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Deutschlands auf, für die schleunigste Beseitigung schweren Hindernisses zu sorgen

der Arbeiterpartei und 4 von den Liberalen. Henderson, der bisherige Minister des Innern, ist in Barclay gewählt. Bis 11.30 Uhr mitteleuro­päischer Zeit lagen 12 Wahlergebnisse vor. Davon entfallen 10 auf die Konservativen und 2 auf die Arbeiterpartei.

fk. London, 30. Okt. Der Stand der Parteien nach dem bis 12 Uhr nachts (deutscher Zeit) vor­liegenden Wahlergebnis ist folgender: Konser­vative 35, Arbeiterpartei 16, Liberale 7 und Un­abhängige 1. Die Konservativen gewinnen 9 und verlieren 1, die Arbeiterpartei gewinnt 2 Sitze und verliert 5. die Liberalen gewinnen 1 und verlieren 6 Sitze. Es ist ein starker Stimmenzuwachs für die Konservativen zu verzeichnen.

fk. London, 30. Okt. Stand der Parteien nach den um 4 Uhr früh deutscher Zeit vorliegenden Wahlergebnissen: Konservative 139, Arbeiterpartei 67, Liberale 18, Unabhängige 2. Die Gewinne und Verluste verteilen sich folgendermaßen: Konserva­tive 52 bezw. 5, Arbeiterpartei 18 bezw. 30, Libe­rale 6 bezw. 41. Wiedergewählt sind Hender-on, Walch, Clynes, ferner Pousanty, geschlagen Asquith in Paisle und Margareth in Bondfield Es ist ein starker Stimmenzuwachs für die Konservativen zu verzeichnen.

fk. London, 30. Okt. Wahlergebnisse 6 Uhr früh deutscher Zeit: Konservative 161, Arbeiter­partei 78, Liberale 22, Unabhängige 2. Gewinne und Verluste: Konservative 36 bezw. 6, Arbeiter­partei 19 bezw. 32, Liberale 7 bezw. 44. Das End­ergebnis der Wahl dürfte, Reuter zufolge, mit ziem­licher Gewißheit ein Sieg der Konservativen sein.

' fk. London., 30. Okt. Der amtliche englische : Funkdienst meldet, daß nach den in den Haupt- quartieren der einzelnen Parteien eingegangenen Berichten der Wahlkampf ungewöhnlich scharf ist. Sein Hauptmerkmal ist, daß sich die Frauen mit einer nie dagewesenen Zahl an der Wahl beteiligen.

’ Tret, her Erbitterung, mit der der Kampf geführt wird, ist die Ordnung im allgemeinen nicht gestört worden. Die konservative Partei nimmt mit großer Sicherheit an, daß ihr eine große Mehrheit über die anderen beiden Parteien zufallen wird, das heißt, daß sie von 650 Parlamentssitzen mindestens 308 er­halten wird gegenüber 258 Sitzen bei der letzten Wahl. In konservativen Kreisen wird erklärt, der Zustrom sei sehr stark: Tausende von Wählern schrei­ten zur Wahlurne, die sich nicht nur in den letzten Jahren ihrer Stimme enthielten, sondern noch nie­mals gewählt haben. Im Hauptquartier der Ar­beiterpartei erwartet man andererseits, daß die Partei trotz der Kritik der anderen Parteien an der Regierung einen gewißen Gewinn erzielen wird. Bezüglich des Gewinnes glaubt man, daß er zwischen 15—35 schwanken und der Arbeiterpartei im neuen Unterhaus 213—233 Sitze bringen werde. Das Hauptquartier der Liberalen scheint auf eine Besierung in ihrer parlamentarischen Stellung nicht zu rechnen.

fk. L o n d o n , 30. Okt. Die konservativen Wahl­rege waren eine Ueberraschung für alle Optimisten der Konservativen. Besonders die vielen Wahl­erfolge in den Industriegebieten kamen unerwartet. Viele Konservative wurden mit einer Mehrheit wiedergewählt, die zehnmal größer ist als früher. Die Niederlage von Asquith und Paisley wird zur Folge haben, daß sich der liberale Führer von der Politik zurückzieht, und Lloyd George wird dann der unbestrittene Führer der Liberalen sein. Die schweren liberalen Verluste sind besonders zurückzu­führen auf die Taktik der Arbeiterpartei und der Konservativen, die in streng liberalen Gebieten nach einem Kampf zwischen den drei Parteien erzielten, daß die liberalen Stimmen zersplitterten Von den erfolgreichen Kandidaten sind noch zu nennen: der Pazifist Morel, der frühere Staatssekretär Hamor Ereenwood, die Minister Thomas und Roberts, der ehemalige konservative Minister Douglas Hogg. Unter den geschlagenen Kandidaten befinden sich der ehemalige Minister und jetziges Mitglied der Ar­beiterpartei Addison, der ehemalige Minister Mac Namara, die Arbeiterminister Leach Jovet und die Führer der Arbeiterpartei Susas und Lowrenne. Die acht kommunistischen Kandidaten unterlagen völlig mit Ausnahme des Indiers Saklat Vala- battersea, der den liberalen Kandidaten mit einer Mehrheit von 502 Stimmen schlug.

London, 29. Okt. Wie Reuter meldet, haben bei der heutigen Wahl viel mehr Frauen als früher gewählt. Ein Automobil der konservativen Partei, in dem sich Kinder befanden, erlitt auf der Fahrt nach Bolton einen Unfall. Mehrere Kinder wurden aus die Straße geschleudert. Eines wurde getötet, zehn verletzt.

fk. London, 29. Okt., 11 Uhr abends. Die ersten 5 Wahlergebnisie gehören den Konservativen und zwar 3 Sitze in Halhord, 1 in Wakefield und und 1 in Manchester.

ff. London, 29. Okt., 11.45 abends. Die ersten Wahlergebnisie bringen konservative Ge­winne in industriellen Wahlkreisen. Bisher haben die Konservativen 8 Sitze gewonnen, davon 4 von

Mm Donalds Schirkfalsstuntze

Starte StaNbeteüigimg - Erfolge der Koniervottven

ibn als normale Regierung des größten europäischen -Volkes anzuerkennen.

Paris 29. Okt. Das „Journal des Debüts" bebt besonders hervor, daß durch die Formel, die Minister- Hercwt in seiner Devesche an Tschitscherin 6“V febscstellt werde, daß die Anerkennung sich nicht aut die ehemals russischen Gebiete, die in un- den Soujet selbst anerkannten Staaten umgewandett worden seien, noch auf Georgien testete oder auf Beqarabien. besten Eingliederung in Rumanlen ofreien von Frankreich anerkannt werde.

Ebina md da- Ausland

Das Verhältnis Chinas zum Ausland nimmt durch die Ereignisse der letzten Zeit eine ganz besondere Dolle in den Erörterungen der Oeffentlichkeit aller Länder ein. Es wird deutlich erkennbar, daß die nationalistisch« Strömung weiter um sich gegriffen und auch in ge­mäßigteren Kreisen Eingang gefunden hat. Die Pro­paganda des russischen Botschafters Karakahn und der Liga sür die Abschaffung der ungleichen Verträgt fangen an zu wirken. Daß England und Frankreich di« Erhebung der Gesandtschaften in Peking zu Botschaften no chmicht für angebracht erachten, hat Enttäuschung hervorgerufen und führte zu dem Schluß, daß bi« Mächte China nicht für gleichberechtigt anerkennen wollen. Nachdem man anfangs auf den neuen ja­panischen Außenminister Shibehara Hoffnungen gesetzt hatte, bah er eine verständnisvollere Annäherung Pans an China herbeifiihren würde, richten sich r.Süer- dings Angriffe gegen ihn wegen des japanischen Ein« wanderungsverbois für chinesische Arbeiter und wegen der Luxussteuer, die nur gegen chinesische Waren in

Owen Young in Berlin.

fk. Berlin, 30. Okt. Der bisherige General­agent Owen Young ist gestern in Berlin ein­getroffen, um auch hier die Geschäft« an Parker Gilbert, desien Ankunft heute erwartet wird, zu übergeben. Owen Young wirb bereits Ende dieser Woche die Heimreise antret-a.

Sie dritte SeMllung

Die Reoarationskommission bat nun auch auf Grund des Londoner Paktes die dritte Feststellung vorgenom­men, da ihr die französische und die belgische Regierung mitteilten, daß sie die fiskalische und wirtschaftlich« Einheit Deutschlands als durchgefuhrt betrachten. Dies« abermalige nach den Londoner Abmachungen vorge- sebene Feststellung bedeutet eigentlich für die Re- varationskommission den Abschluß ihrer Tätigkeit. Nur den Belgiern und Franzosen ist es zu danken, daß sie nach als Aufsichtsbehörde unter Zuziehung eine« Amerikaners weiter besteht. Codann ist diese dritt« Feststellung die wirtschaftliche Liquidierung des Ruhr- einbruches: also die Bankerotterklärung, da der wirt« ickaftliHe Erfolg des Unternehmen». oletzh-MuL tmi Wenn letzt noch die Truvven im Ruhrgebiet bleiben, so haben wir uns in London dem Zwang beuge» müssen. Da aber Deutschland seinen Verpflichtungen nachgekommen ist, muffen wir erwarten, das die An­wesenheit der französischen und belgischen Truppen so­bald wie möglich vollkommen unsichtbar wird. Wil halten uns an die Erklärung Mac Donalds, daß di« weitere militärische Besetzung die wirtschaftliche Durch- führung des Dawes-Planes äußerst erschwere, und for­dern sowohl die Reichsregierung als auch die Eläubi-

In Ermangelung von Gegenkandidaten gelten 32 Mitglieder bereits als gewählt, und zwar 16 Konservative, 9 Sozialisten, 6 Liberale und ein Nationalist. 7 Mitglieder der Universitäten wer­den durch briefliches „Wallop" gewählt.

Es sind alle Vorbereitungen getroffen worden, um so schnell wie irgend möglich das Ergeb­nis der Wahlen bekanntzugeben. Alle Parteien haben Hotels und Riesensäle gemietet, wo die ein­laufenden Einzelresultate sofort bekannt gegeben werden. Unter diesen befindet sich auch die Albert Hall, die etwa 10 000 Menschen saßt. Ferner sind auf allen Plätzen Lautsprecher und Beleuchtungs­körper aufgestellt worden. Da die Wahlen erst um zehn Uhr abends (englische Zeit) schließen, können während der Nacht bestenfalls die Ergeb­nisse von 230 Wahlkreisen bekanntgegeben wer­den, 334 ländliche Wahlkreise können erst im Lause des morgigen Tages festgestellt werden. Die ersten Nachrichten aus London werden also kein irgendwie zutreffendes Bild der Zusammensetzung des neuen Unterhauses geben.

Man rechnet damit, daß die Regierung auch im Falie eines für sie ungünstigen Ausfalles der Wahl nicht sofort zurücktreten, sondern den Zusammentritt des Parlamentes abwarten und ebenso wie ihre Vorgängerin die Abstimmung über die Thronrede herausfordern wird.

Frankreichs Beziehungen zu Polen, Finnland, Esth- land, Litauen und Rumänien würden also durch die Anerkennung in keiner Weise geändert.

Im Uebrigen aber drückt das Blatt sein nur be­schränktes Vertrauen zu den Sowjets aus und ist der Ansichh daß trotz der bestehenden allgemeinen Rege­lung die Lage von dem französischen Standpunkt aus nicht sehr klar sei.

fk. Varis. 30. Okt. Der Ministerrat, der gestern abend um 9 llhr unter dem Vorsitz von Herriot zu- fammentrat, tagte bis Mitternacht. Nach den offiziellen

London, 29. Okt. London macht den Ein- druck einer Stadt im Karneval. Mit den un­glaublichsten Mitteln haben die Parteien Stim­mung für di« Wahl zu machen versucht. Seit Wochen sind hohe Preise auf richtige Voraussagen über das Ergebnis der Wahl ausgesetzt worden, und zwar bis zu 3000 Pfund, das sind nach deut- scher Währung also 60 00 Goldmark. Ein ganzes Heer von Schleppern mit Autos ist aufgeboten worden, Wahlagitatoren ziehen durch die Straßen. Es wird nicht nur mit Plakaten gearbeitet, son­dern auch mit Wahlkonfett, und Lust- > ch l a n g e n. An manchen Stellen sind die Wahl­lokale verbunden worden mit Vergnügungsstätten, in denen Musik und Verpflegung für die Wahl­lustigen bereitgehalten werden. Dementsprechend ist die Wahlbeteiligung auffallend groß. In den Morgenstunden bildeten sich vor vielen Wahlloka­len Londons lange Schlangen von Wartenden. Das Wetter ist schön und für Kurzweil ist gesorgt. Die Veröffentlichungen der letzten Tage haben sehr stark gewirkt und vielen die Wahlmüdigkeit ver­trieben.

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Mr Durch di. Volt 2.25 Wf - Rur -u.fallende Nummern infolge Streik, oder elementarer Ereignisi. kein Ersatz.-tietfea mark. Bel schwierige» Satz, sowie b. PlatznorsihristenSO'/,Aufschlag. Sammelauzeigeu 100»/. «usichlaa.KeNa»«» 0,$5 Sold».

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Allgemein bringt man den Wahlkampf setzt an: die einfache Formel: Erhaltung des bürgerlichen Staates oder bolschewistischer Umsturz, wobei es den Agitatoren nicht darauf ankommt, den für festländische Begriffe sehr gemäßigten und durch­aus nicht bolschewistischen Mac Donald der blutig­sten Umsturzabsichten zu zeihen. Wie die meisten Parlamentarier, so weilt auch Mac Donald zurzeit in seinem Wahlkreise Aberavon. Er soll nach seinem anstrengenden Propagandafeldzug ziemlich erschöpft sein und an einer leichten Verletzung seiner rechten Hand leiden, die ihm das ange­strengte Händeschütteln mit seinen zahllosen Par­teigenossen eingetragen hat. Ueber die Aus­sichten der Wahl werden natürlich verschie­dene Vermutungen aufgestellt. Nach englischer Sitte sind zahllose Wetten abgeschlossen wor­den, deren Tendenz in letzter Zeit fürdieKon­servativen sichtlich günstigerwurde. Die Wiederkehr einer konservativen Regierung wird vurchschritttlich mit 3 zu 2^ gewettet, es sind aber auch schon Wetten von 7 :1 abgeschlossen worden, und groar für die W i e d e r k e l) r B a l d- wins als Ministerpräsident. Niemand rechnet mit einer aosoluten Mehrheit der Arbei­terpartei. Die angegebenen Ziffern schwanken natürlich, und Zwar für die Konservativen zwischen 290 und 311, für die Arbeiterpartei zwischen 195 und 235, für die Liberalen zwischen 85 und 124. Selbstverständlich hat jede Part^ den für sie gün- fhgften Voranschlag ausgegeben. Man sieht je­doch, daß sie sich in vorsichtigen Grenzen halten.

Die Arbeiterpartei rechnet offenbar selbst nicht mit der Möglichkeit, an der Macht zu bleiben.

Die Liberalen tun nicht minder zuversichtlich als die Konservativen. Asquith sprach noch einmal in Paisley, unterstützt durch feine Tochter Lady Bonham Carter, die offen erklärte, daß ihr Vater nicht wieder kandidieren werde, wenn er diesmal durchfiele.

Mitteilungen beschäftigten sich die Mitglieder mit der Stage über ein Gesetz gegen die Preistreiberei. Der Zuftizmintster wurde beauftragt, am 4. November, am Sage des Zusammentritt» der Kammer, einen Gesetz­entwurf vorrulegrn.

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Dle Sitzung des NölkerbunömteS

Pari», 29. Okt. Wie der Sonderberichterstatter der Havasagentur in Brüssel meldet, bat der Löl« kerbundsrat gestern nachmittag sich in einer offi­ziösen Sitzung mit dem Genfer Eicherbeit», und Entwaffnungsprotokoll beschäftigt. In der Sitzung sei bestimmt worden, daß die Ministerien un> Eeneralstäbe an der Vorbereitung der Entwaffnungs­konferenz arbeiten sollten, und daß der Völkerbundsras eine Kommission ernenne, die am J7. November tl Genf zusammen treten soll, um ebenfalls Vorarbeiten für die große Konferenz durchzuMbren. Der Wlker» bundsrat bat beschloßen, in Anbetracht der Ereignisse in England diese Tagung abzusagen und am 3. De­zember in Rom. wo der Völkerbundsrat zu einer ordentlichen Tagung zusammentreten wird, weiter in beschließen. Inzwischen sollen die Regierungen aufge» fordert werden, für die Durchführung des Genfer Pro­tokolls die erforderlichen Schritte zu übernehmen. Stuf Veranlassung des Vorsitzenden de» Rate» ist beschlossen worden, einen Juristenausschub einzusetzen, der die durch das Genfer Protokoll notwendig werdenden Slmenbements zum Völkerbundcstatut vorbereiten soll. In diesem Komitee sollen vertreten sein: Frankreich, England, Italien, Japan« Brasilien und Schweden, letzteres durch seinen augenblicklichen Minister bes Aeußern Unben. Der Völkerbundsrat ist für beut» nachmittag zu einer Vollsitzung zusammenberufen wor­den, da man annimmt, daß inzwischen in der griechisch­türkischen Streitfrage die Grundlage für eine Verstän­digung gefunden sein wird.

Brüssel, 29. Okt. Der Völk«rbund»rai prüfte in seiner gestrigen nichtöffentlichen Sitzung «int Anzahl der Griechenland betreffenden Fragen und er­klärte sich besonders damit einverstanden, bat «ntet Verantwortung der zuständigen gemissten Kommission läOO Personen nach der Türkei übersiedeln, die bereit seien, im Aus tausch verkehr dorthin abiuressev

Der Rat beschäftigte sich dann mit »er Zusammen­legung eines juristischen Ausschusses, bet mit der Abfassung von Zusätzen zu dem Pakt ciir eine fried­liche Regelung internationaler Stieitigfe.ien betraut ist. Weiter beschloß der Rat, Vir hie nächste Tagung im Dezember die erforderlichen RichNinien für die Vor­bereitung der Abrüstungskonferenz auszu- arbeiten und traf schließlich Vorbereitungen für einen Wettbewerb unter den Architekten jum Ban ehre» fiouferen»jae les für den Völketbond in Genf.

Paris, 29. Okt. Der französische erste Delegiert« beim Völkerbunrsrat, Briand, wird bereits morgen nach Paris zurvckkehren und in d-r zweiten Hälfte bei Verhandlungen des Völkerbundsrotes durch den fran­zösischen Bo {.baffer in Brüssel, Maurice Herbette, ver­treten. D'>se Verhandlungen betreifen den griechisch- türkischen Streitfall über die Behandlung der grie­chischen Bevölkerung in Konstantinopel.

Moskaus Antwort an Herriot.

Paris ,29. Oft. Die russische Antwort C das Telegramm Herriots, in dem Frankreich die etfcr.nung der Sowjetregierung ausspricht, ist gestern Mcbt gegen 2 Llhr hier eingetroffen. Die Sowjetregie» fang bemerkt darin zri dem Wunsche der französischen ; Regierung, daß kein Teil sich in die inneren An» l Gelegenheiten des andern einmifchen solle, auch ; Ne Moskauer Regierung glaube, daß die gegenseitige I Mchleinniischung in die inneren Angelegenheiten eine verläßliche Bedingung (I) guter Beziehungen mit je- •em Staate hn allgemeinen und mit Frankreich im besonderen sei. Die Sowjetregierung nehme deshalb : Wt Befriedigung die Erklärung der französischen De» ; Iferung nach dieser Richtung auf. Das Zentralerekutiv- Nmiiee der Sowjets lege den größten Wer! daraus, Ntz alle Mißverständnisse zwischen Svwjetrußlanb und ^aukreich beseitigt werden, und wünsche vor allem . kn Abschluß eines allgemeinen Abkommens, kS ine solide Grundlage für bi« wirtschaftlichen Negierungen bilden könne und zum Ziele habe, zu : tfaer klichen Garantie des allgemeinen Friedens im Interesse der arbeitenden Bevölkerung aller Länder k gelangen und 1n Freundschaft mit allen Böllern N leben.

Die technischen Berhandlungen über die wirtschaft» bchen und finanziellen Fragen bleiben einer so großen ksstfch.französischen Konferenz Vorbehalten, die km Ja»! | *“ar in Paris stattfinden wird. Es ist nicht aus» Drschlossen, daß Tschitscherin selbst bei dieser Ge- •flenbett als Vorsitzender der russischen Kommission : tzach Paris kommen wird.

Paris, 29. Okt. Anläßlich her Anerkennung derI «mietregierung durch die französische Regierung bat T* Parteileitung der französischen kommuni- llischen Partei an die russischen Arbeiter und «luern nachstebenden Aufruf gerichtet: In dem Augenblick, wo die Regierenden unseres Landes die «Mbesreoublik der Sowjets anerkennen, begrüßen die ^nzösifchen kommunistischen Arbeiter diesen Erfolg! Jkrr Brüder in Rußland. Sie wissen, daß dieser Rück-1 *9 des Kapitalismus nicht das Ende des Kampfes I **8en die Revolution bedeutet Sie sind durch die! Ängsten Ereignisse in England und durch die Ereignisse ? Georgien sowie durch die Lehren der Londoner Äon» I - ^enz aufgeklärt worden, daß man auch weiter die I Raffen gegen das westliche Proletariat und gegen I Moskau richten wird Mit mehr Festtgkeit denn je wer-!

die französischen Arbeiter den ihnen vom siegreichen I Bolschewismus vorgezeichneten Weg gehen, umsomehr, 115 heule seine erbittertsten Feinde gezwungen sind.'

HoBliuMntrtennimg durch Fnmkrrtch

Herriot wickelt innenpolitisch wie außenpolitisch <W«n Punkt seine» Wahlprogramms nach dem anderen gl; Vereinbarung mit Deutschland, Bereinigung be» Verhältnisses zu England, Amnestie, Wiederaufnahme be» antiklerikalen Kurses und endlich auch, trotz bet l biityen Erfahrungen, die sein Eefinnung». und Amts- ynofie in England gemacht bat, Aufnahme der Ve- - jiebungen zu den Sowjetleuten Die Ausnahme dieser Beziehungen pflegt sich stets in der Form abzuspielen, ? des die Sowjetleute mit dem gesamten Biedersinn, Hessen sie fähig sind, die feierlichsten Versprechungen ab» V jegen, sich nicht in die inneren Verhältnisse des Der- jragsgegners einzumijchen, und daß bann die Sowjet- provaganbo, wie in Deutschland und England, unter her buntfarbigsten Maskierung munter beginnt. Frank­reich gegenüber ist dieses Versprechen besonder» ein» hrücklich abgegeben worden. Alle kundigen Hühner fischen Moskau und Paris haben vernehmbar gelacht, A«d die E'nzelverbanblungen können beginnen. Der bisherige Kerenfki-Botjchafter in Paris, der Immer h»ch amtliche Funktionen ausübte, mußte auszieben.

Trotzdem verfolgt man in den Berliner außen- CMischen Kreisen mit gespcmtester Aufmerksam- lt die Entwicklung der Beziehungen zwischen Frankreich und Sowjetrutzland, die durch die vor­behaltlose de jure-Anerkennung der Sowjets durch Frankreich eine bedeutungsvolle Wendung ge­nommen hat. Man hält es für sehr-wahrscheinsich, Hoß die europäische Politik schon in ganz kurzer Reit vor die überraschende Tatsache gestellt wird, Heß zwischen Rußland und Frankreich eine direkte Annäherung erfolgt und möglicherweise ein Freundschaftsverhältnis zwischen diesen beiden Ländern geschaffen wird, das zu einer völlig neuen Konstellation in Europa führen würde. Ieden- tzlls ist die Entwicklung der russisch-französischen Beziehungen für Deutschland von außerordentlich großem Interesse und wird die deutsche Diploma­tie von neue Aufgaben stellen, die namentlich im ] s Hinblick auf die neuerdings immer stärker wer- »ende Zurückhaltung Rußlands gegenüber Deutschland nicht leichter Natur sein werden.

Die Anerkennung Rußlands durch Frankreich tp gerade in einem Augenblick erfolgt, wo Eng- land auf dem besten Wege ist, sich mit der Sowjet- rraierung vollständig zu überwerfen. Diese Tat­sache wird bei den unmittelbar bevorstehenden Diplomatischen Verhandlungen zwischen Frankreich vnd Rußland jedenfalls eine nicht unbedeutende Rolle spielen, zumal es ganz unverkennbar ist, I daß auf die Dauer ein Zusammenarbeiten zwi-I schen England und Rußland immer unmöglicher Pird, während auf der anderen Seite in Frank­reich starke Strömungen bestehen die eine Wie- herkehr des russisch-französischen Bündnisverhält- msses erstreben und dabei keineswegs auf das Aerhältnis zu England irgend welche Rücksichten nehmen. Daß bei einer solchen Entwicklung! Deutschland mehr denn je gezwungen sein wird, feine Unabhängigkeit gegenüber gewissen Bestim- i mungen des Völkerbundspaktes zu wahren, ist | von vornherein klar. Die deutsche Regierung wird jedenfalls bei ihren Entscheidungen in der Bölkerbundsfrage mehr den je Rücksicht darauf! Nehmen müssen, daß sich aus einer Neuorientie-1 «mg der französisch-russischen Politik auch für slkutschland gänzlich neue Tatsachen ergeben.

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