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Anzeiger fur chaS Mer kurheMe) SberWen - Amtliches VerkimdlgmgSblatt -es MW Marburg

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Marx vibt feinen Aufttav zurück

tfcffc, Io glaube man,

,6 Zwilchen den Vertretern von

liierten Milchten die TOeiftbeffttnfttgjwg «gnttif >,-r» -rrrntttTfrr Triantioi^ den zu lassen. Ebenfalls werde Deutschland tonn vor Ichiedenbei

heute ab nicht mehr gezwungen sein. Belgien dl«

rinigung noch nicht in Sich! sei.

Dieses Provisorium

zum Abschluß gelangt

«utschen Volkes seinen Führern gern folgen wird.

Staatssekretär Dr ,to. heute Mittag hi Paris

Oberst Lagan genötigt gewesen sei, von seiner Regie- rung weitere Weisungen zu erbitten. Aus Paris ver­lautet weiter, haft Cecil Io weit als möglich gegangen lei und keine weiteren Znne^ändnisle bnbe machen kön­nen. Was die Frage der Kosten der Rubrbelebung be-

Berlin, 9. Jan. Kurz nach yt6 Uhr begab sich Reichskanzler Dr. M a r x zu dem Reichspräsi. denken, um diesem den Auftrag zur Kabinettsbil­dung endgültig zurückzugeben.

seien.

fk. Paris, 10. Jan. Trendelenburg trifft

em trotz »funde und

st- Brüssel, 10. Jan. Die offiziöse belgisch« Telegraphen-Agentur teilt mit, daß von heute ab Deutschland nicht gezwungen sei, den alliierten asso-

Der Kölner Protest.

Die Protestkundgebung des Kölner Stadtparia, mcntcs, die in ebenso nachdrücklicher wie würdi>

die von den Alitierten getroffene Entscheidung recht fertige.

fk. B e r l i n, 10. Jan. Der Reichspräsident em- pfing im Laufe des Abends den Reichsminister Dr. S t r e s e m a n n, die Reichstagsabgeordneten Schiele und Hermann Müller -Franken und am späten Abend noch Reichsfinanzminister Dr..Luther.

fk. Berlin, 10. Jan. Zu den gestrigen Be. sprechungen de» Reichspräsidenten mit Dr. (5trete» mann, dem Führer der Dentschnationalen, Schiele, dem Sozialdemokraten Hermann Müller und dem Reichsfinanzminister Dr. Luther bemerken die Blätter, datz aller Doranssicht nach Dr. Luther mit der Kabinettsbildunq beouftraat werden dürfte LautLok.-Anz." dürfte Dr. Luther seine Aufaabe darin erblicken, ein nicht gebundenes Kabinett der bürgerlichen Parteien zustande zu brinaen. Es sei anzunehmen, do'- einige den Deutschnationalen nahe stehenden Männer in dem Kabinett vertreten

Vorteile zu gewähren, die e» anderen Ländern ge­währe. Die Agentur bereitet daarauf vor, daß von heute ab für eile au» Belgien nach Deutschland eingeführten Waren Deutschland den augneblicklich in Kraft stehenden Zolltarif anwenden werde, der aber nicht die Vorteile gewährt, die Svanien und

Ernste Meinungsverschiedenheit« in der Pariser Konferenz.

ft London, 10. San.Financial-Times" meldet aus Paris, das die britischen und amerikanischen Dele­gierten den kritischen Punkt in den Meinung»- verschirdenbeiren beider Länder erreicht hätten, und datz

ein und wird, wie die Morgenblätter melden, nach­mittags 3 Nhr eine Unterredung mit Handelsminister R a h n a l d h haben.

bleibt solange in Kraft, bi» die jetzt geführten Han­delsvertragsverhandlungen

Oesterreich auf Grund der jüngst abgeschlossenen Handelsverträge bekommt.

) unb etft»-Sn?otnun p a -

t e n aufgetaucht seien, für die eine

seien. Reichsminister Dr. Stresemann würde einem solchen Kabinett ebenfalls angehören. Man rechnet damit, datz vom Zentrum Reichsarbeitsminister Braun» in der Negierung sein würde. Don den Blättern wird noch eine zweite Möglichkeit der Regierungsbildunq Erwähnt, nämlich die Beauftra­gung des Soziolistenfübrers Hermann Müll-r mit der Kabinettsbildung, der bereit sein würde, die 5-"rstellung der Weimarer Koalitton Zentrum, De­mokraten, Sozialdemokraten zu versuchen.

Stresemann im Auswärtige« Ausschuß.

B e r l i n , 9. Jan. In der Sitzung des Auswär­tigen Ausschusses des Reichstages aab Dr. S t r e fe­rn a n n eine ausführliche Darstellung der politi­schen und handelspolitischen Lage und erläuterte im Zusammenhang damit die Frage der Räu- mungderKölnerZone. Die Ausführungen des Ministers waren vertraulicher Natur. Wie aus narlomentarifchen Kreisen verlautet, betonte der Minister besonders die Tatsache, daß die angeb­lichen deutschen Verfehlungen in der Entwaff­nungsfrage von den Alliierten nur angedeutet wor­den seien. Der Minister wies auf das große Miß­verhältnis hin. das zwischen der angeblichen Nicht­erfüllung von Einzelheiten in der, Entwaffnungs­frage und der daraus seitens der Entente aezoae- nen außerordentlich barten Folgerung der Nicht­räumung der Kölner Zone festzustellen sei. An­gesichts der unzweifelhaften Tatsache der durckge- fübrten Entwaffnung Deutschlands entspräche eine solche Handlungsweise keiner objektiven und loya­len Auslegung des Artikels 429 des Versailler Ver­trages. In der Aussprache kritisierte Graf W e - st a r v (Deutschn.) die deutsche Antwortnote vom 6 Januar, die den glatten Vertragsbruch der En­tentemächte aegenüber Deutschland.nicht deutlich genug zum Ausdruck gebracht hätte.

Di» Arm«» denkt in Italien nicht weniger kon- stituttonell als der König, und auch von dieser Seite kann der Augenblick eintreten, da die Arme» den König erinnern wird, über der Beachtung der Berfassungssorm nicht den Deist der Verfassung x« vergessen.

So starke Anziehungskraft das Rom des Heilt- gen Jahre» auf die Fremden ausübt, so kann man doch den Ausländern nicht empfehlen, sich in den nächsten Monaten allzuweit nach dem Süden zu wagen. Wer Italien durchaus besuchen will, haltq sich im Norden auf Mailand, Turt,., Venedig, allenfalls Florenz und bleibe den große.: Eisen­bahnlinien nahe. Der Fremdenstrofn aus Eng­land hat bereits sehr nachgelassen, ö» ist wohl «ein Schaden, wenn der Ausländer wieder daran ermnert wird, datz Italien mehr ist al» ein Gurten und ein Museum, datz es ein moderne« L-»:d mit eigenem Leben ist und datz in diesem Lande der alte Kampf zwischen Despotismus und Freche«! ausgefochten wird, datz es umd"- "^nfcbbtit große Gegenstände" geht.

Der Faschismus wollte sich als ein neues gimento" gebärden: er hetzte das Volk 'n überfte. llenen Chauvinismus, bet in der SefjarM-n.g o*» deutschen Stamme» in Südtirol dem D-^schnan großen Schaden zufügt. Der moralische Zuiam» menbruch des Faschismus wird dem italienische« Volk auch wieder einen klareren Blick in den na- twnalen und Sprachenfragen geben. Die Unduld­samkeit, die jeden, der von seiner Mutt«" ^'ttschü Sprache, vom Vater blondes Haar geerbt at, für einen Landesverratsverdäcktiaen aussieht, ist nicht italienische Art: sie ist faschistisch und wird mit dem Gespenst des Faseio verschw- ^n.

Berlin. 9. Ian. Der Reichskanzler hat. den Blättern zufolge, heute vormittag die Verhand- lungen über die Kabinettsbildung fortgesetzt. Reichsfinanzminister Dr. Luther und Reichsernäh- rungsminister Graf Kanitz seien bei ihrer ablehnen­den Haltung verblieben mit der Begründung, datz der Eintritt des demokratischen Führers Koch in die Regierung als Reichsminister das Schwergericht nach links verschieben würde. Gegen Mittag begab sich Marx noch einmal zum Reichspräsidenten, um >dm das Ergebnis seiner letzten Bemühungen dar­zulegen.

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fk. London, 10.^ Jan. Reuter meldet au» Paris: Die Botschafterkonferenz werde zu «nischei- »en haben, ob die deutsche Not« über die Nicht- läumung Kölns eine Antwortnote erfordere. Es wird hier die Aussicht vertreten, datz die juristischen Ansprüche in der Note hinfkillig seien, da sie auf Diner falschen Auslegung de» Versailler Vertrages Geruhten. ES handele sich nicht um die Frage um Verlängerung der Besetzung oder um Sanktionen, »andern um eine Weigerung, die Besetzung zu be­enden, da Deutschland die Bedingungen de» Vectra stes nicht erfüllt habe, wobei zu bemerken sei, daß kte Besetzung auf 15 Jahre festgesetzt worden sei sttit dem Versprechen, zu räumen, wenn Deutsch- «and erfüllt. Man sei. der Meinung, daß -r» nicht Sache Deutschlands sei, darüber zu urteilen, ) die deutschen Verstöße festgestellt jetey, die

Skk 10. Oona«

Wei das Versailler Friedensdiktat mit seinen 440 Paragraphen zur Sand nimmt und es ist wirklich 2ne politisch erziehliche und lehrreiche Lektüre ibn Udfchnitt für Abschnitt. Kapitel für ÄapHel durchlieft Mio aus den schwarzen Buchstabenretben die unerbitt- Bdx Wirklichkeit der Tatsachen sich verlebendigt, den be- Vllt unwillkürlich ein Gefühl grauester öoffnungslosig- ßkit. Der Deutsche muh sich in dem Gitterwerk dieser Mit ausgeklügelter Sorgfalt ineinander geknüpften Pa- sograpben wie ein lebenslänglich zum Kerker verur- »rilter Verbrecher vorkommen. Aber es ist eine 8u tief Mgewurzelte Eigenschaft des Menschen, des deutschen Menschen im besonderen, doch noch irgendwo und- «gendwie Auswege und Lichtblicke, seien sie noch so 6att, zu erhoffen. Selbst ein Friedensvertrag wie der

Versailles uns aulgezwungene, ein Schreckensdoku- »ent, wie es in der Geschichte der Völker und Staaten fcum seinesgleichen bat, birgt einige kwffnnngs- und Urleichterungsmöglichkeiten, wenn man ibn als Rechts- kskument, losgelöst von denen, die ibn geschaffen und tzurchgefütirt baden, betrachtet. Zu diesen Hoffnung ber- «enden Bestimmungen gehören die verschiedenen Daten, vie das deutsche Elend iu befristen vorgeben.

Die Besatzungsfrist ist auf 15 Satire festgesetzt Die ersten fünf Satire dieser Frist sind nach menschlichem E«- tzechtigkeitsermesien abgelanfen. Am denkwürdigen 10. Sanuar sollten geräumt werden: der Brückenkopf von Köln und die Gebiete nördlich einer Linie, die' dem taufe der Ruhr und der Eisenbahnlinie SülichDüren --Euskirchen -Rheinbach folgt, ferner der Strafte von iUbeinbach nach Sinzig und die den Rhein bei ber Aar- Rfinbnt'fl trifft. Französische, lange Satire hindurch idnrch Poincare nertretene These war es. dah die Be- ^rtzungsfrlst überhaupt: noch nicht zu laufen begonnen Hat. Einern Herriot blieb es vorbebalten, otine diese Warfe Formulierung unter nichtigsten Vorwänden ein Ähnliches Ziel, wie Poincare es erstrebte, »u erreichen.

Der denkwürdige 10. Januar bestimmt aber gleich- Oeitig den Fortfall der Deutschland in seiner Sandels- »olitik anfgezwungenen Einschränkung. Sier sind auch für die Rechtsausleger der Entente keine Klauseln und Meckitsuerschiebunaen möglich. England bat sich recht- tOeitig die größtmöglichen Vorteile aus der neugeschaf- »nen bandelsvolitischen Lage gesichert und mit Deutsch- tnd einen Handelsvertrag abgeschlosien. Frankreich bat starrer Verbissenheit, die nicht gerade von dem ge» »rieseiien Verständigungswillen bet Herriotregierung ►ugt, die Verhandlungen mit Deutschland bis nahe an Hss Stadium der Aussichtslosigkeit getrieben und es «reicht, daß ber 10. Sanuar einen vertragslolen Zu- Aand vorfindet, aus dem sich sehr leicht bet Zollkrieg eniwickln kann. So ist dieser erste grobe Termin an- .»blicher Erleichterungen für Deutschland zu einem laße schwerer Enttäuschung und ernster Sorge um die JButunft geworden. Recht zu behalten scheinen die­jenigen, die von vorn herein den Standpunkt vertreten haben, dah man gut dabei fährt, wenn man den Be­stimmungen des Friedensdiktates von vorn herein da» denkbar schlechteste iutraut.

Str der Katastrophe

Rom, den 5. Ian.

Wenn der Zar mit der Duma nicht mehr regie­ren konnte, schickte er sie nach Hause aber die Katastrophe kam um so eher. Mussolini glaubt jetzt, er könne sich mit der Diktatur helfen aber die Katastrophe ist unabwendbar. Denn da», was Italien jetzt beoorsteht, ist der Absolutismus einer Minderheit. Daß dieser mit einem sogenannten Parlament garniert ist, ändert nichts. Seitdem Garibaldi den letzten italienischen Teildespoten, den König Ferdinand von Neapel, den sogenannten Nil Bomba, fortgejagt hat, gab es keinen Absolu­tismus mehr in Italien. Mussolini hat es soweit gebracht daß er sich nicht mehr anders helfen kann, als durch die Rückkehr zum ablosuten Regime. An eine Uebergangsdiktatur, aus der sich eine neue Verfassung entwickeln könnte, ist im Falle Musso­linis nicht zu denken, denn er hat sich durch sein zweideutiges Benehmen in den Fällen Matteotti, Forni und Misuri jeden Weg verbaut, auf dem er noch eine Verständigung mit der Opposition an­bahnen konnte.

Mussolini kann jetzt nur noch einen wilden Kampf mit illegalen Mitteln Unterdrückung von Zeitungen, Einkerkerung und Verbannung politi- fcher Gegner gegen die Opposition führen. Die Opposition ist moralisch ungemein gestärkt worden durch den Austritt der liberalen Minister aus dem Kabinett Mussolini. Zum Eintritt in dieses Kabi­nett finden sich nur noch Faschisten bereit, und man wird in der Kammer ganzunter sich" sein. Da­mit verliert die Kammer jede Bedeutung für Ita­lien und das Ausland. Sie iftjiut noch ein fajchi- ftischer Klub. Es kann der Augenblick kommen, daß das Ausland und von England her lassen sich bereits Stimmen in diesem Sinn vernehmen eine Mussolini-Regierung nicht mehr anerkennt. Rian erinnere sich des Kampfes, der in den sechzi­ger Jahren des vorigen Jahrhunderts von England aus gegen die italienischen Duodezdespoten geführt worden ist. Die Zeiten eines Mazzini und der vom Ausland wirkenden Verschwörungen können wie- derkehren.

Eigentümlich ist die Rolle, die der König vor­läufig noch spielt. Mctor Emanuel scheint ent­schlossen zu sein, der konstitutionellen Form bis 3um letzten Augenblick zu genügen. Er hat daher auch die letzten Aenderungen im Kabinett wider­spruchslos akzeptiert, die Ernennungsdekrete für die drei neuen faschistischen Minister Fedele (Unter­richt), Giuriatt (öffentliche Arbeiten), Roecy (Justiz) unterzeichnet und den Eid dieser Herren entgegen­genommen. Wenn aber das umgestaltete Kabinett Mussolini, wie sicher vorauszusehen ist, zu ungesetz­lichen Gewaltmaßregeln greifen wird, kann der König nicht in dieser Passivität verharren, ohne seine Existenx, ja die Existenz der Monarchie zu gefährden. Noc) ist die reguläre Armee dem König und dem Königtum ergeben, aber auch die Treue hält nur eine oewiss« Belastung aus. Reguläre Armez und Faschismus können sich nicht vertragen.

Ae Pariser Maazkensrnnr

Es ist den Vereinigten Staaten durch unmißver­ständliche Kundgebungen gelungen, den Aufgaben­kreis der interalliierten Finanzkonferenz, die zur Zeit in Paris verhandelt, auf die eigentliche Repa­rationsfrage zu beschränken "und die von Frank­reich und England angestrebte Einbeziehung der interalliierten Echuldenfrage zu verhindern. So werden die Vertreter der In Paris zusarnwenge- hommenen interalliierten und assoziierten Mächte sich denn lediglich über die Verteilung der Ergeb­nisse des Dawes-Planes und der Ruhrbesetzung unterhalten. Die Reihenfolge der Prioritäten spielt dabei ebenso wie die Höhe der belgischen Prozenl- sätze an den Einkünften sowie die Festsetzung der amerikanischen Anteile eine große Rolle. Auch die Feststellung des Wertes der Sachlieferungen ge­hört zu den nicht'ganz einfach zu lösenden Fragen. Richt unbedeutende Unstimmigkeiten sind anschei­nend über die Berechnung der Befatzungskosten entstanden. Die französisch-belgif'^e Buchführung wird von den englischen und italienischen Sachver­ständigen einer eingehenden Kritik unterzogen. Die Franzosen haben bezeichnenderweise bereits zugeben müffen, daß in der BuchführungIrr­tümer" vorhanden sind. Kennzeichnend für das Wesen der Pariser Schuldenkonferenz ist es, daß die Gläubiger völlig unter sich sind, während der Schuldner Deut* Rands keine Möglichkeit hat, be­ratend und auskunftgebend sich an der Regelung von Forderungen zu beteiligen, für die er aufzu­kommen hat. Bisher ist es immer so gewesen, daß die deutschen Leistungen fettens der alliierten Kon- trollbehöroen nur zu einem Bruchteile des wirk- lichen Wertes gebucht worden sind. Es ist nicht anzunehmen, dak die in der Rolle der fordernden und des Schiedsrichters zugleich auftretenden Alli­ierten den deutschen Leistungen hinsichtlich ihre» Wertes Gerechtigkeit widerfahren lassen.

Et Weise erfolgt ist, muß dem ganzen bei>> olke sowohl wie der Entente und der übrigen Belt jeden Zweifel darüber nehmen, daß der Ver­tragsbruch vom Rheinlande als ein tief erbittern­der Willkürakt betrachtet wird. Wenn Frankreich Bmer wieder mit dem Gefpenst der Sicherheits- ge innerpolitische Wirkungen zu erzielen sucht, wird das deutsche Nationalgefühl durch die Nttß- üchtung der Vertragsrechte des besetzten Gebietes In ungleich stärkerer und berechtigterer Weife her- «Ulsgefordert. Was sich in diesen Togen vollzieht, ift geeignet, auch in nicht nationalistischen Kreisen Des deutschen Volkes das Mißtrauen und die Ent- Nuschung gegenüber dem angeblichen Geist der Verständigung wieder ins Ungeheure wachsen zu Wien, eine Enttäuschung, die um so größer ist, als seitens großer politischer Parteien und mancher Zerantwortlichen Behörden ein Optimismus an den Saa gelegt wurde, dessen Berechtigung von tiefer klickenden Politikern niemals anerkannt werden konnte. Was jetzt mit allen Kräften verhindert Melden muß, ist die unverantwortliche, ja geradezu jpiuole Ausschlachtung der Kölner Frage zu rein lparteieaoistischen Zwecken, für die lecher schon wehr als ein Anzeichen vorhanden ist. Vielmehr cutet das Gebot der Stunde einfach dahin, zu­nächst einmal eine starke Reichsregierung zu schaf- .ftii, die aktive Außenpolitik treibt und zu treiben dnstande tft, weil eine entschlossene Parlaments- Mhrheit hinter ihr steht. Dieses Kabinett muß Dann die Frage der Ruhrräumung im ganzen auf Allen und in der Abrüstungsfrage vor der Welt Klarheit schaffen, indem es auf spezialisierte Be- oeife für die angeblichen Verfehlungen bringt und eben einzelnen Fall unnachsichtlich verfolgt und ilarftetlt. Erst auf solcher Grundlage läßt sich vnn weiter bauen und der Weg beschreiten, auf «m trotz aller parteipolitischen Machenschaften die vaterlandsliebende Mehrheit des

Sw Stell Varmai

Berlin, 9. San. Die Presiemelbiuigen, wonach gegiu weitere Beamten, insbelonbere ben Reichsvost- minister Dr. S öf l e, ben Ministsrittdircklar Mb f a0, den Polizcivräsibenten Richter unb beff-n V-ival fefretär Stöcker von ber Staalsanwalischaft etn a» mitteliMIsverführen eingeleitet würbe, treffen, c'ntt Mitteilung des Amtlichen Preußischen Pressedienste- zu­folge, nicht zu.

Berlin, 9. San. Zu bet gestrigen Meldung be» .JWnfflnajMrtdVe", duut^uiiiuuri vve

suchung in Sachen Barmat u. a, auf ben Berliner Poli­zeipräsidenten Richter ausgedehnt habe, teilt irf Polizeipräsident derB. Z." mit. daß seine freuiidich-ii- sichen Beziehungen zu Sulius Barmot lediglich pri­vater Natur gewesen seien. Er habe Barmat au) niemals ein goldenes Zigarettenetui geschenkt, fonbett lebiglich in ein solches Etui seinen Namen eingetragen. Sm August 1924 habe er von bet Merkurbank zur An­schaffung eines Eieblungsgrunbstllckes 5000 M geliehen, die ihm mit entsprechender Verzinsung in Rechnung ge­stellt w- rden seien. Auch die Behauptung, daß et Bar- mats als seinen persönlichen Freund einer Nieder­lassung in Berlin unter Umgehung der bestehenden Vorschriften ermöglicht habe, sei unzutreffend. Seinen Privaisekretär Stöcker habe er bereits vor längerer Zeit angewiesen, seine Tätigkeit in ben Geschäften Julius Barmots einzustellen, was- dieser auch im März de» Vorjahres getan habe.

Berlin, 9. San. Heute vormittag fand im Krimi­nalgericht Moabit eine Besprechung in der Varmat- Affäre statt, an der ein Vertreter des Reichsvostministe. riums und der Preußischen Staatsbank sowie der Unter, suchungsrichier teilnahmen. Auch Sulius Barmat wurde vorgefühtt. Die Konferenz befaßte sich mit dem gegen­wärtigen Stand der Deckungen der an den Barmat-Kon. zern gewährten Kredite. Die Verhandlungen dauerte« heute Mittag noch an.

Die Kredite der Reichspost.

Der Barmctt-Skandal Hat nun auch die Reich« post in seine schmutzigen Kreise gezogen. Zwar ist vorläufig anzunehmen, daß die Kredite, die von der Reichspost aus ihren Ueberfchüffen an den Barmat-Konzern gegeben sind, so sicher gestellt waren, daß von Verlusten nicht die Rede zu sein braucht. Dennoch ist das Geschäftsgebaren der Reichspost anfechtbar. Denn wenn man schon Ueberschüsse hatte und glaubte, sie nicht zur Ent­lastung des Publikums durch Herabsetzung bei immer noch hohen Tarife und durch die Vervoll­kommnung der postalischen Leistungen verwenden zu müffen, so gab es gewiß würdigere und not« leidendere Produktionszweige, als gerade die Ge­schäftsunternehmungen des Herrn Barmat. It, einer Zeit, wo wertvollste Gruppen der deutscken Industrie und Produktion unter Kapitalmangel lit­ten und Wuckerzinsen anlegen mutzten, um über- Haupt durchzukommen, wäre es für die Reichspost ein geringes gewesen, ihre Ueberfcbüffe tn solchen Unternehmungen anzulegen, die ebenfalls völlig^ Sicherheit boten und dabei volkswirtschaftlich einß Unterstützung viel eher verdienten. Deshalb mutz' das Geschäftsgebahren der staatlichen Einrichtungen überhaupt - einer grundsätzlichen Revision und Neuordnung unterzogen werden, denn es kann dem Steuerzahler schließlich nicht gleichgültig sein, ob er aus seiner Tasche dem öffentlichen Nutzen ober ber Finanzierung immerhin zweifelhafter unitj ganz gewiß nicht zu ben wertvollsten Schichten be»' deutschen Volkes zählender Geschäftsleute dient.* Es ist ja überhaupt das Eigenartige, daß ausge­rechnet zu einer Zeit, wo der s 0 l i d e G e s ch ä f t s« mann einen soliden Wechsel über 300 .M nicht unterbringen konnte, unsere Staatsbanken Geld in Hülle und Fülle hatten zur Finanzierung zweifelhafter Geschäfte und Personen. Schon da­mal» gingen auch in kleineren Orten Gerüchte, datz