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Rt. 302

Marburg a. L, MtwoK, bru 24. Drzr

59. saßrg. 1921

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MitiWe Weihnachten

Frieden sichern. Seit jener Rattenfängermelodien das

wieder wollen sie den Wilson mit seinen

Wenn die Weihnachtsglocken, ertönen, pflegt ,uch der härteste Mensch, der vom Leben mitgenom- Btne oder der nur sich selbst Lebende, einen Augen­blick stille-Einkehr zu halten, Heber allem Erden- tzid und aller Erdenschwere erhebt sich ja heute die frohe Botschaft von der Geburt Christi, des Er- ktzsers und Heilandes. Von jenem Felde bei Beth­lehem dringen die Stimmen der Engel in die ßuherste Hütte, die aller Welt jene große Freude »erkunden: Euch ist heute der Heiland geboren. Die ewige Jugend und Neuerstehung des Menschen­geschlechtes erglänzt uns aus diesen Worten, und es fft ein tiefer Gedanke, daß Weihnachten gerade das Fest der Kinder geworden ist, das Fest der unschul­digen Freuden, das Fest der grünenden Hoffnung, das Fest des Lichtes in der Finsternis.

Daß wir an einem solchen Tage einmal aus uns herausgehen und in Volk und Welt blicken, ist nur «u natürlich. Den Frieden in uns suchen wir auch draußen. Friede auf Erden. Wenn wir ihn als Deutsche suchen, werden wir wenig finden. Seit Jahren hören wir nichts anderes als Friede im Munde unserer Feinde und Peiniger. Immer

deutsche Volk eingelullt hat, klingt das Wort vom ewigen Frieden, von Völkerbund und Selbstbestim­mung durch die Welt, nur daß es niemals uns erklungen ist. Alles, was in den letzten Jahren ge­schehen ist, ist auf unsere Kosten geschehen. Unseres Lölkes Arbeit und Schicksal ist ein Ausheutungs- objekt der sogenannten Sieger geworden, die in Hunderten von Paragraphen, die sie hin- und her- schicben, uns ersticken. Zwar haben sie die Schlinge etwas gelüftet, das' Opfer wäre ihnen zu früh ge­storben. Geändert hat sich nichts. Das zeigt ganz zu­letzt wieder die Heuchelei jener sogenannten Kon­trollkommission, die nur dazu da ist, die Gründe zu konstruieren, um das deutsche Volk zu ewigen Skla­ven der französischen Erbfeinde zu machen. Mit heuchlerischen Phrasen, widerwärtigem Hohn wird einem bis zum Letzten geknebelten Volke bewiesen, daß es einem in Waffen starrenden Feinde feindlich gegenübertreten will. Es ist die alte Geschichte vom Wolf und dem Lamm, das das Wäsierchen trübt. Und weiter: 15 Millionen Deutsche sind in Europa auf zwölf Staaten aufgeteilt. In der Tschechei ftnb. über 2000 deutsche Volksschulklassen auf- Selöst. Den Deutschen dort, im Baltikum und in

Rumänien, wird ihr Grundbesitz geraubt. 300 000 Llbo ner haben drei Vertreter im Völkerbund. 3yz Millionen Deutsche in der Tscheche? werden durch ihren Todfeind, den Tschechen, vertreten. Die mohammedanischen Untertanen Italiens haben in Tripolis freien Gebrauch der Muttersprache in Kirch« und Schule. Die Südtiroler dürfen nur noch in der Familie deutsch sprechen. 6 Millionen Deutsche in Elsaß-Lothringen haben selbst nach Meinung desPazifisten" Herriot keine Rechte auf den Gebrauch ihrer Muttersprache. Der erste Ad­ventssonntag brachte in Polen haßtriefende Kund­gebungen für dieBefreiung der unerlösten Ge­biete" (Ostpreußen, Ostoberschlesien). Minister und hohe Staatsbeamte beteiligten sich daran. Mil­lionenheere in vollendetster Rüstung sind rings um unser armes Land aufmarschiert. Ist das alles Friede"? Sieht das auch nur so aus, als ob die Botschaft der Weltweihnacht sich erfüllen werde, das uralte heiligeFriede auf Erden"?

Und wenn wir im eigenen Volke nachschauen, auch hier sieht es nicht so aus. Parteizank und Meinungsstreit blüht üppig weiter, wenn auch, und das muß man zugestehen, unter der Knute des Feindes ein großer Teil des deutschen Volkes schon für Vernunft zurückkehrt. Möchten doch im deut- Men Volke Parteien und Gruppen sich wieder ver­stehen lernen. Möchten sie wissen, daß vielleicht ^ich in der gegnerischen Meinung ein Körnchen Wahrheit steckt, und daß man mindestens im Geg­ner, wenn man ihn auch nicht verstehen will und kenn, den anständigen Menschen ehren muß, solange rc nicht das Gegenteil bewiesen hat, damit das Kauze deutsche Volk in seinen Wesensfragen einmal wieder einig wird.

Politische Weihnachten. Es ist in der Tat ein Karstig Lied, das man singen müßte. Und den­noch. Mag der Himmel draußen noch so trübe st!u, es hat auch sein Gutes, einmal im Inneren des Menschen selbst Umschau und Einkehr zu halten, gerade zu We i h n a cht en für uns! Hat doch die Frier des Weihnachtsfestes bei keinem Volke eine wiche Tiefe der Symbolik und eine solche Weihe er­halten wie bei uns. Wieder strahlt uns ein Lichter- «ium, desien grüne Zweige auf einen kommenden Frühling weisen, wieder erleben wir im tiefsten Ee- Aute: Also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen angeborenen Sohn gab. Und wieder weht uns das nefe Geheimnis des Göttlichen in diesen Tagen so park an wie an keinem anderen Tage sonst. Suchen »nd.finden wir darum Ruhe und Frieden in uns

Nicht den Frieden des Kirchhofs, sondern

Frieden der Reinheit, der Güte, des guten Wil- »ns, des Ideals, das uns im Lauf der Tage sonst aur allzu oft verloren geht und des Frieden der fcinen Tat!

A?ann wir so jeder an sich arbeiten, dann wird *9 für das deutsche Volk wieder ein Weihnachten pontmen, das heller erstrahlt als das heutige. Wir Taben ja auch als Volk zu oft vergesien, daß nur von ^tnen heraus eine Erneuerung erfolgen kann, aller äußere Fortschritt im Grunde für das Wesentliche

schädlich fein mag. Der Zusammenbruch des Sieges hat es uns gelehrt. Geie# wir uns bewußt,

Idaß wir noch ein junges Volk find, daß wir noch Wünsche und Forderungen haben und nicht wunsch­los auf das Leben verzichten wollen wie die Alten. So werden wir, der Einzelne, wie das Volk, wahr­haft Weihnachten feiern.

* .

Ak SilftrbunMSoti

Die Weihnachtsbotfchaft Deutschlands an den Völkerbund ist wohl geeignet, ein gewisses Auf­sehen in der Welt zu erregen. Sie paßt einerseits deshalb gut in diese Feiertage, weil sie ja weiter nichts verlangt, als oaß man Deutschland den Frieden garantiere und es nicht als Mitglied des Völkerbundes zwingen könne, an einem Kriege teilzunehmen oder fein Territorium für die Krieg­führung anderer Völker herzugeben. Die Note hat aber noch eine andere höchst aktuelle Bedeu­tung, die voraussichtlich draußen noch mehr be­achtet werden wird: die in ihrer Offenheit fast er­schütternde Schilderung der Lage des entwaffne­ten Deutschen Reiches inmitten waffenstarrender Nachbarn ist die beste Antwort auf die Nachrich­ten, daß wegen der angeblich noch nicht genügen­den Entwaffnung die Räumung der Kölner Zone hinausgezögert werden soll. Wer dieses Schrift­stück Dr, Strefemann» lieft, der muß sich in tief­ster Seele schämen, an die Möglichkeit eines deut­schen Angriffskrieges (die nach dem Versailler Vertrag der einzige Grund für einen Räumungs­aufschub fein kann) überhaupt nur zu denken!

Deutschland hatte seinen Eintritt in den Völ­kerbund an zwei Hauptbedingungen geknüpft: die Gewährung der Gleichberechtigung als Großmacht, also auch eines Sitzes im Völkerbundsrate, und die Ausnahme von Der Verpflichtung nach Artikel 16 der Völkerbundsakte, an Exekutionskriegen des Völkerbundes teilzunehmen. Die inzwischen eingegangenen Antworten der am Völkerbunds­rat beteiligten Staaten auf das Memorandum der Reichsregierung vom 29. September, desien Wort­laut jetzt ebenfalls veröffentlicht wird, Haben er­kennen lassen, daß die erste Hauptbedingung all­gemein akzeptiert worden ist, wenn auch völlig bindende Zusagen nicht vorliegen. Die zweite Forderung dagegen hat Gegenbedenken oder grundsätzlich ablehnende Antworten ansgelösi, so daß die Reichsregierung in ihrer Note an das Generalsekretariat des Völkervundes nur diese eine Vorbedingung noch einmal in den Vorder­grund rückt und ausführlich begründet. Man sollte meine«, daß kein objektiver Beurteiler der europäischen Verhältnisse sich dem Gewicht dieser Gründe entziehen kann. Wer trotzdem die For­derung Deutschlands ablehnt, das sich in diesem Punkte ja dem anerkannten Vorgehen der neu­tralen Sckweiz anschließt, der setzt sich nach unse­rem Gefühl dem Verdacht aus, dah er gerade das will, was wir unter allen Umständen verhindern müssen: daß Deutschland zum Schauplatz eines künftigen Weltkrieges gemacht werde!

Viele Deutsche werden jedenfalls erleichtert aufatmen, wenn an dieser Differenz der Eintritt des Reiches in den Völkerbund scheitern sollte. Denn auch die feierliche Vervslichtung Deutsch­lands zur Erfüllung feiner internationalen Ver­pflichtungen kann mißverständlich fein.

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Der Reichskanzler zur Räumrmgsfrage.

Köln, 23. Dez. Zur Frage der Räumung der Kölner Zone erklärte der Reichs­kanzler einem Vertreter derKölnischen Volks­zeitung", daß ihn diese Angelegenheit mit ernste­ster Sorge erfülle, da nach allen voriwgenden Nachrichten die Alliierten schon jetzt, also vor Fer- sigstellung des Berichts der Kontrollkommission, entschlossen sind, die Kölner Zone am 10. Januar nicht zu räumen. Das könnte Folgen haben, die nicht nur vom deutschen, sondern auch vom Stand­punkt der europäischen Eesamtpolitik äußerst be­klagenswert wären. Bei loyaler Fortsetzung der Politik der Londoner Vereinbarungen müßte die Räumung der ersten Rheinlandzone am 10. Ian. erfolgen. Ohne diese Räumung drohen alle Er­folge jener Politik hinfällig zu werden. In Deutschland und namentlich auch in den besetzten Gebieten würde die Befürchtung Platz greifen, daß der große Preis, den Deutschland mit der Uebernohrne der Da wes la st en gezahlt hat, vergeblich gezahlt wurde. Die folgen­schwere Absicht der Alliierten könne keineswegs mit deutschen Verfäumnisien in der Entwafsnungs- frage begründet werden. Sachlich bedeute sie die Rückkehr zur Sanktionspolitik, ge­gen die sich zurzeit die Londoner Konferenz und die öffentliche Meinung fast der ganzen Welt ent­schieden absgesprochen hat. Nach einem Rückblick über die letzten Verhandlungen zur Militär- Kontrolle, die schließlich zur Einwilligung Deutschlands in eine Generalinspektion führten, erinnerte der Reichskanzler daran, daß im ver- zangenen Sommer der französische Mmisterprä- ident und der englische Premierminister sich un­mittelbar in einem Schreiben an ihn selbst wand­ten, wobei sie erneut den festen Willen ausdrück- ten, Deutschland durch eine Militärkontrolle keine Verlegenheiten zu bereiten und die Kontrolle kei­nen Augenblick länger als unbedingt notwendig ortzusetzen. Er erinnerte ferner an den reibungs- ofen Verlauf der Generalinspektion, bei Der feit Anfang September mehr als 1700 Kontrollbesuche ausgeführt wurden sowie an in manchen Teilen unter erheblichen Zugeständnissen Deutschlands

erreichte teilweise Einigung über die bekannten fünf Punkte. Es gehe nicht an, ohne reelleres von deutschen Verfehlungen und Vertragsverletzungen zu sprechen. Selbst bei der Annahme, daß der Verlauf der Generalinspektion nicht allen Alliier­ten entsprochen habe, und daß die Meinungsver­schiedenheiten über die fünf Punkte noch nicht be- sriedigend geregelt seien, könne man doch unmög­lich eine so schwerwiegende Maßnahme wie die weitere Besetzung deutschen Gebietes rechtfertigen. Den gteftforberungen der Alliierten komme im Vergleich mit der ganzen bisher durchgeführten Entwaffnungsaktion nur eine verschwindend ge­ringe Bedeutung zu. Nach einem Hinweis auf Die gestern veröffentlichte deutsche Note an den Völ­kerbund fuhr der Reichskanzler fort: Kein Mensch in der Welt kann bestreiten, daß Deuti ^land alle irgendwie wesentlichen Abrüstungsforderungen er­füllt hat, und daß es in einem Maße entwaffnet ist wie dies wohl noch niemals in der Geschichte ein großes Volk über sich hat ergehen lassen müs­sen, uno daß von irgendwelchen Deutschen An­griffsmöglichkeiten auch nicht im entferntesten die Rede fein kann. Die Besetzung der Rheinlande ist vom Versailler Vertrag als eine Sicherung der Westmäckte gegen deutsche Angrisfsabsichten ge­dacht. Da Derartige Absichten völlig außer dem Bereich der Möglichkeit liegen, kann aus jenen ge­ringfügigen Restpunkten bei loyaler Veraragsaus- legimg kein Recht hergeleitet werden, die Besetz­ung zu Sicherungszwecken über die vertraglichen Fristen hinaus zu verlängern. Wenn durch die Räumung der Kölner Zone für die weitere Besetz­ung des Ruhrgebietes technische Schwierigkeiten entstehen, so können diese nicht anders beseitigt werden, als daß mit der Räumung Der Köl­ner Zone auch Der Abbau Der Ruhrbe­setz u n g ein geleitet wirb. Sonst würde Die Folge eintreten, daß zur Aufrechterhaltung einer rechtswidrigen Zustandes, wie ihn die Ruhrbesetz­ung Darftellt, eine weitere rechtswidrige Handlung begangen wird. Es ist nicht abznsehen, was ge­schehen würde, wenn an die Stelle sachlicher und vertrauensvoller Zusammenarbeit jetzt wieder ein krisenhafter Kvnfliktszustand treten würde. Cur­zon sagte unlängst, daß verlängerte Anwesenheit fremder Truppen auf deutschem Gebiet nicht ge­eignet sei, zu einer allgemeinen Befriedigung Mit­teleuropas und zu der Wiederherstellung seiner wirtschaftlichen Lage beizutragen. Wenn sich Die Alliierten über diese Seite der Angelegenheit klar sind, so werden sie sich der Erkenntnis nicht ver­schließen können, daß für eine Hinausschiebung Der Räumung kein Grund vorliegt, der Den. von Curzon angedeuteten Gefahren für Die Befriedung und den Wiederaufbau Europas die Wage halten könnte.

ft. London, 24. Dez.Daily Telegraph" meldet: Wenn die deutsche Regierung eine endgültige Entscheidung für die Räumung Kölns verlangen sollte, würden die Alliierten vielleicht geneigt sein, ihre Entscheidungen auf die vorliegenden Berichte, die für Deutschland weniger günstig seterr, zu prüfen. Die alliierten Regierungen werden, sobald sie int Besitz der vollen Berichte seien, wahrscheinlich eine Wartezeit von einigen Monaten festsehen, während denen die deutschen Behörden die Versäumnisse zu beseitigen in der Lage sein würden. Nichtsdesto­weniger werde es von den britischen Behörden im Rheinland begrüßt, daß diese Methode angewandt worden sei. Es lieferte den Deutschen einen schein­baren Beschwerdegrund und beeinträchtige das gute Einvernehmen zwischen den britischen BesatzungZ- truppcu und der dortigen deutschen Bevölkerung. Militärische Kreise hofften, daß die britischen Trup­pen nach der Räumung nicht nach Trier, sondern nach Koblenz oder Wiesbaden verlegt werden.

Ausländisch« Pressestimmen.

London, 23. Dez. DieCorning P0st" schreibt in ihrem Leitartikel, es sei klar, daß das Ziel der politischen Gruppen, die immer mehr die Macht in Deutschland gewännen, daraus gerichtet sei, die morali­schen Grundlagen des Versailler Vertrages zu unter« graben, in einem günstigen Augenblick die ganze Rege­lung über beit Sausen zu werfen und Europa nochmals hetauszufordern. Es sei überraschend, daß diese Or­gane der deutschen Presse, die den Versailler Vertrag oerböhnt und beschimpft hätten, jetzt feierlich gegen seinen Bruch durch die britische Regierung in der Frage der Kölner Zone protestierten. Die Unmöglichkeit für die britische Regierung, im gegenwärtigen Augenblick irgend eine Erklärung über die Frage abzugeben, lei kein Vertragsbruch, sondern lediglich eine Befolgung der im Vertrag festgesetzten Bestimmungen, nach denen die Räumung zu erfolgen habe-

DieWestminster Gazette" schreibt dagegen: Wenn die internationale Moral irgend etwas bedeutet, sollten wir den Kölner Brückenkopf räumen. Tatsäch­lich würde die deutsche Regierung wegen des längeren Verbleibens keine Schwierigkeit machen. Wenn wir zu- geven würden, daß dies geduldeterweise, aber nicht als Recht geschieht. Die britische Regierung aber wünscht »u bleiben, teils mit Rücksicht auf Deutschland, teils, weil sie Frankreich beschäftigen will. Aber an» tatt ihren Fall ehrlich vor der Welt darzustellen, hat sie ich die Möglichkeit zunutze gemacht, datz Deutschland rielleicht irgendwie die unbedingten Bestimmungen des Vertrages umgangen hat. Dies ist eine unmoralische Politik.

Der diplomatische Berichterstatter derW ejt - minfter Gazette" schreibt: Der Beschluß der Alli­ierten, die Kölner Zone am 10 Januar nicht zu räu­men, bedeutet nicht, datz die Frage nicht ,u einem bal­digen Zeitpunkte wieder erwogen werden könnte. Die amtliche Auffassung ist, dah die Räumung von der Er­füllung der Entwaffnungsbestimmungen des Vertrages und der Regelung anderer Punkte abbängt.

..Daily Tbronicle" erklärt, der Grund der britischen Regierung für die Beibehaltung der Truppen

in Köln sei. datz sie nicht mit der Erfüllung der (fnt» waffnungsbedingungen durch Deutschland tufrieben fei. Wenn die« aber der offizielle Anlatz sein tolle, müsse es deutlicher getagt werden als bisher. Es muffe be­sonders der deutschen öffentlichen Meinung absolut deutlich gemacht werden: andernfalls würden die deut­schen Reaktionäre die britischen Politik in der Kölner Frage al» einen einfachen Bruch des Vertrages bezeich­nen und al» ein neues starkes Augument für ihre nationalistische Propaganda ausbeuten. Ehamberlal« mühte alles Denkbare tun, um dies zu oerbtnnern, durch die Erklärung, datz es die militärischen GIcixer*« in Deutschland selbst seien, auf deren Aktion das Ili.«- gere Verbleiben allein zurückzutübren fei.

Botschafter Sthamer kommt nach Berlin.

Qu. Berlin, 23. Dez. Wie wir erfahren, ist auch der deutsch» Botschafter in London, Dr. S t Hmer, von der Reichsregierung ersucht worden, "d? zur Berichterstattung nach Berlin zu begeben. Der Botschafter wird voraussichtlich um Neujahr herum in der Reichshauptstadt eintreffen.

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Str Merit RiMrbtriM

London. 23. Dez. Der Voilchafterrat wird Freitag in Paris zusammentreten und sich wahr­scheinlich mit dem vorläufigen Bericht der Inter­alliierten Militärkommission befasien, der dem mili, lärischen Komitee in Bersailles, desien Vorsitzender Marsckall Fach ist, soeben zugegangen ist. Mög­licherweise wird der Votschafterrat die Entsendung einer Mitteilung an Deutschland betreffs der Köl­ner Zone in (Ermäugng ziehen. In diesem Zusam­menhang wird in hiesigen amtlichen Kreisen darauf hingewiesen, daß die britische Regierung nicht den Wunsch hegt, die Besetzung der Kölner Zone über das vom Versailler Vrtrag festgesetzte Datum zu verlängern, daß aber die Verzögerung in der Fer­tigstellung des endgültigen Berichts der militäri­schen Kontrollkommission ausschließlich auf die Tat« lache zuriickzusühren ist. daß seit der Besetzung de» Ruhrgebiets keine anaemellene Ileberwachung mög­lich war. Vielleicht erweist es sich als möglich, be­reits auf Grund des vorläufigen Berichts eine Ent­scheidung zu treffen. Doch ist man hier der Mei« nung, daß eine Entscheidung von so vitaler Wichtig­keit nur nach reiflicher Prüfung des vollständigen und endgültigen Berichts gefällt werden kann.

DaskriegSlnftige- Deutschland.

Berlin. 23. Dez. Ein Teil der englkfche« und französischen Presse setzt unentwegt die Be­mühungen fort, seinen Lesern d^s Märchnr von dem kriegslustigen Deutschland aufzu« tischen. Ihre Alarmartikel wirkten derartig beun­ruhigend, daß selbst alliierte amtliche Stellen sich veranlaßt sahen, die Nachrichten als übertrieben zu bezeichnen. Sie erklärten, daß Deutschland zurzeit allerdings nicht In der Lage sei, Krieg zu führen, jedoch treibe Deutschland In der Frage der Ab - r ü st u n g Obstruktion. Außerdem seien durch die Kontrollkommission derartig schwerwiegende Ver­stöße gegen die Abrüstungsbestimmungen festgestellt worden, daß an eine Räumung der Kölner Zone zunächst nicht zu denken sei. In der Einleitung zum Abschnitt 5 des Versailler Vertrages wurde von unseren Bertragsgegnern versprochen, daß die deutsche Abrüstung den Beginn einer allgemeinen Rüstungsbeschränkung darstellen solle. Keiner unsrer früheren Gegner hat das gegebene Versprechen ein­gelöst. Deutschland mußte seine 100 000 Mann mit 12 jähriger Dienstzeit verpflichten. Wie die Blätter von maßgebender Seite erfahren, ist der aus dem letzten Kriege stammende Bestand an ausgebildeten Mannschaften bis 1930 praktisch nicht mehr vor­handen, da sie infolge ihres fortgeschrittenen Alter» für den Kamps in der Front nicht mehr in Frage kommen, sodaß Deutschland im Kriegsfälle lediglich über 100 000 kriegsbereite Soldaten verfügen kann. Frankreich, Polen und die Tschechoslowakei haben die allgemeine Wehrpflicht und besitzen ein stehende» Heer von rund 1,3 Millionen. Die beabsichtigte französische Heeresorganisation verlegt die Masse des stehenden Heeres als schlagfertige kriegsstarke Divi­sionen an die deutsche Grenze. Da die HeereSorga- nisation in Belgien, der Tschechoslowakei und Polen sich auf der gleichen Linie entwickelt, hat Deutsch­land im Kriegsfälle von drei Seiten mit einer so­fortigen Einmarscharmee de eouverture zu rechnen. Schon dieser Vergleich sollte genügen, um die voll­ständige Wehrlosigkeit Deutschlands zu beweisen. Aber noch viel krasser wird das Bild, wenn man die materielle Rüstung Frankreichs und seiner Ver­bündeten, mit der nach modernen Grundsätzen voll­ständig unzureichenden Ausstattung der deutschen Reichswehr vergleicht. Frankreich hat rund 30 000 leichte Maschinengewehre, rund 10 500 Maschinen­gewehre, leichte Geschütze rund 2000, schwere rund 1500, Kampfwagen rund 6000, Flugzeuge rund "1400; Polen: leichte Maschinengewehre rund 6500, schwere Maschinengewehre rund 1500, leichte Ge­schütze rund 1300, schwere rund 400, Kampfwagen rund 150, Flugzeuge rund 250: Tschechoslowakei» leichte Maschinengewehre rund 2500, .schwere Ma­schinengewehre rund 1500, leichte Geschütze rund 800, schwere rund 500, Kampfwagen rund 60, Flugzeuge rund 500; Belgien: leichte Maschinenge­wehre rund 4500, schwere Maschinengewehre rund 2000, leichte Geschütze rund 400, schwere rund 10C^ Kampfwagen rund 150, Flugzeuge rund 250; zu­sammen: leichte Maschinengewehre rund 42 000, schwere rund 16 000, leichte Geschütze rund 4 500, schwere rund 2300, Kampfwagen rund 6200, Flug­zeuge rund 2400. Deutschland hat: leichte Maschi­nengewehre 1134, schwere rund 792, leichte Ge­schütze rund 288, schwere rund nichts, Kampfwagen rund nicht», Flugzeuge rund nicht». Jeder Kotmse«-!