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Marburg a. L, Mittag, beo 16. Febr
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Str Negiemngöblt-ung in Mußen
Um die Kabinettsbildung in Preußen wird noch W» zum letzten Augenblick schwer gerungen. Um tte Deutsche BolkSpartei mürbe zu machen, hatte Gie „Germania" am Freitag einen fulminanten Ar- tttel loSgelassen, worin sie Pech und Schwefel auf tas Haupt jener Partei herabbeschwor, wenn sie «richt den Wünschen des Zentrums sich füge, die Mrise werde dann auch wieder das Reich erfassen. Wie „Seit" hat jedoch ruhig darauf erwidert, daß Man mit solcher „Erpresserpolitik" nicht weiter kom- Men werde. Am Sonnabend wurden die Chancen he» Herrn Marx sehr verschieden beurteilt. Die einen meinten, er gebe die Partie schon verloren, Pie andern dagegen erklärten die verschleierte LinkS- Poalition für perfekt. Tatsächlich ist wohl der ßcharfe Dorstoß des linken Zentrums darauf zu- Rückzuführeu, daß Herr Marx nach dem vorher- Desehenen Scheitern der „Volksgemeinschaft" durch- MlS den Plan durchsetzen will, ein Kabinett aus ■entrum und Demokraten unter Beibehaltung des Dachministers Severing zu bilden. Die Bespre- <u ngen hierüber scheinen bereits weit vorgeschritten C sein; die Erklärung der Sozialisten über ihre eoretische Bereitschaft zu einer Volksgemeinschaft Haben nur noch partettaMschen Wert. Aber man Mill offenbar, wie bei den letzten Wahlakten, wieher die gefaßten Beschlüsse bis zum letzten Augen- Nick verhüllen und dann eine Ueberrumpelung vor- »ehmen. Sie wird jedoch kaum glücken. Daß die Wirtschaftspartei nach dem „Fall Richter" sich mit «fitem Verbleiben SeveringS auf dem Posten des Innenministers abfinden könnte, dünkt uns unwahr- Hheiulich. Von der Deutschen Volkspartei kann »an da» keinesfalls erwarten. Die „Zeit" fchlägL •m Sonntag morgen unverbindlich vor, auch in Wreußen den parteilosen Weg zu versuchen. Geht Herr Marx auf diesen Vorschlag nicht ein, so ist »ach der bisherigen Haltung der Volksparteilichen HandtagSfraktivn mit deren entschiedener Opposi- Non zu rechnen.
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ff. Berlin, 16ö Febr. Die Antwort der Weutschnationalen auf die Anfrage des preußischen Ministerpräsidenten Marx, ob die Deutschnatio- Aalen sich an einem Kabinett der Volkögemeiu- ßchaft beteiligen »vollen, hat Marx von dem Bor- Mhenden der LandtagSfraktion der Deutschen Volks- W»rtel, Dr. v. Campe, an den die Antwort wei- Mr gegeben wurde, gestern von diesem laut -Zeit" die Antwort erhalten, daß seine Fraktion eerelt sei, eine Regierungsbildung auf der Grund- Mge der deutschnationalen Erklärung zu unter» Pützen.
Berlin, 15. Febr. Der preußische Minister- riäfident Marx hatte gestern mit den Sozial» «mokraten eineBesprechung. Wie es scheint, Mt es stch dabei insofern auch um die Frage eines Kabinetts der Bolksgemeinschaft Gehandelt, als die Sozialdemokraten zu dem Ant» »ortschreiben der Deutschnationalen Stellung ge- »ominen haben.
Tatsächlich ist der Gedanke eines solchen Kabi» Wits von dem Ministerpräsidenten bereits aufge» Weben worben. Herr Marx beabsichtigt, wie wir Heren, am Mittwoch mit einem fertigen Kabi, »ett und einer Erklärung vor den Landtag zu treten. Die Zusammensetzung des Kabinetts steht »ohl auch schon in den Hauptzügen fest. Dem Kabi nett wird Severing wieder als Znnen- »inister angehören. Staatssekretär Becker wird Kultusminister. Die beiden Demokraten H ö p k e r- Wschhoff und Dr. Schreiber übernehmen die Ministerien des Handels und der Finanzen. Hirt» 'liefet bleibt Wohlfahrtsminister ■■■ ■- <i; > Besetzung des Landwirtschaftsministeriums soll Herr Marx, wie es heißt, in aussichtsreichen Dsr- Handlungen mit dem Generalsekretär Steiger Per Hannnoverschen Landwirtschaftsverein« stehen. Steiger ist Angehöriger des Zentrums.
Berlin, 14. Febr. Zur Frage der Kabinetts- Pilduua in Preußen verlautet aus parlamegtari- kchen Kreisen, daß Dr. Marx heute mittag eine Besprechung mit den Sozialdemokraten Hatte. Die Sozialdemokraten hätten erklätt, daß pe auf die Anregung zur Bildung eines Kabinettes Per Volksgemeinschaft dem Präsidenten eine schriftliche Antwort erteilen würden. Für die Hal- lung der Soziaioemokraten sei die Erklärung Crßgebend, die im Dezember verflossenen Jahres i der Kabinettsbildung im Reiche Hermann Mül- fer abgegeben habe. Grundsätzlich seien die So- tioIbemoRraten bereit, auf die Anregung zur Bil- Pung einer Volksgemeinschaft einzugehen. Eine ßndgültige Klärung wird vor Mittwoch nicht zu erwarten sein. Für Montag haben die Sozialdemo. Graten eine Fraktionssitzung einberufen. Die ande- ren Fraktionen werden erst am Mittwoch vor der Plenarsitzung zusammentreten.
Berlin, 14. Febr. Der „Germania" zufolge Rt der frühere Reichsfinanzminister Hermes n Eintritt in das neuzubildende preußische Kabi- •ett, der ihm bereit» am Montag angeboten wurde, «bgelehnt.
Berlin. 16. Febr. wie der „vorwärts" be- richtet, hat der erweiterte Bezirksvorstand Berlin der Sozialdemokratischen Partei in der gestrigen Sitzung den Anträgen «ufAusschluß de» ehemaligen Reichstagsabge- Prdneten Bauer au» der Partei einstimmig Hugesttmmt.
Deutscher Reichstag
24. Sitzung vom 14. Februar.
Am Regierungstisch Kommissare. Präsident 56b e eröffnet die Sitzung um 1.20 Uhr.
Das deutsch-polnisch« RechtOabkom- m e n, da» deutsch-polnische VormundschaftSabkom- men. das Wirtschaftsabkommen mit Oesterreich und da» vorläufige Handelsabkommen mit Portugal »erben dem zuständigen Ausschuß Überwiesen
Der Gesetzentwurf über die Todeserklärung von Kriegsverschollenen wird in erster und zweiter Le- sung angenommen. Bei allen Kriegsverschollenen soll künftig al» Todestag ein gesetzlich festgeleglet Tag angenommen werden und zwar der 10. Ian. 1 9 2 0, der Tag de» Friedensschlüsse».
Die Vorlage über die weitere Zulassung von Hilfsmitgliedern im Reich-patentamt wird angenom* men.
Ein Antrag Leicht (Bayr. Bp.) über die Au». gleichSzulage für die bei der Eisenbahnregiever. Wallung beschäftigt gewesenen Arbeiter wird dem HauShaltSauSschnß überwiesen.
Anträge der Sozialdemokraten und Demokraten über Maßnahmen zugunsten der infolge de» passt- ven Widerstande» au» den besetzten Gebieten auSge- wiesenen Personen werden dem Ausschuß für die besetzten Gebiete überwiesen.
Ein Antrag Leicht (Bayr. Bp.), wonach im Reichsbahngesetz festgestellt werden soll, daß der Ber- waltungsrat au» höchstens .32 Mitgliedern bestehen darf und wonach jede Reichstagsfraktion ein Mitglied stellen darf, wird dem BerkehrsauSschuß über- Wiesen. ,
25 Anträge, die Besoldungsfrage betreffend, gehen an den tzauShaltSauSschutz.
Da» höhere Schulwesen: Zur Beratung gestellt werden dann Anträge Dr. Scholz (D. Vp). Mummm (Duil.), Müller-Franken (Soz.l und Koch (Dem.), die den Lehrgang der höheren Schulen betreffen.
Abg. Löwenstein (Soz.) nennt e» ein dauerndes Verdienst der Nationalversammlung, daß sie wenigsten» ein Gesetz auf dem Gebiete der Kultur- fragcn zustande gebracht habe, nämlich da« Grund, schnlwesen. Der Redner fordert die Bildung eine» ReichSkulturrate». Der Klassencharakter müsse beseitigt werden. Der Redner verlangt die vierjährige Grundschule, auf der sich dann die achtjährige höhere Schule aufbauen solle. Die Sozialdemo, kratie werde die soziale Schule erzwingen.
Abg. Dr. Philipp (Dntl.) wendet sich gegen die Verkürzung der Schulzeit in der höheren Schule. Er fordert ein Gesetz zum Schutze der neunjährigen Schule. Mit den Schulexperimenten müsse man jetzt aufhören. In Hamburg sei der Versuch der achtjährigen Schulzeit vollkommen gescheitert. Begabte Kinder müßten die Möglichkeit haben, nach drei Jahren Grundschule zur höheren Schule überzugehn. Das bedeute keine Standesschnle. Die Begabung mache keinen Unterschied zwischen arm und reich. Demokratischer Schematismus sei hier nicht angebracht.
Abg. Dr. Runkel (D. Vp.) erklärt, die Deutsche Volkspartei stehe durchaus auf dem Boden der Grundschule. Der Redner tritt gleichzeitig dafür ein, daß die Möglichkeit "geschaffen werde, die Grundschule auch in drei Jahren zu absolvieren. Vier Jahre lang begabte Kinder in der Grundschule festzuhalten, bedeute eine Versündigung an der Seele dieser Kinder. Die Endscheidung oder die Ueberführung in die höhere Schule werde ja nicht don den Geldbeutelbesitzern, sondern vom Lehrerkollegium getroffen. Darum werde der Gewinn eines Schuljahre» auch der Arbeiterklasse Nutzen bringen.
Staatssekretär Schulz betont, daß man über alle diese Fragen erst mit den Ländern in Verbindung treten müsse. Außerdem werde sich zur Kostenfrage auch der Finanzminister zu äußern haben. •
Abg. Frau Lang-Brumann (Bahr. Vp.) erklärt, Bayern wolle die alte Vorschule nicht mehr und trete für Beibehaltung der vierjährigen Grundschule ein.
Abg. Dr. Götz (Dem.) hält ein Rahmengesetz für notwendig, um ein Zersplittern de» Schulwesens zu vermeiden. Die Schulhoheit der Länder werde dabei nicht angetasteck werden. Wenn den Ländern höhere Schullasten aufgebürdet würden, müßte da» Reich dafür aufkommen. Auf der Grundschule lasse sich die Begabung der Kinder noch nicht übersehen. Der Redner fordert Schaffung eine» Lehrplan», der eine abgeschlossene Bildung für einen praktischen Beruf ermöglicht.
Abg. Rheinländer (Ztr.) fordert, daß ein einheitlicher BildungSgedanke das ganze Schulwesen vom Kindergarten bi» zur Universität durchdringe. Ob die Grundschule mit drei oder vier Jahren auf die Dauer betrieben werde, müsse die Erfahrung lehren. Vom Standpuntt der religiösen Erziehung würde die Auflösung oder Differenzierung der Grundschule zugunsten begabter min- der nur die Aufgabe der konfessionellen Schule sein. Dazu könne da» Zentrum feine Hand nicht bieten. An der neunjährigen höheren Schule sollte man vorläufig nicht rütteln. Der Redner for- bett, daß die Regierung auf dem Gebiete der Schulreform mehr Initiative entwickle.
Abg. H ö r n l e (Komm.) fordert Herabsetzung der Klassenfrequenz und Verbesserung der Lehrmethode. Schulpolitik und Weltanschauung seien nicht zu trennen.
Sämtliche Anträge werden daraus dem Bi!» dungSauSschutz überwiesen. 9t folgt Beratung des sozialdemokratischen AnttageS auf Aufhebung der Verordnung be» Reichspräsidenten über die Aus.
nähme von Auslandskrediten durch Gemeinden und Gemeindeverbände. Die rechtSgüttige Aufnahme von Krediten im Ausland« soll mit Zustimmung de» Finanzminister» gestattet sein.
Abg. Geck (Loz.) bedauert, daß durch den Erlaß der Verordnung bte Recht» be» Reichstage» geschmälert worden feien.
Abg. Dr. Wirth (Z.) stellt fest, daß bet dieser wichtigen Beratung kein Regierungsvertreter anwesend sei. Al» er selbst noch Reichskanzler gewesen sei, hätten die Herren von der Rechten immer protestiert, wenn die Minister nicht vertreten waren.
Abg. Müller-Franken (Soz.) beantragt mit Rücksicht auf die Abwesenheit deS Finanzminister» die Absetzung d«S Gegenstände«. Da» Han» beschließt demgemäß und Dertogt sich auf Montag 3 Uhr: HauShatt de» BerkehrSministerium».
Au» dem Haushaltsausfchuß de» Reichstage».
Berlin, 14. Febr Im Haushaltsausschutz des Reichstage» wurde der Etat de» Auswättigen weiter besprochen. Gras Lerchenfeld (Bayr. Vpt.) billigte die Tendenz des Auswärtigen Amtes, Paßschwierigkeilen nach Möglichkeit zu be- fettigen. Hinsichtlich der Ordens- und Titel- frage erklärte er, dah die Zuständigkeitsfrage zwischen Reich und Ländern Schwierigkeiten zeiti- gen könnte. Auf die Frage des Abg. Wieland (Dem.), ob zwischen dem Auswärtigen Amte und dem Reichswirtschaftsministerium nicht eine Zwischeninstanz, etwa in der Gestalt eines Reichskommissars für Handelsriertragsangelegenheiten zweck, mägigerweise einzuschieben wäre, erwiderte Außen- üninister Dr. Stresemann, dies würde eine Krästeverschwendunq darstellen. Das Auswärtige Amt müsse bei den Handelsvertragsverhandlungen die Führung behalten, da hier nicht nur wirtschaftliche Fragen, sondern auch Probleme der großen Politik berührt würden. Gerade jetzt, wo Deuttch- land machtpolitische Faktoren nicht mehr in» Treffen führen könne, liege die letzte Möglichkeit in einer wrnünftigen Außenpolitik.
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Ser Prozeß gegen Nt „SruiM Met»
3 Tag.
Es wird di« Vernehmung Neumanns fortgesetzt.
Dors Ni ebner: Di« Terrorgruooe bat, da waren wir stehen geblieben, auch Sorengstoffe im Besitz gehabt.
Angell. Neumann' Jawohl, eines Tages sagte mir Morgies, er hätte Sprengstoff beschlagnahmt, der aus dem Rheinland gekommen und für den Waffenleiter oon Berlin-Brandenburg. Maner, bestimmt sei. Diese Sendung habe der Verbindungsmann beim Reichs- waifenleiter Willi Puschelmannn im Besitz. Die Sprengstoffe wurden nach Rücksprache mit Maner ter T-Eruppe zur Verfügung gestellt Es handelt« sich um 6 Pack Eosll, 7 Kilogramm Sprengladung. Zündschnur usw. Diese Sprengstoffe verpackte ich mit einer Schrillenfolge „Vom Bürgerkrieg" zusammen in einer Kiste, die später in meinem Keller gefunden wurde. Die Schriften hatte ich von dem Leiter der Abteilung „Bibliothek" Karl Friedberg erhalten.
Sßorf.: Hat die T-Gruvve nicht auch einen Kraftwagen in Besitz gehabt? —
Angell Neumann: Nein, ihr ist auf meine wiederholten Vorstellungen bei Helmut, daß die organisatorischen Mittel zur Durchführung ihrer Aufgaben fehlten, ein Horch-Wagen zur Verfügung gestellt worden und zwar durch Vermittlung des Mitgliedes der M-Ab- teilung Otto Franke.
Auf die Frage nach der Besoldung der Eruvpen- mitglieder antwortet der Angeklagte Neumann: Der Wochenlohn betrug zuletzt 60 Jl, dazu kam für iie Verheirateten, die illegal getrennnt von der Frau leben mußten, eine besondere Trennungszulage.
Vors.: Bet Ihrer Verhaftung ist Ihnen u. a. ein an ben damaligen Cbef der russischen roten Armee Trotzki gerichteter, nicht abgesandter Brief abgenommen worden, der von Ihnen der Lu diktiert worden ist. In dem Brief wird die Notwendigkeit betont, neue Kamvf- methoden anzuwenden, vor allem den persönlichen Terror. Neumann berichtet dann über seine Tätigkeit beim Aufbau der Terrorgruppen und führt Beschwerde über bie mangelhafte Unterstützung durch den Fünfer- kovf, die sich besonders deutlich bei dem geplanten -eeckl-Attentat gezeigt habe. Der Brief trägt keine Unterschrift.
Der Vorsitzende geht dann auf den Attentats« olan gegen Seerft ein und fragt, von wem der Auftrag erteilt worden sei.
Angell. Neumannn: Kurz vor Bußtag 1923 sagte Helmut, die erste Ausgabe meiner Gruppe sei die Erledigung des Generals v. Seeckt, für die er uns eine 3rift von zwei Monaten stellte. Er meinte dabei, es 'ei noch eine andere Eruvoe mit demselben Auftrag betraut. Ich hielt das aber für Schwindel, der nut gemacht wurde, um mich anjufpnmen. Helmut sagte, die Erledigung Seeckts lei vom Fünferkovf beschlosien worben. Dem Fünferkovf gehörte u. a. an: Brandler, Ruth Fischer, Thälmann und der Russe Arvid. Bei den Be- chrechungen in der Gruppe schlug Helmut vor, Bomben ,'ür das Attentat zu verwenden. In Rußland würden 'ehr gut« Bomben angefertigt, er wollte von dort Bomben besorgen. Es wurde bann aus einem Heft bet ..Berliner Illustrierten Zeitung" ein Bild des Generals v. Seeckt ausgeschnitten, damit die Eruvvenmilglieder sich die Gesichtszüge einvrägen konnten. Wir beobachteten das Reichswehrministerium, um zu ermitteln. Ju welcher Stunde v. Seeckt das Gebäude verläßt. Zunächst war nur Neus außer mir beteiligt, dann kam voege von Leipzig, den ich schon kannte. Auf meine Veranlassung trat er bet T-Etuppe bei. Er wurde von mir wie alle übrigen Mitglieder verpflichtet. Ich sagte ihm weiter, daß unsere erste Aufgabe die Erledigung v. Seeckts sei.
Vors.: Haben Eie ihm gesagt, was Sie unter „Erledigung" verstehen, nämlich beseitigen? -
Angell.: Nein. Das wurde überhaupt nicht gesagt.
Auf weitere Fragen des Vorsitzenden und bet Verteidiger erklärt der Angeklagte, Helmut habe ibm ausdrücklich gesagt, daß v. Seeckt getötet werden müsse, den
übrigen Gruppenmitgliedern gegenüber tat Neuman» aber nut von „erledigen' gesprochen.
Hebet die wetteren atteniolseotbetek langen sagt Reuwonn aus. Wir ermittelten, daß General v Seeckt immer frühmorgens einen Soasieo ritt im Tiergatten unternahm. Unsere Beobachtungen, wann Seeckt da» Webrrnrnistetturn regelmäßig verlief biteben ergebnislos. Poege, Reue und ich versuchte» weiter, mit den Pferdeburschen des Generals in Verbindung zu kommen. Das gelang uns jedoch nicht. Rach acht Tagen schied Neuß wegen Erkrankung von beu Beobachtungen aus. Gr bat sich seitdem nicht mehr aw den Arbeiten beteiligt
Bors.: Hatten Sie da schon einen bestimmten Platt für die Erledigung des Generals v. Seeckt?
Angell. Reumann: Sein, wir waten uns wohl flbet das Ziel einig, aber noch nicht über die Art der Mu* fübiung. Es trat dann Frostwettet und leichter Schne* fall ein. General ». Seeckt hatte deshalb schon fein» Morgenritte eingestellt. Ursprünglich wollten wir auf meinen Vorschlag den General bei seinem Ritt im Tiergarten vom Pferd schießen. Dieser Vorschlag war vou den Belelligte» Neu», Ezon uno Pocge auigenommen worden. Nach dem Ausscheiden von Neus und dem Eintritt des Frostwetters wurden die Beobachtungen oen mir, Poege, Heinz Neumann. Szvu und Grabowsk» fortgesetzt. Als dann das Froftwetter einletzte, habt ich zu Poege gefügt, v. Seeckt würde l i diesem Wetter gar nicht mehr im Tiergarten reiten, und ich batte auch kein Interesse mehr an der Ausführung des Planes. Ich muß jetzt folgendes sagen: Ursprünglich bestand bei mir die feste Absicht, General v. Seeckt auftragsgemäß zu erledigen. Ich bekam jedoch im Laufe der Zeit moralische Bedenken Diese verstärkten sich derartig, daß ich nachher Abstand von der Tötung nehmen wollte. Da ich jedoch andererseits verpflichtet war, meinen Auftrag durchzuführen und et nicht wagen durfte, an Helmut 6erauäutreten und zu sagen, daß ich es nicht mache» wollte, habe ich einen Plan vorgeschlagen, der tatsächlich nicht durchgeführt werden konnte, weil i i innerlich überzeugt war, daß wir General v. Seeckt nach Eintritt des Frostwetters überhaupt nicht mehr im Tiergarten treffen würden und unser ganzes Vorhaben o.. leer» Demonstration verlaufen würde. Nach^ diesem Plan sollte Grabowskv mit einem Rabe am Reichswehrmini» sterium warten, bis General v. Seeckt bas Eebäube verließ. Dann sollte er mit bem Rabe zum Tiergarten XEd» Bellevuestraße fahren, wo S»on wartete. Szon sollte dann mit einer Autodroschke die Charlottenburger Allee herunterfabren bis zu einer Stelle, wo ich warten wollte. Ich wäre bann zurückgegangen unb batte mich mit Heinz Neumann unb Poege getroffen. Die hätten eine bestimmte Stelle aufgesucht, bie General v. Seeckt passieren mußte. Eie hätten ihn burch eine Salve cus dem Gebüsch vom Pferbe geschoßen unb wären bann zu der Stelle geflüchtet, wo das Auto hielt. Dann wären wir mit dem Auto gemeinsam in der Richtung Char- lottenburg gefahren.
Vors.: Sie sagen, der Plan war von Ihnen nicht ernst gemeint, weil General v. Seeckt nicht mehr ausritt. Wenn er es nun doch eines Tages getan hätte?
Angekl.: , Dann hätte ich bas Atientat baburch vereitelt. baß ich mit dem Auto nicht zu Heinz Neumann unb Poege gefahren wäre. In biesem calle hätten bie beiben nach ihrer bestimmten Jnstrukiio - nicht unter» nehmen bürfen.
Vors.: In ber Voruntersuchung haben e davon nichts gesagt.
Angekl. Neumann: Ich habe in bet Voruntersuchung mit ganz bestimmter Absicht nichts vorgebrachi, was mich entlasten konnte. Wäre nämlich bamals schon in ber Partei bekannt geworben, daß ich gar ni r’t ernstlich den Attenkatsvlan durchführen wollte, dann hätte man mich als Spitzel betrachtet und mich rielleichi im Untersuchungsgefängnis durch eine Nabrungsmitlelsen- dung erledigt. Schon im November 1923, als ich noch in der Vattei tätig war, schrieb mit ein Leipziger Ge» noffe, ber jetzige Reichstagsabaeorbnet» Max Strotz«^ er fei erstaunt, daß ich noch lebe. Nach ben Ausführungen, bie Helmut in einer Oberleitungssitzung über wich gemacht habe, hätte er bas kaum angenommen. Ich erinnere mich auch einer anbeten Sitzung, in der gesagt wurde, ein mecklenburgischer militärischer Führet ber ‘Rortei, Anbets, sei nicht ganz zuverlässig. Darauf meinte jranbler zu Helmut: „Dann muß man ben Mann über den Haufen schießen!" Bei meinen ge» fvannten Bezi-b^'naen zu Helmut burfte ich es nicht wagen, ohne weiteres von meinem Posten zurückzutreten. Meine Verpflichtung ging auch babin. ^aß ich btes nut mit Zustimmung bet M-Lettung, also Helmuts, tun durfte. Da ich in so viele Geheimnisse bei Partei ein» "eweibt wat. hätte mich Helmut sicher in beleihen Weise erledigen lassen, wie es mit in Bezug auf ander« aufgetragen war.
Vors.: Haben Eie von Ihrem inneren Vorbehalt, Seeckt nicht zu töten, Ihren Genossen Mitteilung ge» macht?
Angekl. Neumann: Ich glaube zu Poege davon ge» fprochen zu haben.
Angekl. Poege: Einige Tag« bevor bet Plan Be» krochen wurde, batte mir Neumann gesagt, daß da» Attentat keinen Zweck haben würbe da der General bet hem Frost nicht mehr reifen würde. Auch ich hatte dttse Vermutung und faßte das Attentat nicht ernst auf.
Nach einigen weiteren unwesentlichen Ausführungen wird di« Verhandlung auf Sonnabend 9 Uhr vertagt.
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Stk Normal < Skandal
Berlin, 14. Febr. Der Reichstaasunter- uchungsausfchuß für die Kreoitaffä» ren hat nach längerer Gefchäftsordnungsdebatte beschlossen, die nächste Sitzung am 19. Februar ab- Inhalten mit der Tagesordnung: Fortsetzung der Beweiserhebungen über den Komplex Barmat, Auswättiges Amt und Reichsvräsident. Dazu sollen geladen werden: Staatssekretär Meißner, der rühere Staatssekretär Töpfer, der ehemalige Leaa. tionssekretär bei der deutschen Gesandtschaft irr Haag Käfter, der frühere Ministerialdirektor in der Nachrichtenabteilung des Auswärtigen Amtes. Prof. Wiedenfeld-Leipzig, Gesandter v. Rosen uni Hermann Müller, der Dezernent des Auswärtiger Amtes, der Auskunft zu geben vennag über bi» Ersetzung des früheren Mitgliedes der deutschen Gesandtschaft im Haag Graf Paffenheim. Abge< lehnt wurden die Anträge betreffend die Ladunx Heilmanns und Fimmens. Die Frage der Vernetz-