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Rr RegiemMMung in Preußen

V" risterpräsidenl Marx?

Die preußische Regierungskrise ist einen Schritt vorwärts gehumpelt. Nachdem Landes­hauptmann viorion abgelehnt hat wie es heißt, weil er kein Blankoakzept von der D. V. P. erhal­ten konnte, soll der Zentrumsführer und Reichskanzler a. D. Marx sich bereit erklärt haben, höchstselbst die Regierungsbildung in Preußen zu übernehmen. Die Vorbereitungen werden von den Fraktionen wieder streng geheim gehalten bis zum Augenblick der Wahl, die Dienstag Nachmit­tag stattfindet. Wenn zugleich gemeldet wird, daß Herr Marr zunächst ein Kabinett der Linkskoali. tion erstreben wolle und daß Herr Severing dann das Innenministerium behalten würde, so ist das wohl nickt mehr als ein fckleäüer Scherz. Oder ein Beruhigungspulver für die Genossen. Zu einem praktischen Ergebnis kann auf diesem Wege Herr Marr ebensowenig kommen wie Herr Braun.

Aus dem preußischen Landtag wird mitgeteilt' Der interfraktionelle Ausschuß des preußischen Landtages aus Zentrum, Demokraten und Sozial­demokraten beendete am Montag Mittag gegen 1 Uhr seine Beratungen über die Kabinetts­bildung. Bon den drei genannten Fraktionen wird, wie wir hören, der frühere Reichskanzler Dr. Marx gewählt werden. Die Stellungnahme der Wirtschaftspartei steht noch nicht fest. Wei­tere Einzelheiten werden sich aus den auf Diens­tag Vormittag einberufenen Fraktionssitzungen ergeben. Auch der interfraktionelle Ausschuß tritt Dienstag nochmals vor Beginn der Bollsitz, ung zusammen.

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Zur heutigen Wahl des preußischen Minister­präsidenten schreiben die Blätter, daß Marx vor­aussichtlich mit derselben Mehrheit ^"wählt wer­den wird wie Braun. Marx werde rin Kabinett auf der Grundlage der Weimarer Koalition bilden und versuchen, die Wirtschaftspartei zur Stützung seines Kabinetts heranzuziehen.

Laut demVorwärts" soll das preußische Mi­nisterium des Innern unter der Leitung Severings verbleiben.

Berlin, S. Febr. Die Fraktion der Deutschen Bolksvartek brachte im vreuhifchen Landtag einen Ur- gntrag «in, wonach der Landtag erklären soll, daß der Artikel 45, Eatz 1 der vreukischen Verfassung dalün zu verstenen ist. daß nach jeder Neuwahl des Landtags auch »ine Nenwabl des Ministerpräsidenten erforderlich ist.

Der Reickskanzler auf Reisen.

sk. Köln, 10. Febr. Reichskanzler L u- th e r hat gestern abend Köln verlassen und um 11.58 Uhr die Reise nach München angetreten.

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Skandale

t Die bisherigen Feststellungen in dem Riesen- staudal, der sich um die Namen Barmat Kutis- tfcr entwickelt hat, ermöglichen eS nun allmäh- ilich, einigermaßen tatsachengefestigte Weg« durch Iben Morast zu gehen, ohne befürchten zu tMüjsen, in dem Moder von Klatsch und Gerüchten ößn versinken und sich selbst durch Verbreitung un­bewiesener Tatsachen zu bemakeln. Wette Kreise Unseres Volkes haben in säbem Erschrecken von den Dingen gehört, die zunächst zur Mandatsnieder- Kgnng zweier Zentrumsabgeordneter führten und die jetzt endlich auch einen selbst für die politische Moral unserer Zeit überbelasteten ehe­maligen Reichskanzler zum Ausscheiden aus dem .politischen Leben gezwungen haben. ES ist einiger« matzen erstaunlich, daß diese Enthüllungen der letzten Wochen für so viele allerdings parteidtcht von der seit Jahren tätigen Kritik abgeschlossene Volksge­nossen einen Abgrund der Enttäuschung aufge- triffelt haben. An Mahnern und Warnern hat er ^wahrlich niemals gefehlt.

B Bald nach der Revolution erschien eine kleine jvroschüreDer Rattenkönig", in welcher ähnliche .Dinge von RevolutionSgrößen behauptet wurden, stvie sie heute erwiesen sind. Barmat, ein Gad- stungsname, hieß damals Sklarz. Man zog es vor, ckie Broschüre zu unterdrücken, ohne ihren Behaup Aungen gerichtlich nachzugehen. Inzwischen häuften »ich im Lande die Verfehlungen kleinerer Größen, [ber Landräte, Polizeipräsidenten ufw. Man hielt ^trotzdem am System der neuen Auslese fest, und ;e» ist kein Wunder, daß im Volke allmählich die .Empfindung entstand, oben mttffe es nicht viel jvnders sein als unten. Kein geringerer al» Oswald , Spengler hat dann in seinem BucheNeubau des .Deutschen Reiches" ein ganze» langes Kapitel miji per UeberschriftDer Sumpf" versehen, ein Ka­pitel, in welchem er eine in jeder Beziehung deut­liche Analyse der in gewissen politischen Revoluti- , »nsgewinnlerkreisen üblichen Lebensgewohnheiten ,»nd Anschauungen gab. Ein Warnungsfanal war .bet von Helferich gegen Erzberger mit so eindeuti- Sem Erfolge durchgeführte Prozeß. Wer vollends ie meist wöchentlich erscheinende kleinere Presse verfolgte, Vie e» sich zur Aufgabe und zum Teil euch zum Gewerbe macht, auf allzu menschliche Dinge In der Politik hinzuweisen, der hat sich seit »ähren gewundert, wa» gedruckt werden konnte, ohne daß gerichtliche Klarstellung erfolgte. Alle Warnenden Vorzeichen haben nicht» genützt, nun tst der Riesenskandal da und fordert neue Opfer.

i Man hat sich In LinkSkretsen stets gewundert, batz der neue Staat so wenig moralische Ervbe- »ungen gemacht hat. In Erscheinungen, wie sie

heute offen zutage liegen und seit Jahren bemun- kelt und besprochen worden sind, liegt eine Hauftt- ursache de» Mißtrauens. Man begnüge sich nun aber nicht damit, im Hinblick auf Frankreich, Ame­rika und andere Länder, festzustellen, daß die Kor­ruption unablöslich mit parlamentarischer Demo­kratie verbunden ist.

Da» ist In der lat der Fall. Parlamentaris­mus und Korrpuption haben überall enge Ver­wandtschaft. Aber der Deutsche ist gegenüber Kor- ruptionSerscheinimgen von einem großen Feinge­fühl, und man denke nur an die Kriegszeit zurück, ein wie treffliche» Agitationsmaterial manche vereinzelte Fälle für die heute so bloßgestellte Sozialdemokratie waren. Der Deutsche mit seinem strengen Rechtlichkeitsgefühl weiß auch sehr genau, was der Sumpf im öffentlichen Leben ist. Nicht, daß vereinzelte räudige Schafe in einer Herde sind, das kommt überall vor, sondern, daß Parteien und Schichten diese räudigen Schafe nicht scharf und streng genug von sich trennen, das ist da» beste Zeichen dafür, daß etwas faul ist im Staate Däne­mark. Demokratie hin, Demokratie her, selbst der Aristokrat Bismarck wußte, daß ein Parlament als eine Art Kontrollinstanz des öfsewtlichen Lebens nicht nur für die Teilnahme de« ganzen Volkes am öffentlichen Leben, sondern auch für die Re­gierung selbst von großer Bedeutung war. Erst d i e Demokratie wird verdächtig, die al» angebliche Vertretung des Volkes sich al» Regierungskaste etabliert, die Nachgeordneten Stellen mit ihren Kreaturen besetzt und glaubt, jeder Verantwortung ledig zu fein. Das ist der Sumpf. Und was wir jetzt im Barmat-Prozetz Erleben, , mag man noch so vorsichtig gegenüber manchen Enthüllungen sein, wirft übelriechende Blasen. Dieselben Leute, die die unerwünschte Einwanderung ans dem Osten mit allen Mitteln geschützt haben gegenüber den Be­deuten selbst weit links stehender Kreise, wie die Frankfurter Ztg." z. B., eine Einwanderung, die Deutschen die Wohnungen und das Brot wegnahm, haben übel beleumdeten Firmen, Schiebern und Ge­nossen Stuatsaufträge verschafft, sie zum Schaden des Staates von ihren Verpflichtungen entbunden, wo es nötig schien, mit Empfehlungen ihnen Kredite verschafft, indem sie sich auf ihreWürde" alsVolksvertreter" beriefen. Genug, es riecht, das deutsche Volk beweist auch diesmal wieder eine Lammsgeduld.

Immerhin versteht man, daß unter diesem Zei­chen die Angst vor Neuwahlen in Preußen auf der linken Seite des Hauses im Wachsen ist. Denn selbst der ruhigst- Bürger könnte einmal überlegen, ob die fünf Jahre parlamentarische» Regime auch alles gehalien haben, was man uns versprach, und das war nicht weniger als das Paradies auf Erden. Im Paradiese aber gab es keinen Sumpf.

Berlin, 9. Febr. Vor dem Eintritt in die eigentlichen Verhandlungen teilt der Vorsitzende Leidig (D. Bpt.) mit, daß eine vertrauliche Be­sprechung zwischen Ausschußmitgliedern und Ver­tretern der Staatsanwaltschaft stattgefunden habe, die sich mit der Frage beschäftigte, inwieweit die Ausschuß-Verhandlungen dem schwebenden gericht­lichen Verfahren hinderlich sein können. Zur Tagesordnung selbst teilte der Vorsitzende mit, daß ein Brieftelegramm des Reichswirtschaftsministers eingetroffen fei, wonach gegen die Herausgabe der für die heutige Sitzung gewünschten Akten grundsätzliche Bedenken bestünden. Im Aus­schuß sind als Zeugen anwesend bezw. vorgesehen: Ministerialdirektor Falk, Kriminalkommissar Klinghammer, Kriminalkommissar Pipo, Reichs­minister a. D. Wissest, Abg. Heilmann und Redak­teur Davidsohn.

Der Zeuge Klinghammer erklärte, er habe nach den Bekundungen des früheren Reichs­wirtschaftsministers Wisiell den bestimmten Ein­bruch, daß die von ihm beschlagnahmte Ausfuhr­bewilligung für Druchpapier mit der gefälschten Unterschrift des Ministers versehen war. Hätte man damals Wissest das Dokument gezeigt, dann wäre vermutlich die Fälschung schnell aufgedeckt worden. Der Zeuge wendet sich dann in großer Erregung gegen die Ausführungen des Abg. Kuttner in der letzten Ausschußsitzung und wiederholt, daß er niemals aus seiner amtlichen Tätigkeit Vorteile gezogen oder sich zu Gunsten hoher Beamten des alten Regimes der Akten- unterschlaaung schuldig gemacht habe. Sodann wendet sich Klinghammer gegen verschiedene Aus­sagen des Ministerialdirektors Falk. Abg. R i e- d e I (Dem.) fragt den Zeugen, ob er einem hohen Verwaltungsbeamten Einsicht in die Akten ge­geben habe, dessen Namen er nicht nennen wolle und der jetzt dem Parlament angehöre. Der Zeuge Klinghamm« verneint die Frage. Abg. Dr. K au f- h o l d (Deutschn.) beantragt Vernehmung des Öberverwaltungsgerichtsrats Schoof und anderer Beamten über die Persönlichkeit Dr. Falks. Abg. N u s ch k e (Dem.) hält es für ausreichend, wenn man nach der sehr ausführlichen Vernehmung Klinghammers (irh mit der Antwort von Dr. Falk begnügt.

Im weiteren Verlauf der Vernehmung Kling­hammers fragt Deerberg (Deutschn),' ob sich der Zeuge bestimmt erinnere, daß die bei der Durchsuchung der Wohnung Barmats von ihm Vorgefundene Aus- oder Einfuhrbewilligung, die mit dem Namen Wissest unterschrieben war, nicht etwa nur ein Schriftstück darstestts, das nur die Bedingungen für Ein- und Ausfuhrbewilligungen enthielt. Klinghammer antwortet, er habe das Scyriststück nur kurze Zeit in Händen gehabt, Slaubt asterdings aus dem Gedächtnis sagen zu ömien, daß es fick um eine Einfuhrbewilligung gehandelt habe. Nach einer Reihe weiterer Fra­

gen an Klinghammer erklärt Abg. Kuttner (Soz.), der Zeuge Klinghammer trage fortgesetzt Dinge, die et irgendwie vermute, als Tatsachen vor. Kuttner erklärt dann: Der Zeuge Kling- Hammer hat sich über die Beschlagnahme eines an- geblichen Privatbriefe» durch Ministerialdirektor Falk aufgehalten. Hat der Zeuge nicht selber, bei- spielsweise in der Angelegenheit des Kriminal­inspektors Wilke, auch Privatbriefe beschlag­nahmt. namentlich den Brief an den Reichstags- abgeordneten Krüger, der mit dieser Sache gar» nichts zu tun hatte, trotzdem aber nach kurzer Zeit bereits in der Oeffentlichkeit erschien. Zeuge Klinghammer erwidert, er habe in einem Falle außer den Briefen, die mit der betreffenden Ange­legenheit, die er zu verfolgen hatte, zusammen- hingen, auch noch andere Briefe beschlagnahmt, weil sie ein neues Delikt enthielten. Es handelt sich um den Brief an'den Abg. Krüger, bei dem Standesinteressen eine Roste spielten und den et dem Beamtenausschuß vorgelegt habe. (Bewe­gung.) Er habe aber zu der WochenschriftWahr- heit", in der der Brief kurze Zeit nach der Be- schlagnabme erschienen sei, keine Beziehungen. Auf weitere Fragen Kuttners gibt der Zeuge Klinghammer zu, daß einer der beschlagnahmten Privatbriefe in der Ausschußsitzung des Vereins höherer Iustizbeamter verlesen worden fei.

Nach Eröffnung der Nachmittagsverhandlungen des Untersuchungsausschusses über die Barmat- Kutisker-Afsäre wird zunächst Ministerialdirektor Dr. F a l k vernommen. Er erklärt, seine Be­kundungen könnten nur der Ergänzung des In­haltes bet Akten dienen. Er fei organisiertes Mitglied der Deutschen demokratischen Partei; zur sozialdemokratischen Partei habe er in keinen Be­ziehungen gestanden. Die Behauptungen Kling- hammers seien Kombinationen von entweder un­vollständigen oder unrichtigen Ereignissen. Dr. Falk klärt dann die Fleischschiebungsangelegen­heit auf, in der er beschuldigt wurde, daß er nachts einen höheren Magistratsbeamten aus dem Bett habe holen und ihn festnehmen lassen. Er befaßt sich dann mit den gegen ihn gerichteten Vorwürfen in der Oelschiebungsangelegenheit, bei der es sich um einen Posten Del handelte, der von der Stadt Berlin an einen Händler verkauft worden fei, der dos Del zu Wucherpreisen weiterverkauft habe. Falk bestreitet auch in diesem Falle unsachgemäß gehandelt zu haben. Was den gegen ihn erhobe­nen Vorwurf rücksichtsloser Grausamkeit gegen­über den kleinen Geschäftsleuten betreffe, die ihn bewogen hätte unnötig viele Geschäftslokale zu schließen, so erklärt Falk, er habe, den Weisungen seiner vorgesetzten Behörde entsprechend, mit einer gewissen Energie vorgehen müssen. Die weit überwiegende Zahl dieser Geschäftsschließungsn sei als begründet erachtet worden. Falk Kommt im weiteren Verlaus seiner Bemühungen auf den Fall des Regierungsrats Fürst zu sprechen. Es handelte sich dabei um eine Einfuhrbewilligungs­erlaubnis an eine Firma über 6000 Sack Kaffee. Die Einfuhrbewilligung fei ausgestellt gewesen von der Kanzlei des Ernährungsministeriums, unterzeichnet mit dem Faksimile und dem Stem­pel des Regierungsrats Fürst. Später fei wegen dieser Sacke Anzeige beim Wucheramt erstattet worden; es habe aber niemand vom Ernährungs- minifteriv.m diese Einfuhrerlaubnis erteilt haben wollen. Bei dem Negierungsrat Fürst habe dann eine vom Kriminalkommissar Klinghammer durch- geführte Hausstickung stattgefunden, bei der er, Falk, anwesend gewesen sei.' Es habe sich heraus- gestellt, daß Fürst während seiner Amtszeit mit der betreifenben Firma darüber verhandelt hatte, als Direktor in ihre Dienste einzutreten. Fürst habe bann um feinen Abschieb aus bem Reichs­dienst nachgefuckt. Bei ber Untersuchung sei auch ein Bries gesunden worden, ber auf bas Liebes­leben des Regierungsrats^ Bezug gehabt habe. Damals habe er Falk bazu aufgeforbert, diesen Brief zu beschlagnahmen. Fürst bloß zu stellen, habe keine Veranlassung Vorgelegen. Falk beschäftigt sich bann mit Klinghammers Aussagen über den Polizeipräsidenten Richter. In einem Berliner Blatt sei die Mitteilung enthalten ge­wesen, daß der Beamtenausschuß sich mit der Frage des Ausscheidens des Polizeipräsidenten und der Kandidatur Falk beschäftige und daß der Ausschuß gegen diese Kandidatur Stellung ge­nommen habe. Die Mehrheit des Ausschusses sei, wie er erfahren habe, der Auffaffung gewesen, daß diese Mitteilungen auf den Dberkriminalkommis- far Klinghammer zurückzuführen seien. Dann kommt der Zeuge Dr. Falk auf die Frage der Uebermittehtng von Notizen an die Presse durch Exekutivbeamte zu sprechen. Zeuge bestreitet, daß er Klingbammer die Erlaubnis für die Veröffent­lichung einer Notiz über den Selbstmord des Rechtsanwalts Kallenbach gegeben habe. Dann habe Klinghammer davon gefprocken, daß er, Falk, ihn 'auf Reifen hätte schicken wollen, um feine Vernehmung in dem Helsierick-Prozeßes handele sich wohl um den Prozeß Erzberger-Helf- ferich zu verhindern. Er, der Zeuge, habe aber aarnickt gewußt, daß Klinghammer im Helfferich- Pro.reß als Zeuae vernommen worden sei. Im weiteren Verlauf feiner Bekundungen kommt Falk dann auf die Angelegenheit Barmat zu sprechen. Zeuge Klinghammer habe dazu gesagt, er, Klinghammer, habe den Bericht über die amt­liche Tätigkeit Falks in ber Barmat-Angelegen- heit angefertigt, ber bas Datum vom 3.1.1925 trage. Er, Falk, habe heute morgen dem im Aus­schuß anwesenden Referenten der Staatsanwalt­schaft gesagt, baß er ja die Bekunbungen Kling- Hammers getjc.t hake, baß eine solche Anzeige vorliege, uhb warum ihm, Falk, nicht Gelegenheit

3ur Verteibigung gegeben werbe. Daraufhin habe bet Referent bemerkt, eine solche Anzeige liege ber Staatsanwaltschaft nicht vor. Vom Zeugen Kling Hammer fei ihm der Vorwurf gemacht worden, er habe die Weiterbehandlung der Sache Barmat» verhindert. Klinghammer aber habe selbst getagt daß lediglich ein Vergehen wegen unerlaubten Handel» gegen Barmat Vorgelegen habe. Diese« Vergehen war aufgeklärt. Für die Exekutive sei dieser Fall mit der Feststellung des Tatbestände» erledigt. Die Polizei sei kein Untersuchungsaus­schuß. Ihre Arbeit könne sich nur auf konkret« Tatsachen stützen. Nach weiteren Aussagen Falk« zur Frage der Ausfuhrbewilligung Barmats stellt der Vorsitzende Leidig fe t, daß die Einfuhrge­nehmigungen in der polize lichen Instanz lagen, daß hinsichtlich der Großhandelserlaubnis aber di« Sache an die Staatsanwaltschaft gegeben werden mußte. Die Verhandlungen wurden darauf auf morgen vormittag 10 Uhr vertagt.

Höf!« legt sei« Mandat nieder.

Berlin, 9. Febr. Reichstassvriifident Lob« teilt« nach Eröffnung der heutige» Reichstagssitzung mit, dah der Aüg. Höfle (Ztr.) sein Mandat nieder» gelegt habe. Das Haus setzte daraus die Beratung des Haushalts des Reichsarbeitsminisirriums fort.

Berlin, 9. Febr. Wie dasTageblatt" mel» bet, richtete bet Rechtsbeistanb Dr. Höfles an ben Generalstaatsanwalt bie Bitte, vom Erlaß eines Haftbefehls gegen Höfle Abstanb zu nehmen, ba Höfle nicht baran benfe, sich bes ihm drohenden Strafverfahrens durch die Flucht zu entziehen. Der Klagevorwurf gegen Höfle lautet dem Blatt zu» folge auf passive Bestechung und Amtsuntreu«.

Ermittclungsverfahren gegen Bauer.

fk. B e r I i n, 10. Febr. Den Blättern zufolge soll gegen den ehemaligen Reichskanzler Bauer bereits ein Cnnittelunoc'-rabrcn aus Grund der Ansckuldigungen eingeleitet worden sein, daß er gegen bie feiner Zeit beftehenbe Vor- fchrift Ankauf von Devisen zu eigenem Vorteil getätigt habe. Ferner soll die Frage geprüft wer» den, ob sich Bauer dadurch eine Verletzung der Schweigepflicht habe zu Cckulden kommen lassen, baß er den Gebrüder Barmat politische und wirt« fchaftliche Insormationen aus Reichsstellen zugs» leitet bat, auf Grund derer bie Gebrüder Bar» mat Devisenspekulationen zum Schaden de» Rei­ches vorgenommen hätten.

Berlin, 9. Febr. DerB. Z." zufolge hat der ehemalige sozialdemokratische Reichstagsabge- ordnete Bauer beim Untersuchungsausschuß de« Preußischen Landtags seine nochmalige Berneh- mung mit der Begründung beantragt, daß der ver­öffentlichte Amexima-Brief an ihn, der zur Niederlegung seines Mandates führte, in fehr wesentlichen Punkten Unrichtigkeiten ent­halte, und daß er darüber Aufklärungen geben wolle.

Der HimmelSbach-Prozeß.

Berlin, 9. Febr. Nach dreitägiger Panse wurde heute der Himmelsbach-Prozetz wieder aus­genommen. Von den inzwischen geladenen Zeugen war nur ein Teil erschienen. Eine ganze Reih« der Geladenen hatte ihr Nichterscheinen entschuldigt. Noch vor Eintritt in die eigentliche Berhandlung kam e» zu erregten Auseinandersetzungen zwischen dem Privatkläger Himmelbach und dem Beklagten Fernbach bezw. den beiderseitigen Rechtsbeiständen. E» folgte dann die Vernehmung der Zeugen.

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Der Meck KmtrvllbettSt

fk. London, 10. Febr. Wie viele Blätter, s« meldet auch bieMorning P o st", daß der Be­richt der Militärkontrollkommission noch in dieser Woche veröffentlicht werden soll. Der Bericht werde zuerst von der alliierten Militärkommisston in Versailles geprüft werden. Doch sei man bet Ansicht, daß eine eingehende Erörterung wünschens­wert sei. Zur Prüfung des Berichts wird eine Kon­ferenz bet alliierten Mächte einberufen werben. Als Ort der Konferenz werbe Lonbon bezeichnet.

Herriot Baldwin.

Voraussichtlich Anfang März wirb Herriot ben englischen Premier besuchen, um bie Schulbenan» gelegenheit unb sonst noch einige Fragen 8U reinigen. Uns Deutsche interessiert ja am meisten, ob bie Franzosen unb Gnglänber bis dahin zu einem Entschluß wegen bes Sicherheitspaktes und ber Räumung Kölns gekommen sein werben. Aber man braucht beshalb nicht zu glauben, baß für bi« Alliierten bas Problem ber Schulbentilgung weni­ger wichtig unb ernst fei. Vielmehr beherrscht bie. ses Thema zur Zeit, im Anschluß an bie englisch« Schulbennote, vollkommen bie Desfentlichkeit in Paris unb Lonbon. Herriot hat sich beeilt, bem englischen Finanzminister für ben höflichen Ton ber Note zu banken; an ihrem Inhalt aber zer­brechen sich bie französischen Zeitungen noch bi« Zähne. Niemand kann leugnen, daß England in wesentlichen Punkten entgegenkommt und daß e« ein Recht auf die Forderung hat, entsprechend seinen Zahlungen an Amerika auch Zahlungen von seinen Schuldnern, zumal Frankreich und Ita­lien, zu erhalten. Aber es ist andererseits doch sehr ungalant, Gelbmahnunaen an bie schöne Ma­rianne zu richten, die soviel braucht, um sich aus» zustatten gegen Deutschland und gegen Eng­land!

ff. London, 10. Febr. Das Parlament tritt Jjeute wieder zusammen. Lloyd (Senge babe die