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Marburg n. L, Freitag, den s. Nmrmr

60. Sohrg. 1925

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Anzeiger für (das früher knrhefMe) SberWen - Amtliches VerkündigungsbW des KreW Marburg

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graw.m an den Reichskanzler, den Reich-Wirtschaft». Minister und das Auswärtige Amt gesandt: Ti« Presse veröffentlicht heute früh die französischen Far. derungen zum Abschluß eines dreimonatigen Han­delsprovisoriums. Daß diese Forderungen nach dem nun schon mehrere Monate dauernden Meinungs-

Esse«, 8. Jan. Di« Jndustrte-u»d Han- elSkammer zu Essen hat folgendes Je!«»

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Wie dieVoss. Zig." wisse« will, toll da» R e i ch s - a bi nett «f Grund de» Berichtes von Staatssekre­

tär v. Trendelenburg zur Ablehnung de» »on den Franzosen »orgeschlagenen »rovilorischen Handelsver- tragseniwnrl »«kommen fei«. Durch diesen Beschluß Kl, wie das Blatt bemerkt, die Tatsache gegeben, bab oom 11. Januar al gegenüber Frankreich in Handelsvaliti- cher Bczie kumg der vertrag lese Zustand und »on beiden Seitetl der autonome Zolltarif angewendet werden.

Bericht über den Stand der deutsch-französischen Handelsvertragsverhandlungen erstattet.

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10, IIL

dem Rrichskabiuett.

Staatssekretär Trendelcn- in einer Kabinettssitzung

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auStausch überhaupt gestellt werden konnten, offen­bart die brutale Willkür, mit der man glaubt, das

leitete Gibson seine Verschwörung ein. Allem Anschein nach hatte er bereit» seine Leute für sich gewonnen, ist aber dann von einem von ihnen »erraten worden. Nach seiner Verhaftung erfolgte eine Haaafuchun», wobei grobe Mengen kommunistischer Literatur, Mtt- gliederkarten der Partei ukw. gefunden wurden, viele» davon war in Moskau gedruckt und entbleit An. lettung zur Ausfübrung von Gewalttaten. 6» wurde auch viel Exvlostonsmaterial und Ervlosio- kugeln gefunden. Die heutige E«richt»verhandlung, die morgen fortgesetzt wird, zeigte, dah alle» für die Nn- tat vorbereitet war, die am läge nach de- Verhaf­tung stattsinden sollte.

absichtigen, widerlegt, rrendelenberg vor Berlin, 8. Jan. bürg hat heute mittag

Eindruck de, gestern eingegangenen vollen Wort­lauts der deutschen Antwortnote. Ter Ton der deutschen Ant ortnote werde in britischen Kreisen al» gemäßigt bezeichnet, wenn auch die darin auf- geführten Argumente nicht anerkannt wurden. Tie interalliierten Verhandlungen für die Ausarbei­tung einer «nsfübrllchen Note an Deutschland, die sich auf den endgültigen Bericht der Kontrollkommission gründen werde, werde wahrscheinlich nicht vor der drit­ten Januarwoche oder frühesten, nach dem Ende der Pariser Konferenz beginnen. Die Alliierten hielten es wahrscheinlich für ratfam, ein so schwierige? Problem in Angriff zu nehmen, bevor e» den Ministerien vorgelegt fei. denn die nächste alliierte Note werde abaefeben von der schwierigen Frage, ob der Bericht der Kontrollkom- misston »eröffentHAt werden soll oder nicht, verschiedene bedeutsame juristische und volitische Probleme aut« werfen. Es stehe noch nicht fest, ob die Verhandlungen zwilchen den Alliierten durch die Botschasterkonferenz geführt werden sollen, oder ob ein verfönltcher Mei­nungsaustausch zwischen den Ministern für notwendig erachtet werde.

gen Sätze des französischen Zolltarifs, d. h. Frank­reich kann sowohl seinen Minimaltarif wie auch die Zwischensätze jederzeit erhöhen. Umgekehrt verlangt man von Deutschland nicht nur die volle Meistbe­günstigung und Bindung der Zollsätze. Der zweite Teil des Provisoriums bezieht sich auf die han­delspolitischen Rechtsve rhäl t n i s s e. Der Grundsatz -gegenseitiger Meistbegünstigung ist zwar gewährt . Alle diejenigen Fragen jedoch, an denen Deutschland ganz besonderes Interesse hat, erfahren eine gänzlich unbefriedigende Lösung. Bom Konsulatswesen ist in diesem Abkommen überhaupt nicht die Rede. Dadurch wäre Deutschland jeder konsularische Schritt in» Frankreich einstweilen un­möglich.

Da» Reichskabinett tehut die Provisorien ab-

ft. Berlin, 9. Jan. Die Sitzung de» Reich»- Ministerium», in der Staatssekretär v- Trendelen­burg über den Gang der Pariser Handelroertragsver- bandlungen berichtete, hatte eine sehr lange Dauer. Wie die Blätter zu melden wissen, reist v. Trendelenburg. heute vormittag nach Paris znrück.

-Demission HerriotS?

P c is, 8. Jan. TerAvenir" verzeichnet das gestern abend in politischen Kreisen verbreitete Ge­rücht, daß eS um den Gesundheitszustand de» Mini­sterpräsidenten nicht so gut bestellt sei, wie eS die offiziellen Berichte glauben zu machen schienen. Es sei nicht wahrscheinich, daß der Ministerpräsident beim Wiederzusammentritt der Kammer soweit wie- dsrhergestellt sein werde, um den Verhandlungen beiwohnen zu können. DerAvenir", dem die volle Verantwortung für diese Nachricht überlassen blei­ben mutz, behaupt»«, man habe sogar erklärt, daß Herrtot in einigen Tagen seine Demission geben werde und sich bereits mit seinem Nachfolger beschäftige. Unter den Namen, die angeführt wür­den, sei Finanzminister Clemente! an guter Stelle genannt worden.

bart die brutale Willkür, mH der man glaubt, da» E» ist üblich, daß fich die Arbeitslosen der deutsche Reich vergewaltigen zu können. Wen» Mj Statz« setzen Montag im Rateau» versammeln und hier

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ei Nach« siihrt. Ichneten 5'k-yk (portal), w.

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Die SirttoaftMtabanNungcn

ff. Pari», 9. Jan. Die deutsch-französischen Handelsvertragsverhandlungen sind gestern weiter« gcführt worden. Für heute vormittag ist eine Voll­sitzung anberaumt worden. Am kommenden Sonn­tag treffe« in Paris zwei Sachverständige der deut­schen chemischen Industrie ein. Damit ist die Be­hauptung desMatin", daß die Bertreter dieser Industrie sich den Verhandlungen zu entziehen be-

Die Pariser Finanztouferenz.

Ttr £ 0 tt i> u n , 3uiu 5« einer Parier 3teure» Meldung he Itzt e» u. a.: Alle Beteiligten feien zur schnellen Arbeit entschlossen, um eine baldige Regelung berbelzuf übten Eine baldige Regelung des Problems der amerikanischen Reoarationsansorüche stehe In Aus­sicht. Man erwartet nicht, dah die Ruhrbcfctzuug grobe Schwierigkeiten verursachen werde, da nichts vermuten lasse, da» Grobbritannien die Frage der Rechtmähigkeit

Berlin, 7. Ja«. Der der deutschen L-'le- gation in Paris von der französischen Regierung überreichte Entwurf eines dreimonatigen Provi­soriums zur Regelung der deutsch-französischen Handelsbeziehungen ist mit seinen 43 Artikeln ein regelrechter HandelSvcrtragsent- wurf. Die Franzosen sichern sich darin die ®?Bg = Utf) f e i t« »111161 g e 1» ® ert rt n 8 «u US« drei Monate hinaus. Alle», was sie in handels­politischer Hinsicht erreichen wollen, haben sie darin erschöpft. Der Entwurf zerfällt in zwei Teile: Einen mehr handelspolitischen und einen zweiten, der sich auf daS internationale Wirt- schaftsrccht bezieht. Die gegenseitig« Meist­begünstigung wird nicht hergestellt. DaS

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Kölner Mete und Entenievreste.

Die Ententevresse ist bei der Vorbereitung

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BMewisMr VEwskung in Englund

London, 7. Jan. In Newcastle hat ein intet, eflanter Prozeh begonnen. Dort ist am 10. Dezember bet achtunbdreltztgjikdrige Petcey ® 16 f o n oerbafte» worben, weil er eine Bolichewistenverlchwö. t u n g angezettelt batte, um bas Ratbau» unb bas Elek­trizitätswerk in bie Luft m fprengen unb bann bie Stabt 8x plfinbetn. Die Derdandlung, bie heute beginnt, wird etn interessantes Licht auf Moskauer Methode» werfen, da alles darauf hindeutet, dah der Plan selbst ans Moskau direkt stammt. Gib, fon kam nach Newcastle, wo er im Saegbill-Bergwerk Arbeit fand und sich bet dieser Gelegenheit eine Meng, Ervloflonsmaterial aneignete. So­bald er genug davon batte, verließ er die Stellung unv wurde zum Organisator der Kommunisti­sche« Partei in Newcastle ernannt

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and i» näher» P. K. 4» t 671

Recht der zollfreien Einfuhr in das Saargebiet, fällt fort. Die Franzosen verlangen die frist- Ruhibcsetzung aufwerfen werde. Die Frage der lose Verlängerung der elsaß-lothr in- bclgUchen Priorität sei schwierig, aber man fei der gischen Kontingente in voller Höhe. Meinung, dah ein Komoromih durchaus möglich fei. Autzcrdem verlangen sie Bindung der deut- Die Fülle der Arbeit werde Cecil und Clementel wenig scheu Zollsätze. Durch das Provisorium würde! Jett zur Erörterung der Schuldenfrage lassen. Aber die das Saargsbiet völlig seinem Schicksal überlassen. Frage werde offiziell weiterhin von dielen befvrochen

dem ©enereltarif liegen. Es wird jedoch nicht ge- 184 Millionen Goldmark. Diese Bilanz wird im Augen- sagt ,welche Waren unter diese zweierlei Zollsätze blick von der Revarationskommission geprüft. Die eng« sa-l-n. Frankreich verpflichtet sich nicht, diese Sätze lisch« und die italienische Delegation legen nach der überhaupt beizubehallen^ Sie gelten für die jeweili-jInformation" Verwahrung gegen die 114 Millionen von Frankreich und Belgien geforderten militärischen Besatzvngskosten ein.

di« sranzöfifche Antwort auf die von deutscher Seite maßvoll und in versöhnlichem Geiste gemachten Vorschläge ist, die oft genug als da» Aeußerste und Geringste bezelch-et wurden, wa» die deutsche Wirt- schäft glaubt, für sich verlangen zu können, so bleibt nach einmütiger Ansicht aller in unferm Kammerbezirk vertretenen WirtschaftSkrekse und ins­besondere nach der unabänderlichen Meinung der namhaften WirtschaftSführer des Bezirke» nur eine bündig abgegebene Ablehnung dieser unerhörten und unannehmbaren Forderungen Übrig. Nicht nur das verlangen wir, sondern auch, daß ab 10. Januar gegen Frankreich alle Maßnahmen handel»- und zollpolitischer Natur ergriffen werden, zu denen die Reichsregierung auf Grund des Paragraphen 10 des Zolltarifgeseye» und Paragraph 7 der Reichs­abgabenordnung ermächtigt ist.

Dresden, 8. San. Der AutzenhanblsauSfchuß der Dresdner Handelskammer fordert bie Reichsregie- rung auf, bei den Wirtschaft-Verhandlungen mit Frank- I reich sich keinem französischen Dlltat zu beugen und keinem Provisorium zuzuftimmen, daS nicht die wirt­schaftspolitische Handlungsfreiheit Deutschlands für die endgültigen Verhandlungen mit Frankreich voll wahrt und der deutschen Wirtschaft wesentliche Vorteile gegen­über dem vertrag-losen Zustand verheißt. Die Ent­schließung betont, dah bie französischen Forderungen, die jede Rücksicht auf Billigkeit und Gegenseitigkeit außer Acht lassen, den sofortigen Abschluß eines Handelsvertrags vereitelt haben. Rach einem Hin­weis auf die Deutschland von Frankreich vorenthaltene Meistbegünstigung und die Einführung der französischen Zolltarifnodelle mit hochschutzzöllnerifchem Charakter erklärt die Entschließung. dah bei Beharren Frank­reichs auf seinen Fordenungen, durch die Frankreich die zollfreie Einfuhr elsah-lothringifcher Waren er­strebt und die Erhebung der 26prozentigen Repara- tionsabgab« weder beseitige noch ihre gegen den deutschen Handel gerichteten Wirkungen entkleide, der Abschluh eines Handelsvertrags unmöglich ist. Deutsch­land könne einem an sich stet- unerwünschten vertrags- lofen Zustand weit ruhiger entgeaensehen als Frank­reich und namentlich Ellah-Lothrlngen, die auf die deutschen Abnehmer angewiesen sind, während der deutschen Wirtschaft ein Wettbewerb auf dem fran­zösischen Markt nahezu unmöglich gemacht wird.

Krotefte eines waffenlosen Volkes wenig Äufmerk- -Ijamheit übrig. Dagegen wirken in den angel- Wchsischen Ländern rechtliche Ausführungen immer

Vielen Deutschen wird die Schnelligkeit, mit der > unsere Regierung auf die Note der Alliierten ge- cntivodet hat, zwar gefallen, die Tonart der Aechtsverwahrung aber zu milde erscheinen. Auch wir hätten wenige*' juristische und diploma­tische Ausdrücke und mehr Temperament ge­wünscht. Gewiß ist zuzugeben, daß solche Noten nicht für das Inland, sondern für das Ausland ge­schrieben werden. Und dieses hat für noch so laute

Vie ReslmmgWtmio

Der Endeffekt der Dezemberwahlen ist in der Tat wunderbar: bisher konnte man doch noch tr- Send eine Regierung bilden jetzt kriegt man gar eine zustande! Das Proportionalwahlrecht, da» die Parteizersplitterung begünstigt, erweist sich da­mit als der ärgste Feind des Parlamentarismus. Am liebsten möchte man diesen Reichstag zwingen, binnen acht Tagen eine Wahlreform anzunehmen, die wieder kleine Wahlkreise und in diesen schnellste Entscheidung bringt, und dann Neuwah. len vornehmen. Gewiß ist jedes andere Wahlrecht ungerechter" als das unsrige; zweifellos ist da» englische, nach dem der Kandidat mit der retatü ven Mehrheit siegt, das ungerechteste von allen. Aber es schafft ein aktionsfäljiges Parlament. Und

Diesen Forderungen steht als französische Gegen« werben, bevor Cecil Paris verlasse.

leistung gegenüber, daß sie ihren Minimaltarif Paris, 9. Jan. Nach einer ber alliierten Finanz- für eine gewisse Anzahl von Waren anbieten. Für minlsterkonferen» vorliegenden Zufammenstellung ergibt eine zweite Liste von Waren werden Zwischen-Idle provisorisch aijjgestelll« Bilanz bes Rnhrunter- tarife «»geboten, die zwischen dem Minimal- und nehmens: Gesamteinnahmen 981,1 Millionen, Ausgaben

summum jus summa injuria so in die Augen ge­sprungen wie bei unserem Proportionalwahlrechtz

Im Augenblick aber müssen wir den Reichstag noch nehmen wie er ist und müssen von ihm ver­langen, daß er ein Kabinett aus die Beine stellt oder doch wenigstens arbeiten läßt, wenn ein» da ist. Das Vergnügen aber, nur alle Projekte in Scherben zu schlagen und keines zu verwirklichen, dürfen sich die Parteien nicht langer leisten in einer Situation, die so wie die heutige nach einer aktiven Reichsregierung schreit! Lächerlich unk verächtlich macht sich Deutschland vor der ganzen Welt, wenn es in den Taaen vor dem 10. Januar 1925 ohne Kabinett bleibt. Wir begreifen nicht, daß keine einzige der Fraktionen diesen morali­schen Zwang zu fühlen scheint. Man mutz e« un« nmw"nden aussprechen: sie sind alle gleich jckul- dig. Der Fehler liegt nicht'darin, ratz Vie Frage überhaupt aufgerollt wurde, ob an die Stelle der bisherigen Minderheitsregierung nicht eine Mehr­heitsregierung treten könne. Eine folcke zu schaf­fen, was des Schweißes der Edlen wert. Aber e» war eine Sünde am Volk, daß die Parteien die Löfuiig, die sie für die beste hielten, als die einzig mögliche erklärten und jede andere ablehnten. Der leidenschaftliche Kampf der Sozialdemokraten, der Demokraten und des Zentrums dagegen war sach­lich unbegründet und taktisch falsch. .

Statt dessen sehen wir die Kabinettsbildung». Projekte sich immer mehr vom Weae des parlamen­tarischen Systems trennen. Von denüberpartei­lichen" und Minderheitsregierunaen, die nach dem Muster des konstitutionellen Systems mit wechseln­den Mehrheiten zu regieren hätten, ist man nun schon heruntergegangen auf dieBeamtenkabi­nette", die reinen oder die gemischten. In Preu­ßen treten an die Stelle der Minister v. Richter und Boelitz die Staatssekretäre ihrer Ministerien, da sich die Zentrumsfraktion geweigert hat, eine Neubildung des Kabinetts vorzunehmen und mit der Rechten zusammenzugehen. Im Reich machte Herr Marx den Vorschlag, wenn die Deutschnatio­nalen den Eintritt veriveigerten, die Abgeordne­ten Kahl und Koch zu Ministern der Justiz und de» Innern zu machen und die Staatssekretäre Tren­delenburg und Kröhne im Wirtschafts- und Ver­kehrsministerium zu Ministern zu erhöhen. Da dieser Plan an dem Widerspruch der Deutschen Volkspartei gescheitert ist, will Marx nun noch in viel gröfceeem Umfange mit beförderten Staats­sekretären regieren, nämlich in allen Ressorts, die non den bisherigen Ministern verlaffen werden. Selbst als Uebergangszustand ist das unter dem parlamentarischen System, vor allem aber unter heutigen, furchtbar schwierigen Verhältnissen fast undenkbar. Und weil der Versuch nur von ganz kurzer Dauer sein könnte, haben nicht einmal die Satatssekretäre selbst viel Lust, ihn zu unterstützen.

So wie bisher geht es auf keinen Fall weiter. Das Wohl des Vaterlandes steht uns zu.Hoch, als daß wir es unter Parteirankünen und Ei'fcrsüchte- leien leiden lassen können.

London, 8. Ian. Wie das Reutersche Büro ;6us wohlunterrichteten Kreisen erfährt, wird die 'd e u t s ch e A n t w o r t n o t e an die Alliierten Dier so aufgefaßt, als ob sie keines weiteren Kom- (ntars bedürfe, da sie in keiner Weise die Lage ünflusse. Ter nächste Schritt für die Alliierten augenscheinlill), den Bericht der Kontrollkom- Mon abzuwarten, welche Mrzeit dabei sei, ihren richt abzuschließen. Mau erwarte den Bericht Kürze, obwohl das Datum noch nicht bekannt Die Fragen, mit denen man sich nun zu be- len haben werde, seien Tatfragen. Irgendeine te Entwicklung in der Angelegenheit jei nicht zu i^riDarten, bis die militärischen und anderen Sach- -verständigen der alliierten Regierung im Besitz von genauen Einzelheiten seien; dann werde zweifellos «ne neue Note nach Berlin geschickt wrden.

sk. P a r i s, 9. Ian. Der diplomatische Bericht- "statter desDaily Telegraf - schreibt über den

jvon feiten der Rechten diese Erklärung schon bei Mehreren Gelegenheiten gefordert, aber keine Re­gierung konnte sich bisher dazu entschließen; denn .Vas ist ein zweischneidiges Schwert. Es darf nur ;tm äußersten Notfall gezogen werden. Solange die Möglichkeit besteht, auf dem Verhandlungswege 1 etwas zu erreichen und Dr. Stresemann scheint -sie zur Zeit noch zu sehen, darf ein Volk ohne .Macht nicht die äußersten Mittel ergreifen. Jeden­falls ist das ein so schwerwiegender Entschluß, daß Ihn nur eine mit der Reichstägsmehrheit im Kon- Mkt stehende, sichere Regierung fassen kann. Ein jEnuid mehr zur Empörung über die Schiebekünste bei der Kabinettsbildung! Aber alles dies zu- jgegeben und vorausgesetzt: trotzdem hätte mehr ivon der allgemeinen Entrüstung des deutschen Vol- ,tzes über den schmachvollen Schwindel der Alliier- ikn-Noie durch die Antwort der Reichsregierung

Neue Schwierigkeiten für Marx.

Die Verhandlungen, die der Reichskanzler Marr über die Bildung des auf dem Zentrum und Demokraten fußenden Kabinetts unter Hinzuzieh­ung von Staatssekretären im Laufe des gestrigen Tages geführt hat, waren am späten Abend noch nicht beendet und drohen sogar wieder völlig zu scheitern. Der Reichskanzler hatte damit ;erechnet, daß der Reichsfinanzminister Dr. Lu­tz e r im Amte bleiben werde und daß die Staats- ekretäre die ihnen angebotenen Aemter überneh. men würden. Jetzt haben aber sowohl der Finanz- Minister wie die Staatssekretäre sich geweigert, an einem Kabinett als Minister teilzunehmen, da» keine feste Mehrheit hat und das jeden Augenblick im Reichstag gestürzt werden kann. In- olgedessen rechnete man in den Abendstunden nn Reichstag schon damit, daß Marx seinen Austrag doch noch z u r ü ck g i b t. Das Kabinett Marx mit Staatssekretären würde ein verschleierte» Kabinett de r Link en fein, zumal der d em o-

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tväre unzweiselhast falsch gewesen, davon in dieser Mote zu sprechen. Diese stumme Sprache der Tat- ißachen ist wirkungsvoller. Es wäre also nur übrig ßbliebenbie stärkste unserer Künste": die Er- ärung, daß der Versailler Vertrag durch die Alli- krten verletzt sei und deshalb von Deutschland als .außer Kraft gesetzt angejehen werde. Alan hat

Durchfühtun» bes Kölner Vertragsburches eine wichtige Aufgabe »ugefallen. Sie bat in ben Gntenielänbern fcfhft unb in ber Wellöffentlichkeit ben Slimmungs- |oben für ba», was sich ereignet hat unb was noch be- Iorsteht, flut vorbereitet. Monatelang hörte man be- pdts mehr »ber weniger bestimmt von ben beulschen Lerfeklungen in ber Rüstungsfrage. In ben letzten Ta- Ar» vor bet Uebersenbung ber Noie burch bie Botschak- Irrkonfetenz steigerte sich ber Wirbel ber Anschulbigun- en unbEnthüllungen^ »um Irommclfeuertempo. Be- Jrabers bi« große Pariser Presse arbeitete, psvchologifch tzie Wirkungen geschickt berechnenb, mit Berichten «ng- Mchcr Offiziere. Nachdem nun bie nötige Erregung «schaffen ist. betont bie offizielle unb offiziöse Pariser Presse einheitlich bie unübertreffliche unb angeblich so pornehmr Mäßigung bes Tones in ber berüchtigten jtete, bie sich in ihrer Formgebung nach Ansicht ter stanzösischen Zeitungen so vorteilhaft von ben milita- rfflischen Gebelmorgien bes deutscheSünders abhebt. Pie scharf nationalistischen Zeitungen ergeben sich in kn üblichen Ausfällen.Petit Journal" bebt ben Aus- truch Herriots hervor, baß es nicht auf bie Wictzligkeit s Linzelbefunbes sondern auf bie Feststellung bet Ge= kmrsiimmung in Deutschlanb sowie auf bie angeblich wtebenben bösen Absichten ankommt. Dieses Einge- Panbnis kennzeichnet ben Mangel an tatsächlichem Be- «eismalerial. Daß bank immer sich wieberbolenber französischer Niedertracht bie Stimmung in Deutsch- lind in wachsenbem Maße alles andere als franzofen- freunblich iji, uebarf feilens Deutjchlanbs feinet Enl- Mildigung. Traurig würde cs fern, wenn es nicht so wäre. Wenn öerriot von ben in seinen Worten zum Ausdruck kommenden Gesichtsvunkken ausgebt, so wäre das Verhallen in ber Kölner Zonenfrage allerdings bas vtgccignetste Gegenmittel. Die englische Presse ist er- Hrblick vorsichtiger. Eie hält sich sehr zurück.Dailn itelesraf gesteht in einer Zuschrift von befonberer bi« pkomatischer Selle gerabezu ein, daß zwar bie luristi- ipen Schwierigkeiten burch Phrasen geschickt gelost seien, daß aber Tatsachenmaterial nicht genügend vorliege. JJailti News" gibt ebenfalls zu, daß es bei der Unmög­lichkeit der Friedensserlragsdurchfiibrunn jederzeit i dicht sei, irgendwelcheGründe" für die Nichlinncbal- t»ng der Räumung zu finden. Sie weist darauf hin, die feilberigeii draschen Regierungen infolge der lsliierlen Bedrückungsvolitik fo ichwach seien, daß von ttnen ehie Durchfübrung der schwierigen Verirazsbe- ipnmun8tn kaum zu erwarten oewescn fei. DaßFrank- Mchs Sicherheit, wie es Sinn und Wortlaut der Ver- Hwgsbestimmungen verlangen, tat'ö.chtich durch Deullch ltvds angebliche Vcrfebluirgen behrolit.k'L wagt nie- »onb ernstlich zu behaupten.

Musischen Ländern rechtlicke Ausführungen immer -vis zu einem gewissen Eraoe, und gerade die Ame­rikaner haben ja einen merkwürdigen Sinn für juristische Fragen. Ferner wäre zu erwäge«, wo­mit wir denn eigentlich die Verleugner des Ver- Irngsrechis bedrohen können. Den Franzosen ist er sichtlich unangenehmer als uns, wenn man 10. ßütmar derZollkrieg" ausbrechen sollte. Aber es

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