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fr. 28?

Marburg a. 1, Sommbmd, dm«. Dezember

59. Mrs. 1921

AWlger W (das Mer kmhMWSbMMn-Amtlichss BerkimWmMatt des MW kWdW ; - <n >>iiiliwirwTTrinnfmi in i n h[iiii nn, b»m TW

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Und msrgM wird gewW

Der Wahlkampf ist diesmal ziemlich ruhig ver- jgusen. Nur die Parteien der Linken haben eine größere Agitation entfaltet. Auf dieser Seite ist ja pon je her noch aus den Zeiten, wo diese Par­teien Opposition waren, das Bewußtsein lebendig, haß der Stimmzettel in einem parlamenta- etsch regierten Lande eine Macht ist, und daß alle Mittel mobil gemacht werden müssen, um am Wähl­te die Schlacht zu gewinnen. Wahltag Zahltag, das Wort stammt von dieser Seite. Gis der Bürger sich aufrafft, am Wahltage den herrschenden Parteien die Sünden heimzuzahlen, die ße ihm angetan haben, damit hat es leider gute Seile. Die einen sind zu "fein", um sich in das Getriebe des Wahlkampfes zu stürzen. Die anderen staden vor lauter geistigen Bedenken nicht die rich­tige Partei. Im Gegenteil, sie sind stolz darauf, daß siegeistig so hoch stehen", daß ihnen keine Parteigenügt". Wieder andere sind ganz ein- jti) zu bequem. Sie halten für ihr gutes Recht, daß flc von irgendeinem regiert werden, nur behalten fit sich vor, auf diese Regierung zu schimpfen, wenn fle etwas tut, was ihren Interessen oder ihrer Ge- tzankenlostgkeit zuwiderläuft.

Ob es diesmal besser wird, ob sich Biele auf- ttffen werden, Zahltag zu halten, erscheint mehr als Deifelhaft. Denn diesmal kommt noch hinzu, daß »eite Kreise des deutschen Volkes die Notwendig­st einer Wahl nicht einsehen. Sie ist in der Mit nicht einzusehen, wie wir gleich bei der Auf- Ssung des Reichstages sagten. Der einzige Grund ffc die Neuwahlen ist der, daß der vorige Reichs­te 106 Deutschnationale enthielt. Grund genug ffr die Vertreter einerdemokratischen" Weltan­schauung, so bald wie möglich eine Aenderung die- fe» Zustandes zu versuchen, vor allen Dingen, nicht len Spruch des Volkes zur Auswirkung kommen D lassen. Die Pressestimmen der Sozialdemokratie »d verwandter Richtungen haben das so- Aeich nach der Wahl deutlich gezeigt. Das zeigt «ck> die prompte Organisation der Wahlagitation «f der linken Seite, die sich int Reichsbanner Lchwarz-Rot-Gold durch den Sozialisten, Herrn H ö r s i n g, eine Kerntruppe für diese Agitation geschaffen hat.

Und dennoch wird das rechtsgerich­tete Bürgertum nicht anders können, als am 7. Dezember Mann für Mann an der Urne zu er- stzeinen, um seinem politischen Willen Ausdruck zu tzerlcihen. Freilich darf man nicht vergessen, daß hi einem Volke wie dem deutschen schon Tacitus wußte, daß bei den Deutschen Vieles aus Neid geschiehtdie großen Gesichtspunkte einer Wahl sel­ten zum Ausdruck kommen. Irgendeine zufällige Lonstellation, die zu irgendeiner Hetze bequem ge­eignet ist, pflegt aus einen großen Teil des Vol­ks Eindruck zu machen und den politischen Willen p fälschen. Wir haben es nicht so gut wie die Engländer, die, von einem einheitlichen englischen Lilien getragen, wissen, was sie wollen, und klar ftr oder gegen eine Politik ihre Stimme abgeben. Bei uns ist es leicht, im Trüben zu fischen, und diese Gelegenheit wird reichlich ausgenutzt, wie ja auch die Unmenge von Parteien bei uns jedem Kundigen ver­eist. Nur darauf kommt es an, den Kurs zu Bestimmen, den die Politik in Zukunft neh­men soll. Das ist die Schicksalsfrage deS deutschen Volkes. Und keiner darf sich seiner Ent- fcheidung freiwillig entäußern. Wer zu hause bleibt, hilft in Wahrheit dem Linksblock, der Cnz offen mit dieser Wahl auf die Wahlmüdtgkeit $ Bürgertums spekuliert hat. In dieser Entsei- kttg Rechts oder links darf aber keiner fehlen.

Nach unserer Ueberzeugung kann der Kurs nur «chis liegen. Fünf Jahre Linkskurs mit all dem, was wir erlebt haben, genügen, um diese Erkennt- ein für allemal zu festigen. Daran können Leine Erfolge, die nicht Erfolge der führenden Minner, sondern der Tatsachen waren, kaum etwas Indern. In Wirklichkeit muß endlich aufgeräumt werden mit den Errungenschaften einer Revolution, He uns Frieden, Freiheit und Brot versprach und *- nichts gehalten hat. Sollen wir alles aufzählen, was He deutsche Politik bisher geleistet hat? Man wird in den Wahlversammlungen oftgenug gehört haben. Die Wähler treten wohlvorbereitet und n Erfahrungen reich genug an die ' .n».

Darum mutz Jeder wählen, ob ihm frßt oder nicht, Wahlrecht ist Wahlpflicht! M. . 1

Wahlbkwegung

Wahlversammlung der Nationalsozialistische» Partei.

Die Nationalsozialistische Partei veranstaltete am «nnerstag ihre letzte Wahlversammlung, in der der ^n'tzenkanbibat der Provinz Hessen-Nassau, Herr Rek- »w Blume-Melsungen das Referat hatte. Eingangs wies er darauf hin, daß der alte Reichstag würdelos wlebt und würdelos gestorben fei. Durch feine Arbeit stien dem Ansehen des Deutschen Volkes im Ausland **efe Wunden geschlagen worden. Der neue Reichstag würde kaum anders werden. Die demokratische Partei wüßte eigentlich für die Kosten, die die Auslösung des -8e,chskags mit sich brachte, verantwortlich gemacht wer- *n. Die Völkischen weinten dem Reichstag keine ^rüne nach. Verderblich sei die Parteiwirtschaft unv Hshalst miisie man au Stelle des Parteivarlamenrs Hs berufsständige Parlament, die Berufskammern, wrdern. Der schwärzeste Tag in der Geschichte sei der j* August gewesen. Durch Annahme der Dawes-Ge- fte sei'Deutschland an diesem Tage zur Kolonie der ,RtetiiafionaIen Bankwelt geworden. Als einziger Ab- Ewrdneter von Hosten-Nassau er. so führte Red- s weiter cuo, ein energisches Sic in gesagt. Der < yferent ging dann näher auf den Sachverständigen-1 glicht ein und beleuchtete von seinem Standpunkt aus I

die einzelnen Gesetze, wobei er besonders hervorbobt, daß es ihm unverständlich sei, wie die Demokraten, welche die Fürsorge für die Beamten als ihr Privileg ansähen, dem Reichsbahngesetz hätten zustimmen können. Weiter ging der Referent auf die Gründe ein, welche die Ja-Sager für ihre Zustimmung gehabt hätten. Die Ausländsanleihe habe gelockt, für die aber Deutschland nur die Zinsen zu bezahlen habe. Im übrigen stieße sie in die Tasche der amerikanischen Bankwelt zurück. Auch die sogenannte Atemvause sei illosorisch. Hätte man am 29. August ein energisches Nein gesagt,, dann wäre der Feindbund gesprengt worden. Schmachvoll sei es gewesen, wie Abgeordnete sich nach der Anahme be­nommen hätten.

Im Sachoerständigen-Bericht hätten die Bankiers ge­zeigt, daß sie die Herren bet Welt seien. Der Redner behandelte sodann die Aufwertungsfrage. Hier habe die deutsche Volksvartei die Führung gehabt, sie aber durch den Tod Dr. Düringers verloren. Auch das Zen­trum habe die Führung abgeben muffen an die Na­tionalsozialisten. Nun entwickelte der Referent in län­geren Ausführungen wie eine Aufwertung vorgenom­men werden könne. Nötig fei vor allen Dingen eine An­erkennung des Rechtstitels der Schuld. Besitzsteuern müßten erhoben werden, aus einem sozialen Aus­gleichsfonds sollten wirtschaftliche Zusammenbrüche ver­hindert werden Eine weitere Forderung sei die Brechung der Zinsknechtschaft und damit die Entschul­dung des Volkes. Auf sozialem Gebiete sei soziale Gerechtigkeit zu fordern für jeden, der sich in ehrlicher Arbeit sein Brot verdiene. Der Arbeiter mülle aus bei geistigen Hörigkeit herausgeholt werden. Vor allem aber müßten wir frei sein vom 29. August, und die Nationalsozialisten würden nicht eher ruhen, bis diese Schmach ausgewetzt wäre. Ein Wille nationaler Empfindlichkeit mäste wieder durch unser Volk geben. Mit einem Volke, das so zerklüftet sei, sei kein Be­freiungskrieg zu führen. Zum Schluß sprach Redner dann von den Weltanschauungen des Staates, der wenn nicht mit dem Willen des Volkes, bann gegen den Willen bes Volkes komme. Die Zeit werbe kom­men, wo über dem völkisch-sozialen Staat die schwarz- weiß-rote Fahne, geschmückt mit dem völkischen Heil- zeichen, dem goldenen Hackenkreuz, wieder flattern werde. In kiefern Zeichen werde man siegen. An die Ausführungen schloß sich eine kurze, aber stürmische Aussprache an.

Wahlversammlung der Zentrumspartei.

Die Zentrumspartei hielt am Donnerstag abend bei zahlreicher Beteiligung im Freidhof'schen <Haale ihre zweite Wählerversammlung für Marburg ab. Herr AmtsgerichtSrat Ruhl begrüßte die Erschie­nenen und betont«, daß nach dem Kriege es die Zentrumspartei gewesen sei, die sofort und ohne Unterbrechung alle ihre Kraft für das Wohl des deutschen Volkes eingesetzt habe. Sie habe immer die Parole ausgegeben, daß nur eine Politik der Verständigung, eine nationale Realpolitik möglich sei, um das Volk einer besseren Zukunft ent­gegen zu führen. Diese Verständigungspolitik habe Erfolg gebracht. Von anderen Parteien würde jetzt in den Versammlungen gesagt, sie hätten immer Verständigungspolitik getrieben und den Erfolg wollten jetzt diese Parteien in Anspruch nehmen. DaS Wesentliche und Wahre sei, daß di« Politik des Zentrums nunmehr beginne, wertvolle Früchte zu tragen, man müsse sie daher kraftvoll fördern. Hierauf erteilte der Vorsitzende dem Referent des Abends und Spitzenkandidat Herrn Professor Dr. Dessauer-Frankfurt das Wort. Politik ist Schick­sal, politischer Kampf ist Kampf um das Schicksal, fo sagte der Referent. In dem heutigen Wahl­kampf werde von den meisten Parteien dieses nicht berücksichtigt. Der Wahlkampf drehe sich haupt­sächlich bei diesen Parteien um die Stimmen der Wähler. An treffenden Beispielen erläuterte der Redner, wie die Politik das Schicksal des Vater­landes ist und politischer Kampf, Kampf um das Schicksal des Vaterlandes. Wer sein Vaterland liebe, müsse bet dieser Wahl danach handeln. Jeder mutz wählen und immer und immer die Liebe zum Vatcr- lande in den Vordergrund stellen. Reich und arm gehörten zum Baterlande. Ein Kamps gegen die Arbeiterinassen sei ein Kamps gegen das Vater­land. Jeder, der Arbeiter beschäftigt, soll sich mit diesen unterhalten und feststellen, was ihn be­drückt, nicht aber ihn bloß die Arbeit verrichten lassen. Indem sich das Unternehmertum nicht um die Arbeiter gekümmert hat, haben sich die Ar­beitermassen in der Sozialdemokratischen Partei zu­sammengeschlossen und hier ihren Schutz gesucht. Die Sozialdemokratie sei darüber nicht zu bekämpfen, denn auch hier werde die Liebe zum Baterlande verbreitet. Das Zentrum babe ständig unter dem Gesichtspunkt für das Vaterland gearbeitet. Der hervorragende Vortrag beschäftigte sich in feinem ganzen Thema, die Liebe zum Vaterland durch Verständigung aller Bevölkerungsschichten herbeizu­führen zum Wohle des ganzen Volkes. Möge bei der Wahl am Sonntag ein guter Engel die Wähler führen. Lebhaft anhaltender Beifall belohnte den Redner für seine Ausführungen. Ein« Diskussion fand nicht statt und öffentlich gesagt, mit diesen Punkten, die angeführt wurden, konnten sich auch die anwesenden Gegner zufrieden geben. Im Schluß­wort streifte Herr Prof. Dessauer noch die Ju­gendbewegung und sagte, daß diese gerade in seiner Partei eine gute Pflege gefunden habe. Gn.

Demokratische Wahlversammluug.

Gestern abend hielt die Deutsche Demokratische Partei im Freidhof'jchen Saale ihre letzte Versamm­lung vor der Wahl ab, di« besonders von Frauen stark besucht war. Die Rednerin, Frau Dr. Rosa Kempf, schilderte eingangs ihrer Ausführungen den Entwicklungsgang, der sie zu ihrer demokra­tischen Anschauung geführt. Da? demokrattsche Prin­zip gebe uns innerlich das Recht zum Wiederauf­stieg. Im Jahre 1922 hätten unsre ehemaligen Feinde, vor allem der amerikanifche General Allen,

der als Feind nach Deutschland gekommen und als Freund geschieden sei, erkannt, daß Deutschland rest­los entwaffnet sei. In Frankreich gebe es zwei Schichten, die eine, die auf politische Beherrschung und wirtschaftliche Ausnutzung Deutschland» und die andere, die nur auf wirtschaftliche Ausnutzung htnstrebe. Letztere habe durch Bearbeitung der fran­zösischen öffentlichen Meinung zu dem Ruhraben­teuer gedrängt. Dadurch, daß der erhoffte Ge­winn ausgeblieben sei, hätte schließlich di« Einsicht zur vernünftigen Regelung der europäischen Poli­tik Platz gegriffen. Das Dawesgutachten eröffne dem französischen Volk die Hoffnung auf dauernden Ge­winn. Wir hätten jetzt eine sichere Basis, auf der wir als Volk und Staat weiter bestehen könn­ten. Es fei eine fchmerzllche Tatsache, daß jetzt die Ordnung der Welt noch auf dem Machtprin­zip und nicht auf dem Recht beruhe, man dürfe aber die Hoffnung nicht aufgeben, daß letzten Endes der Rechtsstandpunkt siegen werde. Zur Frage des Eintritts Deutschlands in den Völkerbund bemerkte die Rednerin, daß die Idee des Völkerbundes ideal, aber der heutige Völkerbund noch ein Zerrbild sei, an dessen idealer Gestaltung Deutfchland mitarbeiten müßte. Der Eintritt sei jedoch mit großer Vorsicht zu vollziehen. Ob diefer sofort Erfolg für Deutsch­land habe, hänge von der Durchsetzung des Rechts­gedankens in den Siegerstaaten ab. Am Schluß ihrer Ausführungen verbreitet« sich di« Rednerin über die Stellung der Demokratie zum Staate. Sie hält das Volk zur Selbstregierung reif. Gegen­über den Revolutionen anderer Länder könne man die deutsche Revolution von 1918 als anständig an­sprechen. Es sei erstaunlich, mit welcher Schnellig­keit das deutsche Volk damals eine Nationalversamm­lung u nd Verfassung, die auch noch Verbesserungen bedürfe, geschaffen habe. Frau Dr. Kempf schloß mit der Hoffnung auf einen arbeitsfähigen, zu- kunftsverheitzenden neuen Reichstag. In der an­schließenden Debatte zog der Versammlungsleiter. Herr Prof. Rade, einen Vergleich zwischen der alten und neuen Reichsverfassung. Herr Professor Jakobsohn befürwortete die Umformung der Reichs­wehr in ein Volksheer und Eintritt für die Inter­essen der deutschen Minoritäten im Völkerbund. Ferner sprachen noch Herr Prof. Deutschbein über unsre, Stellung zu England und Frau Prof. Dcutsch- 6eilt und Frau Dr. Kempf über die Stellung der Frauen zur Wahl. Gegen 11 Uhr hatte die Ver­sammlung ihr Ende erreicht. Wj.

Wahlversammlung der Sozialdemokratischen Partei.

gestrigen Abend hielt die S o z i a I d e m o- kratische Partei ihre letzte Wnhleroersamm- hmg ab. Der Referent, Spitzenkandidat der preu­ßischen Landtagswahlliste im Wahlkreis Hessen- Nassau, Markwald - Frankfurt a. M., führte ungefähr folgendes aus: Der neue Reichstag werde etwas anders aussehen als der Reichstag vom 4. Mai. Am 11. Mai habe sich in Frank­reich eine politische Schwenkung nach links voll­zogen. Das habe die deutsche Regierung im Vor­aus gewußt und aus Furcht vor einem gleichen politischen Stimmungsumschwung die Reichstags­wahlen auf den 4. Mai festgesetzt. Auf den D a - roesplan übergehend bemerkte der Referent, daß von Anfang an die Deutschvölkischen, die Deutsch- nationalen und die Kommunisten gegen die An­nahme des Sachverständigen-Gutachtens gewesen seien. Die Kommunisten hätten damals öffentlich erklärt, man solle mit Rußland ein Bündnis eingehen und gegen die westlichen Feinde vorgehen. Die Deutschvölkischen wollten die Franzosen ins Innere hineinlassen und dann, wie die Russen 1813 in Moskau, die Franzosen vernichten. Die Deutschnationalen wären k-neßlich um vier Ministersitze willen unigefallen. Stresemann's und oer Deutschen Lolkspartei Verdienst an dem Zustandekommen des Dawes­planes wäre gar nicht so groß, aber dem Um­stand zu verdanken, daß in Frankreich sowohl als and) in England eine Arbeiterregierung bestanden habe. Auf die innerpolitischen Fragen üoergehend lehnte der Referent jeden S chu tz z o ll ab, der nur verteuernd aus die Lebensmittel und die Industrieproduktr wirke und eine größere Ar­beitslosigkeit Hervorrufe. Die Stabilisierung sei auf Kosten der Staatsarbeiter und Staatsbe­amten geschehen. Tie Besitzsteuern feien ermäßigt worden, ferner die Einkommensteuer, nur Um ein geringes Maß die Lohnsteuer. Aber gerade die Besitzsteiicrn dürften nicht abgebaut werden. In der Frage der Abfindung der Hohenzol - lern erklärte der Referent, die Hohenzollern soll­ten zuerst ihre Schuld seit 400 Jahren an das deutsche Volk abtragen. Mit einem Appell an die Wähler schloß der Referent seine Rede.

Deutschnationale Bolkspartei.

Marburg, 6. Dez. Die heute Abend stntt- finbenbe nationale Wahlkundgebung der deutsch- nationalen Volkspariei wird sich zu einem besonde­ren Ereignis für Marburg gestalten. Redner des Abends ist Geheimrat Prof. Dr. R o e t h e, bei bisherige Rektor der Friedrich-Mlhelms-Univerfi» tat in Berlin. Er hat sich nicht nur als Wissen­schaftler, Literarhistoriker, sondern auch als Redner einen glänzenden Namen erworben.

der Drrzrß fcarmnnn

Hannover, 5. Dez. Die allgemeine Verneh­mung der Angeklagten wurde mit der Feststellung beendet, daß Haarmann nut in wenigen Fällen,

um sich Geld zu verdiene«, der Polizei Mittei­lungen über ihm bekannt geworden« Straftaten gemacht, von der Polizei aber kein« Entlohnung erhalten hat. Haarmann schilderte dann di« Arl deS homosexuellen Verkehrs, der nur in seltener Fällen zu dem tödlichen Biß in die Kehle geführt habe. Er habe sich infolge dieser Ausganges ge» sträubt, junge Leute in sein« Wohnung mitzunehmen. Dies« hätten jedoch alle Mittel angewandt, ihn umzustimmen. Da Granz alles bestreitet, war Haar­mann über seine Kenntnis von seinen Taten er­zählt, erklärt Haarman«, Hugo WilkowSki und Granz hätten Arnold HenejS ermordet. WilkowSki sei deshalb ebenfalls zu verhaften. Granz be­streitet das entschieden. Im weiteren Verlaus gibt Haarmann auch die Tötung des Richard Gräf, Wilhelm Erdner und deS 13 jährigen Heinz Brink­mann zu, bestreitet aber di« Tötung des Herman« Wolf. Die Verhandlung über den Fall Hannapel wird auf morgen vertagt. Die Verhaftung Sil- kowskis ist, wie verlautet, inzwischen erfolgt.

Hannover, 5. Dez. Der zweite Berhand- lungstag begann mit der weiteren Vernehmung Haarmanns Über die Verwendung der Klei­der seiner Opfer, die Fortschaffung der Leichen­teile, Über seine Verhaftung, sowie de» Angeklag­ten Granz über sein Zusammenleben mit Haar- mann. Granz erklärte, von Haarmann viele Bor­teile gehabt zu haben. E» sei aber unrichtig, datz er von dessen Geld gelebt habe. E» sei ein reine» Freundschaftsverhältnis gewesen. Granz stellt feine Erwerbstätigkeit als vollkommen rechtschaffen dar, wogegen allerdings sestgestellt wird, daß seine nach­weisbare Arbeitszeit sehr gering gewesen sei. Wäh­rend Haarmann immer wieder erklärt, daß Gran» ihn bestohlen habe, bestreitet das Granz auf» ent> schiedenste. 4

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DaS Malbad in ffaigtr

Haiger, 5. Dez. Heute nachmittag gegen 2 Uhr fand hier unter ungeheurer Beteiligung di« Beerdigung der Angersteinschen Opfer statt. Di» aus Niederscheld bezw. Dillenburg stammenden Opfer waren bereits in ihre Heimatsorte überge­führt worden, sodaß in Haiger selbst nur sechs von den Ermordeten ihre letzte Ruhe sanden. $>it Leiche der 17jahrigen Schwägerin Angerstems war heute morgen aufs neue beschlagnahmt worden, und wurde erst freigegeben, als Oie übrigen Lei­chen sich bereits auf dem Friedhöfe befanden. Ci«! wurde nod) nachträglich freigegeben und auf den Friedhof nachgebracht, sodaß sich die Trauerzere­monien auf dem Friedhöfe um fast eine Stunde verzögerten. Im Trauerzug waren die Särge zu­sammen auf einem Wagen untergebrad)t und mit jungem Grün reichlich geschmückt, den Särgen folgten die Angehörigen der Toten, die Behörden, sämtliche Vereine mit Fahnen und eine riesig« Menschenmenge. Am Grabe hielt die katholische und die evangelische Geistlichkeit Ansprachen, dir in würdiger Weise der Opfer gedachten.

RardMgrr StatfMimg

Marburg, 6. Dezember (Julmond).

Die Wahlergebnisse. . ,

Auch diesmal werden wir bemüht fein, so schnell, wie möglich die Wahlergebnisse mitzuteilen. Es set jedoch darauf hingewiesen, daß vor 8 Uhr fein« Extrablätter zu erwarten sind. |

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*Derkupferne" Sonntag. Wie schon mitgeteilt, fällt der früher am dritten Sonntag vor Weihnachten übliche Offenhalten der Verkaufs­stellen wegen der Wahl aus. Tas Geschäft würd? auch nicht viel sein. <

* St. Nikolaus haben wir heute. Wenn btt. Tag sich' zu Ende neigt, macht sich Nikolaus inj greulicher Verkleidung auf den Weg. In einein großen Sack trägt er Aepfel, Nüsse und sonstiges Naschwerk, aber auch eine Rute ft« ihm zur Ser« fügung. Diese seltsame Figur, die mit dem Knechts- Ruprecht und dem Weihnachtsmann identisch geht in bas graue Altertum zurück. Der Nikolaustag läßt beshalb bie Kinderwelt die Freuden die Weih«' uachtsfestes ahnen. 5

* Ein Brand entstand beute früh gegen 5 tot in einem Kellerraum bet Firma F. P. Schaefer in baL Bahnhofstraße. Der zweite Zug bet Freiwilligen Feuer», wehr wat schnell zur Stelle. Bei ber Bekämpfung be« Brandes, bie bald gelang, mußte auch bet Rauchhel» in Benutz genommen werben.

* Für Militärpensionäre. Vom Dev»s sorgungsamt Gießen wird uns mitgeteilt: Restzah­lung der Dezemberpension für ehemalige Offizier» und Beamte pp., sowie für ehemal. Reichswehr­angehörige findet am Dienstag, den 9.12.24 vor-, mittags von 111 Uhr im Offlziersheirn des Au«-' bildungsbataillons 15 aus Zimmer 17 statt. >

* Vom Wochenmarkt. Butter war bet große», Angebot von 2,10 «M an, Eier von 20 Pfg. an ba». Strick zu haben. Sonstige Mittelvreise: Handkäse 7 bi» 00 Psg. bas Stück, Käsematte 2530, Weißkraut 6 bi» 8. Schwarzwurzeln 5060, Rotkraut 1015, State StB» ten 10, Möhren 10, Spinat 4050, Rosenkohl 5060, Mnterkobl 25, Birnen 30, Aepfel 1030, Nüsse 65 -96. Haselnüsse 90, Weintrauben 80100 Pfg bas Pfund, Kohlrabi 6, Sellerie 3040, Lauch 510, Endivien tt bis 30, Täubchen von 50 Pfg. an das Stück. Feldsalat 29 Pfg. der Teller. Hasen 56 <M, Hübner und Häba- ck,en von 60 Pfg. an, Blumenkohl von 0,801,50 Ji. an das Stück. Gänse bei großem Angebot von 70 Pßr « das Pmnb. Hafen 90 Pfg bas Pmnb. «

* Im Zeppelin übet den AtlantkL 3» Zentraltheatet Kafetnenstrabe wird atz deut,