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AnzejM für (das früher WfW SSerhMa - Amtliches MkündiNmgsblatt des Kreijeö Rarbnkg
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MmIfterprSfitent Marx nimmt an
eine HoheitSverwaltung für di« Eisenbahn.
Der Aelteftenrat beS preußischen Land- tages hielt heute mittag eine Sitzung ab, um insbesondere die Geschäftslage zu besprechen. Minister» Präsident Marx hat mitteilen lassen, dah er die Wahl »«nimmt und am Mittwoch in der auf 2 Ähr an» beraumten Plenarsitzung daS Kabinett vorstellen wird. 6ie Regierungserklärung werde tewa 20 Minuten in slllnsprruch nehmen. Darauf wird der Landtag in eine Hinstündige Pause eintreten, um dann sofort die Be- Iprechund der Regierungserklärung zu beginnen. Am Donnerstag hr6 Freitag soll diese Besprechung fort» gesetzt werden. Am Freitag wird dann am Schlüsse 6er Despr«hu»g die Abstimmung über die RegierungS- tzrklärung KntMnden.
Kraftwagenverkehr und gegen die Wasserstraßen zu unterbinden. Die Abtrennung der ReichSetsenbahn von der Reichsverwaltung wird im übrigen natürlich überaus schmerzlich empfunden. Der Deutsch- nationale Koch-Düsseldorf tadelte die riesigen Spit- zengehälter bei der Reichsbahngesellschaft und die Zusammensetzung deS AufsichtSrateS nach parteipolitischen Gesichtspunkten. Dann wandte sich die Debatte den Einzelfragen zu.
tagt sich auf Mittwoch nachmittag 8 Uhr: Weiter- beratung.
Schluß der Sitzung 6.45 Uhr.
Berlin, 17. Febr. Im Hau»halt«au»- schuß de» Reichstag» wurde ein Antrag angenommen, die Regierung zur Rachvrüfung zu veranlassen, ob die Reichszentrale für den Heimatdienst mit dem Etat der Presseabteilung der ReichSregie- rung verbunden werden könne. Ferner wurde ein Antrag angenommen, der die EtatSsumme für die Reichszentrale und für den Heimatdienst erhöht. Angenommen wurden weiter zum Schluß u. a. folgende Entschließungen: Statt in Boston soll ein neues Konsulat in St. Loui» errichtet werden; die ReichSregterung wird ersucht, in den im Lauf« deS Jahres zu erwartenden Nachtragsforderungen über di« voraussichtlich neu einzurichtenden Missionen neue konsularische Vertretungen in Saratow, Sln- gapore und Czernowitz «inzusetzen.
mann al» Vorsitzenden zu behalten, dessen Ram« tn, Verbindung mit dem Darmat-Skandal etwa- reichlich' oft genannt worden ist. Die übrigen Fraktion«
Der Dow preußischen Landtag zum Ministerpräsi» tzenten gewählt« Zentrumsführer Marx hat am Dienstag dem Landtagspräsidenten zunächst vorläufig mit» geteilt, daß er die Wahl annehme. Den endgültigen Bescheid hat er sich für Mittwoch Vorbehalten. Da lebet bann schon die Landtagssitzung mit der Regierungserklärung stattfinden soll, so kann eS sich jmr um einen formalen Vorbehalt handeln, der wohl dadurch zu erklären ist. daß Herr Mar xvorher noch «inmal persöerlich mit dem Führer der DVP.. Dr. v. Campe, »erhandeln wollte. Sine Aenderung der Situation ist aber hiervon nicht mehr zu erwarten. Vie sozialdemokratische Fraktion hat in ihrem Antwortschreiben an Herrn Marx die Erklärung der Deutschnationalen als Ablehnung einer Bolksgemein» schäft mit Einschluß der Sozialdemokratie bezeichnet Und die Aufstellung eines praktischen Regierungs- Programms gefordert; zugleich macht sie nun auch Mziell bi« Mitteilung, daß die Fraktion sich mit dem Einzigen Minister Vevering im Kabinett Marx begnüge. Der Rechte« wird auch daS schon zu viel fein. Als Vorbereitung ,u dem Kabinett Marx-Severing ist wohl die Entlassung M Polizeipräsidenten Richter «ws dem Dienst anzusehen. Zu spät. Herr Severing! DaS Zentrum revanchiert sich, in dem es nun Öffentlich Herrn »«nge-Hegermann zur Rieberlegung seines Mandates eefforbert.
Sozialdemokratie und die Skandale
Derlin, Die sozialdemokratisch« Fraktion hielt heute nachmittag ein« Sitzung ab, di« lediglich Internen Angelegenheiten gewidmet war. Wi« man hört, ist dabei auch die Frag« erörtert worden, ob es für die Partei erträglich sein wird, weiterhin Herrn Seit»
Befugnisse der Reichsbahngesellschaft seien streng begrenzt und dürften nicht erweitert werden, z. B. durch Angliederung deS Kraftfahrwesens. Eine Monopolisierung des Verkehrswesens durch die Reichsbahn sei nicht zulässig. Ter Redner regt an, den Kraftwagenverkehr auf dem Land« zu erweitern. Die Tarifpolitik müsse sich nach den Bedürfnissen der Volkswirtschaft richten. Die ungebührliche Erhöhung der Beamtenbezüge bei der Reichsbahn könne die Reichsregierung nicht ohne Widerspruch annehmen, weil dadurch die gleichstehenden Beamten der anderen Verwaltungen herabgesetzt würden (Zustimmung). Deutschland müsse in den Weltverkehr wieder eingeschaltet werden. Di« große und lohnende Aufgabe deS BerkehrSmintster» fei «S, jede BerkehrSmöglichkeit herauszuholen.
Abg. Schütz (Komm.) kritisiert scharf bte hohen Gehälter der höheren Eisenbahnbeamten. ES sei unerhört, daß der Generaldirektor Defer nahezu 100 000 Mark Gehalt und fein Staatssekretär 42 000 Mark Gehalt erhalte.
Da» Zentrum habe übrigen» gar kein« Veranlassung, auf die Separatisten zu schimpfen, denn diese separatistischen Bahnangestellten seien fast alle Zentrumsleute. (Widerspruch beim Zentrum). Darauf wird di« Beratung abgebrochen. Da» Hau» der-'
2 8. Sitzung vom 17. Februar 1925
Am Regierungstische ReichSverkehrSminister Dr. Kröhne.
Präsident Löbe eröffnet die Sitzung um 2.30 Uhr. Die zweite Lesung deS ReichShaushaltSplanS wird fortgesetzt. — ReichSverkehrSministerium.
Der Ausschuß fordert u. a. den Entwurf eine» Wasserstraßengesetzes. Ferner ersucht er die ReichS- regierung, der Entwicklung deS Kraftverkehrswesens besondere Beachtung zu schenken. Weiter Torten die BahnhosSbuchhandlungen von Schund- und von Schmutzliteratur gesäubert werden.
Abg. Schumann (Soz.) begrüßte die vom ReichSverkehrSminister in Aussicht gestellte Großzügigkeit in der Gestaltung unsere« Verkehrswesen». Die Sozialdemokraten hätten bei ihren Reform- Plänen stet» Widerspruch gefunden. Dem Luftverkehr müsse jede Förderung zuteil werden. Der Redner verlangt die endliche Fertigstellung de« Mittellandkanals; ebenso wichtig sei der Rhein- Main—Donau-Kanal und der Hansa-Kanal. Er fordert dann Ausbau der Unfallverhütung und den Erlaß einer ReichsverkehrSverordnung. Die Eisenbahn dürfe nicht heruntergewirtschaftet werden, nur um hohe Ueberschüsse zu erzielen. Der Redner behandelt dann die ArbeitSverhättnisse bei der Reichsbahn, die leider kein Musterbettieb fei.
Abg. Koch- Düsseldorf (Dntl.) hat lebhafte Be- denken, ob das neue internationale Regime bei der Reichsbahngesellschaft auch die deutschen WirtschaftS- interessen ausreichend berücksichtigt werd«.
A^. Groß (Zentrum) begrüßt die durch den Staa Vertrag auf dem Gebiete der Wasserstraßen erziel e größere Einheitlichkeit, hält aber eine gewisse Selbständigkeit der einzelnen Staaten bei der Ausnutzung der Wasserstraßen für notwendig. Besonder» wichtig fei auch der Ausbau der süddeutschen Wasserstraßen, da die Industrie In Süddeutschland mit der Heranschaffung von Rohmaterialien große Schwierigkeiten habe. Der Redner bringt dann Wünsche de» Wasserstraßenverkehr-personal» auf Ausscheidung der Frauenarbeit, Bezahlung der .Sonntagsarbeit usw. vor. Der Entwicklung be» Flugverkehrs müsse die größte Aufmerksamkeit gewidmet werden. Al» besonder» wichtig habe sich eine Luftverbindung Stuttgart—Leipzig—Berlin her- auSgestellt. Unverständlich sei e», daß gerade Stuttgart sich bezüglich de» Umleitungsverfahren» auf der Reichsbahn zu beklagen habe. Die Klagen Würt- temberg» in dieser Richtung seien berechtigt. Die VerkehrSstratzen nach dem Süden, in den Schwarzwald hinein, müßten auf da» modernste ausgebaut werden. Vielfach habe man halb ober dreiviertel» fertig« Strecken unvollendet liegen gelassen. Eine solch« Vernachlässigung be» Nebenbahnbaue» sei volkswirtschaftlich verkehrt. Der für diese Sauten vorgesehene Betrag von 10 Millionen Mark müsse erhöht werden. Durch die hohen Tarif« werden die Industrien Süddeutschland» schwer konkurrenzfähig. Die Reichrbahnverwaltung habe die moralische Verpflichtung, die Wünsch« de» Reichstage» zu berücksichttgen. Ein Skandal sei e» auch, daß man die treuen Ruhrbeamten abgebaut hab«.
ReichsverkehrSmlnister Krohn« erklärt sich bereit, die vorgebrachten Beschwerden auf da» Sorgfältigste nachzuprüfen.
Abg. Dr. Glldemeifte» (D.Bp.) stellt et» einmütige Ansicht de» deutschen Reichstage» fest, daß da» ReichSverkehrSministerium erhalten werden müsse. Der Reichstag hab« di« Bedeutung deS Verkehrswesens auch dadurch anerkannt, daß er einen besonderen Berkehrsausschuh geschaffen habe.
Trotz der Verpfändung der Reichsbahn zu Reparationszwecken sei da» Verkehrsministerinm »eiter ~ Die
®et »nxeiaenorei« beträgt fit be« 10 qefv. Zetlenmtülmeter 0.0R Sottunart Amtliche und auswärtige Anzeige« 0,10 ®o(b mark. Bei schwierigem Satz lowie b. PlaUvorichristenSO'l, Ausschlag. Sammelanzeige« 100»/, Aufschlag. Reklame« 0,35 Solbnu Jever Rabatt gilt al, B-rrabatt und verfällt, wenn die Zahlung später al, 5 Tage erfolgt Belege werden berechnet, ebenso Auskunft durch die Geschäftsstelle und Zusendung der Angebote. Erfüllungsort Marburg, 1 G.-Mk. = l0|42 Dollar
Aus TberNu erfahren wir über bte AegierungS» , pildung in Preußen: Die Tagesordnung der heutigen ' kandtagssitzrmg, die nm 2 Uhr ihren Anfang nimmt, «Nthält auch »en Beratungsgegenstand: Entgegen» »ahme eiier Erklärung de» Herrn Mi- '»isterpräktdenten. Wie eS gestern in den Mandelgängen des Landtags hieß, soll Herr Warr ^tatsächlich i» der Sage sein, heut« sein (Sintag»» JIlegen»Ä«blnett dem Hause vorzustellen. Es» . |eert> cn am AegierungStisch neben Herrn Marx Platz vWarnen bte Herren.
, Am Zehnhoff (Justiz).
Hirtsiefer (Wohlfahrt),
Oekonvmierat Steiger, Generalsekretär der Land» wirtschastskammer Hannover (Landwirtschaft),
\ Dr. tzbpker-Aschoff (Finanzen), Schreiber-Halle (Handel und Gewerbe), i Severing (Innere»),
' StaatS'ekreiär Becker (KultuSP.
z Im Anschluß an die Dorstellung 6er neuen Minister wird Herr Marx eine längere politisch« Pro» ,pr a m ut r e b e halten und schließlich die Vertrauensfrage stellen, die nach der Verfassung vom Landtage für die neue Regierung bei einfacher Mehr- Fjtit besaht werben muß. Run spricht man davon.
haß man das Vertrauensvotum in zwei Telle ^»erlegen will/ Herrn Marx al» Ministerpräsidenten Hi auch die Rechte geneigt, ihr Vertrauen zu erteilen, !frn Ministern aber wollen die Rechtsparteien — ebenso Natürlich auch die Kommunisten — da» Vertrauen kckht bekunden. Damit wird Herr Marx bei Abschluß .ter Debatte auf dem gleichen Standpunkt togetangt fein, auf dem er feit seiner Wahl am 10. sDrbruar stand, er wird sich aber dann doch dazu ent» : schließen mässen, insbesondere auf feinen Kandidaten Severing zu verzichten.
. Das taktische Vorgehen der Fraktionen wirb erst t m Bauffc be» heutigen Mittwoch» festgelegt Gerden, für gestern hatten lediglich die Sozialdemv- leateic eine Uraktionssitzung anberaumt. Am späteren Skachmittag trat gestern außerdem der Aeltesten- ;t«t zusammen, um über die Geschäftslage zu beraten. I®er bisherige geschäftsführende Ministerpräsident .®taun wird sich im Laufe des heutigen Vormittags ;von ben Beamten seines Ministeriums verabschie» ’6en, unb ber neugewählte Ministerpräsident Marx wird die Geschäfte der preußischen Regierung übernehmen.
Stolfthtt RMSto»
Aus V-« Reichstag.
Da» wichtigste Ereignis geschah am Dienstag bn Reichstag hinter den Kulissen: der Austritt be» Abgeordneten Lange-Heegermann au» der Partei und Frattion de» Zentrum». Aber die bereits en 9. Februar an ihn ergangene Aufforderung des Fraktionsvorstande», fein Mandat ntederzulegen, hat ber Abgeordnete nicht befolgt. Gezwungen kann «t dazu von niemandem werden. — Das Hau» setzte in aller Ruhe die Besprechung über den Etat be» Verkehrsministerinm» fort. Die Erklärung be» Minister» Kröhne vom Tage vorher, daß «r eine großzügige BerkehrSpolttlk treiben wolle, fand allgemeine Zustimmung, und der Sozialist Schu- ‘ mann ermahnt« den Minister besonder», nunmehr bte Konkurrenzmanöver der Eisenbahn gegen den
M« DteihtWH*« Bettung* erfrfieinl |e*»mal wöckentlt». — Bezugspreis wumetli» 2 Mark ausicklteßll» ZuNeuung,^ &bt" Tur* «it Bost 2 2o Mk. — Für ausfallende Nummern Infolge Streiks ober elementarer Ereiqnltse kein ErsaT -TV L. j*
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" * jient: Nr. 55, Schrtitleltung: Nr. 606. Postscheckkento: Nr öulä Amt Frankfurt a. Manu
verteilt werben nach einet gerechten Einschätzung bei Grundwert». Wenn von den teuren Fürstenhäusern ge> sorochen wirb, so müssen wir fragen, wie kiekt es in de« heutigen modernen Republiken aus? Di« Frag«, wat bester war, will ich gar nicht untersuchen (stürmisch« -Beifall). Di« Republik hat Männer hervorgebracht, di« zwischen Partei und Staat nicht unterscheiden könne«, und diese Männer wurden zum Svielball dunkler Finanzkräfte. So ist da» todkranke Deutschland schließlich da» Opfer einer ungeheuren Leichenfledderei gerortiei (Itbb. Beifall). Es ist Zeit, daß das deutsche Volk sich seine Versastung ansieht unb Maßnahmen ergreift, um unter Umftänben eine Regierung, voll ber Selhstverant- wortung unb völlig entzogen ben Einflüssen materieller Interesten, sicherzustellen. Der Rebner wenbet sich gege» die Angriffe ber Wirtschaftsvartei im Wahlkampfe. Wenn unsere Arbeiter mal selbst bte Augen aufmache« werben, bann werben sie vielleicht ein gewiste» Verstäub- nis bafür haben, warum bei französische Sozialist Daudet einmal gesagt bat: „Ich liebe die deutschen Sozialdemokraten, beim ich wünsche Deutschland die Pe Del Redner kritisierte scharf die deutsche Auslandsvolitik. Wenn der Franzose Angst bat vor einem d>.utsch-n Ein- fallkrieg, und die Angst ist echt, dann ist es die Angst bei schlechten Gewissens. Der Räuber weiß, baß seine« Opfer auf bte Dauer nur Selbstvernichtung ober Frel- heitskampf bleibt. Heute fragt niemand in der Welt, was deutsches Recht ist, und darum gilt es vor alle«, daß das deutsche Volk seinen guten und ehrlichen Name« in aller Welt wiederherstellt (stürmischer Beifall).
Die Versammlung sang das Deutschlandlied, woraus Halhmrier C o r d e-s -Kirschlinteln als Vertreter bet Bauernschaft sprach.
Es folgten noch einige Ansvrachen. Mit einer Kunb- gebung des Vorsitzenden des Österreichichen Landbunde», Nationalrat Dr. Schönbauer-Wien, der den großdeutschen Anschlußgedanken feierte, und nach einem dreifachen Hoch auf das deutsche Vaterland wurde die Versammlung geschlossen
In der Parallelversammlung des fünften Reichs- landbuRdiages im Admiralspalast hielt der Reichstagsabgeordnete Hepp CD. SB. P.) das Sauvtreferat. Auch der Admiralspalast mar über und über mit schwarr-welb- roten Fahnen geschmückt und auch hier wurde von bet riesigen Menge den Bannerträgern des Junglandhunde» brausender Beifall gespendet. In großen Zügen bewegt« sich die Rede des Abg. Hepp in der Richtung der rom Grafen Kalckreuth in der Hauptversammlung im Große« Schauspielhaus gehaltenen. Hepp führte u. a. aus, dem gegnerischen Ausland gegenüber möge bei unserer Tagung rum Ausdruck kommen, daß wir wohl uns beste« bewuhtjinb, baß wir als besiegtes Volk Kriegstribut }« zahlen 'haben, baß bte beuische Landbevölkerung aber einig ist mit ber Gesamtheit ber deutschen Voltsgenosten, niemals die Lüge von der Kriegsschuld ansuerfennep. Ebensowenig wirb das deutsche Volk den Raub seiner Gebiet« anerkennen unb e» wird dafür eintreten, daß denjenigen Deutschen, die jetzt gezwungen sind, außerhalb der deutschen Grenzen zu wohnen, der Heimweg in» Reich von keiner außerdeutschen Macht verwehrt werb«« darf. Alle Hoffnungen, bi« deutsche Sozialdemokraten, Demokraten unb verschiedene Strömungen des Parisis- mus in ben Versailler Vertrag gesetzt haben, seien i« nicht» zerflossen. Die ausländischen sozialistischen Bewegungen träten im entscheidenden Moment immer für ihr 8anb ein. Auch bte internationale Hochfinanz, insbesondere die jüdische Hochfinanz, ist immer nur darauf bedacht, ihr eigenes Säckel zu füllen. Die weitgebenbe« Hoffnungen, bte an bas Dawes-Gutachten geknüpft worben sind, haben fick bis heute noch nicht erfüllt. Wir erwarten von ber Reichsregierung, daß sie in Zukunft nichts unterzeichnen wirb, was irgendwie bie Ehre be» deutschen Volker weiter antastet. Die Weimarer Bei- fastung ist für uns nicht so heilig ,baß wir sie nicht reformieren könnten. Nur einzelne verantwortliche Persönlichkeiten sind imstanbe, uns aus unserem heutige« Elend berau5$uführeiL Die Rtesenskanbale bet letzte» Wochen haben gezeigt, baß beroorragenbe Vertretet einet antikapitalistischen Partei bann, wenn es sich um persönliche Vorteile bandelte, sich höchst kapitalistisch gebärden konnten. — Der Deutsche Landbunb hat sich seiner nationalen Aufgabe nie entzogen und nie von Sonber- wünschen unb Sonderinteressen gesprochen, vielmehr feine berechtigten Forderungen lediglich im Rahmen ber gesamten wlrtschastsvolitischen Lage Deutschlanbs vertreten. Er erkennt uneingeschränkt seine Pflicht an, bte brutsche Volksernährung zu sichern. Der Landbund fordert aber gleichmäßigen Schutz der gesamten nationalen Produktion. Insbesondere fordert er Schutz der deutschen Viehzucht, der deutschen Milch-, Fleisch- und Fettvrodukt« sowie des deutschen Korn- und Weinbaues Dabei mut eine Politik getrieben werden, die gar nicht weitsichtig genug sein kann. Bei dem Abschluß von Handelsverträgen müsten die deutschen Vertreter bedenken, daß e» mindestens ebenso im Jntereffe des Auslandes liegt wi« in dem Deutschlands, bie Handelsbeziehungen wieder aufzunebmen. Verträge wie der deutsch-spanische Handelsvertrag find ein Schulbeispiel bafür, wie Handelsverträge nicht abgeschlossen werben können. In bet Steuerpolitik müsse bte Leistungsfähigkeit bes einzelnen Betriebes maßgebenb fein. Unter stürmischem Beifall erklärte Hevv, baß ber Reichslanbbund sich zum Kampf gegen ben Marxismus mit bet» deutschen Handwerk unb dem Mittelstand« verbinden müste.
Berlin, 17. Febr. Hier trat heute unter starker Beteiligung von Landarbeitern aus alle» Ländern des Reiches der 1. Landarbeiter- t a g zusammen. Nach dem Aufmarsch der Fahne» des Bundes eröffnete der deutschnationale Reichs« tagsabgeordnete Giese- Charlottenburg die Tagung und begrüßte die Erschienenen, insbesondere oie Vertreter Danzigs und Deutsch-Oesterreichs. Von Behörden mann u. a. da« preußische Landwirtschaftsministerium und das deutsche Relchs- ernahrungsmtnistertum vertreten.
Ser Fünfte RMAmMÄla- teet am Montag mittag in Verbindung mit dem Rtichsiunglandbund »u seiner fünften Tagung im Großen Schauspielhaus iu Berlin zusammen. Die Beteiligung war so grob, daß neben der Versammlung in dem 10 000 Personen fastenden Großen Schauspielhaus noch zwei Parallelversammlungen stattfinden mußten. Die Bühne war mit großen schwarz-weitz-roten Fahnen geschmückt, ebenso das Rednerpult. Um 11% Uhr erfolgte der Aufmarsch der Träger der Fahnen und Banner de» Junglandbundes, weit über hundert an der Zahl, bie, von stürmischem Beifall begrüßt, auf der Bühne Aufstellung nahmen. Der Präsident des Reichslandhundes, Graf v. Kalckreuth, eröffnete bie Tagung, indem er zunächst dem Fugendlandbund weitere» Blühen unb Gedeihen wünschte. Er begrüßte sodann die Presse unb die zur Tagung erschienenen Ausländsdeutschen. Sodann widmete et den im Lause des letzten Jahres Verstorbenen, Dr. Rösicke, Helsserich und Ferdinand v. Lochow (Petkus), einen warm empfundenen Nachruf. Hierauf hielt der erste Vorsitzende des Brandenburgischen Landbundes, Nitolaus R ost i n , ein« Begrüßungsansprache. Unter lebhaften Pfuirufen der Versammlung wies der Redner unter anderem daras bin, daß der .Ponvärts" Hindenburg mit Haar- n*ann verglichen habe. Der Mittelstand lebe und sterb- mit der Landwirtschaft, unb diese wolle ihn schützen und ihm helfen. Würde der Mittelstand auf eine eigene Partei binarbeiten ,bann müßten bie Landbünbler sich eben mit dieser Tatsache ahiinden.
. Nachdem bie,5a6neuttägejr »u ben Parallelvetsc mm langen abmarschiert waren, erhielt das Wort Herr n Oldenburg-Janus chau, bet ausführte, er »reue sich, hier auch einen Minister zu sehen, (Reichr- «inährungsmtnister Graf Ä a n 16 ist anwesend). Hie sei bie Stelle, wo bas Herz bes deutschen Landwirtes schlage. (Ein altes Soldaienberz werbe bock bewegt, wenn man hier ben Aufmarsch ber Fahnen sehe, geführt von iugenblichen Händen. Unseres SBaterlandes Ausbau beruhe auf unserer Jugend (Beifall). Die Zukunft werde nut be^er werben können, wen« bas, wa» wir verehrt unb geliebt habe«, wieher auferftehe mit unserem brutschen Vaterlanb (stürmt,cher Beifall). Er münsche bet Versammlung einen großen unb schönen Erfolg auch nach außen bin (stürmischer Beifall).
Präsident Graf v. Kalckreuth sprach "über bie wirtschaftliche Lage. Die Lage der Landwirt- sckaft im Jahre 1924, so führte et au», kann man geradezu als katastrophal bezeichnen. Wenn es uns nicht gelingt, im Laufe der nächsten Monate eine wesentliche Aenderung herbeizuführen, bann wirb 1925 lut viele Landwirte das Jahr werden, in dem fie der Scholle ihrer Sätet Lebewohl sagen müssen. Wir solle» uns in einet £anierunosliife befinden. Dieses Wort stammt von Herrn Reichsbankvräfidznten Dr. Schacht. Eaniett mit bet neuen Rentenmark bat sich zunäckn bte Reichsbank, bie hohe Zinsen fordert und saniert hat sich das Reich auf dem Gebiet der Steuer. Wenn der neue Reichskanzler gesagt bat, daß Deutschland weiterhin bte soziale Fürsorge fördern werde, so ist iu hebenfen, baß diese Fürsorge von der Wirtschaft ahhängt, unb die Gesundung der Wirtschaft hängt davon ab, daß jeder einzelne Berufsstand, Unternehmer wie Arbeiter, seine Pflicht erfüllt. Die erste unb wichtigste Aufgabe ist bie aktive Gestaltung unserer Han- belsbtlatu, insbesondere durch Herabsetzung der Ausgaben für Luxuswaren und solche Waren, die in -der Hcimt hergeitellt werden können. Die Pflicht der Land- mirtschaft sei es, unser Volk durck Bearbeitung der eigenen Scholle vom Auslande unabhängig zu machen. Dazu sind wir fähig, aber man muß uns auch die witt- schaftspolitische Möglichkeit dazu schassen. Unsere Jn- bustrievrobukte genießen Schutzzoll, wäbrenb für die Landwirtschaft reihcmdel unb sogar eine Ausfuhrbeschränkung ihrer Produkte besteht. Wenn jemand be- beoauptet, es sei richtig, für Industrie Schutzzoll unb für Landwirtschaft Freihandel zu treiben, so muß er auch den Mut Haben, zu sagen, baß bie brutsche Jnbuitrie allein unser Volk ernähren kann. Wir fordern für uns den Zoll der Vorkriegszeit. Die Einfuhr von Aofelwein unb Weintrauben ist ein Luxus für bas deutsche Volk unb ein umso größerer Luxus, wenn in Deutschlanb bie Aepfel unb Birnen auf ben Bäumen verfaulen, weil sie ben Pflückerlohn nicht mehr einbringen. Wir brauchen «u, > keine französische Seife unb französischen Kognak, unb bie Einfuhr von französischem Mehl ist ein birekter Verrat am brutschen Arbeiter. Der Dawesvlan hat uns nicht bie geringsten politischen Erfolg« gebrockt. Wir brauchen nur bie (Einfuhr von Rohstoffen. Wenn wir noch nicht tn ber Lag« find, da» Volk mit unserer eigenen Kraki ,u ernähren, bann wollen wir Futtermittel beretnholen, aber nicht Gefrierfleisch unb Fett. Die Stärkung des Jnnenmattts ist bas Heil ber Zukunft. „H^t bet Bauer Gelb, so hat'» bte ganze Welt." Die Lanbwirtschaft braucht Krebite unb barunt verlange t wir, baß bie kommenbe Agrar-Rentenhank ein Institut in bet Hanb ber Canbwlrt« wirb unb nicht ein Institut, dessen Verwaltung in bet Hanb bes Staates liegt unb damit in zweiter Linie In den Händen Barmats. Die Landwittschatt ist mündig genug, es selbst zu verwalten. Der Reichslandhund begrüßt es. baß bie Aufwertung
nunmehr tnbgülftg gelöst werben soll, wir erwarten, baß bte Losung berart erfolgt, daß ben landwirtschaftlichen Bedürfnissen und der sozialen Gerechtigkeit in -____
gleichem Umfang« genügt wirb. Die Steuern müfien treten morgen vormittag zu Sitzungen zusammen.