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Lotte 2

genommen. Man will einfach nicht an die Schuld eines Mannes glauben, dessen Verurteilung eine schwere Erschütterung des moralischen Selbstbe« wutztscins innerhalb'des dänischen Volkes zur Folge haben würde. Bisher hat die Stellungnahme der Oeffentlichkeit schon erreicht, daß Bischof Bast aus der Haft entlasten wurde. Die Untersuchung geht aber weiter.

Str flufitai» in AlbMitn

Skntari besetzt.

Paris, 81. Dez. Laut einer HavaSmeldung aus Belgrad haben die A u f st S n d i g e n gestern Skutari besetzt. Ganz Albanien befindet sich setzt in ihrer Hand. Eine kleine, 600 Mann starke Abteilung der Truppen Fan NoltS hält sich zur­zeit noch in der Gegend von Kruma aus.

Brindisi VoN von albanischen Flüchtlingen.

Rom, 31. Dez.Tribuna" meldet aus Bari, daß die von dem Organ ZoguS behauptete Ruhe In Albanien leider noch nicht etngekehrt sei und daß Brindisi voll von albanischen Flüchtlingen sei, welche gegen Ehrenwort, sich von dort nicht |u entfernen, von den italienischen Behörden zu­gelassen worden sind. Die Offiziere und Soldaten müssen vorher ihre Waffen abliefern. Die g e - flüchtete Regierung Fan Nolt hält in Brindisi täglich Beratungen ab. Kauf­leute, die heute aus Tirana in Bari angekominen sind, erzählen, daß di« Lage noch immer sehr gefährlich sei und daß der einzige Grund der Niederlage Fan NoliS in seinem Munitionsmangel zu suchen sei, da die italienische Regierung alle Munitionsankäuse in Italien verboten hatte. Zogu sei auch deshalb in großer Verlegenheit, weil die Staatskassen vollständig leer seien.

«I« dem Wien Scbiel

verweis kehrt wieder.

Mainz, 81. Dez. Der berüchtigt« franzö­sisch, Kreisdelegierte in Bingen, Jean Vermeil, war vor einigen Monaten von seiner Regierung nach Marokko abkommandiert worden. Di« Bevöl­kerung atmete auf; denn Vermeil war besonders während der Sonderbündlerzett geradezu zum Schrecken der Bevölkerung geworden. Mit feinem Vertreter, Delacroix, war man in den letzten Monaten besser ausgekommen. Umsomehr mutzte es jetzt Bestürzung in der Bevölkerung Her­vorrufen, als Vermeil kurz vor Weihnachten wie­der in Bingen erschien und als bekannt wurde, daß er nach nochmaliger kurzer Abwesenheit Anfang Januar sein früheres Amt wieder antreten wird.

Ste MtgfetunoSbitoung

Der Reichskanzler wieder tu Berlin.

Berlin, 31. Dez. Der Reichskanzler ist wieder in Berlin eingetroffen.

fi. Berlin. 2 Die Frage bet Regie. 4 rKgebilounn srrrd, wie die »Leit" schreibt, von Leute ab *okber aktiv ausgenommen werden. Man Wvi, fir bald zu einem Ergebnis führen zu können.

BLlr-UivM des bisherigen Reichskanzlers mit dar Nrgkerungsbilduna ist nicht erfolgt. Ks blerbr abzuwsrten, sr oer Reichspräsident viel- -bt verzuchr, noch lffe Vertreter der Sozialdemo­kratie und der Deutschnationalen über die Lage in diesem Sinne zu befragen, ob fie eine Möglichkeit sehen, die Kabinettsbildung zu übernehmen. Wenn die Parteien auf ihrem bisherigen Standpunkt be- ! fairen, ist eine solche Bildung allerdings nicht mög» ich, da Zentrum und Deutsche Volkspartei ihre An- stchten »ebenfalls nicht ändern werden. Zn diesem Falle ist damit zu rechnen, daß der Reichspräsident ein überpolitisches bürgerliches Kabinett bildet, ohne Anlehnung oii die Fraktionen.

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Ei« Mahnruf Etresemauns zum neue« Jahre.

Berlin, 81. Dez. Etrefemann veröffentlicht in der Preste einen Mahnruf zum neuen Jahre, in dem ee heißt: Wir sind eine Großmacht geblieben auf dem Gebiete der weltwirtschaftlichen Beziehun­gen und wir können eine Großmacht bleiben als Volk unter den Weltvölkern, wenn wir zur rechten Stunde verstehen, die ideellen Kräfte des Volkes zu« sammenzufasten im Kampf für seine Rechte. Daraus

Oberhessische Zeitung, Marburg a.

ergeben sich auch die Aufgaben der Parteien in der Gegenwart. Von den Parteikämpfen untereinander haben wir genug erlebt in den beiden Reichstags- wablkämpfen, die uns das Jahr 1924 beschieden hat. Wichtiger aber als aller Streit der Parteien gegen­einander ist die Zusan^nenfastung nach außen. Den Titel, den Etegemanm deinem letzten Buche gegeben hat,Der Kampf um den Rhein", ist auch der große Titel der weltgeschichtlichen Kämpfe, um die es jetzt geht. Möchte es gelingen, in diesem Kampfe die Parteien einzusetzen für die vaterländische Idee.

Aus Sahtm

Annahme des Konkordats gesichert.

München, 80. Dez. Wie aus eingeweihten Kreisen verlautet, ist jetzt eine Mehrheit im baye­rischen Landtag für das Konkordat und für die evangelischen Kirchenoerträge dadurch gesichert, daß die bayerische Regierung in die von den Deutschnationalen verlangten Sicherungs­maßnahmen einzuwilligen bereit ist. Es handelt sich hierbei um eine gesetzliche Fest- I e g u n g der von der Regierung in den Verhand­lungen des Verfassungsausschusses des Landtages unverbindlich abgegebenen Interpretationen zum Konkordat, durch die verhindert werden soll, daß irgendeine spätere bayerische Regierungin der Auslegung der umstrittenen Artikel des Kon­kordats die staatlichen Interessen zum Nutzen der kirchlichen Interessen benachteili­gen kann. Die Kompromißverhandlungen sind noch nicht abgeschlossen, da man über die Form der gesetzlichen Verankerung dieser Interpreta­tion noch nicht einig geworden ist.

Elektrifizierung der bayerischen Eisenbahnen.

M ii n ch c n, 'M Dez. Hinsichtlich der Elektri­fizierung der Eisenbahnen in Bayern wird mit Be­ginn des nächsten Jahres zunächst versuchsweise auf den Strecken München Earmisch, Mün- chenKochel, München Regensburg und München Rosenheim ein teilweise elektrisch betriebener Fahrdienst für den Güterver­kehr zur Einführung gelangen. Es sind 125 Loko­motiven bereits bei den einschlägigen Werken fer­tiggestellt. Um den beteiligten Firmen, den in Be­tracht kommenden Reichsbehörden und den Ver­tretern der bayerischen und außerbayerischen Preste Gelegenheit zu geben, die bereits auf der Strecke MünchenEarmisch errichteten Bahnstromunter­werke in Pasing und Murnau zu besichtigen und die elektrischen Lokomotiven in Betrieb zu sehen, hatte die Eisenbahndirektion München am Montag einen Prestesonderzug nach Garmisch abgehen lasten. An der Fahrt beteiligten sich etwa 100 Personen, darunter Staatssekretär v. Frank. In Pasing wurde das dortige Ctromunterwerk, das zur Zeit größt« elektrisch^ Unternehmen des Kontinents, eingehend besichtigt. Der Präsident der Eisenbahndirektion München, Geh. Rat v. Völcker, begrüßte dort die Erschienenen und dankte den Be­teiligten für die geleistete Riesenarbeit. In Garmisch wies der Präsident auf den großen tech­nischen Fortschritt hin, der mit der Elektrifizierung der Bahnen errungen worden sei. Mit Stolz könne Bayern auf sein Wasserkraftwerk blicken, das eine führende Stellung in Deutschland einnehme. Dtze Linie MünchenGarmisch würde die erste Eisen­bahnstrecke sein, die unter Verwertung des Stroms des Walchenseewerks betrieben würde.

Setrttori toto

Rerjahrsempfang beim Reichspräsidenten.

Reichspräsident Ebert empfing am Neujahrs­tage in der üblichen Weise die Chefs der hiesigen fremden diplomatischen Vertretungen. Die Glück­wünsche des diplomatischen Korps brachte der apostolische Nuntius Monsignoe Pacellt als Doyen mit einer Ansprache zum Ausdruck.

Der Reichspräsident erwiderte die an ihn gerichteten Glückwünsche mit Worten des Dankes.

Später übermittelten Reichstagspräsident Wallraf und die Vizevräfidenten Dr. R i e ß e r und Dtttmann die Wünsche des Reichs­tags und der Ministerialdirektor im preußischen Staatsministerium Nobis, der thüringische Mi­nister Münze! und der bayerische Staatsrat von Wolf als Vertreter des Reichsrats die

S. Freitag, bei 2. Mannar IMS

Glückwünsche dieser Körperschaft. Generaldirek­tor Oeser und die Staatssekretäre Vogt und K u m b i e r brachten daran anschließend die Glückwünsche der Hauptverwaltung und des Per- srnals der Rerchsbahngesellschäft dar. Für die Wehrmacht waren erschienen General von S e e ck t und Kontreadmiral K a h l e r t, die dem Reichspräsidenten die Glückwünsche des Hee­res und der Marine aussprachen.

Berlin, 81. Dez. Der Reichspräsident hat dem österreichischen Bundespräsidenten folgen­des Telegramm zugesandt: Zum Jahreswechsel spreche ich Ihnen und dem stammverwandten österreichischen Volke die herzlichsten Glück­wünsche aus und hoffe, daß Oesterreich und Deutschland im kommenden Irchre auf dem schwe­ren Wege zur endgültigen Wiederaufrichtung er­folgreich fortschreiten werden.

Der österreichische Bundespräsi- dent drahtete: Mit den innigsten Wünschen für das persönliche Wohlergehen Eurer Exzellenz ver­binde ict) an der Schwelle des neuen Jahres den Ausdruck der von ganz Oesterreich geteilten Hoff­nung, daß dem deuffchen Volk eine glückliche Zu­kunft beschieden sein möge.

Der ventsch-polnische Hei«« Grenzverkehr.

Berlin, 1. Jan. Im Anschluß an die War­schauer Verhandlungen vom 19. bis 23. Dezember wurde am Dienstag «in deutsch-polnisches Abkommen über den kleinen Grenzverkehr in Danzig unterzeichnet. Er faßt alle bisherigen Be­stimmungen aus diesem Gebiete zusammen und trifft "für einige Punkte eine neue Regelung.

1925. Mit Sparen anfangen!

Nachdem 1923 das Jahr des wildesten wirt­schaftlichen Durcheinanders war, wurde uns 1924 zum Jahr der Beruhigung. Die Rentenmark wurde in letzter Stunde zum geglückten Rettungs­versuch. Der von den Erschütterungen der Nach- kriegsjahre und des Inflationstaumels schwer mit­genommene Wirtschaftskörper begann wieder, wenn auch langsam, fo doch stetig^ zu gesunden. Ueberall mußte man von vorn anfangen. Heute, nach mehr als einem Jahre fester Währung, kön­nen wir feststellen, daß die Aufbauversuche säst durchgängig gelungen sind. Und was befonders erfreulich ist, viele haben schon wieder angefangen zu sparen, freilich, ebensoviele stehen noch zögernd beiseite und wollen nochabwarten". Das ist ein Fehler, der sich bald rächen wird. Wer gleich An­fang 1924 damit begann, ist schon seit vielen Mo­naten Nutznießer der hohen Zinssätze, die durch die Kapitalnot des vergangenen Jahres veranlaßt sind. Einsichtige Menschen haben dadurch ihre Er- fparnisse um bald die Hälfte der Einlage vermeh­ren können. DenAbwartenden" ist dies ausge­fallener Verdienst. Selbst wer zu denjenigen ge­hört, die immer abwarten wollen, hat ja nun ein Jahr lang Gelegenheit gehabt, den Prozeß der Stabilisierung aller poliffschen und wirtschaftlichen Verhältnisfe zu verfolgen, er wird nun nach der endgültigen Befestigung unserer Währung im neuen Jahr nicht mehr zurückstehen dürfen, wenn er nicht gmv i*** Hintertreffen geraten will.

Darum: Mit Sparen anfangen!

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fluflont

Annahme des Amnestiegesetzes.

Paris, 31. Dez. Die französische Kammer hat das Amnestiegesetz mit Abänderung des Senatsbe- schlustes mit 343 gegen 136 Stimmen angenommen. Das Gesetz enthält auch die Amnestierung Caillaux', der nunmehr wieder seinen Wohnsitz in Paris neh­men kann.

Paris, 31. Dez. Wie berichtet wird, ist der neue französische Zolltarif, der in Kraft gesetzt werden soll, wenn der diesbezügliche der Kammer bereits vorgelegte Gesetzentwurf angenom­men sein wird, den deutschen Hanbelsve'r- tragsdelegierten gestern mitgeteilt worden. Diese hätten wegen der Erhöhung der Zollsätze für eine große Anzahl von Artikeln Ein­wendungen erhoben und gebeten, während der be­vorstehenden Feiertage diestn Tarif eingehender zu prüfen, um alsdann im ganzen dazu Stellung zu nehmen.

Paris, 31. Dez. DerMatin" veröffentlichr eine Konstantinopeler Depesche aus englischer

(Nachdruck verboten.)

s. o. s.

Sin Funkroman von Friedrich Sernt.

11. Fortsetzung

John Caltermoul aber, der Propagandaleiter, er­schien fast wie Normans Gegenpol. Auch er war zwar Nicht klein, hatte aber bei mäßigem Leibesumfang ein dicke», breites, faltenloses, stets lachendes Gesteht, das von hellen, nahezu weißblonden Hgaren gekrönt war. Er war das sah man aus den ersten Blick ein gut- mutiger Herr von psisfiger Gerissenheit und unerschöpf- ffchem Humor. Seinem Wesen entsprach di« Art seiner Reklame. Gr liebte es, Radioapparate, eingerahmt pon entzückenden und nicht übermäßig bekleideten Girls, darzustellen und in den Lesern seiner Zeitschriften und Br schauern seiner Plakat« hierdurch eine Avpetitan- regung zum Kauf hervorzurufen. Die Verbindung de» weiblichen Geschlechts mit der Radio-Branche erschien ihm übrigens um so natürlicher, als er auch außerhalb feiner beruflichen Tätigkeit eine solche Verbindung für sich selbst als die einzige, angemessene Ausfüllung seine» Leben» erachtete.

Stuart Geddes war ein ernster Mann von unan­sehnlicher Gestalt und peinlich sorgfältigem Anzug, der die vor ihm liegenden Bleistifte und Papier« in pe­dantischer Ordnung hielt und dem das verantwortungs­volle Amt des Vorstandes der Buchhaltung zugefallen war. Harry Brown, rin zierlicher Gentleman von weibischem Typus, mit lockigem, onduliertem schwarzem Haar, ebenso schwarzen Augen, die fich durch roman­tischen Lugenauffchlag auszeichneten, sinnlichen Mund, her gerne zwecks Schaustellung wohlgeformter, weißer Hahnretben zu einem süßlichen Lächeln geöffnet wurde. Harr, Brown war der juristische Berater d«r Radio- Korporation Ltd.

Morris Kav war der Raturbuttche in der Direktion. Ein kraftstrotzender Athlet, ein waghalsiger Svorts- mann, ein toller Draufgänger, hierher beordert in seiner Eigenschaft als leitender Ingenieur.

Die Sitzung nun, die Äon Norman tinbeiufett hatte, sollt« über em« Angelegenheit beraten, bei der es um Leben oder Sterben der Firma ging.

John Catrermoul aber, dem nicht» auf der Welt

heilig und wichtig war, hatte zunächst einmal die bedeut­samen Anekdoten von sich geben müssen, die gestern abend bei einem Herrenessen im Rahmen des Radio- Amareurclub erzählt worden waren und die eine be­sonders enge Beziehung zwischen Radio und Frauen­welt ergeben hatte.

Als dann John Tattermoul die Pfeife im linken Mundwinkel fich gottergeben in seinen Stuhl zurück­gelehnt hatte, erhob fich Kan Norman und begann, nach­dem er drei Falten auf seiner Stirne soweit als möglich vertieft hatte:

Mein« Herren! Ich brauche nur kurz den Sach­verhalt »u wiederholen, der Ihnen in seinen Grund- »ügen seit einigen Tagen bereits bekannt ist. Die Mono­polstellung, die unsere Gesellschaft mit Unterstützung der Behörden seit Jahren genoß, soll untergraben werden. Warum? Wir haben uns das in dem letzten Stunden oft Gefragt Was Jahre hindurch möglich und dem technischen Forttchritr nützlich war, sollte plötzlich unmöglich und schädlich sein? Wer find die Urhebtt dieser Aktion, und was bestimmt sie dazu, uns den Fehdehandschuh hinzu werfen?

Meine Herren! Bisher wußten wir über die Einzel­heiten so gut wie nichts, unsere Gewährsleute gaben uns lediglich Gerücht« wieder und Andeutungen, die in den Wandelgängen der Kammer zu hören gewesen waren. Es ist mir mm, und dies ist der Inhalt unserer heutigen Besprechung, gelungen, der ganzen mysteriösen Angelegenheit auf d«n Grund tu kommen.

Sie wissen, durch die günstige, seit Jahren an­haltende Konjunktur der Radio-Industri« batten wir nie das Bedürfnis und das verlangen, uns an eine Finanzgruppe anzufchließen. Unser aus kleinen An­fängen und aus eigener Substanz fich entwickelndes Unternehmen hatte es stets bei Benutzung seines eigenen Kapitals bewenden lasten können, ohne irgendwelche Kredite oder Jnt«r«stenbetetligungen in Anspruch nehmen zu müssen. Run, mein« Herren, es ist kein Wunder, daß uns di« Bankengruvpen nicht gerade mit freundlichen Gefühlen gegenüberstanden. Ausgeschaltei zu sein aus einer verdienstmöglichkeit des Umfangs, wie die Radio-Industrie sie bietet, zusshen zu müsten, wie der Einfluß eines solchen, ganz in fich gefestigten Trusts von Tag zu Tag zunimmt unj» in ökonomischer und politischer Beziehung plötzlich als rin Faktor, als ein nicht »u übersehender Machtfaktor einen Platz be­

ansprucht, das war für die Herren der Finanz ein No­vum, ein Geschehnis von unerhörter Tragweite, das man nicht ohne weiteres hinzunehmen gewillt war. Da aber alle diretten und indirekten Annäherungsversuche an unserer grundsätzlichen Stellungnahme scheiterten, da es kein Einfallstor gab, das aus dem Wege geschäfts­politischen Vorgehens einen Einsluß auf unsere Unter­nehmen gewinnen ließ, gab es nur noch eine Möglich­keit, den unbequemen Fremdkörper zu beseitigen, indem man sein hauptsächlichstes Machtfundament, seine Mono­polstellung, zu untergraben suchte. Da aber die Mono­polstellung durch gesetzgeberische Maßnahuten geschützt war, mußte wiederum auf dem Wege der Eeseugebung das Monopol beseitigt werden.

Die politische Konstellation der letzten Zett gab dazu eine Handhabe. Die in erheblicher Stärke zwar ins Paralament »urückgekehrien Sozialisten waren trotz ihrer prinzipiellen Gegnerschaft gegen jedes Monopol nicht allein imstande, den Finanzgruppen Vorspann­dienste zu leisten. Die Dankengruppen hätten fich außer­dem durch eine solche Bündnisoolitff auch $u sehr kom­promittiert. Demokraten und Republikaner waren auch nicht für den Plan, jedenfalls nicht ohne unerträgliche Zugeständniste zu haben. Blieben die Rcutonal- Agrarier. Gemeinsam mit den Sozialisten verfügen diese über eine ausreichende Diehrbeit.

Meine Herren, ich sebe Sie erstaunt, daß ich die National-Agrarter nenne, denn Eie fragen sich mit Recht, welches Interests gerade dies« landwirtschaftliche Partei, die bte Monopolstellung des Großgrundbesitzes verficht, daran habe, unsere Monovolstellung anzu- greffen. An fich natürlich keines. Aber die Abhängig­keit des Großgrundbesitz«» von dem Konzern der Agrar­bank ist Ihnen bekannt. Die Agrarbank wiederum hat gerade in den letzten Monaten neben anderen Insti­tuten unseren gefährlichsten Widersacher, die Etty-Bank, aufgesogen. Der einflußreichste Mann der Eitv-Bank ist Charles Owen, und besten Bruder, meine Herten, ist Henri Owen, der Führer der Natioual-Agrarier."

Es fielen einige Ausrufe des Erstaunens und Ver- ständnistes. Norman fuhr fort:

Die Zufammenhünge beginnen sich also zu lichten. Weder die Agrarbank noch die Agrarpartei hat irgend­ein Interesse an unserem Fall. Das Jntereste liegt allein bei den Brüdern Owen. Diese Herren, dir es verftandeu hohen, di« mächtigsten Bankentrusts iu einer

Nr. 1

Zuelle, nach der die Partei Mustafa Ke in al Paschas bei bett türkischen Wahlen einen voll, kommenen Sieg davongetragen habe.

Tas beschlagnahmt- deutsche Eigentum in England.

Lo n d o n , 31. Tez. Von heute ab geht die Ber- roaUung des beschlagnahmten deutschen Eigentum» aus Gründen wirtschaftlicher Natur vom öffentlichen Treuhänder an das Ausgleichsamt für Schulde« wn Angehörigen ehemals feindlicher Staaten.

Katz der Paßfälscher.

...ff- W i e n, 2. Ian. Der deutsche Kommunisten» führer K a tz, der fich seit einigen Tagen unter fal­schem Namen Ulrich Kanner hier aufhätt, wurde am 31. Dez. angehalten, als er einen «uf diesen Na» men lautenden gefälschten Reisepaß bei einer hiesi­gen Poststelle zur Visierung einreichte. Katz wurde dem Landesgericht zugeführt.

Branttngs Gesundheitszustand gebessert.

ff. Stockholm, 2. Ian. Das Befinden de» Ministerpräsidenten Branting hat sich im Laufe de, heutigen Tages wesentlich gebessert.

Oslo statt Christiania.

Die Hauptstadt Norwegens führt ab 1. Januar 1925 durch Staatsgesetz den 9lamen Oslo. Der jetzige Name Christiania gilt als gesetzlich aufge- hoben.

AM» HM«

B e r l i n, 31. Dez. DieB. Z." meldet, daß außer den I n h a b e r n der mit dem K u 1 i s k e r, konzern in engen Verbindungen stehenden Bar. matkonzern Julius, Salomon und Henry Bar­mat, auch der Sohn Julius Varmats verhaftet wurde. Der vierte der Gebrüder Barmat befindet sich auf einer Iapdpartie. Julius Varmat wurde mit feinem Sohne in feiner Villa auf der Insel Schwanenwerder bei Wannsee, Salomon und Henry Varmat in ihren Wohnungen am Kurfürstendamm und Unter den Linden verhaftet. Beamte der Kri» mtnalpottzei blieben in den Wohnungen zurück, um eine Durchsuchung vorzunehmen. Kriminalbeamte beschlagnahmten heute morgen in den GeseNschoffs» räumen der M e r k u r b a'n k und den anderen zum Varmatkonzern gehörenden Unterneh» mungen alle Geschäftsbücher und Kor» respondenzen. Die Untersuchung d:r Staats, anwaltschaft wird nicht auf die Verbindungen der Merkurbank beschränkt bleiben, sondern sich auf die gesamten Eeschäftsbeziehungen der im Barmatkon. zern vereinigten Unternehmungen erstrecken; des» halb sind auch Kriminalbeamte in die Geschäfts, räume dieser Unternehmungen gesandt worden.

Berlin, 1. Jan. Zu der Angelegenheit Bar- mat-Kutiskcr berichten die Blätter, daß auf An- ordnung des Oberstaatsanwaltes in Moabit zu den bestehenden zwei Sonderdezernaten ein drittes ge­bildet wurde, das Amtsgerichtsrat von Mehl leitet. Die beiden Direktoren der Merkurbank, die zum Barmatkonzern gehört, Lichtenstein und Levy, werden nach kurzer Vernehmung ebenfalls verhaftet, ferner der Direktor der Berlin-Burger Eisenwerke A.-G., Regierungsrat a. D. Staub. Auch eine Menge Prokuristen und sonstige Ange­stellte der verschiedensten Unternehmungen des Bar- matkonzerns wurden zwecks eingehender Vernehmung sistiert. Frau KullSker, die auf dem Poli­zeipräsidium erschien, um ihren Sohn zu besuchen, wurde einige Stunden festgehalten, da Gefahr be­stand ,daß durch Indiskretion die ganze Aktion gefährdet würde. Nach demLokalanzeiger" tourb« Isaak Barmat, der gestern nicht in Berlin weilte, bei feinem Eintreffen iu der Merkurbank verhaftet und in Untersuchungshaft übergeführt. Wie das Blatt wissen will, soll damit zu rechnen sein, daß in den nächsten Tagen noch eine ganz« Reihe weiterer Verhaftungen erfolgen.

SnsrlWK« SagrinaWen

Sich selbst der Polizei gestellt.

Berlin, «1. Dez. DerLokalanz." meldet aus Chemnitz, daß sich in dem benachbarten Franken» berg der 22jährige Schlosser Jarisch aus Chemnitz der Polizei stellte unter bei Angabe, et habe am 13. Dezember in Hamburg ein Kontrollmädchen er» würgt und beraubt. Mit der Beute in Höhe von 40 Mark sei er von Hamburg fortgcfahren und teils mit bei Bahn und teils zu Fuß wieber nach Sachse« gekommen, wo ihm schließlich bas Gelb ausgegangen sei.

Einheit zusammenzuschweißen, die es weiterhin möglich gemacht haben, die gesamte landwirtschaftliche Produk- liou wiederum unter die Kontrolle ihrer Finanzunter» nehmungen zu bringen, diese Herren allein haben di« wohlbedathte Absicht, die Unabhängigkeit unteres Unter­nehmens zu zerfroren und die Rudio-Jndufttir, die ja i« kultureller Beziehung der Mittler zwischen der Stabt und dem flachen Lande ist, ihrem Kapital untertänig zu machen.

Die Agrarpartei wird, da es ihr eben völlig gleich- gültig ist, ob unsere Monopolstellung gewahrt bleibt oder nicht, ohne jede Diskussion auf Anraten Owens den Antrag aus Aenderung des Radio-Gesetzes ein» bringen, um so mehr, wenn fie bann durch Per-. mittlung Charles Owens in Kreditfragen Vorteile er­zielen kann, und die Aenderung des Gesetzes wirb, "mit der fraglosen Unterstützung der Sozialisten eine Mehr, bett sinden und angenommen werden.

Wie mir nun genau bekannt ist, bat von diesem Tauberen Plan der Gebrüder Owe» zwar die Banken» gruvve Kenntnis, ja er ist mit deren ausdrücklicher Billigung zustande gekommen, die Agrarpartei weiß je» doch von der Abmachung nichts, interessiert sich ja i« übrigen auch in keiner Weise für sie.

Würden wir nun gegen die Agrarpartei vorgehen und sie zunächst von den Intrigen der Brüder Owen in Sentnfs setzen, so würden entweder die Owens leugnen können, wogegen wir, die wir nichts Pssittves in der Hand haben, machtlos wären, oder, was viel mehr zu befürchten ist, die Agrarpartei würde den- gebotenen Kreditvorteilen mehr Gehör schenken, als dem Prinz» der Monopolverteidigung

Meine Herren, Sic wissen nun,, wie d»-D>yg« stehen. Ich bitte um Ihren Rat."

Es entstand eine kleine Pause.

Als niemand fich zu reden anschicken wollte, sagt« endlich John Catermoul, ohne den behaglich aufwärts» weisenden Linien seines Gesichts eine ernsthafter« Richtung zu geben: ..Ja, meine Herren, da find rott die zweiten Sieger. Da wird nichts übrigbleiben, al, gute Miene zum bösen Sviel zu machen und von uns aus der Agrarbank eine Beteiligung ansubicten, natür­lich so, daß genügend abiällt. Auf diese Weise «ceeen wir wenigstens unsere Monopolstellung "

(Fortsetzung feißt.J