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fdJ angebliche SmisMeMsnindum

Berlin, 2. Dezember 1924.

In den Berliner politischen Kreisen beschäftigt »an sich sehr lebhaft mit einein angeblichen Memo­randum de« französischen Ministerpräsidenten Herr tot, daS den Plan zu einer Rekonstruktion her deutschen Reichswehrorganisation enthält und da» angeblich auf Grund von Besprechungen zwi­schen dem französischen Linksblock und Führern der deutschen Demokratie aufgestellt worden sei, mit dem Diele, die die deutschen republikanischen Strömungen DU stärken, um aus der Basis gemeinsamer Arbeit den Frieden Europa« zu sichern. Die demokratischen Glätter bezeichnen daS Dokument als gefälscht und dehaupten, daß die Deutschnationalen damit eine Wahlbombe" zur Explosion bringen wollten, um Senso, wie die Konservativen in England mit dem russischen Sinowjew-Vrief, einen entscheidenden Schlag führen zu können. ES scheint fcbodj, daß diese Vermutung nicht ganz zutrifft. Das Dokument ist nämlich in keiner Weise dazu geeignet, überhaupt irgendwie ernst genommen zu ioerden und wird selbst von den deutschnationalen Blättern nicht al« authentisch angesehen. Die Re­organisation der Reichswehr ist eine ausschließlich deutsche Angelegenheit und kann daher auch keineS- teegs von französischer Seite zum Anlaß einer diplo­matischen Aktion genommen werden. Das angeb­liche Herriot-Memorandum enthält den Vorschlag, daß General von Seeckt dadurch ausgeschaltet wer­den soll, daß der Reich«wehrminister selbst die mili­tärische Oberleitung der Reichswehr ausübt. Schon dieser vollständig unsinnige Vorschlag beweist, daß das Dokument von ganz uneingeweihten Kreisen fabriziert worden ist. Da da? zur Verbreitung ge­langte Exemplar in russischer Sprache abgefaßt G, wird in den Berliner politischen Kreisen die Vermutung ausgesprochen, daß es von bolschewi- Hkscher Seite irgendwelchen Persönlichkeiten in Deutschland in die Hände gespielt worden ist, um damit den deutschen Rechtsparteien ein Schnippchen 6, schlagen, denn die Abfassung ist so gehalten, daß e Demokraten dadurch garnicht einmal belastet »erden. Wenn z. B. behauptet wird, daß es der 8»eck der ganzen Aktion sei, die demokratischen Dichtungen in Deutschland zu stärken, so wird abso- b»t nicht» neues behauptet, denn die französischen Ankspolttiker haben schon immer in ihren öffent- mhen Erklärungen den Wunsch ausgesprochen, daß die Demokratie in Deutschland gestärkt werden müsse, damit die Wiederkehr Poincaree« in Frankreich verhindert werden könne.

Wie dem auch sein mag, es sind bestimmte Beweis« dafür vorhanden, daß es sich um eine große Fälschung handelt. In den Kreisen der Reichsre- Dterung weist man darauf hin, daß das ganze Doku­ment nicht existieren könne, weil e» sich die konser- dative Regierung in England ernstlich verbeten haben würde, an einer Aktion mitzuwirken, die zur Dtärkung irgendeiner Partei in Deutschland be­stimmt sei. England und Italien, die doch zu den Alliierten Mächten gehören, an die daSMemoran­dum" angeblich gerichtet sein soll, wären doch keknes- vegs durch derartige Argumente zur Unterstützung einer Aktion der französischen Negierung zu ge­winnen gewesen. Im übrigen könne man ja auch ebwarten, ob hinsichtlich der Reichswehr derartige Forderungen gestellt würden, die dem Versailler «ertrag widersprechen, und deren Unsinnigkeit ohne weitere» jeden militärischen Sachverständigen auf- fellcn würde. Im ReichSwehrmtnisterium hält man daher da» Dokument für eine Fälschung, denn die darin enthalteneUmgruppierung" würde absolut var keinen Zweck haben können, weil sie an der Organisation der Reichswehr grundsätzlich nichts än­dern würde..

Berlin, 1. Dez. DemB. D." zufolge scheint die bisherige Untersuchung über dien angeblichen Brief H e r r i o t s an die Alliierten mit den Forde- wngen nach einer Umgestaltung der deutschen «eichswehr ergeben zu haben, daß dieses Dokument m der Berliner kommunistischen Fälscherzentrale her- tzcstellt worden ist.

Scharfe Kunvgebunge« gegen Herriot.

Paris, 30. Nov. Herriot hat sich heute früh Epinal begeben. Dabei ist es zu Zwischen- i «allen gekommen, sowohl in St. Diee, wo Herriot «as Wort zu einer flüchtigen Ansprache ergriff. »>e auch in Epinal selbst spielten sich bei seiner An- «nft erregte Szenen ab. Di« katholischen Verbände an Ortsgruppe der Action Francaise batten Ille verfügbaren Mitglieder zu einer Aktion gegen Bernot aufgeboten. In St. Diee war der Bahnhof En Einer dichten Menschenmenge umlagert. Die i.-adt war weder geflaggt noch geschmückt, wie es !l°nst üblich ist. Ab» Herriot eschien, fielen Rufe t»^S lebe Frankreich!",Nieder mit Her- mit dem Scheckbezieher!" ie Anhänger de» Ministerpräsidenten demonstrier» dagegen und so kam es zu lebhaften Zusammen- Die Polizei mußte eingreifen und bct- «Wbene Berhftungen vornehmen. Diese Szenen -ederholten sich dann in Epinal in verstärktem wBe. In seiner ersten Ansprache sagte Herriot, ,ci eine Verleumdung, wenn man behauptete, d totr die Rechte Frankreichs preisgeben oder Hfl dieser Rechte weniger annehmen, als unse Poli­cen Gegner. Frankreich kann nicht ab- bit Klange es seine sicherung nicht . 'rchgesetzt ha t. In seiner zweiten Ansprache, herriot in Epinal hielt, betonte er feine dcmo- . -t/dje Gesinnung und spielte dann auf di« Zwi- -"-enicille an, die sich vor seiner Ankunft ereig­

neten. Er sagt«, er habe die Freilassung de» Fest­genommenen veranlaßt.

Paris, 1. Dez. Wie ferner gemeldet wird, haben sich gestern nachmittag gegen 6 Uhr auf dem Bahnhof in Naneh einige tausend Personen, darunter Mitglieder der Republikanischen Jugend­liga zusammengerottet, um Herriot bei der Durchfahrt zu belästigen. Die Behörden veranlaßten tm letzten Augenblick eine Aenderung der Fahrtrichtung. Als ein anderer Zug einlief, in dem die Menge Herriot vermutete, kam es zu lärmenden Kundgebungen und zu erregten Zwischen­fällen. 15 Personen wurden festgenommen.

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Die WirlMstk-MrhmMungm

Abschluß bet deutsch-englischen Verhandlungen.

London, 1 Dez. Die Verhandlungen mit der deutschen Delegation über den deutsch- engli sch en Handelsvertrag sind nach einer ,Times"-Meldung am Samstag erfolgreich zu Ende geführt worden. Der Wortlaut des Vertrages wurde auf einer Grundlaae vereinbart, welche Deutschland nicht nur die Meistbegünsti­gung gewähre, sondern auch gewisie Garantien gegen eine unterschiedliche Behandlung und gegen die Einfuhrbeschränkungen gebe. Die britische Re­gierung übernehme es dagegen, dem Parla- m e n t sobald wie möglich eine Vorlage zu unter­breiten, die die Deutschland auferlegten Beschrän­kungen beseitigt, so daß keinerlei unterschiedliche Behandlung der ^enfichen gegenüber den anderen Ausländern stattfindet.

DerTimes" zufolge bleibt die Frage der 2 6- prozentigen Exportabgabe weiterhin offen. Es fei jedoch eine Formel gefunden worden und in Berlin vorgelegt worden, die es der deut­schen Regierung gestatten werde, den Vertrag zu unterzeichnen und ihn dem R e i ch s t a g zur Rati­fikation zu unterbreiten, und die Äbgabefrage einer späterenRegelungzu überlassen. Die britische Regierung äußerte in dieser Hinsicht ihre Bereitwilligkeit, alles in ihrer Macht Stehende zu tun, um den Handelsverkehr zu erleichtern; sic werde es jedoch ablehnen, einen Vorschlag in Er­wägung zu ziehen, der den Grundsatz der Abgabe selbst oder den Bestimmungen des Dawes-Berichts zuwiderlaufe.

London» 1. Dez. Reuter erfährt, daß nur noch ein Punkt in den deutsch-englischen Handels­vertragsverhandlungen nicht geregelt ist. Man hofft, oaß eine Vereinbarung darüber zustande- kommt und daß das Dokument Anfang dieser Woche unterzeichnet werden kann. Ein Kompro­miß über di« 26prozentige Abgabe werde jetzt er­wogen.

fk. L o n d o n , 2. Dez. Der diplomatische Be­richterstatter desDaily Telegraph" schreibt, die Unterzeichnung des Entwurfs des d e u t s ch - e n g- lischen Handelsvertrages und das dies, bezügliche Protokoll wird im Laufe des heutigen Tages erfolgen. In diesem Falle werden die Ver­treter der deutschen Delegation noch heute abend abreiseu. Es sei jedoch möglich, daß von dieser oder jener Seite der Vertreter Vorbehalt« gemacht würden, durch die die endgültige Liquidierung des Vertrages durch das englische Parlament oder den Reichstag von einer Aenderung der Ausfuhrab- oabe abhängig gemacht werden und in dem der Vertrag möglicherweise in der Zwischenzeit als ein vorläufiger modus vivendi angesehen wird.

Di« veutsch-frauzösischeu Adirtschastsvert^ndlungeu.

Qu. Berlin, 2. Dez. In den Kreisen de» Berliner Auswärtigen Amte» behauptet man, daß im Laufe der nächsten Tag« die letzten Schwierig­keiten zwischen Deutschland und Frankreich hin­sichtlich des Abschlüsse» eine« deutsch-französischen Wirtschaftsvertrages beseitigt werden können. Am Dienstag und Mittwoch finden die entscheidenden Besprechung,n im Pariser Handelsministerium statt. Wenn es gelingt, in den zollpolitischen Fragen zu einer Verständigung zu gelangen, so dürfte die Unterzeichnung der deutsch-französischen Handelsver- trage» noch im Laufe dieser, spätesten» aber Anfang der nächsten Woche zu erfolgen.

fk. London, 2. Dez. Der diplomatische Be­richterstatter desDaily Telegraph" schreibt, es werde erwartet, daß die Fundierungsbedingungen, die zwischen Paris und Washington «reinbart deiben, für Frankreich günstiger sind, als die Großbritannien gewährten.

«phrn» Xt englisch-rnffischen Beziehungen.

London, 1. Dez. Der politische Berichterstat­ter derWestminster Gazette" schreibt, bei der Ant­wort, die jetzt von der britischen Regierung an die Sowjetregiernug erwogen werde, sei Churchill nach­drücklich dafür eingetret*n. daß di« diPlOmatischen Beziehungen mit Rußland abgebrochen und Ra­kowski seine Pässe zugestellt werden. Austen Cham- berlatn, sowohl wie fast da« ganze Kabinett hätten dem jugeftimmt.

London, 1. Dez. Wie di«Times" meldet, wird die Beratung der alliierten Fi­nanzminister in Paris über die Verteilung der Einkünfte aus der Ruhrbefetzung fowie über die Anwendung des Dawesberichts in diesem Jahr nicht mehr stattfinden; die Kon­ferenz ist bis zum Ende der ersten Januar­woche vertagt worden, um den Sachverständigen mehr Zeit zu geben, den vereinbarten Bericht vor- zuoeretten.

Wie bereits gemeldet, wird nicht erwartet, daß Churchill auf dieser Konferenz aus die sofortige Er­örterung der Frage der interalliierten'

Schulden dringen werde. Es könne jetzt an­genommen werden, daß die französische Regierung selbst in der Frage der französischen Schulden an die amerikanische Regierung herantritt, um bes­sere Zahlungsbedinaungen, als sie Großbritannien im Jahre 1922 gewährte, für sich zu erhalten; die Franzosen wünschten nicht nur eine Verminderung der Zinsen, sondern auch Zugeständnisse hinsichtlich der Rückzahlung des Kapitals.

Sttftbitbune ter Räumung ter Wim z»m?

London. 1. Dez. Der politische Korrespon­dent desDaily Telegraph" teilt mit, daß die Un­terredung zwischen Chamberlain und Syrno* r.t allen Dingen das nordafrikanische, das türkische und das Genfer Protokollpro­blem betreffen werbe.

Ausführlich und bestimmt aber dürfte zwischen Chamberlain und Herriot die Räumung der Kölner Zone besprochen werden. Eine Entscheidung in die­ser Angelegenheit fei aber von entschiedenen Punk­ten abhängig. Einmal verweist der Korrespondent desDaily Telegraph" darauf, daß erst das Ergeb­nis der deutschen Wahlen abgewartet werden müsse, ein Argument, das durchaus an den Haaren herbei­gezogen ist. Andererseits macht der Korrespondent geltend, daß vor einer Lösung dieser Frage der Be­richt der militärischen Kontrollkommission abgewar­tet werden sollte. Deutschland habe zwar, wie aus dem Bericht des Generalagenten 6er»ergebt, seine finanziellen Verpflichtungen pünftlich erfüllt und es bleibe nur noch die Feststellung übrig, ob es auch den militärischen Verpflichtungen nachgekommen sei. Wenn dies der Fall sei, so müsse die Räumung der Kölner Zone unter einem außerhalb des Ver­trages liegenden Gesichtspunkt betrachtet werden, nämlich unter demjenigen, der durch die Räumung für die dannin der Luft hängenden" französischen Truppen geschaffen wurde. Die Lösung dieses Pro­blems bedinge ein mit Deutschland besonders zu fchließendes Kompromiß, durch das z. B. das Datum der Räumung der Kölner Zone um einige Monate verschoben würde.

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- AuS tem Wtai Mitt

Di« bayerischen Minister über den Wiederaufbau der Pfalz.

Ludwigshafen, 1. Dez. Einem Vertreter derPfälzischen Rundschau" gegenüber äußerte sich der Ministerpräsident Dr. Held und der In­nenminister Stütze! über das Ergebnis der Pfalzreise. Der Ministerpräsident hat auf seiner Reise überall den Eindruck gewonnen, daß die Pfalz trotz aller Leiden und Opfer unverbrüchlich treu zu Bayern und dem Reich halte. Die Besei­tigung der Arbeitslosigkeit, die Wiederbelebung des Wirtschaftslebens und die Kreditbeschaffung sind vorerst die dringendsten Aufgaben, deren bal- dige Lösung sich die Staatsregierung angelegen sein läßt. Trotz der beschränkten Staatsmittel hoffe man die Kraftentfaltung und Wohlfahrt der Pfalz zu steigern und zu fördern. Der Innenmini- m»-Lützel erklärte, daß es die vornehmste Pflicht der Staatsreaierung fei, die Ruhe und Ord­nung im Staat aufrecht zu erhalten und die Etaatsautorität wieder herzustellen. Alle Ver- inche die Verfassung gewaltsam zu ändern, müssen mit allen Machtmitteln im Keime ersttckt werden. Zum Schluß berührte der Minister das Verhält­nis Bayerns zum Reich und betonte unbedingt die Reichstreue Bayerns.

Speyer, 1. Dez. Anläßlich der beendeten Reife durck die Pfalz sandten Ministerprä­sident Dr. Held und der Staatsminister des In­nern Stütze! von Stuttgart aus ein Tele- aram m an den Regierungspräsidenten der Pfalz, Dr. Matheus, das folgenden Wortlaut hat:

Nach unserer Rundfahrt durch die Pfalz aus der Rückkehr begriffen, drängt es uns unserer hohen Befriedigung und Bewunderung Ausdruck zu geben über alles, was wir an vaterländischem Geist, an Treue zu Bayern und Reich und an kraftvollem Willen zum Durchhalten erlebt haben Wir verbinden damit die herzlichsten Wünsche für bie Wiederaufrichtung der Pfalz. Staatsregierung und rechtsrheinifches Bayern werden in innigstem Zusammenwirken mit allen Bevölkerungskreisen der Pfalz nach Kräften daran arbeiten.

München, 1. Dez. Ministerpräsident Held und die Minister Gärtner und Stütze! sind gestern abend von ihrer Pfalzreife wieder in München ^.ugetrofsen. Zu den stärksten Eindrücken, die die Minister auf der Pfalzreife empfingen, ge­hören, wie wir erfahren, die außerordentlich zahl­reichen Beweise großer Anhänglichkeit der Pfalz an das bayerische Mutter­land und das Reich. Besonderer Dank wurde der bayerischen Staatsregierung u. a. dafür aus­gesprochen, daß sie für die Annahme der Dawes- gefetze eingetreten ist und damit der Pfalz bedeut- fame Erleichterungen geschaffen hat. Die Mini­ster sicherten der Pfalz eine besondere Fürsorge im Rahmen der der Staatsregierung zur Verfügung letzenden Mittel zu. '

Köln, 1. Dez. Der schottische Korporal George Halday ist wegen Ermordung eines deut- cken Mädchens in Köln vom englischen Kriegsgericht zu 15 Jahren Zuchthaus verur­teilt worden. Das Urteil wurde vom Oberkom­mandierenden.bestätigt.

Darmstadt, 1. Dez. Die Interalliiert« Rheinlandkommission bat nunmehr ihren Ein­spruch gegen die Rückkehr des Beigeordneten von Mainz, Bürgermeister Adelung, des Präsiden­ten de» Hefflschen Landtags, in fein Amt zurück­gezogen, nachdem der gegen Adelung erlaffen« Ausweisungsbefehl aufgehoben wur­de. Bürgermeister Adelung hat heute in Mainß die Dienstgeschäste wieder übernommen.

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DMtMrMiiWnd in Reed

Helsingfors 1. Dez. Aus Reval wird ae- meldet: Heute morgen besetzten bewaffnet« Bolschewisten den Hauptbahnhof u.id ver­suchten weiter, sich amtlicher Gebäude und der Telegraphen und Telephonen zu bemächtigen. Viele Polizisten, die sich den Aufrührern entgegen­stellten, wurden getötet. Es kam zu verein­zelten Kämpfen, wobei von Handgranaten und' Maschinengewehren Gebrauch gemacht wurde. Der Hauptbahnhof wurde um acht Uhr von den Truppen besetzt, die auch alle Amtsgebäude in der Hand haben. Das Schloß Domberg ist von den Truppen umzingelt. Der Verkehrsmmister Kark wurde auf dem Weg zum Bahnhof er­schossen. Auch sonst sind viele Personen um­gekommen oder verwundet. Der Belage­rungszustand ist proklamiert worden. Gene­ral Laidonzer hat unbeschränkte Vollmacht und im allgemeinen die Ordnung wieder hergestellt.

Reval, 1. Dez. Zu den bereits gemeldeten kommunistischen Putschversuch en ver­lautet weiter, daß die Ordnung völlig wieder her- gestellt sei. In den Provinzstädten sei alles ruhig geblieben. Die Verluste auf Seiten der Truppen und der Polizei belaufen sich auf 18 Tote, die Ver­luste sind weit größer, vorläufig aber noch nicht zahlenmäßig festzustellen. Etwa 50 Kommunisten find verhaftet und dem Standgericht übergeben worden.

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Wahltewksmw

Wahlmahnung

zum 7. Dezember 1924. Komilitonen!

Wieder einmal sollen Vertreter des Volkes in das Parlament gewählt werden. Wieder ergeht auch der Ruf an die deutsche Studentenschaft, sich für die Parteien zu entscheiden. Es gilt, Stellung zu nehmen zu diesen Gebilden, deren Vorherrschaft im Parlamentarismus wir gleichwohl ablehnen.

Erste Pflicht ist es da für jeden Hochschulring- Studenten, sein Wahlrecht auszuüben. Wir völ­kischen Studenten hüten uns, den Parteien unser« Seelen und unsere Hände auszuliefern. Wir sind völkisch schlechthin. Jedoch über den Parteien z» stehen, schließt nicht die Kritik an den Parteien au». Diese Kritik gilt es am 7. Dezember verantwor­tungsbewußt zu üben.

Der Hochschulringstudent wird die Parteien prü­fen nach dem Maßstabe unserer völkischen Forde­rungen. Wo der Witte zur äußeren und inneren Erstarkung, zum machtvollen großdeutschen Staate, zu einer wahrhaft sozialen, inneren Fortentwick­lung, zur Zurückführung de» jüdischen Einflüsse« auf die ihm angemessenen Grenzen besonders auch an den Hochschulen, wo der einzelne nach dem Urteil feines Gewissens diesen Willen am stärksten verkör­pert sieht, da möge er sich hinwenden.

Darüber hinaus gilt es am 7. Dezember endlich die Einheitsfront aller völkisch-nationalen Kräfte zu bilden. Nur der Einheit dürfen wir uns freudig widmen. Schwarz-weiß-rot ist das Zeichen dieser Einheit. Bewußt ihrer Geschichte und der ganzen Verantwortung lehnt die überwiegende Mehrheit der deutschen Staudentenschaft die Farben Schwarz­rot-gelb der Novemberrevolutionäre ab. Wir, d!« Enkel und Nachfahren derer, die Schwarz-rot-gold als Zeichen deutscher Freiheit und Einheit hißten, wir bekennen uns heute bewußt zu Schwarz-weiß- rot als den allein möglichen Farben einer in di« grotzdeutfche Freiheit vorwärtsstrebenden Jugend. *

Dies Banner schreite uns voran am siebten De­zember 1924!

Deutscher Hochschulring.

Sozialdemokratische «ersamml»»«.

Am Samstag abend sprach in einer öffent­lichen Versammlung in den Stadffälen der Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Beamtenbun-' de», ReichStagsabgeordneter Steinkopf aus Ber­lin, über Wahlsragen für Beamte, Angestellte, so­wie Gemeinede- und Staatsarbeiter. Der Redner richtete zuerst an die Anwesenden die Aufforderung, in ihren Kreisen für eine rege Wahlbeteiligung zu werben, gelte e» doch, am 7. Dezember über datl entere Schicksal des deutschen Volke« zu entschet- den. Ein so unfähiger Reichstag, wie der letztes müsse unter allen Umständen vermieden werden, da« laste die kritische innere und äußere Lage ntd)t zu. Dann gab er ein sehr eingehendes Bild von dem Gang der parlamentarischen Verhältnisse der letzten Jahre und Monat«, die Haltung der Deutsch­nationalen bei Annahme der Gutachtengesetze da­bei einer kttttschen Betrachtung unterziehend. Be­züglich der Aufwertungsfrage zielten die Anttäg« der bürgerlichen Parteien auf eine Aufwertung auf Kosten des Reiches, also der Allgemeinheit, hin. Das habe-höhere Preise, stärkeren Steuerdruck und damit_zusammenhängende Arbeitslosigkeit zur Folge. Die Sozialdemokratie trete für eine soziale Lösung der Aufwertungsfrage ein; auf jeden Fall mflffe der-

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