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Marburg n. &, Donnerstag, den ts. Dezember

59. Sabrg. 192/

ElMklim ffit ms stühtk kurheWhr) SberWea - Amtliches Berkündigungsblatt -es Kreises Mar-ms

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Unterbrechung der deutsch-russischen Berhanvlungr«.

Berlin, 17. Dez. Die zur Zeit in Moskau stattfindenden deutsch-russischen Verhandlungen wer­den am 17. Dezember durch eine Weihnachtspaus« unterbrochen. Die deutsche Delegation unter Füh­rung von Wirklichen Geheimrat v. Körner trifft nach einem sechswöchigen Aufenthalt in Moskau am 20. Dezember wieder in Berlin ein, um bi» zu der km Januar des nächsten Jahre» erfolgenden Wiederaufnahme der Verhandlungen das bisherig« Ergebnis mit den zuständigen Dienststellen ,u er­örtern. An welchem Ort die Verhandlungen fortge­setzt werden sollen, ist noch nicht entschieden.

DieVoss. Ztg." will wlssen, dah Dr. Strese- m a n n gleichzeitig mit seiner Ablehnung der Kabi- nettsbildung dem Reichsvräsidenten vorgeschlagen habe, den bisherigen Retchskanzler Marx mit der Kabi­nettsbildung $u betrauen. Der Reichsvräfident bat sich lerne Entscheidung Vorbehalten, hat aber Reichskanzler Marr für heute vormittag zu sich berufen. Die sozial.

Schiele Borfitzender der Deutschnationalen Fraktion.

Berlin, 17. Dez. Di« deutschnational« Reichs­tagsfraktion bat ihren Vorstand gewählt und zwar zum ersttti Vorsitzenden Schiele und ,« stellvertretenden Vorsitzenden Brubn, von Eoldacker, Rivvel und Schultz- Bromberg, der zugleich der Sprecher der Fraktion sein . £ £ie, vier stellvertretenden Vorsitzenden haben gletche Rechte. Zum Fraktionsgeschäftsführer wurde Lambach bestellt. Den-Ebrenvorfitz der Fraktion hat Tirpitz übernommen.

demokratische Reichstagssraktion, die heute nachmittag zu ihrer konstituierenden Sitzung ztriammentritt, dürste sich lautVorwärts" unter anderem auch mit der Biabl de, Reichstagspräsidenten beschäftigen. Wie das Blatt bemerkt, wird sowohl im Zentrum wie in der Demokratie di« Auffassung vertreten, daß der Reichs- tagsvrafident au, der stärksten Partei, also au, der sozialdemokratischen, gewählt werde.

neugierig zu sein brauchte, so sehr war man eS auf die Stellungnahme des Zentrum» und der Lolkspartet. Das Trommelfeuer, mit dem die demokratische Presse und die mit ihr verbündete .Germania" die Zentrumsfraktion im Sinns der Ablehnung der Koalition nach rechts bearbeitet hatte, teäce nicht so wirkungsvoll gewesen, wenn sich der! Darteiführer Marx nicht ebenfalls daran beteiligt , hätte. So aber war eine rein sachliche (Stellung« ' »ahme keinesfalls mehr zu erwarten. Man braucht nur wieder einmal die Nase in die Parlamentsluft hineinzustecken, um trotz jahrelanger Abhärtung zurückzuprallen vor diesem Kleinleutegeruch, der do entsteht aus kleinlichster Parteitaktik, aus persön­licher Ranküne, aus Rachsucht und Schadenfreude gegenüber der anderen Partei.

Darüber werden die großen Linien der Politik Danz vergessen. Und noch ein anderer Gedächtnis-1 Mangel ist auffallend. ES scheint so, als ob viele Leute noch gar nicht die Tatsache erfaßt haben, daß wir vom konstitutionellen zum parlamentarischen khstem übergegangen sind. All die herzzerreißenden »lagen und Anklagen über dieAusschaltung" einer Martei oder Klasse von der Regierung gehörten in I »ie kaiserliche Zeit, passen aber nicht mehr in diel Heutige hinein. DaS parlamentarische System bringt! «S mit sich, daß bald die eine, bald die andere I Seite regiert; und es ist unsinnig, deshalb von Fncm Riß durch das Volk zu sprechen. Die So- ^rsldemokratie, die sich al» Klassenpartek der Ar­biter bezeichnet, hat nun doch lang« genug offi-I Wll und inoffiziell regiert. Wer er für nützlich! Wst ,jetzt einmal die Rechte zur Verantwortung! wmimen zu lassen, braucht nicht ihr Freund und Wcht der Feind der Sozialdemokratie oder gar der! Arbeiterschaft zu sein. Stellt sich die Regierung Watt der Rechten al» schlecht heraus, so gewinnt ja! Dadurch die Linke neuen Zuzug und beste Aussicht, Wald wieder zur Herrschaft zu kommen. Das ist die! SetdenschaftSlose Auffassung, die allein dem parla­mentarischen System enffpricht. Einzelne Mitglie-1 s»*r der Linken huldigen ihr auch. Das Gros unse- ter Republikaner aber steckt noch ganz in den An-I

Roch keine Kabinettsbii-nnv

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Wartungen der wilhelminischen Aera .Und daS ist «r Humor davon.

Garnicht humorvoll ist freilich die Art, wie Politik bei un» gemacht wird. Ist es nicht eine "chande, daß es Parteien gibt, die sich dem «utschen Volke als Regierung empfehlen mit der Begründung, daß das Ausland sie unbedingt haben sollte? Dazu der Kuhhandel im Innern! Gestern ~ man, in Preußen könnte die alte »calition wieder auftauchen ohne die VolkSpartei, der Wirtschaftspartei würde man eine Majo-! von 2 (!) Stimmen haben, dabei weiß jedes Md, daß die Wirtschaftspartei ein Protest des Bürgertums gegen die sozialistischen Wirtschafts- i-'eranente war, und diese Partei soll ausgerech- die Herrschaft der Sozialdemokratie verewigen Mscn? Noch schlimmer ist eS, daß man glaubt, sie einigenKonzessionen" fangen zu können ^rhaftig, man versagt vor solchem Par-I ^wentarismuS. Im Grunde geht es ja nur darum,! B'- all den arithmetischen Rechenkunststücken und

Handelexperimenten, daß an dem bisherigen pUstand möglichst nichts geändert wird. Die Her-I i; die seit dem November 1918re-1 müssen sicher gestellt werden.! ।a,8 ist neudeutscher Parlamentarismus. D e s - wird von den höchstenIdealen", von VolkS- ^rgewaltigungen und untragbar usw. geredet. Es!

'cheinbar doch süß, die Klinke der Gesetzgebung in (i®Qnb zu haben, nur eins fragt man sich immer I »-E" erstaunt: Wo nehmen die Leute, die früher . -i genug über Protektionswirtschaft und Tyrannei

94,1 konnten, den Mut her?

Berliner Presseftimme«.

ff. B e r l i n, 18. De». DieGermania" be­tont, daß der gestrige Beschluß der Zen­trumsfraktion, der eine Beteiligung der Partei an einer Rechtskoalition ablebnt, einstimmig ge­faßt worden ist. Von einem linken und rechten Flügel innerhalb der Zentrumspartei könne keine Rede sein. Das Blatt betont dann weiter, der Beschluß sei so zu verstehen, daß weder direkt noch indirekt eine Be­teiligung des Zentrums an einer Rechtskoalition in Frage komm?. Rach Darlegung der Gründe, die zu dem Beschluß geführt haben, sagt das Zentrumsblatt, daß der Beschluß der Zentrumsfraktion endgültig fei und daß die nunmehr eingeschlagene Richtung laute: Zurück zur Mitt e." I

DieZ e i t" nimmt an, daß der Reichspräsident sich nun an das Zentrum mit dem Auftrag der Kabinetts­bildung wenden werde. Das Blatt glaubt im Gegensatz zurGermania" nicht an die Fort­setzung der Mitte, da eine solche Regierung bei einer numerischen Schwäche der Parteien, die hinter ihr stehen würden, keinen Bestand haben dürfte Und hält es für das Gegebene, daß das Zentrum versucht, I einen Linksblock zu bilden. Besondere Bedeutung kommt in diesem Zusammenhang den Entscheidungen der Reichs-1 und der Landtagstraktion der Wirtschaftspartei zu, die dahin lauten, daß diese Partei eine Regierung, in der! die Sozialdemokratie vertreten ist, grundsätzlich nicht unterstützen werde. |

I Das Zentrum gegen die Deutschnationalen.

Berlin, 17. Dez. Wie aus parlamentarischen Kreisen verlautet, hat sich die übergroße Mehr­heit der Zentrumsfraktion in der heuti­gen Sitzung gegen die Einbeziehung der Deutschnationalen in die Regierung aus­gesprochen. Der Beschluß der Fraktion soll erst gegen Abend veröffentlicht werden.

Berlin, 17. Dez. Am Schluffe der Frak­tionssitzung des Zentrums wurde folgender Be­schluß bekanntgegeben: !

Die Zentrumsfraktion des Reichstage» hält grundsätzlich an dem Streben zur Bildung einer Regierung der Volksgemeinschaft fest und lehnt vorwiegend aus außenpolitischen Gründen die Be­teiligung an einer Rechtskoalition ab. Sie wird sich nur an ctnei Negierung m® <rr«

währ für eine ungehinderte Fortführung der bis­herigen Politik der Mitte bietet.

Mawyt enflWmgtn

Daß Enthüllungen eine ganz besondere Cache find, die man recht vorsichtig genießen muß, bat bi« Nachkriegszeit zur Genüge bewiesen. Augenblicklich wird in Frankreich feste drauf los enthüllt. Man bekommt ohne Zweifel so manches Interessante zu hören. So hatte die selten ohne Aufregung tagend» französische Kammer wieder einmal ihre Sensation. Der frühere Innenminister Malvy, der Leidensge« noffe Eaillaux und bet Wisser von manchen für um

fit erscheint sechsmal wöchentlich. - Dezsgsprei, monatlich 2 Mark

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____________»MC *r. 55, Schriftleiwng: Nr. 686. W!d)*«OnUKr. 5015

Das am 16. November in Berlin unterzeichnetr und am 10. Dezember in Kraft getretene deutsch­schweizerische Abkommen hat in unseren Wirt­schaftskreisen vielfach lebhaften und auch berechtig­ten Widerspruch erfahren. Allerdings ist es auch von schweizerischen Geschäftskreisen nicht mit Beifall aufgenommen, sondern vielmehr scharf kritisiert worden. Hieraus braucht man allerdings noch nicht den Schluß zu ziehen, daß das Abkommen gut sei, weil es von beiden Seiten angegriffen wird; denn es kommt sehr darauf an, mit welchen Ansprüchen der eine uni der andere Vertragskontrahent an die Sache herantritt. Uns will es scheinen, als ob die riiypriuye oer «mweizer weit yvyet utfpunnt pno als die der Deutschen. Denn darüber sind die deut, schen Wirtschaftskreise sich einig, daß die Schwei» ihre vertragliche Verpflichtung, Deutschland di« volle Meistbegünstigung zu gewähren, durch die ein- fettigen Einfuhrverbote und die Kontingentierung deutscher Waren zweifellos verletzt hat. Trotzdem bemüht sich der Vorstand des Außenhandelsverban­des (Handelsvertragsverein), in einer von ihm ver- breiteten längeren Entschließung beruhigend auf die deutschen Wirtfchaftskreise zu wirken und Hoff­nungen für eine baldige Besserung der Verhältnisse zu erwecken. Allerdings muß auch diese Entschlie- ßung zugeben, daß die Begründung, mit der di« Schweiz die deutschen Waren durch Einfuhrbeschrän- kungen gegenüber den italienischen und französi­schen Waren beachteiligt, nnhaltbar ist. Jedenfalls insofern, als die angebilch niedrigeren Herstel­lungskosten in Deutschland als Grund angeführt werden. Demgegenüber ist festzustellen, daß die Guterfrachten in Frankreich, Italien und Belgien weniger als die Hälfte der deutschen Frachten be- tragen und daß auch die steuerliche Mehrbelastung der Industrie in Deutschland weit größer ist als in ben anderen Säubern. Ebenso verteuert der Kapi» .almangel und die dadurch bedingte Höhe der Zins­sätze erheblich die deutsche Produktion.

r f Zum Trost ist andererseits den deutschen Wirt- 'chaftskreisen vorzuhalten, daß es sich doch nur um einen kurzfristigen llebergang bis zum Abschluß eines endgültigen Handelsvertrages handelt und "Ust weitere gegenseitige Erleichterungen noch vor Ablauf des Abkommens, d. h. vor dem 30. Septbr. 1925, in Aussicht genommen find. Besprechungen hierüber sollen Ende März stattfinden. Die sofor- trge und völlige Aufhebung aller Einfuhrverbot« auf beiden Seiten hätte vielleicht ernste wirtschaft- liche Störungen Hervorrufen können; der allmäh- lrche Abbau wird als eine Vorsichtsmaßregel zu be­zeichnen fein. Ferner ist darauf hinzuweifen, daß nach Artikel 2 des AbkommensAnträge auf EiK- fuhrbewilligungen von Waren, die in diesen Listen nicht enthalten find, beiderseits wohlwollend er- ledigt werden" sollen und daß ferner das Bewilli- gungsverfahren möglichst einfach und ohne Zeit- Verlust und irgendwelche erheolichen Gebühren vor Uch gehen soll. Hiernach dürften grundsätzlich all« in diesem Abkommen nicht aufgeführten, noch eins fuhroerbotenen Artikel auf beiden Seiten anstands« los die beschleunigte Einfuhrbewilligung erhalten. Mündliche Abmachungen find auch darüber gettof- fen worden, daß beide Länder ein« größere Anzahl von Waren autonom auf ihre Freilisten setzen.

I fb. Paris, 18. Dez. Die deutschen Vertreter der großen Eisenindusttie, die vorgestern wieder in Paris angekommen sind, haben mit den Vertre­tern der französischen Schwerindustrie gestern ver­handelt und werden morgen wiederum mit ihnen eine Besprechung haben. Wie man annimmt, werden die Beratungen dieser Sachverständigen am Freitag vorerst zu Ende geführt werden. Da die deutschen Sachverständigen mit den führenden deutschen Delegierten der Handelsvertragsdelega­tion sich über Weihnachten nach Deutschland be- ! geben werden, wird die Entscheidung nach Wie. deraufnahme der Verhandlungen nach dem 31. De­zember getroffen werden können. Die Verhand- umgen der Eroßeisenindustrie werde in enger Fühlung mit der Handelsvettraasdelegation ge­führt, die wiederum in enger Fühlung mit der ver­arbeitenden Industrie steht.

Bon der Repko.

sk. Paris, 18. Dez. Die Repko hat gestern mittag eine offizielle Sitzung abgehalten, in deren Verlauf der Generalagent für die Reparations­zahlungen über alle schwebenden Fragen Bericht erstattet hat. Rach Havas ist zwischen der Kom­mission und dem Agenten vollkommenes Ein­verständnis erzielt worden.

Deutschnationalen Volkspartei. Die Hoffnung, die sich aus der Zustimmung eines Teiles der früheren deutschnationalen Fraktion zu den Dawesgesetzen und der Zustimmung der Partei zu den posiffscyen Richtlinien des Reichskanzlers ergeben habe, habe sich nicht erfüllt. Im Wahlkampf hatten die Deutschnationalen die stärkste Agitation gegen diese Politik und das Zentrum, das einer der Hauptträger dieser Politik sei, betrieben. Man könne also nicht zu ihnen das Vertrauen haben, daß sie eine Politik verfolgen, die das Zentrum mitmachen könne. Sachlich die beste Lösung würde das Zentrum in der Erreichung einer großen Koa­lition sehen. Da diese aber bei der Haltung der Deutschen Dolkspartei kaum möglich fein durste, werde als einzige Lösung di« Rückkehr zur bis-! herigen Regierung der Mitte übrig bleiben.

I., f&- Paris, 17. Dez.Iournee Industrielle" schreibt, es scheine immer noch zweifelhaft, daß die deutsch-französischen Handelsvertragsverhanolun-

I gen bis zum 10. Januar so weit geführt werden könnten, daß dann schon zum Abschluß eines Han­delsvertragsabkommens geschritten werden könne. Die Deutschen würden aber zweifellos, wenn die Verhandlungen opportun erscheinen, eine Formel für die Beibehandlung des jetzigen Zustandes als über den 10. Januar hinaus finden, damit die im Gange befindlichen Verhandlungen nicht unter­brochen würden. Man müsse anerkennen, daß die deutschen Sachverständigen die Interessen ihres ! ÄfS »fSttÄ augenfällig geworden fei. Die Langsamkeit der Verhandlungen rühre daher, daß der Boden der Meistbegünstigung, auf den sich Deutschland ge­stellt habe, jede der Parteien sehr eingehende Spe- zisikationen und konkrete Tarifvorschläge zu ma­chen zwinge; da es sich um Hunderte von Rubriken handelte, dürften die Verhandlungen notwendiger­weise etwas länger dauern. Wenn die Einzel- arbeit einmal beendet sei, müßten auch die Grund­sätze auf die Beziehungen miteinander verglichen werden. Auch das nehme Zeit in Anspruch.

«i» zur ersten Sitzung des Reichstage» find es zweieinhalb Wochen; denn es dauert immer «tue geraume Zeit, bis die Wahlstatistik auf das genaueste nachgerechnet ist und jeder Abgeordnete tzaS Volksurteil zugestellt bekommen und bestätigt i hat; nichtsdestoweniger herrscht aber im Reichs- t-gsgebäude bereit» Hochbetrieb. Die Lösung der Regierungskrise erfordert die Anwesenheit der Frak­tionen, und diese brauchen sich nicht so ängstlich «n die amtliche Approbation zu halten. Kommt es! «uch vor ,datz auf Grund der letzten Nachprüfung poch ein Spätling erscheint, oder daß ein für ged wählt Erklärter sich hinterher als durchgefallen her- ausstellt, so sind das doch Ausnahmefälle, die an dem Ergebnis der jetzt gleich zu leistenden Ar- leit nichts ändern können. Der Dienstag war nur ein Vorläufer, aber der Mitwoch war schon ein! großer Tag. Denn so wenig man auf die Be­schlüsse der Deutschnationalen und der Demokraten!

Berlin, 17. Dez. Wie dieGermania" zu der heutigen Sitzung der Zentrumsfraktion be­merkt, sehe sich die Zentrumsftaktion auch nicht in der Lage, in ein Kabinett, das aus Parteien rechts vom Zentrum gebildet ist, Fachminister zu ent­senden. Für das Zentrum fei nach wie vor die I Sicherung der bisherigen politischen Linie die Hauptsache. Es scheine aber so gut wie ausge­schlossen, daß bei einem Rechtskabinett die Vor­aussetzungen dafür gegeben feien. Die Gründe, die das Zentrum zu dieser Stellungnahme führ-! ten, lägen nicht zuletzt in dem Verhalten der

Die rheinischen Bauernvereine fordern Rechts- Koalition.

, Köln, 17. Dez. Der Hauptvorstand des Rhei­nischen Bauernvereins hat eine Entschließung an­genommen, in der der Erwartung Ausdruck ge­geben wird, daß die neue Regierung im Reiche und in Preußen auf einem Zusammenschluß der Parteien vom Zentrum über Bayerische und Deutsche Volkspartei bis zu den Deutschnationa­len aufgebaut werde, da nach Lage der Dinge nur eine solche Koaliuon für eine ernste aufbauende Politik in Betracht komme.

I Berlin, 17. Dez. Der Reichspräsident empfing heute mittag den Reichsminister des Aus-

I wattigen, Dr. Stresemann, zu einer längeren Aussprache und bot ihm im Laufe dieser Besprech.

| ung die Regierungsbildung an. Dr. Stresemann hat sich seine Entscheidung bis!

I heute abend vorbehalten. !

Berlin, 17. Dez. Die Fraktion der Deut­schen Volkspartei hat heute nach Bekanntgabe des Beschlusses der Zentrumsfraktion beschlossen, sich an der Regierungsbildung führend nicht zu betei­ligen. Auf Grund dieses Beschlusses hat Reichs­minister Dr. Stresemann den Reichspräsidenten gebeten, von der Betrauung seiner Person mit! der Regierungsbildung abzusehen.

B e r l i n, 17. Dez. Aus deutschvolksparteilichen I Kreisen hören wir, daß Dr. Stresemann auf Grund I des Beschlusses der Fraktion dem Reichspräsiden-! ten sofort erklären wird, er könne den Auftrag zur Bildung der neuen Reichsregierung nicht I übernehmen. I

Der Führer der Bayerischen Volkspartei, Aba.! Leicht, ist in Berlin eingetrosfen und wird noch heute abend vom Reichspräsidenten empfangen! werden.

« Die Fraktionssitzungen.

j^ttlin, 17. Dez. Im Reichstag trat Zmittag das Zentrum zu einer konsti- , n Sitzung unter dem Vorsitz von Fehren- £*» Zusammen. Der Reichskanzler war zu Be- -m o«r Sitzung nicht anwesend. Die Deutsch- "a l e Volkspartei hat ihre Mitglie- ~ 2 ilhr mittags und zugleich zu einer zwei- - e auf nachmittags 4 Uhr eingeladen. Die benJ.'. che Volkspartei versammelt sich tien 5 um 4 Uhr nachmittag. Die anderen Par- tagen heute nicht.

iick ^"Sialdemokraten und die Bay- Dolkspartei treten erst am Don- s*<ia aufammen. _ _____

fh- ^ris, 18. Dez. Die Kommission für ^ringen ist für morgen einberufen und die Mitglieder, die demissioniert hatten, aber wie- dergewählt worden sind, sind eingeladen worden, der Sitzung beizuwohnen, obwohl ihre Wieder­wahl von der Kammer genehmigt werden muß. Die 11 Abgeordneten werden heute beschließen, ob I sie der Einladung Folge leisten werden. Minister- Präsident Herriot hat dem Präsidenten der Kom­mission, Morel, gegenüber den Wunsch ausgespro­chen, den Gesetzentwurf für die Aufhebung des Generalkommissariats in Elsaß-Lothttngen in öffentlicher Diskussion vor der Kammer selbst zu vertreten.

Die Lkprozentige Abgabe.

Paris, 17. Dez. Wie derTemps" mitteilt, hat der Agent für die Reparationszahlungen, Parker Gnbert, die Repko gebeten, ein Statut für die Durammrung des Recovery Act zu schaffen, um den Anteil an den Iahreszahlungen nach dem Dawesplan zu bestimmen, der für die Rückzahlung der 26prozentigen Abgabe von der deutschen Ein­fi hr nach Frankreich und England zur Verfügung gestellt werden kann. Die Repko hat den Brief des Generalagenten den intereffierten Regierun­gen zur weitereu Veranlassung übermittelt.

ebenf« Wxstwxft dxrch die SeschSftritell« und Zxsrxdxn, bet Ingebote. Srftllu^rt M-r?xr«, l*««"* =f Äl«

Der Bericht bet Botschafters von Hoesch.

O A der!in, 18. Dez. Zwischen dem *ut 3eit in Berlin weilenden deutschen Botschaste, v. H o e s ch und dem Außenminister Dr. E t r e s e- mann hat eine sehr eingehende Aussprache über die außenpolitische Lage stattgefunden. In eint. 8cn berliner Blättern wird behauptet, daß der Boffchafter besonder» die Stellungnahme der maß­gebenden Ententekreise zu dem Regierungsprob­lem in Deutschland dargelegt habe. Wie wir lierzu von unterrichteter Seite erfahren, wurde >as Regierungsproblem zwischen dem Außenmini« *cr bem Boffchafter nur ganz flüchtig be« prochen und lediglich im Anschluß an die Dar« elgungen des Botschafters über den Stand der außenpolitischen Fragen erörtert. Herr v. Hoesch hat im übrigen bte Auffassung ausgesprochen, daß seiner Meinung nach die Notwendigkeit besteht, in Fragen auf die parlamen­tarische Position der französischen Regierung Her­riot Rücksicht zu nehmen, da sonst eine Aende- rung des französischen Kurses gegenüber Deutsch­land nicht vermieden werden könne.

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