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Marburg o. 8., Svmiabend, den 1 zanuar

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Anzeiger für M Mer kmheMM SberWeo - AmMeS AerklmdigungMatt des Kreises MsrSu.

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Zollkrieg oder vorläufiger Ausgleich?

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l.rau'djt, beide durch den 10. Januar bedingten Er- e-gnisse in einen äußeten Zusammenhang zu brin-

glatte Arbeiten des deutsch-enalischen Handelsver-

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gen. Deutschlands wirtschaftliche Möglichkeiten

Die Regierungsbildung.

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Daß in der unbestreitbar gespannten Atmos­phäre, wie sie durch den Kölner Vertragsbruch hervorgerufen worden ist, auch die Handelsver­tragsverhandlungen mit Frankreich stark beein­flußt werden, ist eine Tatsache, die garnicht un­mittelbar mit der Absicht zusammenzuhängen

zweite Rote über die Entwaffnungsfrage Deutschland überreichen werden.

Finanz zur bestehenden leiten.

Irr Kams um dir Rimmmig

Die Absendung der Botschastsrnote verzögert.

London, 2. Jan. Im Gegensatz zu allen Erwartunoen wird die Note der Alliierten an Deutschland, die von der Bofickafi ^Konferenz in Noris entworfen wurde, H ch t sofort nach Ber­lin abaesandt, sondern dürfte noch einige Tage zurück oe halten werden. Las eigentlich

träges nat"r^emäk in der Londoner City und von den GefchäftskreisenLewünscht wird.

Nach Auffassung unterrichteter Kreise in Ber­lin ist es noch völlig ungewiß, wann die Note der alliierten Regierungen über die Hinausschie­bung der Räumung der Kölner Zone übergeben wird. Die letzten Nachrichten scheinen arnnden- ttn, daß die Erklärung der Botschafterkonferenz von Mittwoch, wonach der von der Botschafter- Konferenz festgesetzte Wortlaut übergeben werden soll, mehr teoretischer Natur war. Es ist möglich, daß die alliierten Regierungen nochmals unter sich über eine Mänderüng dieses Wortlau­tes verhandeln.

Genügend zahlreiches «positives Material (?).

Brüssel, 2. Ian. DieAgence Belge" teilt folgendes mit: Die belgische Regierung habe ihrem Berliner Vertreter Weisungen "für die Uebcrgabe der Note an den Reichskanzler übersandt, die an­kündigen, daß die Alliierten über genügend zahl­reiches positives Material verfügten, um der Mei­nung zu sein, daß die Kölner Zone nicht am 10. Januar geräumt werden könne. Die Vertreter der ! [liierten würden sich zwecks Uebergabe der Note ins Einvernehmen setzen. Die alliierten Mächte beabsichtigen, nach Prüfung des vollständigen Be­rits der interalliierten Kontrollkommission über den Stand der deutschen Entwaffnung dem Kanz­ler später eine zweite Note zu übersenden.

Ueberreichung der Kölner Note am Montag.

Paris, 2. Ian. Die.Note, die die Botschaf­terkonferenz am Mittwoch redigiert hat und in der ausgeführt wird, daß die Kölner Zone am 10. 1. nicht geräumt werden soll, ist, wie.Havas berich­tet, den alliierten Botschaftern in Berlin zuge­stellt worden, die sie wahrscheinlich am Montag Reichsaußenminister Dr. Stresemann überreichen werden.

ff. Paris, 3. Ian. Havas meldet aus Brüsiel, bei Ueberreichung der Note an die deutsche Regie­rung, in der die Nichträumung der Kölner Zone am 10. Januar notifiziert wird, werden die alli­ierten Regierungen der deutschen Regierung gleich­zeitig zu wissen geben, daß sie später, das heißt nach Eingang der Berichte der Kontrollkommission, eine

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Die deutsch-französische« Wirtschaftsverhandlungen.

ff. Paris, 3. Jan. Wie dasJournee In­dustrielle" berichtet, ist die gestern geplante Voll­sitzung der deuUch-französischen Handelsvertrags­delegation auf später verschoben worden. Ledig­lich die Sachverständigen setzten ihre Arbeiten fort. Dem Blatte zufolge haben Staatssekretär Dr. Tren­delburg und Handelsminister Raynaldy gestern Abend eine längere Unterredung gehabt. Wie das Blatt zu wißen glaubt, wurde dabei hauptsächlich die Möglichfeit eines provisorischen Abfommens be­sprochen.

Wiederaufnahme der verhandln»-«« mit Italien.

Am Sonnabend, 3. Januar, werden in R o m die deutsch-ttaltentschen HandelSvertragS- verhandlungen wieder ausgenommen. Eine deutsche Delegation ist unter Führung deS Mini­sterialdirektor« v. Stockhammer am Donners­tag abend nach Rom abgereist. Mit Rücksicht aus den 10. Januar, an dem auch das Recht der einseitigen Meistbegünstigung für Italien fortfällt, wird wahrscheinlich in den Vertragsverhandlungen in Rom zunächst ein Provisorium für die Zeit vom 10. Januar bis zur Ratifizierung eines deutsch- italienischen Handelsvertrages gewährt werden. Für die Handelsvertragsverhandlungen selbst bestehen noch erhebliche Schwierigkeiten. Die ita­lienische Regierung hat erst kürzlich einen auto­nomen Zolltarif bekanntgegeben, bejc in eini­gen wichtigen Positionen für Deutschland' nicht an­nehmbar ist. Die italienische Regierung wird daher, wen« ein Handelsvertrag zustande kommen soll, einige dieser Zollposittonen erheblich herabsetzen müssen, «uch Venn da« aus die Handelsbeziehungen

I« anderen Staaten von Einfluß fein

Sitzung des Reichskabinetts.

Berlin, 2. Jan. Unter dem Vorsitz des Reichskanzlers sind heute mittag die Reichsmini- jtcr zu einer Besprechung der politischen Lage zu- jcmmengetreten. lieber das Ergebnis dieser Aus- »prache fiat der Reichskanzler dem Reichechräsiden-

Verlängerung des deutsch-portugiesischen Handel» vertrage«.

Berlin, 2. Jan. Durch einen Notenwech- s e I zwischen der deutschen Gesandtschaft in Lissa­bon und der portugiesischen Regierung wurde da» deutsch-portugiesische Handelsabkommen vom 28. April 1923, das ourch'das Gesetz vom 20. August 1924 bis zum 31. Dezember 1924 einschließlich ver­längert worden war, am 31. Dezember für ein weiteres Jahr o e r I ä n g er t.

Sie MrtjckMSechantlungen

Wirtfchastsaufbau und Abrüstung.

Die wichtigste Neujahrsbotschaft ist in diesem Jahre unbestreitbar von den Vereinigten Staaten aus in die Welt gerufen worden. Der Vorsitzende des Senatsausschusses für auswärtige Angelegen­heiten, der vielgenannte Senator Borah, hat die alte Forderung nach Einberufung einer Weltwirt­schaftskonferenz unter dem Vorsitz der Vereinigten Staaten neu aufgenommen. Er yat einen Antrag an den Senat vorbereitet, in welchem er die Ver­bindung dieser Konferenz mit einer die ganze Welt umfaffenben Abrüstungsvereinbarung dem Präsidenten vorschlägt, feebeutfam ist an diesem

sind naturgemäß burd) die Nichträumung eines außerordentlich bevölkerten und wirtschaftlich be­deutsamen Gebietes negativ bedingt. Erstaun­licher Weise tun die Franzosen auch noch ein übri­ges, um den Verhandlungsgegenstand selbst für Deutschland zu erschweren. Haben sie doch einen neuen Minimaltarif aufgestellt, der Deutschland fast alle Ausfuhrmöglichkeiten unterbindet. So ist es denn begreiflich, daß deutscherseits keine allzu große Neiguna besteht, auf ein Provisorium nach französischen Wünschen einzugehen. Frankreich be­nötigt für die elsaß-lothringische Industrie beson­ders dringlich Abmachungen, die diesem Wirt- schaftsaebiet, das seit jeher ganz auf den deut­schen Markt eingestellt ist, Absatzmöglichkeiten über die Grenze bietet. In einem Teil der fran­zösischen Presse wie imOeuvre" wird dem Elsaß gut gugerebet, es solle daran denken, daß die all­gemeine Sicherheit Frankreichs wichtiger sei als die Vorteile, die ein Uebereinkommen mit Deutsch­land wirtschaftlich bietet. Immerhin wird auch von diesem Blatt die Frage der allgemeinen erb eit in den Vordergrund gerückt und vor einer Uebcrfnannunq bet Zolltarifpolitik gegen­über ber deutschen Einfuhr gewarnt. Falls Frank­reich nicht einlenkt, wäre ein Zollkrieg die Folge.

ten Bericht erftatet. Daraufhin hat der Reichs­präsident den Reichskanzler beauftragt, nochmals mit den Führern ber Reichstagsfraktiönen in Ver­bindung zu treten, sie wegen des Ernstes der poli­tischen Sage und zur Vermeidung einer überpar­teilichen Regierung auf die dringende Notwendig­keit der sofortigen Bildung einer auf einer trag« föhiaen parlamentarischen Mehrheit ruhenden Neichsregierung hinzuweisen, und ihnen eine um­gehende Nachprüfung der bisherigen Beschlüsse inrer Fraktionen zur Regierungsbildung zu em­pfehlen.

Im Reichstage sind für Freitag und Sonn­abend noch keine Fraktionssitzungen anberaumt worden. Die meisten Reichstagsfraktio­nen nehmen ihre Arbeit am Montag vor der Plenarsitzung auf. Von den Fraktionen des Preußischen Landtages tritt die Frak­tion der Deutschen Volkspartei am Sonntag nachmittag 4 Uhr zu ihrer konstituieren­den Sitzung zusammen. Am Montag um 10 Uhr vormittag versammeln sich die Demokraten, die Nationalsozialisten und Deutsch- nationalen. Um 11 Uhr treten die Sozial- ; ernokraten zusammen.

Auch die Bayerische Volkspartei tritt cm Sonntag nachmittag im Reichstag zu einer Fraktionssitzung zusammen.

zwischen den Alliierten vorgegangen tff? ist nicht ganz klar. Man nimmt jedoch an, die briti­sch e n Kabinettsmitglieder wären mit dem Text nichteinver standen und ber Meinung, Lord Crewe wäre zu weit gegangen, um dem fran­zösischen Standpunkt in Hinsicht auf die Erklä­rung einer deutschen Verfehlung nachzukommen. Daher glaube man. Enoland werde darauf be­stehen, daß der Ton ber Notegemildert" werde, ehe sie nach Berlin abgehe. Churchill soll flLri iens -<I honen gebären, dis die Voll kritisieren, ebenso bas Bord, of Trcche, da ba«

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Die Mitteilungen aus Italien lassen ernennen, daß die Herrschaft bes Faschismus ihrem Ende zu« geht. Mussolini selber ist es, ber die Bresche » dieses System geschlagen hat dadurch, daß er den auch seine eigene Umgebung äußerst über­raschenden Entschluß faßte, eine Wahlreform zu schaffen und damit den Anfang für den Wieder­aufbau eines parlamentarischen Regimes zu ma- chen. Diese Entscheidung Mussolinis, die eine deutliche Abwehr von den bisherigen Methoden bedeutet und die als Bekenntnis bes Mißerfolges dieser Methode nach allem, was bisher vorgegan­gen ist, angesehen werden muß, hat nun aber auch in die eigenen Reihen Verwirrung und Entzweiung getragen. Wenn ihm auch die hauptstädtischen Kreise im großen und ganzen folgen, so ist doch augenblicklich noch keine Klarheit darüber zu ge­winnen, wie sich die Anhänger bes Faschismus in der Provinz, dort wo sie immer am radikalsten vorgehen konnten und auch brutale Macht übten, verhalten werden. Wie die Dinge jetzt stehen, geht es mehr ober minder um Mussolinis Kops selbst! Er weiß bas selber wohl, und gesckickt wirb barum jetzt schon auf seine eigene Abdankung vorbereitet. Irgenb ein parlamentarischer Anlaß, bei dem Mus­solini nicht die Mehrheit fände, würde ihm den Vorwand zu einem völligen Verlassen seiner jetzi- gen Position geben. Uno die Wege dazu werden tum gerade jetzt geebnet, da Mussolini nunmehr auch von feinen Freunden selber und von den­jenigen parlamentarischen Gruppen, die ihn bisher unterstützt haben, verlassen wird So ist, nach- dem die Liberalen unter Giolitti bereits in die Opposition gegangen sind und Orlando mit fei­nen Anhängern folgte, nun auch die Gruppe um Salandra von Mussolini abgeschwenkt. So steht die italienische Politik gegenwärtig im Zei­chen bedeutsamer Gärungen, die nicht für die ita« lienische, sondern auch für die internationale Poli­tik recht weitgreifende Folgen haben konnten.

Rom, 3. Jan. Die Beschlagnahme von oppo­sitionellen Blättern wurde auch gestern in Rom, Neapel, Mailand, Turm und in anderen kleineren Städten fortgesetzt. Unter den beschlagnahmten Blät­tern befinden sich auch zwei katholische, die nicht der Volkspartei angehören, sondern der katholischen Bewegung nahestehen. Nach dem Giornale d'Jtalia hatten gestern morgen die Giolittiner, Lrlandoaner und die Kriegsteilnehmer einen Meinungsaustausch. Es sei beschlossen worden, die Regierung heute früh in der Kammer in irgendeiner Weise zu stellen, sei es durch Beantragung einer Tagesordnung, die das Mißtrauen der Kammer ausspricht, sei es durch eine Interpellation über die Vorkommnisse in Florenz oder die Beschlagnahme der Zeitungen.

Rom, 3. Jan. In der Provinz Rom kam es am Donnerstag zu Konflikten zwischen Faseifien und Kommunisten in Centano und bei Civitavrchia, in bereit Verlauf zwei Kommunisten und ein Festist getötet, sowie 4 Personen verletzt wurden. Auch in Livorno und Cremona ist es zu Zusammenstößen ge­kommen. Die Haussuchungen, besonders bei Mit­gliedern derItalia Libera" wurden fortgesetzt.

Antrag, baß auch Deuttchlanb unb Rußland, wie es heißtgleichberechtigt, teilnehmen sollen. Daß gerade Borah, ber als ein Hauptvertreter bes Zu­rückhaltungsprinzips gegenüber europäischen An­gelegenheiten gilt, sich zum Sprecher für die ge­nannten Gebanben gemacht hat, beweist, baß man in Amerika in einer solchen Aktion die Fortsetz­ung ber in dem Dawesgutachten eingeleiteten, als rein wirtschaftlich angesehenen Politik erblickt. Die Verbindung'zwischen dem Gedanken einer internationalen Wirtschaftsstabilisierung und der Abrüstung liegt gerade für Amerika sehr nahe. Betrachtet man doch die außerordentlich kostspie­ligen Rüstunoen Frankreicks und der von Frank­reich militärisch ausgefallenen Vasallenstaaten angesichts der Weigerung dieses Landes, das interalliierte Schuldenpröblem ernst zu nehmen, mit nicht sehr freundlichen Augen. Auch Staats­sekretär Hoover hat anläßlich des Jahreswechsels reine Beunruhigung über die Rüstungsentwicklung in Europa zum Ausdruck gebracht. Wenn er naturgemäß auch nicht das Land genannt hat, das er in erster Linie meint, so ist es doch nicht zweifelhaft, gegen wen sich der Vorwurf richtet. Tie angeblichen Geheimriistunoen Deutschlands werden, wenn man auch aus alter Gewohnheit den französischen Darstellungen in der Bresse viel­fach noch Raum gibt, in maßgebenden Kreisen als

's *""rieilt, was sie sind, als ein Vorwand für die Nichträumung der Kölner Zone. Mannigfal­tig außerordentlich heikel in der Behandlung und ineinander verworren sind die Probleme, die auf einer ernstgemeinten internationalen Wirtschafts- -no Abrüstungskonferenz erörtert werden müß­ten. Abgesehen von den mitteleuropäischen Wirr- n.jen ist auch die Frage der Beteiligung Deutsch­lands für Amerika durchaus ungeklärt. Coolidge und sein A-ißensekretär Hughes wollen vor einer Anerkennung der russischen Vorkriegsschulden und des ausländischen Privateigentums vorläufig von Verhandlungen mit Rußland nichts wissen.

Das französische Schuldenproblem.

London, 2. Ian. DieTimes" meldet au» Washington, es werde ablofutes Stillschweigen über den Inhalt ber Mitteilungen bes amerika­nischen Botschafters in Paris über feine Unter» rebungen mit Herriot und Elemente! ge­währt. Allgemein werbe angenommen, daß siq nichts enthalten, was schon als endgültiger Vor- faüag Frankreichs gedeutet werden könne. Es sei jedoch klar, daß ein derartiger Vorschlag in nicht allzu ferner Zukunft erwartet werde.

Frankreich fordert ein Moratorium.

ff. Paris, 3. Jan. Die Morgenpresse glaubt berichten zu können, daß Finanzminister Cle« mente! Vorschläge zur Tilgung der französische« Schulden bei den Vereinigten Staaten ausge­arbeitet hat, die Ministerpräsident Iperriot am 30. Dezember 1924 dem amerikanischen Botschafter übermittelt habe. Die Vorschläge lautet^:

1. Frankreich wird für die Dauer von 10 Jahre« ein Moratorium bewilligt, während dessen die durch den Dawes-Plan vorgesehenen deutschen Zahlungen sich verstärken und die Lasten, die Frankreich für Personen und den Wiederaufbau auszugeben hat. sich verringern.

2. Nach 1935 will Frankreich seine Schulden bei Amerika im Verlaufe eines Zeitraumes von 80 Jahren und zwar eingeteilt in vier Etappen von 20 Jahren, in sich von Etappe zu Etappe steigernden Zahlungen, abtragen. Als Zinssatz schlägt die fran­zösische Regierung % % vor.

U £>i«ti«1Hto< Zeitung" erscheint sechsmal »öchentltch. Seyigspttte «anatlich 2 Mark au,schließlich Zuktellun^ri«- Der Anjeigeaorei, betritt fit »en 10 qel». Zeilenmillimeter 0,01 Sol »mark. Amtlich» nn» ammärttge Anzeige» 0,10»&

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Rom, 3. Ja». Der beut*.-

Sternbach hat in der Kammer eine Anfrage über die Sicherheirsverhättniffe in Südtirol ein-'.c- bracht mit besonderem Bezug auf die Vorfälle o?r letzten Woche.

-- Nom ReWlag

e: Am Montag wirb ber neue Reichstag seine erste Sitzung abhalten. Die Kommunisten treffen schon Borbereitungen für ein Begriißungskonzert: nicht jtur die Fraktionsmitglieder, fonbem auch die 'Delegationen aus den Betrieben üben den Chor­gesang:Amnestie, Amnestie!" mit großem Eifer irin. Aber diese Programm-Musik entbehrt bes Reizes ber Neuheit unb wirb wenig Aufmerkfasn- fceit erregen. Auch bie Präsidentenwahl, die am Bienstag erfolgen bürste, ist nicht von grundsätz- stcher Bebeutung. Von dem Brauch, baß bie stärkste Fraktion ben ersten Präsidenten stellt, ist {war schon manchmal abgewichen worben, aber ber ftauch ist an sich nicht schlecht, unb wir sehen kei­nen Grund, ber Sozialdemokratie den Platz strei- jig zu machen. Gerade wenn man ein politisches Zusammenarbeiten mit ihr gegenwärtig für un­möglich hält, sollte man in ben Nebenfragen ber Repräsentation großzügig sein. Das Ziel ist ja nicht, bie Sozialbemokraten möglichst zu reizen unb bie Kluft zwischen ihnen unb ber Mitte zu vertiefen, fonbem man will unb muß ihnen mtr Kigen, bah es politisch auch ohne sie geht, so- nge sie Agitations- unb Klassenkampspollttk statt sachlicher Politik treiben.

Die Hauptsorge gilt jetzt vielmehr ber Neu- bilbung berReichsregierung. Der bis­herige und interimistische Reichskanzler Marx hat am Mittwoch unb am Freitag über biese Frage mit bem Reichspräsidenten verhandelt, aber er hat keinen neuen offiziellen Auftrag zur Regierungs­bildung erhalten. Es ist noch nicht klar ersichtlich, ob erst die Ueberreichung der Ententenote unb das Wiederzusammentreten ber Fraktionen am Mon­tag abgewartet werben soll, bevor weitere offi­zielle Schritte geschehen. Eine Notwenbigkeit hierzu liegt unseres. Erachtens nicht vor, ba neue Momente kaum mehr eintreten bürsten. Man spricht daher auch schon viel von dem Plan eines überparteilichen Kabinetts", das durch die Er- gän.iung des bisherigen Kabinetts Marx-Strese- mann entstehen würde. Dr. Jarres unb Dr. Hamm treten bekanntlich in ben Kommunal­ober Privatdienst über, sodaß Inneres, Wirtschaft, Justiz und Verkehr zu besetzen wären. Wahr­scheinlich werden Politiker ber Volkspartei unb oes Zentrums ober biefen Parteien nahestehende Fachleute die Poften erhalten. Als vor Wsibnach- ten öle ersten TtadirUfjteii übet Dteft geplante ganz kleine Koalitioü" auftauchten, wurden ne dementiert. Aber dasüberparteiliche Kabinett" : fmeint jener zu ähneln wie ein Ei dem anderen. Als Uebergang zu einer wirklich haltbaren Regie- rungskoalition mag auch die Verbindung ber bei­den genannten Parteien am geeignetsten fein. Wenn von links her die Befürchtung ausgesvro- chen wird, daß auf diese Weise der ominöseBür- gerbloÄ nun doch heimlich eingeschmuggelt wer­den solle, so scheint uns keine Veranlassung zu ^solcher Besorgnis vorzuliegen. Die Beteiligung der Deutschnationalen an der Gesetzgebung unb fjnfolgebessen auch an der Regierung muß sich von. .selbst ergeben, sobald die sachlichen Voraussetzun- ;ijen dafür vorliegen. An ein dauerndes überpar­teiliches Kabinett glauben wir nicht. Es wider- jspricht einfach dem herrschenden parlamentarischen Mystem, unb bas war doch die großeErrungen« ischäft". Will man jetzt zu den Gepflogenheiten der verruchten Vorkriegszeit zurückkehren? Es ist ja auch heute fast unmöglich, unter solchen Umständen hervorragende Fachleute für Minister- ' poften zu bekommen. Solange das Parlament herrscht, ist eine dauerhafte Regierung nur durch eine starke Mehrheitskoalition der Parteien zu bilden. DieBeguemlickkeit" des Regierens mit wechselnden Mehrheiten stellt sich immer sehr bald als höchst unbequem heraus.

Berlin, 2. Ian. lieber den Stand der fiierungsbilbung ist nach ben Informationen ber Blätter zu sagen, daß der Reichskanzler so­wohl am Silvestertag wie auch heute eingehende AussprachenmitdemReichspräsiden- ten hatte. Abschließende Entscheidungen seien No chnicht getroffen, es sei auch nicht zu erwarten, daß die Entscheidung unmittelbar bevorstehe.

Berlin, 2. Jan. Anknüpfend an die Be­merkung derZeit", wonach mit der Bildung einer überparteilichen Regierung zu rechnen sei, schreibt "teGermania", daß in der Tat kaum ein anderer JKeg übrig bleiben dürste. Diese» überparteiliche Kabinett müßte natürlich in seinem Kern dieselbe 1 Zusammensetzung haben wie das jetzige Kabinett. Es sei nicht gut möglich, bei diesem Stand ber fbinge die leitenden Persönlichkeiten zu wechseln. .So durste auch das neue Kabinett wieder unter ber Führung von Marx, mit Stresemann als Außenminister, stehen. Wenn dieses überpartei­liche Kabinett im Reichstage nur eine schmale par­lamentarische Basis habe, so werde es doch un» schwer für feine Außenpolitik die übergroße Mehr­heit im Reichstage finden, und da» sei zur Zeit das Wesentlichste. Die Rückkehr zur Arbeitsgemein, schäft der Mitte dürfte sich im Laufe ber Zeit von selbst ergeben. Dann hätten wir wenigstens wie. per eine Plattform der Mittelparteien, von der allein aus die gewünschte Erweiterung der Regie­rung erfolgen könne.