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«arburg a. 8., Montag, »en 19. Amu«

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neue. Nr. SS, Schriftleltnug: Nr. 666. Postscheckkonto: Nr. 5015 Amt Frankfurt a. Main

Berlin, 17. Jan. Reichskanzler Dr. Lu- il) e r empfing heute dieBertreterderdeut- jfchen Presse, vor denen er im wesentlichen fol- jtenbes ausführte: Ich lege das größte Gewicht auf Pie Zufanrmennrbeit mit der Presse und werde Meinerseits alles tun, um das gegenseitige 'Bet* jtänbnis zu förbern. Die Ursache der bisherigen Hinauszögerung der Regierungserklärung lag Da* tin, daß wichtige Ministerposten infolge von kchwierigkeiten in der Personenfrage noch nicht besetzt waren. An den Gerüchten über große innere Meinungsverschiedenheiten innerhalb des neuen Kabinetts sei kein wahres Wort. Er bitte die Dresse, solchen unbegründeten Krisengerüchten kein Lhr zu leihen. Das Justizministerium habe Ober* brndesgerichtspräsident a.T). Frenken in Köln, Melcher dem Zentrum nahestehe, übernommen, fdaß sein verehrter Vorgänger Dr. Marr so lange Picht zum Ziele gekommen sei, liege in der objek­tiven Tatsache der Zerrissenheit im Reichstag und demgemäß im Volke. Wie wenig gut dies fei, bann seien alle einig; aber die Gründe dafür sehe feder wo anders. Im Dienst unseresVolkes müß­ten wir dafür sorgen,' die einigenden Gesichts­punkte zu sehen. Er lege entscheidendes Gewicht Vorauf, die Regierung zu bilden, hinter welcher in kgenb einer Form bie Mehrheit des Reichstags, Menn möglich, der ganze Reichstag, stehe. Jemand, ler wie er keiner Partei angehöre, könne gar keine andere Regierung bilden als eine solche, die Möglichst alle Kräfte zusammenfasse, welche zu Positiver Mitarbeit bereit sind. Er wolle ver* Achen, mit seiner Arbeit diese alle zu gewinnen. Der Reichskanzler widmete dem scheidenden ßieichspressechef Spieker Worte des Danke» für dessen Arbeit in schwerer Zeit und stellte den neuen Pressechef Ministerialdirektor Kiep vor, der, wie er selber, keiner politischen Partei angehöre.

Vor der Resisrungserklürung

Mtb. B e r 11 n, 17. Ian.

Wie bereits gemeldet, konnte die neue Regie­rung am Freitag noch nicht vor den Reichstag tre* tn. An diese Tatsache hat sich das Gerücht ge­lüpft, daß bereits Differenzen und sachliche Mei­nungsverschiedenheiten in der ersten Kabinettssitz- png, die am Freitag vormittag abgehalten wurde, Ktage getreten seien. Man sprach u. a. davon, ß sowohl hinsichtlich der Außenpolitik. Die auch hinsichtlich der eminent wichtigen A uf- »ertungsfrage die Auffassung der verschie­denen Kabinettsmitglieder weit auseinanderge- pngen sei. An diesen Gerüchten ist, wie uns aus «reisen, dir der neuen Regierung nahestehen, wtsbrücklich versichert wird/ kein wahres Wort, per Grund für das Ausbleiben der Regierungs­erklärung ist lediglich der, der auch bereits in tinem amtlichen Communiquee angegeben worden Ift, daß nämlich die Verhandlungen über die Be- Hfeung dreier wichtiger Ressorts vor der fraglichen Weichstagssitzung gegen alles Erwarten noch nicht Abgeschlossen waren. Da schon einmal die Frage her Aufwertung in diesem Zusammenhang ge- Paimt worden ist, darf vielleicht darauf hingewie- |tn werden, daß für diese Fratze in erster Linie her Finanzminister und der Iustizminister zusiän- hig sind. Es war natürlich ein Unding, so lange hie Besetzung dieser beiden Posten noch in der Lchwebe lag, eine Regierungserklärung zu for­mulieren, die vielleicht eine Präjudizierung für Sie künftigen Trimer dieser Portefeuilles bedeutet hätte. In der Aufwertungsfrage selbst hat sich Iber, das muß ausdrücklich betont werden, bisher Poch keine Meinungsverschiedenheit gezeigt. Wir bezweifeln es überhaupt, ob diese Frage in der ersten Kabinettssitzung besonders debattiert wor- hen ist. Ebenso verhalt es sich mit den angeblichen Differenzen über die Außenpolitik der neuen Re- Rerung. Wir glauben beftimirrt zu wissen, daß r diesbezügliche Passus der Regierungserklä­rung sich ausdrücklich für die in London begon- «ene Politik ausspricht.

Reichskanzler Luther hat inzwischen seine Bemühungen, die noch vakanten Ressorts zu be* fetzen, fortgesetzt. Es ist ihm dies auch bereits bin* «chtlich des Reichsjustizministeriums gelungen, fctr Kölner Oberlandesgerichtspräsident Freu- hrn, der dem Zentrum nahesteht, hat sich bereit (rhlärt, das Reichsjustizministerium, mit dem das Ministerium für die besetzten Gebiete verbunden Wird, zu übernehmen.

Tie Ansprache des neuen Reichskanzler» Dr. kuther vor Berliner Pressevertretern hat zwar hichts über das eigentliche Regierungsprogramm »itgeteilt, das zuerst anzuhören ein Privileg des Reichstags ist, war aber vielleicht wichtiger als bie* les. Bon den Einzelheiten der programmatischen Regierungserklärung wird man feine Ueberraschun- l«n zu erwarten haben; das im Augenblick Inter* Hantefte ist die Auffassung, die Dr. Luther selbst vn dem Sinn und Zweck seiner Kabinettsbildung at. Da war nun von Bedeutung, daß er sich als inen Beamten bezeichnete, der keiner Partei ange» Öre, und daß er alle Parteien, die zur positiven lrbett am Staatsganzen bereit sind, heranzuziehen oünschte. Mag dies auch ein frommer Wunsch sein, o ist damit doch schon deutlich ausgesprochen, daß as Kabinett Luther kein Kampfkamnett gegen die sinke oder gar, wie es die Sozialffien darzustellen ieben, gegen die Arbeiterschaft sein soll. Die» geht Mch unzweideutig aus dem einstimmigen Beschluß neuen Kabinetts hervor, wonach vom 1. April \in den Kokereien und Hochofenwerken wieder

das Dreischichtenchstem, also die achtstündige Ar* bettszeil, eingeführt wird. DerVorwärts", besten Prophezeiungen übet bie jetzt beginnendeSozial* leaftion" hiermit widerlegt sind, empfindet den Ka* binettsbeschluß eis so wenig in feinen politischen Kram passend, baß er ihn auf bet vierten Seite ver* steckt. Und wenn sich bie Linke wohl auch weiter be­mühen wirb, biese Stellungnahme bes Kabinetts als Taktik hinzustellen, so wirb man Ihr entgegen halten, den Arbeitern könne es doch nur recht fein, ihre Forderungen sogar von einer angeblichen Rechtsregierung anerkannt zu sehen: vielleicht pro* filieren sie sogar von solchenTaktik" mehr als von einer Regierung bet Mitte ober der Linken Mit bet Ernennung des 70jäbrigen Herrn freuten zum Reichsjustizministet hat bas Zentrum nun boch eine zweite Bindung an bas Kabinett Luther er* fahren. In diesem Zusammenhang ist noch als kleine Pikanterie bas folgende zu erwähnen. In der Zentrumspreste wat eine parteioifiziöse (Marr- Sy! ecket?) Darstellung erfchinen. worin es hieß, die Zentrumsfrattion habe das Verbleiben des Ar­beitsministers Dr Brauns im Kabinettgeftatte*". Hiermit sollte also die Bindung der Fraktion als ganz lose hingestellt werden. Dr. Brauns aber ver­öffentlicht unn eine Erklärung, wonach er nur auf ausdrücklichen Wunsch" der Fraktion in bas neue Kabinett eingetreten fei. Es wird also derEier, ntania nicht viel nützen, baß sie eine Reihe' von Zentrumspresiestimmen zufammenstellt. bie dem Kabinett Luther mit Mißtrauen begegnen. Tie Stellungnahme der Reichstagsfraktion des Zen­trums ist unzweifelhaft eine andere.

fk. Berlin, 19. Ian. Die Blätter melden, daß mit derErnennung des Reicksfinanz- mtnisters heute bestimmt zu rechnen ist. In parlamentarischen Kreisen verlautet, daß Reicks- kanzler Dr. Luther vermutlich den früheren preu­ßischen Finanzminister und jetzigen Vorsitzenden des Reichsrechnungshofs, milch, erneut auf. fordern werde, dieses Ressorf zu übernehmen. Wie derMontag" meldet, werde eine Besetzung des Reichsverkehrsministeriums vorläufig nickt er­folgen. Von verschiedener Seite wird mitgeteilt, daß dieses Amt mit einem anderen zusammenge­legt wird, wie dieses mit dem für Die besetzten Gebiete geschehen ist.

Berlin, 17. Jan. Wie derReichsanzeiger" meldet, hat der Reichspräsident Reichskanzler Dr. Luther gleichzeitig mit der Wahrnehmung der Geschäfte des Reichsministers für die besetzten Gebiete und Staatssekretär im Reichssinanz- mtnifterium Fischer bis auf weiteres mit der Wahrnehmung der Geschäfte des R e i ch s m i n i - ft er 9 der Finanzen beauftragt.

Bayerische Volkspartei und Reichskabtnett.

München, 17. Ian. Die Reichstags- fraktion der Bayerischen Volkspartei Dementiert durch die in München erscheinende Bayerische Volkspartei - Korrespon- denz" alle Rachrachten, die behaupten, daß die Bayerische Volkspartei in Opposition zum Kabinett Luther stünde und daß Reichspostminister St in gl gegen den Willen der Bayerischen Volkspartei- Fraktion in bas Kabinett eingetreten fei. Das Gegenteil sei ber Fall.

London, 17. Jan. ,Daily Telegraph" widmet dem Kabinett Luthe'deinen Leitartikel, in dem es heißt, alle Politiker des neuen Kabinetts.rei, - laufIb auf Feindseligkeiten gegen die Republik ver­zichtet. Das Zentrum zeigte, daß es keine Kundgebun­gen reaktionären Geistes zulasten werde. Das werde s ch möglicherweise in der deutschen Außenpolitik fühl­bar machen. Es sei wie es wolle, niemand könne ein derartiges Kabinett für etwas anderes als einen Not­behelf anleben, das kurz und ruhelos fein werde. An­scheinend werde es solange bestehen bleiben, bis ein ge­regelter instand in der Regierung Deutschlands erzielt werden könne

..Daily Mail" bringt ein Telegramm ihres Berliner Be-ichterstatters, in dem es heißt, den Alliierten werde letzt von Deutschland selbst gezeigt, daß sie an der Nase berumgeführt worden feien.

a m ft e 10 a m , 17. Ian. Zur Bildung des neuen deutschen Kabinetts haben die meisten hol­ländischen Blätter noch nicht Stellung genommen, da überall bie Ansicht vorherrscht, daß es verfrüht fei, ein Urteil abzugeben, solange zwei wichtige Ministerposten noch unbesetzt seien, eine Regierung in der Gesamtheit also noch nicht zustande gekom­men fei. Die Presse beschränkt sich bis jetzt auf die ausführliche Wiedergabe der telegraphischen Berichte iyrer Berliner Vertrete^ Während in diesen zunächst gewisse Befürchtungen betreffend die Rückwirkung einer von dem neuen Kabinett zu erwartenden Schutzzollpolitik auf die künftigen deutsch-holländischen Handelsbeziehungen zum Ausdruck kamen, leisten die Berichterstatter neuer­dings auf jede Kritik Verzicht und beschränken sich auf die Wiedergabe der Tatsachen. DasA1- gemeen Handelsblad" gibt in seinem Leitartikel der Meinung Ausdruck, daß ein deutsches über- parteiisches Kabinett, in dem der Einfluß Der Rechtsparteien überwiege, auch in Frankreich zu einer Regierungskrise führen könne, durch die eine mehr recht» gerichtete französische Regierung ans Ruder kommen werde.

Berlin, 17. Jan. Reichskanzler Dr. Marr ver­abschiedete sich heute vormittag von den Beamten. Der Reichskanzler führte feinen Amtsnachfolger Dr. Lutber ein. In der Begrüßungsansprache drückte Dr. Luther di« aufrichtig« Verehrung und Wertschätzung aus, welche

der scheidend« Kanzler sich auch bei allen Angehörigen der R«ick,konzl«f erworben hat.

Berit n 1? Jan Der Auswärtig« Auslchuß de» Reichstags beschloß nach einer längeren Diskussion das deutfch-polnitch« Abkommen über di« Staats» angebörigkeits. und Ovtionsfragen dem Plenum des Reichstaa« zur Annavme zu empfehlen.

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StaMeklkttr Trendelenburg abgereist

ms Nach den Pariser Pressemeldungen zu ur­teilen. haben sich bie deutsch-französischen Wirt* schastSverhandlunaen wiederum verschärft Nachdem sich bisher eine Einigung über da» HandelSprovi- korium nicht erreichen lieh Hai bi« französische Dele­gation am Freitag abend noch einmal ihre letzten Bedingungen in einem Dokument festgelegt, daS Staatssekretär Trendelenburg überreicht wurde. Wie eine Pariser Leitung wissen will, trägt dieses Dokument den Charakter eines Ultimatums DaS Blatt meint, e« bestehe wenig Hoffnung, daß diese letzten französischen Vorschläge von Deutschland angenommen würden, und man rechne allgemein mit einem Abbruch der Verhandlungen und mit einem baldigen AuSbruch eine» deutsch-franzö- sichen Zollkrieges

Wir haben bereit» öfter» Gelegenheit gehabt, sen­sationelle Meldungen über den bevorstehendxn Ab­bruch ber, Pariser Verhandlungen, die in der fran- -ösischen Presse erschienen sind, zu verzeichnen. Es ist auch weiter nicht tragisch zu nehmen, daß auch diesmal wieder die Pariser Blätter denbösen Wil­len" der Deutschen für die Folgen verantwortlich machen Es icheint allerdings zuzutreffen, daß eine gewisse Stockung in den Verhandlungen wieder ein­getreten ist Der Vorsitzende der deutschen Dele­gation Slaatsse«retär Trendelenburg, hat sich >ur Einholung netter Instruktionen nach Berlin begeben Von einem völligen Abbruch der Ver­handlungen kann aber noch keinesfalls gesprochen werden Soweit wir unterrichtet sind, gehen die Verhandlungen in d--n Kommissionen weiter.

Die Franzosen führen zwei Gründe an, aus die das Stocken der Verhandlungen zurückzuführen sei. Zunächst einmal hätten die Deutschen verlangt, daß da- Protokoll vom 12. Oktober zur Grundlage wei­terer Verhandlungen gemacht werde: die Franzosen hätten _dem . jedoch nicht zustimmen können. Es ist geradezu lächerlich, daß man französischerseits so etwas als Begründung anführt. Das erwähnte Protokoll vom 12. Oktober ist nämlich nicht nur von Staatssekretär Trendelenburg, sondern auch von dem französischen Handelsminister Rahnaldh unter­zeichnet und von beiden Seiten als Grundlage weiterer Verhandlungen angenommen ioorden.

Ebenso verhält es sich mit dem zweiten fran­zösischen Entwurf Einen sehr wichtigen Streitpunkt bildet bekanntlich die Frage der elsaß-lothringischen Kontingente, d. h. die Frage, ob die elsaß-lothrin­gischen Produkte weiter zollfrei nach Deutschland ausgeführt werden dürfen. Es ist selbstverständlich, daß im Falle eines weiteren deutschen Entgegen­kommen» in dieser Frage die anderen Staaten, mit denen Deutschland in Verhandlungen steht, unter Berufung auf Frankreich sich ähnliche Konzessi­onen ausbedingen würden. Es ist ebenso selbst- selbstverständlich, daß natürlich Frankreich das für Deutschland entstehende Risiko tragen mutz, wenn andere Staaten sich solche Vorteile auf Kosten Deutschlands verschaffen wollen. Auf französischer Seite zeigt man sich plötzlich sehr erregt darüber, daß die deutsche Delegation auf diese Konsequenzen aufmerksam gemacht hat. Tatsächlich hat aber Ray naldy der deutschen Delegation selbst erklärt, daß es Sache Frankreichs sei, auf die anderen Staaten einzuwirken, nicht ähnliche Ansprüche an Deutsch­land, wie sie von Frankreich gefordert werden, zu stellen. Das ist der wahre Sachverhalt. E» bleibt nunmehr abzuwarten, welche Beschlüsse das Reichs­kabinett auf den Bericht des Staatssekretär» Tren­delenburg hin fassen wird

P a r i 5 , 17. Jan Einem Vertreter derJournee Industrielle" bat Handelsminister Raynaldv gestern Abend erklärt: Wir sind bei den Verhandlungen mit Deutschland an dem Punkt angekommen, den wir nicht Überschreiten können, da wir bis an die äußerste Grenze der Konzessionen gesogen sind, die wir ha­ben machen können. Die deutschen Delegierten haben gewollt, daß in ein vrooiforisches Abkommen, das am l Dezember dieses Jahres abgelaufen roäre, prinzipielle Klauseln ausgenommen werden, von denen sie dann ge- ioidert batten, daß sie im endgültigen Pakt beibebalten werben. Eine solche Forderung tann aber kein fran­zösischer Minister unterschreiben und meine Weigerung ist auch von der gesamten Regierung gebilligt worden.

Um das HaudelSvcrtragsprovisorium.

Paris, 18. Jan. Die Morgenpresse, die gestern auS nicht ganz ersichtlichen Gründen von dem bevorstehenden Abbruch der deutsch- ranzösischen WirtschastSverhandlungen sprach, ob­wohl sie wußte, daß der Handelsminister Rahnaldh der deutschen Wirtschafts-Delegation schriftliche Vor­schläge zur Prüfung überreichen würde, tritt den Rückzug an. Sie erklärt, gestern hätten di« Unter- kommissionen der beiden Delegationen die Frage der Errichtung deutscher Konsulate in Frankreich besprochen, was ein Beweis dafür iei, daß man deutscherseits weiter verhandeln wolle.

DerMatin", der gestern schon von einem Zoll­krieg sprach, läßt einen Versuchsballon aufsteigen u. schreibt, was den Abschluß der Handelsvertragsver­handlungen außerordentlich schwierig gestalte, sei, daß Frankreich einen provisorischen Zoll­tarif besitze, der später revidiert werden müsse.

Jnfolged«ff«n wolle Frankreich den augenblicklich«. Minimaltarff für einige deutsche Produkte bewilli» gen, für andere Produkte wieder den erhöhten Mini« maltarif, toa» ein« Borwegnahme de» kommende» Minimaltarffe» fei. Endlich schlügen die franzö. fischen Unterhändler für gewisse deutsche Produkt» den augenblicklichen Minimaltarif vor, aber unter ber Bedingung, di« Quantität dieser Produkt« »U kontingentieren. Deutschland dagegen habe schon endgültig seinen Zolltarif und biete Frankreich Be­dingungen an, di« auf alle Fälle endgültig seien. Hieraus ergäben sich Schwierigkeiten. Man müff« sich deshalb fragen, ob e» nicht besser wäre für Deutschland, ein Abkommen zu treffen, gegrün­det auf einer gewissen Gegenseitigkeit uni Mtig bi» zu dem Augenblick, In dem da» franzö­sische Parlament den französischen Zolltarif ah. geändert habe.

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erleüblMung des SonMetnoH

Eme der abstoßendsten und moralisch niedrigsten Krankheitserscheinungen in der unseligen Zeit, in der unser einst so starkes, stolzes und sauberes Volk zu lebe» verurteilt ist. ist die Landesverratsseuche. Die (Entente °al> gestützt auf die sogenanten Kontrollbestimmungen, ungestört ein dichte» Spionagennetz über ganz Deutsch* land gebreitet, in welchem immer neueBeweise" für angebliche Vettragsverletzungen Deutschlands gefunden werden. Leiter der gegnerischen Propaganda haben wiederholt in höhnischen und von Ekel erfüllten Wor­ten zu erkennen gegeben, daß die besten Dienste i, dieser Beziehung von Angehörigen des deutschen Volke, selbst geleistet würden, die nicht einmal sehr teuer ihr Material" unaufgefordert herbeischleppen. Die Kon­trollbeamten der Entente erhalten säckeweise solche De* nunjiationen und Landesverratsanerbietungen. (Be» wisie Schwindler haben sogar eine Art Industrie in de, Anfertigung ganz oder dreiviertel erfundenerDoku» mente' geschaffen. Neben denienigen, die aus nackte» Geldgier Volk und Vaterland verraten, spielen ein# ebenfalls nicht beneidenswerte Rolle die verstiegen«, Querköpfe, die unter dem Deckmantel eine» falsch ver- Itcnbenen Pazifismus ihrer Idee dadurch zu diene, glauben, daß sie den feindlichen Militaristen und Im­perialisten fragwürdiges Material gegen ihr ent« rechtetes und r twaffnetes Vaterland liefern, teil, durch Anzeigen .teils öffentlich in der Prelle. Eben erst wieder bat sich die Denunziation gegen die Leipziger Universität, der von linkssozialistischer Seite die Ein- richtung eines Werbebüros für die Reichswehr vorge­worfen wurde; als erbärmliche Lüge betausgefteHL Ausgeremnet diesen Zeitpunkt hält die sozialdemokra» tische Partei für geeignet, im Reichstage einen Antrag äum § 92 des Strafgesetzbuches einzubringen, der bi« landesverräterische Betätigung als nicht ftiafbar bin» stellt, wennüber gesetzwidrige Zustände wahrbeit» gemäß Mitteilung" gemacht wird. Der Begriffgesetz­widrig" bekommt in diesem Zusammenhänge eine» lwnz besonderen Klang dadurch, daß alsGesetz" natür» sich die Zwangsbestimmungen des Versailler Diktate, verstanden werden müßen. Dem Deutschen Reichstag« wird also zugemutet, eine Gesetzesbestimmung zu schaß fen die darauf binausläuft, Herrn Rollet und seinen Rachfolgern das Handwerk zu erleichtern und den deut» chen Lumpen Straffreiheit zu sichern. Die schmutzigen Enthüllungen der letzten Wochen haben gezeigt, daß über die Begriffe Moral und Anstand in der Sozial­demokratie ganz besondere Anschauungen bestehen. E» ist in mancher Beziehung dankenswert, daß diese Partei nunmehr dazu beiträgt, durch einen offiziell von der Partei unterzeichneten Antrag die Anschauungen übe, sich selbst wesentlich zu klären. Es ist hoffentlich nicht arwtnebmen, daß dieser eigenartige Antrag von irgend einer anderen parlamentarischen Eruvve, ausgenom­men natürlich die Kommunisten, unterstützt werden wird. Die eigenartigen Solidaritätserklärungen mit den Handlungen eines Fechenbach und ähnlicher Landesverräter lassen allerdings in dieser Beziehung mancherlei Schlimmes befürchten. Nicht Erleichterung des Landesverrates, sondern Verschärfung der Sttaf- bestimmungen würde dem gesunden Empfinden der überwältigenden Mehrheit des deutschen Volke» ent» sprechen. Man frage nur einmal die Bevölkerung der besetzten Gebiete.

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Die Bamrnkrisr In Sewsil«ußlM

Das Problem der moralischen Gewinnung der Bauernschaft für den Cowjetgedanken ist gegen* wärtig Gegenstand stärkster Besorgnisse und ein* gehendster Erwägungen. Die Landaufteilung, bl, Rußland mit einem Stoße aus der Reihe dev Groß- Produzenten in Getreide gestoßen hat, ist von de« Bauern zwar begrüßt worden. Die erhoffte innere Gewinnung der Bauern für den Kommunismus ist aber nicht eingetreten. Nach wie vor stehen bis Bauern ben neuen Herrschern mit größtem Miß* trauen gegenüber. In letzter Zeit ist es sogar ver* ckiebentlich zu blutigen Ausschreitungen gegenüber den Vertrauensleuten undBerichterstattern" bet kommunistischen Behörden und Zeitungen ge­kommen. Der Gegensatz zwischen Großbauern und Kleinbauern hat ebenfalls so bedrohliche Formen angenommen, daß Sinowjew die Vauernfrage al« die ernsteste der Gegenwart bezeichnet hat. Er mhrte auf einem kürzlich in Moskau abgehaltenen Kongreß derwerktättgen Frauen und kommunisti* chen Bäuerinnen" aus:Alle Chamberlains zu* rammen, alle gefälschten Briefe sind ein Pfifferling wert gegenüber dieser Frage. Der geringste Fehler tn der Behandlung der Frage ist gefährlicher al» 100 Koltschaks, 100 Denikins, 100 Wrangels plus 100 Chamberlains und 200 Hughes. Dies ist die Schicksalsfrage". Die Sowjetführer, die ihrer tntellektuellen Herkunft nach ebenso wie in Ihrer proletarischen Einstellung demProblem bes Dorfes" innerlich sehr fremd gegenüberstehen, werden in ihren Befürchtungen noch dadurch be­stärkt, daß.in einigen Gouvernements ein regel» rechter Kampf begonnen hat. Die armen Bauern habenrote", bie Großbauernschwarze" Hundert­schaften gebildet.