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Marburg a. L, Eoimabead, den 11 DeMber 59. Mrg. 1924

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Das Zentrum für eine Volksgemeinschaft in Preußen.

Gilt pflichtvergessener Vormund.

-®06 allerdings längst grotziährikie aber deutsch« Munde! Saargebiet ist dem Onkel Völkerbund unter­stellt worden. DieserVormund" bat die Pflicht dafür zu sorgen, daß dem Mündel nicht Unrecht und Schaden zugefügt wird. Immer wieder bat sich das Saargebiet, unterstützt von einer richtigen Mutter Deutschland, der man es zwangsweise entzogen bat, beim neuen Vor­mund darüber beschwert, daß der böse Nachbar Frank­reich es mißhandelt, daß er im besonderen ihm nicht er­laubt, in die ibm zuträgliche Schule zu geben, sondern daß er es durch Drohungen und Versorechungen dazu zwingt, eine ungeeignete, seiner Entwicklung schädliche Schule eben dieses Nachbars aufzusuchen. Wieder ein­mal hat der Völkerbund seine Aufsichtspflicht auf- gröblichste verletzt. Er bat sein Mündel, das Saar» gebiet,, an den von ibm eingesetzten Aufseher verwiesen, der wiederum tatsächlich der böse Nachbar selbst ijt Ist es verwunderlich, daß das Vertrauen zu einem sol­chen pflichtvergessenen und feigen Vormund nicht gerade grob ist?

DeeErfolg" der Splitterparteien.

Dei der Wahl zum Reichstag blieben folgende Parteien und Gruppen ohne Vertretung: Haeuher- bund 10168, Unabhängige Sozialdemokratische Par» tei 98 533, Starkbund 193, Deutsche Aufwertung-- und Aufbau-Partei 92 556, Freiwirtschaftsbund FFF (Frei- land Freigeld) 39162, Deutschsoziole Partei und Deichsbund für Aufwertung 157 835, Ehristlichsoziale Volksgemeinschaft Deutschland- 41 373, Rationale Min­derheiten Deutschlands 92 565, Deutschvölkische Reichs- bart ei 3 383, Auswertung-« und Wiederaufbau-Partei 22 281, Mieter-Partei Deutschland« 283, Partei für Dolkswvhlfahrt 32 236, Deutschchristliche Volkspartei 4 342 Stimmen. Zusammen 594 910 Stimmen.

Fester Schlaf.

Die »Vossifche Zeitung" schreibt am Freitag abend zur Frage der Regierungsbildung in Preußen: .Wenn die Deutsche Dolkspartei ihre beiden Minister Dr. Doelih und Dr. v. Richter aus dem Kabinett zurück­ziehen wollte, um eine Regierungskrise in Preußen zu erzielen, dann werden die beiden Portefeuilles eben anderweitig vergeben werden, und das Kabinett Braun wird ohne die Bollspartei mit einer allerdings geringen aber doch ausreichenden Mehrheit weiter regieren." Die Tante Boß hat offenbar die preußischen Reu­wahlen vom 7. Dezember verschlafen. Denn vor diesen hatten allerdings Sozialdemokraten, Demokraten und Zentrum eine ausreichende Mehrheit von 30 Stimmen über die absolute Majorität hinaus: jetzt aber sind sie von 241 auf 219 Mandate zurückgegangen und haben 7 weniger, als die lleinste Majorität verlangt. Auch in Preußen gibt es also nur dieselben zwei Möglichkeiten wie im Reich: Mitte-rechtS oder Witte» links.

Qu. Berlin, 13. Dez. 1924.

Reichskanzler Dr. Marx hat in einer Unter­redung mit einem Pressevertreter die eindeutige Erklärung abgegeben, daß er für seine Person die Verantwortung für eine Bürgerblockreqierung nicht übernehmen könne. Damit ist offensichtlich für die ganze Zentrumspartei die Parole ausgegeben, bi# Bildung einer Bürgerblockregierung auf das schärfste |H bekämpfen. Wenn eS dem rechten Flügel des Zentrums, der unter StegerwaldS Führung steht, nicht gelingt, in letzter Stunde noch das Ueber- zewicht zu erlangen, dann ist schon jetzt die Bil­dung einer Rechtskoalition ernsthaft in Frage ge­pellt. Auffallenderweise will das Zentrum die Deut­sche Volkspartei keineswegs abhalten, mit den Deutschnationalen zusammen die Regierung zu bil­den und erklärt sich sogar bereit, einem solchen Kabinett gegenüber wohlwollende Neutralität zu bewahren. Dieser Vorschlag scheint jedoch den den maßgebenden Führern der Deutschen Volks- Partei ganz unannehmbar, da es dann die Zen­trumspartei in der Hand haben würde, jederzeit die Rechtsregierung zu stürzen. Man hat den Ein­druck, daß die Gegner des Bürgerblocks innerhalb der Zentrumspartei, zu denen ja in erster Linie auch Dr. Marx gehört, einen entscheidenden Schlag gegen den Außenminister Stresemann führen wollen. Dies beweise besonders das Bestreben, Dr. Stre- 'semann die Kanzlerschaft aufbürden zu wollen, um die volle Verantwortung für alle Komplikationen auf ihn abzuwälzen. Nach den neuerlichen Erklä­rungen der volksparteilichen Führer würde es die Deutsche Bolkspartei schwerlich zulassen, daß un­ter solchen Umständen ein volksparteilicher Poli­tiker die Kanzlerschaft übernimmt. Das führende Zentrumsorgan, dieGermania", die die Deutsch- nationalen mit erbitterter Schärfe bekämpft, und schon jetzt ernste Gefahren für die innerdeutsche Poli­tik ankündigt, schreibt heute:Auch die jetzt ent­brannte Krise ist wieder durch die Deutsche Volks­partei hervorgerufen worden, die die Sache der Deutschnationalen vertritt. Die Deutsche Volkspar­tei hat wiederum eine schwere Verantwortung auf sich geladen, wenn Dr. Stresemann glaubt, daß setzt die Zeit dazu da ist, um innerpolitische Ex­perimente zu machen, dann wird es die Aufgabe der Zentrumspartei sein, mit aller Vorsicht dafür zu sorgen, daß, wenn überhaupt dieses Experiment unvermeidbar ist, das Land keinen Schaden er­leidet."

Die führenden volksparteilichen Kreise können stch der Auffassung des Zenttums, daß die Hinzu­ziehung der Deutschnationalen zur Regierung eine wesentliche Aenderung des bisherigen RegierungS- kurseS herbeiführen würde, nicht anschlietzen. Sie erklären, daß die Politik der Mitte nur dann in Lefahr sei, wenn Kämpfe und Gegensätze innerhalb der Mittelparteien auf die Spitze getrieben werden. Fm übrigen werde die Deutsche Bolkspartei sich durch die Haltung der hinter dem linken Flügel des Zentrum» stehenden Kreise nicht zurückschrecken lassen. Vielmehr sei zu Hoffer daß die Mehrheit des Zentrums sich für die .^chtSkoalition ent­scheidet und dadurch die gegenwärtigen Komplikatio- aen wieder beseitigt werden können. F ür Poli­tische Experimente sei die Deutsche Volkspartei nicht zu haben und werde da­her auch ganz entschieden dafür Sorge tragen, daß eine RechtSkoalition auf fester Grund­lage zustande kommt.

Die Besprechungen, die Reichskanzler Dr. Marx *lt den Führern der bisherigen RegierungSkoa- 'Ltion hatte, haben nicht zu einer Klärung der Situation geführt, da die letzte Entscheidung in die Hände der Reichstagsfraktionen gelegt ist, die zu Anfang der nächsten Woche zusammentreten werden. Dchwicrigkeiten kommen eben daher, daß das Zen­trum, das alle Richtungen in sich vereinigt, auch hier nur ein Kampf um seine Einheit führt. Es handelt sich aber um das deutsche Volk! Und hier heißt eS entscheidenRechts oder links" und nicht durch den allerdings dort beliebten Kuhhan­del das klare Bild verwischen.

Man kann der Volkspartei nur Dank wissen, daß sie immer wieder auf klare Entscheidung drängt. D.R.)

Paris, 12. Dez. Der französischen Regierung ist gestern ein erster Bericht der Interalliierten Mül r ko m P i s s i v n zugegangen. Dach dem ..Mritin" handelt eS sich jedoch noch nicht um da« end­gültige Dokument, über daS die Dotschafterkonferenz jedenfalls in der ersten Januarwoche entscheiden soll. Rach den Auskünften, die jetzt im Besitz der Alliier­ten seien, fei eS. sagt da« Blatt weiter, sicher, daß die Botschafterkvnferenz feststellen müsse, baß Deutsch­land die im Derfailler Derttag festgesetzten Beding­ungen nicht erfüllt habe, und daß bi« auf weitere- die Besetzung in den Dheinlanden nicht geändert werden werden könne. Der .Matin" mutz aber zugeben, daß dieses Ergebnis der Generalinfpektion Li« phan­tastischen Informationen tu Umlauf bringe. Man habe von einem vollständigen Mißerfolg der Kontrolle gesprochen: man habe von einer Weigerung gesprochen, den alliierten Offizieren die Inspektion von Fabriken und anderen Unternehmungen zu gestat­ten. Alles das sei nicht zutreffend, wie da- Blatt nach einer Enquete in alliierten Kreisen zu «rllären in der Lage ist. Die Kontrolle sei kein Miß­erfolg gewesen. Die alliierten Offiziere hätten alle Unternehmungen besucht, die sie hätten besuchen wollen. Auf die Frage, ob es wahr sei, daß Deutschland sich bewaffne, sein Generalstab wiederhergestellt fei und daß Deutschland sich zu einem neuen Angriffskrieg vor­zubereiten anschicke, müsse geantwottet werden: Rein, nein und nochmal« nein. In Deutschland feien seit dem Bestehen der Kontrvllkvmmisston 87 000 Maschi­nengewehre, 33000 Kanonen und 5 Millionen Gewehre vernichtet wo-den. DaS Reich besitze weder eine Luftflotte noch Artillerie. Beide« könne man nicht inchrovisieren, besonder« wenn man bewacht werde. Frankreich könne ruhig schlafen. Deutschland habe seine Verpflichtungen zwar noch nicht vollkommen er­füllt, aber seine militärische Beschaffenheit rechtfertige auch nicht den Schatten einer Beunruhigung. Rach dem .Matin" ist es nur beunruhigend, daß 100 000 Mann Reichswehr mit den 100000 Mann Polizei unter dem gemeinsamen Befehl vjon General v. Seeckt ständen. Die Trennung dieser be-den Organisationen fei zwar wiederholt gefordert aber nicht vollzogen worden. DaS Blatt muß aber zugeben, daß Deutschland nicht in der Lage fei, die Reichswehr mit den für den kommenden modernen Krieg unerläßlichen Material zu versehen.

fh. London, 13. Dez. Der diplomatische Be- nchterstatter desDaily Telegraph" schreibt: In britischen Kreisen werde allgemein angenommen, daß der endgültige Bericht der alliierten Militär- bontrottbommission für Deutschland nicht so un­günstig sein werde, wie man in weiten Kreisen vermutete, roeil in dem letzten Bericht, wie be­hauptet wird, starke Verstöße gegen den Versail­ler Vertrag enthalten sein sollen. Dies sei jedoch mcht die Auffassung, die von der Mehrzahl der Sachverständigen angenommen werde. Keine ernste Besorgnis bestehe, weil das Militär keine reguläre Körperschaft und fei nicht modern bewaffnet. Ebenso sei des Wehrministerium in keinerweise mit dem früheren Generalstab zu vergleichen. Die Sicherheitspolizei müsse vielleicht etwas umgestellt werden, damit sie weniger militärischen Charakter habe. Gegen Verbrecher und Pöbel könne sie nicht r ur mit Gummiknüppel auskommen. Anschließend .an diele Ausführungen bemerkt der Berichterstat­ter, es bleibe wahrscheinlich so, daß die von der Komniission angeführten Verstöße gegen die Ab- rüstungsbestimmungen die Räumung "der Kölner Zone iibetjben 10. Januar hinaus verzögern werde.

Stars gegen den Bürgerblock.

* Berlin, 12. Dez. Bei Besprechung des Reichskanzlers mit den Führern der Koalitionsparteien legte der Kanzler ein­gehend die Gründe dar, warum er für seine Person die Bildung einer Bürgerblockregierung a b l e h n e. Er machte dann btn Parteiführern Mitteilung über die bisherigen Verhandlungen des Kabinetts, die zu dem bekannten Rücktrittsbe­schluß führten. In der Aussprache lehnten die Demokraten die Beteiligung an der Reckts- regierung eindeuttg ab. Der volksparteiliche Ab­geordnete Scholz teilte noch einmal die Entschei­dung des Vorstandes seiner Fraktion mit, daß sich seine Partei nur an einer Regierungsbildung auf rein bürgerlicher Grundlage beteiligen werde. Die °Z e n t r u m s f ü h r e r konnten noch keinerlei Er­klärungen für ihre Fraktion abgeben, da die Frak­tion erst am Mittwoch nächster Woche zusammen- treten wird.

Berlin, 12. Dez. Der Reichskanzler empfing vm 11 Uhr die Führer der Koalitionsparteien. Es waren von der Deutschen Volkspartei Scholz, 3apf, Curtius, vom Zentrum Sieger- wald, Spahn, Becker I, Arnsberg., von den Demokraten Koch und Erkelenz erschien. i

fh. Berlin, 13. Dez. In der Sitzung Vorstandes der Zentrumspartei des Landtages, die am 12. Dezember in Berlin stattfand, waren alle Anwesenden der Ueberzeugung, daß die Große Koalition aus Zentrum, Deutsche Volkspartei, Demokraten und Sozialdemokraten, wie sie seit 1921 in Preußen bestand, sich bewährt hat. Zu erstreben ist die Volksgemeinschaft, das heißt, den Anschluß der Deutschnationalen an die Große Koalition. Voraussetzung hierfür ist natür­lich, daß die d e u t s ch n a t i o n a l e Fraktion keine Bedingungen stellt, deren Erfüllung von vornherein ausgesa)losien ist. Diese Stellungnahme der Landtagsfraktion wurde in der gemeinschaft­lichen Sitzung, die am Freitag Abend mit der Reichstagsfraktion abgehalten wurde und in der Reichskanzler Marx das Wort nahm, gebilligt. In der nächsten Woche soll die Frage der Kabinetts­bildung weiter besprochen werden.

Berlin, 12. Dez. Der Vorstand der 3 en« trumsfraktion im preußischen Landtag trat heute vormittag zu einer vertraulichen Besprech­ung der politischen Lage zu einer Sitzung zusam­men. Am Abend soll eine gemeinschaftliche Sitzung mit der Reichstagsfraktion stattfinden.

Präsident Lein ert, der nach der Verfassung die Geschäfte des preußischen Landtagspräsiden, ten bis zur Neuwahl des Präsidenten weiterfiihrt, traf heute in Berlin ein, um die Leitung der Vor­bereitungen für den Empfang des neuen Landtags zu übernehmen.

Derlemps über die Demission des Reichs­kabinetts.

Paris, 12. Dez. DerTemps" schreibt, man habe zur De Mission des Reichskabinetts greifen müssen, weil Stresemann es kategorisch abgelehnt habe, eine Erweiterung des gegenwärti­gen Kabinetts durch eine Heranziehung der So­zialdemokraten zur aktiven Mitarbeit ins Auge zu fassen. Besser als die Wahlergebnisse aller Par­teien charakterisiere diese Entscheidung die durch die Wahlen vom 7. Dezember geschaffene Lage. Deutschland trete in eine neue Periode politischer Schwierigkeiten ein. Der Druck nach links sei zu schwach, als daß eine Aenderung des bisherigen Standes der Dinge in Betracht komme. Alles in allem könne man sagen, daß Marx die Partie ver­loren habe, die er am Tage der Reichstagsauf­lösung so mutig begonnen habe. Er Hütte damals die Unmöglichkeit erkannt, die Regierung, so wie sie sich aus den Mittelparteien zusammensetzte, auf­recht zu erhalten. Aber die Erweiterung gleich­zeitig nach rechts und links sei wegen der eigen­sinnigen Opposition der Demokraten gegenüber den Nationalisten und nicht weniger der eigen­sinnigen Oposition der Volksparteiler gegenüber den Sozialisten nicht möglich. Marx sei nichts anderes übrig geblieben, als das Volk zu befra­gen, damit dieses selbst die allgemeine Politik des Reiches bestimme. Die Antwort des Volkes habe die Verwirrung nur noch vergrößert. Die Frage der Erweiterung des Koalitionskabinetts stoße heute auf dieselben Schwierigkeiten, an denen tue guten Bestrebungen von Marx in der Zeit zwi­schen der Annahme der Tawesgesetze und der Auf­lösung des Reichstages gescheitert seien. Man habe den sehr klaren Eindruck, daß Stresemann sich gegenwärtig bemühe, den Bürgerblock zu bilden, an dessen Spitze er stehen würde. Vielleicht werde man dieses gewagte Experiment machen, aber die Ansicht, daß eine R e ch tsr e aie run g in Ber­lin mit Stresemann als Reichskanzler ans Ruder komme, lasse alle Befürchtungen Hinsicht- lichderallgemeinenPolitikdesRei- cheswiederwachwerden. Niemand könne daran glauben, daß die Nationalisten sich aufrich­tig zu dem Dawesplan und dem Londoner Abkom­men bekennen würden. Niemand könne Zutrauen zu der Auffassung haben, mit der Stresemann, nenn man sich an seine eigenen Erklärungen halte, i)en Eintritt Deutschlands in den Völkerbund be­trachtet. Niemand endlich könne der Loyalität einer Rechtsregierung mit Rücksicht auf die Ver­pflichtungen, die dem Reiche durch die Reparatio- nen und die Entwaffnung auferlegt feien, trauen. Senn die Möglichkeit einer Koalitionsregierung, ote sich auf die Zusammenarbeit mit den Nationa- liften gründe und die von Stresemann geleitet

Verwirklichung näher komme, dann mußten die R e g i e r u n g e n d e r A l l i i e r t e n ich mit der Lage beschäftigen, denn es verstehe sich von selbst, daß man nicht mit dem gleichen Ver­trauen mit einem Deutschland verhandeln könne das der Reaktion verfallen sei, wie mit einem

Deutschland, das nach der Demokratie hin orien­tiert sei. Die Krise, die in Berlin beginne, werde vielleicht Frankreich die letzten Illusionen nehmen, die es sich hinsichtlich einer Verstärkung des repu­blikanischen Einflusses in Deutschland gemacht hätte.

Beschla-aahmvag des russische« Staatsoermögen» in Frankreich.

ff. Paris, 13. Dez. Auf Verlangen des Justiz- mwisters ist gestern das in Frankreich vorbandene Der- mögen 'des russischen Staats sowie der russischen Aktien» gesellschakten. besonders der russischen Banken, die ibren Sitz in Moskau haben und in Frankreich Filialen unter» halten, unter Sequester gestellt worden. Zum 6e- qnestor wurde Iaresdin ernannt. Hebet die Gründ«, die diese Maßnahmen herbeigeführt baden, wird in amtlichen Kreisen erklärt, man habe befürchten müsien, daß die Sowietregierung nach ihrer Anettennung durch Frankreich den russischen Staatsbesitz, der sich in Frank­reich befindet, fordern würde. Es bandelt sich um 5 russische Banken und zwar um die russisch-asiatisch« Bank, russische Bank für den Außenhandel, die inter­nationale Bank von Petersburg, die Union-Bank in Moskau, dann die russiche Bank für Industrie und Handel.

sk. Paris, 13. Dez. Gestern wurde vor der russischen Botschaft eine Russin verhaftet, weil sie Drohungen gegen den Botschafter Krassin ausge- iprochen l)atte und sich im Besitz eines Revolvers und 40 Patronen befand.

fh. Paris, 13. Dez. Der Antrag eines kom­munistischen Abgeordneten, sämtliche Kriegsge­richte abzuschafsen, wurde mit 313 gegen 36 Stim­men abgelehnt.

Wichtig« Veratauge« d«r votschafter-Koufer««-. , Ou. Berlin, 13. Dez. Sn den Berliner po­litischen Kreisen verlautet, daß die Dotschafter­konferenz gegen 6nbe Dezember nicht nur den Bericht der interalliierten Wilitärkommtsiivn zu prtd- fen haben wird, sondern daß sie auch darüber Be­schlich fasien wird, ob die Durchführung der veriragS- mähigen Verpflichtungen aus dem Versailler Ab­kommen von Deutschland in vollem Umfange erfolgt ist. S- handelt sich hier um eine wichtige gründ« sätzliche Feststellung, von der die Regelung der Räu- mungsfrage überhaupt abhängen werde. Weiterhin dürfte sich auch die Dotschafterkonferenz mit einem neuerlich in den Völlerbundskreisen ausgetauchten Plan beschäftigen, der, wie bereit« in der französischen Presse gemeldet worden ist, eine besondere militärisch« Kontrolle ht den Rheinlanden und den anschließenden strategischen Zonen Westdeutschlands vorsieht.

Allzu scharf «acht schartig

ift schon seit einiger Zeit ersichtlich, daß man von französischer und, auch von englischer Seite versucht, die recht zeitige Räumung der Kölner Zone'am lv. Januar dadurch zu verhindern, daß man den Be­richt der I. M K. K. über die Generalinsvektion in Deutschland verzögett und als ungünstig hinstellt. Tat» sächliche Handhaben bat freilich das Ergebnis der mehr als 1600 Kontrollbesuche bisher nicht gegeben. Aber wer chikanieren will, sindet ja schließlich immer einen Gründ. Nur so vlumo darf man es nicht anstellen, wie cs neuerdings die LondonerDaily 9Rair und da» PariserJournal" versuchen. Da wird von einet Sabotage der Generalinsvektion durch die deutschen Militärbehörden gesprochen, von einer Kriegsbereit­schaft Deutchlands gefabelt usw. DasJournal* wärmt sogar die unglaubhaft« Bebauvtung wieder auf, daß man die Abschattung des deutschen Chefs bet Heeresleitung verlangen werde. Ob es damit dem so­genannten Memorandum Serriots mehr Glaubwürdig­keit verleiben will und was das Pariser Blatt hierbei, für eine Absicht verfolgt, ist völlig unklar. Vielleicht will es die Deutschen so reizen, daß sie doch noch Uiw Vorsichtigkeiten gegenüber der I. M. K. K. begeben, dw Anlaß zu einem Aufschub der Entscheidung geben könn­ten. Jenen Kreisen ist offenbar der im ganzen so ruhig« Verlauf der Generalinsvektion höchst unlieb gewesen. Ader mit dücken Lügen, die so kurze Beine haben, kam man eine schlechte Sache nicht verbesiern. Die General­insvektion ist absolut günstig für Deutschland verlaufen, und die Gründe für den Aufschub der Räumung vof Köln wird man anderswo suchen müssen.

fk. Paris, 13. Dez. Die Konferenz der aUfr ietten Finanzminister, die sich mit der Verteilung der deutschen Zahlungen aus dem Dawesplan so­wie mit der Liquidierung der Ruhrbesetzung be­schäftigen wird, wird am 6. Januar in Parts zu- funmentreten. Der Präsident der Vereinigten Staaten hat bestimmt, daß die amerikanische Re» aierung auf diesr Konferenz von dem amerikani­schen Botschafter bei der Reparationskommissioi^ Logan, vertreten wird.

fk. L o n d o n, 13. Dez. Zu dem in auswärtigen Blättern erschienenen Bericht, daß Chamber­lain in Rom die Möglichkeit erwogen habe, an Stelle des Genfer Protokolls einen englisch-fran­zösischen Pakt abzuschließen, dem andere Staaten beitreten könnten und der unter den Auspizien bet Völkerbundes stehen sollte, erklärtDaily News", der Staatssekretär habe sich in dieser Hinsicht in keiner Weise sestgelegt.

Um 4 Uhr wird der Kanzler die Deutschnationalen empfangen, darunter W e st a r p, und morgen die Sozialdemokraten. Am Montag und Dienstag werden die Fraktionen zusammentreten, das Zen­trum wohl erst am Mittwoch.

Berlin, 12. Dez. Die Pressemeldungen über die Einberufung des Reichstages schon zum 22. oder 23. Dezember sind, wie aus parla­mentarischen Kreisen verlautet, falsch. Nach Mit­teilung des Reichsministeriums des Innern kann die endgültige Feststellung des Wahlergebnisses frühestens am 27. Dezember erfolgen. Das end­gültige Wahlergebnis muß aber erst fesi­tz stellt werden, bevor an die Einberufung Reichstags gedacht werden kann.