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-M Marburg a. 8., Semabrnd, -r» s. RMmSn - 59. ZaM. 1924

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Anzeiger ftir (das Mer kurWM) SberMen - Amtliches BerkSadlgimsblatt des Kreises Marburg

W JMjftHWÄrtljiM erscheint sechsmal wöchentlich. ke,»g,pret, monatlich 2 Mark an-schließlich Zustrllunqeqi- W'- ,bi* V»ft 2,2a 9Jlt Kur ausfallende Wummern infolge Streik, oder elementarer Ereignisse kein Lrätz Hella3 ^iDr.L. Hit,« rot-.Druck der Univ.-Buchdruckerei von Job. Bug. Koch, Markt 21/23. Fernfpr. L5, Postscheckkonto Sir. SUIS Amt Frankfurt a. Main.

EtÄ «l Yip- Zk"L"Etllim«t«r 0.«, «oldmark. Amtliche und -»irti« Anzeigen 0,10 Sol». Satz, lowre b. PlatzvorschnftenSO^ Aufschlag. Sammelanjetgen 100Aufschlag. Reklame» 0,35 Sold«, ^abatf gilt als Barrabatt und oersallt, wenn die Zahlung spater al» 5 Taae erfolat K-leae werden dereidnet ed.ni» Auskunft durch di. »eschäft.ftelle und 'Zusendung der Angelte. LrfckllungLrt sXtl, 1

In der Erkenntnis, daß man als Grundlage

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I Die Stärke der SowjetrussischenStreit- U r ä f t e ist auf Grund übertriebener Stärkean- I gaben in der ausländischen Presse von Trotzki auf 560 000 Mann beziffert worden. Hierin sind die Marine und dieTruppen der politischen Verwal­tung" einbegriffen. Rechnet man diese in eine Stärke von zusammen etwa 170 000 Mann ab, so ergibt sich die eigentliche ständige Armee eine Stärke von rund 390000 Köpfen. Hierin ist der Wechselbestand der Territorialdivi­sionen, der nur für gewiss« Uebungsperioden einbe­rufen wird, nicht enthalten. Seine Zahl ist unter Zugrundelegung von zur Zeit 27 Territorialdivi­sionen auf rund 260 000 Mann zu veranschlagen.

Während der Einziehung des Wechselbeftandes beträgt demnach die Kopfstärke der roten Armee rund 650 000 Mann, und die Gesamtstärke der russi­schen Streitkräfte einschließlich Marine und Trup­pen der politischen Verwaltung rund 820 000 Mann. I

Die Einziehung des Rekrutenjahrganges 02 ist planmäßig in der Zeit vom 1. 4. bis 1. 6. unter gleichzeitiger Entlastung des Jahrganges 01 erfolgt.

Zum 1. Oktober ist die Einziehung von Rekruten des Jahrganges 02, denen aus verschiedenen Grün­den vergl. Ueberficht vom 5. 4. 24 Nr. 1700. D 3 V ein Aufschub ihres Diensteintritts gewährt worden war, angeordnet.

Der im nächsten Jahre zur Einstellung in das Heer kommende Jahrgang 03 hat im Frühjahr mit denVorbereitungskursen" begonnen, welche gemäß den Bestimmungen über die militärische Vorberei­tung der Jugend im Jahre vor der Einstellung in das Heer durchzumachen sind, hierzu sind zunächst

L hin Ver- Nat. bsn, irifi, lb A isch« illiz« : i« Dingi

I werden. Mit Recht hat diesmal sogar der Allgemein« Deutsche Gewerkschaftsbund dieses verkehrte Mittck

I Zur Preissenkung abgelehnt. Die Gewerkschaften weise« darauf hin, bah die deutschen Getreidepreise den Welt«

I Marktpreisen heute durchaus entsprechen, und daß man die Getreideproduzenten nicht zwingen könnte, unter dem Weltmarktpreis zu verkaufen. Da man das in Deutschland jahrelang zu tun versucht hat, so bedeutet die jetzige Einsicht der Gewerkschaftsleitung in die

I Zwecklosigkeit solcher Zwangsmaßnahmen immerhin ei« I nen Fortschritt.

I , Leider begehen die Gewerkschaften aber, kaum daß I sie den alten erkannt haben, einen neuen Fehler, I indem sie durch Erzwingung höherer Löhne dem Arbeit« nehmer einen Ausgleich für die Teuerung schaffen wo!« len. Der Erfolg dieser Maßnahmen könnte nur der sein, die Preise der Lebenshaltung noch weiter in die Höhe zu treiben. Auch dafür haben die letzten Jahr« Erfahrungen in reichlicher Menge geliefert, daß man auf diesem Wege die Reallöhne und damit die Lag« der Arbeitnehmer nicht bessern kann. Es gibt nur einen Ausweg aus der jetzigen Lage, nämlich der einer natürlichen Preissenkung durch Abbau der all zu hohen Steuern und Tarife. Leider scheint es schwierig zu sein, die Zustimmung der Länderregierungen für diesen Steuerabbau zu gewinnen, weil der Einnahmeausfall hauptsächlich die Länder und Gemeinden trifft. Das Reich sollte hier einmal großzügige und weitsichtig« Politik treiben und den Ländern Ersatz aus anderen Quellen bieten. Es darf mit Sicherheit damit gerechnet werden, daß die Stärkung der Kaufkraft und der Sleu« erkraft der breiten Schichten der Bevölkerung, die al» Folge einer allgemeinen Preissenkung eintreten wird, letzten Endes auch die Reichskassen wieder füllen wird. Die Börse z. B. wartet bekanntlich auf den dringenden notwendigen Abbau der Kapitalsverkehrssteuern, di« heute wenig einbringen, well sie den Kapitalverkehr infolge Ueberspannung der Steuertarife abdrosseln. Baut man diese heute nicht mehr haltbaren Steuern schleunig stab, so wird der Kapitalverkehr sich wieder

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I Durch die Rotverordnung zur Aenderung der ®e= visengesehgebung ist nun endlich die Zwangswirt- !

I lchaft auch auf dem Gebiete des Devtsenver« kehr» abgebaut worden. Der Erwerb von De­visen bedarf in Zukunft keiner behördlichen Genehmigung mehr. Dor allem aber fällt mit der Aufhebung der Devifenzwangsgesetzgebung wieder

I ein großes Stück behördlicher Bürokratie weg, und von finanziellen Gesichtspunkten aus dürfte die Befreiung der Wirtschaft von dem schwer auf ihr lastenden De­visengesehen zugleich eine wesentliche Ersparnis bedeu» I ten. Bestehen bleibt in Zukunft nur noch die Dor- I schrift des Devifen-Einheitskurses. Man darf sich von diesen Abbaumaßnahmen aber auch wichtige pfycho-1 logische Wirkungen versprechen. Wenn die Reichs-1 regierung die Devisengesetze jetzt endlich entbehren zu I | können glaubt wird man im In» und Auslande I mit Recht sagen, so muh sie sich unbedingt sicher fühlen I und auch ohne diese Gesetze die Stützung und Aufrecht- I erhaltung der deutschen Währung unter allen Um-1 ständen für gesichert halten. Es ist klar, daß diese un- I bedingte Sicherheit erst durch die 800-Millionen-An. leihe geschaffen worden ist. die die deutsche Mark I wieder zu einer Währung von internationaler Gel-1 tung macht, deren Basis durch keinerlei spekulative I Treibereien mehr erschüttert werden kann.

Wenn hier auf der einen Seite die letzten Ueber- I reffe der Zwangswirtschaft überflüssig und wirtfchaftS- I schädigend beseitigt werden, so wäre es natürlich voll­kommen widersinnig, diesen wirtschaftlichen Zwang, des- I fen Nutzlosigkeit und Gemeingefährlichkeit durch jähre-1 lange Erfahrungen erwiesen ist, etwa auf anderen ®e- I bieten wieder einzuführen. Don sozialistischer Seite I War kürzlich z. D. die Wiedereinführung der Preisregelung für Brotgetreide zum Zwecke der Berbilligung der Lebenshaltung empfohlen I

ans weiSsr Wäsche

Obst-, Kaffee-, Kakao Wein Kost- -i <!«rgl. Hecken ertl« nt

Don Gian war so starr vor Ueberraschung über diese mögliche Lösung, daß er Windmüller wie gei­stesabwesend ansah, und das war viel für eine so intelligente Physiognomie wie die seine.Herr Dok­tor", begann er und sand damit seine Haltung wieder,nehmen wir an, das Haus hat solche Schlupfwinkel wahrscheinlich sogar hat es welche. Wenn meine Schwägerin einen mir unbekannt«: Weg kennt, um in mein Zimmer bei verschlossenen Türen und Fenstern zu gelangen, so wird sie schon noch mehr von den Geheimnissen dieses Hause» wissen, aber -- ein Mensch kann doch nicht tage­lang ohne jede Nahrung leben!"

Sicher nicht," gab Windmüller sofort zu.Es ist aber möglich, sich nachts, wenn alles schläft, heimlich zu verproviantieren, oder jemand hier im Hause besorgt dieses Geschäft.Ich neige der letz­teren Ansicht zu."

Don Gian sagte Verblüfft:Aber wer? Tat­sache ist, Herr Doktor, daß meine Schwägerin bei ben Dienstboten im House nicht beliebt ist. Sie hat eine von der unseren stark obweichende Art, mit ihnen unizuaehen und -"

Lieber Herr Marchese, Ihre Schwägerin ist, so­viel ich weiß, nicht knauserig, und Geld hat die un­leugbare Eigenschaft, selbst Unbeliebtheit erträglich zu machen in den Sphären wenigstens, in denen wir zu suchen haben, falls falls der jugendliche Ent­husiasmus von Donna Loredana für die Recht« eines jeden, seine eigenen Wege gehen zu dürfen, sie nicht zur Perbündeten ihrer schönen und, wie es scheint, sehr bewunderten Schwägerin gemacht hat," schloß Windmüller liebenswürdig.

(Fortsetzung folgt.)

IJa warum denn in aller Welt?" fragte Don I OHan erstaunt, von seinem Gast auf die wachs- I weiße, exotische Blume herabsehend, die feinem I tadellosen Frack eine besondere Distinktion verlieh. I »Ich kenne jemand in unserem heutigen Kreise, dem der Gardenienduft zu schwül ist und Unbehagen macht," erwiderte Windmüller mit leisem Lächeln. Idiosynkrasie, wenn sie wollen, aber solche Ab­neigungen kommen vor und sind schwer zu bekämp- fen. Tas kann Ihnen freilich ganz gleichgültig sein

I und ist ja auch nur ein Vorschlag von mir, weil I ich diese Eigentümlichkeit meiner jungen Freundin I zufällig kenne."

Don Gian zog, ohne ein Wort zu sagen, die Gar­denie aus seinem Knopfloch und steckte eine gelbe Nelke aus dem Blumenstrauß, der auf dem Tische in einem schlanken venezianischen Glase stand, an. Er sagte:Besten Dank und verzeihen Sie, Herr Doktor, wenn ich sie störe, aber ich habe Sie den j ganzen Nachmittag nicht mehr gesehen und möchte

I doch nun gern wissen, ob Sie in unsrer Ange­legenheit weiter gekommen sind."

IDas ist mit Ja oder Nein nicht ohne wei­teres zu beantworten", erwiderte Windmüller nach

I einer Pause, während welcher er seine Papiere weg- I schloß.Ich wollte noch ein paar Nachrichten ab« warten, ehe ich Sie aufsuchte. Diese Nachrichten habe

I ich erhalten. Sie sind, um es kurz zu sagen, alle I auf demselben Punkt wie die früheren: Ihre Fran I Ichwägerin ist nirgends aufgetaucht und gesehen I worden, das Dokument scheint mit ihr verschwunden ju sein. Denn nicht das geringste Zeichen, daß es in die unrechten Hände geraten sei, hat sich in bem diplomatischen Verkehr zwischen Ihrem Vater-1 tanb und der Pforte bemerkbar gemacht"

Gott sei Dank!" fiel Don Gian inbrünstig ein. I »Die Gefahr, die damit verbunden war, darf I also als vorü^ergegangen betrachtet werden", fuhr!

I Windmüller fort.Die drei Tage, die feit dem I Verschwinden des Vertrages vergangen find, haben I mehr als genügt, um die Sache auszugleichen, und! sollte das Dokument jetzt noch irgendwo auftauchen, I so kann es einen Schaden nicht mehr verursachen. I Die Gefahr lag ja nur in der unmittelbaren Ab-1 liefernng in die Hände derer, die ein Interesse daran hatten, dem Abschluß des Vertrages ent-! gegenzuarbeiten, der inzwischen dank Ihren: so-i jortigen Bericht erfolgt ist. Diese Tatsache liegt

I vor und schließt jede Gefahr aus nur ihre Ver- I Hinderung konnte eine werden. Doch das wissen Sie I so gut wie ich. Es sollte nur erwähnt werden, um I sie durch die Kenntnis von dem Fehlschlägen des I Anschlags zu beruhigen, das im übrigen nicht die I Schuld des Gegners war."

Gott sei Dank!" sagte Don Gian noch einmal I und dann fuhr er mit unwillkürlich gedämpfter I Stimme fort:Aber was ist dann an» meiner I Schwägerin geworden? Glauben Sie, daß sie einer Gegenintrige zum Opfer gefallen, vielleicht gar"

I Er hielt mit einem Schauder ein, denn so wenig I er seines Bruders Witwe liebte, so toar das ttn- I ausgesprochene doch zu furchtbar, um ihm Worte zu I geben.

ISie meinen, ob Sie entweder entführt oder gar ermordet worden ist?" vollendete Windmüller ernst.

INein. Ich bin von diesen beiden Möglichkeiten I deshalb stark zurückgekommen, weil in jedem der bei- I den Fälle das Dokument längst zum Kauf denen I angeboren worden märe, für die es entwendet wor­den ist. Wer seinen Wert so kannte, daß er es durch das Aeußerste zu erlangen suchte, würde nicht bis heute gewartet haben, es um hohen Preis zu ver­kaufen. Ich glaube auch nicht, daß Ihre Schwä­gerin damit das Weite gesucht hat, denn eS wäre ja einfach Wahnsinn, sich mit ihren Brotge- bern zu entzweien. Man könnte zwar noch den Fall setzen, daß ihr plötzlich das Gewissen geschlagen hat unterwegs, auf der Fahrt zum Verrat, und daß sie, diese unterbrechend, sich verborgen hält, bis etwas Gras über die Sache gewachsen ist. Jedoch halte ich dafür, daß erstens Ihre Frau Schwägerin, nachdem sie schon so weit gegangen mar, ihr Ge wissen längst über Bord geworfen, und dann müßte sie auf dem Wege von hier nach Nom irgendwo gesehen worden sein. Das ist aber nicht der Fall. Was ich zu glauben anfange, ist, daß Donna Xenia aus einem noch unaufgeklärten Wege die Nachricht von einer ihr drohenden Gefahr erhalten hat nach der Tat, wohlverstanden und daß sie, da sie nicht wagen darf, das Haus zu verlassen, und doch den Boden darin zu heiß für sich verspürt, einen Schlupfwinkel darin gefunden hat'ink an­deren Worten, daß sie noch unier diesem Dache weilt und zu bleiben gezwungen ist bis sie glaubt ober weiß, sich mit Sicherheit entfernen zu können."

b Eine halbe Stunde vor Beginn der Tafel klopfte t Marches an WindmüllerS Tür und fand feinen j?1 i n Hemdsärmeln am Schreibtische sitzend, sonst Ier au<5 schon für die feierliche Stunde gerüstet, füntr fa£,te er aufsehend und seinen Wirt mit A-, betrachtend,schon im Kriegsschmuck?

ta,/1 << nn> nie °$ne 1,(18 grausige KleidungS- 1 ihÄ' 8ra<f ^nannt, »» reifen, hat sich, wie ich sehe, «1»?erum bewährt. ES steht Ihnen aber sehr gut, UÄ7, «ut sogar - wa» entschieden von der Figur Ttiin Ä ble der Himmel auf diese irdische mitgegeben hat, und - vom Schneider. V't die Gardenie in Ihrem Knopfloch--hm»

t<ne 8ee, wie ich sie in Ihrer T ou Großmutter vermute sie hat entschieden et« ilto ?°.n s"lch Einem Wesen, hat einen Nelken- E>!6 in meinem Zimmer stehen lassen. Suchen Sie r» eine davon aus, und lassen Sie die Gardenie "ut zurück E -

FÖR JEDE TECHNIK IN WUNDERVOLLER AUSWAHL.

EIGENE KUNST' GEWERBLICHE WER.K5TÄTTE*

-t as Manifest ist in den russischen Einigranten- keifen ohne die beabsichtigte Wirkung-geblieben, öwar haben von den lebenden 16 männlichen Ro- manows 13 Großfürst Kyrill als Zaren anerkannt, lw fehlt aber oie entscheidend wichtige Anerkennung leitens der in London lebenden Zarenmutter und »es Großfürsten Nikolajewitsch. Grund für die ab-

- lehnende. Haltung ist die persönliche Abneigung . ____ruer nno xunamn

bfrtepn^rpnC «^okcatie insbesondere die städtischen Wehrpflichtigen 'herangezogen wor-

Sten Ö rern&&,G>ennrHflt9l eberK bres ehemaligen den, während die vom Lande stammenden erst im jWren. Großfürst Kyrill war, evenso wie sein Va- siHerbst nach Bendigung der Erntearbeiten einbe-

*Ct Ippus des Lebemannes, an dessen Namen rufen werden sollen ,nDC

Reche von wenig erfreulichen Skan- Die rutsche Heeresleitung hat in dem Bestreben' bulen haften. Mit Recht hat man es ihm außerdem die rote Armee technisch möglichst zu vervollkomm-

Heitmann« Entfärber

L'nschädhch für a!lc SAnVe. Mühe'ose Anwendung.

Man achte auf die MarkeFuchskopf im Stern, Erhältlich in Drogerien und einschlägigen Geschäften.

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Neben dem Rußland, das mit unbegrenzter xkachtfülle und mit einer Grausamkeit, die selbst die Herrschermethoden eines Iwan des Schrecklichen ßberbieten. die Sowjetkaste beherrscht, gibt es noch ein anderes Rußland, das heute wohl über die ganze Welt zerstreut ist und sich in allen europäischen Hauptstädten zu Kolonien zusammengeschlossen hat, das Rußland des Emigrantentumes. Es ist ver­ständlich, daß alle die Hunderttausende vertriebener und freiwillig aus dem Grauen geflüchteter Russen in ihrem Herzen den Wunsch hegen, einstmals wie­der in die Heimat zurückzukehren und der Schreckens­herrschaft, mit der immer neue Staaten sich bereits gbzufinden scheinen, ein Ende zu machen. Ebenso! wie Sowjetrußland alles andere als eine politisch einheitliche Masse ist, kann auch vom Emigranten­rußland nicht von einer Einigkeit der Wünsche und der Politiken Wege gesprochen werden. Von den Menschewisten bis zu den Anhängern der absolutisti­schen Staatsform ist jede Spielart politischer Ein­stellung vertreten. Unter den Monarchisten selbst herrscht ebenfalls bis in die höchsten Kreise der russi- wen Aristokratie hinein eine sehr tiefgehende Ver-1 schiedenheit über die einzuschlagenden Wege. Die Frage der Thronbesetzung spielt eine bedeutsame »iolle. Alle Versuche, die in letzter Zeit zum Zwecke der Herbeiführung der Einigkeit gemacht worden I finb, können als gescheitert bezeichnet werden. Als I Thronanwärter stehen sich zwei Persönlichkeiten I gegenüber: der Großfürst Nikolai Nikolajewitsch, der ! sich mehr auf das Recht seiner Persönlichkeit und Lignung stützt, und Großfürst Kyrill Wladimiro­witsch. der den Erbgesetzen nach als Thronfolger An­sprüche erhebt, nachdem der Zar und der Zarewitsch Alexius wohl mit Sicherheit als ermordet angesehen I werden können. 1

Großfürst Kyrill hat vor kurzem von seinem I Wohnsitz in Coburg aus sich zum Zaren proklamiert I onb seinen Sohn zum Eroßsürst-Thronfolger er- «flnnt, Er knüpft in seiner Proklamation an diel wlenr szustände in Rußland, auch die neue Hungers-1 Jtoi, an und führt den ja nicht lchwierigen Nachweis, daß die Kommunisten einfach nicht in der Lage sind, dieiem Elend ein Ende zu machen. Er verspricht den Glauben und die russischen Thronfolgegesetze

galten, die Rechte aller Konfessionen zu | putzen und auch den Bauern das ihnen zugeteilte Wnd als ihr Eigentum anzuerkennen sowie allen »Verirrten" zu verzeihen. Eine offizielle Verständi- Zung der Mächte von seinem Manifest an das rus- Uche Volk hat der neue Zar aus naheliegenden I »runden unterlassen. <

verdacht, daß er in den Februartagen der russischen nen, in letzter Zeit der Entwicklung des Eas- I Revolution Vertreter der stolzen Eardemarine- k a m p f w e s e n s ihr ganz besonderes Augenmerk

truppe, deren Führer er war, in die rote Reichs- zugewandt.

ShdSShL ei" Artnachfolger In der Erkenntnis, daß man als Grundlage

Pyrlipp Egalites mit der Revolution zu verbrüdern. I hierfür eine leistunasfäbiae ckemifkbe ^8 außerdem im Wider- Industrie braucht, hat man^sich mi? Nachdruck be Soffen murh,9 hi6, £ " Welchem der Schaffung einer solchen zugewandt. Da die aus

ber persönlichen Thron- Staatsmitteln verfügbaren Gelder knapp sind, ist anwartfchast vorläufig ruhen zu lassen. Eroßfurit unter dem Protektorat der Regierung und unter Kcrill hat sich seinerzeit diesen Beschlüssen in ge- dem Vorsitz Trotzkis der Drobochim"-Verein der wtsser Beziehung ange.chlossen, den Oberbefehl für Freunde der chemischen Landesverteidigung gegrün- etwaige Militär, che Operationen in die Hände Ni- det worden, welS ähiS ber^ Ä uÄem

SC0t/ «^'chzeitig aber durchblicken lassen, Jahr mit Erfolg für die?dttung des Flugwesens ^^er sich als einzigen Rechtsnachfolger des Zaren tätigeVerein der Freunde des Flugwesens" den pachte. Auch damals schon fand smn Standpunkt Aufbau der chemischen Landesverteidigung ermög- kerne Zustimmung. In London und München bilde- lichen und unterstützen soll. SSimu ist Verein in

töähl61lh Iftth fi TthfYTTnPT I S O k in weiten Bevölkerungskreisen

- $erhn d-e Anhänger des Landes das Verständnis und Interesse für die «eiB?nn^ rufiSLÄ überwogen. Eine ganze Notwendigkeit und das Wesen des Easkampfes, ins- rusischen Monarchistenverbanden entstand be ondere auch für den Schutz der Zivilbevölkerung

w. ä ®Äble &4ff"8 el"n ',a"en *"iM russischen Monarchismus selbst dem Zaren ohne t. « t. ~

Land die Erreichung seiner Vläne. 9 , .,®er ..Drobochim hat begonnen, eine rege Tatig-

B ' 1 kett zu entfalten. Es ist damit zu rechnen, daß als

Folge davon die Kriegsbereitschaft der roten Armee hinsichtlich des Easkampfes in absehbarer Zeit einen gewissen Fortschritt zu verzeichnen haben wird.

(Nachdruck verboten.)

Das Rosazimmer.

Venezianischer Roman

tmn ®. von Adlersfeld« Balle st rem.

38. Fortsetzung.

Windmüller lobte die bewiesene Enthaltsamkeit, dem er sich fragte, ob die ganze, ober nur die jaibs Nachbarschaft die Geschichte schon gewußt - ^lbe sicherlich, falls der brave und weise Manu cht dem Grundsatz huldigte, daß man sich nach Kmei, Worten und nicht nach seinen Taten zu rich- 2r. habe. Er, Windmüller nämlich, besah dann den «it der Ca' Asolo mit scheinbar ung'ernindertem «mereffe und verabschiedete sich von Frau Filo- - L*6110 mit vielem Dank und einem warmen Hände- * \ dessen Betrag einen sehr tiefen Knicks von \der würdigen Dame auslöste.

* lssündmüllers erwiderndes Lächeln aber ber. üZ sofort von feinem Gesicht, nachdem die

^^Mtertür des Palazzo hinter ihm zugefallen war, --wich einem sehr, sehr nachdenklichen Ausdruck .4* £r0t'9'~&ne fit8 "eiter aufzuhalten, zurück in den »2 TlQ"'$0 Terraferma, erreichte in diesem fein Zim- kl- iemand zu begegnen, und versank dort x tiefes Nachdenken.