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MitiWe Weihnachten
Frieden sichern. Seit jener Rattenfängermelodien das
wieder wollen sie den Wilson mit seinen
Wenn die Weihnachtsglocken, ertönen, pflegt ,uch der härteste Mensch, der vom Leben mitgenom- Btne oder der nur sich selbst Lebende, einen Augenblick stille-Einkehr zu halten, Heber allem Erden- tzid und aller Erdenschwere erhebt sich ja heute die frohe Botschaft von der Geburt Christi, des Er- ktzsers und Heilandes. Von jenem Felde bei Bethlehem dringen die Stimmen der Engel in die ßuherste Hütte, die aller Welt jene große Freude »erkunden: Euch ist heute der Heiland geboren. Die ewige Jugend und Neuerstehung des Menschengeschlechtes erglänzt uns aus diesen Worten, und es fft ein tiefer Gedanke, daß Weihnachten gerade das Fest der Kinder geworden ist, das Fest der unschuldigen Freuden, das Fest der grünenden Hoffnung, das Fest des Lichtes in der Finsternis.
Daß wir an einem solchen Tage einmal aus uns herausgehen und in Volk und Welt blicken, ist nur «u natürlich. Den Frieden in uns suchen wir auch draußen. Friede auf Erden. Wenn wir ihn als Deutsche suchen, werden wir wenig finden. Seit Jahren hören wir nichts anderes als Friede im Munde unserer Feinde und Peiniger. Immer
deutsche Volk eingelullt hat, klingt das Wort vom ewigen Frieden, von Völkerbund und Selbstbestimmung durch die Welt, nur daß es niemals uns erklungen ist. Alles, was in den letzten Jahren geschehen ist, ist auf unsere Kosten geschehen. Unseres Lölkes Arbeit und Schicksal ist ein Ausheutungs- objekt der sogenannten Sieger geworden, die in Hunderten von Paragraphen, die sie hin- und her- schicben, uns ersticken. Zwar haben sie die Schlinge etwas gelüftet, das' Opfer wäre ihnen zu früh gestorben. Geändert hat sich nichts. Das zeigt ganz zuletzt wieder die Heuchelei jener sogenannten Kontrollkommission, die nur dazu da ist, die Gründe zu konstruieren, um das deutsche Volk zu ewigen Sklaven der französischen Erbfeinde zu machen. Mit heuchlerischen Phrasen, widerwärtigem Hohn wird einem bis zum Letzten geknebelten Volke bewiesen, daß es einem in Waffen starrenden Feinde feindlich gegenübertreten will. Es ist die alte Geschichte vom Wolf und dem Lamm, das das Wäsierchen trübt. Und weiter: 15 Millionen Deutsche sind in Europa auf zwölf Staaten aufgeteilt. In der Tschechei ftnb. über 2000 deutsche Volksschulklassen auf- Selöst. Den Deutschen dort, im Baltikum und in
Rumänien, wird ihr Grundbesitz geraubt. 300 000 Llbo ner haben drei Vertreter im Völkerbund. 3yz Millionen Deutsche in der Tscheche? werden durch ihren Todfeind, den Tschechen, vertreten. Die mohammedanischen Untertanen Italiens haben in Tripolis freien Gebrauch der Muttersprache in Kirch« und Schule. Die Südtiroler dürfen nur noch in der Familie deutsch sprechen. 6 Millionen Deutsche in Elsaß-Lothringen haben selbst nach Meinung des „Pazifisten" Herriot keine Rechte auf den Gebrauch ihrer Muttersprache. Der erste Adventssonntag brachte in Polen haßtriefende Kundgebungen für die „Befreiung der unerlösten Gebiete" (Ostpreußen, Ostoberschlesien). Minister und hohe Staatsbeamte beteiligten sich daran. Millionenheere in vollendetster Rüstung sind rings um unser armes Land aufmarschiert. Ist das alles Friede"? Sieht das auch nur so aus, als ob die Botschaft der Weltweihnacht sich erfüllen werde, das uralte heilige „Friede auf Erden"?
Und wenn wir im eigenen Volke nachschauen, auch hier sieht es nicht so aus. Parteizank und Meinungsstreit blüht üppig weiter, wenn auch, und das muß man zugestehen, unter der Knute des Feindes ein großer Teil des deutschen Volkes schon für Vernunft zurückkehrt. Möchten doch im deut- Men Volke Parteien und Gruppen sich wieder verstehen lernen. Möchten sie wissen, daß vielleicht ^ich in der gegnerischen Meinung ein Körnchen Wahrheit steckt, und daß man mindestens im Gegner, wenn man ihn auch nicht verstehen will und kenn, den anständigen Menschen ehren muß, solange rc nicht das Gegenteil bewiesen hat, damit das Kauze deutsche Volk in seinen Wesensfragen einmal wieder einig wird.
Politische Weihnachten. Es ist in der Tat ein Karstig Lied, das man singen müßte. Und dennoch. Mag der Himmel draußen noch so trübe st!u, es hat auch sein Gutes, einmal im Inneren des Menschen selbst Umschau und Einkehr zu halten, gerade zu We i h n a cht en für uns! Hat doch die Frier des Weihnachtsfestes bei keinem Volke eine wiche Tiefe der Symbolik und eine solche Weihe erhalten wie bei uns. Wieder strahlt uns ein Lichter- «ium, desien grüne Zweige auf einen kommenden Frühling weisen, wieder erleben wir im tiefsten Ee- Aute: Also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen angeborenen Sohn gab. Und wieder weht uns das nefe Geheimnis des Göttlichen in diesen Tagen so park an wie an keinem anderen Tage sonst. Suchen »nd.finden wir darum Ruhe und Frieden in uns
Nicht den Frieden des Kirchhofs, sondern
Frieden der Reinheit, der Güte, des guten Wil- »ns, des Ideals, das uns im Lauf der Tage sonst aur allzu oft verloren geht und des Frieden der fcinen Tat!
A?ann wir so jeder an sich arbeiten, dann wird *“‘■9 für das deutsche Volk wieder ein Weihnachten pontmen, das heller erstrahlt als das heutige. Wir Taben ja auch als Volk zu oft vergesien, daß nur von ^tnen heraus eine Erneuerung erfolgen kann, aller äußere Fortschritt im Grunde für das Wesentliche
schädlich fein mag. Der Zusammenbruch des Sieges hat es uns gelehrt. Geie# wir uns bewußt,
Idaß wir noch ein junges Volk find, daß wir noch Wünsche und Forderungen haben und nicht wunschlos auf das Leben verzichten wollen wie die Alten. So werden wir, der Einzelne, wie das Volk, wahrhaft Weihnachten feiern.
* • ♦ —♦—.
Ak SilftrbunMSoti
Die Weihnachtsbotfchaft Deutschlands an den Völkerbund ist wohl geeignet, ein gewisses Aufsehen in der Welt zu erregen. Sie paßt einerseits deshalb gut in diese Feiertage, weil sie ja weiter nichts verlangt, als oaß man Deutschland den Frieden garantiere und es nicht als Mitglied des Völkerbundes zwingen könne, an einem Kriege teilzunehmen oder fein Territorium für die Kriegführung anderer Völker herzugeben. Die Note hat aber noch eine andere höchst aktuelle Bedeutung, die voraussichtlich draußen noch mehr beachtet werden wird: die in ihrer Offenheit fast erschütternde Schilderung der Lage des entwaffneten Deutschen Reiches inmitten waffenstarrender Nachbarn ist die beste Antwort auf die Nachrichten, daß wegen der angeblich noch nicht genügenden Entwaffnung die Räumung der Kölner Zone hinausgezögert werden soll. Wer dieses Schriftstück Dr, Strefemann» lieft, der muß sich in tiefster Seele schämen, an die Möglichkeit eines deutschen Angriffskrieges (die nach dem Versailler Vertrag der einzige Grund für einen Räumungsaufschub fein kann) überhaupt nur zu denken!
Deutschland hatte seinen Eintritt in den Völkerbund an zwei Hauptbedingungen geknüpft: die Gewährung der Gleichberechtigung als Großmacht, also auch eines Sitzes im Völkerbundsrate, und die Ausnahme von Der Verpflichtung nach Artikel 16 der Völkerbundsakte, an Exekutionskriegen des Völkerbundes teilzunehmen. Die inzwischen eingegangenen Antworten der am Völkerbundsrat beteiligten Staaten auf das Memorandum der Reichsregierung vom 29. September, desien Wortlaut jetzt ebenfalls veröffentlicht wird, Haben erkennen lassen, daß die erste Hauptbedingung allgemein akzeptiert worden ist, wenn auch völlig bindende Zusagen nicht vorliegen. Die zweite Forderung dagegen hat Gegenbedenken oder grundsätzlich ablehnende Antworten ansgelösi, so daß die Reichsregierung in ihrer Note an das Generalsekretariat des Völkervundes nur diese eine Vorbedingung noch einmal in den Vordergrund rückt und ausführlich begründet. Man sollte meine«, daß kein objektiver Beurteiler der europäischen Verhältnisse sich dem Gewicht dieser Gründe entziehen kann. Wer trotzdem die Forderung Deutschlands ablehnt, das sich in diesem Punkte ja dem anerkannten Vorgehen der neutralen Sckweiz anschließt, der setzt sich nach unserem Gefühl dem Verdacht aus, dah er gerade das will, was wir unter allen Umständen verhindern müssen: daß Deutschland zum Schauplatz eines künftigen Weltkrieges gemacht werde!
Viele Deutsche werden jedenfalls erleichtert aufatmen, wenn an dieser Differenz der Eintritt des Reiches in den Völkerbund scheitern sollte. Denn auch die feierliche Vervslichtung Deutschlands zur Erfüllung feiner internationalen Verpflichtungen kann mißverständlich fein.
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Der Reichskanzler zur Räumrmgsfrage.
Köln, 23. Dez. Zur Frage der Räumung der Kölner Zone erklärte der Reichskanzler einem Vertreter der „Kölnischen Volkszeitung", daß ihn diese Angelegenheit mit ernstester Sorge erfülle, da nach allen voriwgenden Nachrichten die Alliierten schon jetzt, also vor Fer- sigstellung des Berichts der Kontrollkommission, entschlossen sind, die Kölner Zone am 10. Januar nicht zu räumen. Das könnte Folgen haben, die nicht nur vom deutschen, sondern auch vom Standpunkt der europäischen Eesamtpolitik äußerst beklagenswert wären. Bei loyaler Fortsetzung der Politik der Londoner Vereinbarungen müßte die Räumung der ersten Rheinlandzone am 10. Ian. erfolgen. Ohne diese Räumung drohen alle Erfolge jener Politik hinfällig zu werden. In Deutschland und namentlich auch in den besetzten Gebieten würde die Befürchtung Platz greifen, daß der große Preis, den Deutschland mit der Uebernohrne der Da wes la st en gezahlt hat, vergeblich gezahlt wurde. Die folgenschwere Absicht der Alliierten könne keineswegs mit deutschen Verfäumnisien in der Entwafsnungs- frage begründet werden. Sachlich bedeute sie die Rückkehr zur Sanktionspolitik, gegen die sich zurzeit die Londoner Konferenz und die öffentliche Meinung fast der ganzen Welt entschieden absgesprochen hat. Nach einem Rückblick über die letzten Verhandlungen zur Militär- Kontrolle, die schließlich zur Einwilligung Deutschlands in eine Generalinspektion führten, erinnerte der Reichskanzler daran, daß im ver- zangenen Sommer der französische Mmisterprä- ident und der englische Premierminister sich unmittelbar in einem Schreiben an ihn selbst wandten, wobei sie erneut den festen Willen ausdrück- ten, Deutschland durch eine Militärkontrolle keine Verlegenheiten zu bereiten und die Kontrolle keinen Augenblick länger als unbedingt notwendig ortzusetzen. Er erinnerte ferner an den reibungs- ofen Verlauf der Generalinspektion, bei Der feit Anfang September mehr als 1700 Kontrollbesuche ausgeführt wurden sowie an in manchen Teilen unter erheblichen Zugeständnissen Deutschlands
erreichte teilweise Einigung über die bekannten fünf Punkte. Es gehe nicht an, ohne reelleres von deutschen Verfehlungen und Vertragsverletzungen zu sprechen. Selbst bei der Annahme, daß der Verlauf der Generalinspektion nicht allen Alliierten entsprochen habe, und daß die Meinungsverschiedenheiten über die fünf Punkte noch nicht be- sriedigend geregelt seien, könne man doch unmöglich eine so schwerwiegende Maßnahme wie die weitere Besetzung deutschen Gebietes rechtfertigen. Den gteftforberungen der Alliierten komme im Vergleich mit der ganzen bisher durchgeführten Entwaffnungsaktion nur eine verschwindend geringe Bedeutung zu. Nach einem Hinweis auf Die gestern veröffentlichte deutsche Note an den Völkerbund fuhr der Reichskanzler fort: Kein Mensch in der Welt kann bestreiten, daß Deuti ^land alle irgendwie wesentlichen Abrüstungsforderungen erfüllt hat, und daß es in einem Maße entwaffnet ist wie dies wohl noch niemals in der Geschichte ein großes Volk über sich hat ergehen lassen müssen, uno daß von irgendwelchen Deutschen Angriffsmöglichkeiten auch nicht im entferntesten die Rede fein kann. Die Besetzung der Rheinlande ist vom Versailler Vertrag als eine Sicherung der Westmäckte gegen deutsche Angrisfsabsichten gedacht. Da Derartige Absichten völlig außer dem Bereich der Möglichkeit liegen, kann aus jenen geringfügigen Restpunkten bei loyaler Veraragsaus- legimg kein Recht hergeleitet werden, die Besetzung zu Sicherungszwecken über die vertraglichen Fristen hinaus zu verlängern. Wenn durch die Räumung der Kölner Zone für die weitere Besetzung des Ruhrgebietes technische Schwierigkeiten entstehen, so können diese nicht anders beseitigt werden, als daß mit der Räumung Der Kölner Zone auch Der Abbau Der Ruhrbesetz u n g ein geleitet wirb. Sonst würde Die Folge eintreten, daß zur Aufrechterhaltung einer rechtswidrigen Zustandes, wie ihn die Ruhrbesetzung Darftellt, eine weitere rechtswidrige Handlung begangen wird. Es ist nicht abznsehen, was geschehen würde, wenn an die Stelle sachlicher und vertrauensvoller Zusammenarbeit jetzt wieder ein krisenhafter Kvnfliktszustand treten würde. Curzon sagte unlängst, daß verlängerte Anwesenheit fremder Truppen auf deutschem Gebiet nicht geeignet sei, zu einer allgemeinen Befriedigung Mitteleuropas und zu der Wiederherstellung seiner wirtschaftlichen Lage beizutragen. Wenn sich Die Alliierten über diese Seite der Angelegenheit klar sind, so werden sie sich der Erkenntnis nicht verschließen können, daß für eine Hinausschiebung Der Räumung kein Grund vorliegt, der Den. von Curzon angedeuteten Gefahren für Die Befriedung und den Wiederaufbau Europas die Wage halten könnte.
ft. London, 24. Dez. „Daily Telegraph" meldet: Wenn die deutsche Regierung eine endgültige Entscheidung für die Räumung Kölns verlangen sollte, würden die Alliierten vielleicht geneigt sein, ihre Entscheidungen auf die vorliegenden Berichte, die für Deutschland weniger günstig seterr, zu prüfen. Die alliierten Regierungen werden, sobald sie int Besitz der vollen Berichte seien, wahrscheinlich eine Wartezeit von einigen Monaten festsehen, während denen die deutschen Behörden die Versäumnisse zu beseitigen in der Lage sein würden. Nichtsdestoweniger werde es von den britischen Behörden im Rheinland begrüßt, daß diese Methode angewandt worden sei. Es lieferte den Deutschen einen scheinbaren Beschwerdegrund und beeinträchtige das gute Einvernehmen zwischen den britischen BesatzungZ- truppcu und der dortigen deutschen Bevölkerung. Militärische Kreise hofften, daß die britischen Truppen nach der Räumung nicht nach Trier, sondern nach Koblenz oder Wiesbaden verlegt werden.
Ausländisch« Pressestimmen.
London, 23. Dez. Die „Corning P0st" schreibt in ihrem Leitartikel, es sei klar, daß das Ziel der politischen Gruppen, die immer mehr die Macht in Deutschland gewännen, daraus gerichtet sei, die moralischen Grundlagen des Versailler Vertrages zu unter« graben, in einem günstigen Augenblick die ganze Regelung über beit Sausen zu werfen und Europa nochmals hetauszufordern. Es sei überraschend, daß diese Organe der deutschen Presse, die den Versailler Vertrag oerböhnt und beschimpft hätten, jetzt feierlich gegen seinen Bruch durch die britische Regierung in der Frage der Kölner Zone protestierten. Die Unmöglichkeit für die britische Regierung, im gegenwärtigen Augenblick irgend eine Erklärung über die Frage abzugeben, lei kein Vertragsbruch, sondern lediglich eine Befolgung der im Vertrag festgesetzten Bestimmungen, nach denen die Räumung zu erfolgen habe-
Die „Westminster Gazette" schreibt dagegen: Wenn die internationale Moral irgend etwas bedeutet, sollten wir den Kölner Brückenkopf räumen. Tatsächlich würde die deutsche Regierung wegen des längeren Verbleibens keine Schwierigkeit machen. Wenn wir zu- geven würden, daß dies geduldeterweise, aber nicht als Recht geschieht. Die britische Regierung aber wünscht »u bleiben, teils mit Rücksicht auf Deutschland, teils, weil sie Frankreich beschäftigen will. Aber an» tatt ihren Fall ehrlich vor der Welt darzustellen, hat sie ich die Möglichkeit zunutze gemacht, datz Deutschland rielleicht irgendwie die unbedingten Bestimmungen des Vertrages umgangen hat. Dies ist eine unmoralische Politik.
Der diplomatische Berichterstatter der „W ejt - minfter Gazette" schreibt: Der Beschluß der Alliierten, die Kölner Zone am 10 Januar nicht zu räumen, bedeutet nicht, datz die Frage nicht ,u einem baldigen Zeitpunkte wieder erwogen werden könnte. Die amtliche Auffassung ist, dah die Räumung von der Erfüllung der Entwaffnungsbestimmungen des Vertrages und der Regelung anderer Punkte abbängt.
..Daily Tbronicle" erklärt, der Grund der britischen Regierung für die Beibehaltung der Truppen
in Köln sei. datz sie nicht mit der Erfüllung der (fnt» waffnungsbedingungen durch Deutschland tufrieben fei. Wenn die« aber der offizielle Anlatz sein tolle, müsse es deutlicher getagt werden als bisher. Es muffe besonders der deutschen öffentlichen Meinung absolut deutlich gemacht werden: andernfalls würden die deutschen Reaktionäre die britischen Politik in der Kölner Frage al» einen einfachen Bruch des Vertrages bezeichnen und al» ein neues starkes Augument für ihre nationalistische Propaganda ausbeuten. Ehamberlal« mühte alles Denkbare tun, um dies zu oerbtnnern, durch die Erklärung, datz es die militärischen GIcixer*« in Deutschland selbst seien, auf deren Aktion das Ili.«- gere Verbleiben allein zurückzutübren fei.
Botschafter Sthamer kommt nach Berlin.
Qu. Berlin, 23. Dez. Wie wir erfahren, ist auch der deutsch» Botschafter in London, Dr. S t H amer, von der Reichsregierung ersucht worden, "d? zur Berichterstattung nach Berlin zu begeben. Der Botschafter wird voraussichtlich um Neujahr herum in der Reichshauptstadt eintreffen.
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Str Merit RiMrbtriM
London. 23. Dez. Der Voilchafterrat wird Freitag in Paris zusammentreten und sich wahrscheinlich mit dem vorläufigen Bericht der Interalliierten Militärkommission befasien, der dem mili, lärischen Komitee in Bersailles, desien Vorsitzender Marsckall Fach ist, soeben zugegangen ist. Möglicherweise wird der Votschafterrat die Entsendung einer Mitteilung an Deutschland betreffs der Kölner Zone in (Ermäugng ziehen. In diesem Zusammenhang wird in hiesigen amtlichen Kreisen darauf hingewiesen, daß die britische Regierung nicht den Wunsch hegt, die Besetzung der Kölner Zone über das vom Versailler Vrtrag festgesetzte Datum zu verlängern, daß aber die Verzögerung in der Fertigstellung des endgültigen Berichts der militärischen Kontrollkommission ausschließlich auf die Tat« lache zuriickzusühren ist. daß seit der Besetzung de» Ruhrgebiets keine anaemellene Ileberwachung möglich war. Vielleicht erweist es sich als möglich, bereits auf Grund des vorläufigen Berichts eine Entscheidung zu treffen. Doch ist man hier der Mei« nung, daß eine Entscheidung von so vitaler Wichtigkeit nur nach reiflicher Prüfung des vollständigen und endgültigen Berichts gefällt werden kann.
Das „kriegSlnftige- Deutschland.
Berlin. 23. Dez. Ein Teil der englkfche« und französischen Presse setzt unentwegt die Bemühungen fort, seinen Lesern d^s Märchnr von dem kriegslustigen Deutschland aufzu« tischen. Ihre Alarmartikel wirkten derartig beunruhigend, daß selbst alliierte amtliche Stellen sich veranlaßt sahen, die Nachrichten als übertrieben zu bezeichnen. Sie erklärten, daß Deutschland zurzeit allerdings nicht In der Lage sei, Krieg zu führen, jedoch treibe Deutschland In der Frage der Ab - r ü st u n g Obstruktion. Außerdem seien durch die Kontrollkommission derartig schwerwiegende Verstöße gegen die Abrüstungsbestimmungen festgestellt worden, daß an eine Räumung der Kölner Zone zunächst nicht zu denken sei. In der Einleitung zum Abschnitt 5 des Versailler Vertrages wurde von unseren Bertragsgegnern versprochen, daß die deutsche Abrüstung den Beginn einer allgemeinen Rüstungsbeschränkung darstellen solle. Keiner unsrer früheren Gegner hat das gegebene Versprechen eingelöst. Deutschland mußte seine 100 000 Mann mit 12 jähriger Dienstzeit verpflichten. Wie die Blätter von maßgebender Seite erfahren, ist der aus dem letzten Kriege stammende Bestand an ausgebildeten Mannschaften bis 1930 praktisch nicht mehr vorhanden, da sie infolge ihres fortgeschrittenen Alter» für den Kamps in der Front nicht mehr in Frage kommen, sodaß Deutschland im Kriegsfälle lediglich über 100 000 kriegsbereite Soldaten verfügen kann. Frankreich, Polen und die Tschechoslowakei haben die allgemeine Wehrpflicht und besitzen ein stehende» Heer von rund 1,3 Millionen. Die beabsichtigte französische Heeresorganisation verlegt die Masse des stehenden Heeres als schlagfertige kriegsstarke Divisionen an die deutsche Grenze. Da die HeereSorga- nisation in Belgien, der Tschechoslowakei und Polen sich auf der gleichen Linie entwickelt, hat Deutschland im Kriegsfälle von drei Seiten mit einer sofortigen Einmarscharmee de eouverture zu rechnen. Schon dieser Vergleich sollte genügen, um die vollständige Wehrlosigkeit Deutschlands zu beweisen. Aber noch viel krasser wird das Bild, wenn man die materielle Rüstung Frankreichs und seiner Verbündeten, mit der nach modernen Grundsätzen vollständig unzureichenden Ausstattung der deutschen Reichswehr vergleicht. Frankreich hat rund 30 000 leichte Maschinengewehre, rund 10 500 Maschinengewehre, leichte Geschütze rund 2000, schwere rund 1500, Kampfwagen rund 6000, Flugzeuge rund "1400; Polen: leichte Maschinengewehre rund 6500, schwere Maschinengewehre rund 1500, leichte Geschütze rund 1300, schwere rund 400, Kampfwagen rund 150, Flugzeuge rund 250: Tschechoslowakei» leichte Maschinengewehre rund 2500, .schwere Maschinengewehre rund 1500, leichte Geschütze rund 800, schwere rund 500, Kampfwagen rund 60, Flugzeuge rund 500; Belgien: leichte Maschinengewehre rund 4500, schwere Maschinengewehre rund 2000, leichte Geschütze rund 400, schwere rund 10C^ Kampfwagen rund 150, Flugzeuge rund 250; zusammen: leichte Maschinengewehre rund 42 000, schwere rund 16 000, leichte Geschütze rund 4 500, schwere rund 2300, Kampfwagen rund 6200, Flugzeuge rund 2400. Deutschland hat: leichte Maschinengewehre 1134, schwere rund 792, leichte Geschütze rund 288, schwere rund nichts, Kampfwagen rund nicht», Flugzeuge rund nicht». Jeder Kotmse«-!