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Ein Kompromiß in der RSnmungsfrage.

Berlin, 26. Jan. DasVerl. Tagebl." hatte aus Washington gemeldet, daß der Berliner Ver­treter ausländischer Zeitungen, Robert Dell, Mitteilungen über die Vorgeschichte der Räu­mung der Kölner Zone gemacht hat, wo­nach die englische Regierung die Absicht gehabt habe,' Frankreich vorzuschlagen, am 10. 5. gleich­zeitig die Kölner Zone und da, gesamte Ruhrge­biet zu räumen. Außenminister Dr. Stresemann habe aber dieses Kompromiß abgelehnt und über­haupt vor den Wahlen irgendwelche Verhandlun­gen über gegenseitige Zugeständnisie nicht führen wollen. Dis Zeit bemerkt dazu: An der Behaup­tung des Herrn Dell ist tatsächlich nur da» ein« richtig, daß «in« privat« Konversation über einen derartigen Kompromißvorschlag stattgefunden hat, nur daß der deutsch« Außenminister den Kompro­mißvorschlag nicht adgelehnt, sondern keinen Zweifel darüber gelassen hat, daß er seinen Einfluß

bleiben im neuen Kabinett grantierten die Beibe­haltung der außenpolitischen Grundlinien. Der Umstand, daß die Deutschnationalen einen sehr et- lieblichen Teil von Deutschlands Wirtschaftsleben verkörpern, mache ihren Ausschluß von der Verant­wortung jetzt nicht ratsam, da die Londoner Ver­pflichtungen verwirklicht werden müßten. Der Ar- ikel schließt:Die ganze neutrale Welt gegen die neue Regierung" verkündete neulich eine Rubrik litt Vorwärts". Diese Behauptung enthalte eine grobe ungehörige Uebertreibung. Die früheren Neutralen hätten keinen Grund, in Deutschlands inneren Angelegenheiten Partei zu ergreifen. Der parteiische Geist, der vollkommen unnötigerweise in so vielen Auslandskorrespon­denzen aus Berlin zum Ausdruck komme, gebe ein entstelltes Bild von dem Kräfteverhältnis der deut­schen politischen Bewegung und dein Grade der Lei­denschaft, mit der das außerhalb des Versailler Friedens stehende Eurova an den Nachrichten aus Berlin Anteil nehme. In diesen Dingen komme es allein dem deutschen Volke zu, Vertrauen oder Mißtrauen zu äußern.

Sr. Kutter an Ne textete «refft

Berlin, 24. Ian. Der Leiter der PresseabteilunS der Reichsregierung batte beute abend die Cbekre freute der Berliner Preis« und di« Vertreter der auswärtigen deutschen Zeitungen zu einem Bierabend in die Räume der Prelseabteilung der Reichsregierung am Wilbelms- vlatz eingeladen. Äußer dem Reichskazler und dem Reich,tagsvräsidenten Löbe waren erschie­nen: Reichsminister des Innern Schiele, Reichswirt- schaftsminister Neubau,, Reichsarbeitsminister B r i u n s, Reichsvostminifter S t i n g l, Reichsverkehrs- minister Krobn«, der Präsident de, ReÄnungsbases Sämisch und di« Staatssekretäre v. Schubert, Kemv- ner, Zweigert. Gelb, Sautter und Admiral Zenker. Rach einer kurzen Begrüßunasansorachc durch den Ministerial­direktor Kiev ergriff Reichskanzler Lutber das Wort zu einer längeren Rede, in der er sich zunächst in launiger Weise über das Verhältnis der Preise zur Regierungs- aussvrache aussvrach. Der Reichskanzler ging dann über zu einer Darstellung der verantwortungsvollen Aufgabe, die der Presse gegenüber dem Valksganzen obliegt, wobei er etwa Folgendes ausfübrte: In dem großen politischen Körper einer Demokratie bestehe die Tatsache, daß die Beziehungen des Einzelnen zu den großen Dingen des Staates indirekt seien, indem der Einzelne ja nur an den Entscheidungen selbst beteiligt sei. Die Aufgabe der V r e s s e sei es. nicht nur das Machtvolitische, sondern auch.das Eefühlspolitliche zu unterstreichen, und in der Malle, der Volkes das direkte Verhältnis zum Staats­wesen im Eanzen zu pflegen. Das sei nur möglich, wenn die Prelle ihre Leser immer und immer wieder vor die Tatsachen stelle, so wie sie sind. Dann werde erreicht, daß ieher, unoeachtet seines Standpunktes, auch in der Lage fei, dem Standpunkt des anderen Gerechtigkeit widerfah­ren zu lallen: dann werde erreicht, was er. lolange er im öffentlichen Leben stehe, immer als fein Lebensziel be­trachtet habe, daß man im politischen Gegner nicht der Feind, sondern den Volksgenossen lebe, der von einem anderen Gesichtspunkte aus an dieselben Dinge heran- gebe.

Er richtete die dringende Bitte an die ^reffe, sich 'tets gegenwärtig zu halten, daß unser Volk nicht in feindliche Klubs zerfalle, sondern ein großer Organis­mus fei, in dem sich die einzelnen Teile selhsinersinnd- tich gegeneinander bewegen müllen, um ein Gesamt­ergebnis zu erreichen, aber nicht gegeneinander kämpfen dürften. Wenn man z. B. von der und

Sozialpolitik sprechen döre. so scheine es manchmal fo. als wäre die Wirtschaft der Standpunkt der Arbeit­geber und die Sozialpolitik der der Arbeitnehmer. Das Tet aber ein llndlng: Die Wirtschaft sei nicht möglich, ohne die lebendigen Kräfte der Arbeite- die man nicht ausvumven dürfe bis zum letzten, in deren man viel- nmbr Teile des Volksganzen und Volksgenossen feiten mülle, die fürsorglich zu behandeln feien. Sozialpolitik tei nicht möglich, ofmc daß die Wirtschaft im Ganzen ge- deibe und Werte erzeuae. mit deren Hilfe die Sozial­politik dnrchae'iibrt werden könne.

Zum Schlnlle gab der Kanzler der Hoffnung Aus­druck, daß er in immer steigendem Make die Möglichkeit haben werde, mit der V-elle zusammen an dem Ziele zu arbeiten, das Trennende zu überwinden und das Einiaende ungeachtet der selbstperständlichen politischen Verschiedenheiten zu betonen. Dann w"rde aber auch in langsamer mübfeliaer Arbeit der Wen nach oben gefunden werden, den wir alle gemeinsam suchten. Die Auskübrungen des Kanzkers, der ein Holl- auf die Prelle ausbrachte, wurden von den Anwesenden mit leb­haftem Beifall aufgenommen.

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London. 24. Jan. Dem diplomatischen Bericht­erstatter desDaily Telegraph" zufolge, wird der bri­tische Vorschlag eine neu« vorläufige Rote an Deutschland in der Frage der Militärkonttolle und der Kölner Zone zu senden, gegenwärtig von den Alli­ierten Englands erwogen.

fb. L o n d o n, 26. Ian. Der diplomatische Be­richterstatter desDaily Telegraf" schreibt, die neue Interims-Note der Alliierten werde heute in Berlin überreicht. Sie enthalte wenig mehr als eine formelle Bestätigung der deutschen Antwort auf die letzte alliierte Note. Sie betone, was an« genommen werde, von neuem die Tatsache, daß vor Eingang des endgültigen Berichts der Kon- trollkommission «keine endgültige Entscheidung von den Alliierten getroffen werden kann. Ge­rüchterweise verlautet, daß die Note außerdem eine kurze Zurückweisung der vor kurzem bärge« legten deutschen Argumente enthalte. Tatsächlich scheine die britische Regierung die französische These angenommen zu haben, daß die Besetzung der ersten Zone automatisch fortbauern solle, bis Deutschland zeigen kann, daß es seine Entwasf« nungsvervslichtungen erfüllt habe, wobei es nur Deutschlands Sache sein solle, den Beweis dafür zu liefern und nicht Sache der Alliietten. Die aufeinanderfolgende Räumung der ersten und Zweiten Zone werde so mehr zu einem Gnaden­akte als zu einer Verpflichtung.

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Mtb. Berlin. 24. Ian.

Nachdem das Kabinett Braun am Freitag auf Grund des Abstimmungsergebnisses im Preußi­schen Landtag die Gesamtdemission beschlossen hatte, begannen bereits am Sonnabend vormittag unverbindliche Besprechungen innerhalb der ein­zelnen Fraktionen. Wie in den Wandelgängen des Preußischen Parlaments erzählt wurde, soll auch bereits zwischen den Fraktionsvorständen der Deutschnationalen, der Deutschen Bolksvartei und des Zentrums eine unverbindliche Fühlung­nahme erfolgt fein. Offizielle Verhandlungen ha­ben aber noch nicht ftattgefunben und sind auch noch nicht vorgesehen. Es heißt, daß von den Rechtsparteien versucht wird, das Zentrum für eine ähnlich« Lösung zu gewinnen, wie sie im Reich erfolgt ist. Ob diese Versuche einen Erfolg versprechen, ist z. Zt. noch nicht zu beurteilen. In demokratischen Kreisen ist man der Auffassung, daß es den bisherigen Oppositionsparteien nicht gelingen werde, eine Koalition analog der im Reich zu Stande zu bringen. Ein überparteiliches Kabinett wie im Reick hält man in diesen Krei­sen für fast ausgeschlossen, weil die einzelnen Parteien in öffentlicher Abstimmung Stellung nehmen müßten. Im Preußschen Zentrum sind starke Strömungen vorhanden, die sich gegen em Zusammengehen mit den Deutschnationalen unter Ausschaltung der Demokraten wenden. Wie man erklärt, soll die Absicht bestehen, dem Zentrum in Preußen den Posten des Ministerpräsidenten an­zubieten. Für diesen Posten werden auch bereits Namen genannt, in erster Linie der des Vize­präsidenten Dr. Porsch. Vorläufig ist sestzu- stellen, daß das Zentrum seit dem Ausgang der lebten Landtagssitzung sehr verschnupft ist und heftige Anklage gegen die Rechtsparteien, insbe­sondere gegen die Deutsche Volkspartei erhebt, tue sogar soweit gehen, daß die Germania dasür Stim- müna macht, Gewehr bei Fuß zu stehen. Im Reichstage hat am Sonnabend Vormittag der Reichspatteivorstand des Zentrums mit den Vor­sitzenden der Landes- und Provinzorganisationen getagt. Die Verhandlungen waren natürlich streng vertraulich. Doch mißt man ihnen im Zu­sammenhang mit der Preußenkrise große Bedeu­tung zu.

Der Aeltestenrat des Preußiscken Landtags hat am Sonnabend Vormittag beschlossen, daß der Landtag am Freitag den 30. Januar zu einer Plenarsitzung gufammentreten soll-» Als einziger Punkt der Tagesordnung ist die Wahl des Mini­sterpräsidenten vorgesehen. Ob es in dieser Sik- ung aber breits zur Wahl kommen wird, ist noch zweifelhaft, da die Rechtsparteien bestrebt sind, Die Wahl noch etwas hinauszuschieben.

Französische Stimmen.

Paris, 24. Ian. Zu der Ministerkrise in Preußen schreibt der radikaleParis Soir", alles werde vom Zentrum abhängen. In Preußen wie im Reiche sei es der Schieds­richter der Lage. Wenn es wolle, könne der M- nisterpräsident aus seiner Partei genommen wer­den; aber bann müsse diese sich entscheiden, ob sie sich nach rechts oder nach links orientieren wolle. DieSibert6 fragt: Werden die Monarchi­sten vielleicht auch in die preußische Regierung eintreten, was für sie möglicherweise noch wichti­ger sei, als in der Reichsregierung vertreten zu fein? Wenn der Reichskanzler Luther Herr der Reichswehr sei so sei Severino bis 'etzt Herr der preußischen Schutzpolizei gewesen. Wenn die Eo- zialbemokraten aus osr Regierung in Preußen einmal entfernt feien, bann fei nichts mehr vor- hcmben, um die deutsche Republik zu verteidigen. Die Rechts entwickle ihre Offensive methodisch imb sie stoße sozusagen auf keinen Widerstand.

Berlin, 26. Jan. DerMontagmorgen" will wissen, daß man in parlamentarischen Kreisen an­nehme, di« preußische Zentrumsfraktion werde den bisherigen Anschluß nach links beibehalten. Sie lege dabet aber besonderen Wert auf die Besetzung deS Ministerpräsidentenpostens durch einen Zen- ttumsmann. ES werde in parlamentarischen Krei­se» angenommen, daß die Weimarer Koalition un­ter einem Zentrumsministerprästdenten keine Aus­sicht aus kSesland und Regierungsfähigkeit habe, lieber die Besetzung des Kabinetts im einzelnen f«trn die Verhandlungen noch im Bange.

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London, 24. Jan. Nack einer Meldung eu» Santiago d e Chile Haven dott junge Offi­ziere von der Residenz des Präsidenten Be« sitz ergriffen, ohne daß Blut vergossen wurde. Ein revolutionär« Komitee soll den Premiea Minister Altamirano in Haft genommen haben. ®» ist nicht bekannt, ob die ganz« Arme« hinter bN revolutionären Bewegung steht.

Nach einem weiteren Funkspruch ist di« Ä* gierungsjunta zurückgetreten, nachdem eine Grupps lunger Offiziere den Mon^apalaft, den Sitz des höchsten Behörde», besetzt hat und Truppen d«G Palast umzingelt haben. Ein« neue He* aierungsjunta ift gebildet worden. Prte stdent Allessandri ist dringend aufgeforbert wor­den, aus Italien »urückzukehren und die Präsident» schäft wieder zu übernehmen. Zu Ausschreitung«« ist es sonst nicht glommen.

Reweork, 24. San. Durch Funkspruch. Wi« «u» Santiago de Ebile gemeldet wird, ist bi« R«» gierungstunt« jurü»««treten, nachdem eine Eruvve iuneer Offiziere den Monedavalast, be» Sitz der höchsten Behörden, besetzt und di« Truppen b«* Palast umzingelt butten. Ein« neue Regieruugstuntu th gebildet worden. Der Präsident Alessandri ist drin­gend aufgefordert worden, au» Italien zuriickzukebren und die Präsidentschaft zu Lberneßmen. Zu v'uefärei- iungeit ist t» sonst nicht gekommen.

Der ««qeigenprei» beträgt fflt den 10 gefp. Z«ilen*ikli«eter 0,0, »eUmait «mtli-h. «e» ««***£ *"»1«** m ' matt Set schwierige» Satz, koste b. Platz».r,chriften»',. «nfschl»^ Sam».l-A,eigen 1»0-f,«»fschl«. teekla«.,0,,r«.ldM , Jeder Rabatt gilt«!» Sattabatl und verfällt, tot» die Zahlung später «US Tage erfolgt »'lea-w-tden betonte ebenso Auskunft durch die Geschäftsstelle und Zusendung der Angebote. etfiUuttgeeti «arbue» 1 ».-Mk. a **l« Do »»

. Oberbeffifch» Zeitung" erscheint s«ch,»«l wöcheutlich. Bezugspreis monatlich 2 Mark ausfchltetzltch ZuKellungsge- :t Dur« die «oft 2,25 Mk. Rilt auofettenbe Nummern infolge Streiks oder elementarer Erergniff« kein Ersatz. B-rla, Dr t Hltrerotb. Druck derUntv.-Bnchdruckerei een Job. Aua. Koch, Markt 21/23. Fernsprecher: Ver.az und Geschäft»«

1 stell« Nr. 56, Schristleitungl Nr. 666. Postscheckkonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt a. Matn. _____

einsetzen würde, um den Kompromißvorschlag, wenn er offiziell an Deutschland gemacht werd«, zur Annahme zu bringen.

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London, 24. Jan. Die Blätter veröffent- lichen ausführliche Berichte au» Amerika über die Wirkung der Reden de» Abgeordneten Marin in der französischen Kammer und be» Sena­tors Borah im amerikanischen Senat.

DieMorning-Post" meldet aus Washington, * sei zwecklos, die Berechtigung der französischen Auf­fassung zu erörtern. Borah habe auf die Belastung de» amerikanifchen EteuerzablerS hingewiefen. Di« Auffassung ,daß Frankreich Geld au» den Tasche» deS amerikanischen Boltes stehle, sei allgemein. @1 lange dieser Glaube bestehe, und e» sei nicht dte leiseste Aussicht auf eine «endernng Vorhände», könne Frankreich nicht auf ein weitere» Entgegen« kommen Amerikas rechnen. Der Bericht führt de» Beschluß der amerikanischen Bankiers, die von ihnen geplante Ausgabe französischer industrieller «nd kommunaler BondS aufzugeben, auf ein von bet Washingtoner Regierung anSgegangene» Ersuche» zurück. Die Regierung sei dagegen, daß Frankreich ein weiterer finanzieller Beistand gewährt werde, solange die Schuldenfrage nicht geregelt sei.

Nach einer Wafhkngtoner Meldung derTim«»* wird die Rede MartnS in amerikanischen Regie« rungSkreisen tief bedauert. Im Kongreß glaub« man jetzt fest, daß Frankreich auf eine Nichtaner­kennung der Schulden hinstrebe; und diese Auf­fassung werde bald im ganzen Lande verbreitet sein. Es brauche nicht gesagt zu werden, welche» die Wirkung auf amerikanische Freundschaft für Frankreich sein müsse.

Nach einer Ncwyorker Meldung derTime»* tritt dieNewhork World" dafür ein, da scher militärische Teil der französischen Schuld annulliert und der kommerzielle Teil fundiert und bezahlt wer­den sollte.

DemDaily Telegraph" zufolge wird auf ttoo- lidge von gemäßigter Seite elngewirkt, daß er er­wäge, ob die von derNewhork World" borge« schlagene Losung nicht in moralischer, politischer und finanzieller Hinsicht vorteilhafter wäre, al» die Behandlung der Sache durch aufregende Reden, wie sie in Paris und Washington gehalten wür­den.

Nach einer Pariser Meldung derMorning-Post* nimmt Frankreich den Protest Borah» ruhig auf. Tatsächlich sei nicht Amerika, sondern dieJohn Bull" da» Ziel der französischen Enttüstung. Di« Amerikaner betrachte man als Kinder, die im Dun« kein umherirren, während man Großbritannien vor« werfe, daß es mit Amerika ein Sonderabkommen ge< schlossen und damit die französische Stellung et« schüttert habe, und daß es nunmehr davon ad« sehe, bei Frankreich auf Zahlung bet Schulden z» dringen, da cs wohl wisse, daß Amerika die» tu«.

Newhork, 24. Jan. DieNewhork Times* schreibt: Die bedeutsame Wirkung der französisch« amerikanischen Auseinandersetzungen Über die Schul­denfrage habe sich gestern bereits bemerkbar ge­macht. Eine Anzahl deutscher industrieller An­leihen sei bereits von den amerikanischen Banken Übernommen worden, während die französischen in­dustriellen Anleihen verzögert würden. Dies werd« ausschließlich der Reaktion der Geldgeber auf bi« Erörterung ber Schuldenfrage zugeschrieben.

Deutschland und der Völkerbund.

fk. London, 26. Ian.Morning Post" be- richtet aus Genf, die Erklärung be» Reichskanz­lers Dr. Luther im Reichstage, bie deutsche Re­gierung erwarte eine Antwort auf ihre Note an den Völkerbund zur Formulierung eines Aus­nahmeantrages werbe bie Frage aufwerfen, welch» Schritte jetzt vom Völkerbund unternommen wer« den fallen. Wenn diese Frage nicht von einem Mitglied auf ber Märzsitzung be» Völkerbunds­rates aufgeworfen werbe, fei es wahrscheinsick baß ein Schritt vor ber nächsten Versammlung bei Völkerbundes erfolgen wird.

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PieMorning Pöft" und die deutsche Verfassung.

London, 24. Ian. Heute beschäftigt sich uch dieM o r n i n g P o st" mit ber inneren Lage -eutschlands und dem deutschen Kabinett. )as Blatt schreibt, daß eine deutsche Regierung den Ernstes die Frage diskutieren würbe, ob bie öeimarer Verfassung beibehalten und ein repu- likanisches System tm Vaterlaub fortgesetzt wer­den solle, unb ooch scheint bas die Hauptfrage le5 Lutherschen Kabinett» zu sein. Im lugenblick beherrscht ein scharfer Nationalist bas Rinifterium des Innern unb es werben bie groß­en Anstrengungen gemacht, Preußen unter natio­nalistische Herrschaft zu bringen. Das alte kriege­rische Deutschland erhebt wieder sein Haupt aus «er Asche ber Niederlage. All diese Kraftaus- Drüche konzentrieren sich in Verachtung der Re- Hierungsinstitutton von Weimar und tn einem Musstacheln der Hoffnung der Rückkehr der Wohenzollern oder eines anderen Deutschen Königlichen Hauses. Schließlich ist die Frage, ob Lsutschland Republik oder Monarchie sein soll. Sine Frage, bie die Deutschen felbft Lu entscheiden haben. (Dieses, von der Mor- Hingpost kommend, ist sehr bemerkenswert. D. Hchriftl.) Wir sind persönlich tief davon über­zeugt, daß da» monarchische Sy st em die Je sie Regierungist, und außerdem müssen ."tetr offen gestehen, daß der Republ i Kanis- MUS sich der deutschen Mentalität nicht an« passen kann. Was auch immer das Regime des Präsidenten Ebert Deutschland sonst cebradjt haben mag, starke Regierungen hat es i/edenfalls nicht aebracht. Im Gegenteil, es hat Hie allergrößten Schwierigkeiten, Überhaupt irgendeine Regierung zustande zu brin- !»en, so daß die Deutschen für ihren Zweifel an der Republik schon Gründe haben. Mit Sicher- ifeeit läßt sich nur das eine sagen, daß die Natio- [fi all ft en einen mächtigen Schritt vor- ftvärts gekommen sind. Zum Schluß sagt das Blatt dann auch, die Deutschen dürfen die Ver- L fnffung von Weimar übet den Haufen werfen, 1 nickt öwer den Friedensvertrag und die wanderen Verträge von 1919. Die Alli- i terten hätten nicht die gettngste Absicht, den Deut- tKjen zu erlauben, nach einer inneren Revolution 'dberschlesien zurückzunehmen und über den i# hein zu ziehen.

In der Presse, insbesondere in den Wochenzeit- Mriften, zeigt sich das Bestreben, unter Betonung ;$er außerordentlichen Schwierigkeiten der Re­gierung Luther anzuerkennen, daß sie ent, Ischlossen sei, die bisherige Außenpolitik fortzusetzen.

Der Verichterstatter des liberalenMan- jtzester Guardian" hebt hervor, daß die neue - Deutsche Regierung keineswegsunerbittlich konser« spstiv" sei, daß sie vielmehr die Außenpolitik Marx iIsrtsetzen werde, ausgenommen vielleicht gegenüber idem Völkerbund, dem sie wahrscheinlich weniger ge- ; geigt sei. In der Innenpolitik habe sie durch Gin« Mhrung des Achtstundentages gut begonnen. Be- tMerkenswert sind die Steuerungen der konser- fMtiven WochenzeitschriftSa t u r d e y R e v i ew", ibie Luther, Stresemann und Eeßker als die starken /Persönlichkeiten des Kabinetts bezeichnet, und darauf hinweift, daß Luther eine von Deutschen »Iler Parteien und Klaffen geachteter Mann ist, fo« . wir seine Zuständigkeit und Gewissenhaftigkeit her- »orhebt. Luthers Programmrede sei vom inter» nationalen Standpunkt befriedigend gewesen, und wenn die Regierung ihre Tätigkeit auf da» von Luther dargelegte Programm beschränke, so werde einem das Schauspiel aller weiteren politischen Konklusionen in Deutschland vorläufig erspart wer­den. Auch eine andere konservative Wochenzeit- iphrift, Spectator", betont, daß Luther zur ge- 'wäßigten Rechten gehöre, eine ziemlich ausge- . fprochene eigene Politik habe und zweifellos einen /Kurs verfolgen würde, falls er ihn durch;etzen könne, der dem europäischen Frieden durch und durch günstig sei. In Fragen, wie der Verschiebung I ber Räumung Kölns, sei es notwendig, daß beide feiten ihre Rolle bei der Erzielung einer glatten .Vereinbarung spielen. Luther könne verstchett sein, Haß. obgleich die englische Regierung manchmal den / Argumenten Frankreichs gegenüber allzu empfang- ilich oder manchmal vielleicht allzu besorgt sei, mit iFrankreich Schritt zu halten, e» der wirkliche i Wunsch der britischen Ratton sei, sowohl die sranzö- fstschcn wie die britischen Truppen sobald al» möglich !®us Deutschland heraus zu sehen. (?)

Daily Gtaphic" bezeichnet die Reichs- tagsabstimmung als einen der bedeutsam- iften Vorfälle im gegenwärtigen Europa, dessen Wichtigkeit nicht gemindert roerbe durch den Be­schluß, bie republikanische Verfassung aufrechtzu- Lrhalten. Die Anhänger der Monarchie warteten reut aus ben geeigneten Augenblick für die Rück­kehr eines Hohenzollern auf ben Thron, ber die iHiilitattftischen Ueberlieferunqen Deutschlands /wieder beleben würbe. Das Ziel der Monarchisten «i, ihren Verpflichtungen aw dem Btzrfailler '©ertrag zu entgehen.

in« schwedisch« Stimm« Stet be» neue Kabinett.

Stockholm, 28. Zan. ,,Sv«nska Dag- llabet widmet de« Kabinett Luther 'Lnen Leitartikel, in de« betont wird, daß die neue iteegietung zwar einen merkliche» Schritt nach rechts *ii|ten«, den bisherigen Kurs, aber kaum vollstän- 'Mt uöleaeu könne. Luther» unb Strefemanns Der-