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Sr. M (2. Blatt»

Marburg 18., Frrttag, ton 31. SNsber

zrmkrrt» M der Satlfan

Die innerpvlitifche Einstellung deS Ministerpräfi» tzentcn Sperrtet hat ihn und feine Regierung gezwungen, le Verhältnis Frankreichs zum Vatikan eine ein­schneidende Renderung eintreten zu lassen. Die be- #it6 im Wahlprogramm Herriots angekünbigte Ab» gtrufitng des französischen Botschafters beim Vatikan scheint nun Tatsache werden zu wollen, nachdein die Fmanzkommifsivn der Kammer mit starker Mehrheit Än Budget den Posten für den vatikanischen Botschafter gestrichen hat. Herriot erklärte, daß eine besondere Botschaft am Vatikan .keinen Ruhen und auch kein« Berechtigung habe". Der Ruhen und die Berechtigung zdeses von den Regierungen des nationalen Blocks »jeder hergestellten DvtschafterpvstenS dürfte sich für Frankreich in der Kriegs- und AachkriegSpvlitik so Mgensällig erwiesen haben, bah die Erklärung Herriots M>as eigenartig wirkt. Seinerzeit hat der Vatikan Ke französischen Bischöfe geradezu zum Einverständnis M der Verständigung Roms mit der Pariser Regierung Idingen müssen. Der Vatikan läßt nun burchblicken, taß die französischen Bischöfe seinerzeit mit ihrem Didcrstand doch nicht so unrecht gehabt haben. Daß 6er Vatikan unmittelbar Repressalien in dieser An- ßelege-.heit ergreifen wird, ist bei seinen bisherigen diplomatischen Gepflogenheiten nicht anzunehmen. Tuch Ke Einrichtung besonderer Duntiaturen in Äon» ßaytinopel, Peking ufw. scheint nicht beabsichtigt zu fein. Es ist aber wohl anzunehmen, bah die im Orient eit Frankreich konkurierenden Mächte versuchen werden, Avrtttle aus dem Bruch zu ziehen. Hat doch Frank» eich seine Orientinteressen immer wieder mit seiner «geblichen Schuhstellung gegenüber dem Christentum ab Orient begründet.

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MimMmHrvU in SoMrutzland

Das Rußland der Zarenzeit galt bereits für ein Land tiefsten Bildungsstandes und höchsten Tnalpha» ietisiaus, soweit die breiten Volksschichten in Frage tommen. . Auf den kürzlich beendeten allrussischen Kom» Munistenkongreß in Moskau gab der Dildungskommissar Simartscharski nun ein Bild der Lage, das erkennen Wt, wie traurig es im Vergleich zur Vorkriegszeit seit Beginn der Sowjetherrschaft in Rußland aussieht. Lor dem Kriege gab es etwa 62 000 Volksschulen mit tL Millionen Kindern. Im Jahre 1921 war die Zahl ter Schulen vorübergehend auf 67 000, die der Schüler «f 6 Millionen gestiegen. Bald zeigte eS sich jedoch, daß diese Versuche zur Hebung der Volksbildung nur Täuschung der Oeffentlichkeit waren. Seit 1922 hat ein ungeheuerlicher Rückgang eingesetzt. Seit Okto­ber 1923 gibt es nur noch 49 000 Schulen mit 3,7 Milli T.tcn Kindern. Auch bei den Mittelschulen hat eine Rückwärtsbewegung eingeseht. Die Lehrerbesol- dmig ist ganz unzulänglich und beträgt etwa 20,5 Tube! monatlich im Durchschnitt. Die sowjetistischen Lerwültungsbeomten erhalten bedeutend höhere Ge» Mer. Lunatscharski hat selbst über die LeistungSfähig- fett der Mittelschulen das unmihverständig« Urteil ab­gegeben. .Es hat sich herausgestellt, daß diese Schulen tzarnichts taugen." In der Aussprache wurde verschie»

Die kluge Hausfrau

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(Nachdruck verboten.)

K Das «oiazimm«.

s Venezianischer Roman

E. von Adlersfeld.Ballestrem.

33. Fortschung.

LGerade so meine ich es, rief Komtesse Meldeck ichhaft. Es gibt so viele Menschen, mit denen ein­fach über diese Dinge nicht zu reden ist zum Bei- sßiel mein Vormund und seine Frau. Es war dumm Hn mir, zu sagen, daß Sie mich auslachen würden, knn wenn ich es nicht in Ihren Augen gesehen Otte, daß Sie mich verstehen und und all diese Sagezwischen Himmel und Erde', dann hätte ich Mtrijaupt nichts davon gesagt. Nein, ich habe nichts Wehen und gehört, nur gefühlt und gerochen!"

Gerochen?" wiederholte Windmüller verblüfft, Ger er lachte nicht dazu.

MKomtesse Meldeck nickte.Za. Beim ersten Dale, als wir kamen, die Zimmer anzusehen, habe M nicht die geringste Empfindung irgendeines be- Mdercn Geruches gehabt, trotzdem man die Fenster stst für uns aufsperrte. In dem ganzen Stockwerk Nr nur ein leiser, eigentümlicher Hauch, den alle Abewohnten Räume haben, zu spüren, aber doch Ght auffallend. Nun, als wir gestern hier ein« ßtzen und ich dieses Zimmer hier betrat, fiel mir Nh nichts Sonderliches auf. Die Fenster waren Mmet, und der frisch« Hauch des Wassers kam kein. Aber während ich meine Sachen einraumte, Mg es an, so ausgesprochen nach Gardenien zu Wen*

Ah - das ist leicht erklärlich!" fiel Windmüller k.Da» Zimmer ist vor einigen Tagen erst von bet Verwandten des Hausesallerdings nur für I *ten halben Tag und eine Nacht bewohnt worden, «e hatte ihre Sachen stark mit Gardenienduft parfü- tret, der sich jedenfalls den von ihnen geöffneten I

benützten Schubfächern mitgeteilt hat und" Er brach kurz ab, denn es siel ihm ein, daß die knigen Wäsche- und Toilettegegenstände der Donna »nia dem kleinen Reisekoffer mit Ausnahme des I keibes nicht entnommen worden waren, mithin kch die Sllicher nicht parfümiert haben kannten.

deutlich zum Ausdruck gebracht, baß die Darlegungen des Kommissar» noch außerordentlich schön gefärbt seien. Die Tatsachen, die der sowjetamtlichen Prawda entnommen sind, hindern die westeuropäischen Kvmmu» nisten nicht daran, mit ihren angeblichen Erfolgen in der Hebung der Volksbildung Propaganda $u machen.

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Der Fall 8eeb

Weimar, 29. Oft. Heute nachmittag 4 Uhr trat der vom Landtag von Thüringen auf Antrag der sozialdemokratischen Fraktion gebildete LlntersuchungS- ausschuß für den Fall Loeb zum ersten Male zu­sammen. Zunächst wurde di« Wahl der Vorsitzenden erledigt, die aus den Abgeordneten von Thümmel (Landbund) fiel. Zum stellvertretenden Vorsitzenden wurde Abg .Krüger (Dem.), zum Schriftführer Abg. Pölkvw (Rationalsoziallst) gewählt. Bei der svdann erfolgten Wahl der Berichterstatter einigte man sich dahin, den Referenten von der Opposition, den Korrefe­renten von der Mehrheit stellen zu lassen. Vom Vor­sitzenden wurde der Vorschlag gemacht, zunächst soll der Berichterstatter das Material durcharbeiten. Dann soll dieses Material in drei verschiedenen Gruppen bearbeitet werden, nämlich 1. die Aktenverschiebung, 2, daS Verfahren wegen der im Gutachten angeführten Fragen und 3. die vom Finanzminister im Plenum des Landtage- erwähnten Linzelfälle. Gegen die Grup­pierung wurden verschiedene Widersprüche erhoben, ein entscheidender Beschluß jedoch nicht gefah. Schließ­lich einigte man sich dahin, daß der Aeltestenausschuß wegen der Derichterstatterfrage angegangen werben soll und außerdem auch ähnliche Fälle aus den Verfahren parlamentarischer Untersuchungsausschüsse herangezogen werden sollen. Deshalb wurde der Ausschuß zunächst vertagt. Sein Wiederzusammentritt ist nicht vor dem 5. November zu erwarten.

Reue» Verfahren gegen Loeb.

Weimar, 30. Okt. Gegen den ehemaligen Staats- bankpräfidenten Loeb ist bei der MaatsarSvaltschaft in Weimar ein Verfahren wegen Meineides anhängig gemacht worden. Wie verlautet, hat die Sache mit der Staatsbankangelegenheit nichts zu tun.

Ser tte neuen MHflfgimg&llfon ter RMsngstnmg

Qu. Berlin, 31. Okt. Die mannigfachen Beschwer­den und Lohnforderungen der Gewerkschaften, die in der letzten Zeit an die Reichsregierung gelangt sind, haben sie veranlaßt, eine neue Derbilligungsaktion vorzubereiten, worüber die Verhandlungen im einzelnen noch nicht abgeschlossen find. Die Deichsregierung steht auf dem Standpunkt, daß eine Gewährung der Lohn­forderungen, die vor allem von den Eisenbabnbeamten und Arbeitern wieder mit großer Dringlichkeit er­hoben wurden, den Erfolg der Sanierung der deutschen Finanzen ernstlich gefährden könnte. Sie erkennt da­gegen an, bah die Teuerung dermaßen gestiegen ist. daß eS den arbeitenden Schichten nicht länger zugemutet werden kann, unter diesen Verhältnissen mit ihrem un» zureichenden Einkommen zu leben. Unter den Maß­nahmen, die zum Herabdrücken der Teuerung geplant sind, wird dieDefreiungaller Lebensrnittel von der Umsatzsteuer eine große Rolle fpielen, wie sie bereits vor einiger Zeit von dem Gewerk» schaftsbund in einer Denkschrift angeregt worden ist. Weiterhin hat sich die Regierung mit einigen Syn­dikaten in Verbindung gefetzt, um auf deren Preispolitik einen Druck auszuüben und vor allem di« wichtigsten Bedarfsgegenstände des täglichen Lebens, darunter Kohlen und DekleidungS- gegenstände wieder zu erträglich«» Prell« liefern zu lasfen. Man rechnet damit, daß die Mitte deS nächsten Monats die Beratungen ab^schlofse« find und die Reichsregierung mit ihren fertigen Plänen an ote Oeffentlichkeit tritt.

Ja, das dachte ich auch, und habe meine Nase darum prüfend in alle Ecken gesteckt", sagte Kom­tesse Meldeck.Ich glaubte nun, daß der Geruch von draußen kam, und schloß die Fenster, weil Gar- deniendust mich ja, wie soll ich sagen? mich nervös macht. Ich habe ihn nicht ungern, aber ich kann ihn schwer auf die Dauer ertragen. Der Duft wurde aber immer stärker und schließlich mischte sich ein anderer Geruch herein, der über dem Blu­menduft dominierte ich weiß nicht, welchen Namen ich ihm geben soll, denn ich habe noch nie ähn­liches gerochen. ES wurde mir so übel dabei, daß ich die Fenster wieder öffnete. Da wurde eS besser sogar wieder gut kann man sagen, obwohl der Gardenienduft blieb. Und letzte Nacht wars geradeso. Erst wurde dieser immer schwerer und schwüler, und bann mischte sich jener andere, namen­lose Geruch darunter und wurde immer zudring­licher, den Duft erstickend, bis ichs nimmer er­tragen konnte, aufstand, daS Fenster hier aufmachte und mich davor setzte, bis mir besser wurde.Ich hab' dann auch geschlafen bei offenem Fenster Sie müssen die Gardenien doch auch riechen, Herr Doktor! Der Duft ist ja nicht sehr stark, weil die Luft von außen ihn gewissermaßen verdünnt, aber er ist doch merkbar, deutlich merkbar!"

Windmüller nickte, er roch noch nichts, trotzdem er eine recht empfindliche Nase hatte, die wohlgeübt und wohlgeschult war, wie die eines Polizeihundes, aber er verwarf deswegen die Mitteilung der jungen Dame nicht als Unsinn oder Einbildung, eben weil et nicht zu denen gehörte, die nur gelten lassen, was sie selbst sehen und hören, fühlen und riechen können, und neben sich keinen Platz lassen für die, deren SensitivitSt in einem höheren Grade ent­wickelt ist, die einen sogenannten sechsten Sinn be­sitzen.

Zudem war ja auch noch eine andere Theorie möglich.

Sie sagten, Sie hätten auch etwas gefühlt", erwiderte er statt einer direkten Antwort.

Ja, aber das kann kann vielleicht Autosug­gestion sein", sagte Komtesse Meldeck.Ich meine durch das Bewußtsein, sich in einem uralten venezi­anischen Palast zu befinden, in dem man die Geister der Vorzeit gewissermaßen erwartet. Ich wenigstens, die ich eine solch enthusiastische Liebe zu dieser wun-1

S/tonntn0u)oiitt

Wieder einmal haben Verhandlungen bet (Beamten- organisationsvertreter im Reichsfinanzministerium statt­gefunden. und wieder einmal müssen die Beamten sich gedulden. Denn eine Aenderung der wirtschaftlichen Lage haben sich seit der letzten Besprechung nicht er­geben. mithin liegt kein Anlaß vor zu .... ufw. ES ist das alte Lied. Die Beamten müssen warten und zurückstehen. Di« .finanzielle Lag« deS Reiches ist fast schon zu einem Schreckensgespenst für die Beamten geworben. Hieß eS aber nicht vor einigen Tagen aus dem Munde deS Reichsfinanzministers, daß die finan­zielle Lage gerade mit der Annahme des Gutachten« sich gebessert habe? Man sollt« doch nun mal endlich mit dem Wartenlassen der Beamten aufhören. Oder ist dem Herrn ReichSsinanzminister nicht bekannt, daß das Gros der Beamten zu den am schlechtesten be­zahlten Arbeitnehmern im deutschen Daterlanbe ge­hört? Wieder und immer wieder muß gesagt werden, baß der Staat seine Hauptstütze nur in einem dienst- freudigen Beamtentum finden kann, welches daS Not­wendigste zum Leben hat. Aber tamit sieht eS augen­blicklich böse auS. DaS jetzige System, di« Beamten darben zu lassen und zugleich sie mit immer mehr Arbeit zu belasten, muß bald geändert werden, wenn der Staat nicht Schaden nehmen soll.

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Gn StmpkM

Ein H>x-nprozeß, durch den man sich in die dunkel­sten Zeiten der Mittelalters zurückversetzt sah, wo Hexenverbrennungen und Teufelaustreibungen an der Tagesordnung waren, stand kürzlich im Mittelpunkt einer Gerichtsverhandlung vor dem Schöffengericht in Langenselbold. Man brachte diesem Prozeß offen­bar grobes Interesse entgegen, denn der Zuhörerraum war bis auf den letzten Platz besetzt.

Im August 1924 hatte der Arbeiter Wilhelm Schadt von Langenselbold in Beziehung auf die Witwe des Johannes Hamburger Wilhelmine geb. Spindler in Langenselbold und ihre Tätigkeit als Totenfrau die Aeuberung verbreitet, sie sei eine Hexe und mache die Leute krank, sie sei auch schuld am Tod ihres Enkels und er mache die Leute wieder gesund. Schabt betreibt einen schwunghaften Handel mit Seife und Seifenvulver und benutzt seine Besuche bei de» ländlichen Einwohnern dazu, auf seine Kundschaft in geeigneter" Weise einzuwirken. Man kann es ver­stehen, daß Frauen sich durch ibn betören und ein­schüchtern lassen, wenn man sieht, wie er mit rollenden Augen um sich blickt und seine Zuhörer von seinen weltbeglückenden Ansichten überzeugen will. Man steht dabei im Geist die Hexen auf Besenstielen auf den Blocksberg reiten und den Teufel mit Hörnern und Pferdefuß sich mit satanischem Grinsen nahen und Schauder ergreift den Einzelnen. Da werden Kranke, die Schadtgebrannt" oderfestgestellt" hat und deren Leben verloren ist, von ihm durch Beschwörung und Zauberformeln geheilt, verschiedene Frauen werden als Hexen bezeichnet. Es wäre interessant gewesen, wenn Schadt sich zum Wahrheitsbeweis erboten hätte. Er hat aber keine Anstalten dazu gemacht.

Bei der Verhandlung hatte man den Eindruck, daß viele Frauen sich durch diesen hirnverbrannten Unsinn betören lassen und offenbar aus Angst vor Schadt, der sich ihnen als weltbeglückenden Heiland vorstellt, mit der vollen Wahrheit vor Gericht zurückhalten.

Um diesem gemeingefährlichen Treiben, das in die aufgeklärte Zeit des 20. Jahrhunderts nicht mehr hin- einvaßt, einen energischen Riegel vorzufchieben, wurde Schadt wegen dieser öffentlichen verleumderischen Be­leidigung zu 2 Monaten Gefängnis verurteilt.

Wielen

Der moderne Einbrecher.

Es gibt wohl kaum einen größeren Kontrast als den »mischen dem Einbrecher der alten guten Zeit und dem mobernen Großstadteinbrecher. Die Kunst des Stehlens bat eine riesige Entwicklung genommen. Die Wissen- ww »um >«epwaac. awem berbaren Stabt habe! Gefühl? Ich fühle eS eben jetzt, jeden Augenblick, den ich in diesem Zimmer bin ein klein wenig auch nebenan, aber nicht so deut­lich. Was eS ist? Oh, ich denke die Gegenwart von etwas, von jemand, um präziser zu sein, der den Raum mit mir teilt, jemand, der mich im Vorüber­gehen jeden Augenblick streifen kann. Das Herz schlägt mir wild bei dem Gedanken, daß ei geschehen könnte, doch wärS vielleicht ganz gut, wenn es ge­schähe, damit man doch weiß, was es ist!"

Windmüller antwortete nicht gleich, sein Blick wanderte ringsum um das wundervolle Zimmer, jedes Detail In sich ausnehmend.Sie sollten diese rosigsilberne Pracht mit einem anderen Raume ver­tauschen, meinte er darnach.

Es fällt mir nicht Im Traume ein, mich aus­lachen zu lassen, nachdem ich mir dieses Zimmer mit solcher Begeisterung auserkoren habe!" rief sie mit einem Lachen, daS nicht recht gelang.Wenn mein Vormund, seine Frau und die Jungfer die benien gerochen hätten, so würden sie ja etwas darüber gesagt haben. Oder sie halten den Duft für etwas Zugehöriges und er ists ja auch. Der andere ist natürlich nur Einbildung. Warum sagen Sie eS denn nicht gerade heraus, Herr Doktor?"

Wenn eS nur das wäre, was Sie von mir erwarteten, so hätten Sie mir die Geschichte Ja nicht erzählt", erwiderte Windmüller fein.Lassen Sie mich mit der Antwort noch etwas warten sie ist gar nicht so einfach, weil ich mir einbilde, kein Philister zu fein. Aber wirklich und aufrichtig: bleiben Sie auf Kosten Ihrer Nerven nicht In diesem Zimmer. Der Preis wäre ein zuhoher im Vergleich gegen das bißchen Neckerei oder auch Schelten wegen scheinbarer Launenhaftigkeit. Die Last einer stän­digen Furcht"

Nein, nein ich habe keine Furcht!" fiel sie lebhaft ein.Ich weiß ganz genau, daß das Klop­fen meines Herzens, von dem ich eben sprach, keine Furcht im eigentlichen Sinne deS Wortes ist, son­dern mehr die Erwartung von etwas,, das sich offenbaren will, das hinter einem Vorhang sich be­wegt, ohne daß man weiß, was es ist. Verstehen Sie mich? Ich habe nicht die Empfindung, daß mich etwas bedroht, daß eine persönliche Gefahr mir nahe ist!"

«Run, ich taxi--e Me auch nicht darauf, daraus/

Zs.Schrg.1924

1^lrgBtggni

schäft bat sich dieser Zivilisationserscheinung mit glei­chem Interesse wie allen anderen gewidmet. Jetzt gibt es den alten Too der Einbrecher nicht mehr, der nach einem mehr ober weniger erfolglos abgestatteten Be­such »erschlagene Türen und Fensterscheiben, umgewen­dete Vorhänge und Tevviche, durchstöberte Schränke und Kästen, in denen alles von oberst zu Unterst gekehrt ist, hinterläßt, der in jeder Minute seines Raubzuges des Gefangennehmens gewärtig war, da er schon durch sein Aeußeres seinen Beruf verriet, große auffällige Schußwaffen mit sich trug, weniger grimmige und be­sitzende Herren Einbrecher sich mit einem Knüppel be­waffneten und außerdem schwere Werkzeuge mitschlep­pen mußten, wenn sie Eeldschränke und Safes aufs Korn genommen hatten. Das bat sich heute alles geändert. Der fachmännische Geldschrankknacker nimmt sich erst einmal die Mühe, sorgfältige Auskundschaftun­gen zu treiben und alles bis auf das Fortkommen vor« lubereiten. Er geht in das Haus feiner Sehnsucht nicht hinein wie eine Maus in die Falle. Um den Weg zum Erfolg zu glätten, müssen erst einmal naive, un­wissende Mitbewohner dienen. Die Bekanntschaft mit den Dienstboten wird gesucht, und unauffällig werden dann Studien übet die Gewohnheiten der Herrschaften und den Aufbewahrungsort von Wertgegenständen ge­trieben und zum Schluß wird rechnerisch genau festge­stellt, auf welche Art und Meise das Eindringen und das Verlassen am schnellsten vor sich gehen kann; denn Schnelligkeit ist das Geheimnis des Erfolges, katzen­artige Bewegungen, eiserne Nerven, Gewandtheit und Verschlagenheit müssen zur höchsten menschlichen Voll- , kommenheit gediehen sein, um einenperfekten" Ein- . brechet zu schaffen. Sauerstoffapparate zum Aus« . schweißen von Safes sind sein Hauotwerkzeug, Wacht­posten werden ausgestellt, um jeden unvrogrammati- schen Vorgang zu melden und zum Schluß jagt der Chauffeur mit den Siegern und der Siegesbeute da­von und bringt sie in Sicherheit.

Verantwortlich f. d. Schriftleitung: Hanns Georg Licht Für den örtlichen und Provinz. Teil: Wilhelm Wißner.

Sprechzeit: 8-1! Uhr. '/,!-! Uhr

Unverlangt eingefanbte Manuskripte werben nur tu* rückgeschickt, wenn Riickvorto beiliegt.

Nur A Mk. A? Pfg.

kostet ein selbstgebackener Kmchcu-WM nach folgendem

Qeiker-Rezept

M. 0.24 0.50 ".4 0.2: 0.4 0.18 2 l.Tf 0.08 .. 0.1'5

1 0.08 M. 3.37

590 g Weizenmehl

250 g Korinthen

50 g Zitronat (Sukkade)

100 g Rosinen

250 g Margarine ä Pfd. 0.99

200 gZ ucker ä PId. 0.40

5 Eier ä 0.19

1 Tasse Milch

2 Teelöffel voll Zimt

1 Päckchen Dr. Oetker«Backin

7i ikaraili mn Dle Lutter rühre schaumig, gib Z.Uu8r8llUny Zucker, Eigelb, Mehl, dieses mit dem Back in gemischt, Milch hinzu und zuletzt die Ko­rinthen, Zitronat, Rosinen, Zimt und den Eierschnee. Fülle die Masse in die gefettete Form und backe den Kuchen In etwa 1/, Stunden.

Verlangen Sie vollständige Rezeptbücher in den Ge­schäften, wenn vergriffen d. Postkarte gratis u. franko von Dr. A. Setter, RöhrmMMbrik, Vielefrld.

* Eingetretene Preisschwankungen sind zu berücksichtigen.

daß Sie furchtsam sind und vor einer Gefahr da­vonlaufen würden," erwiderte Windmüller mit einem freundlichen Blick auf die junge Dame, in deren klaren blauen Augen er In der Tat keine Furcht las, aber ein Etwas, was man nicht oft zu finden pflegt: die Fähigkeit, zu sehen, was den meisten unsichtbar bleibt.ES ist keine Feigheit und auch keine Schande, die Waffen vor den Dingen, zwischen Himmel und Erde, zu strecken."

Also meinen Sie"

Ah, es soll dies keine Meinung sein, sondern nur ein Vorschlag. Ich bin noch gar nicht in der Lage, eine Meinung zu äußern. Vielleicht reden wir noch einmal darüber, falls ich länger in Venedig bleiben sollte für den Augenblick fürchte ich, daß ich mich Ihnen empfehlen muß. Dies Zimmer nebenan ist das letzte in der Flucht, die Sie be­wohnen, nehme ich an. Ganz recht. Und diese schmalen Türen rechts und links von dem Bette, in dem man eigentlich königlich schlafen müßte, füh­ren In den Vorsaal?"

Nicht direkt. Diese rechts geht in die Garde­robe, die links in das Badezimmer. Bon der ersteren aus gelangt man unmittelbar in den Borsaal und in das Trepenhaus."

Windmüller interessierte sich sehr für beide Räume und besichtigte sie so eingehend, daß Kom­tesse Meldeck nur mit Mühe ein paar Fragen zu­rückhielt, die sich ihr aufdrängten. Aber sie hielt sich zurück und bewies damit, daß sie über ihre jungen Jahre hinaus taktvoll war.

Die Garderobe war ein geräumiges Gelaß, dem darüberliegenden, zur Wohnung des Marchese ge­hörigen, entsprechend, und wie dieses künstlich be­leuchtet. Die weiß lackierten, reich mit Gold ver­zierten Schränke, ein mit Spitzen über Seiden­futter elegant arrangierter Tisch, ein hoher Spiegel in geschnitztem und vergoldetem, verstellbarem Rah« men entsprachen ganz der Pracht des Rosazim­mers. Auch dS Badezimmer, in Weiß und Gold gehalten, machte den Eindruck einer Rokokobonbon« nteure; es hatte noch einen zweiten, markierten Aus­gang nach der Garderobe, in die eS gewissermaßen eingebaut war, bot sonst aber, wie die letztere, keinen Anhalt für die Möglichkeit eine» geheimen Zutritts.

(Fortsetzung folgt.)