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Marburg a. L, Sirnstag, den 1 Februar

oo. sahrg. ISA

DbscheWchs IsrtvKtz

Anzeiger für -das früher kurheWKe) SberWen - Amtliches Berkündigungsblatt des «ES Marburg

Der gegenwärtige Stand der Regie-

s Mlb.

in Preußen ist gekennzeichnet

n g s k r i s e

«uflösnug M Landtage»?

Berlin. L. Febr. Wie bte Blätter melden, verliefen ebenso wie bte Verhandlungen mit dem Vorsitzenden der Wirtschaftrpartei, Laden» darkk auch dl» beuttaeu BelorecLunaen bet preußi­

schen Ministerpräsidenten mit den Vertretern der Deutschen Volk-Partei über die Beteili­gung an der Regierung in Preußen ergeb­nislos. Der Ministerpräsident dürfte, wie die Blätter vermuten, nunmehr auf die Annahme seiner Wahl verzichten und noch heute abend dem Land­tagspräsidenten entsprechend« Mitteilung machen. Beim Zentrum, den Demokraten und Sozial­demokraten soll die Absicht bestehen, einen Ber» treter des Zentrum» zum Ministerpräsidenten zu wählen. E» wird in diesem Zusammenhang« wieder­um der Name Horton genannt, der den Versuch machen soll, die Unterstützung der WirtschaftSpar» tet für ein unter der Zentrumsführung stehende» Kabinett der Weimarer Koalition zu gewinnen. Eine andere von den Blättern verzeichnete Version geht dahin, daß da» Zentrum mit den Demo­kraten eine MinderhettSregierung bilden solle, die von Fall zu Fall sich auf wechselnde Mehrheiten stützen würde. Sollten jedoch diese Möglichkeiten scheitern, so bleibt, wie die Blätter hervorheben, nicht- andere» als bte Auflösung de» Land * tage- übrig.

Gegen die KrjegWuMge

Schulungswoche des deutscheu Frauenausschuss«» zur Bekämpfung der Schuldlüge.

Die Schulungswoche des deutschen Frauenausschusses zur Bekämpfung der Schuldlüge fand in der Zeit vom 27 bis 30. Januar in Darmstadt statt.

Der Ausickmb will den Kampf gegen die Kriegs- schuldlüge nur führen als eine rein deutsche Sache und ohne Barteieinstellung. Er will ihn freihalien vom parteivolitiicken Getriebe, von parteivrlitischem Leid und Eifersucht. Der Kampf, der nur mit objektiv­ster Wahrheit zu führen ist, muh in zweierlei Einsicht gekührt werden, und zwar defenstv, indem man den ge­gen uns sprechenden Schein durch Feststellung der Wahr­heit widerlegt, und ofsenstv, indem man die Behaup­tung bekämpft, wir hätten die zerstörten Gebiete Nord­frankreichs nicht ausbauen wollen.

Sie vreußtschk RrgitkungÄrise

Kammer. Die Kammer lehnte den Antrag aus Rückverweisung mit 814 gegen 250 Stimmen ab. Damit hat die Summet der Beseitigung der fran­zösischen Botschaft beim Vatikan zugestimmt.

Zweck der Schulungswoche war es, tx einer Reih« von Referaten den Mitarbeiterinnen an der Bekämve hing der Schuldlüge »uverlSssige» Rüstzeug an bte Sand tu geben, oder doch tum mindesten Hin­weise und Anregungen. In eingehenden Aussprachen über die verschiedenen Themen wurde den Teilnehmern ehr viel Material für die Propaganda geliefert. Di« Generaldebatte gab außerdem Gelegenheit, über bte noA zweifelhaften Fragen von namhaften Kennern der Desamtfragen Aufschluß zu erhalten. E» ist nur be­dauerlich, daß an der Tagung metst nur Damen te-lneh. men, die schon in der Bewegung stehen und an sich von dem Geist getragen find, gegen di« Schuldlüge zu kämp­fen. Es wär« vielleicht angebracht, bte kommende Ta­gung, die aller Voraussicht nach im Olten stattfinden wird, auf eine etwa» breiter« Basis zu stellen.

Berlin, 2. Febr. Heute abend hat eine in­terfraktionelle Sitzung de» Zentrum», der Sozialdemokraten und der Demokraten stattgefunden, gn ihr referierte Ministerpräsident Braun Wer seine Versuche, ein Kabinett zufammenzubrUr- Ftn. Er erklärte, daß er diese Versuche noch ortsetzen werde, da er noch nicht alle Möglich­keiten als erledigt ansehe. x

Berlin, 2. Febr. Ueber die Frage, ob Mini­sterpräsident Braun die Möglichkeiten, ein Kabi­nett zustande zu bringen, als erschöpft ansieht, ver­lautet aus parlamentarischen Kreisen, daß damit tu rechnen ist, daß mit der Fraktion der Deutschen iolkspartei nochmal» Unterhandlungen gepflogen werden. Jedenfalls sei nicht anzunehmcn, vaß Braun seinen Auftrag vor Mittwoch Abend feezw. Donnerstag zurückgibt. Ein« ander« Lösung ti» eine solche mit der Deutschen Bolk»partet er­scheine jedoch ausgeschlossen.

fk. Berlin, 3. Febr. DenDüsseldorfer Nach- Sichten" zufolge ist die preußische Zentrum«, fraktion erneut an den Landeshauptmann Dr. H o r i o n herangetreten, um mit ihm Fühlung Jörgen der Uebernahme der Ministerpräsidentschaft in Preußen zu nehmen. Dr. Horion wird in den nächsten Tagen nach Berlin fahren, um sich mit feen Führern der ZentrumSfraktton in Berbindung zu setzen.

DieAbrüstung- der Alliierten.

London, 2. Febr.Evening News" zufolge beabsichtigt die Regierung, drei wertere K r e u z e r zu bauen, womit sich die Zahl der vorn Arbeiterkabinett bewilligten 5 leichten Kreuzer aus 8 erhöhen werde. Die Besprechungen zwischen dem Schatzamt und der Admiralität seien noch im Gange. Außer den leichten Kreuzern wünsche die Admiralität ferner mehr Zerstörer und Untersee­boote. Die Forderungen der Admiraliät würden sich im nächsten Finanzjahr auf ungefähr 10 Millio- nen Pfund belaufen.

Die Aufhebung der sranzSsifchen Botschaft beim Vatikan.

Pari», 3. Febr. In der gestrigen Kammer­sitzung trat der linksrepublikanische Abgeordnete Abb6 Lemire ebenfalls für die Beibehaltung der Botschaft beim Vatikan ein, worauf die Diskussion geschlossen wuroe. Ministerpräuoent Herriot stellte namens der Regierung die Vertrauensfrage gegen die von der rechten Seite beantragte Zurückver­weisung des Artikels 9 des Budgets für auswär­tige Angelegenheiten an den Fin.anzausschuß der

Ar SudekndruWni

Kein Staat unter all den Nachfolgestaaten der ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie ist b sehr Zufallsprodukt und al« Etaatseinheit so sehr ein völlig neues Gebilde, als die Tfchecho-Elowakei. Denn niemals zuvor bestand ein Staat solchen Ge­präges, es sei denn int Rahmen eines größeren Ganzen. Es ist notwendig, dies hier ausdrücklich ,u betonen, denn die staatsrechtlichen Grundlage« hres gegenwärtigen Staates versuchten dl« Tschechen aus dem berüchtigtenböhmischen Staat«. recht" zu beweisen, das auch zugleich dir historisch« Berechtigung der gegenwärtigen Grenzen de» Staates beglaubigen sollte. So war es auch mög­lich gewesen, daß trotz des Selbstbestimmungsreäne» der Völker unter besten Parole ja alle Friedens­verträge geschloffen wurden, fast 8% Millionen Deutsche unseres geschlossenen Siedlungsgebietes wider ihren Willen Mitträger eines Staates wur­den, den sie auch heute noch entschieden ablehnen.

Wenn wir nun heute von einer deutschen Be­völkerung tm tschecho-slowakischen Staate sprechen, ö muß deutlich und klar zwischen dem Sudeten­deutschtum und der übrigen auf Sprachinseln leben­den deutschen Bevölkerung unterschieden werden. Ersteres ist bodenständig (schon im 13. Zahrhun- dert), unzertrennlich mit dem gesamten Leben de» Landes verwachsen. Letzteres ist erst allmählich durch Kolonisation freilich auch schon vor Zahr- hunderten entstanden. Zn breiten Streifen um­gibt ein geschlostenes deutsches Siedlungsgeb'.et an den staatlich politischen Grenzen Deutschland» und Deutschösterreichs. Neben diesem geschloffen'» deutschen Siedlungsgebiet finden wir zahlreiche z T. ziemlich große Sprachinseln in den ehemalig»« österreichischen Kronländern Böhmen (z. B. Prag, Budweis), Mähren (z. V. Brünn, Zglau, Olmütz) und Schlesien (z. B. Teschen), die man heut« oll- gemein auch unter das Sudetendeutschtum rechnet. Daneben sind deutsche Sprachinseln in der Slowalel fz. B. Zips, die Stadt Preßburg), di« vor dem Zu» ämmenbruch 1918 zu Ungarn gehörten.

letztere keinen politischen Anschluß an das deutsch« Mutterland fordern konnten, liegt in ihrer geogra­phischen Lage bedingt. Daß sich die Tschechen aber dem Verlangen der Deutschen nach nationaler Zweiteilung Böhmens, Mährens und Schlesiens |» heftig widersetzten, liegt nicht allein in ihrem poli­tischen Ehauvinismus begründet, sondern in der größeren wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit de» Deutschen in diesem Staat. Folgendes Beispiel möge genügen: Von den etwa drei Millionen Deutschen in Böhmen (unter Böhmen ist hier da­ehemalige Kronland zu verstehen), di« 1910 36,8 Prozent der Gesamtbevölkerung in dem Lande aus­machten, wurden vor dem Kriege 5,7 Millionen Kronen Erwerbssteuer, von den 4,2 Millionen Tschechen nur 3,1 Millionen Kronen geleistet: von den rund 100 Millionen Kronen de« böhmischen Landeshaushalt, zahlten di« Deutschen über 50, erhielten aber nur 24 Millionen für ihre kultu­rellen und wirtschaftlichen Bedürfnisse zurück. Dies« nur willkürlich herausgegriflenen Zahlen sollen nur annähernd die Bedeutung des Deutschtums in dem einen Land des tschecho-slowakischen Staates zeigen.

Es kann hier nicht des Weiteren auf solch« Fragen eingegangen werden. Das geschlossen im Kern wohnende und zur organisatorisch-staatliche« Leitung dadurch begünstigte Tschechentum hat fett 1918 nichts unterlasten, um das bodenständig« Deutschtum zu einer unbedeutenden Minderheit herabzudrücken, der Welt den Schein zu geben, al, seien die Deutschen nur fremde Eindringlinge i« diesem Lande. Die Zahl der aufgelösten deutsche« Schulklassen geht weit über tausend. Mit den raffiniertesten Mitteln werden Volkszählungem Kreis- und Wahlbezirkseinteilungengemacht. Die tschechiche Auslandspropaganda steht in Trug und Lug ebenbürtig neben der französischenl

Es wäre sinnlos, sich darüber hinwegzutäuschen, welche Gefahren dem deutschen Volkstum hier (und nicht nur hier, denn 12 Millionen Deutsch« sind durch die Friedensverträge des Selbstbestimmunas« rechts beraubt worden) drohen. Aber der fahr» zehnte lange harte Kampf um die Heimatscholle, das Ringen nicht nur um materielle, sondern vor allem auch geistige Werte schuf in jenen deutsche« Menschen Kräfte, die keiner Macht erliegen können. Jedoch nur dann, wenn diese Millionen Deutsche« jenseits der Staatsgrenzen des ersehnten Mutter­landes in ihrem Glauben gestärkt werden aus dem lebendigen Quell des Gesamtvolkes, wenn sie in ihm Verstehen finden für ihren Kampf. Dr H v. P.

Die tcaflth-tonilthe Lrrme

Ein« merkwürdige Ministerrede.

Mtb. Der dänische Ministerpräsident Stauning hat kürzlich einen Vortrag gehalten, der sich in erster Linie mit der deutsch-dänischen Grenzfrage beschäftigte. Stauning betonte, daß die Lösung der Grenzfrage auf bte Initiative der alliierten Mächte hin erfolgt sei. Dte Grenze liege unge­fähr (!) entsprechend der Gesinnung und den Wün­schen her Bevölkerung. Die Annektion und die Unterdrückung der dänischen Bevölkerung im Jahre 1864 sei unberechtigt gewesen. Die deutsche Sozialdemokratie habe schon tm Jahre 1902 be­schlossen, für eine Lösung der Grenzfrage durch Abstimmung einzutreten. Aber erst der Krieg habe eine Lösung der Erenzfrage durch Abstim­mung könnten von beiden Seiten angefochten wer­den, aber sie hätten dach die Lösung gebracht, die in allen Fällen das Ergebnis gewesen wäre. (?) Nun sei die Bevölkerung wieder vereinigt, die 1864 unterdrückt worden war. Die deutscheMin- derheit, die sogar einen parlamentarischen Vertre­ter habe, könne ihre Sprache und Kultur wahren. Die jetzige Regierung unterscheide sich bezüglich der Grenzfraas nicht von der vorigen. Die Grenze zet eine Ättsacye, oamn mime "mau ortoer,etts rechnen. Jede Agitation, die die Grenze nicht respektiere, sei zu unterlassen. Klugheit und Mä­ßigung müssen walten mit Rücksicht auf die Dänen südlich der Grenze. Stauning wünschte diesen eine ebenso gute Behandlung, wie sie den Deutschen nördlich der Grenze zuteil geworden sei. Die So­zialdemokraten beider Länder hätten bereite eine wertvolle Arbeit für dies Ziel geleistet, die ihre offizielle Fortsetzung gefunden habe in der deutsch- bänifaten Schulkonferenz. Diese würde jedenfalls Früchte tragen und möglicherweise fortgesetzt wer- den. Die chauvinistischen Strömungen diesseits der Grenze müßten bekämpft werden. Die Pläne unverantwortlicher Personen könnten nur schäd- lich wirken und enthielten Gefahren für Däne­mark. Politik in der Grenzsache zu treiben, sei Sache de« Reichstage« und der Regierung. Un- verantwottlicke Kreise sollten sich auf bte Innen­politik beschränken ober für ihre Anschauungen die Mehrheit zu gewinnen suchen.

Der däniscke Staatsminister hat mit seiner Rede gezeigt und hat es auch geradezu offen erklärt, er, was die Lösung von 1920 anbetrifft, keinen anoeren Standpunkt anzunehmen gewillt ist als sein Vorgänger Neergaard, und daß er, ebenso wie dieser, dieGerechtigkeit" dieser Lösung verteidigt, obgleich viele in ihrer Mehrheit deutsche Gemein- den durch diese Lösung in Dänemark ehwerletbt wurden. Was die Bemängelung der Rechte der dänischen Minderheit südlich der Grenze '♦nbe« langt, so dürfte Staatsminister Stauning auch wis­sen, daß Dänemark es war, das im Jahre 1922 einen weitgehenden deutschen Gegenseitigkeitsver­trag abgelehnt hat. Lobeshvmnen auf die gute Behandlung der deutschen Minderheit in Nord­schleswig aus dem Munde dänischer Minister zu hören, ist man ja nachgerade gewohnt. Daß aber die Stimmen, die eben aus der Mitte dieser Min­derheit kommen, ganz anders lauten, gibt immer­hin zu denken. Die letzten Sorte Staunings deu­ten offenbar hin auf die sogenannte dänischeFrei- scharenbewegung", die in den letzten Wochen in Nordscklesnug stark propagiert worden ist. Diese verurteilt Herr Stauning. Daß aber die Auffor­derung des Ministerpräsidenten an die Urheber dieser Bewegung, sich auf die Innenpolitik zu be­schränken, irgendwelche Beachttmg finden wird, möchten wir bezweifeln.

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Str Begriff der .Sicherheit"

In der ausgesprochen unsachlichen und leiben» chaftlichen Rede Herriot« läßt sich als Tat- ächenkern ebenso wie in der betont sachlichen und eher Stimmungserregung sich enthaltenden Rebe Dr. Luthers bas immer wieder in den Vordergrund fick drängende Problem der sogenannten Sicherheit Nachweisen. Die Schwierigkeit in der Beurteilung und in der Inangriffnahme der Sicherungsfrage liegt darin, baß alle beteiligten Staaten naturgemäß von ihrem Standpunkte aus unter Sicherheit etwas anderes verstehen. Deutsch­land kann mit dem Reckr unroioetugit^c«. s--r- fachen darauf Hinweisen, daß der gegenwärtige Zu­stand der Rüstungsfrage und der Grenzgestaltung eine materielle Bedrohung der Nachbarn von vorn­herein ausschließt, bafj aber der ungeschützte Leer­raum in der Mitte Europa» zwangsläufig alle in Frage kommenden Staaten zu Uebergriffen gegen ein Land herausfordert, das sich nicht wehren Rann. In England wird die Sicherungsfrage im allge­meinen so ausgefatzt, daß für Deutschland nach We­sten hin, aber auch für Frankreich nach Osten hin in den Rheinlanden ein neutralisiertes Gebiet ge- schaffen werden soll, dessen Bestehen, möglichst unte iveitgehender Einflußnahme auch Englands Zusammenstöße verhindern ober doch wenigstens erschweren soll. In Frankreich geht man erheblich weiter. Die Nationalisten fordern schlechthin die militärische Rheingrenze mit Brückenköpfen. Die gegenwärtige französische Regierung hat ebenfalls eine Art Neutralisierung der Rheinlande im Auge und hofft dabei auf weitgehenden französischen Einfluß und auf die allmähliche kulturelle Durch­setzung dieser deutschen Lande. Nationalisten rote Angehörige des Linksblocks in Frankreich sind sich aber darüber einig, daß die sogenannte Sicherungs­frage noch erheblich weiter gefaßt werden muh. Sie wünschen auch die französischen Vasallenstaat ten, die auf Kosten Deutschlands ober doch wenig­stens auf Kosten des deutschen Volkstums geschaf­fen worden sind, ebenfalls in den Sicherungspakt einzubeziehen.

Der englische Außenminister Chamberlain hat das französische Sicherungsbedürfnis soeben erst wieder ausdrücklich anerkannt. Nicht etwa des­halb natürlich, weil er tatsächlich an die Niederwer­fung oder Schwächung Frankreichs durch Deutsch­land für möglich hält eine solche Entwicklung wäre bis zu einem gewissen Grade England gar» nicht unangenehm, sondern weil seine Regie­rung mit den tatsächlichen Machtverhältnissen rech­net und keinen Anlaß hat, sich an der Seite des Schwachen Abweisungen zu holen.

Hurch da» Scheitern der Versuche de» neugewShlten Ministerpräsidenten B r a u n , sich diesichere Mehr» Irft" zu verschaffen, die nötig erscheint, um über» Haupt ein Kabinett bilden zu können, da» nicht Zrchnen muß, bei der ersten besten Gelegenheit ge» stürzt zu werden. Infolge der Absage, dte sowohl fee Vertreter der Wirtschaftspartei, al» auch die Her Deutschen BolkSpartei Herrn Braun erteilt haben, ist da» Wiederaufleben der großen Koa- Ltiou, daS Herr Braun im Grunde genommen, »ollte, vereitelt worden. ES erscheint daher als Ha» Wahrscheinlichste, und die Stimmen der Ber­liner Linkspresse berechtigen zu dieser Annahme Haß Herr Braun schon binnen kurzem feinen Auf- trog zur Kabinettsbildung zurü ckge- le n wird.

Der Preußische Landtag würde sich In diesem Dalle abermals vor die Notwendigkeit gestellt jeben, die Wahl eine» Ministerpräsidenten vorzu- Mhmen. Wann die» der Fall sein wird, kann Nicht vorauSgesagt werden. Die nächste Sit- ßang de» Landtage» findet erst am 5. Februar statt «nb auch die Mehrzahl der Fraktionen tritt nicht kor diesem Tage zusammen. Ein Beschluß über Hie Ansetzung der Wahl eines neuen Minister- Präsidenten könnte daher erst frühestens am Mitt- Woch erfolgen, vorausgesetzt, daß Herr Braun über­haupt bis zu diesem Datum schon auf dte gort« sttzungen seiner Bemühnngen verzichtet hat.

Die nächste Frage ist, wer für diesen Fall an Herrn Branns Stelle treten soll. Wie die Dinge gegenwärtig liegen, hat nur ein Kandidat der Mei marer" Koalition Aussicht, gewählt zu Werden, d. h. nur ein Kandidat, auf den mindestens feie Fraktionen des Zentrums, der Sozialdemokraten Mud Demokraten ihre Stimme vereinigen. Rein ferchnerisch wäre natürlich auch die Wahl eines Ministerpräsidenten der Rechtskoalition, d. h. mit Einschluß des Zentrums möglich. Diese Möglich- Mt Ist aber durchaus hypothetisch, da da- Zentrum bisher keinen Zweifel darüber gelassen hat, daß feie Bildung einer Rechtskoalition oder auch nur toter Preußischen Regierung nach dem Vorbild der Mgenwärtigen ReichSregierung für da» Zentrum hinter keinen Umständen" in Frage kommt.

Da aber auch die Weimarer Koalition an sich «Icht über die zu einer ersprießlichen Regierungs- stthrnng erforderlichesichere Mehrheit" verfügt, Wird man, falls man die Landtagsauflösung noch Wcrmei'oen will, versuchen müssen, die in der Wei- isarer Koalition nun einmal gegebene Siegle» «aitgsbasiS auf irgendeine inoffizielle Weise zu Herbreitern. In diesem Sinne ist nun der Gedanke Imfgetaucht, ein Mitglied der Zentrumspartei als Ibnbibaten für die Ministerpräsidentschaft zu no- Wäeren und durch die Parteien der Weimarer Koa- stttion wählen zu lassen. Der so gewählt« Mini- Perpräsident soll jedoch dann nicht ein Kabinett Wer Weimarer Koalition, sondern nur ein Kabi- pett ans Zentrumsleuten und Demokraten bilden, fea? sieht wie eine Verengung der Regiernngs- fcflS ans, wäre also das Gegenteil von dem, was mach unfern obigen Darlegungen erstrebt wird. Doch Kefe Verengung ist nur scheinbar. In Wirklich- Ikit hofft man gerade dadurch, daß nur Minister Ifeec bürgerlichen Mitte dem Kabinett angehören, 'schließlich doch noch die Wirtschaftspartei lttcr sogar die Deutsch« BolkSpartei zu Einer mindestens stillschweigenden Duldung dieses stubiireltS zu bewegen. Da die Sozialdemokraten stlbstverständlich dieselbe Haltung, also im schlimm­sten Fallwohlwollende Neutralität" gegenüber «stiem solchen Kabinett beobachten wurden, wäre fe« facto die oben angebeutete notwendige Ver­breiterung der JiegierungsbasiS erreicht. Ob es ge­lingen wird, zu einer solchen Lösung der Krisis zu fommen, muß allerdings abgewartet werden.

Lhambrrlai« und Luthe».

Mit einer Unfreundlichkelt, die BuffaHen wüßte, wenn nicht der englische Außenminister schon öfter» al« ein Gegner Deutschland» ausgetreten wäre, bat Dur Chamberlain sich über die liebenswürdig« R«d« Dr. Luther» geäußett. Er bedauert« den Ion *'tb den Charakter der deutschen Antwortnoten, lotoi« der letzten Kanzlerred« und wollte von dieser nur den Satz gelten lassen, daß di« Reichsregierung entschlossen sei, etwaig« Verfehlungen in der Entwaffnungsfrag« gut zu machen. Wir erkennen hieran den tonischen englischen Machtvolitiker, der sich um Rechtsfragen nicht kümmert, vielmehr äußert erstaunt ist, wenn ein machtlose» Volk fein Recht fordert. Auch di« Versicherung Chamberlain», daß di« Alliierten entschloßen seien, ihre Verpflichtungen aus dem Versailler Vertrag« gewißenbaft »u erfüllen, nutzt uns garnicht», solange dieSieger" den Anspruch erbeben, den Versailler Vertrag nach eigenem (Butbü.nlen auslegen und anwende u zu dürfen.

Berlin, 2. Febr. Der Parteivorstand der Deutschnationalen Volkspartei beschloß, die Frage de» Parteivorfitzenden der für den 21. Februar ein» berufenen Parteivertretung zu überroeisen. In- zwischen führt der Abgeordnete Winckler die Ge­schäfte als Patteivorfitzender. Im übrigen wurde über den Stand der Frage der Regierungsneubil- düng in Preußen referiert. Man war der Ansicht, daß die Möglichkeiten, ein Kabinett zustande zu bringen, erschöpft find und daß Herr Braun feinen Auftrag zurückgeben werde.