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Marburg a. L, Montag, den r. Februar

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LiUher- Antwort und ihr Echo

, Die Rede des Reichskanzlers Dr. Luther vor

swohl über einen Kompromiß in der Räumungs­

Berlin, 31. Ian. Auf eine Anfrage betref»

find die Grenzregelung an der Weich, rl erteilte das Auswärtige Amt eine Antwort.

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Bayrische Hilfe für die Pfalz.

München, 31. Ian. Das Etaatsministerium hat dem Landtag eine Vorlage auf Genehmigung von 10 Millionen Mark zu Gunsten der Pfalz unterbreitet.

Di» kommunistisch« Gefahr.

München, 31. Jan. Der hiesigen Polizei ist es gelungen, den Organisator des kommu- nischen Ordnungsdienes im Bezirk Süd­bayern in der Person des 25jährigen Monteurs Karl Mayer festzunehmen. Bei Maner wurde umfangreiches Material gefunden. Die Stärke des Ordnungsdienstes beträgt bis jetzt 655 Mann. Die polizeilichen Ermittlungen über das Wesen dieser Organisation haben ergeben, daß sie als kommu­nistische Schule für den Bürgerkrieg zu betrachten ist. Die K. P. D. will sich mit dem Ordnungsdienst eine straff organisierte Kerntruppe schaffen, welcher die Aufgabe zukommt, bei einem bewaffneten Aufstand die Führung der Masten zu übernehmen und den Grundstock für die Rote Armee zu bilden. Dem Ordnungsdienst angegliedert ist ein Verbindungsdienst. Auf Grund des vorgefundenen Materials wurden bis jetzt 35 Personen verhaftet. Das Reichsgericht in Leidig wird sich mit der Strafverfolgung befallen. (Die kommunistische Ge­fahr in Deutschland ist noch längst nicht beseitigt. Eine starke Polizei ist also dringend notwendig, was auch kürzlich Reichskanzler Luther betont hat.

Die Red.)

Aus der Nationalsozialistischen Freiheits­bewegung.

Berlin, 31. Ian. DasBerliner Tageblatt" meldet aus München, daß Ludendorff mit Eitler eine Vereinbarung getrofen habe, daß die von den Abgeordneten Ludendorff, v. Gräfe und Straster gebildete Rsichsführerschaft der Na­tionalsozialistischen Partei zurücktritt, sobald Hitler wieder die Führung übernimmt. Ludendorff be­halte sich jedoch jede anderweitige politische Tätig­keit ausdrücklich vor.

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Deutschland und Oesterreich.

Berlin, 1. Febr. Den Morgenblättern zu­folge äutzette sich Reichskanzler Dr. L u t h e r in einer Unterredung mit dem Vertteter der Wiener Neuen Freien Preste" über das Verhältnis Deutschlands zu Oesterreich. In die Be­ziehungen zwischen Deutschland und Oesterreich klinge immer da« Bewußtsein der Stammes- gemeinschaft hinein. Da die Idee der Stammesgemeinschaft keinen politischen Ausdruck infolge der Friedensverträge finden dürfe, fei es un­vermeidlich. daß sie sich in anderer Weise auswirke, ks werde sich immer mehr eine Gleichheit der Denk- .orm . Herstellen. Als Beispiel führte Luther die Schaffung eines gleichen Strafrechts an, dis zwischen Deutschland und Oesterreich geplant sei. Weiter halte er die wirtschaftliche Auswirkung der Stam- mesgemeinschaft für unausbleiblich. Es werde all­mählich gelingen, die Hinderniste, die im Verkehr und in den wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern bestehen, zu beseitigen.

Eine Denkschrift über die Ruhrkredite.

fk. Berlin 2. Febr. Wie derMontag" wissen will, soll die Regierung beabsichtigen, eine D e n k-

rrgeben; er hat die Forderung nach Vorlage des Mnklageniaterlals" wiederholt, die französischen Besorgnisse vor einer deutschen Bedrohung ein Mein wenig lächerlich gemacht, die Kriegsschuld- vge erneut zurückgewiesen itnb das Eingreifen in ile innere Politik Deutschlands abgewehrt. Aber i versprach auch, die Anlässe zu berechtigten Be- chwerden zu beseitigen, und erklärte sich bereit,

. Anzeiger für As Mer kurMW) SberWea - Amtllchss NerkimbigungMatt -e- «reifes Mar-mg

Trendslenburgs Bericht.

Fortsetzung der Wirtschastsoerhandlungen.

Berlin, 31. Ian. In der Sitzung des Reichs- Kabinetts hat Staatssekretär Dr. T r e n d e l e n - »u rg Bericht über den Stand der deutsch-franzö- Kschen Handelsvertragsverhandlungen erstattet. As wurde beschlossen, die Verhandlungen Hit dem Ziele fortzusetzen. bei einer defini- Kven Regelung für die Waren bee deutschen Ex- Portinteresses die Meistbegünsttgung zu erreichen.

lenn eine scharfe Erwiderung würde den Fran- -sen neue Vorwände gegeben haben, die Räu­mung der ersten Zone hinauszuschieben und auch te Welt mit dem Gespenst einernatlonalisti- chen Reaktion" in Deutschland zu schrecken. Das st nun beides nach Dr. Luthers Rede kaum mehr köglich. Allerdings hat der Kanzler dem d e u t- chen Standpunkt sachlich durchaus nichts ergeben; er hat die Forderung nach Vorlage des

Xe Bemühungen um Ne Regierungs­bildung in Preußen

Vergebene Liebesmühe.

l Berlin, 31. Ian. Der preußische Minister» Präsident Staun verhandelte mit Vertretern der Wirtschaftlichen Bereinigung und er- mchte die Partei, sich an dem neuen Kabinett in beteiligen. Dieses Ansuchen wurde ab. gelehnt mit der Begründung, daß die Partei Ach an keinem Kabinett beteiligen werde, in dem Ai« Sozialdemokratie den bestimmen­den Einfluß habe. Buch in einer Besprechung Beaune mit dem Abg. v. Richter von der D. V.P. wurde kein Ergebnis «zielt.

Die deutsch-polnischen Grenzfchwierigketten.

Ausland

General Ulrich Wille f.

Zürich, 31. Jan. Heute früh ist in Meile» hl Alter von 77 Jahren der General Ulrich Will», Kommandeur der schweizerische« Itu»» ven während des Weltkrieges, gestorben.

An dem Zustandekommen der schweizettschen Heere«» organisation von 1907 und der Trnppenordnuns Vol­löl 1 hatte neben dem Eeneralstabschef Sprechet v. Berneag vor allem Ulrich Wille hervorragende« Anteil. Seine Mutter wie seine Frau, eine (5t8', in Bismarck sind Reichsdeutsche. Im Haus feinet. Eltern am Züricher See verkehrten Klingel, Herweghft Gottfried Keller, Böcklin, Liszt und Richard SBagnet.1 Der Weltkrieg stellte General Wille vor neue schwere. Aufgaben des Grenzschutzes. Gestützt auf die unter Wil»' les Kommando stehende gut ausgebildete Armee wat \ es der Eidgenossenschaft möglich, ihre Reulralität auf» recht zu erhalten.

Der Frankfurter Wohnungsamtskaudal.

Frankfurt a. M., 31. Jan. In der Angelegen­heit der Verhaftungen des Leiters des hi'sigen Woh­nungsamts sowie verschiedener anderer in die Ange» legenheit verwickelter Personen wird heute morgen amt» lich mitgeteilt, daß heute vormittag auch die Beamte» der Ablösungsabteilung Eck st ein, Krebs und Reith wegen Bestechung festgenommen worden sind. Auch der Angestellte Ohli ist unter bcnt Verdacht der Bestechung festgenommen worden. Hebet, das Ergebnis der bisherigen Untersuchung kann infolge de« Umfanges der Angelegenheit noch nichts Endgül­tiges mitgeteilt werden. i

Die Polizei greift auch weiter mtt ungewöhnlich fester Hand in die zerrütteten verhältnilfe des Städ­tischen Wohnungsamtes ein. Sie wie» Sonntag früh sämtliche Polizeireviere an, ibr alle in den einzelne» Revieren vorhandenen leerstehenden Wohnungen unoet», züglich zu melden. Die polizeiliche Untersuchung er­streckt sich auch auf die Personen, die im Wege der Be» techung sich Wohnungen verschafften. Dah die Nachprü­fungen der auf krummen Wegen erworbenen Wobnun» gen sich erst in den Anfängen befinden, ist beute bereits klar. Die Untersuchungen werden sich auf Mo» nate hinaus erstrecken. Man rechnet kn den znstäa, dtgcn Kreisen mit mindestens tausend Anzeigen durch das PublikM. Weitere Verhaftungen stehen dieses ' Tage noch bevor. Sie dürften sich zunächst wcbl am Privatpersonen erstrecken, die sich an de» Schiebung« und Bestechungen aktiv oeteilguen.

s ch r l s t über die Ruhrkredite zu oeröffent» lieben, die vermutlich schon im Lause der Wochq der Oeffentlichkeit übergeben werden wird. i Die Wahl bee Sor^enbe»^« Deutschnationalen

fk. Berlin, 8. Febr. DemMontag" zufolge ist damit äu rechnen daß die zum 21. Februar ein», berufene Tagung der Vertreter der Deutsch» nationalen. Bolkspartei ihren Magert», gen vorläufigen Vorsitzenden Dr. Winkler endgül», na zum Vorsitzenden wählen wird. Am morgigen Dienstag soll die Wahl de« Vorsitzenden innerhalb der deutschnationalen Retchstagssraktion statt» ftnben.

Vi» mißglücktes Attentat auf Einstein. !

Berlin, 81. Jan. Die Russin Dicksen Srge, niewa die bereit« vor einigen Wochen auf Krassin ein Attentat versucht«, batte Prof. Einstein in »eh« reren Drohbriefen mitgeteilt, daß sie auch auf ibn ei» Attentat verüben werde. Einstein, der wiederholt ähnliche Zuschriften von anderen Personen erhalt« batte, batte diesem Schreiben keine Bedeutung beige»! legt. Gestern Abend versucht, st« nun, lautAchtubr»' Abendblatt", sich gewaltsam Einlaß in die Wohnung Einsteins zu verschaffen, um auf ihn ein Attentat «' verüben. Da ihr dies nicht gelang, entfloh sie. Stute' Mittag wurde sie von der Kriminalpolizei lestgenom»/ men. Allem An'bein nach ist di« Russin geisteskrank.

Heraufsetzung der ErwerbslosenunterftLtzungen.

Berlin, 31. Jan. Durch Verordnung vom 30. 1. 25 sind die Höchstsätze für die Erwerbslosen­fürsorge mit Wirkung vom 9. 2. 25 beraufg«» setzt. De Erhöhung beträgt für die männlichen Er­werbslosen etwa 17 % und für die Familienzuschläge etwa 25 % der bisherigen Satz. Wesentlich stärker find die Unterstützungen für Frauen heraukgeseril worden. Diese sind nunmehr einem Beschlusie de, Reichstage, zufolge den Männern in Bezug auf die Höchstsätze völlig gleichgestellt.

Ein Prozeb zwischen Preußen und dem preusiischen Königshaus.

Eottbu«, 31. Jan. In dem Prozeß um di« zu« Sausiideikommitz de« preußischen Königs»! Haus s gebärenden im Bezirk des Landgerichts Cott», bus gelegenen Rittergüter Mittweide und Ekuhien ka« es am 30. Januar vor dem Landgericht Cottbus »uz Verhandlung. Das Königshaus hatte Klage auf big Feststellung erhoben, datz dem Staat ein Eigentum an den genannten Hausiideikommitzgütern nicht tu» ste o e. Nach sechsstündiger eingehender Verhandlung bat das Landgericht Termin zur Verkündungs» entscheidung auf den 3. Februar anbrroumt. !

Konferenz der Finanzminister der deutschen Ländern.

Dresden, 31. Ian. Am 4. Februar findet, wie wir hören, eine Konferenz der Finanzministeg der deutschen Länder in Berlin statt. Gegenstaich der Konferenz ist die Frage des Finanzausgleich? zwischen dem Reich, den Ländern und (Bemeittben.

Der Prozeß gegen diedeutsche Tscheka".

Leipzig, 2. Febr. Wie verlautet, findet wenig« Wochen nach dem Prozeh gegen di«deutsch« T s ch e k a, der am Dienstag, den 10. Februar beginnt, ein weiterer umfangreicher Hochverratsvrozetz gegen dl« bekannten kommunistischen Führer vor dem Staatsge­richtshof zum Schutze der Republik statt. U. a. sind an- geklagt die Mitglieder der kommunistischen Parteien» trale in Berlin, Remmele, Stöcker, Koenen, Frölich, Heckert. Pfeiffer, Linden und Felix Schmidt. Auch die­ser Prozeh wird mehrere Wochen in Anspruch neh­men.

in ber es u.a. heißt: Die Grenzziehung, die tat­sächlich O st Preußen völlig von der Weichsel abschneidet, bedeutet eine schwere Schädi­gung der ostpreußischen Interessen. Sie steht auch nach der oft zum Ausdruck gebrachten Ansicht der Reichsregierung mit dem VersaillerBer- trage im Widerspruch, denn nach diesem soll die f>auptschifflchrtsttnne der Weichsel die Grenze bll» en. Die Reichsregierung hat dieser Auffassung entsprechend die Grenzführung mit allen ihr zu Ge­bote stehenden Mitteln abzuandern versucht, und zwar sowohl der Botschafterkonferenz gegenüber, wie auch durch ihren Vertreter in der Grenzfest­setzungskommission. Sie hat aber einen Erfolg damit nicht erreichen können. Eine rein vorläu­fige Regelung erfolgte im Dezember 1922 durch die Botschafterkonferenz. Balo darauf besetzte Polen die neue Grenze. Die deutsche Regierung benutzte den damaligen Anlaß, um bei der Bot­schafterkonferenz nochmals feierlichst gegen die Linienführung an der Weichsel Verwahrung einzu­legen. Jetzt tritt an die Stelle der vormufigen Bestimmungen die endgültige Regelung. Diese Regelung weist zwar gegenüber den vorläufigen Bestimmungen einige kleine Verbesserungen auf; sie läßt aber in wesentlichen Punkten die Inter­essen der ostpreußischen Bevölkerung und die ent sprechenden von der Reichsregierung mit Nach­druck vertretenen deutschen Wünsche unberück- sichtigt. Die Reicksregieruna hat der Botschafter- Konferenz gegenüber ihre Bedenken gegen die endgültige Regelung mit aller Entschiedenheit gel­tend gemacht und sich weitere Schritte vorbehal­ten. Was schließlich die Gefährdung des Deichs- fystems in der Marienwerder Niederung durch die Grenzziehung anbelangt, fo ist dadurch in der Tat dieses Deichsystem an mehreren Stellen unterbro­chen worden und zum Teil in polnische Hände ge­legt, was naturgemäß einen einheitlichen Deich- sckutz erschwert, wenn nicht unmöglich macht. Die deutsche Regierung verfolgt die Entwicklung die. fer Verhältnisse und insbesondere der guten In- standhaltung der Deiche mit größter Aufmerksam­keit und wird alles, was in ihren Kräften steht, tun, um den Gefahren zu begegnen, denen das durch die Deiche geschützte Gebiet infolge der ohne Rücksicht darauf oorgenommenen Grenzziehung ausgesetzt ist.

Set Barmt > Skandal

Eine interessante Beurteilung de« bisherigen Verlaufes der Landtagsuntersuchung der Barmat- Affäre liefert derTag". Er schreibt:

Die Mitteilungen der nationalen Presse über die Zusammenhänge zwischen Barmatgeschäften und den deuffchenSozialpatrioten" sind nicht nur voll erwiesen, sondern wirken neben dem, was Keser parlamentarische Untersuchungs-Ausschuß ans Licht förderte, eigentlich nur noch als Baga­telle. Das Ungeschick dieser barmattfierten Regie- rungs- und Parlamentsm-inner zeigt sich sofort, wenn man die plumpen Dementis nor einigen Wo­chen mit dem jetzt klarliegenden Tatbestand ver­gleicht. Sie wollten damals bk Barmatfamilie

überhaupt nicht gekannt, geschweige denn mit ihnen gefrühstückt haben. Jetzt müssen sie zuge- ben, daß si« zugunsten ihrer geschäftstüchtigen Freunde masienhaft amtliche Beeinflusiungsver- fuche vorgenommen haben. Aber schlimmer noch eigentlich al« diese kleinen Schiebungen wirkt die Naivität, mit der man damals die Sache einsädelte und mit der man sie heute ausfädeln will.

Herrn Bauer«menschliche Erwägungen" sind geradezu rührend. Er verlangt, daß man ihm glauben soll, er hätte sich für die arme in Rot ge­ratene Familie Barmat verwenden wollen, wäh­rend Herr Julius Barmat ständig im Hotel Bristol wohnte und seinen Freunden Diners gab. Herr Severino und seine Privatsekretärin können sich heute nicht mehr entsinnen, wieso Herr Burma plötzlich zur holländischen Gesandtschaft gehörte. Daß die Sekretärin Rosenheim Aktenstücke, die für da« Auswärtige Amt bestimmt waren, zeich­nete, ist auch ein ourenukratisches Kuriosum. Ein größeres Kuttosum allerdings bleibt ja doch die Tatsache, daß ein f nerzeit von einer bekannten Berliner Zeitung t >sGrotzschieber" entlarvter Geschäftsmann auch weiterhin von ehemaligen Würdenträgern den Behörden geschäftlich empfoh­len werden kann.

Unverständlich ist auch die Hauspolitik in der republikanischen Residenz. Als einzelne Berliner Blätter Beziehungen zwischen Herrn Ebert und den Barmats behaupteten, zeterten die Offiziösen über Verleumdung ufro. Jetzt werden mit der allergrößten Harmlosigkeit plötzlich Beziehungen zugegeben, die über die damaligen Behauptungen weit hinausgehen. Es liegen sogar Marginalien des Herrn Reichspräsidenten zum Falle Barmat vor. Warum dies Versteckspiel? Wir müssen uns wohl noch auf allerlei niedliche Enthüllungen ge­faßt machen, nachdem schon die ersten Sitzungen des Ausschusses soviele drücken wir es milde aus Pikanterien zutage gefördert haben.

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Halle, 1. Febr. Heute abend, am zweiten Tage der akademischen Tagung der Deuffchen BvlkS- partei, sprach ReichSautzenminister Dr. Stress- mann über die Frage Altakademlker und Politik. Die akademische Jugend, von deren Stellung zum öffentlichen Leben unendlich viel für unsere Zukunftsentwicklung abhänge, trete nach dem Umsturz in dieser Zeit der Unsicherheit aller Verhältnisse und Maßstäbe unter ganz anderen Be­dingungen ins Leben, als nach de» Reichsgründung 1871. Da die Führer persönlich den Willen der Massen formen, hätten alle, denen di« Möglichkeit zu geistiger Führung gegeben sei, die Pflicht zur Betätigung im öffentlichen Leben. Der Sozia­lismus sei nur verhältnismäßig kurze Zeit an der Führung des neuen Deuffchlands geblieben und stehe in der inneren geistigen Krise, weil er mit seinen Ideen nicht in die akademische Jugend hin- etnzukommen vermochte. Die in der deutschen Stu- dentenschaft zweifellos vorhandene nationale Ge­sinnung bedürfe jedoch der Vertiefung unter werk­tätiger Mitarbeit an der Gegenwart. Die poli­tische Betätigung der deutschen Akademiker müsse als Ausgangspunkt die Staatsbejahung haben. Wir können uns den Luxus des Kampfe» um die Staatsform nicht gönnen. Reich und Staat sind von außen und innen bedroht. Nicht in ber Be­kämpfung de» Staates wegen seiner inneren Form liegt der Ausfluß nationaler Gesinnung, sondern in der Selbstüberwindung, da mitzuarbeiten, wo von ihrem Innern die größten Opfer verlangt werden. Einer der Haupffehler des alten Systems war die Zurückstotzung vieler Kräfte, die ein in mancher Beziehung erstarkte» Beamtentum mit neuen Anregungen zu erfüllen vermocht hätten. Das deutsche Volk steht jetzt noch mitten in einem revolutionären Zeitalter, mttten im Kampfe um die Neugestaltung des sozialen Denkens und des Ge- sellschaftSaufbaue». Die Zusammenfassung studen­tischer Kreise der deuffchen Bolkspartei bedeutet nicht ein Einzwingen in polttische Dogmen, was dem Begriff einer liberalen Partei an sich wider- sprechen würde. Di« dunkel vor un» liegende Zu­kunft de» deuffchen Volke» wird enffcheidend be­stimmt fein durch di« zuverlässige Einstellung der­jenigen Kräfte zu Staat und Politik, die dazu be­rufen sind, Träger dieser Zukunft zu werden.

nationalen eine ganz falsche Vorstellung gemacht teilten. Die Dinge liegen doch so, daß Deutschland jttr Zeit mit Gewalt überhaupt nichts ausrichten ktann, daß aber die Rechte einer Regierung, an ter sie beteiligt ist, viel lieber eine versöhnliche tolitili konzidiert als einem Linkskabinett, weil te weiß, daß jene niemals in ihrem (Entgegen« «turnen über die Grenze des von der nationalen chre Erlaubten hinausgehen wird. In Varis ist Ran noch unschlüssig, ob man ja oder nein sagen oll: man tut so, als ob der Rede Luthers nicht u trauen fei. Aber allmählich wird man wohl atch dort zu der Uebergeugung kommen» daß es tauig ist, was wir immer gesagt haben: eine ieichsregierung, die nicht die Opposition der )eutschnationalen zu fürchten hat, kann mit den Regnern leichter zu einer vernünftigen Verstän­digung kommen, als das röteste Linkskabinett.

Paris, 1. Febr. Senator Henry de Iou - ienel, der der französffchen Delegation für den Slkerbunb angehört, antwortet heute imMatin" ivff die Rede des Reichskanzlers Dr. Luther. Er .tennt sie die vernünftigste, die seit dem Kriege «» einem deuffchen Munde gekommen sei. Er «He nicht gelten lassen, datz man nur schreit: 8ir laben Mitztrauen! Denn man könne wohl erhandeln, auch wenn man sage, der ReichSkanz- , er sei ein Reaktionär. Aber er vertrete Deutsch- ; end, und das sei ausschlaggebend. Gewiß werde tht Verhandeln mit Deutschland weder leicht noch Lngenehin sein, aber wer den Frieden Herstellen , »lle, müsse eben verhandeln. Zehn Jahre nach der i käuinung der Kölner Zone werde, wenn Deuffch- enb ben Vertrag erfülle, bie Besatzung im Rhein- »nd vollkommen verschwinden. Solle man eiK , i lange warten, um zu verhandeln. Mit Bezug j «f die deutsch-französischen Handels - ,'ertragsverhandlungen sagt be Jouvenel, , *r deutsche Reichskanzler sei ein zu gut unterrich­teter Mann, um nicht zu wissen, baß eine mora- Mche Enffpannung nicht vereinbar sei mit bem Zu ,stand des Wirtschaftskrieges. Möge er also zu Be- Ginn den HandelSfrieden schaffen.

rage als auch über lene vorläufige Lösung ftcherheitssrage zu verhandeln, da die Welt! bention doch noch in weiter Ferne liege. Hierbei B5b er mit Geschick das Interesse Deutschlands an feiner eigenen Sicherheit hervor und betonte die ^Vorleistung", die wir bereits in der Abrüstung fieleiftet hätten und der nun die allgemeine Ab­rüstung folgen müsse, lieber die Mäßigung und bie Verhandlungsbereitschaft des Kabinetts Luther find sowohl die deutschen Linksblätter als auch die französischen Zeitungen sehr erstaunt. Das liegt »ber nur an ihnen, weil sie sich eben von der Politik eines Kabinetts mit Einschluß der Deutsch-

, Die Rede des Reichskanzlers Dr. Luther Mn Vertretern der ausländischen Presse hat Welt sowohl durch ihre formelle Gewandtheit luch besonders durch ihre Mäßigung ü b asch t. Es war nicht leicht für einen national mpfinbenben Deutschen, der aufgeregten Herriot- ede ä la Poincaro eine ruhige und sachliche Ant­wort entgegenzusetzen aber es war klug.