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59. Sahrg. 1924

Marburg a. L, Mttwvch. den 31. Dezember

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geißelt insbesondere die H » uche- ier Beschluß der BotschasterKonfe« rden sei. Es sei doch schon lange

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lei. mit der der Beschluß der BotschafterKonfe- renz gefaßt worden sei. Es sei doch schon lange beschlossene Sache gewesen, weder die Ruhr noch

> Kölner Zone zu räumen. Angesichts dessen i-inne das deutsche Volk vor dieser Botschafter« wnferenx und den anderen Kommissionen Kein? große Achtung mehr haben.

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„Möge Deutschland nie glauben, dah man in eine neue Periode des Lebens treten könne ohne ein neues Ideal. Möge es bedenken, das wirkliches Leben von unten auf nicht von oben her wächst, dab es erworben, nicht ge­geben wird." Lagarde.

Umschau halten an den Zeitabschnitten sollte für jeden Einzelnen in ganz anderem Matze, als es tat­sächlich der Fall ist, bedeuten: einen Augenblick wirklich still stehen, aus dem rasenden Tempo der Ereignisse, die uns mit sich führen, heraustreten, sich abseits der Straße und ihres Erlebn,sstromes auf erhöhten Platz stellen und ein wenig über Wert, Wille und Sinn des dinglichen Lebens nachdenken. Immer mehr drohen die Feste und Feiertage diesen Ihren eigentlichen Wesenswert zu verlieren. Sie Sehen im'Strudel der Alltage unter, sind lediglich inläsie zu gesteigertem Tageserleben, dienen bestenfalls der Betäubung, der Hinwegtäuschung Aber die Zeitspannen, die ste nach Vergangenheit und Zukunft umgrenzen.

Seien wir ehrlich: Welchen Erlebnisgehalt birgt hie Jahreswende für uns? Erschöpft er sich für die meisten nicht im Begriff des „Betriebes" in der Silvesternacht? Eiinstigensalles in gut gemeinten, aber fast immer nur über die Oberfläche des Ge- sthehens in immer wieder gleichen Wendungen hin­wegstreifenden Festsprüchen? Und welch ungeheuer­liches Schicksal lastet doch auf Gegenwart und Zu­kunft! Welch starker Rhythmus der Gesetzmäßigkeit und inneren Zwangsläufigkeit wirkt in den Ereig- «issen, den wir erkennen müßen, dessen Folgerun­gen wir uns zu eigen machen müssen, wenn wir nicht weiterhin Treibholz im Entwicklungsflutz blei­ben wollen. Ein Jahr gleicht dem anderen, seitdem wir aufgehört haben, ein Staat im eigentlichen Sinne dieses Wortes zu sein, weil man es uns in tausend Paragraphen verbietet. Aber wir selbst gehen über diesen aufgezwungenen Mangel hinaus, wir verzichten' in Uebersteigerung ererbter.Cha­raktermängel auch noch darauf, ein Volk zu sein, «ine geschlossene Bewußtseinsgemeinschaft, zu der andere Nationen zum mindesten durch Tue Not hin­gezwungen werden würden.

Das vergangene Jahr stand, wie die letzten vor

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Washington. 30. Dez. Während der Se« natsdebatte über die französischen Kriegsschulden er­klärte der republikanische Senator Reed, Frank­reich möge ernstlich begreifen, daß es bezahlen müsse. Er fei veranlaßt worden, diese Meinung auszusprechen, weil der fraiizöiilche Ausgabenvor» anschlag die Schulden an Amerika nicht berücksich­tige. Reed betonte, es sei seine persönliche Mei» nung, daß der französische Fiuanzminister r? i ch beabsichtige, irgendwelche 'Schulden abzn zahlen, er glaube aber' nicht, daß eine solche Politik die Ansicht de» 'ranzösischeu Sötte* Wie­dergabe. Es sei an der Zeit, daß ein Freund Frankreichs ihm klar mache, daß der gegen wärtlge Kurt ein Hehler fei.

Eintritts in den (von den Vereinigten Staaten unb . ihrer neugewählten republikanischen Regierung als völlig unzulänglich verurteilten) Völkerbund we» nigstens einen Sitz im Rate zu sichern und die Frage der Waffenhilfe bei Exekutionen anzuschnelden.

Völlig verständnislos und hilflos haben sichbie leit dem Umsturz in Deutschland das große Wort führenden Kreise und die unter ihrem Einflug stehenden Volksmasien diesen Dingen gegenüber- gestellt, haben nach wie vor, unbelehrt durch stän­dige Rückschläge, unbelehrt bis in diese Tage hinein selbst durch den neuesten Vertragsbruch Herrrots, das Truggebilde der französischen „Versöhnungs* Politik", mit dem man höchstens verhandlungs­taktisch hätte operieren dürfen, zur Grundlage ihrer politischen Handlungen und Pläne gemacht. Als tn den Maiwahlen die Volksstimme gegen ihren außen- und mehr noch ihren innenpolitischen Kurs entschied, da haben sie alle Forderungen der Demo­kratie mit Füßen getreten und sich hartnäckig ge­weigert, eine tragfähige Mehrheitsregierung zu bil­den, wie sie nach den Absichten der Deutschen Volks­partei mit der Einbeziehung der Deutschnationalen unschwer zu erreichen gewesen wäre. Die Kreise, die früher immer darauf hinwiesen, man dürfe wertvolle und zahlenmäßig so bedeutsame Kräfte, wie sie in der Sozialdemokratie vertreten seien, nicht künstlich in der Opposition halten, konnten sich nicht entschließen, mit der Deutschnationalen Volks­partei breiteste und zugleich wirtschaftlich trag­fähige Schichten unseres Volkes, deren staatsbürger­licher Wert von keiner Seite ernstlich bestritten wer­den kann, zur Mitarbeit und damit zur Mitverant­wortung heranzuziehen. ,

Demokratie heißt eben, nach der Ansicht lenet seltsamen „Demokraten", schlechthin Linksherrschast. Das verfehlte Experiment der nochmaligen Auf­lösung hat die Geistesverwirrung noch nicht zu be­heben vermocht. Obwohl die steuerlichen und zoll­politischen Aufgaben der nächsten Zukunft schon rein praktisch nicht mit der Sozialdemokratie zu lö­sen sind, hält eine unentwegte, in der Presse laute, an Zahl bedeutungslose Demokratie im Reich wie in Preußen, wo die Perschiebung nach rechts noch sinnfälliger ist, an der sogenannten „großen Koa­lition" fest, die wiederum an der klugen Festigkeit der Volkspartei scheitert. Bedauerlicherweise hat stcki auch das Zentrum unter dem Einfluß sehr »tih- t«t et.ith-um uit Jwnet un» haltbaren Gegensatz gegen staatspolitisch notrven« dige Entwicklungen schieben laßen. Der Kampf um die Kriegspolitik des Reichspräsidenten Ebert hat äußerst scharfe Formen angenommen und ist durch das Urteil des Magdeburger Schöffengerichts noch keineswegs erledigt worden. So liegt innenpolitisch der Jahresbeginn so unsichtig wie nur denkbar vor uns.

Alle diese Vorgänge, drinnen wie draußen, wur­den dem Staatsbürger durch Nebelschwaden von „Rederei" verdunkelt, wie Goethe es einmal nennt ; und dann fortfährt: „. . . gesprochen muß werden, herüber, hinüber: was geschieht, bleibt dem Zufall : unterworfen." Ein Treiben im Winde der Rederei und des Zufalls ohne Steuer, ja ohne fachmännische ; Segelsetzung, ist die Fahrt des deutschen Schiffes. Und die Mannschaft streitet sich, falls sie es nicht : vorzieht, i ^erhanpt nicht über Kurs und Wind- : richtung, über Steuermann und Kapitän nachzu- ; denken. Es fehlt der Wille, hinter Oberflächen- । erfcheinungen zu sehen, Zusammenhänge und Eesetz- ; Mäßigkeiten der Entwicklung aus den Ereignißen . zurückblickend abzuleiten. Unserem großen, durch , die Versailler Grenzen nur zu einem Teile ein- ; begriffenen Hundertm:llionenvolk gilt es nach : außen die Freiheit, nach innen Lebens- und Ar- : beitsmöglichkeit und eine aus eigener tiefster We- , sensart erwachsene staatliche Dasensform zu schaffen.

den Reichswehrminister Dr. Geßler einfach zu unterschlagen. Dasselbe System ver« olgt auch die „N u o v e P a e s e".

Dagegen findet die „Epoca" hie Politik Chamberlains widerspruchsvoll. In demselben Augenblick, da er Rußland bekämpfe, treibe er Deutschland in die Arme Rußlands. Die Nicht­räumung der Kölner Zone zerstöre die bisherige Friedenspolitik, mache die wirtschaftliche Der- tänbigung zwischen Frankreich und Deutschland mmöglicy und gefährde das Dawesgutachten. Die. Demokraten würden in Deutschland gezwungen werden, das Feld zu räumen.

den Vereinigten Staaten steht man hin­sichtlich der Schuldensrage durchaus auf dem Standpunkt: Freundschaft Ist Freundschaft und Ge­schäft ist Geschäft. So hat es denn außerordentlich verstimmt, daß der französische Ftnanzminister di« Schulden seines Landes an Amerika im Staatsvor­anschlag gar nicht mit aufgeführt und mündlich er« klärt hat, es handele sich um „politische" Schulden, nach Frankreichs Auffassung also Wohl um nicht sehr ernst zu nehmende freundschaftliche Verpflich­tungen,. deren Regelung sich später irgendwie güt- ltch treffen läßt. Mit erstaunlichem Temperament setzt sich die öffentliche Meinung Amerikas gegen diese Auffassung zur Wehr. Frankreich muß e» plötz­lich erleben, daß sein altes Schlagwort vom „bösen Willen" nun eine unerwünschte Anwendung findet. Die entstandene Spannung dürfte in Paris gerade jetzt pelnllch empfunden werden.

L o n d o n . 30. Dez. Wie die „Morning Post" aus Washington meldet, tun Präsident Coolloge und Staatssekretär Hughes ihr Bestes, um d'.e we-.h- sende Beunruhigung zu besänftigen, dien nter ge­wißen amerikanischen Senatoren über die Frank­reich zugeschriebene Haltung bezüglich der Fund:^ tung der französischen Schuld sich bemerkbar macht. Es sei klar, daß, wenn keine Vereinbarung über die Schuldenfrage zwilchen den beioen Ländern erzielt werden könne, diese Stimmung im Senat wenn nicht auch im Kongreß zum Ausdruck kommen werde. Coolidge und Hughes feien bestrebt, daß nichts-gesagt oder getan werde, was beim französi­schen Volke Verstimmung erregen kann. Nach der „Daily News" werde berichtet, daß vielleicht eine Note an Frankreich gesandt werde, in der gefragt wird, welche Absichten die Pariser Regierung be­züglich der Fundierung der Schuld an die Vereinig­ten Staaten habe.

UMkkrntwllr und Räumung

Die Sackgasse von Köln.

Nach dem Grundsatz, mit gegebenen Größen zu rechnen, hat die englische Außenpolitik zunächst möglichst engen Anschluß an den alten freund­schaftlich feindlichst verbündeten Kriegsgenosfen Frankreich gesucht. Daß die Nichträumung der Kölner Zone das Ergebnis eines der üblichen in diesem Falle zwischen Herriot und Chamberlain ausgetragenen Handelsgeschäfte ist, dürfte ernst­lich nirgendwo mehr bezweifelt werden. Man redet

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auch beispielsweise in offiziösen italienischen Zei­tungen schon ganz öffentlich über den Preis, den Frankreich für seinen neuesten militärpolitischen Erfolg an England gezahlt hat. Frankreich scheint auf dem Wege der Gegenleistung zu einer wesent­lichen Umformung des Genfer Protokolls bereit zu fein. Allerdings gewinnt man durchaus den Eindruck, daß England bei diesem Geschäft nicht ganz wohl ist. Scheint, es doch so, als ob bei­spielsweise ein vermittelndes Eingreifen Amerikas in London durchaus nicht ungern gesehen wurde. Auffällig ist auf jeden Fall die Beharrlichkeit, mit welcher die Meldungen über amerikanische Schritte trotz offizieller Dementis seitens der Wa- l ünAnver Regierung immer wieder gerade in englischen Höingen auftauchen. Sehr lehrreich ist in dieser Richtung em ausführlicher 'DM'chf^'des „Daily Telegraph", in welchem:'sehr

da rauf- aufmerksam gemacht wird, daß Amerika die Londoner Konferenz zweimal vor dem Zu­sammenbruch gerettet habe und daß -dis.-Bereinig­ten Staaten also den größten Wert daraufTec rn rnüß.en, daß hie Früchte ihrer wirtschastlichc.lt

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Blütentage der Poincarepolitik erinnernden Aus- älle in der französischen Kammer und die ganz unverblümt wieder hervortretende Sehnsucht Frankreichs nach dauernder Besetzung des unken Rheinufers dürften ebenfalls auf die an sich einer Besatzungsverlängerung durchaus nicht mit Be- geifterunq gegenüberstehende öffentliche Meinung ungünstig wirken. Man fühlt sick anscheinend etwas in der Sackgasse. Daraus deuten nicht nur die Schwierigkeiten in der Formulierung der Bot- schafterkonferenznoie, sondern auch die Dermitt- lungsbemühungen hin, die von Rom her unter­nommen werden. Die Handelsvertragsbesprech­ungen zwischen Deutschland und Frankreich, die vorläufig wieder aufgenommen worden sind, bie­ten auch deutscherseits gewisse Beeinflussungsmo^ lichkeiten, die nach der Kölner Enttäuschung auch von den fanatischen Verständigungspolitikern schlechthin nicht mehr ohne weiteres von der Hand gewiesen werden. .

ff Paris, 81. Dez. Wie Havas berichtet» wird die Botschafterkonferenz heute nachmittag zu einer Sitzung zusammentreten, um den Text der Note festzustellen, die hinsichtlich der Verlängerung der Besetzung Kölns an die deutsche Regierung gerichtet werden soll.

Der gefährdete Dawesplan.

London, 30. Dez. Der diplomatische Be­richterstatter des „D a i l y T e l e g r a p h schreibt, die Washingtoner Regierung sei ebenso rote die amerikanische öffentliche Meinung groeifellos be­sorgt, dah eine Erneuerung der Verstimmung zwr- scken den Alliierten und Deutschland, die durch die Frage der Räumung Kölns hervorgerufen werden konnte, das glatte Arbeitendes Dawes­planes und die wirtschaftliche wie finanzielle Stabilität nicht weniger als die politische Ent­spannung, die darauf gefolgt sei, gefahrden würde. Außerdem seien amerikanische- Anleihen und Kredite Europa, insbesondere Frankreich und Deutschland, in reichem Maße gewährt worden. Unter diesen Umständen würde es nur natürlich sein, wenn die amerikanische Diplomatie die In­teressen der amerikanischen Kapitalanleger und den europäischen Frieden zu schützen suchten, in­dem sie auf eine unparteiische gütliche Rege­lung der Kölner sowie der A b r u ft u n gs- fraae bringe, ohne sich direkt in den pou- r*/ rtische 5t'cgierung anlage, so fei sie entschlos­sen, sich die Befugnis vorzubehalten, irgend einen ton ber Botschafterkonferenz entworfenen Text anzunehmen ober um eine weitere Abänderung des Wortlautes zu ersuchen, ferner die Rote wirk­lich als Präliminar- und nicht als ein Großbritan­nien zu irgend einer Erklärung ober Aktion ver­pflichtendes Dokument anzusehen, bas eventuell die auf ber Grundlage des vollen endgültigen Be­richts der Kontrollkommission zu treffenden Ent­scheidungen präjudiziere. Gestern sei in britischen Kreisen betont worden, daß, bevor dieser Bericht nicht sorgfältig geprüft und seine Schlüsse von den technischen Ratgebern der Regierung untersucht worden seien, England sich weiterhin im Dunkeln bezüglich des Maßes befinde, in dem von Deutsch­land die Bestimmungen des Versailler Vertrages richt beachtet worden seien. Es könne daher an­genommen werden, daß Deutschland in der präli­minaren Rote die Verkündigung eines offenkun­digen Verzuges Deutschlands nicht unterschreiben werde. Es könne ferner angenommen werden, daß, wenn das genaue Maß des deutschen Ver­zuges sestgestellt worden ist, Großbritannien dar­aus bestehen werde, daß Deutschland eine angemessene Frist von einigen Mo­naten erhalte, um die wes ent ltch en Verfehlungen bezüglich seiner Abrüstung wieder gut zu machen. Wenn dies geschehen sei, werde die Kölner Zone in Uebereinstimmung mit dem Vertrage geräumt werden. Die Theorie, daß keine ber öertragsperioben für bie Besetzung bisher zu lausen begonnen habe, ober baß der mögliche Mangel der moralischen Abrüstung Deutschlands an sich zu einer Ausdehnung der Be­setzungsperioden führen könne, werde in London nicht unterstützt.

Italiens Stellung zur Räumunzsfrage.

Rom, 29. Dez. „Tribuna" meldet aus Paris, daß man dort zuerst versucht habe, Italien von den Beratungen über die Räumung der Kölner Zone fernzuhalten, weil Italien an ber Besetzung Deutschlands nicht beteiligt sei. Man habe aber Italien nachgegeben. Der italiem he Botschafter habe darauf hrngewiesen, daß bie Räumung der Kölner Zone nicht ausschließlich von der Erfüllung der militärifdhen Klauseln abhängig gemacht wer­den dürfe, sondern auch von der Erfüllung ber durch das Dawesgutachten angenommenen Ver­pflichtungen. Auf Vorschlag des italienischen Botschafters hätte sich die Konferenz schlienlich au die Formel geeinigt, daß kein Interesse bestehe, die Besetzung der Kölner Zone über den Augen­blick hinauszuschieben, wo Deutschland seinen hauptsächlichsten Verpflichtungen ber Entwaffnung nachkommen werde.

Rom, 30. Dez. Die „I d e a Nationale" schreibt, in Deutschland sollte man wissen, daß es pCTilbC vpolUth im, Ot€

iu Paris die diplomatische Koalition gegen Deutschland heraufbeschworen habe, was natürlich die deutsche Preße nicht abhalten werde, schon heute ein Lamento darüber anzustimmen. Das Blatt bringt es aber fertig, im Anschluß daran die französischen Beschuldig ringen gegen Deutschland abzudrucken und den Lesern die Widerlegung dieser Beschuldigungen durch

drrnng in den Methoden, die durch die Gegenüber- pellung der Namen Poincarö und Herriot—Mac Donald gekennzeichnet ist. Das System fßoincare hat für Frankreich, den Hauptsieger auf dem euro­päischen Festlande, in den Jahren 1918 bis Anfang 1924 den gewünschten Zweck erreicht. Deutschland ist nacheinander militärisch, politisch, wirtsafaftlich völlig ausgeschaltet und territorial, in Ohnmacht «ttb Zerstückelung zur Bedeutungslosigkeit verur­teilt worden. Frankreich hat seine Bastionen im Westen über den Rhein vorgefchoben, gleichzeitig .bie deutsche Ostgrenze durch seinen Vasallen auf- gerollt und das böhmische Aussallsbollwerk mitten Iss Herz Deutschlands hineingestoßen. Die franzö­sische Wirtschaft ist daneben mit einem Schlage in Ve vorderste.Reihe gerückt. Diese Ausgestaltung des „Friedens"-Vertrages ist naturgemäß nicht ohne Reibungen mit den verbündeten Machtwett- Orwerbern vor sich gegangen. Der englische Nach- der weder den machtpolitischen noch den wirt­schaftlichen Errungenschaften Frankreichs freundlich Susah, antwortete mit ber wie immer geschickt ge­handhabten Waffe der Stimmungsmache. Frank­reich wurde immer weiter in eine zunächst mora- j ische Isolierung hineinmanövriert. Sobald die

fk. L o n d o n, 81. Dez. Der diplomatische Be- rickterstatter des „Daily Telegraf" schreibt, der Wortlaut der geplanten Präliminar-Rote an bie. deutsche Regierung über die Frage der Milita^ Kontrolle und der Räumung Kölns werde sich vielleicht auf die Ausführung des Gedankens be­schränken, daß die Alliierten nicht in der Loge und nicht willens feien, ein Beschluß bezüglich der Räumung der Kölner Zone zu fassen, bevor sie im Besitz des verzögerten vorläufigen Berichts der Kontrollkommission sind und daß angesichts dieser Tatsache auf jeden Fall davon nicht die Rede sein könne. Durch den Gebrauch allgemeiner Aus­drücke werde es möglich sein, die Präjudizierung künftiger Beschlüsse zu vermeiden, eine Erwägung, die nach Ansi^t der britischen Regierung von überragender Bedeutung fei. Man hofft, bah von ber Botschafterkonferenz heute eine Vereinbarung erzielt werbe, nach der die von ber Regierung vorgeschlagene Aenberung erlebigt werbe; aber ber in Paris vereinbarte endgültige Wortlaut werde vielleicht den Ministern in London zu ihrer endgültigen Bewilligung unterbreitet werden müft fen, bevor die Note nach Berlin gesandt würde. Es müsse ferner noch entschieden werden ob M Rote als gemeinschaftliche Note der '((liierten üherrtWrt werdekr M Sder vdn jedem Urillsrcke» gefonbeiL

v. Hoesch beider riet.

Paris, 30. Dez. Der deutsche Botschaften v. Hoesch hatte heute nachmittag 4 Uhr mit dem Ministerpräsidenten Herriot in dessen Kranken­zimmer eine Unterredung, die eine Stunde dauerte. Die Besprechung hatte das Problem der Räumung ber ersten Rheinlanbzone zum Gegen- stand.

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wnzösischen Erfolge im gewünschten Umfange ge- .sichert waren, richtete die, französische Politik nun- viehr ihr Hauptaugenmerk auf die Widergewinnung Ws Stimmungskontaktes mit der Weltmeinung. Herriot, der Sieger in den Neuwahlen 1924, über* Jiabm diese Aufgabe und führte sie, begünstigt durch dle, politsiche Leichtgläubigkeit des schnell wieder hofN:'!Ngsseligen Deutschlands, glänzend durch. Wahrend im Ruhrkampfe Deutschland, moralisch Wenigstens von England unterstützt, sich nur Frank- teuo unb seinen kleineren Trabanten gegenübersah, jfthlietzt das Jahr 1924, das Jubiläumsjahr der - Kuegventente, mit der Wiederherstellung der !Kriegsfront ab, und zwar ohne daß Frankreich irgendwie nennenswerte Opfer für diesen seinen prrofg gebracht hätte. Was Poincarö erstrift, hat Herriot gesichert. Und ein Herriot kann es sich .freute erlauben, ganz offen, im Einverständnis mit ‘Eanbon dre Nichtinnehaltung feierlicher Friedens­vertragsbestimmungen zu proklamieren!

Das alles geschieht, obwohl Deutschland in* f^’.wen, tm Londoner Protokoll, freiwillig sehr Meit über den Friedensvertrag hinausgehende Ver- pfuchtungen auf sich genommen und bisher muster- Haft erfüllt hat. In London ist dem Kabinett Akac Donald das Herriots Pläne und Maßnahmen erst Ermöglichte, wiederum eine konservative Regierung Befolgt, die sich mit den vorher geschaffenen Ent- MSlungstatsachen abzufinden hat und auch ab* ffnbet. Ein weiterer Erfolg Herriot—Frankreichs iE ^e"fer Sicherungsabkommen, das zflvar nicht M den Einzskfften, aber ^'ch -.n. 'ven gegen das rWarjenlofe Deutschland gerichteten und auf Siche­rung der Beutevertetlung eingestellten Grund- »eoanken von der neuen englischen Regierung üöer- ■Rommen werben dürfte. Gegen an Landesverrat Lenzende Treibereien gewißer mit der Herriot- zusammenarbeitender deutscher Ideologen

L,,.?5 deutschen Außenminister noch eben ge» uuiß'.cu, uaß oie ^tuajie lyrer roirijuj r®' Deutschland, durch Einbringung gewiffer Berinittlungslätigkeit nicht durch grobe Forderungen und Vorbehalte, für den Fall feines nunft gefährdet würden. '*E)le Mr chestigei