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Marburg a. L, Ssvnabrnb, btn 7. Februar

60. Wrg. 1923

Anzeiger für (das Mer kurWifche) SberWen - Amtliches Verkündigungsblatt des Kreises Mmtznrg

L 'Belege werden berechnet. i«tg, 1 (5..9RL = w| Dollar

Denkt an -ie Sn-eten-rvt-chen!

die

dehung am Rhein sich unter den Auspizien Völkerbundes vollziehen würde.

des

S.) betont, die Zentrumsfrak- er der neuen Regierung mit

Abg. Frau Arendsee (Kam.) verlangt eine Vervierfachung der Invalidenrente auf 58 JA.

Abg. Andre (Z' tion wolle auch um.. ... ________ _o______B .....

allem Nachdruck an einem Aufbau der Sozialver­sicherung arbeiten. Vollkommen Erwerbsunfähige und Hinterbliebene Verunglückter müßten besser gestellt werdem Bei der Ängestelltenversicherung müsse die Gehaltsgrenze erhöht werden.

Zum 15. Februar 1925.

Marburger Bürger! Kommilitonen!

Ihr alle, denen die Einigung und Befreiung Deutsch­lands die Aufgabe de» gegenwärtigen Geschlechts ist!

Von der Kampffront de» unerlösten Deutschlands tritt ein mahnender Bote mitten unter uns, um un» zu öilfe zu rufen für unsere schwer ringenden Brüder im Grenz- und Auslande. Er kommt von einem der wich­tigsten Abschnitte unserer Front, aus Sudetendeutsch­land!

Sudetendeutschland, die kämvkende Idee des Deutsch­tums im Raume von Böhmen, Mähren und Schlesien.

Sudetendeutschland, die Wirklichkeit eines geschlos­senen deutschen Siedlungsgebietes, das zweimal so grob wie Sachsen, fast so grob wie Belgien ist, und in dem 3% Millionen Deutsche wohnen.

Sudentendeutschlands Fronherr, der tschechoslowakische Staat, der de» gesamten Raumes von Böhmen, Mähren und große Teile Schlesiens, dieses uralten deutschen Kulturbodens mächtig geworden ist, bat mitten in Deutschland eine deutschfeindliche Macht organisiert, um von hier aus Deutschland ständig bedrohen zu können. Nach den Plänen de» Tschechen öanusch Kuifner soll Deutschland zertrümmert und der tschechische Staat bis vor die Tore Berlins getragen werden. Unser Hult- schiner Ländchen, das sebnlichst nach einer Wieder­vereinigung mit unserem Reiche verlangt, ist vorüber­gehend bereits ein Raub des tschechischen Staates ge­worden.

Der Bote vermeldet, wie in Prag, jener Stadt, die von Deutschen zur heutigen Blüte gebracht nun ganz unter der Willkürmacht des tschechischen Stammes steht, wie jeder deutsche Buchstabe in den Straßen ausgetilgt ist, wie im ganzen Lande die Sudetendeutschen volitisch, wirtschaftlich und kulturell auf» schwerste unterdrückt werden, und wie besonders die sudetendeutsche studie­rende Jugend an den Hochschulen in Prag, Brstnn und

Pribram mißhandelt und wirtschaftlicher und kultureller Rot ausgesetzt find.

Teusend deutsche Studenten waren heuer zu Beginn des Wintersemester» in Prag obdachlos. Die Studenten schliefen aus den Bänken und Fußböden der Hörsäle und studentischen Vereinsräume oder gar in den Zelten im Freien. Schlimmer aber als diese wirtschaftliche Rot ist die nationale. Deutsche dürfen in Prag nicht einmal laut deutsch svrechen, ohne stch der Gefahr auszusetzen, von der ttocdii^en Straße aufs gröbste behandelt zu werden. Immer wieder fließt in den Straßen Prags deutsches Blut und es ist nie vorauszuseben, ob nicht fdjon im nächsten Augenblick die Wut und der fanan,C Haß der Tscheken ausbrechen kann.

Bewundernswert ist nur die Zähigkeit, mit der die Sudetendeutschen für ihre große Sache kämpfen. Dieser Kampf wird nickt bloß für Sudetendeutschland. er wird für ganz Deutschland gekämpft.

Darum rufen wir Euch auf, eilt de« Sudetendrutschen zu Hilfe in ihrem schweren Ringen.

Ganz Sudetendeutschland soll wissen, daß sein Mutterland fest hinter ihm steht und soll in diesem Be­wußtsein Kraft schöpfen zu weiterem erfolgreichen Widerstand. Wenn die Leistungen der Deutschen in den Sudetenländern groß und bewundernswert sind, so muß unsere Ovferwilligkeit noch größer sein, falls ste völkische Früchte zeitigen soll.

Darum sammelt und opfert für da» Sudetendeutsche Hilfswrrk.

Sochschulring deutscher Art Marburg: gez. Otto Feebinghaus. gez. Clären.

Verein für das Deutschtum im Ausland: gez. Prof. Jensen.

Studentenschaft Marburg: gez. Berndt.

Rektorat der Philipps-Universität: gez. Bornbäuser. Vereinigte Vaterländische Verbände Marburg und Um­gegend: gez. Immanuel, Oberst a. D.

Kriegervereine der Stadt Marburg: gez. Dittrich. Jungdeutscher Orden: gez. Lobmeuer.

bei denen die Italiener in dieser Hinsicht nicht die geringsten Schwierigkeiten gemacht haben. Die Pariser Presse ist natürlich neuerdings wieder voll von Verdächtigungen gegenüber Deutschland. Es erübrigt sich, auf sie einzugehen, da sie immer regelmäßig dann wieder auftauchen, wenn die Verhandlungen auf einen toten Punkt zu kommen scheinen.

Der Anzeigenprei» beträgt für den 10 gesp. Zeilenmillimeter 0,08 Goldmark. Amtliche und auswärtige Anzeigen 0,10 Gold, matt Bei schwierigem Satz, sowie b. Platzvorschriften 50 Aufschlag. Sammelanzeige« 100% Aufschlag. Reklamen 0,35 Gold«. 3ebet Rabatt gilt al» Barrabatt und verfällt, wen« die Zahlung später al» 5 läge erfolgt. Belege werden berechnet, ebenso Auskunft durch die Geschäftsstelle und Zusendung der Angebote. Erfüllungsort Marburg, 1 D.-Mk. = 10(4! Dollar

gründliche Reform des sozialen Versiche­rungswesens für notwendig. Dadurch mür­ben sich Ersparnisse erzielen lassen, die man wie­derum den Sozialrentnern zugute kommen lassen könnte. Ein wesentlicher Ausbau der Angestell­tenoersicherung würde sich auch ohne wesentliche Erhöhung der Beiträge ermöglichen lassen. Der Redner wendet sich gegen einzelne Ausführungen des Abg. Karsten. In keinem Staate der Welt würde die Invalidenrente die volle Höhe des Ar­beitsverdienste» erreichen. Die Volkspartei sei im übrigen bereit, mit allen Kräften am Aufbau der sozialen Versicherung mitzuarbeiten.

Ar KirWoftWechMdlilMN

Mrb. Die deutsch-französischen Wirtschaftsver- handlungen sind, wie aus den Pariser Pressemel- hungen hervorgeht, wieder ausgenommen worden. Ob die Bemühungen Staatssekretär Treudelen- b'irgs mit den Franzosen zu einer Verständigung vuf handelspolitischem Gebiet zu kommen, Erfolg haben werden, ist aber wiederum durchaus unge­wiß. Vorläufig hat eine Vollsitzung der beiden Delegationen noch nicht stattgefunden, und das Ge­rücht, daß eine Vollsitzung heute stattfinden werde, hat sich bis jetzt nicht bestätigt. Eine Klärung der augenblicklich wiederum durchaus undurchsichtigen Lage erwartet man in hiesigen politischen und Wirtschaftlichen Kreisen erst in der vorgesehenen Plenarsitzung der Delegationen.

Nach soeben aus Paris eingetroffenen fran- . zösifchen Meldungen hat Dr. Trendelenburg in sei- «er Unterredung mit Raynaldy inoffizielle Vor- |d)Iäge über eine Uebergangslösung gemacht, die darin bestehen soll, daß die Provisoriums- periode um 7 oder 8 Monate verlängert werden soll. Trendelenburg habe jedoch wiederum verlangt, schon jetzt über das endgültige tzol Istatut Frankreichs unterrichtet zu werden. Die Bestätigung dieser Meldung muß ab- gewartet werden. Was die angebliche deutsche Be. hingung, von der gesprochen wird, angeht, so glaubt man hier allerdings Grund zu der An- nähme zu haben, daß sie nicht ganz aus der Luft gegriffen ist. Wenn aber ein französisches Blatt weint, auch der neue Vorschlag Trendelenburgs Biele nur darauf ab, für Deutschlandauf Um­wegen die Meistbegünstigung zu retten, so ist aus dieser französischen Aeußerung wiederum deutlich B« ersehen, daß rrtün in Paris dem deutschen Standpunkt offenbar in keiner Weise gerecht wer­den will. Deutschland erstrebt nicht die Meistbe- günstigung auf Umwegen, sondern fordert sie klipp und klar. Die französische Denkweise ist vollkom­men unverständlich. Schon in dem Protokoll vom 12. Oktober, das den Ausgangspunkt für die tzandelsvertragsverhandlungen bildete, hat Deutschland den Franzosen ein Aequivalent, das der Meistbegünstigung entspricht, zugesichert. Die­ses Protokoll wurde zwar niemals veröffentlicht, aber die von der Presse seinerzeit über den In­halt gemachten Angaben sind niemals bestritten worden.

Von deutscher Seite ist während de» ganzen bisherigen Verlaufs der Verhandlung darauf Rück­sicht genommen worden, daß gewisse gesetzliche Be- ftiminitngen in Frankreich der Einräumung der 8e jure-Meistbegünstigung entgegen- stehen. Die deutsche Regierung hat denn auch Staatssekretär Trendelenburg bei dessen kürz, sichern Aufenthalt in Berlin noch einmal aus- driicklich dahingehend instruiert, daß an der for­malen de jure-Meistbegünstigung die Verhandlun- gen nicht scheitern dürfen. Gleichzeitig ist Dr. Trendelenburg aber wieder beauftragt worden, unter allen Umständen zu erreichen, daß die deutsche Einfuhr gegenüber den konkurrierenden Ländern in keiner Weise benachteiligt wird. Mit anderen Worten: Deutschland versteift stch nicht auf Formalitäten, sondern verlangt die fak. fische Meistbegünstigung. Deutschland kann na. sittlich nicht ein Handelsprovisorium abschließen, *he nicht feststeht, daß Frankreich in dem endglll. tigen deutsch-französischen Handelsvertrag der deutschen Einfuhr die faktische Meistbegünstigung tzugesteht. Diesen Standpunkt hat Deutschland selbnverständlich auch in allen übrigen Handels­vertragsverhandlungen, die es noch führt oder schon geführt hat, vertreten. Es fei hier nur an Die deutsch-italienischen Verhandlungen erinnert,

Ei«» Möglichkeit für eine Verständigung.

Pari», 6. Febr. Staatssekretär Dr. Trendelen- brug batte beute vormittag mit Handelsminister Ray- naldi eine längere Unterredung, in deren Verlaus die gestern übermittelten deutschen Vorschläge eingebend be- fvrochen wurden. Von deutscher Seite wird sestgestellt, daß es nicht ausgefchlofien ist, daß sich noch eine Mög­lichkeit für eine Verständigung finden lasse. Man beurteilt in diesen Kreisen die Lage keineswegs so pessimistisch, wie ste die französische Presse dargestellt bat und erwartet, daß im Laufe der demnäckstigen Be­ratungen bestimmte Vorschläge gemacht werden können, die die Grundlage für eine Verständigung abgeben kön­nen. Handelsminister Ravnaldi verläßt beute auf drei Tage Paris. Aus diesem Grunde werden die beiden DelegationsMbrcr ibr» Besprechungen erst zu Beginn der kommenden Woche wieder aufnebmen können. In­zwischen werden die beiden Delegationen mit einander in Fühlung bleiben, um die Studien der Vorschläge beiderseits fortzusetzen.

vorgelegt werden wird. Die Uebernaljtne de Fürsorgepslicht auf bas Reich werde sich vorläufig nicht ermöglichen lassen. 6» sei ein bedenkliche! Weg, alle Kosten auf da» Reich abzuwälzen.

Abg. Frau v. Spober (Deutsch».) tritt eben­falls für den besonderen Schutz der Wöchne. rinnen, insbesondere auch vor und nach der Nie. derkunst, ein und weist darauf hin, daß besonder» die Frauen auf dem Lande in dieser Beziehung geschützt werden müßten.

Abg. Frau Lüders (Dem.) meint, solange bU Fürsorgepflicht nicht zentralisiert fei, müsse da« Reich darauf bringen, daß die zuständigen Ge> meindestellen ihrer selbstverständlichen Pflicht Ir dieser Veziehung auch nachkämen, was in viele» Gemeinden bis jetzt nicht geschehe.

Abg. Frau Arendsee (Kom.) tritt dafür ein, daß das Reich die gesamten Pflichten und Koste* der Wochenhilfe auf sich nehme.

Der Antrag der Frau Schröder wird hieraus dem sozialpolitischen Ausschuß überwiesen.

Zur Besprechung kommt dann die Beteiligung der deutschen Regierung an dem internationale* Arbeitsamt in Genf.

Abg. Lambach (Deutschn.) wendet sich gegen weitere Beteiligung Deutschlands an dem

internationalen Arbeitsamt und ge< gen die Ratifizierung desWashing onerAbr kommens, das schließlich nur ein Bestandteil des Schimpfvertrages von Versailles sei. (Sehi richtig! rechts.) Die Satzung der Internationalen Arbeitsorganisation sei so eingericktet, daß all Arbeitnehmervertreter im wesentlichen nur bi( Marxisten der einzelnen Länder in Frage kämen. In Deutschland habe der Marxismus gründlich ab­gewirtschaftet. Wenn aber Deutschland seine Ber-

Die Denkschrift über die Auswertung.

Der Aufwertungsausschuß des Reichstag» be» schloß, die im Reichsfinanzministerium verfaßte Denkschrift über die Aufwertung, die bisher als vertraulich bezeichnet worden war, freu zugeben. Die Denkschrift gibt in ihrem Hauptteh eine genaue Darlegung der Entwicklung der Auf­wertungsfrage in Deutschland seit Beginn bef Weltkrieges und behandelt int ersten Abschnitt dl« Umstellung be» Erdwesens beim Beginn d.° Weltkrieges und im zweiten den Währungszerfall. Im dritten wird di« Behatrdlung der Aufwertungs­frage durch die Dritte Steuernotverordnung bärge« legt. Der viert« Abschnitt enthält die Aenderungs« vorfchläg« zur Dritten Steuernotverordnung. Zn einem Anhang wird das Aufwertungsprsblem in feiner geschichtlichen Entwicklung vom Altertum bis zum Weltkriege behandelt. Dir Denkschrift kommt ju dem Schluß, daß über die zahlreichen Einzel- fragen, die das Problem bet Aufwertung betreffen, bi« Ansichten wohl weit auseinander gehen. Ueber eines jedoch bestehe in weiten Kreisen Ueberein» sttmmung, namentlich darüber, daß es erforderlich sei, zu einer Regelung zu gelangen, dir etwas Dauerhaftes darstelle. Der Schuldner, der finanziell zusammengebrochen sei, könne die Grundlage für eine neue wirtschaftliche Betätigung nur dadurch gewinnen, daß er mit den alten Gläubigern zu einem Vergleich, einem Zwangsvergleich gelang?,'

tretet nicht aus den Reihen der Marxisten, son­dern aus denen der Christlich-Nationalen wähle, fr würden sie doch nur durch die Marxisten der übri> gen Länder überstimmt werden. Von den 230 An« gestellten des internationalen Arbeitsamtes seien ganze Sechs Deutsche. Das sei die Gleichberechti« tung! (Sehr richtig!) Die Mitglieder bei betr internationalen Arbeitsamt könnten wirschaftlichl Strasmaßnahmen gegen einen Mitgliedsstaat, alsi auch gegen Deutschland, durch den internationale! Gerichtshof herbeiführen. In diesem International len Gerichtshof sei aber Deutschland nicht vertre« ten. (Höri, hört!) Da Deutschland einmal dem internationalen Arbeitsamt angehöre, müsse es im Interesse seiner Würde die rückständigen ^Beiträge nachzahlen, aber gleichzeitig für eine besiere Ver­tretung in dieser Organisation sorge'.,.

Abg. L e m m e r (Dem.) hält die Mitgliedschaft beim internationalen Arbeitsamt für notwendig. Die Ratifizierung des Washingtoner Abkommens über die Arbeitszeit sei notwendig. Zu einem gu« ten Stück sei sie schon in der letzten Verordnung be» Arbeitsministers erfolgt. Jetzt käme es darauf an, der schematischen Verlängerung des Achtstunden­tages entaegenzuwirken. (Unruhe rechts.) Deutschland habe das größte Interesse an der Durchführung jener Entschließung der internatio­nalen Arbeitsorganisation, in der erklärt wird, Deuschlands Reparationsleistungen müßten da ihre Grenzen finden, wo sie nur noch auf Kosten der deutschen Sozialpolitik möglich wären. Das ent­spräche ganz dem Wirthschen Grundsatz6r £ Brot, dann Reparationen!*

Abg. Schlicke (Soz.) weist die Angriffe de» Abg. Lemmer gegen das Arbeitsamt und gegen die Mehrarbeit zurück.

Abg. Stegerwald (Ztr.) begründet einen Zentrumsantrag, der die Reichsregierung ersucht, tbie rückständigen Beiträge Deutschlands zur inter­nationalen Arbeitsorganisation in einem Nach­tragsetat anzufordern, zugleich aber auch auf vollß Gleichberechtigung Deutschlands innerhalb bet internationalen Arbeitsorganisation mit allen Kräften hinzuwirken, und insbesondere dafür z« sorgen, daß die deutsche Sprache al» Amtssprache zugelassen wird.

Nach 7 Uhr abends wird die Weiterberatuna auf Samstag mittag 1 Uhr vertagt, nachdem Prä­sident L o e b e noch mitgeteilt hatte, daß de» Reichstagsabgeordnete Bauer (Soz.) fein Man datniedergelegt hat.

Aby. Ziegler (Dem.) bezeichnet e» als das Ziel einer Reform der Sozialversicherung, mög­lichst hohe Leistungen mit möglichst geringen Bei­trägen zu erreichen. Die Voraussetzung hierfür sei eine wesentliche Herabsetzung der Verwaltungs- ?usaaben. Mit einer Invalidenrente von 14 JA. im Monat sei es unmöglich auszukommen.

Abg. Behrens (Deutschn.) weist besonders auf die schwere Gefahr der Tuberkulose hin, deren Bekämpfung zu einer Volkssache gemacht werden müsse. Bei der A uf w e r t u n g dürfe man nicht an den Trägern der Sozialversicherung vorbei­gehen. Die Ortskrankenkassen hätten sich große Verdienste erworben. Man dürfe ihnen nicht durch die Konkurrenz vieler Sonderkassen die Existenz erschweren.

Abg. Schneider- Berlin (Dem.) begründet den Antrag seiner Partei, der das A n g e st e l l - tenversicherungsgesetz dahin abändern will, daß bei solchen Versicherten, die ihre Warte­zeit abgekürzt haben, der als Prämienreserve ein­gezahlte Kapitalsbetrag bei der Rentenfestsetzung angemessen berücksichtigt wird.

Das Kapitel Sozialversicherung beim Haus­haltsplan des Reichsarbeitsministerium wird so­dann in der Ausschußsaffung angenommen.

Abg. Frau Schröder (Soz.) begründet sodann einen sozialdemokratischen Antrag, der eine gesetz­liche Erhöhung der Mindestsätze der Wochen« Hilfe und Familienwochenhilfe um 50 Prozent fordert und welcher ein Gesetz wünscht, das die Wochenfürsorge aus bet Fürsorgepflicht berausmhnnt und wieder auf da» Reich überträgt. Der Antrag wünscht weiter, daß bas Washingtoner Uebereinkommen vom Reichsrat ratifiziert werde, das die Beschäftigung ber Frauen vor unb nach bet Niederkunft regelt. Ter Reichsat- beitsminifter habe dieses Washingtoner Ueberein- kommen nicht zur Annahme empfohlen, sondern sich auf den ablehnenden Standvunkt be» Reichs­rates gestellt. (Höri, Höri!) Das ihm nachgerühmte soziale Verständnis zeige sich hier nicht. Er habe zwar nichts dagegen gehabt, daß Wöchnerinnen sechs Wochen vor ihrer Niederkunft die Arbeit niederlegten, aber er wollte auch keine Wochen- hälfe üfr diese Zeit gewähren. Wovon sollten diese Wöchnerinnen denn leben? a

Ministerialdirektor ©tiefet vom Reichsar­beitsministerium erklärt, daß das Washingtoner Uebereinkommen, das sich mit dem Schutz der WöchnetinnM befaßt, hem Reichstag demnächst

Sic Bmwigung dcc Wfirtcntrolte

DasJournal be Eenäve" widmet den Arbeiten Ht in Genf zusammengetretenen ständige Mili- tärkommission des Völkerbundes über die Militär­nachforschung in den besiegten Staaten ausführliche ^kritische Betrachtungen. Das Blatt stellt zunächst fest, daß dasRachforschungsrecht", das nach dem Friedensvertrag ein zeitweiliges sein sollte, infolge Ses Militärnachforschungsplanes des Völkerbundes permanent und gleichzeitig ein Kontrollrecht geworden sei. Des weiteren weist das Blatt darauf hin, daß die Präsidenten der Nachforschungskommissionen ebenfalls einen permanenten Charakter haben und damit praktisch alle Befugnisse der Nachforschungskommissionen in den Händen des jeweiligen Präsidenten liegen, der für Deutschland ein Franzose ist. Infolgedessen würde, so schreibt das Blatt, der Artikel 213 des Versailler Vertrages, der den Militärkontrollen der Alliierten in Deutschland ein Ende bereiten sollte, »um Ergebnis haben, daß die meisten Vollmachten, V« bisher von den alliierten Kommissionen ausge- Bbt wurden, jetzt einem französischen Offizier in die Hände gelegt werden. Zu der zweiten wichtigen Krage, die die ständige Militärkommission des Völkerbundes zu prüfen habe, nämlich die Frage, wie die im Militärnachforschungsplan des Völker­bundes enthaltenen Bestimmungen über die ent» Militarisierten Zonen auf die Rheinlandzone anzu­wenden feien, schreibt dasJournal be Gendve": Die Kommission wirb zu erklären haben, an wel­chen Punkten des deutschen Gebietes die Kontrolle permanent fein wird. Man gelangt damit zu dem «rstaunlichen Ergebnis, daß nach dem Ende der alli- terteu Besetzung der Rheingebiete eine neue Be-

DteRuhrkredite".

Berlin, 6. Febr. In einigen ausländischen Blättern wird die Ansicht verbreitet, daß die im Sachverständigengutachten vorgesehene Anleihe von 8 0 0 Millionen Goldmark dem Reiche da­zu gedient chabe, die Ausgaben der Großindustri­ellen während deS Ruhrkampfes zu decken. Diese Ansicht beweist eine auffallende Unkenntnis des Sachverständigengutachtens ^nd der im Zusammen­hang damit stehenden Verhandlungen. Die 800- Millionen-Anleihe dient nach dem Gutachten 1. der Si Herstellung der W ä h rungsstab i- lisierung, 2. der Finanzierung der dem Deutschen Reiche nach dem Gutachten obliegenden Sachlieferungen. Dies ist dem Sachverstän­digenplan entsprechend dadurch erziell worden, daß die Devisen, die die Anleihezeichner einzahlten, der Reichsbank zugefühtt worden sind. Die Reichs­bank hat den Goldgegenwert in Reichsmark auf ein besonderes Konto der Reichsregierung einge­zahlt, aus dem die im laufenden Reparationsjahr gemäß dem Gutachten sich ergebenden Verpflich­tungen Deutschlands abegeckt werden. Dieses Konto steht gemäß den Londoner Anleiheverhand- lungen unter der Konttoll« des Generalagenten. ES ist also keine Rede davon, daß die deutsche An­leihe von 1924 zu anderen als den bestimmungs­mäßigen Zwecken gedient haben oder dienen könne.

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Deutscher Reichstag

16. Sitzung vorn 6. Februar.

Auf der Tagesordnung steht die Einzelberatung des Etat» de» Reichsarbeitsmini st e- riums in 2. Lesung. Die dazu vorliegenden Entschließungen sollen 'erst in der 1. Lesung er­ledigt werden.

Bei der Besprechung der sozialen Fürsorge for- deri Abg. Karsten (Soz.) eine Erhöhung der Invalidenrente. Die wirklichen Sätze stünden in keinem Verhältnis zu der Teuerung. Richt nur die Invalidenrenten, sondern auch alle übrigen So­zialrenten bedürfen dringend der Aufbesserung.

Abg. Dr. Moldenhauer (D. Vpt.) .hält eine

SieObeihessische Zeitung" erscheint sechsmal wöchentlich. Bezugspreis monatlich 2 Mark ausschließlich Zustellungsge- »ithr. Durch die Post 2,25 Mk. Für ausfallende Nummern infolge Streiks oder elementarer Ereignisse kein Ersatz. Verlag »»« Dr.C. Hltzerott>. Druck der Unio.-Buchdruckerei von Jod. Auq. Koch, Markt 21,23. Fernsprecher: Verlag und Geschäfts­stelle: Nr. 55, Schriftleitung: Nr. 666. Postscheckkonto: Nr 5015 Amt Frankfurt a. Main.