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Ur. 276

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ÄU «Obrrhrsissche Zeittln," «rlchrint (tdiseel wöchentlich. — Bezuosprei« mvimtlich 2 Tlark au,schll«zlich Zustkllxx^»!«- Hlt. Durch br« vast 2J6 2!k. — Für ausfallende Nummern infolge ötreit» ader «le»entarer Lreignitt« lein Stiag. — MaDr-L-H"»«»»^.-Druck derUniv.-^uchdruckerei »en Joh. «ui.Koch, Markt 21/23.— F-rnjpr-cher: Setiaj um» Lefchäfto- ft»»«: Sit. Sö, Schriitlettang: Nr. 606. Poftfcheckkont»: Nr. ouli Amt Frankfurt a. Main.

' Nillizmord!

Nun haben die Franzosen ihre sadistische Genug- t«ung. Ein deutscher General vor den Schranken ßtnes französischen Kriegsgerichts in den Kasemai- ßcn einer mittelalterlichen Zitadelle. Alles wegen rin« verschwundenen Tafelservices. Denn die an­deren so pompös verkündeten Anklagepunkte gegen jveneral von Nathustus hatte man weise unter den Tisch fallen lasten, da sie die Lächerlichkeit einer solchen Gerichtskomödie nur noch mehr enthüllt hät­ten. So fand man denn den traurigen Mut, den Alten, kranken deutschen General, nachdem man ihn In einen Hinterhalt gelockt und ihm heuchlerisch die Einreise genehmigt hatte, zu einem Jahre Gefäng­nis zu verurteilen. Auf vage, gänzlich grundlose Anschuldigungen hin. Die „ritterliche Nation" hat sich wieder einmal mit ihrein wahren Gesicht ge­zeigt. Haß, grenzenloser haß, weiter ist es ja Nichts! Ein Haß, der so weit geht, daß man sein Mütchen an den wehrlosen Angehörigen eines »ehrlosen Volkes kühlt. Da soll man noch an „Ver­ständigung' glauben?

Dutzende von Kontumacialverfahren sind von dem Franzosen unter Brüskierung jeglichen Rech­tes vor einigen Jahren getätigt worden und haben tn der ganzen '"Jef1 „ritterliche Nation" nur lächerlich gemacht. Wohl niemand hatte geglaubt, daß Re den Mut aufbringen würde, die Verfahren wieder aufzunehmen, wenn einmal ein solcher „Ver­brecher" gefaßt wurde. Belgien hat sich auch wohl­weislich gehütet, durch ein solches Wiederaufnahme­verfahren die Komödie der Kontumacialverfahren rbzuschließen. Frankreich brauchte doch seine Ee- imgtuuna. Jeder wußte: es kommt zu einer Ver- Arteilung. Der« so glauben sich die die französischen Kriegsgerichte nicht „blosstellen" zu dürfen, daß sie sn einem ersten Verfahren 5 Jahre Gefängnis ver­hängen und im zweiten zu einem Freispruch gelan- |en. Das ist der Fluch der bösen Tat ....

Mit diesem Justizmord ist der ganzen deutschen Nation ein Schlag i"s -Besicht versetzt worden. Von frechen „Siegern" ist unsere nationale Ehre in den Staub getreten. Die Reichsreaierung weiß hoffent­lich. was sie zu tun hat. Sie tue es aber bald und laste sich nicht vom „Vcrständigungs"-Eeiste leiten! haben die Feinde uns alles genommen, unsere Ehre haben sie nicht anzutasten. Was der „Friedens- jngel“ Herriot dazu sagen wird, an bett ja manche Deutsche bis zur Eelbstverlegnung glauben, ist jetzt Nebensache. Das Schandurteil von Lille hat uns das wahre Gesicht der Franzosen wieder einmal ge­pikst. Uns blüht nur Haß, der unsere Vernichtung turn Ziele hat. Ein Ziel, das man auch unter einem demokratischen Friedensmäntelchen erreichen kann.

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München, 22. Nov. Das Liiler Krieas- 5erichtsurteil gegen den General 0. Nathn- U5 wird in der bayerischen Presse allgemein als km Tendenzspruch schlimmster Art bezeich­net, dessen Aufhebung erreicht werden müsse; fo schreiben z. Ä. die „Münchener Neuesten Nach­richten", das Urteil sei ein Schlag ins Gesicht des deutschen Volkes Als Deutschlands Sachwalter flabe die Ncichsregierung die Pflicht, gegen dieses urteil mit einer Entschlossenheit anzukämpfen, die von der Empörung des ganzen Volkes getragen werde

London, 22. Nov. Der Berliner Berichter­statter des „Daily Telegraph" schreibt zu dem Urteil gegen den General von Nathustus, von neuem habe die französische Aktion das Wunder erreicht, die deutsche Nation zu einigen. Unter allen Parteien und Klassen Deutschlands herrsche die allgemeine und unbedingte Ueberzeugung, daß Nathustus nicht hätte vor ein Gericht gebracht werden dürfen

Parts, 22. Nov. Die „E r e N 0 uveIle" beschäftigt sich wiederum mit dem Fall Nathu- f tu s. Dis französische Regierung hätte natürlich einen Gerichtshof nicht verhindern können, in vol­ler Freiheit seinen Spruch fällen zu können. Aber es bestanden Rücksichten höherer Art, die die Debatte beherrschten. Es handle sich darum, zu wissen, ob nicht hier der Grundsatz Summum jus summa injuria angewendet werden müsse. Es handle sich vor allen Dingen darum, zu begreifen, daß das Staatsrecht die festgegründete Herrschaft aufgeben müsse, und daß es Falle gebe, in denen Rian auf die robusteste Beweisführung verzichten wüste, weil sonst die große europäische Verständi­gungspolitik in Frage gestellt werde. Wir dürfen, fo fuhr das Blatt fort, nicht vergessen, daß man Frankreich und Deutschland nicht miteinander vussöhnen wird, wenn man nicht einige Opfer bringt. Es versteht sich von selbst, daß diese Opfer die vitalsten Interessen eines Staates nicht be­rühren dürfen Aber bei der Astäre Nathnsius hätten wir eigentlich die Verpflichtung gehabt, Vichts zu unternehmen. Wir stehen jetzt wieder­um am Vorabend der deutschen Reichstagswahlen, deren Ergebnis in gewissem Maße bestimmend fein wird für das, was sich auch bei uns vorbe­reiten wird. Das Urteil von Lille kann die Wahl von deutschen Nationali­sten bedeuten. Jedenfalls mutz der Effekt dieses Urteils, das schon jetzt ausgebeutet wird, beseitigt werden

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Sie englMnOMe Spannung

Keine Ratifizierung des Rnstenvertrages.

London, 21. Nov. Der britische Außenmini- er Ehamberlain hat dem Eowjetgesandten Makowski folgende Note überreicht: Die Regierung

Geir.;; Majestät hat die zwischen dem früheren bri­tischen Kabinett und der Regierung der Union der sozialistischen Sowjetrepdbliken verhandelten und am 8. August dieses Jahres unterzeichneten Ver­trüge einer Nachprüfung unterzogen. Ich habe die Ehre, Ihnen mitzuteilen, daß Seiner Ma­jestät Negierung nach gebührender Ueberlegung nicht in der Lage ist, die. in Frage stehenden Ver­träge an das Parlament weiterzu­geben oder ste dem Könige zur Gegenzeichnung zu unterbreiten.

London, 22. Nov. In der „M orning P0st" wird die britische Note an Ruß­land als ein Zeichen begrüßt, daß die Regie­rung Baldwins im Gegensatz zu der Mac Donalds Herr im eigenen Hause s e i. Moskau, schreibt das Blatt, werde jetzt er­kennen müssen, daß, wenn die antibritische Propa­ganda fortdauere, die Anerkennung der Somjiü- regierung durch England wieder aufhören würde. Wie „M 0rning Po st" nennt auch „Times" die Rote der britischen Regierung eine Warnung an Moskau. Das Blatt vertritt im übrigen die Ansicht, daß die Aktion der Regierung Baldwins die Schaffung normaler Beziehungen zwischen Ruß­land und England besser fördern werde als die dauernden Zugeständnisse her Regierung Mac Do­nalds. Wahrend „W estmin si e r Eazett e" schreibt, es sei kein Anzeichen vorhanden, daß irgend ein Vertrag mit den Sowjets annehmbar sein werde, erklärt „Daily New s", die Regierung habe in keiner Weise angedeutet, daß sie die for­mellen Beziehungen mit Rußland abbrechen walle, die Möglichkeit zu weiteren Verhandlungen mit den Sowjets über einen neuen Vertrag, der mehr mit den politischen und finanziellen Realitäten über« einstimme, fei al'o offengelassen.

Wie „Daily Erpreß" wissen will, bedeutet die Erklärung, daß dieNotederSowjets vom 27. 10. verschwunden sei, eine höfliche Um­schreibung der Tatsache, daß ste vernichtet wurde. Durch dieses diplomatische Manöver werde Ma­kowski die De"""tigung erspart, seine Note zurück­nehmen zu müssen.

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Du. Berlin, 24. Nov. tote wir auS maßge­benden Kreisen der Berliner sowietrustischen Bot­schaft erfahren, werden die beiden Noten der eng­lischen Regierung an Sowietrußland wahrscheinlich ernste Nachwirkungen int Gefolge haben. Sowjet- rußland denke nicht daran, sich durch die neue englische konservative Regierung neuen Demüti­gungen mrss-h-n zu lassen. Die englische Note über die Ablehnung des englisch-russischen Vertrags werde von Rußland dahin beantwortet werden, daß damit diese Frage endgültig erledigt ift und die russische «owjetregierung nicht beabsichtigt, mit England in irgendwelche neuen Verhandlungen ein- zutreten. Das englische Kabinett dürfte sich wahr­scheinlich nicht darüber im klaren gewesen sein, daß seine Note den Bruch mit Rußland zur Folge haben wird. Was di; Angelegenheit des sogenann­ten „Sinowiew-Briefes" anlaugt, so müsse es die Sowjetregirrung zurückweisen, wenn «mland mit einer gefälschten Wahlpropaganda dielomatische L'chritte zu begründen können glaubt. Die englische Regierung solle erst einmal den Beweis für die Echt­heit dieses Briefes einlegen, ehe sie e8 unterneh­men dürfe, Beschwerde zu führen. Das Verfahren der englischen Diplomatie stehe im schärfsten Wi­derspruch zu den völkerrechtlichen Gepflogenheiten und sei einer zivilisierten Regierung unwürdig.

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CiiSM und AkMlm

London. 23. Nov. DaS .. Foreign Office" ver­öffentlicht zwei Mitteilungen, die beute durch Lord Allenbh der ägyptischen Negierung gemacht wurden:

Die erste besagt: Der Eieneralgouvemeu» des Sudan und Sirdar der ägyptischen Armee, der außerdem ein hervorragender Offizier der britischen Armee war, ist in Kairo in brutaler Weise ermordet worden. Die Negierung Sr. Majestät ist der Ansicht, daß diese Mordtat, die den Eindruck erweckt, daß Aegypten ge­genwärtig m einer für zi-vilisterte Völker schmach­vollen Weise regiert wird, das natürliche Ergebnis einer feindseligen Kampagne gegen britische Rechte und brittfche Untertanen in Aegypten und im Sudan ift. Sie hat ihren Grund in einer gedankenlosen Un­dankbarkeit für die Wohltaten, die Großbritannien er- Miesen hat. Diese Kampagne wurde durch die Re­gierung Ew. Erzellenz nicht entmutigt und durch Or­ganisationen, die in enger Berührung mit ihre» Re­gierung stehen, gefördert. Ew. Exzellenz ist von Sr. M. Regierung vor wenig mehr als einem Monat ge­warnt worden vor den Folgen, die entstehen könnten, toenn sie es unterlassen würden, dieser Kampagne, die besonders den Sudan betrifft, ein Ende zu setzen, «s ift ihr kein Ende gesetzt worden. Die ägyptische Re­gierung hat nunmehr zugelass«, daß der General­gouverneur im Sudan ermordet wurde und hat be­wiesen, dass sie unfähig oder nicht gewillt ist, daS Seben der Ausländer zu schützen. Die britische Regierung fordert daher, datz Me ägyptische Re­gierung

1. eine lveitgeh ende Sntschul digung für das Verbrechen anbietet.

2. bie Untersuchung nach dem Urheber deS Derorechers mit äußerster Energie und ohne Rücksicht auf Personen durchführt und die Verbrecher, wer immer und welchen Alters sie sein mögen, gebüh­rend bestraft.

3. in Zukunft alle politischen Demonstr a- tionen untersagt und energisch unterdrückt.

$et «xieigenptei« beträgt fär den 10 ,«!». 3eUe«einimeter 0,03 Sold merk, «etliche ex» ee»»ärti,e »x»«i,en 0,10 Sol». ■i«rL Lei schwierigem Satz, lesie b. PlatzoorschriftexSO'ü Äuychlag. Samelelexzeigex 100's, Axfjchlxg. Keliamex 0,35 Selle, 3e6et Rabatt gilt al« Sarraiatt und etifäiit, mexx die Zxhlxxg später et« 5 Tag» erfetgt. Belege menen vereqxet, ebenfo »xekxxft ixrch bi« S»ichäst,it«ll« an» Zxsexlxx, bet «»gebet«. CtfääxxgMrt Skx bxr» 1 6.-ÄL — U,|M Dell»,

4. sofort an die Regierung Sr. Maj. eine Buße von einer halben Million Pfund zahlt,

5. binnen 24 Stunden die Zurückziehung aller ägyptischen Offiziere und rein ägyp­tischen Einheiten der ägyptischen Armee aus dem Sudan anordnet, mit anschließenden Veränderungen.

6. dem zuständigen Departement mitteilt, daß die Regierung des Sudans das zu bewässernde Gebiet bei ® e 81 r a von 300 000 FeddanS dem Bedarf ent­sprechend biS zu einer unbegrenzten Höhe erweitert,

7. auf jede Opposition gegen die Dünsche Sr. Maj. Regierung betreffend den Schutz der aus­wärtigen Interessen in Aegypten in dem weiter unten engegebenen Zusammenhänge verzichtet,

9. wenn diesen Forderungen nicht unverzüglich stattgegeben wird, wird die Regierung Sr. Maj. so­fort eine angemessene Aktion zum Schutz ihrer Interessen in Aegypten und im Sudan unter­nehmen.

Die zweite Mitteilung an die ägyptische Regierung enthält nähere Angaben über die Forderungen be­treffend: die Armee im Sudan und den Schutz der auswärtigen Interessen in Aegypten.

Kairo, 23. Nov. Diejenigen Blätter, die Zaghlul Paschas Politik unterstützen, erküren, es bestehe guter Grund zu der Annahme, daß die Polizei alle an der Ermordung des Sirdars Beteiligten verhaftet hat.

London, 22. Nov. Ministerpräsident Bald­win ist gestern nach CheguerS gefahren. Die Mit­glieder de- Kabinetts wurden daraus aufmerksam ge­macht, das, angesichts der Ereignisse in Kairo eine Sitzung des Kabinetts während des Wochenendes möglich werden könnte. Am Montag findet bestimmt ein Ministerrat statt. An der Note der britischen an die ägyptische Regierung, die vorgestern abge­sandt wurde, wird zuerst bie tiefe Empörung über den Anschlag auf den Sirdar und weiter eine ener­gische Warnung für die Zukunft ausgedrückt.

London, 24. Nov. Nach einer Meldung aus Kairo erklärte Premierminister Zaghlul am Sonn­abend abend in der Kammer, das Kabinett schlage vor, die Forderungen auf Zahlung einer halben Million Pfund, ebenso die Forderung auf Verhaftung und Be­strafung der Verbrecher anzunehmen, die anderen Forderungen aber abzulehnen. Die Kammer habe dieser Entscheidung zugestimmt und eine Vertrauens- tageSorbnung angenommen. An Kairo sind bisher zwei Personen verhaftet worden, die der Teilnahme an der Ermordung des Sirdar verdächtig erscheinen. An illlezandria kam eS gestern wieder zu englandfeinb­lichen studentischen Kundgebungen, worauf britische Truppen einen Umzug durch die Stadt veranstalteten. Aus Gibraltar wird gemeldet, bah ein Bataillon Infanterie Befehl erhielt, sich am 29. November nach Aegypten einzuschiffen.

Englische Kriegsschiffe vor Mexanvrie«.

Paris, 22. Nov. Eine größere englische Flotte hat sich nach einer Meldung des .Antransi- geant“ vor Alexandrien versammelt. Diese Flotte umfasse außer dem bereits vor Alexandrien ankernden Dreadnought »Daliant" noch 6 Dreadnoughts, 5 Schlachtkreuzer, eine größere Anzahl Torpedoboots« zerstörer und zwei Flugzeugmutterschiffe. An Malta und bei Gibraltar befänden sich die Truppen in Alarmberei tschaft. Sämtliche Vorbereitungen seien getroffen, um jeder Gefahr, die die britische Autorität in Kairo bedrohen könnte, die Spitze zu bieten. Wie das Blatt weiter meldet, soll bereits ein englisches Bataillon in Malta den Befehl er­halten haben, sich nach Aegypten einzuschiffen.

Reuter meldet aus Kairo: Eine Antwort auf d i e britische Not« wird von der ägyptischen Regierung binnen 24 Stunden verlangt.

Englanvsernvliche Kundgebungen in Alexandrien.

Alexandria. 22. Nov. Während der Gedacht» nichsfeier für den Sirdar in der Sankt-Markus-Ka- thedrale fanden auf der Straße englandfeindliche De­monstrationen statt.

fk. London. 24. Nov. Die Regierung hat die von der ägyptischen Regierung geforderte Geldbuße nach Entschädigung der Opfer für wohltätige Zwecke im Sudan bestimmt.

fk. Kairo, 24. Nov. Britische Truppen, 500 Matrosen vom Schlachtschiff .Dalian!" werden heute in Alexandrien eine Demonstration unternehmen.

ff. London, 24. Nov. Reuter meldet, daß der Geist in der ägyptischen Polizei sehr gut sei. Die Regierxng hat ihr Heer dem Polizeikommandanten zur Verfügung gestellt.

fk. Kairo. 24. Nov. Der Gouverneur von Man- surat lieh gestern mehrere Teilnehmer an einer eng- landseindllchen Kundgebung durch Peitschenhiebe be­strafen.

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fk. London, 24. Nov. „Daily Mail" meldet ous Kairo: Die Antwort der ägyptischen Regie­rung auf die beiden britischen Noten gibt zunächst dem Bedauern über das scheußliche Verbrechen Ausdruck nnb erklärt, daß die ägyptische Regierung in keinerlei Weise dafür verantwortlich sei. Die einzige Verantwortlichkeit, die die ägyptische Re­gierung anerkenne, ist die Verhaftung und Bestra­fung der Täter. Um die Trauer des Landes zu z":gen und der britischen Regierung Genüge zu tun, seien ste zu einer Entschuldigung und zur Zahlung der geforderten yz Million Pfund Sterling be­reit. Sie sei ferner bereit, Volkskundgebungen zu verhindern. Die ägyptische Negierung sei aber d r Anficht, daß die geforderte Verantwortlichkeit in vollem Widerspruch mit der ägyptischen Verfassung stehe, nadjbem der Fuad der alleinige Chef des Hee­res sek und allein das Recht habe, Offiziere zu ent­lassen. Di« Negierung fei der Meinung, daß die

Frage der Stellung auswärtiger Beamten bereits durch diplomatisches Uebereinkommen geregelt sei, welches nicht ohne Beteiligung des Parlaments ab­geändert werden könnte.

fk. London, 24. Nov. „Daily Mail" meldet aus Kairo von 11.30 Uhr nachts: Man erwartet, daß Zaghlul Pascha zurücktreten wird. Die Minister beraten fett einigen Stunden. Für heut« werden bedeutsame Ereignisse erwartet.

Ne» günftigr 6tan» ter WWW» MmNungtn

Qu. Berlin, 24. Nov. 3n den Kressen des Auswärtigen Amtes beurteilt man augenblicklich die außenpolitische Lag« wesentlich günstiger, als es noch vor einigen Tagen bet Fall wat. Da sich inzwischen die Wirtschastsvethandlungen mit England und Frank­reich durchaus zufriedenste ll end gestaltet ha­ben und mit einem glatten Verlauf der nunmehr in das abschließende Stadium eingetretenen Konserenzen in London und Pari/ gerechnet werden kann, dürste auch die außenpolitische Lage dadurch eine Wendung zum Besseren erfahren haben. Man hat in Berlin den Eindruck, daß ht der Regelung der Frage der Räu­mung der Kölner Zone und des RehrgebietS fotoU der Beendigung der Militärkontrolle eine kurze Ver­zögerung der Entscheidungen kaum noch vermiede« werden tarnt, aber man glaubt zu wissen, daß spä­testens biS Ende Acmuar eine endgültige und zu­friedenstellende Entscheidung herbeigeführt sein wirb.

fk. London, 24. Nov. Die deutsche Delegation zur Erörterung eines deutsch-englische« Handelsvertrages ist gestern Abend ht London angekommen. Dem diplomatischen Bericht­erstatter des „Daily Telegraph" zufolge, werden die Verhandlungen im Handelsamt wieder ausge­nommen werden, und zunächst Lloyd Ereame und später Lloyd D'ASernon den Vorsitz führen.

Die Vorbereitungen der alliierten Besatzung»- konferenz.

Qu. Berlin, 22. Nov. Die Vorbereitungen zu der interalliierten DesahungSkonferenz sind nach de» im Berliner Auswärtigen Amt vorliegenden Anforma­tionen auf dem Wege direkter Unterhandlungen zwi­schen London. Paris und Brüssel nunmehr bendet worden. Danach wird bie BefatzungSkvnferen» voraussichtlich Anfang Aanuar in Brüssel zufammentreten. unb zwar soll diese Konferenz nut etwa zwei ober drei Tage dauern unb zu einem kurze» Bef:luß kommen, ber bie Regelung ber D«c satzungsfrage insbesondere die Räumung bet Köl­ner Zone in kürzester Frist in Aussicht stellt. An bieser Konferenz werben nur England, Frankreich und Belgien beteiligt sein, sodaß bie Meldungen der eng­lischen Presse, wonach zwischen den Besatzungsmächte» eine Verständigung erzielt worben sei, nicht unwahr­scheinlich erscheinen.

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WWtewrgims

Stresemann in München.

München, 24. Nov. In einer Versammlung der Deutschen Dolkspartei wies Reichsaußenmini- sier Dr. Stresemann auf den außerordent­lichen Erfolg der deutschen Wiederherstellungsan­leihe hin und verteidigte die Politik des Reichs- sinanzministers Hinsichtlich der Aufwertung» frage warnte der Redner vor den zahlreichen Ver­sprechungen während des Wahlkampfes. Er seh» allerdings die Pflicht des Reiches zur Aufwertung gegenüber den Zeichnern der Kriegsanleihe als gegeben an, nicht aber gegenüber denen, die nach dem Kriege Kriegsanleihe im Börsenspiel erwar­ben. Auch die Aufwertung der Hypotheken muff« heraufgesetzt werden. In der Beamtenbesoldung seien die größten Härten jetzt beseitigt. Maa dürfe nicht die besten Kräfte dem StaatsdienH von der Wirtschaft wegnehmen lassen.

Bei Behandlung außenpolitischer Fragen be­tonte er, daß Deutschland nach der Abrüstung dow’ Heer und Flotte nur noch die nationale IdeU bleibe, die sich tm Ruhrkampf siegreich bewähr- bat. Unter Betonung der heroischen Letstungev der Bevölkerung an Rhein unb Ruhr sagte Dr/ Stresemann, daß dieser Kampf seelisch gewönne« wurde, wiege schwerer als der Verlust einer Mil­liarde Bei Erörterung der Stellung der deut­schen Wirtschaft innerhalb der Weltwirtschaft, für die die wirtschaftliche Verständigung in Londva notwendig gewesen sei, wies der Redner die ver­schiedenen gegen das Londoner Abkommen er­hobenen Vorwürfe zurück, indem er betonte, bag das Interesse des internationalen Kapitals an der deutschen Wiederherstellung die beste Bürgschaft dafür sei, daß das Reparatwnsproblem nicht wie­der auf den machtpolitischen Weg verwiese« werde. Der Außenminister schloß feine mit stärk­stem Beifall aufgenommenen Ausführungen mit einem warmen Appell zur nationalen Einigung. ,

Stuttgart, 22. Nov. Reichsaußen» Minister Dr. Stresemann sprach in den letz­ten Tagen in überfüllten Wählerversammlunge» der Deutschen Volkspartei in Neustadl a. d. H., in Worms, Freiburg i. Br., Karlsruhe untz Stuttgart. Bei feinen Darlegungen wies de» Minister auf die Entwickelung unserer Finanz« und Währungspolitik seit einem Jahre hm unU erinnerte daran, daß vor einem Jahre am 15. 11« die Rentenmark geschaffen wurde. Aufgabe be< Regierung sei es gewesen, die Rentenmark zu hal­ten. Diesem Ziel, das man jetzt als erreich» b*