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Anzeiger für (das Mer kurhefMe) Sberheffea - Amtliches VerkündigungSblatt -es «reifes Marburg
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Seulschcr Rrtchötag
17. Sitzung, Sonnabend, 7. Februar.
Auf der Tagesordnung steht zunächst das Wirtschaftsabkommen mit Siam.
Abg. Dauch (D. V. P.) berichtet über die Verhandlungen des auswärtigen Ausschusses und empfiehlt die Annahme des Vertrages.
Abg. Freiherr von Frehtag-Loringhofen (Deutschnatl.) meint, daß der Vertrag der Würde und dem Ansehen des Deutschen Reiches wider- fpreche.
i Abg. Dr. Haas (Dem.) wendet sich gegen diese Aeußerung und beantragt, Reichsaußenminister Dr. Etresemann Herbeizurusen, damit er auf diese Aeutze» rung erwidere.
Abg. Hermann Müller (Soz.) unterstützt diesen Antrag.
V Abg. Kube (Nat.-Soz.) bezweifelt die Be-
.fchlußsähigkeit des Hauses.
k Da auch da« Büro zweifelhaft über die Be- ifchlußsühigkeit deS Hauses ist, wird «ine nament- sUche Abstimmung herbeigeführt. Die Abstimmung .ergibt, daß nur 242 Abgeordnete anwesend sind, Während zur Beschlußfähigkeit 247 Abgeordnete erforderlich sind.
Präsident Löb« schließt daher um 2 Uhr nachmittags die Sitzung. Die nächste Sitzung soll um 8.10 Uhr beginnen. Auf der Tagesordnung stehen kleine Anfragen und Vorlagen, sowie die zweite und dritte Beratung des deutsch-siamesischen Handelsabkommens und Fortsetzung der Etatsberatung.
Um 2.30 Uhr eröffnet Präsident Löbe die 18. Sitzung des Reichstages. Zunächst nimmt das Haus «inen Gesetzentwurf zum deutsch-tschechischen Abkomme« über Erleichterungen im Grenzverkehr an.
Dann wird der Etat des Reichsarbeitsmini- periumS weiter besprochen.
Abg. Frau Bohm-Schuch (Soz.) wendet sich gegen die schlecht« Entlohnung insbesondere der Arbeitnehmerinnen, die die schwangeren Frauen «Waage, bis zum Tage ihrer Niederkunft zu arbeiten. Das seien Zustände, die niemand verant- »orte« könne.
Sodann begrüßt Frau Bohm-Schuch die sozialistischen Anträge, die sich namentlich aus den Schutz Jugendlicher und Kinder beziehen. Die Ferien für jugendlich Erwerbstätige müßten gesetzlich festgelcgt werden. Dar sei für das deutsche Volk eine Zukunftsfrage.
Abg. B i e h n e r (Deutschnatl.) verlangt größeres Verständnis sür die Bedürfnisse deS Handwerks. An sozialer Fürsorge für die Lehrlinge habe eS das Handwerk nie fehlen lassen (Widerspruch bei den Sozialisten). Einer gesetzlichen Neuregelung deS LehrlingswesenS würden sich die Deutschnationalen nicht widersetzen, aber das LehrltngSverhältnis dürfe nicht als ein gewerbliches ArbeitSverhälk- nis betrachtet werden.
Abg. S ch neiver (Dem.) ist in vielen Punkten nicht mit den beiden Vorrednern einverstanden. Er meint, daß jetzt schon von vielen Meistern das Lehrlingsverhältnis als gesetzliches Ar- deitsverhältnis behandelt würde. Bei der kommenden gesetzlichen Regelung müßten auch die besonderen Verhältnisse der Angestelltenlehre gebührende Berücksichtigung finden.
I Abg. Beytien (D. V. P.) bestrettet entschieden, daß die Ausbildung des gewerblichen Nachwuchses sich verschlechtert habe. Die Ausbildung deS Handwerkes stehe vielmehr in Deutschland auf gar' besonderer Höhe.
Abg. P e tz o l d (WirtschaftSp.) wendet sich gegen «hie schematische Gleichbehandlung der Lehrlinge in den verschiedenen Berufszweigen. Von einer Lehr- Uiigsznchterei im Handwerk könne keine Rede sein.
Abg. Thiel (D. B. P.) meint, für die deutsche Grenzbevölkerung sei es unerträglich, daß in der Rahe der Grenze der Arbeitsmarkt von den Ausländern belastet sei, während eS den deutschen Arbeitnehmern nicht möglich wäre, jenseits der Grenze Arbeit zu finden. Die Reichsregierung müsse da für Gleichberechtigung sorgen.
Dem Etatsposten für die Ratifizierung des Washingtoner Abkommen- stimme die Deutsche V o l k s p a r t e i zu. Der Eintritt Deutschlands in das internationale Arbeitsamt könne nur bet voller Gleichberechtigung und nach Erfüllung sür Deutschland notwendiger Voraussetzungen erfolgen. Hierüber müsse noch eine Besprechung deS Reichsar- beitsministerS mit den in Frage kommenden AuS- fchttssen stattfinden.
Abg. Frau Bohn-Schuch (Soz.) tritt in Abweisung der Ausführungen von Mitgliedern der Rechten nochmals dafür ein, daß alle Schutzmaßnahmen für Jugendliche und insbesondere auch für die Lehrlingsausbildung gesetzlich geregelt werden Müßten.
Die vorher abgebrochene zweite Beratung des deutsch • siamesischen vorläufigen Wirt- fchaftsbkommenS wird fortgesetzt.
Außenminister Dr. Stresemann wendet sich gegen die Kritik, die der deutschna,»lonale Abg. Freiherr Dr. von Freyiagh-Loringhoven an dem Abkommen geübt hat. ES liegt durchaus kein Zeugnis deutscher Schwäche darin, wenn die Verhandlungen in Berlin geführt wurden. Es liege vielmehr im deutschen Interesse. Unberechtigt sei auch die Kritik darüber, daß der Text des Abkommens in englischer Sprache abgefatzt sei. Eine Abfassung in dieser Sprache sei für di« deutschen Kaufleute zweifellos praktischer, als wenn man sich auf die wenig bekannte siamesisch« Sprache stützen müßte. Das Abkommen sei dringend notwendig ge- wesen, denn nach dem bisher geltenden Recht war es deutschen Kaufleuten verboten, siamesischen Boden zu betrete». Der für Deutschland außer
ordentlich schädliche Artikel 18 deS Versailler Vertrages, der die Beschlagnahme deutschen Eigentum- zulätzt, ist vertraglich ausgeschaltet nicht nur für Siam, sondern auch für England, Belgien, Italien. Jugoslawien, die Tschechoslowakei, Portugal, Japan. Peru und Kanada. Der Abg. v. Frehtag bemängelte weiter, daß wir die siamesische Gerichtsbarkeit anerkennen. Gerade Deutschland müsse e- vermeiden, als eine Macht angesehen zu werden, die zwar selbst Gleichberechtigung für sich verlange, aber die anderen verweigere. Der Gedanke de- Ueberge- wicht» der Europäer über die anderen Völker haben gerade jene europäischen Völker verleugnet, di« im Weltkriege außereuropäische Staatsangehörige als gleichberechtigte Kriegsteilnehmer verwendeten. Dr. Stresemann bedauert zum Schluß die Wendung des Abg. v. Frehtagh, daß der Vertragsabschluß die Würde und da« Ansehen des Deutschen Reiches geschädigt haben. Subjektiv könne dieser Vorwurf nicht gemeint gewesen sein, denn der Redner setzte gleich hinzu, daß ein Teil seiner Freunde für den Vertrag stimmen werde (Heiterkeit link» und in der Mitte). Objektiv müsse zugegeben werden, daß die Lage Deutschland- nach dem verlorenen Kriege eine Außenpolitik bedingt, die sehr oft der Würde und dem Ansehen de- Deutschen Reiches wenig entspricht. Wir sind ja eigentlich kein souveräner Staat mehr. E« ist aber unrecht, der Regierung aus den Folgen dieser Zwangslage Vorwürfe zu machen. Wir sollten doch nicht immer davon sprechen, was gewesen ist, sondern von dem, was uns geblieben ist und was wir wahren wollen! (Beifall link- und in der Mitte).
Abg. Meyer-Berlin (Dem.) wendet sich gegen den deutschnationalen Abg. v. Frehtag. Für die dritte Lesung behalten wir un- volle Freiheit vor. Wir werden sehen, ob dann die Deutschnationalen von der Kritik de« Abg. v. Frehtag abrücken.
Abg. Graf W e st a r p (Deutschnatl.) betonte dem Vorredner gegenüber, «S sei doch auch bei den früheren Koalitionskabinetten vorgekommen, daß ein Teil einer Regierungspartei scharfe Kritik an einer Vorlage geübt habe.
Abg. Müller (Soz.) Da di« stärkste Regierungspartei in dem Berttag eine Schädigung des Ansehens und der Würde sieht, können wir nicht für diesen Antrag stimmen.
Vor der Abstimmung — eS fehlen viele Abgeordnete der Rechten — stellt Präsident Löbe Be- schlutzunfähigkeit des Hauses fest und beraumt die nächst« Sitzung auf Montag 2 Uhr nachmittags an.
B « r l i«, 7. Febr. Der Eefchäfisordnungsausschuß des Reichstage» bat die Anträge auf Einstellung der Strafverfahren gegen die Abgeordneten Schulz-Königsberg (Soz.). P a e t b (Dnat.), Freiherr v. Frey- t a g b - Loringhoven (Dnat.) und Philipp (Dnat.) angenommen.
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NmmWirWaft un» Aufwertung
Berlin, 8. Febr. Die Spitzenverbände der Industrie, des Handels und des Bankwesens nehmen in den Morgendlättern Stellung gegen die vom Reichsfinanzminister und den Finanzministern der Ländern geplante Neuregelung der Finanzwirtschaft. Die auf die Einkommen-, Körperschafts- und Gewerbesteuer 1924 geleisteten Vorauszahlungen könnten keinesfalls als Grundlage angenommen werden, um daraufhin die Neuverteilung der Eteuererträaniffe au, Reich, Länder und Gemeinden vorzunehmen und die Etats aufzubauen, denn die Vorauszahlungen seien nach Maßstäben geleistet, welche die Wirtschaft ungleichmäßig belasteten. Die Spitzmver- bände fordern daher die Feststellung des im Jahre 1924 bezw. im entsprechenden Wirtschaftsjahr erzielten Einkommens und die alsbaldige Verabschiedung der von der Regierung angekündigten Steuer- ge'etze. Hierbei wird erneut betont, daß eine über die Dritte Steuerverordnung hinausgehende Aufwertung privater Schuldverbindlichkeiten das gesamte Steuersnstem in Verwirrung bringen und die Steuerfähigkeit der Wirtschaft in unübersehbarer Weis« beeinträchttgen würde.
Für die Reichsfinanz, und Reichsstenerhoheit.
Berlin, 8. Febr. Die Leipziger Handelskammer wendet fich in einer Erklärung gegen die Entscheidung der Landesfinanzminister zum Finanzausgleich, die die Uebertragung der Einkommen- und Körperschaftssteuer auf die Länder geforbert hatten. Die Reichsfinanzhoheit und Reichssteuerhoheit müßte unter allen Umständen aufrecht erhalten werden. Di« Rückgabe der Einkommen- und Körperschaftssteuer an die Länder und Gemeinden sei unbedingt zu verwerfen.
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Ins interalliierte Schnldenpnblem
Di« englische Antwortnote an Frankreich.
Paris, 8. Febr. Die Rote der englischen Regierung an die französische Regierung hinsichtlich der Regelung der französischen Kriegsschulden erklärt, daß der Grundsatz der Note Balfours angenommen werde, daß also Großbritannien Zahlungen erhalten müsse, die denen gleichkommen, die es an die Bereinigten Staaten zu leisten habe. Die englische Regierung lehne es ab, eine Stellung einzunehmen, daß dieser Grundsatz nur bestehen bleiben soll auf der Grundlage L es vollen Ertrages des Dawesplanes oder daß der nominelle Wert der Schuld nicht als ein sicheres Aktivum betrachtet würde. Die englische Negierung habe schon zugestanden, nicht nur ihre Forderungen an die Alliierten auf die notwendige
Summe für die Zahlungen an Amerika zu be- schränken, sondern auch zugegeben, daß für diese Zahlungen die Gesamtheit der Reparationszahlungen verwendet werde, auf die sie von Deutschland rechnen könne. Wenn die Note Balfours auf die augenblickliche Lage angewendet werde, müsse man sich erinnern, daß die englische Re- gierung bereit sei, Vorschläge in Betracht zu zie- hen, nach denen die Schulden Frankreichs an England herabgesetzt werden, vorausgesetzt, daß der Grundsatz einer bestimmten Zahlung von Frankreich angenommen werde, ohne daß Die Frage der Reparationszahlungen in Betracht gezogen werde. Die englische Regierung glaube deshalb, daß die Zahlungen Frankreichs in zwei Kategorien eingekeilt werden können,
a) in Summen, die Frankreich in diesem oder jenem Jahr auf Grund des Dawespla- n e s erhalte;
b) in Jahreszahlungen vom Anteil, den Frankreich aus den Annuitäten aus dem Dawesplan erhalte.
Es fei natürlich wohl verstanden, daß alle übrigen Forderungen Frankreichs an Großbritannien aufgegeben werden, sowie ferner, daß die von Großbritannien erhaltenen Zahlungen auf Grund seiner euroväischen Kriegsforderungen und auf Grund der Revarationsforderungen, wenn sie die Höbe der britischen Verpflichtungen gegenüber Amerika (einschließlich der bereits geleisteten Zahlungen) erreichen, dazu dienen würden, die Verpflichtungen der Alliierten bei Großbritannien zu verringern.
London, 7. Febr. Die gestern abend nach Frankreich gesandte englische Note, die zur Frage der französischen Schulden an England Stellung nimmt, wird morgen nachmittag vom Foreign Office veröffentlicht werden. Man hofft, daß die Note Frankreich veranlassen wird, England einen endgültigen Vorschlag über die Behandlung seiner Schulden an Großbritannien zu unterbreiten. Von der Absicht Herriots und Clementels, nach London zu kommen, sei in London nichts bekannt. Es könne jedoch angenommen werden, daß die engli'che Regierung diese Gelegenheit begrüßen werde, in eine persönliche Fühlung mit den französischen Ministern zu treten, wenn ein solcher Weg als befriedigendes Mittel erachtet werden sollte, den Meinungsaustausch weiterzuführen.
Frankreich von der Antwort befriedigt.
Paris, 8. Febr. Im Augenblick, als Her- riot Samstag nachmittag eine Abständige Erholungsfahrt antreten wollte, traf der englische Bot- ’ -alter ein und überreichte ihm die Kriegsschul- den-Rote. Pfe wurde sofort übersetzt und der Ministerpräsident nahm Kenntnis von ihrem Inhalt. Sodann überließ er dieselbe dem Finanzminister. Die französische Presse scheint sehr befriedigt von dem überaus herzlichen Tone der Engländer.
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Erst Sicherheitsgarantien, dann Räumung.
London, 7. Febr. Der Pariser Berichterstatter des „Manchester Guardian" schreibt zum gestrigen Artikel Boneours im „Oeuvre", Boncour bestätige in diesem die von der gesamten Presse geäußerte Ansicht, daß Sperrtet die Besetzung nicht nur des Rheinlandes als ganzes, sondern auch die Besetzung der Kölner Zone im besonderen mit einer fast ultimativen Forderung an Großbritannien beh Garantiepakt abzuschließen, verknüpfte. Das Blatt fragt, ob Boneours Erklärung an die Presse Englands einfach die Bedeutung habe: „Gebt uns Protokollgarantien, sonst rücken wir keinen Zoll v o m R h e i n w e g!" Inzwischen konnte selbstverständlich der natürliche Protest Deutschlands durch eine willkürliche Auslegung der militari» scheu Bestimmungen des Friedensvertrages umgangen werden. Wenn der Bericht der Kontrollkommission, wie die Pariser Presse meldet, gleich nach seinem Eingang an das sogenannte Versailler Militärkomitee, mit anderen Worten an Marschall Fach zur Begutachtung gesandt werden sollte, so könne man sich leicht vorstellen, wie diese Begutachtung ausfallen würde.
Wie die „Erleichterung- der Kontrolle aussieht.
In diesen Tagen haben in Genf die Verhandlungen des Militärausschusies begonnen, die dieses- mal besondere Bedeutung besitzen, weil die Kontrolle in den besiegten Staaten, die an die Stelle bet bisherigen unmittelbaren Ententekontrolle treten soll, im einzelnen organisiert werden soll. Das Problem der entmilitarisierten Zone in den Rhein- landen steht ebenfalls zur Debatte. Selbst ein Platt wie das deutschfeindliche Journal de Geneve kommt sachlich zu dem Ergebnis, daß die Neugestaltung der Kontrolle eine außerordentliche Verschärfung für Deutschland bedeutet. Ist doch zunächst beschlosien worden, daß entgegen den Frie- densvertragsbestimmungen die zeitlich begrenzte Kontrolle verewigt werden soll und daß der als dauernd charakterisierte Präsident der zukünftigen Nachforschungskommission praktisch allein zu bestimmen haben wird. Für Deutschland ist dieser Präsident natürlich ein Franzose. Frankreich erhält also noch weitgehendere Kontrollbefugnisie als es bisher besesien hat. Das Genfer Blatt kommt endlich zu dem „erstaunlichen Ergebnis", daß eine neue Rheinbesetzung unter der Oberleitung des
Völkerbund« die alte ablösen wird. Diese Matz nähme wird zur gleichen Zeit beschlossen, in bei England seine Kredite für Luftschiffahrt veracht« facht, sein Kriegsmarinebudget um 10 Million«« Pfund Sterling erhöht und in welcher Frankreich liebevoll am Kanal eine Flugzeugstation von um erhörter Größe anlegt.
Gegen die Abschaffung der Botschaft beim Vatikan.
Paris, 7. Febr. Ministerpräsident Herriot hat eine vormittag eine Abordnung der Senats« fraktion der republikanischen Vereinigung, also der Fraktion PoincarSs, empfangen, die ihm ihre leb« haften Besorgnisse bezüglich der geplanten Ab« schaff»ng der Botschaft beim Vatikan zum Ausdruck brachte. Die Delegation hat di« innen- und außenpolitischen Gründe bargelegt, di« ihr die Aufrechterhaltung der Botschaft zu rechtr fertigen schienen. Die Delegierten haben alsdan» den Wunsch zum Ausdruck gebracht, daß die gierung in einem Geiste der Beruhigung und dek nationalen Eintracht jede Aenderung der gegen« wärtigen Situation aufschieben müsse, bis d« Parlament über die Gültigkeit des Konkordat» tt Elsaß und Lothringen beschlossen haben werde.
Ministerpräsident Herriot hat in seiner Anb wort erklärt, daß er in einem Geiste der Versöhnung und aus Liebe zu Elsaß und Lothringen die Ent» scheidung des Staatsrates angerufen und sich ihl gebeugt habe. Der Ministerpräsident hat alsdann die Versicherung gegeben, daß in der Zukunft wh in der Vergangenheit die Rechte der französischen Katholiken nicht beeinträchtigt würden.
Italienische Kritik an Herriot» Rede.
Rom, 8. Febr. „Corriere d'Italia" erklärt in einer als Leitartikel erschienenen Zuschrift au» Berlin, daß die Anschuldigungen, die Ministerpräsident Herriot in seiner Rede gegen Deutsch« land vorgebracht hat, geradezu von einer lächerlichen Kritiklosigkeit zeugen. Leider hätten aber dergleichen Reden zur Folge, daß bet Krieosgeist wieder erwache. Um die Sympathie« der französischen Nationalisten zu gewinnen, tjabf Herriot alle Sympathien bei den deutschen Dem» hraten verloren. Er habe auch, um am Ruder bleiben zu können, seine bisherige demokratisch« Haltung, deren er fich noch in London und Genf gerühmt habe, verleugnet.
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Nie MM d« RkWvvit
Am Sonnabend ist der Reichstagsause a u s s ch u ß, der die Kreditgewährung vo« Reichsstellen zu untersuchen hat, zu seiner erste« sachlichen Beratung zusammengetreten, und zwar um sich zunächst einmal mit den in der Oesfentlich« kett viel erörterten Finanztransaktionen der Neichspost zu beschäftigen. Am Tage zuvor hat ein anderes öffentliches Gremium seine Arbeiten in derselben Angelegenheit abgeschlossen, nämlich der Verwaltungsrat der deutschen Reichspost. Ei« eigens für diesen besonderen Zweck eingesetzte^ Arbeitsausschuß des Verwaltungsrates hatte be« reits vor einigen Tagen die Feststellung getrost fen, daß die Kreditgewährung der Post nicht z« billigen fei, daß jedoch die Frage noch offen bleibe* inwieweit einzelne Beamte hierbei ein Verschütt den treffe. Der Verwaltungsrat ist nun auf Gruntz des ihm vorgelegten umfangreichen Materials z« dem Ergebnis gekommen, daß kein Anlaß be« stehe, „an der Integrität und der Pflicht« treue der Beamtenschaft des Reichspostt Ministeriums irgendwelche Zweifel zu hegen."
Die in der Feststellung des Verwaltungsrats enthaltene Entlastung der verantwortlichen Beamten des Neichspostministeriums, also des Staatssekretärs und des zuständigen Leiters der Finanzabteilung, bedeutet, wenn auch unausgesxro« chen, eine schwere Belastung des ehemaligen Reichspostministers Dr. H ö f 1 e. Die autonome, kaum durch besondere Vorschriften eingeschränkt« Stellung, die das Postfinanzgesetz dem Postminister eingeräumt hat, ist Dr. Höste zum Verhängnis geworden. Die ungeheure Wucht der Verantwor« tung liegt jetzt auf feinen Schultern allein.
Inwieweit den ehemaligen Postminister ein persönliches Verschulden trifft, und ob er sich Verschlungen im strafrechtlichen Sinne hat zuschutt den kommen lassen, wird das Ergebnis der eingeleiteten Untersuchung zeigen. Es werden unge< heure Vorwürfe gegen ihn erhoben. Besonder« schwer ins Gewicht fallen dürste dabei die letzte Enthüllung über die Kreditgewährung an die berüchtigte Handels- und Depositenbank. Schon jetzt dürste es als erwiesen gelten, daß Dr. Hösltz bw genannten Bank einen mehrere Millionen be« tragenden Kredit eingeräumt hat, obwohl er übet die Kreditunwürdigkeit dieses Unternehmens in keinem Zweifel sein konnte. Das mindeste, was ihm zur Last gelegt werden muß, ist grobe Fahrlässigkeit.
Der parlamentarische Untersuchungsausschuß hat nach einer kurzen Beratung am Sonnabend seine Untersuchung über diese Affäre vorläufig eingestellt. Im Interesse einer rein sachlichen und gründlichen Behandlung der ganzen Angelegenheit ist das nur zu begrüßen. Die ordentlichen Gerichte haben bereits in den letzten Tagen u(« schwersten Bedenken gegen die Behandlung der ganzen Skandalassären in den Parlamentarischen Ausschüssen erhoben. Es kann gar dein Zweifel darüber sein, daß die Gefahr d e r B e r d u n- kelung durch diese öfieniliujen Verhandlungen immer größer geworden ift. Erst wenn Sie orde.it-