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Ist RinwLaslm
Um die Aufmerksamkeit von den L Siebungen der Herren Heilmann. Bauer und Richter zu dem Oberschieber Barmat abzulenken, bat die Links- Gresse ein gewaltiges Eelibr-i wegen des Ausgleichs der Mi cum lasten erhoben. Der naive kejer müßte — und sollte wohl auch — glauben, daß Ibne jeden vernünftigen Grund 700 Millionen Gold- «tarf aus der Reichskasse der Ruhrindustrie m den Nachcn geworfen seien, und zwar von dem Kabinett eutbcr. Diesen letzten und größten Unsinn bat man Hann zuerst mi "en, da ja die 9 »szablung
-om Kabinett Marr veranlaßt und die Verpflichtung •MU schon im Herbst 1923 von dem Kabinett der gro- wen Koalition" uni r Dr. Streiemann ausgesprochen »orden ist. Der „Vorwärts" bestreitet, daß Dr. Hilfer- fc-jin, der vom August bis zum Oktober 1923 Reichs- ffinanzminister war, an dem Beschluß beteiligt gewesen «i; aber unzweifelbaft ist doch, daß noch mehrere So- Dalisten, darunter Bobbi Schmidt als Vizekanzler, bis Dum Dezember 1923 im Reichskabinett weilten. Ebenso jfeft steht auch die allgemeine Ueberzeugung, daß die Dl u h r i n d u st r i e die Micum-Last<n nicht allein tra- sDen konnte und sollte. Strittig bleiben allein die Höhe jmd der Modus der Vergütung sowie die etatsrechtliche Aage, ob die Rückerstattung als eine Bezahlung für ^Nachlieferungen anzusehen sei. in welchem Falle eine be Hindere Bewilligung durch den Reichstag nicht erforder- Dch gewesen wäre. Das Kabinett Lutber hat sich »u der «engeren Auffasiung bekannt und will die nachträgliche Zustimmung des Parlaments einbolen. Außerdem j»ird sie bereits in den nächsten Tagen eine umfang» Weiche Denkschrift vorlegen. Je näher diese Termine Heften, desto stiller wird die Linkspresse. Es fehlte Hen „Enthüllungen" und Entrüstungen nämlich von Mniang an jede Angabe darüber, daß es bei der Wieder- «rstattung der Mirum-Lasten etwa mit unrechten Din- •kn zugegangen sei. Von einem „Panama" war keine Medc. Rur die Behauptung tauchte auf, daß die Entschädigungen, die übrigens 75 v. H. der Forderungen besagen haben — zu hoch gewesen und daß die Großen eet den Kleinen bevorzugt worden seien. Mit dem Ur» Heil darüber kann man, wie uns scheint, sehr gut und Manz ruhig bis zu der Veröffentlichung der Regierungs- Mnkschrift warten. Die bisherige moralisch« Ent- Hilstung war höchst künstlich aufgcpumvt.
Die Ruhrkrcdite.
Berlin, 3. Febr. Der „Vorwärts" wendet pch gegen die Behauptung einiger MvrgSnblätter, Wonach in der Sitzung des Reichskabinetts vom UV. 10. 1923 in Gegenwart des preußischen Mi- ^»isterprästdenten Braun die Frage einer Geld- Intschädigung der Ruhrindustrie be- Mrochen wurde. In jener Sitzung sei lediglich eine Dtenerstundung ins Ange gefaßt worden, vorbehaltlich späterer Verrechnung und einer Vorlage »n den Reichstag. An einer Entschädigung, noch Zazu in einem so ungeheuerlichen Ausmaße, habe ,M dieser Sitzung niemand gedacht.
Mi« Auslandsverhetzung in der Ruhreutschädi- gungSfrage.
Tie wüste Hetze der Sozialdemokratie gegen die Rückerstattung der von der Westindustrie gefragt» •een MIcumlasten, die dazu dienen soll, die Auf- jmerksamkeit der Oeffentlichkeit von dem als peinlich empfundenen Barmat-Schmutz abzulenken, be- gtinut im Auslande bittere Früchte zu tragen. Mit Wonne stürzt sich die französische und unter fran- Mischem Einfluß stehende Pressemeute auf diesen ß» mundgerecht dargereichten fetten Bissen. Paßt doch die Lesart der angeblich deutschen Sozialdemokratie ebenso wundervoll in das Propagandapro- Iram-n unsrer Gegner, wie einst während des Kriegs die Vorkriegsverleumdungen linksradikaler Or- Hane gegen den angeblichen Militarismus. Die Schwerindustrie Ist das rote Tuch geworden, das jFrankreich vor aller Welt schwenkt. Und nun be- Hailpten deutsche Zeitungen selbst, die ReichSregie- iiraiig gäbe in der Form von Korruptioüsfond» die- 5er Schwerindustrie fast den gesamten Betrag der Am ?lnsland zusainmengepumpten Kredite. Daß es Mch um Abtragung von Verpflichtungen handelt, fcie unter Regierungen, in denen der sozialdemo- Iratische Einfluß fiihrend war, eingegangen sind, davon darf das Ausland natürlich nichts erfahren. 8s grenzt geradezu an widernatürliche Schamlosigkeit, ivenn der „Vorwärts" die wörtliche Widergabe feiner Skandalmeldungen aus französischen Zei- htngen bann zum zweiten Male als „Eindruck des Auslandes" seinen Lesern vorkaut. Es ist zu wünschen, daß die Regierung in überall verständlicher Weise die Führung in der Aufklärung übernimmt.
ZkiiMtt RMslag
Sozialpolitik im Reichstag.
Am Dienstag hat der Reichstag, nach so langen und schweren Kriseszeiten, nun endlich mit der praktischen Arbeit üngefangen. Gleich zeigte sich dann auch das von früher her gewohnte Bud: rin knapp halbbesetztes Haus und ivenig innere Aufregung. Zunächst waren zwei Abkommen mit fremden Staaten, nämlich der Tschechoslowakei und Siam, zu verabschieden, was ohne Diskussion tzeschah. Zwischendurch machten die Kommunisten -inen Vorstoß, um einen Untersuchungsausschuß wegen der Bezahlung der Micum-Lasten an dis Ruhrindustrie einzusetzen; aber die Mehrheit wollte verständigerweise erst einmal die Regie- rungsdenkschrist abwnrten. Dann kam man zum Hauptthema, der Etatsberatung. Da eine genaue uebersicht über den Gesamtetat vor der Klärung der Steuerfragen und des neuen Finanzausgleichs noch nicht vorhanden ist, hat man vorläufig auf die allgemeine Aussprache verzichtet und geht zunächst die einzelnen Etats durch. Den Anfang machte das Reichsarbcitsminifterium. Dr.
Brauns, der schon so manches Kabinett überdauert hat, sah ruhig auf seinem Platz und hielt eine Programmrede nicht für nötig, da fa das allgemeine Regierungsprogramm bereits einen sehr ausgedehnten sozialpolitischen Teil enthielt. Und eine der wichtiasten Svezialfragen, nämlich die Stellungnahme zum Achtstundentag und zum Washingtoner Abkommen, hat der Minister soeben in einer schriftlichen Aeußerung behandelt: er erklärt sich darin zu Verhandlungen mit den anderen Staaten über die Unterzeichnung des Abkommens bereit, falls den deutschen Notvorbehalten Rechnung getragen werde. Die Aussprache wurde also von dem Sozialdemokraten Dißmann eröffnet, der mit seiner weithin dröhnenden Stimme durchaus geeignet war, den neuen Oppositionston seiner Partei zu treffen. Aber nicht nur über die Regierung erregte er sich, sondern auch über die Kommunisten, die seine lärmende Rede mit noch größerem Lärm begleiteten. Auch der Deutschnationale Koch-Düsseldorf ärgerte sie ein wenig, indem er sie nachrevolutionäre Großmäuler nannte, aber im ganzen wurde seine Rede mit Ruhe entgegengenommen, da sie durchaus für den sozialpolitischen Forfs-sritt eintrat, wenn auch unter Vereinfachung des Verwaltungsapparates in der sozialen Versicherung sowie unter Dezentralisation der sozialen Behörden und Einrichtungen. Und so kam man langsam aber sicher in das 'ahrroaffer der allgemeinen sozialpolitischen Debatten hinein, an denen sich seit jeher der Reichstag immer etliche Tage lang mehr oder weniger erfreut.
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Sitzung vom 3. Februar.
In erster und zweiter Beratung wird zunächst das deutsch-tschechoslowakische Abkommen vom 3. März 1924 ohne Debatte a n- genommen.
Abg. Stocker (Korn.) beantragt dann außerhalb der Tagesordnung die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses anläßlich des 700 Millio- nen-Geschenkes der Reichsregierung an die Rhein- und Ruhr-Industriellen.
Abg. Müller- Franken (Soz.) erklärt, feine Freunde würden den kommunistischen Antrag nicht unterstützen. Sie würden selbst die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses beantragen, sobald die Regierung ihre Denkschrift vorgelegt habe.
Die sofortige Beratung der kommrmistischen Anträge scheitert an dem Widerspruch des Hauses.
Das deutsch-siamesische Wirtschaftsabkommen wird debattelos hem Auswärtigen Ausschuß überwiesen.
Dann beginnt die zweite Beratung des Etats mit dem Haushalt des Reichsarbeitsministeriums. Nachdem burd) den Abg. Hoch fSoz.) erstatteten Ausschutzbericht spricht als erster Redner Abg. Dißmann fSoz.). Er führt Be- fchwerde über die Lastenverteilung für die Sozialversicherung. Die Arbeitnehmer würden jetzt weit mehr belastet als die Arbeitgeber. Redner forbert eine Erhöhung der Sozialrenten. Der Abg. D i ß- m a n u verurteilt in feinen weiteren Ausführungen die Politik des Arbeitsministeriums in der Arbeitszeitfrage. Er erklärt, den Achtstundentag forderten alle Hand- und Kopfarbeiter. Für die Bergarbeiter unter Tag und die Arbeiter in gesundheitsschädlichen Betrieben müsse eine noch kürzere Arbeitszeit gefordert werden. Die Regierung müsse schleunigst das Washingtoner Abkommen ratifizieren, fönst würben die Gewerkschaften den Volksentscheid über den Achtstundentag herbeiführen. fBeifall bei den Soz.)
Abg. K o ch-Düsseldorf fDeutschn.) verlangt eine Förderung der Sozialpolitik. Don den Sozialdemokraten wird scheinbar der schädigende Einfluß der Do-uesverpflichtungen auf die Sozialpolitik unterschätzt. Es ist eine Irreführung der Masse, wenn man ihnen verschweigt, daß sie einfach nicht mehr so gut leben können, wie vor dem Kriege. Das jetzige System der Erwerbslosenfürsorge läßt sich nicht aufrechterhalten. Auf dem ganzen Gebiet der Sozialversicherung muß eine wesentliche Vereinfachung des Verwaltungsanparates erfolgen im Interesse bet Versicherten. Wir finb gegen jede Zentralisation, besonders in der Krankenversicherung.' Die kleinen und mittleren Krankenkassen müssen erhalten bleiben.
9fbg. Stegerwald (Zentr.) verlangt Aufbesserung der Invalidenrenten und der Sätze der Erwerbslofenfürsorge. Mit dem schematischen Achtstundentag habe man das Bad mit dem Kinde ausgeschüttet. Für eine gesetzliche Regelung der Arbeitszeit sei der Augenblick wenig geeignet; besser wäre eine Vereinbarung zwischen den Gewerkschaften und den Arbeitgebern. Die Verlängerung der Arbeitszeit dürfe nicht Dauereinrichtung werden. Wir fordern die gleichberechtigte Vertretung der Arbeitnehmer in allen wirtschaftlichen Körperschaften, in denen die Unternehmer vertreten finb!
Abg. Thiel fD. Vpt.s wirft ben Sozialdemokraten vor, daß sie mit einem gewissen Schema- ti 9 m u g die sozialpolitischen Fragen behandeln. Die Arbeitgeber und Arbeitnehmer sollten mehr als bisher ohne Inanspruchnahme der SMich- tungsämter durch eigene Vereinbarungen zu einer Verständigung kommen. Die Verbindlichkeitser- klärung von Schiedssprüchen werde aber in allen Fällen notwendig bleiben, wo eine wirtschaftlich schwache Gruppe aus eigener Kraft nicht zu angemessenen Arbeitsbedingungen kommen könne. Der Redner verlangt besondere Berücksichtigung der Interefsen der Angestellten. Er empfiehlt einen Antrag des Ausschusies auf Veranstaltung
einer Erhebung über die Stellenlosigkeit bet Angestellten. Mit bem Hinweis auf die 700 Millionen für die Ruhrindustrie wollten die Sozialdemokraten offenbar die Aufmerksamkeit von anderen Finanzskandalen ablenken. (Sehr richtig! rechtsll In Wirklichkeit handele es sich nur um die Einlösung von Versprechen in schwerster Zeit, die auch im Interesfe der Arbeitnehmer gegeben worden seien. Der Redner nimmt bann die Reichsversicherungsanstalt für Angestellte in Schutz gegen bie Angriffe bet Lin- Ken. Im Wohnungswesen müßten die Mieten so erhöht werben, baß in jebem bas Interepe für ben Wohnungsbau geweckt werbe.
Abg. Schultz (Kom.) richtet heftige Angriffe gegen die Sozialdemokraten, die ben Achtftunben- tag preisgegeben unb burd) ihre Zustimmung zum Dawesplan bie deutsche Arbeiterschaft dem internationalen Großkapital ausgeliefert hätten.
Um 7 Uhr 30 Minuten wird die Weiterberatung auf Mittwoch Nachn ittag 3 Uhr vertagt.
®raf Westarp Vorsitzender der deutschnationalen Fraktion.
Berlin, 8. Febr. Der „B erl. L o k a I a n z." meldet» daß in der heutigen Sitzung der deutsch- nationalen Retchsfraktton Graf Westarp zum Vorsitzenden gewählt wurde. Da» Blatt erblickt in dieser Wahl ein p o l t t i s ch e S B e k e n n t n t» nach der Richtung, daß sich auch der sogenannte altkonservative Teil der deutschnattonalen ReichStagS- fraktion rückhaltlos hinter jene Erklärung der Deutschnationalen gestellt hat, wodurch die Politik des Kabinett» Luther In ihren großen Zügen von den Deutschnationalen gebilligt wird. Wenn Westarp jetzt den Vorsitz der Deutschnatio- nalenm übernommen habe, so bedeute das, daß auch er und sein enger Freundeskreis die Außenpolitik des jetzigen ReichSkabtnettS stütze und billige.
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Dcutschnatrouale Anträge für die Landwirtschaft.
Die Reichstagssraktion der deutschnationalen Volkspartei hat durch ihr« Abgeordneten Lind, v. Lindeiner-Wildau u. a. folgenden Antrag einge» bracht: Der Reichstag wolle befchliegen, die Reichs« regier,mg zu erfuchen, ol in den von Hockw-"-"-- und UnWetterfchöden entstandenen und vom Herrn Reichsfinanzminister anerkannten Rotaebieten wer- bni bet Landwirtschaft aont 1. August 1024 «fc zinslos gestundeten Vermögen» und Enikommen- stenern niedergeschlagen; b) 'ne für bete Steuerfahr 1925 fälligen Steuervorauszahlungen werden bis noch der Ernte sl. Oktober 1925) zinslos gestundet. Desgleichen liegen folgende Anträge der Deutsch- nationalen Landtagsfraktion vor, die fordern: 1. in den erklärten Notgebieten fWetterschadengebte- ten) die für Land- und Forstwirtschaft und (Satten« bau f. 3t. erlassenen Steuerstundungsvorschriften als wirksam bis nach der Ernte 1925 zu erklären; 2. die Erundsteuerbehörden anzuweisen, in den nicht als Notgebiet erklärten, jedoch nachweisbar schwer geschädigten Gebieten und Einzelbetrieben die auf Einzelantrag nach dem z. Zt. geltenden Schonvorschriften gewährten Steuerstundungen von Amts wegen für wirksam bis nach der Ernte 1925 zu erklären; 3. die Gemeinden über den gemeinsamen Erlaß des Ministeriums des Innern und des Ministeriums der Finanzen vom 16. Dezember 1924 hinaus anzuweifen, die für den staatlichen Erundbe- trag in den Notgebieten und sonstigen Wetterschä- den-Eebieten geltenden Steuerstundungs- und Steuerschonvorschriften auf die gemeindlichen Steuerzuschläge und autonomen Gemeindesteuern sinngemäß anzuwenden; 4. weiterhin beschleunigt die erforderlichen Maßnahmen zu treffen, um die gewährten Stcuerstundungen in Anpassung an die nachgewie'enen Wetterschäden von Amts wegen in Steuererlaß umzuwandeln. Die Grundsteuerbehörden sind anzuweisen, bei der Festsetzung der Erund- vermögenssteuerwerte der landwirtschaftlich, forst- wirisichaftlich und gärtnerisch genutzten Grundstücke ausschließlich die nach dem Grundvermögenssteuer- ge^etz zurzeit geltenden Vorschriften über die Ermittlung und Festsetzung des Erttagswertes anzuwenden.
Das Aufwertunssvroblem.
Berlin, 3. Febr. Im Aufwertungsausschuß des Neichstags verlas zunächst der Vorsitzende Steiniger (in.) ein Schreiben des Reichswirtschaftsministers, in dem er dem Ausschuß mitteilt, daß die Soißenverbände ter Landwirtschaft, der Industrie, der Schiffstzrt, des Handwerks, des Groß- und Einzelhandels sowie des Bankwesens bei ibm vorstellig wurden, um ibre Ansichten über die Frage der Aufwertung vorzutragen. Der Reichswirtschaftminister bssürworiet« den Wunsch der Svitzenverband« betr. einer nochmaligen mündlichen Stellungnahme und emofabl, daß seitens des Ausschusies auch dem Reichsbankvräsidenten Gelegenheit ge- aeben werden möge, feine Auffasiung zu äußern. Der Ausschuß bedielt sich seine Entscheidung vor.
Ferner wurde über einen Eeletzentwurk beraten der die einstmalige Aussetzung der Rechtsstreitigkeiten über die Auswertung von Vermögensanlaaen auf Antrag einer Partei zulasien will. Dieser Gesetzvorschlag wich aber von dem Beschluß der letzten Ausschußsitzung inso- sern ab, als er aussvricht. daß dem 'Antrag auf Aussetzung nicht stattzugeben ist, wenn der Gegner der Aus- 'etzung widerspricht und zu besorgen ist. daß ihm durch die Aussetzung ein erheblicher Nachteil entstehen würde. Schließlich wurde ein Antrag des Abg. Wunderlich (Disch. Dolkso.) angenommen, der die Mußvorschrift in eine Kannvorlchrift umwandelt und das Antragsrecht zur Aussetzung der Verhandlung lediglich dem Gläubiger einräumt.
SerrfotS elsaMhringisch» Sergen
Die Verfolgung der aubenvolittschen Linie, di« brr- riot sich und feinem Kabinett beim. Regierungsantritt vorzeichnet«, hat, obwohl st« äußerlich häutig in schrossi stem Gegensatz zu der feit Jahren eingenommenen Haltung seine» Vorgänger» zu sieben schien, bi»ber noch ni» mol» ernsthaft den Bestand der Linksregierung bedroht. Versteht sich doch bei den Franrolen das Nationale, d. h. schärfste Wahrung de» Volksintrresies, so sehr von t-lbsi, daß das französische Volk in dieser Beziehung den Verdächtigungen der Rechtsblockblätter wenig Geschmack ah- gewonnen bat. Man fühlte die Richtigkeit der neue« Methode, die auf Unnachgiebtgkett in der Sache, aber zeitweise auf Entgegenkommen in Form und Rede bin- aurläuft. Selbst ein zeitweilige» Abweichen von dieser Methode wie es in der jüngstbin gehaltenen Haß. rede gegen Deutschland »um Ausdruck gekommen ist, bat nut zu einer nicht sehr ernst zu nehmenden Mißstimmungsdemonstration der sozialistischen Gruppe obn« weitere Folgen geführt. Auf Schritt und Tritt gefährlich ist dagegen der notgedrungen krummlinige und von Schwierigkeiten überwuchette inneroolitische Weg Herriots. Die Durchführung des kirchenfeind lichen Programm» in Frankreich selbst und mehr nah in Elsaß-Lotbringen hat Stürme der Leidenschaft und Entrüstung erregt.
In der Evrachendebatte ist e» Herriot nochmal» gelungen, durch rednerischen Volleinsatz seiner Persönlich, leit die Kammer wenigstens äußerlich Io zu einigen. ba| die Vertreter Elsaß-Lotbringen» auf oie erneute Dar. legung ibre» Standvunktes verzichteten. Im Kammer- ausschuß für Elsaß-Lotbringen ist es allerdings anläß- ltch der Beratung über die Gestaltung der elsaß-lothrin- gischen Verwaltung zu einem regelrechten Auszug der Angehörigen des Nationakblocks gekommen. Man 6ott« es satt, sich andauernd von Kollegen, die »war mit Elsaß- Llthringen nichts zu tun hatten, aber die Kammermebr- beit bildeten, niederstimmen zu lassen und dir elsässisch« und lothringische Prelle hat diesen Zwischenfall außer- ordentlich stark ausgeschlachtet. Der „Elsäsier Kurier" schrieb beispielsweise: „Run sind wir soweit, daß inner« französische Sektierer den elsaß-lothringischen Abgeordneten das Recht absvrechen, in der Kammer als Verfechter der Jnteresien ihrer Wähler aufzutreten. Wir sind soweit, daß unsere Abgeordneten mundtot gemacht werden. Werden nun auch bald jene sehen, die nicht sehen wollen." Die Auszügler erhielten das Vertrauen ibrer Parteien ausgesprochen. Sie haben sich dann wieder unter Abgabe einer Erklärung, in der die Hoffnung »um Ausdruck gebracht wurde, daß die Problem, der „befreiten Gebiete" nicht lediglich varteivolitisch behandelt werden würden, an den Ansschuboerbandlunge« beteiligt. Eine starke Verstimmung ist aber im elsab- lotbringi'chen Volke zurückgeblieben. Diele Ereignisi« und vielleicht auch der mehr als kühne Empfang, der S-eztioi auf jcinor Steife durch <kls«k-Lt>1drl>»»-u aemnr. den ist, mögen ihn" veranlaßt haben, in der Frage der Vertretung beim Vatikan den elsässischen wünschen ]• weit entgegen zu kommen, daß die Botschaft Frankreich» beim Vatikan zwar abgeschafft wird, daß aber eine Sonderbotschaft des Elsaß besteben bleiben soll. Dieser Komvromißentschlub, auf den der Linksblock noch dazu nicht vorbereitet worden ist, bat einen Sturm der Entrüstung auf der linken Kammerseite hervorgerusen. Rur der Aufbietung taktischer Eeschäftsordnungskniffe ist es gelungen, einen offenen Bruch des Herriots-Block» zu verhindern. Nun befindet sich Serriot in der wenig angenehmen Lage, gegen die Ansichten eines großen Teils seiner Koalition einen ihm selbst unsympathischen Antrag vertreten zu müsien. Frankreich wird nob häufig und vielleicht in wachsendem Maße erkennen, daß die ..Befreiung" eines so anders gearteten Gebietsteiles, roie ei Elsaß-Lotbringen. das kerndeutsch allemannische Land, darstellt, für das zentralistisch regierte und uniformiert« Frankreich eine sehr zweifelhaft« Erwerbung darstellt.
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Mtb. Berlin, 3. Febr. Die deutsch-französischen Wirtschaftsverhanblungen, bie burch ben Berliner Aufenthalt des Führers ber deutschen Delegation Staatssekretärs Trendelenburg wieder einige Tage unterbrochen werden mußten, werden jetzt in Paris fortgesetzt. Etaatssekretäl Trendelenburg ist bereits nach Paris abgereist. Diese Tatsache liefert erneut den Beweis dafür, daß Deutschland sich bis zum letzten für eine Verständigung mit unserem französischen Nachbarn auf wirtschaftlichem Gebiet einsetzt. Auch Reichskanzler Luther ist ebenso wie sein Vorgänger Marx gewillt, die Fäden mit Frankreich nicht ab reifen zu lassen. In Kreisen, die ber Reichsregierung nahestehen, hofft man nun bestimmt, daß die Verhandlungen jetzt nach der Rückkehr Trendelenburgs nach Paris in ihr letztes Stabium treten werden. Staatssekretär Tren- belenburg hat von Berlin ben Auftrag nach Paris mitgenommen, bie Handelsvertragsverhandlungep nunmehr mit bem Ziel eeiner definitiven Rege- lung fortzufetzen. Die Hauptfchwiettakeit liegt nach wie vor in der Frage ber Meistbegülist i g u n g. Frankreich hat es bisher immer abgelehnt, Deutschlanb die de jure-Meistbegünstigung zu gewähren, und zwar mit ber Begründung, baß Die französischen gesetzlichen Bestimmungen bie» nicht zulteßen. Deutschlanb hat sich noch nie an* Formalitäten versteift, unb deshalb hat Trendelenburg auch jetzt den Auftrag erl)alten, nur auf die Erlangung ber de facto»Meistbegünstigung hinzuwirken.
Staatssekretär Trendelenburg wird bei seinen Verhandlungen ängstlich bemüht fein, eine Verquickung von Wirtschaftssragen mit politischen Jnteresien zu vermeiden. Wir dürfen uns allerdings nicht verhehlen daß die P e r h a n d l u n gs- atmosphäre fetzt eine ungünstige ist. In die Zeit, da Staatssekretär Trendelenburg hier in Berlin weilt, um sich neue Instruktionen zu holen, fallen die bekannten Kammerreden Herriols über das Verhältnis Frankreichs zu Deutjchlan.d, fallen auch die sehr unfreundlichen Kommentare, mit denen fast die gesamte französische Presse d-e lana- len Ausführungen des deutschen Reich-Kanzlers über den deutschen Berständigungswillen begleitet