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Marburg a. 1, Freitag, den 16. Fammr

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Anzeiger für was früher kuHMche) Sberhrsfen - MMeö MkünbiguagMatt beS Kreises Mmbmg

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6. Sitzung vom 15. Januar.

Auk der Tagesordnung sieben zunächst di« Anträge verschiedener Fraktionen out Vorlegung eine» Eesetzenl- wurie» über di« Errichtung von Arbrttsge» r i ch t« n.

fh. London, 16. Ian. Die Blätter nehmen in Leitartikeln zum neuen deutschen Kabi-

Abgeordnete att Redakteure.

Dresden, 15.Jan. In letzter Zett haben sich die Fälle gehäuft, baß Landtagsabgeordnete all Redakteure sich eine- Pressevergehens schuldig ge­macht haben, ohne daß die Möglichkeit zu einem Einschreiten seitens der Justizbehörden gegeben war, da der Abgeordnete unter dem Schuhe der Immuni­tät steht und der Landtag Strafverfolgungen fast nie genehmigte. DäS trifft besonders auf kommu­nistische Abgeordnete zu. Mit Rücksicht darauf ist beim sächsischen Landtag ein deutschnatio­naler Antrag eingegangen, der Vorsicht, dah Redakteure nicht gleichzeitig Abgeord­nete sein dürfen, oder daß wenigstens Abge­ordnete, die wegen Pressevergehen» verfolgt wer­den sollen, strafrechtlich nicht durch Immuni­tät gedeckt sein sollen.

Preußen und im Reich nicht möglich sein, roee ilt den anderen Ländern möglich ist? Wahrlich, es wird höchste Zeit, daß dem Popanz des Rechts­kurses sein Gcnredten genommen wird daß die Deutschnationaken in die Reihe der positiv mit­arbeitenden Parteien eingegliedert werden. Man warte doch ruhig die Taten der aus den Mittel- Parteien und der Rechten zusammengesetzten Re­gierungen ab.

Str WirWaftS-Serbllndlllngen

Die Gegenvorschläge Dr. Trendelenburgs.

Paris, 15. Jan. Die neuen Gegenvor­schläge des Staatssekretärs Dr. Trendelcnburg werden in der heutigen Morgenpresse durchweg g ii n st i g ausgenommen. Es wird im allgemeinen so dargestellt, als ob in der letzten Minute die Deut­schen doch noch Angst davor bekommen hätten, einen Abbruch, für den nach der französischen Behauptung sie allein verantwortlich gewesen wären, zu wagen. Um in rückblickenden Betrachtungen diese Dar­stellung, al» ob nur Deutschland Schwierigkeiten hervorgerufen hätte, zu begründen, wird beispiels­weise in dem in bezug auf die Mrtschaftsverhand- lungen sonst gut unterrichtetenMatin" gesagt, daß die Verhandlungen schon länger als einen Monat aus Grund der Sätze der französischen Zolltarif­novelle geführt worden seien, ohne daß die Deutsche« die Nichtannahme dieser Grundlage zu erkennen ge­geben hätten. Man habe also aus eine grundsätzliche Annahme schließen dürfen. Demgegenüber ist zu wiederholen, was an dieser Stelle schon verschiedent­lich festgestellt wurde, daß die fr a nzösi sche Ab­ordn u n g immer wieder die Ueberreichung der Liste ihrer Zolltarifnovelle verzögert hat, eigentlich bis kurz vor der Abreise des Staatssekre­tärs Dr. Trendelenburg nach Berlin mit der Be­gründung, daß die Drucklegung dieser dem Burea» der Abgeordnetenkammer bereits zugegangenen No­velle noch nicht beendet fei. Daß die neugeplanten französischen Zolltrafie gerade solchen Waren gegen­über, bei denen Deutschland ein gewißes Ausfuhr« interefse nach Frankreich hat, als p r o h i b t t i» empfunden werden mutzten, darüber war sich die französische Abordnung sicherlich von vornherein nicht im Zweifel. DerMatin" schreibt u. a.:

Deutschland ist damit einverstanden, ein kurz­fristiges Abkommen aus der Grundlage des alten französischen Zolltarifs zu erörtern. Es hat seiner« feits eine Liste aufgestellt, die die französischen Warengattungen aufführt, denen für die Ausfuhr nach Deutschland Zollvergünstigungen gewährt wer­den sollen. Deutschland vermeidet es, sich über be­sondere Bedingungen einer Vorzugsbehandlung elsässischer und lothringischer Erzeugnisse auszuspre­chen. Es hält seine Anschauung, die es zu Anfang vertreten hatte, aufrecht. Es möchte die Unzufrie­denheit andrer Mächte, hauptsächlich Englands, in­folge zu vorteilhafter Zugeständnisse an Frankreich vermeiden, doch scheint es, als ob Deutschland in» Auge faßt, die Zulasiung gewißer, hauptsächlich für Elsatz-Lothringen in Betracht kommender Waren tu einem zuvorkommenden Sinne zu prüfen. Schließ« lich schließt die deutsche Abordnung sich der Auf­fassung an, daß, wenn dieses vorläufige Einver­nehmen zustande kommen fotlee, die beiden Re­gierungen während seiner ganzen Dauer sich jeder Einfuhrbeschränkung oder jeder Zollmatznahme ent­halten sollten, welche die Schwierigkeiten des wirt­schaftlichen Austauschs über die Rheingrenze hinweg steigern könnten.

Standpunkt, wonach die Haltung des Zentrums von den Taten des Kabinetts abhängig gemacht wird. Nach demBe rlin er Ta ge b la tt" und derVoss. Ztg." hat die demokratische Reichs­tagsfraktion gestern einstimmig einen Beschluß gefaßt, demzufolge sie dem Kabinett mit den sch wer st en Bedenken gegenübersteht und sich ihre Stellungnahme zur Regierungserklärung öorbebält. In den Ausführungen desBor- w ä r r s" kommt noch einmal diescharseoppo- sitionelle Haltung der Sozialdemo­kratie gegenüber dem Kabinett Luther zum Ausdruck.

Man schreibt uns aus Berlin:

Wie das Kabinett Luther jetzt ist, bedeutet es Wirklich die mildeste Form eines innerpolitischen Kurswechsels, die nur denkbar ist. Einem gewissen ^Einfluß werden natürlich die dem Kabinett auge- .hörenden Deutschnationalen ausüben, aber der wäre ja unter allen Umstanden zur Geltung gekom­men, sobald auch ein anderes Kabinett tue Stim­men der Deutschnationalen zur Annahme der wirt- schafts- und finanzpolitischen Gesetze gebraucht hätte. Machen nun die Linken, wie sie ankündigen, arundsäüliche und. schärft üppofition, dann tret-

»er die Zu-

Berlin, 15. Jan. Die Zentrumsfraktion de» Preußischen Landtages hat heute beschlossen, an ihrem alten Standpunkt, daß die Neuwahl de» Landtages nicht die Notwendigkeit des Rücktritt» des Kabinetts in sich schließe, sestzuhalten.

fk. Berlin» 16. Ian. Die Demokraten haben im preußischen Landtag eine Interpellation eingebracht, in der das Staatsminifterium gefragt wird, ob der Professor an der Berliner Universität R o e t h e noch das Ansehen und das Vertrauen verdient, das fein Amt als akademischer Lehrer er­fordere. Die Interpellation bezieht sich auf eHne Rede, die Prof. Roethe in Allen stein gehalten hat und in der er in Bezug auf die Revolution von einer Horde von Verrätern gesprochen und die e» fertig gebracht hätten, ihr deutsches Hohheitsgebiet ohne Schwertstreich den Deutschen wehr- und ehr­los zu machen. Der Magdeburger Prozeß habe von neuem bewiesen, woher der Dolchstoß von 191- gekommen fei.

Berliner Preßestimmen.

fk. Berlin, 16. Jan. Das Kabinett Lu­ther wird von der deutschnationalen und volks­parteilichen Presie begrüßt. Von ersterer aller­dings mit der Einschränkung, daß es lediglich eine Etappe zu dem zu erstrebenden ,^t a a t b ü r g e r - lichen Kabinett" sein müsse. DieGer­mania" wiederholt ihren bereits dargelegten

ben sie die Mitte und die Rechte immer fester zusammen. Und das ist der Humor da- von. Der außenpolitische Kurs wird, da die bis. herigen Minister Dr. Stresemann und Dr. Luther die entscheidenden Posten innehaben, zweifellos der alte bleiben. Wenn die Linke das Gegenteil behauptet und, nach den von ihr verbreiteten aus» ländischen Pressestimmen, auch im Auslande die Besorgnis vor einem außenpolitischen Kurswechsel in Deutschland wachrust, dann treibt pe damit ein bedenkliches Spiel, das man als national gewiß nicht bezeichnen kann.

Die Verhandlungen über die Personalfragen haben am Dienstag und Mittwoch noch viel Zeit in Anspruch genommen. Es galt im besonderen, die widerstreitenden Ansichten des Zentrums und der Deutschnationalen miteinander in Einklang zu bringen, da zumal die Besetzung des Innenmimste. riums mit einem rechtsstehenden Politiker zu Be- denken Anlaß gab.

Auf den Abschluß der Verhandlungen im Reich dürste günstig die Tatsache eingewirkt haben, daß es nach mehrtägigen Peichandlungen, die in aller Stille zwischen Abgeordneten des preußischen Landtags geführt wurden, gelungen war, eine grundsätzliche Einigung Zwischen der Rechten und bem Zentrum herbeizufuhren. Die Einzelheiten stehen noch nicht feff aber man darf bereits an. nehmen, daß auch in Preußen demnächst eine sozia» liftenfreie Regierung am Ruder sitzen wird. Die Linke, die sich bisher so fest auf di« preußische Landtagsfraktion des Zentrums verlassen hatte, wird nun wohl recht lange Gesichter machen. Aber das Zentrum beherrscht mehr als die meisten ande­ren Parteien die Kunst, mit dem Volk »empfinden in Fühlung zu bleiben, und dürste sich auch jetzt in dem Gefühl nicht täuschen, daß eine weisere enge Verbindung mit den Barmat-Eozialdemokraten alles andere als populär ist. Vielleicht wirkt auch das Beispiel der anderen deutschen Länder einmal auf Preußen herüber. In Bayern zeigt sich bk Re» Sierung Mitte-rechts burchaus stabil und ist gerade abei, auch den schweren Konflikt wegen des baqe« rischen Konkordats zu überwinden. In Württem- berg hat das Zentrum sich zwar aus sozialpoliti­schem Gebiet der Linken genähert, aber eine Be­seitigung der Regierung Mitte^echts abgelehnt.

Eaoeeotbnun» stehl dl« Enta«grnnabm« einet Erklärung bet Recietnng.

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Berlin, 15. Ian. Der Aeltestenrat be» Reichstage» hat beschlossen, an der festgesetzten Ta­gesordnung für Freitag mit der Erklärung der Re- §ierung um 6 Uhr nachmittags festzuhalten. Nack er Regierungserklärung wird die Sitzung auf Samstag vertagt, dann um 12 Uhr mit der Be- sprechung der Regierungserklärung begonnen, da­mit noch am Samstag alle großen Parteien zu Worte kommen können. Die weitere Debatte wirij bann am Montag um 2 Uhr ftattfinben.

In Thüringen fegt ble Orbnungsregierung biefer Tage bem ßnnbtag ben ersten Etat vor, wozu es die Sozialistenreglerungen nie gebracht hatten

Regierung »er den Landtag treten und kann fest- stellen, daß ihr Programm durchaus sachlich und keineswegs reaktionär tft. Warum soll also in

ZTjnierheim*« Bettung" erscheint sech,m«l wöchentlich. - Pezng-prci, «-»«tlich 2 Mark -u-s»lietzttch

EL* Ttur* bl7 Mk Kür euefetlenbe9tummetn infolge Streit» «bet elementarer Treigniise ketn Ersatz tietlig Mßr T Sttier.td.- Druck berllntn.-Bmchbruckeret ui Soh. »ui. «och, Markt 21/2». - Kerns.recher: »erlag an» Leschäft- V 1 stelle: Nr. SS, Schrittleitung: Nr. SöS. Poiti-Heckkonto: Ar. 5üi5 A»t Frankfurt a. Stain.

Dir neue Negierung

Berlin, 15. Jan. Reichsfinanzminister Dr. stuther begab sich am späten Nachmittag im An­schluß an seine Berhandlungen mit den Fraktions- pihrern im Reichstag zum Reichspräsidenten, um Pesem Bericht zu erstatten. Die Unterredung lauerte nahezu 40 Minuten. Wie Dr. Luther er­klärte, ist seine Ernennung zum Kanzler bezw. seine offizielle Betrauung mit der Kabinettsbildung stoch nicht erfolgt. Dies dürfte auf die Entwicklung tzer Dinge insofern keinen Einfluß haben, als man k weiß, daß sowohl fachlich die Parteien einver- panben sinb, wie auch hinsichtlich ber Personenfra- een keine endgültigen Schwierigkeiten mehr be« ssthen dürften. Dr. Luther selbst erklärte im glei­chen Sinne abschließend:Wir werden eben noch sttivas abwarten müssen. Die Dinge sind aber in gutem Fluß." Reichsfinanzminister Dr. Luther be« gab sich dann wiederum nach bem Reichstag, um «ine Unterhanblungen fortzusetzen. Ihr dalbiger Mlschluß ist zu erwarten.

Dr. Sucher zum Reichskanzler ernannt.

Berlin. 15. Ian. Um 7.80 Uhr wird mitge- ßtilt, daß der Reichspräsident ben Finanzminister Dr. Luther offiziell zum Reichskanz- Itt ernannt hat.

Set S*|'lgen*itU Oefrigt für ben 10 gei». 3eil«nnttAtmetet 0,01 ®elbw««t Amtlich« «» au*«itft*e Anzeigen 0,10 <el>« wett «ei schmiert,-M S-tz, I«m>e ». Watz»-rschrifteUS0'/, Aufschlag. Samwelanzeigen 100 «j, Aufschlag. Aekl-weu 0,15 Selbe. Jeder Rabatt gilt «I* Barrabatt und »eriillt, eexe bi« Zahlung foäter al, 5 Tage «tfolgt. Seleze e rben berechnet, «benle Auskunft durch die SelchLftrstell« und Zaseabang bet Angebote. «rf»llungrt Marburg, 1 S.-ÄL -- *°|u V-Lat

werde- und Äaufmannsfieric&te bezweckt werde.

Aba Hülser (deutschnat.) begründet den Antrag seiner Freund«. Bei den von ibnen verlangten Arberts- gerichten soll« ein Schlichtungsverfahren nicht ausge­schlossen sein. Die Arbeltsgerichte sollen den ordent­lichen Gerichten angegliedert werden, aber alle Vorzüge der Kaufmanns- und Eewerbegerichte behalten.

Di« Abg. Giesel (Sos.) und Thiel (Dl. Not.) weisen die Vorwürfe de, kommunistischen Redners zu­rück, baß mit den Arbeitsgerichten die Vorteil« des Ge­werbe- und Kaufmannsgerichtsverfabrens beseitigt werden sollen.

Di« Anträge werden dem sozialpolitischen Ausschuß überwiese«.

Abg. Budiubn (deutschnat.) begründet hieraus Anträge seiner Frattion, Maßnahmen »um Schutze der Erhaltung und Förderung des gewerb­lichen und kaufmännischen Mittelstan- d e s tu verlangen. Der neue Reichstag müße mehr als der frühere an der VerwirNichung der Berkasiungsbe- stimmungen arbeiten, die dem Mittelstand den Schutz des Reiches verheißen.

Abg. Esser (Ztr.) tritt für Zentrumsanträge »um Schutze des Mittelstandes ein. Eine ausführliche Le- ariindung sei heute nicht zweckmäßig. Es sei zu wün­schen, daß die Ausschußberatung ein nützliches Ergebnis annehm«.

im Abg. Dr« witz (Wirisch. Bg.) schließt sich diesem Wunsch« en.

Abg. Havemann (Dt. Vpt.) behält sich die Be­gründung der demokratischen Anträge für den Ausschuß vor.

Abg. Savemann (Dt. Vvt.) wünscht einen Staatssekretär für das Sandwerk.

Abg. Bartschal (Dem.) behält sich die Begrün­dung der demokratschen Anträge für den Ausschuß vor.

Abg. Krätzig (Soz.) erwartet von den Reichs- tagsdebatten keine Hilfe für den Mittelstand, solange die treibbausmäßige Entwicklung der Kartelle durch die Parteien der Rechten gefördett werde.

Abg. Frau Schröder (Soz.) bekämpft die An­träge der Rechten, mit denen den fugendlichen Gefan­genen die Erlernung eine» Handwerks im Gefängnis unmöglich gemacht werden soll.

Rach weiteren Ausführungen des Abg. L o i b l (Payr. Vvt.) werden die Anträge dem volkswirtschaft­lichen und dem Finanzausschuß überwiesen.

Es folgen die Anträge zur Verbesserung der Renten der Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen.

Abg. Weber- Düsieldorf (Komm.) begründet eine wesentliche Erhöhung der Renten. Kein Kriegsbeschä­digter dürfe schlechter gestellt sein al» er e» sein wurde, wenn er nach dem alten Mannschaftsoersorgungsgesetz entschädigt worden wäre.

Die Anträge werden dem zuständigen Ausschuß überwiesen. Hierauf kommen die Anträge über So­zialversicherung und Arbeiterschutz zur Beratung.

Abg. Rädel (Komm.) bekämpft die Anträge der übrigen Parteien als unzureichend.

Abg. Karsten (Soz.) erwartet vom neuen Reichs­tag bessere Arbeit für be Sozialrentner, ais sie der alte geleistet hat.

Damit schließt die Aussvrache. Die Anträge wer­de« dem sozialoolitischen Ausschuß, die dann folgenden Aufwertungsanträge dem Aufwertungs-us- Ichuß überwielen. Debattenlos werden ferner ange­nommen die Anträge, die die Regierung auffordern, schleunigst Eesetzcntwürfe zur Bekämpfung der G e - schlechtskrankheiten und über die Ausgaben der Reichsbahn vorzulegen. Der Schank st ätten« gefetzentwurf wird bem Ausschuß für Bevölke- rungsvolitik überwiesen. Um 7 Uhr abends vertagt sich das Haus auf Freitag nachmittag 6 Uhr. Auf der

V 'm'-----, --- D----v- .-<?Aba Rädel (Komm.) bekämpft die Anträge, mit

Selbst bas rote Braunschweig fW eine bürgerliche' ymew ndch feiner Meinung nur dl« Beseitigung der Ce-

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StutWr totiMtog

Anträge im Reichstag.

Auch die Donnerstag-Sitzung bee Reichstags war still. friedlich unb sachlich .Da ble Regierung Lu­ther noch nicht geboren war, roibmet sich bas hohe Haus lediglich der Beratung oder richtiger: der ge­schäftlichen Behandlung zahlreicher Anträge. Es ist ja feit langer Zeit Mode, daß alle Parteien zu Beginn einer neuen Legislaturperiode ihre Haupt­wünsche als Anträge formulieren und so gewisser­maßen ihre immer politischen Programme festlegen. Nur ein kleiner Teil dieser Anträge pflegt im Laute der Jahre wirklich vom Plenum beraten zu werben; aber die Ausschüße haben doch gleich sachgemäße Beschäftigung. Und so überwies denn der Reichstag auch diesmal nach kurzen Debatten die Anträge über Arbeitsgerichte, über M i t- telktändsfragen usw. ufro. denzuständigen Ausschüßen".

ammensetzung bet neuen beutschen Regierung be« ägt, die Vergangenheit ber neuen Männer gebe zu dem Vertrauen Berechti­gung. daß eine republikanische Politik nicht be­folgt werden wird, wenigstens was die innere Poli­tik betreffe. Es bestehen aber kaum Zweifel, daß die Regierung die Außenpolitik Marx- Stresemann fortfefcen wird, denn die beiden neuen Männer seien Luther unb Stresemann, bie für die Außenpolitik verantwortlich seien.

Mtb. Berlin 15. Ian.

Im Lause des Donnerstag ist es Reichsminister Lr. Luther gelungen, bie letzten Schwierigkeiten, gte sich feinem Kabinett entgegenftedten, zu besei­tigen. In unmittelbaren Besprechungen zwischen den Deuttchnationalen unb dem Zentuum, die Dr. Uuther vermittelte, hat man sich über bfej$rage, n Elidier Form dem neuen Kabinett vom Reichstag s Vertrauen ausgesprochen werden soll, ge­einigt. Ursprünglich bestanden die Deutschna- ßionalen darauf, daß dies in Form eines offi« Mellen Vertrauensvotums auf Grund des Artikels *4 ber Reichsverfaßung geschehen solle. Dagegen Mehrte sich bas Zentrum, und zwar deshalb, Dell die ganze (Anstellung des Zentrums zu dem neuen Kabinett zunächst immer noch eine ziemlich ebroartenbe ist. In Zentrumskreisen betont man Immer wieder, daß bie Fraktion jebe fraktionelle Mnbnng gegenüber ber neuen Regierung vorläufig Ablehne. Das Zentrum ist gewiß oereii, bie Regie­rung, beten Bilbung der noch einzig übrig geblie- Vne Ausweg aus der permanenten Regierungs- Arife fti, in gewissem Grade zu unterstützen. Es Hot Mes dadurch zum Ausdruck gebracht, daß es dem Meichsarbeitsminifter Dr. Brauns die Genehini- Ming erteilt hat, in der Regierung zu bleiben. Die- pr ganzen abwartenden Haltung des Zentrums würbe es wibersprechen, wenn bis Fraktion ber neuen Regierung burch ein offizielles, uneinge­schränktes Vertrauensvotum sozusagen eine Bleck- ßwvollmacht auf unbestimmte Zeit ausstellen würde. Oie Deutschnationalen haben im Laufe des Don. perstag dem Standpunkt des Zentrums Rechnung »tragen und sich damit einverstanden erklärt, daß M Reichstag ein Antrag eingebracht wird, der die Äegierungserhlärung billigt.

Die Perfonenfrage war auch bereits im {Banfe des Donnerstag im wesentlichen geklärt. Un« stewiß ist lediglich noch die Besetzung des Reichs- pkstizmtnisteriums und des Reichsverkehrsmiuiste- thmis. Oberlandesgerichtspräsident Schollen sZentrum), der ursprünglich für das Iustizminisle- ivuin in Aussicht genommen war, hat verzichtet. Das Reichsverkehrsministerium soll mit einer den Deutschnationalen nahestehenden Persönlichkeit be­setzt werden.

In parlamentarischen Kreisen galt es am Don­nerstag abend als sicher, daß das neue Kabinett sich in der nächsten Sitzung des Reichstages vorstellen wird.

Das neue Kabinett in seiner vorläufigen Zusammensetzung.

fk. B e r l i n, 16. Ian. Der Reichspräsident hat »en Reichsfinanzminister Dr. Luther zum Reichskanzler bestellt und auf oeßen Bor- fchlag die nachstehenden Herren mit folgenden Po­pen betraut:

Relchsminister des Aeutzeren: Dr. S t r e f e m a n n. Reichsminister des Innern: Martin Schiele. Relchsminister der Finanzen: noch unbesetzt.

Reichswirtschastsminister: Neuhaus, Ministerial­direktor a.D.

Rcjchsarbeitsminister: Dr. Braun». Relchswebrminister: Dr. G e ß l e r. Reichspostminister: S t i n g l.

Reichsverkehrsminister: noch unbesetzt.

Reichsminister füt Ernährung und Landwirtschaft:

Graf Kanitz.

Das Reichsjustizministerium ist dem Obet- iandesgerichtsrat Schuhmacher, Mitglied des Reichsrats, angeboten worden, der auch gleichzeitig mit der Wahrung der Geschäfte füt die besetz- tenGebiete betraut werden soll. Die Verhand­lungen sind jedoch noch nicht abgeschlossen.

B e r I i n, 15. Ian. Im Reichstag tagten heute ämtliche F r » k t i o ne n , um zu der durch die Ml- lang des Kabinetts Luther geschaffenen Lage Stel­ling zu nehmen. Dr. Luther selbst erschien zwl- chen 12 und 1 Uhr im Reichstag und hatte Be- predjungen mit verschiedenen für sein Ministerium in Betracht kommenden Herren. Wie aus der gest­rigen amtlichen Meldung hervorging, hat Dr. Lu­ther Wert darauf gelegt, auch die Demokraten in irgendeiner Form für Jein Kabinett zu inter­essieren. Wie wir höre«, hatte er ursprüng­lich das Finanzministerium dem sächsischen Finanz­minister Dr. R ei n y o l d angeboten, dessen Sach­kunde auf dem Gebiet der Staatsfinanzen er außerordentlich hoch einfchätzt. Die demokratische Fraktion hat inbeßen bie Zu ftimmung zu bem Eintritt Reinbolb» in bas Kabinett nicht ge­geben. Es liegt also eine gewisse Diffe­renzierung zwischen Dr. Getzler und Dr. Rein- dold durch die demokratisd)e Fraktion vor.

Zwischen den Fraktionen des Zentrums und der Deutschnationalen wird immer noch über die Formulierung des Billigungs-oder Vertrauensvotums für das neue Kabinett verhandelt. Die Deuttchnationalen haben die Ab­sicht, geschlossen dem neuen Kabinett das Ver­trauen auszufprcchen, während das Zentrum nicht einmal bei einem Billigungsvotum seine sämtlichen Mitglieder ins Treifen fuhren könnte, vielmehr da­mit rechnen muß, daß eine Anzahl Mitglieder sei­nes linken Flügels sich der Stimme enthalten oder den Saal verlaßen.

nelt noch nicht Stellung, sondern be­schränken sich vorläufig auf die Nachrichten ihrer Berliner Berichterstatter, die im ganzen dahin gehen, daß das Kabinett Luther auf dem Stand­punkt der deutschen Innenpolitik einen Ruck nach rechts bedeute, daß aber die Fort­setzung der bisherigen Außenpolitik durch die Anwesenheit Stresemann» und Luthers o e s i ch e rt ei. Eine Reutermeldung aus Berlin übi