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jg. 305 Warburg & L, AraSlag, een 30. SrMbee so. Sahrg. 1924

ObecheWche MwNS

Wißet für (das früher kurhefjische) Sberhrffen - AmMes Mklmdigungsblatt des MW Marburg

««OeTte[m*e Ztttunz" erscheint «öckextli». 'ke,ng,»rei, *»x<rtli<6 2 T?etf an.schliekltch Z»Kell»»q»<r Der R»,ei«e»»r»i, betrtqt fit bex 10 ,«I» Zeilexmilllmeter 0,05 S«Ib>xxtt Lnrtliche xxb au«*itti|e Lx,»i,,x 0,10 »«ft«

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Mckkrhr zur Grwall ?

Bv« einem besonderen Berliner politischen Llitarbeiter wird uns zu der Entscheidung der KotsckafterKonferenz in der Frage der Räumung her Kölner Zone geschrieben:

Der einstimmigeBeschluß" der Botschafter- Konferenz dahingebend, die Kölner Zone nickt, wie te im Versailler Vertrag vorgesehen ist, am 10. tzanuar 1925 zu räumen, sondern den Termin auf« »uickieben bis über di» vorliegenden vorläufigen Gerichte der interalliierten Militärbontrollkom- miffion eine endgültige Entscheidung herbeigeführt M, mutz die allerstärksten Befürchtungen er« »ecken.' Befürchtungen insbesondere dahin, daß «lies das, was an ehrlichem Willen und gutem steift im Dawes-Gutachten und seiner Behandlung in London zutage getreten ist, mit einem Mal wie­her zunichte zu gemacht wird. Ein stärkerer Wi- herspruch, als er bei der Londoner Konferenz zu­tage trat, und als er iui) jetzt in dem Beschluß der Pariser Botschafter-Konferenz äußert, :ft schon ßornicht mehr vorzustellen.

Die ganze Wucht der gegenwärtigen Entschei- hung nrtrb erkenntlich, wenn man sich darüber klar ist, daß hier der Anfang gemacht wird, um guter irgendwelchen Vorwänden die auf der Ge- tonfeite bestehenden Verpflichtungen gegenüber Deutschland willkürlich hinauszuschieben, die schließlich garnicht innegehalten werden. Erfolgt letzt keine volle Klarheit darüber, daß mit dem 10. Januar 1925 Deutschland ein verbrieftes stecht auf die Räumung des ersten besetzten Ge- betsteiles erlangt, und daß diesem Recht Siner« tenmmg und Geltung verschafft wird, dann müs- fen die größten Sorgen hinsichtlich der Innehal- dmg des Termins für die spätere Räumung der Koblenzer und dann der Mainzer Zone obwalten.

Wie aber soll ein Volk und Reich zur Ruhe kommen, wenn es noch nicht einmal über g e = sicherte Grenzen verfügt. Das ist der Kern nnt> Inhalt all unserer innerpolitischen Unruhe

enb Sorgen, daß unsere Grenzen noch immer nicht geordnet sind, daß es immer noch in dem Belieben Md der Willkür der Gegner steht, große Gebiete der deutschen Verwaltungshoheit, wie überhaupt der deutschen Souveränittat zu entziehen und polt« gehe und wirtschaftliche Maßnahmen zu treffen, fe dann der Zentralverwaltung schroff entgegen« «esetzt sind. Konnten sich diese Gegner nun bis- ntx ooxof 4^»

würden ste das nach dem 10. Januar nickt mehr tönuen. Ihre Handlungen, die sie bann auf Wund her Fortbauer der militärischen Okkupa­tion vornehmen, sind recht- und gesetzlos und st eilen eine dauernde Verletzung des Selbstbestimmungsrechtes bar, das man doch auch uns zugestehenwollte"!

Daß aus solcher Lage sich keine Versöhnung Md Verständigung, sondern nur eine immer wei­ter fortschreitende Verwirrung und Verfeindung der Völker erwächst, ist doch ganz verständlich. Denn der Vorwand, daß die Kontrollkommission w und da einige alte verrostete Gewehrläufe noch «funden hat, ist doch nicht stichhaltig genug, um frrart wider den Geist der Dawes-Vereinbarun- drn zu handeln, die nach dem damals überein- fiimntenb ausgesprochenen Willen der Beteiligten doch gerade dazu bestimmt waren, mit allem Vor- mgeganyenen abzuj fließen, unter die Vergangen­heit einen Strich zu machen, und endlich aus der Atmosphäre des Mißtrauens herauszukommen, rin auf neuer vertrauensvoller Basis die Ver- |«änbigung anzubahnen.

Soll wirklich die Gewalt entscheiden? Da mutz aier auch mit allem Ernst darauf aufmerksam ge­wacht iverden, dah wir nicht wehrlos sind. Gewiß Kimen uns die lediglich in der gegnerischen Phan- bsie vorhandenen vergrabenen Geschütze nichts mehr «ützcn. Aber wir haben andere friedlichere Waffen, deren Anwendung unsererseits vom 10. Januar «ber nun ebenfalls mit dem stärksten Nachdruck dollzogen werden muh und zwar sind dies die kirtschaftsverhandlungen, die gegen­wärtig mit dem Ausland und zwar mit Frank­reich, geführt werden. Zwar hat es England .wieder einmal verstanden, seinen Handelsvertrag Mit Deutschland noch vor dieser Entscheidung in Sicherheit zu bringen. Und das ist umso bemerkens­werter, als tatsächlich viele Anzeichen dafür sprechen, datz die auffallenderweise von der jetzigen kon- tervariven englischen Regierung, deren Zustande- «ommen seinerzeit bei uns in Deutschland zu un- «cht mit ganz unpolitischen Hoffnungen begrüßt wurde, unterstützten Maßnahmen gegenüber Deutsch­land sich hauptsächlich aus der Furcht und Angst erklären, datz die deutsche Industrie doch allmäh- »ch wieder auf ihre alte Höhe komme. ES ist näm- «ch ganz besonders auffallend, daß die Engländer 8erade diejenigen deutschen Industriebetriebe, die »r die Erzeugung der Weltmarktprodukte in Frage kommen, und die durch ihre Qualitätsarbeit ge­rade drv englischen Industrie auf dem Weltmarkt Konkurrenz zu machen geeignet sind, am hart­näckigsten mit ihrem Mißtrauen verfolgen, daß ge­rade gegen solche Unternehmungen neue Zerstö­rungen von Betriebsanlagen gefordert werden. Ge­rade mit Rücksicht darauf wird aber der Reichstag, tu* no<$ übcr die Ratifizierung deS deutsch-eng- -ichen Handels- und Wirtschaftsabkommens die «nt'cheidung zu treffen hat, sehr sorgfältig nach- en müssen, ob unter solchen Umständen Deutsch- nd wirtschaftspolitische Bindungen gegenüber 'nem England eingehen kann, dessen jetzige Re- im>r!rn® ausschließlich auf die englische Schwer- nstrie sich stützt, und ihrerseits wieder mit größ- > Mißtrauen den Wiederaufstieg der deutschen Evirrichaft betrachtet.

den großen Fragen doch von ihm beeinflußt wird bringt am Montag morgen die groß« Ueberschrtst: Der Vandalismus der Kontrollkommission" Und veröffentlicht darunter zahlreiche Einzelheiten, die in der Welt Beachtung finden müssen, weil sie die absichtlich provozierend« Art mancher Kontrvll-

Und andererseits mutz die wirtschaftliche Waffe der Handelsvertragsverhandlungen nun auch mit aUer Schärfe gegenüber Frankreich angewendet wer­den . Deutschland kann die wirtschaftliche Bewe­gungsfreiheit, die eS am 10. Januar erhält, nicht wieder beeinträchtigt oder genommen werden. So gewitz es ist, daß die Regelung der deutsch-franzö­sischen Handelsbeziehungen auch im dringendsten Interesse Deutschlands selber liegt, so gewiß ist eS aber auch, datz für» erste Frankreich viel mehr zu verlieren hätte, al» wir. Daraus ergeben sich alle Folgerungen, denen unsere Unterhändler, fall» für die Räumung der Kölner Zone nicht da» deutsche Recht geachtet wird, gerecht werden müssen.

«in dentfche» «egenpoß.

Mit große», angesichts der unverkennbar bösen Absicht der Gegner wohl zu großen Geduld haben die deutsche» RegterungSkreise den Ansturm der ausländischen Lügenmeldungen über die Ergebnisie der Militärkontrolle ertragen. Man wollte wahr­scheinlich nicht die Gegen^tze verschärfen, solang« noch die entfernte Möglichkeit einer Wiedereinkehr der Vernunft und »er Wahrheitsliebe bet der Entente vorzukiegen Wien. Da jetzt auch bte letzte Hoffnung geschwunden ist, hat man sich zu einem Gegenstoß entschlossen, de» nun allerdings auch gleich kräftig genug audgcfaOew ist. DieZeit", da» Or- gar: Dr. StresemannS da» zwar nicht in jeder Zeile von dem Außenminister »ontroNtert, aber in

Der Wortlaut der Note.

Die alliierten Mächte stellen fest, baß am 10. Januar gemäß bem Versailler Vertrag die Kölner Zone von ben alliierten Truppen geräumt werben sollte, vorausgesetzt, baß Deutschland alle im Ver­trage festgelegten Verpflichtungen erfüllt bat. Die Botschafterkonferenz ist noch nicht im Besitze eines befinitiven unb abgeschlossenen Berichts der Militärkontrollkommiffion. Dieser wirb erst ge­gen ben 20. Januar abgegeben werben. Ohne ihn jedoch erwarten zu müssen, gestatten die vor­läufigen Berichte der Botschafter­konferenz den einheitlichen Ein­druck, daß deutscherseits zahlreiche und sehr ernste,Verfehlungen begangen worden sind und noch begangen werben." Nun folgt eine aus­führliche Darstellung biefer Verfehlungen, insbe­sondere in bezug auf die Abrüstung. Die Schluß­folgerungen sind sehr l urz gefaßt-Die Frage der Räumung Kölns kann nur dann in Betracht Korn- men,, wenn Deutschland die Verträge beachtet."

Die zweite Note.

Es verlautet, daß die Note der Botschafterkon­ferenz an Deutschland von einer zweiten Note begleitet fein wird, sobald die dinierten Regie­rungen den endgültigen Bericht der Militärkon­trollkommiffion in Händen haben werden. Diese zweite Note wird folgende Frage beantworten: ,Hat Deutschland nach Auslassung der Kontroll­kommission seinen militärischen Abrüstungsver­pflichtungen, wie sie im Versailler Vertrage ent» halten sind, zuwidergehandelt oder nicht." Diese Note wird wahrscheinlich zwischen dem 5. und dem IO- Hflnwr TVnjrfrfilnnh Hhf'rroi'+it «Bon

den Blattern wird es eis unzweifelhaft erklärt, daß England weder die Besetzung der Kölner Zone noch die Fortdauer bei Kontrolle fallen lassen werde, wenn Deutschland nicht jenen fünf Punk- ten Genüge leiste, die ihm die B tsckosterkonfe- renz im September 1822 mitgeteilt habe.

Der Aufschub der Rote an Deutschland.

Qu. Berlin, 30. Dez. Die angehünbigte Note bet Botschafterkonferenz an Die deutsche Regierung wird, wie im Berliner Aus­wärtigen Amt mitgeteilt wird, kaum vor bem 6. Sanuar in Berlin zu erwarten fein. Für bie Ver­schiebung bex Absendung bet Note durfte nach Ansicht ber Berliner Regierungskreise wohl ber Umftanb mafjgebenb gewesen fein, daß bie alliier- ten Regierungen sich ihre Stellungnahme noch Vorbehalten wollen. Cs besteht daher durchaus die Möglichkeit, daß in ben nächsten Tagen eine n.erhbare (Entfpannung eintritt, da sich schon jetzt das Bestreben geltend macht, ben Konflikt mit Deutschland nicht noch weiter zu verschärfen.

dem deutschen Heere sogar die Gasschutzmittel neh­men, obwohl ringsum eifrig der Gaskrieg vorbe­reitet wird. Blitzableiter mußten von Gebäuden in ehemaligen Müstungsbetrieben entfernt werden. Normalmaschinen, die in allen Betrieben der Frie­denswirtschaft zu brauchen sind, wurden zerstört. Die Kontrvllkommiffion beanspruchte ohne Recht da» Eigentum am Schrott au» den zerstörten KriegSge- räten, die Kontrolle der un» verbliebenen Festungen, die Durchsuchung von Privatwohnungen. An weite­ren Uebergriffen persönlicher Art werden aufgeführt: Ein deutscher Begleitoffizter wurde beschimpft und bedroht, als er gegen da» gewaltsame Erbrechen eine» verschlossenen Raume» in einem Fort Ein- svruch erhob ein Kontrolloffizier verlangte die Einstellung de» Verfahren» gegen einen Landesver­räter die fremden Offiziere machten unter Miß­brauch unserer Dienstauto« tagelange Ausflüge mit zweifelhaften Damen! Die Verbindung der Kom­mission mit deutschen Landesverrätern ist überhaupt ein schmachvolle« Kapitel für sich. In 26 Fällen ist sie während der letzten drei Jahre festgestellt wor­den. In fünf Fällen liegt der Verdacht einer Ver­leitung zum Landesverrat vor. Niemand wird eS derZeit" verdenken, wenn sie angesichts solcher Tatsachen von derschamlosen französischen Heuchelei" svricht und ihr die schwedischen Presse- ptmmen gegenüberstellt, die "den Vertragsbruch der Alliierten öffentlich festnageln. Mögen auch die Herzen und die Beine unserer unverbesserlichen Pa­zifisten zittern: es mußte einmal mit den Heuch­lern und Lügnern deutsch gesprochen werden, lind es liegt auf der Hand, daß bei einer solchen Zu­spitzung der Gegensätze zunächst die auswärtige Politik das Feld völlig beherrscht, datz demnach auch die Frage der Neubildung de» ReichSkabi- nett« ungelöst bleiben muß, bi» die Note der Alliierten vorliegt.

Ein deutscher Schritt in Amerika.

Qu. Berlin, 30. Dez. In ben Regierungs­kreisen bestätigt man bie Meldung, daß der deutsche Botschafter in Washington, Dr. Wied- , e I D, im Auftrage ber Reichsregierung bei dem amerikanischen Staatsdepartement des Auswär­tigen einen Schritt wegen der Kölner Räu­mungsfrage unternommen hat. Wie wir hören, handelte es sich hierbei jedoch um eine voll- 1 candig gesonderte Aktion, die mit den Vorstel­lungen der deutschen Botschafter in London, Paris untr soxttffct ntdjt uectucd/felt werden darf. Dir Reichsregierung hat lediglich Veranlassung genom­men, die Aufmerksamkeit der amerikanischen Re­gierung auf die Tatsache zu lenken, daß in der Räumungsfrage schwerwiegende Meinungsver­schiedenheiten zwischen Deutschland und den Be­satzungsmächten im Gange seien, die auf die Durchführung des Dawesplanes einen nachteiligen Einfluß ausüben könnten. Die amerikanische Re­gierung hat auf den deutschen Schritt hin, wie letzt auch in Berlin ausdrücklich bestätigt wird, eine Kundgebung erlassen, in der sie ihre Besorg­nisse über die Verschiebung der Räumung Kölns zum Ausdruck gebracht hat.

Im Berliner Auswärtigen Amt hat man jeden­falls nicht den Eindruck, daß die Sage sich weiter verschärft habe. Schon aus ber eindeutigen Kund­gebung der amerikanischen Regierung geht her­vor, daß es in Amerika den denkbar schlechtesten Eindruck machen würde, wenn jetzt die europäi­schen Mächte sich in neue Konflikte stürzen soll­ten. Man glaubt in Berlin an ber Wirkung die­ser amerikanischen Erklärung kaum zweifeln zu müssen, da der gegenwärtige Konflikt ganz künst- lick erzeugt worden ist. Die angeblichen Feststel­lungen über die Verletzung der Entwaffnungsbe­stimmungen durch Deutschland sind vielmehr ge­eignet, den Stoff zu Auseinandersetzungen zu ' gaffen, denen Deutschland mit ruhigem Gewissen entgegensetzen kann. Die deutsche Regierung hält unbedingt an dem Standpunkt fest, daß die Ent­waffnung Deutschlands vollständig durchgeführt ist und diese Tatsache nicht durch die Feststellungen der Militärkontrollkommiffion erschüttert werden könnte. Demgemäß wird sich auch die Reicksregie­rung veranlaßt sehen, in einer offiziellen Note den Feststellungen der Militärkontrollkommiffion enr- gegenzutreten.

Man hat in den nächsten Tagen mit einem regen diplomatischen Notenaustausch zu rechnen, der jedoch kaum zu irgend eine mpositiven Ergebnis führen wird. Vielmehr ist anzunehmen, daß es 3i' direkten Verhandlungen kommt, die auch schon deswegen nicht umgangen werden können, weil die alliierten Regierungen die Notwendigkeit ein» letzen müssen, bie deutschen Einwendungen anzu­hören. Wie aber bereits berichtet wurde, ist kaum damit zu rechnen, daß diese Verhandlungen vor Anfang Februar beginnen werden.

«wrrifx tut» »er Kölner «ertrxzsbrnch.

Die Regierung der Bereinigten Staaten hat al» solche gegenüber den mit der Durchführung- de» Iriedensdiktate» zusammenhängenden Ereignissen stet» eine betonte Zurückhaltung geübt und auch hinsichtlich de« Dawesabkommen» den ihrer Ansicht nach vorwiegend wirtschaftlich unpolitischen Lharak- ter der amerikanischen Vermittlung betont. Als daher die Nachrichten über ein angebliche», wenn auch vertrauliche» Eingreifen dieser Regierung ge­meldet wurde, mutzte man sich dazu neigen, zum mindesten di« Energie «ine» solchen Schritte» nicht allzuhoch zu bewerten. Nun ist ein hochoffizielles Dementi gefolgt. Man behauptet, die amerikanischen Botschafter hätten nirgendwo auf die Ententeregte-

Morgen Sitzung bet Botschafterkonferenz.

London, 30. Dez. Reuter teilt mit: Die Botschafterkonferenz wird in ihrer Sitz­ung am Mittwoch den Inhalt der Mitteilung an Deutschland erörtern. Der Wortlaut bet Note ist jetzt von den alliierten Regierung aufgesetzt. Die Grundlage bet Mitteilung wirb selbstver­ständlich die Tatsache bilden, daß bie Alliierten noch nicht den enbgiittigen Bericht der Kontroll­kommission erhalten haben und daß unter ben gegenwärtigen Umständen, soweit es bie augen­blicklichen Anzeichen vermuten lassen, die Räu­mung dieser Zone am 10. Januar nicht zu recht­fertigen sein dürfte. In der Note wird ferner be­t' erkt werben, datz bie Besetzung des linken Rheinufers bi« Hauptstcherhett für bie völlige Aus­führung des Berfailler Bertrags durch bie deutsche Regierung darstelle und daß bie Alliierten in die­sem Punkte als Treuhänder für die anderen Un­terzeichner des Friedensvertvags Zusammenwirken mußten.

die abilchtliq provozierende Art mancher Kontrvll- rungen einzuwirken versucht. Immerhin läßt sich osstziere grell beleuchten. ÄonmtjQton wollte au? ben amtlichen unb halbamtlichen Kommentaren

zu diesem Dementi ersehen, daß man in Washing­ton am liebsten eine friedliche Verständigung in der RäumungSfrage sähe und datz man die gereizte Sprache, die naturgemäß in der Oeffentkichkeit hüben und drüben geführt wird, nicht gerade als förder­lich für den Gedanken der europäischen Befriedung ansieht. Ist doch Amerika jetzt finanziell an ge­ordneten Zuständen in Mitteleuropa interessiert. Da» Zurückgehen der Kurse, sowohl der deutschen wie noch mehr der französischen Anleihen ist ein sicheres Barometeranzeichen für die Nervosität, mit der man in Newyorker Wirtschaftskreisen den grund­los vom Zaune gebrochenen Konflikt verfolgt. Lei­der ist die Stimmung in den Bereinigten Staaten durchaus nicht fo günstig für Deutschland, wie e» den Rechtsverhältnissen und der Tatsachenlag« eigentlich entsprechen müßte. Auch di« neuesten Er­eignisse beweifen wieder, in welch hohem Gradp di« öffentliche Meinung auch in Amerika noch durch den Propagandaapparat der Entente beeinflußt Zvird. Die deutschen Erwiderungen werden teil» überhaupt nicht, teil» verdreht wiedergegeben.. An­scheinend hat der deutsche AufklärungSdtenst wieder einmal unzulänglich und mit nicht wieder einzu­bringenden Verspätungen gearbeitet. Die allge­meine Erwartung lir den politisch interessierten Kreisen scheint in Richtung eines Kompromisse» zu gehen.

Washington dementiert.

N e w y o r k, 29. Dez. (Durch Funkspruch.) Nach einer Meldung derNew York Times" au» Washington hat das Staatsdepartement die Er­mächtigung 'erteilt, die Gerüchte zu dementie­ren, nach denen Staatssekretär Hughes die amerikanischen Botschafter in Europa angewiesen habe, den alliierten Regierungen mitzuteilen, datz das Schicksal des Dawesplanes von der friedlichen Regelung der Frage der Räumung des Kölner Ge­biets abhänge. Zn amtlichen Kreisen werde erklärt, die Reaieruna sei nicht der Ansicht, daß sie ein of­fizielles Recht habe in dieser Frage Vorstel­lungen zu erheben, obgleich sie selbstverständlich an allen Angelegenheiten, die die Wohlfahrt Europa» betreffen, interessiert sei.

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fk. London, 30. Dez. Der amerikanisch» Beobachter in ber Reparationskommiffion, Lo­gan, erklärte bem Pariser Berichterstatter einer Nachrichtenagentur, baß bie Mitteilung, er gabt vom Staatssekretär Hughes Anweisungen erhal­ten, informell ben Alliierten die Ansicht der ame­rikanischen Regierung zum Ausdruck zu bringen, daß ber Erfolg bes Dawes-Planes zum größten Teil von einer glücklichen Regelung bes Prob­lems ber Räumung Kölns abhänge, unwahr fei Er fügte hinzu, er erwarte keine derartige An­weisung.

DieTimes" hetzt.

London, 29. Dez. DieTimes" bezeich. ret den Beschluß der Botschafterkonferenz Hinsicht- sich bes Kölner Gebiets als außerordentlich befrie­digend. England habe bie Ruhrbesetzung riemals offiziell begünstigt unb habe keinen Wunsch, ihre Dauer auch nur eine Woche zu ver- lungen. Andererseits bestehe es ebenso wie jeder seiner Alliierten darauf, daß die 93 e b i n gu r gen bes Versailler Vertrages richtig erfüllt werben. Es fei klar, baß Deutschland der bewußten Verletzung ber En.maff- nungsbeftimmungen des Vertrages schul­dig sei. Aus diesem Grunde und aus keinem anderen lehne bie britische Regierung es ab, bae Rheinlanb in Uebereinftimmung mit dem den An­fang des Artikels 429 bildenden besonderen Vor­behalt zu räumen. Das Blatt sagt weiter, aus dem Bericht der I. M. K. K. werde sich ergeben, daß Deutschland, wenn nicht dem Buchstaben, so doch mindestens dem Geiste nach die Abriistungs- vestimmungen des Versailler Vertrages in dop­pelter Hinsicht flagrant verletzte. Er werde wahr­scheinlich darlegen, daß, wenn auch in Berlin kein 0>eneralftab mehr bestehe, seine einzelnen Teile in verschiedenen Militärbezirken Deutschlands wieder eingerichtet worben seien unb ohne Schwierigkeit in kurzer Zeit zusammengefaßt werden könnten, zweitens, daß man die Rekruten einen kurzen debungshurfus erledigen lasse und sie nach bet Ausbildung sogleich wieder entläßt, sodaß die Zahl ber militärisch Ausgebildeten weit größer sei als hunterttaufsnd und noch anioachse

DieWestminster Gazette" spricht von einer England demütigenden Annahme ber An­empfehlung ber Botschafterkonferenz. Kein ver­antwortlicher Teil der öffentlichen Meinung Eng­lands glaube an eine ernstliche Wiederbe - roaffnung Deutschlands. Wenn die fran­zösischen Chauvinisten von Deutschlands Bereit­schaft für einen neuen Krieg im Jahre 1925 spra­chen, so fei ein derartiges Gerede lächerlich. Der Dawesplan werde in den Papierkorb wan­dern müssen, wenn Deutschland nicht ermutigt würde, Vertrauen zu bem aufrichtigen kaufmänni­schen Geist ber Alliierten zu haben. DieWest­minster Gazette" fordert die volle Veröffentlich­ung der offiziellen Tatsachen bezüglich der angeb. ftchen Wiederbewaffnung Deutschlands, die der deutschen Regierung zu eingehender Prüfung unterbreitet werden müßten. Außerdem fordert das liberale Blatt die Festsetzung des Zeitpunkte» and der Bedingungen der Räumung des Kölner Gebiets sowie der darauf folgenden Maßnahmen im Ruhrgebiet.

Daily Telegraph" schreibt, es sei mög­lich, daß eine alle Parteien befriedigende Rege­lung gefunden werde. Es würde schade sein, wenn die Ergebnisse ber bisherigen loyalen Du-chsüh. rung bjc Reparationsbedingungen von Deutsch-