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Marburg o. L, SirnSlag, den 17. Februar

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Anzeiger für (das Mer knrWWe) SberhMn - Amtliches BerkündigungZblatt des Kreises Mnrbimz

Sie JD6erNeIU*e 3«itun|erl4etnt |ed>»tnal wöüientll». - kezugspiel, meeetli» 2 Mark aasickMetzltch Zustillunir,- lhr. Durch bie Post 2,25 Mk. Jfli ausfallende Stummem infolge Streik» oder elementarer (Eteigniife fein (Etfos. Ä:rlag M Dr.L.Sit,er»td.-Druck der Univ.^uckbruckerei von Job. Aua. Koch, Markt 21/23. - ^erniorecher: «etlag unb Geschäfte stelle: Nr. 55, Schriitleitung: Nr. 666. Postscheckkonto: Str äui» «ml Frankfurt a. Main.

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i Sir ArgirrunMilbuns in Mußen

! Die Dinge in Preußen haben sich nun dahin Entwickelt, Satz mit dem Zustandekommen einer Negierung Marx bestimmt gerechnet werden fcttnn. 6te wird ungefähr folgendes Aussehen haben: Marx wird das Ministerpräsidium beklei­den, Justiz- und Wohlfahrtsministerium werden wie bisher tn den Händen des Zentrums sein. Dazu wird das Zentrum in dem Reichstagsabgeordneten Oekonomierat Steiger den Landwirtschafts- Minister stellen und außerdem einen Staatssekre­tär im Kultusministerium erhalten. Die Demokra­ßen werden das Kultus-, Finanz- und Handels­ministerium besetzen. Die Bemühungen Marx', Mit der Wirtschastspartei zu einem Uebereinkom- men zu gelangen, haben deshalb nicht zum Ziele geführt, weil die Wirtschaftspartei Severing Dtnerseits und H i r t f i e f e r andererseits für un­tragbar erklärte. Das Innenministerium wird in den Händen Severings verbleiben, der aber nach Herrn Marx nur als B e r b i u n g s m a n n (!!) einer Partei in der Regierung bieibt. Dabei weiß ßedes Kind, daß das System Severing eben für die enberen Parteien untragbar ist. Die Sozialisten wissen ganz genau, weshalb sie nur Severing haben wollen. Er ist der Mann, der die Berwal- pmg mit Parteisozialisten durchsetzt hat und weiter durchsetzen soll. (Siehe Polizeipräsideiit Richter!) Wie lange das Ministerium Marx bleiben wird, teilt demnach dahin, obwohl die vereinigte Linke in Drohungen sich nicht genug tun kann, man werde besonders das Zentrum!) auch im Reiche nicht «ehr mitmachen, wenn in Preußen Marx gestürzt werde. Man sieht, welchen Wert die Linke auf Levering legt und welche Befürchtungen sie vor Neuwahlen hat, gerade unter dem Zeichen der bkandalel Ob die Rechte sich ihren Wünschen pgt?!

MarxStegerwald.

sich die sozialdemokratische LandtagS-

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Nachdem

ßraktio« gu dem Entschluß durchgerungen hat, auf einen zweiten Vertreter im Kabinett MarxSeve- ling zu verzichten, scheint die Regierungsbildung tn Greußen Fortschritte zu machen. Man nennt die demokratischen Minister Dr. Hoepker-Aschoff (Fi- »anzens und Dr. Schreiber (Handel) und den Zen- trumsman» Dr. Steiger als Nachfolger de? abge- fögteH demokratischen Landwirtschaftsministers Wen- borff. Nur ist noch immer nicht klar, mit welcher Mehrheit Herr Marx eigentlich regieren will. Das «tue Kabinett braucht ein ausdrückliches Vertrau­ensvotum fflr jeden einzelnen Minister! So steht ei in der preußischen Verfassung. Herr Stegerwald dom rechten Zentrumsflügel hat denn auch schon lebe Hoffnung ausgegeben und in einer Rede in Köln al» letzten Ausweg die Aenderung des parla­mentarischen Regierungsfhstems gefunden. Wie er da» meint, ist nicht ganz klar. Man sieht auch Nicht ein .warum das Zentrum nicht, wie eS doch feine geheiligte Tradition ist, mal mit der Linken ttnb mal mit der Rechten gehen kann. Im Reich hot eS doch soeben diesen Wechsel vollzogen. Und z»r Zeit ist wirklich kein Geschäft mit der So- zialdenwkrotie zu machen. Selbst im roten Brann- fchweig haben die Gemeindewahlen eine Verschiebung «ach recht» gebracht. Auch hat sich da wieder ge­zeigt .dcrtz die Demokraten als Anhängsel der Sozi- Wen nichts mehr zu bedeuten haben. Der anter- jschled ist wirklich geringer als der zwischen der Deutschnationalen und der Deutschen Bolkspartei.

Marx sucht weiter.

Die Vorbesprechungen zur Regierungsbildung in Preußen haben auch im Laufe des gestrigen Bor- Wittag» keinen Fortschritt gebracht. Die Frak­tionen de» Landtages, von denen allein die Sozi- «ldemokraten gestern eine Sitzung abhielten, wer­den erst am Mittwoch zusammentreten. Immer­hin soll Herr Marr die Hoffnung noch nicht aufge- eeben haben, bereits am Mittwoch dem Landtage fein Kabinett vorstellen zu können. Der Führer der Deutschen Vrlkspartei, Abg. Dr. v. C.ampe, ist gestern abend wieder in Berlin eingetroffen und wird heute mit Herrn Marx, wie auch anderer­seits mit den Dcutschnationalen die Fühlung auf- «ehmen.

Berlin, 16. Febr. Die sozialdemokra­tische Landtagsfraktion hat dem Ministerpräsident Dr. Marx mitgeteilt, daß sie heute mittag beschlos fen hat, sich an dem zu bildenden Kabinett mit kevering als einzigem sozialdemokratischen Mini­ster trotz schwerer Bedenken wegen dieser nicht aus­reichenden Vertretung zu beteiligen.

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AeuMer Reichstag

Der Artikel 48.

Im Reichstag hat es am Sonnabend einen Kon- Ctkt gegeben, da die Sozialdemokraten sich über le Abwesenheit der Minister beschwerten, denen fie ihren Antrag auf Aushebung der Verordnung des Reichspräsidenten vom 29.1.25 vorlegen woll­ten. Es handelt sich da um die weitere Regelung des Verbots von selbständigen Anleihen der Ge­meinden unb ber Gemeindeverbände ohne Zustim­mung des Reichsfinanzministers. Die Sozialdemo- iraten sind fachlich mit der Verordnung einver- ßanben, beanstanden aber formal, daß diese Ange­legenheit durch Verordnung des Reichspräsidenten geregelt worden fei, obwohl ber Reichstag tagte. Um Montag hatten sich benn auch gleich Awei Neichsminister im Reichstag eingefunben, um über dieses Problem zu sprechen. Finanzminister von Dchlieben legte bie Gründe bar, weshalb die Re- stterung es so eilig gehabt habe, unb Innenminister

Str Sag drf Landvolks

Schiele ging mehr in staatsrechtlichen Auseinander­setzungen auf die praktische Anwendung de» Ar­tikels 48 ein. Es konnte ja nicht bestritten werden, daß da» Vorgehen des Kabinetts ungewöhnlich und mit dem Sinn ber Reichsverfassung schwer zu ver­einbaren war; aber Regierung unb Parlament werden noch gemeinschaftlich einen Modus finden müssen, um sehr eilige Ausgaben ganz schnell unb ohne Aufenthalt gemein^aftlich zu erlebigen. Mi- nifter Schiele kündigte einen Gesekesvorschlag über die Ermächtigung der Reichsregierung zur Vor­nahme eiliger Handlungen an, und das Hau» be­ruhigte sich bann auch allmählich ob biefer Aus­sicht. Dann wandte es sich dem Etat de» Reichs­verkehrsministeriums zu.

General v. Seeckt ritt dort aber nicht. Wir kamen r» der Ansicht, datz General o. Seeckt dort garnicht reifes und gaben die weitere Beobachiung de» Tattersall» auf.

Sie dmtM Ostmark

ES Ist warm anzuerkennen und zu begrüßen, da tzder Reichskanzler Dr. Luther mit seinen Be- suehen tn West- und Süddeutschland sich sofort aufgemacht hat, um zu den Bewohnern der beut« scheu Ostmark zu sprechen. Die Eröffnung bet stO- messr in Königsberg bot natürlich nur ben äuße­ren Anlaß zu der großen Rede, bie weit über dtn Rühmen einer Ausüerlungsuusprache hinaus- giitg. Früher nannten wir Posen unsere Ostmark. Wenn wir jetzt Ostpreußen unb den "lest West­preußens zu verzeichnen, dann erhellt darau» der gewaltige Rückschritt, den un» ber Räuberspruch von Versailles aufgezwungen hat. Die schweren, zähen Deutschen, die dort jenseits be» unsinnigen polnischen Korridor- wohnen, haben mindesten» so stark wie die Brüder in den besetzten Gebieten das Gefühl ,daß manim Reich" nicht genügend Ber- ständntS und Anteilnahme für ihre Nöte aufbringen. Die schöne und warme Kanzlerrede wird ihnen eine Herzensfreude gewesen sein und sollte die Auf­merksamkeit aller Deutschen auf die unhaltbaren Verhältnisse im Osten verschärfen. Dr. Luther konnte selbstverständlich nicht zu deutlich werden; aber wir dürfen seine Worte» die sich gegen die unmögliche Regelung der Weichselgrenze richten» und sein Versprechen, auf eine Besserung ber »»unnatür­lichen Grenzoerhältnisse" immer bebacht zu fein, in weiterem Sinne verstehen; wir wollen fie auf das ganze geraubte Grenzlanb» auf den Korridor und auf die herrliche deutsche Stabt Danzig auS- dehnen. In diesem Zusammenhang gewinnen auch die außenpolitischen Sätze der Kanzlerrede beson­dere Bedeutung. Gute Beziehungen zwischen Ruß­land und Deutschland bleiben erstrebenswert trotz der Sowjetherrfchaft, die sich vorläufig noch hält, die aber autzcnpolilisch ander» zu bewerten ist al» inner- politisch. Die Bolschewiki sind ja nicht Pazifisten, sondern Rationalisten. Darum haben auch die Polen solche Angst vor ihnen; und die Warnung Dr. Luthers an ihre Adresse, die Rechtlosmachung der Deutschen nicht zu weit zu treiben, wird einen gewissen Eindruck machen.

Die Zolltarifnooell«.

Herr Neuhaus, ber neue Reichswirtschafts­minister, ist auf ber Königsberger Ostmesse zum ersten Male mit einer programmatischen Rede vor die Oeffentlichkeit getreten. Dabei kündigte er bie Novelle zum Zolltarif an, bie in ber nächsten Zeit dem Reichstag zugehen werbe, unb svrach ben Wunsch aus. baß bie Vorlage nicht zum Anlaß inneren politischen Streites gemacht werben möchte. Leiber ist ja bereits von ber Sozialdemokratie ge­gen diesen Wunsch erheblich verstoßen worden, ob­wohl es doch sederman klar fein sollte, daß die Reichsregierung zur Weiterführung der Hanbels- vertragsverhandlunaen eines besseren Zolltarifs­instruments dringend bedarf. Zumal den Franzo­sen gegenüber, bie mit immer neuen Erhöhungen ihrer Tarifpositionen kommen, ist nur auf btefem Wege etwas "ju erreichen. Minister Neuhaus hat ja auch biefen Gesichtspunkt in Den Vorbergrunb gestellt unb bie Einzelheiten, insbesondere bie Höhe bes Getreibezolls, offen gelassen. Im übrigen finb Kampstarife nicht dazu da, um tm allgemeinen angewandt zu werden, sondern zum Austausch.

Sei Prozeß «gen die ..SMlsche $Wtr

Leipzig, 14. Febr.

4. Tag.

Sn der heutigen Sitzung wird di« Vernehmung de» Angeklagten Neumann fortgesetzt.

Zunächst wird die Abschrift eine» Bericht» von Neu­mann an Helmut verlesen. Er verlangt darin eine Er» bödung seine» Monatsetats um 300 Dollar auf 901 Dollar. Der bisherige Betrag von 600 Dollar reich» nicht aus zur Aufrechterhaltung des Apparats der D Gruvoe, in der 6 Genossen tätig seien. Neumann ton nicht sagen, ob das Orioinal eines von Neu» abgeschrst denen Berichts an Helmut gegangen sei.t habe ab» im Sinne dieses Bericht» mit Helmut eesprochen.

Beit. Rechtsanw. Märschner findet e» auffällig, bei blei Imtnei KbWiiften produziert weiden. Da» sei toi unvoisichtig tn einei Illegalen Organisation, wo solch Abschriften leicht zum Beträtet werben konnten. D« lebe im Wibetsvtuch tu der sonstigen Praxi». E» seiet nych nicht einmal Quittungen ausgestellt worden.

«ngekl. Neumann bezeichnet di« Anfeittoung t:t Ab- chtisten al» «ine Vorsichtsmaßregel seinen Vorgesetzten n bet Partei gegenüber. Bel bem immer etwa» ge­nannten Verhältnis zu Helmut haoe et, Reumann, eliu gewisse Deckung gebraucht.

E» kommt bann ein Artikel Sinowiew» m Be» leluna. der in Deutschland noch nicht gedruckt war, aber den deutschen Funkionären bet Ä. P. D. zr'c'cmdt wurde. General v. Seeckt wirb barln al»deutscher ^oltschak", al» größte Eeiabi für die deutsche Reovblik ut .as revolutionäre Pr letariat bezeichnet, während die Hitler, Wulle und Gen. ole lächerliche, kleinbürger­liche Spaßmacher abgetan werden. Seeckt, Ebert und No»ke seien nut verschiedene Spielarten de» Faschismus. Ebert könne ohne Seeckt» Duldung nicht einen Tag iw Amt bleiben.

Angell. Reumann bat die llebeisetzung diese» Ar­tikel» von Heinz Neumann bekommen, der ste von der Parteizentrale erkalten baden will.

Lors.: Sie sollen nach dem EHeitern des ersten Plane» versucht baden, General v. Seeckt tm Tattersall zu erschießen.

Angekl. Reumann: Ich hab«, um mich zu infor­mieren, die Tribüne de» Tattersalls einmal besucht.

in bas Bilb gekommen durch bie Iugenblichen, biß mit ihren Fahnen einherzogen unb beste Hoffnung, gen auf ben länblichen Nachwuchs erweckten. Duß erst» Generalversammlung bes Iunglanbbunbe» war mit ber fünften Tagung be» Reichslanbbunb», vereinigt. Am Montag, oem großen Tage bet Hauptversammlung, mußten bie Fahnenträger ae verschiebenen Stellen parabieren, benn kein Saal Berlins war groß genug, um bie Menge ber Land, wirte zu fassen. Im Aomiralspalast, in der Komi­schen Oper wurden Nebenversammlungen abgehal­ten, da der riesige Raum de, großen Echa-spiel- hause» sehr bald wegen Ueberfiillung geschossen werden mutzte. Hier war der LondwlMMaftsmint» ster Graf Kanik zugegen und wurde höflichst be­grüßt, roa» auf eine erfreuliche Aussöhnung bei Landwirte mit diesem aus der deutfchnationale» hiartei ausgetretenen Minister schließen läßt. Hiei hielt auch der Präsident be, Reichslanbbunbe« Gras Kalchreuth bie Hauptrebe, bie große Begei­sterung erweckte, nachdem da« besondere Zwischen­spiel mit dem alten Lcmdbündler v. Olbenbura- Ianuschau unter Beifallsstürmen vorübergerauscht war.

Der Reichslandbund vermeidet jetzt noch mehr al, früher den Schein, als ob er einseitige Partei- Politik triebe. Schon die Tatsache, daß der anders Präsident, Herr Hepp, der im Abmiralspalast sprach, Mitglieb ber Deutschen Volkspartei ist, be­weist bie breitere Grundlage, auf der sich ber Bund erhebt. Freilich ist damit nicht gesagt, daß diese große Fachorganisation der Landwirte sich nur auf Berufsfragen beschränken wollte, und die Politik ganz außer Acht ließe. Da» wäre auch in ber Tat unnatürlich. Der Reichslanbbunb hat sogar eine befonbere innerpolitische Forderung ausgestellt, bis bereits von bem Vorstand in einer Entschließung formuliert unb von bem Grafen Kalckreuth in sei- ner Rebe vertreten wuroe: Die Forberung nach einer zweiten Kammer im Reich, bie ber Allein­herrschaft bes Reichstags ein Enbe machen soll. Die­se» Problem ist ja nicht neu, unb es wird, da auch das Kabinett Luther sich grundsätzlich zu einer Re­form der Reichsverfassung bekannt hat, in der näch­sten Zeit noch viel erörtert werden. In irgend einer Weife muß zweifellos die Omnipotenz des Reichs­tags eingeschränkt werden, wenn wir zu einer steti­gen Politik gelangen wollen. Eine solche Politik wünscht auch ber Reichslanbbunb in erster Linie. Er ist nach ben Worten seines Präsibenten bereit, auch Kohs Steuern zu zahlen, wenn dafür ein« Wirtschaftspolitik getrieben wirb, welche bie Pro­duktion fördert unb nicht hemmt. Er verlangt zu biefem Zweck bie Wiebereinschaltung ber lanb» wirtschaftlichen Vorkriegszölle in demselben Um­fang unb in betreiben Höhe, in ber bie Industrie, zolle der Vorkriegszeit wieder eingeschaltet sind. Ferner fordert er die Wiederkehr ber Sicherungen gegen Einschleppung ausländischer Seuchen, mit wir sie vor bem Kriege batten. Daß bie LanbwirtS in ber Außenvolitik eine streng nationale Haltung wünschen, ist ja selbstverständlich.

Im übrigen geht durch bie Verhanblungen ber« selbe frische Ton, 6er bie Vorkriegsverhandlungen auszetchnete. Man scheut sich nicht, bie Dinge beim rechten, b. h. berben Namen zu benennen rot« hier üblich. Die Verhanblungen sinb aber vom allergrößten Interesse schon weil auf unserem Lanbvolk mit in erster Linie bie Zukunst Deutsch­lands beruht. (Bericht folgt morgen.)

Sitzung vom 16 Februar.

Arn Regierungstisch: Innenminister Schiele, Reichsfinanzmnister Dr. v. S ch I i e b e n.

Präsident L ö b e eröffnet die Sitzung um 3,25 Uhr unb macht Mitteilung von einem Telegramm der Tschechoslowakischen Deputiertenkammer an­läßlich ber Dortmunber Grubenkatastrophe. Der Präsident teilt weiter mit, daß die Ruhrdenkschrist der Reichsremerung eingegangen sei. Auf Vorschlag des PräsibenUn wirb ber in ber letzten Sitzung ge- faßte Beschluß, für bas deutsch-portugiesische Han­delsabkommen imb bas deutsch-österreichische Zu- satzabkommen einen besonderen Reichstansaus- schuß einzusetzen, wieder aufgehoben. Soweit ans- ländische Angelegenheiten berührt werden, sollen die Vorlagen im auswärtigen Ausschuß beraten werden; im übrigen sollen fie in bem bereits be. stehenden Hanbelsvertragsausschuß ihr« Elebi- gung finden.

Die Beratung bes Antrags Müller -Franken (Soz.) auf Aufhebung ber Verordnung bes Reichs­präsidenten über Aufnahme von Auslandskrediten durch Gemeinden und Gemeinbeverbände unb ben in dieser Frage eingebrachten sozialdemokratischen Gesetzentwurf wird fortgesetzt. Die Beratung würbe bekanntlich am Sonnabenb infolge ber Nichtan« Wesenheit eines Ministers unterbrochen.

Reichssinanzminister Dr. v. S ch l i e b e n be. dauert, daß er wegen dringender Geschäfte an ber Sonnabendsverhandlung nicht teilnehmen konnte. Der Minister geht bann auf die sozialdemokratische Beschwerde ein, daß diese Materie auf bem Ser« orbnungswege geregelt worden fei. Bereits im November 1924 fei eine Verordnung über di« Auf­nahme von Auslandskrediten erlassen worden. Erst Stifte Dezember fei es dann gelungen, mit sämt­lichen Ländern eine Einigung über Die Richtlinien zu erzielen. Nicht aber in allen Ländern stehe ben Aufsichtsbehörden ein entscheidender Einfluß auf die Gemeinden unb ©emeinbeoerbänbe zu. Ins­besondere unterlägen in Preußen unb Sachsen bie öffentlichen Verbände nur einer bestimmten Auf­sicht. Bi» Ende Januar konnte damit gerechnet werden, daß bis zum Ablauf ber Verorbnung am 31. Januar von Preußen unb Sachsen bie entfpre- chenben Gesetze verabschiebet würben. Infolge ber preußischen Schwierigkeiten in ber Regierunpsbil« bung wurde diese Hoffnung aber hinfällig. Auch in Sachsen entstanden unerwartete Schwierigkeiten. Um bie unter großen Schwierigkeiten zustande ge­kommene Einigung nicht wieder zu gefährden, hatte bie Reichsregierung auf Wunsch einiger ber Länder von einer reichsgesetzlichen Regelung abge­sehen. Die Verordnung war notwendig, um ein Ausbrechen einzelner Gemeinden zu verhindern. Es war von vornherein beabf'*tigt, sie sofort wie­der aufzuheben, sobald bie gesetzaeberische Rege­lung erfolgt war..

Reichsinnenminister Schiele erklärt im ein­zelnen bie Anwendung bes Artikels 48, ber ben Reichspräsibenten ermächtigt, bie notroenbigen Maßnahmen zu treffen, wenn bie deutsche Sicher­heit und Ordnung erheblich gefährdet wirb. Es handelt sich bei biefen Verordnungen um solche, auf wirtschaftlichem und finanziellem Gebiet. Unter dem Druck der politischen unb wirtschaftlichen Lage mb infolge ber Unmöglichkeit, ben Weg ber ordenf- lichen Gesetzgeb""-' einzuhnlten, finb einzelne sol­cher Verordnungen unerläßlich gewesen. Es han­delt kick besonders um Maßnahmen, die zur Äus- rediterhc!tung ber Stabilität unserer Wirtschafts- nnb Finanzverhältnisse unverzüglich notwendig waren. Wären diese Verordnungen nicht erlassen worben, so wären schwere Schäden zu befürchten gewesen. Der Minister kündiat einen Gefetzenf- wurs an, burch ben ber Reichsregierung unter be­stimmten Kauteln,ein Notoerorbnungrecht für btt Dauer der Abwesenheit bes Reichstags «geben wirb. Der Entwurf liege bereits dem Reichskabi- nett vor. Zweifelsfragen beziehen sich vor allem auf bie Re-^te ber Lünber. Es barf angängig er­scheinen, ben Ländern in Fällen, bie ausschließlich bas Laub selbst betreffen, mehr Spielraum zu lassen.

Di» Anträge gehen bann an ben Haushaltsaus­schuß.

Das Reichsverkehrsministerium: Die zweite Le­sung bes Haushaltsplans wirb fortgesetzt. Hierzu liegen noch zahlreiche Entschließungen unb An­träge vor. Ein Antrag Dr. Q u a a tz (Deutschn.) sorbert bie Reichsregierung auf, bahin zu wirken, daß bie Deutsche Reichsbahngesellschast in ihrer wirtschaftlichen unb Rechnungsführung burch ben Rechnungshof nachgeprüft wirb unb so verpflichtet wirb, ihre Wrtfchastsvorschläge für Personal unb Materialbeschaffung unb Verwenbung bem Reichs­tag mitzuteilen.

Eine Entschließung Dr. Ouaatz (Deutschn.)' fordert bei der Eisenbahn- unb Postverwaltung die Bevorzugung deutscher Erzeugnisse vor Auslands- waren.

Eine Entschließung Dr. Scholz (D. Vpt.) ver­langt, baß ber Ausnahmetarif für Elfen unb Stahl zur Ausfuhr über See minbestens um 50 Prozent ermäßigt wird.

Eine Entschleßung Dr. Q u a a tz (Deutschn.) wünscht eine Denkschrift über bie Eisenbahnunfälle.

Abg. Schultz. Bromberg (Deutschn.) fragt, ob bem Wunsche bes Ausschusses Rechnung getragen worben sei unb ob ein Vertreter ber Reichseisen­bahngesellschaft anwesenb sei.

Reichsverkehrsminister Dr. K r o h n e erklärt, baß' er biefem Wunsch ber Reichsbahngesellschaft mitgeteilt unb baß er bie Antwort erhalten habe, baß ber Verwaltungsrat nicht in ber Lage sei, einen Vertreter zu ben Reichstagssitzungen zu entfenben istürmisches Hört, hört!), weil bann Schwierigkei­ten von anberer Seite gemacht würben. (Erneutes Hört, hört!) Er sei aber bereit, einen Vertreter zu ben Ausschußsitzungen zu schicken.

Abg. Dr. Quaatj (Deutschn.) berichtet dann über bie Ausschuhverycmblungen.

Reichsverkehrsminister Dr. K r o h n e gibt dann einen Ueberbli* über bie Aufgaben seines Mini­steriums. Die bisherige Wasser ft raßenpoli- t i k werde fortgesetzt werben. Sollten sich Schwie­rigkeiten in ben Tariffragen ergeben, so werbe sich zeigen, baß man mit einem starren Prnizip nicht burchkärne. Alle Verkehrsmöglichkeiten müßten zusammengefaßt werben. Die Länber müßten be- ruhigt werben über bie Wahrung ihres Lanbes- intereffen. Um bie Begriffsbestimmungen im Luftverkehr werbe jetzt gekämpft. Man werbe hoffentlich einsehen, baß man im Luftverkehr ohne Deutfchlanb nicht auskommen könne.

Darauf wird bie Beratung abgebrochen.

Ein kommunistischer Antrag auf Freilassung bes Abg. Thälmann (Komm.), wirb an ben Ge- schäftsorbnungsausschuß überwiesen.

Das Haus vertagt sich hierauf auf Dienstag Nachmittag 2 Uhr.

-^ Wieber einmal freut sich Berlin an ben frischen .esichtern unb kräftigen Gestalten, bie zu Tausen­den zusammengeströmt sinb, um an ber Iahres- tagung bes Reichslandbunbes teilzunehmen. Ein ___________________________

neuer unb besonders erfreulicher Zug war bicsmal | Siotgie» hab« bei bet elften (Etcrtermig be» «tt-ntat«.