir. Daß er sich von Herrn Severing trennen wollte, beweist, daß er nicht geeignet ist, jetzt die Führung de» preutzi- schen Volke» zu übernehmen. Die Volksgemeinschaft ist nn» möglich auf christlicher und nationaler Grundlage, klne Volksgemeinschaft mit Parteien, die in derWeltanschauung sich wie Feuer und Wasser unterscheiden, ist unmöglich. WaS Herr Falk von den Demokrat«« über einen Bericht in der „Tri«rssch«n Zeitung", wonach wir im Wahlkampf mit den Separatisten zusammengearbeitit hätten, gesagt hat, trifft nicht zu. Alles, wo» in dieser Hinsicht von uns gesagt wird, ist die unverschämteste Verleumdung (Gehr richtig recht»).
Ein» Autreg der Wirtschaftlichen Bereinigung ist.
am Etaatswohl setzt aber vorau», daß sie von einer starken und dauerhaften parlamentarischen Mehrheit getragen wird, und die ist unter den heutigen politischen Verhältnissen nicht anders zu erzielen al» durch Zusammenschluß der bürgerlchen Parteien. Der Ministerpräfident Marx wird, wie hn Reich, so auch in Preußen, dem deutschen Volk praktisch vor Augen führen, daß es auf eine andere Weise nicht geht."
eingegangen, der dem Landwirtschaft-minist« Steiger daS Vertrauen auSsprtcht.
Abg. Schlenge (Dtntl.): Von dem Kabinett kann man sagen, Herr Marx denkt tm besten Ginne des Vaterlande», Herr Severing lentt im besten Sinne der Svzialdemokrate«. Bei dieser Zusammensetzung de» Kabinett» ist «irre segensreiche Arbeit für daS Vaterland nicht möglich. In dieser Zeit der Not kann eS sich überhaupt nicht um die StaatSform handeln. 9» handelt sich bei unS nicht um den Kampf gegen die Republik. Der Herr Ministerpräsident wird am Freitag einsehen, daß er sich auf kein« Mehrheit stützt, und er muß dann zu dem Entschluß kommen, dem Vokke noch einmal Gelegenheit zur Bekundung seine» Willen« zu geben.
Abg. Le inert (3*$.): Ohne bi« Kommunisten sind die Rechtsparteien ein« hoffnungslose Minderheit. Es hat sich aber zwischen den Dreien eine solche Gesinnungsgemeinschaft gegen di» Sozialisten herausgebildet, datz man schon von einer neuen Koalition spreche» darf. Wir können die StaatSkris« nur vermeid««, wenn wir verhindern, daß die Deutschnationale« wieder an die Macht kommen.
Abg. Schwerin (Z.): Die Rechtsparteien sind mit langen Erklärungen gegen di« Regierungserklärung aufgetreten. Severing hat im November 1923 die Rheinlonde und damit Deutschland vor dem Untergang gerettet (Lärm recht»). Ihr (zu der Rechten geweidet) Kampf ist auch ein Kampf, gegen Marx und dar gesamte Kabinett. Wir haben die Befürchtung, daß bk Aufrichtung einer deutsch- nationaken Herrschaft in Preußen eine Herausforderung nach dem Westen bedeutet (Betäubender Lärm rechts, Rufe: „Unerhört!") Die Entscheidung liegt bei der Deutschen Volkspartei. 8» wird sich zeigen, ob der stoatspolitische Gedanke oder die Partei- leidenschast den Sieg davonträgt (Lebhafter BeifaU im Zentrum).
Abg. Dr. v. Campe (D. Bp.): Di« Rede de» Abg. Schwerin wimmelt von Entstellungen und zeigt eine Abwesenheit sittlicher Gesichtspunkte, wie sie im Hause nur selten konstatiert werden kann (Stürmischer Widerspruch int Zentrum). Der Abg. Leinert hat von einer Gesinnungsgemeinschaft ge- sprachen, an bi« er selbst nicht glaubt. (Aus einen Zuruf bes Abg. Leinert erwibert v. Campe:) Wenn Sie selbst bowm glauben, dann ist das eine Folge Ihres Nervenzusammenbruchs (Stürmische Pfuirufe bei den Sozialdemokraten und Rufe: Unerhört? Gemeinheit!) (Die Sozialisten verlassen den Saal. Zurufe recht»: Auf Wiedersehen!) Die Linie, die der Ministerpräsident in seinem Programm gezogen hat, gibt überhaupt keine Richtung an. Di« parlamentarische Basi» diese» Kabinetts ist so schwach, datz eS überhaupt kein parlamentarisches Kabinett ist (Sehr richtig rechts). Zu einem etrva- igen Wahlkampf sind wir bereis. Wir können diesem Kabinett nicht vertrauen, hoffen aber, datz cs dem Ministerpräsidenten, wenn auch nach Kampf, noch möglich ist, ein arbeitsfähiges Kabinett zustande zu bringen.
Die Aeikrbesprechung wird aus Freitag vormittag 11 Uhr vertagt. Schluß 5 Uhr.
. denzprozetz . zur Vernichtung der Kommunistischen ^Partei., >
Abg. Ditt mann (Soz.): Die Sozialdemokratie, lehnt die verbrecherischen Kampfmethoden ab, die bi« Anklagebehörde der Zentrale der K. P. D. unterstellt. Die Sozialdemokratie verurteilt Terror und Gewaltanwendung. Ihr gilt das Menschenleben als heilig. Die Methoden des politischen Mordes und der Fehm« sind aber zuerst von den extremen Parteien 6er Rechten in die Politik eingeführt worden. Die Kommunisten bekämpften keine Partei so fanatisch tote bi« Sozialdemokratische Partei. Dennoch müssen wir im Interesse her Gerechtigkeit den Antrag b«S Ausschusses auf Aufhebung der Immunität der Abg. Heckert und Pfeiffer ablehnen.
Die Anträge auf Haftentlassung der Abg. Heckert und Pfeiffer werden unter dem Lärm der Kommunisten gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und 6er Kommunisten abgelehnt.
Um 7 Ähr vertagt sich bas Hau» auf Freitag 10 Uhr. Tagesordnung: Denkschrift der AetchS- regierung über die Ruhrkredite.
Vie Encheukatastrophe vor dem Reichstag.
Es hat sich wieder einmal als recht ftaglich herausgestellt, ob es einen Zweck hat, so schnell nach einer großen und "chwer zu untersuchenden Katastrophe eine besondere Aussprache darüber im Reichstag zu halten. Daß sowohl alle Parteien al» auch die Regierungen tiefste Teilnahme für die Opfer empfinden und daß sie gemeinsam nach Vorbeugungsmittel suchen wollen, ist ja selbstverständlich. Die bisherige Untersuchung über die Ursachen d«s Dortmunder Unglücks, an der auch Reichstags- obgcordnete teilgenommen haben, ist aber noch ob'.? sicheres Ergebnis geblieben. So konnten nach bet 2»berpellationsbegründuugen die Vertreter des Reichstagsministeriums und der Preußischen Negierung auch nicht viel Neues zu dem Thema agen. Bemerkenswert ist immerhin, daß die Spenden für die Hinterbliebenen bereits den Betrag von V/i Millionen überschritten haben. Die veraltete Berieselung sollt« gerade auf der Unglücks- zech« jetzt durch das moderne Steinstaubverfahren ersetzt werden. Die meisten bürgerlichen Parteien gaben denn auch eine gemeinsame Erklärung ab, da» Ergebnis der Untersuchung abwarten zu wollen.
15. Sitzung am 19. Febrnar.
Es wird die Aussprache über die R^ierungS- «klärung sortgcsetzt.
Abg. Pieck (Komm.) fordert die Auflösung tzeS Landtages und legt die Gründe für den kvmmunistischen MitztrauenSantrag dar.
Abg .Falk (Dem.): Wir gedenke» in Trauer ■nb Teilnahme der Bergarbeiter, die einen so jähen und schrecklichen Tod gefunden haben und «warten, daß sofort tatkräftige Hilfe gebracht wird. LaS der Abg. Pieck betgesteuert hat, ist Dema- tzvgie und Agitation. Sehr bedauern wir im Interne der Siedlungsfrage, datz Dr. Wendorff dem ■tuen Kabinett nicht angehört. Von Dr. Marx Nwissen wir, daß er der rechte Mann am rechten Dlatz ist. Er hat das Opfer der Annahme de» MtnisterprästbenteirpostenS gebracht. Er verbürgt «ns da» Festhalten an der Autzenpolitik, demweit- «>r wichtigsten Gebiet der deutschen Politik überhaupt.
Abg. La den dorff (WirtschaftSp.) spricht eben- ^ßalls die Teilnahme seiner Partei an dem Dortmunder Unglück aus und wendet sich dann den Richtlinien des neuen Kabinetts zu. Die W i r t - jchaftltche Vereinigung könnte dem neuen Kabinett Marx ihr Vertrauen nicht cntge-
feie „Qbechessssche Zeitung" erscheint sechsmal wöchentlich. — Bezugspreis monatlich 2 Mark ausschließlich Zustellun-izr«- tzßhr. Durch die Post 2,2a Mk. — Für ausfallende Nummern infolge Streik, oder elementarer «Ereiqntije kein Ersau — Verlag ««Dr.T.Hitzerotd.— Druck derUnio.-Vuchdruckeret von Job. Aua. Koch, Markt 21/23. — Fernsprecher: Verlaq und Seschäft»- ftelle: Nr. 55, Echristleitung: Nr. 666. Postscheckkonto: Ni 5U15 Amt Frankfurt a. Main.
Das Kabinett Marx vor -em Sturz?
Auch die WirtfchaMmiei i« der Sppoiitivn
Der Minnat-Allndal
Berlin, 19. Febr. Unter Eid wird Staatssekretär Dr. Meißner vernommen, 6er aussührte, daß er, abgesehen von einer zufälligen Begegnung, mit Julius Barmat selbst niemals Beziehungen zu ben Barmats gehabt habe. Der Reichspräsident habe Darmat hn Mai 1919 aus politische» Gründen zweimal empfangen. Seit etwa b«R 10. Mai 1919 habe 6er Reichspräsident weder Julius Darmat noch einen Angehörigen dieser Familie wiedergefehen oder sonst unmittelbar Beziehungen zu ihnen gehabt. Sin LiebeSgabeirpaket, >as Herr Barmat einmal an Frau Ebert geschickt hatte, >abe Frau Ebert zurückgehen lassen. Am 9. Mai ieging der Reichspräsident feine Silberne Hochzeit.
Barmat hat eine Aufmerksamkeit übersandt, einen Blumenstrauß oder ehren Blumenkorb und hierfür jat ihm der Reichspräsident mit einer Karte gedankt, tote die- auch in vielen anderen Fällen an andere Persönlichkeiten geschehen ist. Staatssekretär Meißner gibt hierauf eine eingehende Darstellung über das Telegramm BarmatS an ben Abg. Wels und über die Bleistiftnotiz des Reichspräsidenten. Diese Darstellung gibt im wesentlichen bas noch einmal wieder, was Staatssekretär Meißner bereit- ausführlich vor bent Untersuchungsausschuß des Preußischen Landtage- auS- gefagt hat. Der Abg. Krüger, der im Büro de» Reichspräsidenten beschäftigt war, habe unter Miß-. brauch 6er Bezeichnung „Der Reichspräsident" für Angehörige Darmat« schriftlich ein Einreisevisum beim Generalkonsulat hj Amsterdam beantragt. Staatssekretär Meißner erklärt, 6atz eS keinem Zweifel unterliegen könne, baß diese Demarche KrügerS sowie 6t«& Erlaubnis an Darmat, vom Büro deS Reichspräsidenten au8 zu telephonieren, persönlich« Eigenmächtigkeiten waren.
Hierauf wird der frühere UnterstaatSsekretär. jetziger Inhaber einer Oelfabrik bet Stettin, Töpffer, vernommen. Darmat war Tdpsser als LebenSmittU« lieferant bekannt geworden, und da damals tn Deutschland Lebensmittelnot herrschte und Darmat außerdem ein deutschfreundliche- Dlatt tn Holland gründen traute, habe sich Tdpsser für die Erteilung eine- DauervssumS für Barmst eingesetzt. Töpfser verliest dann feinen Dries an den Gesandten Dosen hn Haag, in dem ran intimsten Deziehungen DarmatS zu Ebert gesprochen wird. Töpsser kann die Quelle nicht genau angeben, au- der ihm die Dachricht von solchen Deziehnngm zugegangen ist. Sr vermutet, daß Abgeordneter Heik mann davon gesprochen habe. Im übrigen könne «- sich selbstverständlich bet diesen intimen Deziehungen nur um solche politischer Art handeln. Intimer Bo- ziehungen -um Reichspräsidenten hat sich Darmat Töpfser gegenüber nicht gerühmt. Don fteundschast- sichen Deziehungen deS Reichspräsidenten war fetbft-j verständlich nie die Aede.
Weiterverhandlung Freitag vormittag.
gen bringe», baS für die Verarmung des Mit- jtelstanbeS in Stabt und Land die Schuld trage
preußischen Landtages herrschte nach dem Verlauf Destrig« Debatte der Eindruck vor. daß sich die Gegen- jstitze zwischen ben Regierungsparteien und ben Oppo- t Pionsparteien noch verschärft haben, sodaß für die
KrmMll Landtag
Zu ben Lieblingsworten und -begriffen der deutschen Arbeiter gehört die Solidarität. Das ist gewiß eine gute Sache, aber sie kann durch Mißbrauch eine schlechte »erden. Das bat sich bei manchem roilben Streik erwiesen, der von dummen Jungen angczettell war — tzas zeigt sich auch jetzt bei dem Verhalten des Minister- Utafidenten Marr. Denn alles dreht sich nun um die Solidarität zwischen ihm und Herrn Severing. Die Partei«« nut Rechten wollen Herrn Marr anerkennen Und auf fernem Posten lassen, wenn er sich zu einer an« Deren Zusammensetzung seines Kabinetis entschließt. Garaus laufen die verfchiedenen AnIrage dieser Parteien hinaus. Aber Marr ist eigensinnig und erklärt sich mit Severing solidarisch. Dann ist ihm allerdings kaum «u helfen! — In der Donnerstag-Sitzung war »on den Reden der ersten Serie nur die des Abg. L a > lenborff von Bedeutung. Sie aber um so mehr. Iutbielt sie doch die glatte Absage der Wirt- Ichastspartei an ein Kabinett, dem Severing und Dirtsieter angehören. Die Spekulation auf die offene Ader heimliche Unterstützung dieser Partei ist also zer- Mtnen.
Trotzdem vermochte Herr Man in seiner kurzen ßlede nicht» anderes zu erwidern, als daß er an der Sozialdemokratie festhalte. Er frage nicht nach dem Mrfolge, sonder» nach feiner Pflicht. Verzeihung: Die .Pflicht eines Staatsmannes tst es. Erfolg zu haben. Sonst kann er feinem Lande nichts nutzen. Und diese Möglichkeit wäre ia Herrn Marr gegeben; eine sichere Mehrheit mit christlicher Grundlage stände dem Zen- ’hum zur Verfügung, wenn dieses nur wollte. Dies jmterstrich der Deutschnationale Schlange in einer Münzenden Rede, die sich ebenso durch Diplomatie und Humor wie durch gelegentliche massive Schlagkraft aus-
Die Landtagsfraktion der Deutschen Volkspartei wählt« am Donnerstag vormittag ihren Vorstand für ein Jabr. Zum ersten Vorsitzenden wurde Abg. Dr. v. Campe gewählt.
Die Deutsche Volksvartei und die Deutsch- nationalen haben im Preußischen Landtag zu der Besprechung der Erklärung de» Ministerpräsidenten vom Mittwoch den folgenden Mißtrauensantrag eingebracht: Der Landtag wolle beschließen: Der Landtag hat nach Artikel 57 Absatz 1 der Preußischen Verfassung einzelnen Ministern zu deren Amtsführung das Vertrauen des Volkes auszulprechen. Der Landtag bekundet dieses Vertrauen nicht: t. dein Minister des Innern Severing, dem Minister für Kun», Wissenschaft und Volksbildung Dr. Becker, 3. dem Minister für Handel und Gewerbe Dr Schreiber, 4. dem Finanzminister Dr. Höpker- Alchoff, 5. dem Minister für Volkswohlfabrt Hiettsiefer, 6. bem Minister für Lanbwirtschaft, Domänen und Forsten Steiger unb 7. dem Justizminister Dr. Am Zehnbof.
Der Antrag der K o m m u n i st e n zur Erklärung de» preußischen Ministerpräsidenten lautet: Der Landtag wolle beschließen: Dem Staatsministerium wird das Bettrauen versagt, dessen es nach Artikel 57, Absatz 1 dar Verfassung zur Geschäftsführung bedarf . -
^ttägt fit den 10g«h>. 3elIen*tUlnteiet 0.0S «otömart Amtlich« wtb auswärtige An,«tg«n 0,10 «ol» . geh.Lt io”*e.b Pl-,vottchrift«n»'/. Ausschlag eammelaiyeig«« 100«f, Ausschlag. Neklam«« 0,35 Sold«
ut Rabatt gilt al« Barrabatt und oerraut, rotwn dr« 3 ablang später al» 5 Tag» crfolat »«l«a« merben hete*«t' Aa,kunft vatch dt« ®eld)äftsftelle und Zuseudang bet Angebote. SrfülltmAtt Marburg. 1 öL 3RL = Ito Hat
Li» »«merkenswerter Kommentar.
Mtb. Köln, 19. Febr. Die Kölnisch» Zeitung nimmt in einem sehr bemerkenswerten Kommentar Stellung zu der Regierungserklärung des Ministerpräsidenten Marx. Das Blatt, das bekanntlich der Deutschen Nolkspartei nahestehi, dos aber die Politik dieser Partei nicht immer gebilligt hat, schreibt: „Die Entscheidung über das Schicksal bes Kabinett» Marx ist von der zufälligen Besetzung des Hauses am Freitag abhängig. Die Krise in Preußen wird durch ihren Ausfall in keinem Fall beendet. Sie läuft weiter, bis diejenigen Kräfte, die für eine verantwortliche Mitarbeit im Staat in Betracht lommen, sich darüber geeinigt haben, datz man Parteiinteressen zurückftellen und nur das große vaterländische Ziel verfolgen mutz. Jede Arbeit
! Abg .Wiegerschau» (Nat.-Soz.) beklagt Wkichfatl» das Grubenunglück und fordert zur Ver Gütung ähnlicher Katastrophen geeignete Matzuai,- Den . Er verliest dann eine Erklärung seiner Fraktion, in der es u. a. heißt: Wir möchten darüber »einen Zweifel auflommen lassen, daß wir nicht «ur ein aus der verschleierten Weimarer Koalition Gervorgegangencs, sondern auch jedes andere Kabi- »«tt grundsätzlich ablehnen werden, in Welchem irgendeine Partei der Weimarer Koalition führenden Einfluß hat.
Ministerpräsident Marx sagt zu, alles in der Regierungserklärung . Versprochene durchzuführen. Mber der Landtag müsse freilich dazu helfen, denn ihn komme eS au. Der Gedanke der Volksge- ^neiuschaft solle möglichst Viele an der Regierung Heteillgen. Der Ministerpräsident erklärt bann Weiter: Die Deutsche Bolksparter hat meine Mrage der Rückkehr der großen Koalition verneint, Hie Sozialdemokratie hat sie bejaht. Was bliebe Aun noch übrig? Doch nur der Weg, der von mir .Eingeschlagen wurde, eine Regierung zu bilden, die Pch stützt auf Zentrum, Demokraten und Sozial- ,Demokraten. Wie mau darin eine Provokation sehen ;fenn, ist mir ein Rätsel (Lachen recht»). Da» Kabi- jiwtt läßt sich von Herrn Severing nicht tten- »cu (Beifall in der Mitte unb Lärm recht»). Die Halluug oer Kommunisten zeigt, wie wertvoll ge- «de die Person des Herrn Minister Severing ist
.Nidjneie. Die Linke lobte und schrie. Und in diesem Mone gin« er weiter. Ausfallend scharf war der 3en= iwnisrebner Dr. Schwerin, der Proteststürme auf »er Rechte« aurlöste. Ihm antwortete nicht minder -Deutlich Dr. v. Campe. Die Sozialdemokraten, die Oefchmackloser Weife Herrn Leinert hatten sprechen fafien, verliehen unter Lärm den Saal, als der Volks- »arteilet auf dessen „nervösen" Zusammenbruch Wtelte. Scherben über Scherben. . . .